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Full text of "Sitzungsberichte der Philosophisch-Philologischen und Historischen Classe der K.B. Akademie der Wissenschaften zu München"

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^v 



Sitzun^sbericlite 

der 

philosophisch-philologischen und 
historischen Olasse 

der 

k. b. Akademie der Wissenschaften 

zu München. 



THIS ITEM HAS BEEN MICROFILMED BY 

STANFORD UNIVERSITY LIBRARIES 
REFORMATTINGSECTION 1994. CONSULT 
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Hb neben. 

Akudemiscbe BuLtidmckerüi von F. Strouk. 
1884. 

Iit C«anÜHion bei G. F r & ■ ■. 



2 Sitzung der phUos.-phüoi. Classe vom 3. Februar 1683. 

Herr von Hefn'er-Alteneck machte Mittheilungen 
über drei vom Nationalmuaeum erworbene Grabdenkmale der 
ehemaligen Abtei Ursperg. 



PhiloBophisch-philologiscihe Classe. 

Sitzung vom 3. Febniar iSS'i. 

Herr v. Christ hielt einen Vortrag: 

,Homer oder Homeride n". 

Dernielbe wird in den »Abhandlungen" veröftentlicht 
werden. 



Historische Classe. 
Sitziinf; vom Ü. Februar 188:». 

Herr von Kluckhohn machte Mittheilungen aus den 
Hoheneichner'scheu lUuminaten-Papieren der hiesigen Uni- 
versitätsbi bliothek . 



Philüsophisch-philologische Classe. 



Sttxiing voDi &. MiLn 1883. 



Herr Maurer trug vor: 

.Die unächteüebnrt nuch altnordischem 
Rechte*. 

Sc'Iioii vor nabt'zu ^0 Jahren zo|^ (Jie eiK^^nth Um liehe 
Steüun^. welche die nordgenriunischen Hechte den unehelich 
gehureaen Kindern einräumen , die Antmerkaarakeit W. E. 
Wilda's auf «eh. Seine Abhandlung .von den unächten 
Kinilem* ') erschöpft indet«ou den Ge^enshiud nicht , so 
wiTthvolle Bemerkungen sie aucli über denselben bringt, und 
Fr. (live'ä um naheeu ein Jahrzehnt jüngere Arbeit ,3cur 
I,ehre von der Reurtheilung der aui-sereheliehen Verwandt- 
?H:hftft nach deutschem Hecht* ') berührt vollends; nur in 
ihren eioleit<'nden Bemerkungen die naixlgermanisehen Rechte, 
während »ie nur dna im engeren Sinne deutsche Hecht einer 
eingehenderen Erörterung unterzieht. Su mag demnach eine 
ifesniKb-rt** Darstelhujg der Lehre nach altnordischem Hethte 

t) Zeitschrift fTlr deiitacheH Hecht und deutaclic Recbtsviseen- 
•»cl]»ft, H*l. XV. (18SS), a. 2:t7— 97. Ich boofitäie einen eigens \tagi- 
nirten S«'|nm»lrtl«ng. 

2t ;;«)t«i')ii'in mr lte..'htiige'*cbie1iW, Bd. UI (1864). S. 21Ü-87. 

!• 



6 



Sitiunij thr philot.-jthikd. Clajwe vom 3. März 1883. 



möge ihr Vater frei oder unfrei sein; es begreift sich aber. 
doss er in einem engereu Sinne nur für die Kinder einer 
unfreien .Mutter verwundt wt'-rdfii mochte, deren Vater frei 
war, da bei ihnen el>en darum Avr iiiilrvle >?tH.nd tler Mutter 
besonderer Hervorhebung bedurfte, und hegrpjft sich auch, 
da.«» der Au«dnick auch wohl in noch puKcrem Sinne nur 
auf das Kind einer unfreien Mutter und eines freien Vaters 
bezogen wurde, welches von dem letzteren in frUheater 
Jugend freigelassen , und dann als frei aufge7^gen worden 
war. Ein solches Klud gewann nündicli durch die Frei- 
iassiuig die Kl>enbürtigkeit mit seinem V'ater,') oder stand 
diesem doch in der Busse nur um ein Drittel nach/) mid 
brauchte ttberdiess , obwohl einer Freilassung l>ednrttig, 
wenigstens kein nfrielsisöl' abzuhalten, um der |jymislir ledig 
XU werden.*) Nur der Iiyborinn sonr in diesem engst*?» 
Sinne hat eine eigeuthümliche Stellung im Hechte, während 
jeder andere Sohn ein^r Sklavin zunächst selbst unfrei wirtl 
wie jeder andere Unfreie?, oder, wenn freigelassen, jedem 
anderen Freigelassenen gleichsteht; die Bescbriinkung der 
ße7.eidumug auf ihn kann hiernach niclit aiinalleii. Die 
Bezeichnung hrisu»tfi\ von hris, d. h. Keis, Buschwald auü- 
gehend, mag dagegen ganz wohl den, wie die tV^L. sagen, 
„( skögi" crTcugtcn Sohn bedeuten; da aber die ti{}L. die- 
selbe ausdrückhch auf jeden ^a laun", d. h, heimlich er- 
/.eugten Sohn einer freien Mutter anwenden, und auch in 
der That nicht abzusehen ist, warum gerade auf die Er- 
zeugung im Wald ein entscheidendes Uewicht gelegt werden 
sollte, darf unbedenklich angenommen tvcnlen , dass die 

t Nennung des Waldes nur die Flnehtigkcit und Ueimlichkeit 
l) ß t> L. 57 und 104. 
1 2} Fr|iL. .\. 47. 
' y) (ipL. fil; Fr|»L. X, 47. Vgl. m«ino Abhundlunif iltMir; .die 
»ei^eladscnen nat-h altnorweflr»J*chem Rechte", S. 47-53 imd 63—64. 



Maurtr: Dit UHÜchte fithiirf »ndi alitmrtlittchftn Herhle. 7 

der Begegnung recht deutlich hervorheben sotlte. Mit dem 
AuMJnicke rishöfpi, welcher in schwedischen Hechten den 
Äihu bezeichnet, rlcii ein jfeHchtetiM' Mnnn mit jteiner eigenen 
Frau ;jtewinnt/) Init das Wort /.war die Ahstfininnnig, aber 
nicht die Bedeutung gemein ; liöf {)i, hu welchem Theil der 
ZnsHuimeiisetzung Schlyt<»r An^biss ninniit,') mag sich jii in 
defBcIben Weine von hovo|> iihleiten, wie im AItni>rdischen 
höfdi von höfu<T, und wie dieses Laudt«pitze oicht nur, son- 
dern anch Kopf bedeuten, m dass also riähöf[>i recht wohl 
als Bnschkopf oder Buschmenscli gedent<"t werden nmg. Wie 
sich dii- Ableitungen und Zusammensetzungen hrisnir. 'hris- 
gn'i^nir, hrisgrimnir als dichterische Bezeichnungen des 
Woifee nachweisen lai«en,*) ho mochte ja auch. der gleich 
ihm unKtrtt und yehet^t den Wald durchirrende iEchtcr nach 
dem BuMt:he benannt werden, wie vr ja nnchweif<lmr als 
tikögarmudr sowohl al« vargr, also als Wolf oder Wahhnaun 
bezeichnet wui-de,*} mid mwhte diene Bezeichnung weiterhin 
auch auf den von ihm erzeugten 8ohn übertragen werden ; 
das »hliesst aber natürlich nicht aas, das« der ähnlich ge- 
bildete Ausdnick hrisün^r auch wieder in ganz anderer 
Weist^ an den Bu-tchwahl anknüpfen mochte, indem die Kr- 
Ufiigmig im Walde el)en mir das verstfdi lene Zufwininient retten 
der Aeltem herrorhelien sollte, welchem der Bastard sein 
Da.«eiii verdankte. Bezeichnet doch hrfsnngr im Ynglinga- 
tuU^) auch wohl den mit Buschwald bewachsenen Berg. 



li WOUIV, ca|). --J; U LL. .ICrfhieb. 21, §1; ^ML. .Rrf|)a)l.. 
4. pr.: WML. H. .^^rfliipb. Iß. § I: HuU.I,.. >:rr|.»b. 13. g 8. 

2) Ulo»«.. h. V, 

^) Sveinlijürn Eügilflfton. h. v. 

4) vgl. X. B. Kfralik. \lbl)i()H: svü vida vargr nekr ok rckinn. 
«oni lucnn v{da«t viirga reka: fomcr diL- Aaadrikke: varjfr i veuni, 
^ridvwrgr, gorvargr. mordTarj^r, brennuviwgr, ka!:naviirj,'licr \i. ilergl. ni. 

5) TngUnga e., ^9/»t. 



• 



SiUung der phiioA,-j)hitoI. (Vajt«e vom 3. Mürt 1883. 

und der (rudnin heisseu;^» gerade in jenem Liede wird Krpr 
ttU ,hinD snndninpitri" lieÄeiclmet,*) und er mochte tsomit 
nach einer von diT ohi^en nliwpjchcndcn reherlicferiinjj recht 
woiil von dem Könige mit einem Kebsweibe erzeugt sein. 
Wenn ferner nach einer mythischen Sage Hladr zugleich als 
hornünjfT nnd als fivjarbam bezeichnet wird,") sü dürfte anch 
dicHs nicht in nnlösbnrem Widersiiruche mit dem Sprach- 
gebrauche der norwegischen Heehtitbücher .«tehen. Wir er- 
fahren nämlich,*) dass Hlödr von K. Heidrekr mit einer 
gefangenen Her7.()gstoehter erzengt war, welche dieser eine 
Zeit lang uls Cimeiibini* Ihm sich bt-hiilten, dann aber ihrum 
Vater zuriickge.sehickt hatte; bei strengerer A\i}hv<snng nioehle 
die «liert^kin komi" als unfrei, bei miWerer als frei ange- 
sehen werden, rmd fehlt l'.s auch sonst nicht au /engni&sen 
für den sciiwunkenden Oharakter derartiger Verhältnisse.*) 
Um »o aulfälliger en<cheint dagegen, dass isländiselie Rechts- 
bficher den Ausdrücken hornüngr nnd hrfsüngr eine ganz 
andere Bedeutimg beilegen als die norwegischen, indem sie 
denselben noch eine Reihe weiterer technischer Bezeichnungen 
iH'il'iigen. Die Kgsbk. sowohl jils die Stailarhlsl>k., utiil ibrinn 
folgend auch noch eine jüngere Fapierbs., bezeichnen über- 
einstimmend an einer von der Krbffihigkeit haudehiden 
Stelle *) als hrisüut/ den Sohn, dessen Mutter zur Zeit seiner 
Belebung im Mutterleibe n<u'h unfrei gewesen, aber bereits 
vor seiner Geburt freigelassen worden war , nnd welcher 

Edanmi einer Freilassung bedarf, um frei zu werden, obwohl 
»kl 
for 



1) GudrÜDiuhvOI. S. aU: Vffls^nga b.. S9/l»*2 ; SkÄId- 
»kaparmäl. 4'2/a66: vgl. 308. 

2) Hamdinniäl. 18. 
Ü) Hervarar «. 13/273—74. 

4) ebenda. 7/228 und 8/2ä9. 

5) vgl. A. Ujessing. Trteldom i Norge, S. SU — 68 (Annuler 
for nordifik Oldkyndighed og Historio. ItHi'i). 

6) K. Ua/224; St. :)0/68; AM. 125, A. S. 41:)— 14. 




Maurrr: Die uniichte Gfburl luieh attitunVacHem Hecltle. 1 1 



er streiifjf genommen freigeboren iat; ttis hotnünyr wird IVthlt 
der Sohn IwÄeichnet. welchen eüie freie Frau vuii ihrem 
eigenen >^klaveu gewinnt, den jsie tVetjroluisen liat, um mit 
ihm leben /.n können : bashir^r heis>it der Sohn, den ein 
geächU't*^ Wdb mit .st'tm-in eij^euiMi .Mann, und varffdfopi 
(ier di:)hn , den ein gelichteter Mann mit seinem eigenen 
Weibe erzeugt, und welche beide sich infsoi'erue den unehe- 
lichen Kindern anreihen, aU ja die Ansstössung des Geäch- 
teten aus dem Rechtsver bände auch dessen Ehe rechtlich 
auädst. Da iut nun khir, dtiss die Bezeichnung var^dropi, 
d. h. WolMropfen, welche sich anderwärts auf den S^dm 
eines Feindes angewandt Hndet.') von einer oben schtni er- 
örterten Bedeutung des Wiirtes vargr ausgehend, recht 
Wühl zur Bezeichnung des Soltnes eines Frie<Hosen, also dos 
ri-ihöflii der schwediKchen Hechte, werden konnte. Anderer- 
»eitH leitet sich bscsingr von bäss ab, und wenn zwar diesem 
letztere Wort regelmiiäsig den St-and einer Kuh in ihrem 
SüiMf l>ezeichnet, m wurHe es doch auch in anderem Sinne 
geltruncht, wie denn z. B. bjarnbsUs eine (irube zum Fangen 
von Baren liezeichnet;") im gegebenen Falle wird wohl uu 
da» Wifhnen der friedlosen Leute in Krd- und Felshöhlen 
zu denken, und der ba-singr »omit als HiUilen.sohn uutzufassen 
■ein. Dagegen will es nicht gelingen, die Verwendung der 
Ausdrücke hornüngr und hrisüngr für die ganz speciellen, 
und nicherlich nnr höchi-t selten vorkommenden Fälle zu 
erklären, auf welche sie die isländischen Hwht«b(icher an- 
wenden; man mochte fast annehmen, da^s deren Verfasser 
die einmal überkiimmenpu AurMlrücke . deren ursprfin gliche 
technische Bedeutung ihnen unklar gewurden war, eben nur 
willkürlich sjuelend ffir Modalitäten der uimuhton Geburt 



1) Sigrdrffnmal. SS. 

3) L«ad»l. Lan<lHli'i«ub. üM; lleim)»kr. »Huf*. >. Tr. 



i-müß. 



14 



SÜMuntf ihr jAUon.-phUat. Ct(uee vom 3. MSrs 1883. 



geschichtlichen Quellou öfter wiederkehrt, und »ich luöj^licher- 
weise ans dem gleich ui erwühnendcii Spruchgebrauche der 
norwegiwhen t^icllen erklSren lilsst. Kin einziges Mul Aeigt 
eines der iiltereu ReciitsbUcher der Insel einen Ausdruck, 
welcher auf eine ii^cbeidung verschiedeuer Classeu von un- 
ehelichen Kindern hindeuten könnte , indem im Buugatal 
vom „sonr pyborinn cda laimgetinn" die Kcde ist;') aber 
selbst an dieser einzigen Stelle dürfte der eigentlich den 
Sobu einer unfreien Mutter l^ezeiehuende Ausdruck docb eher 
fllfl identisch mit jenem tuidereu gebraucht isein wolIeUf 
welcher in der ijueUe bereits ulk? und jetlo uuüchte Kinder 
gnn» gleichmä^üig in sich begreift ■ In den uorwegiachen, 
dann den späteren islandischen Itechtsiiuellen kommt dng^^n 
die Bezeichnung launbani^) oder lamiffeÜi harn*) nur ganK 
vereinzelt vor, und au einer Stelle der Jurnäida ersetzt 
laxingetinn da« ,1'rillusunr* der norwegischen Vorlage;*) da- 
lllr finde ich aber bereits in einer augenscheiiilieh erst .spUter 
eingeschobenen Stelle der <JJ>L. die Bezeichnung fnähtdwtr,^) 
und in der Wergeldstalel des Bjami ManlarwMi die Beaeich- 
nung frillusonr gebraucht,*! hier wie dort augenscheinlich 
als gemeinsame Bezeichnung aller unüclit Geborenen, und« in 
demselben Sinne wird in <len Fr{»L.. dann in der .länisfftn 
von den frillusynir') und tVillnd^jettr*) gesprochen, wie denn 
auch in dem gemeinen Landret-hte und Stiidtreclite. dann 
der Jonsbök derselbe Sprachgebrauch wiederkehrt, während 
die alten Bezeichnimgen ftlr die verBchiedenen Classen der 



I) K. n:V20i. 

.S) B|tL. [I. 14; in III. 10 roinii-l. 

4» Jurnsidii Krfrfat. 7, v^l. mit t*r|il,. VrU. K 

5) Ö1)L. lor.. 

6) ehfinilii »16— Ifl. 

7) FrJjL. VIII, S um) 15; JÜrns. Erfdat. 6 und 7. 

8) .Hrn*. Krtdat. 7. 




Maurer: Die unächte Geburt nach nllnortiiiKfiem HeeMe. 



ir, 



uuücbt GelM^reucD nunmebr völlig versübwunden »iud. Ini 
Gegensatze zu den frilluboniir menii brauchen die G]iL. für 
die äcbt Gelrarenen noch einmal die aus dem islündischcn 
lUt^hte l>pkannte Bezeichnung skirlM>mir;') über bereite in 
der in sie fingeatellten Thi-ouful^eordnuu)^ des K. Magnus 
ErUngi»»ou,') sowie in der ihnen angebängten Wergeldstafel 
des BjiuD)) Miirdarson,') tritt tbifllr die Bez<*iehnnng skih/etinn 
ein. welche soduiiii in den Fr|)L*. und in den tiesetzbiicheru 
utu der Zeit des K. Maguii» lagabcetir die allein herracbemle 
bleibt. Wie auf Irland die ski'rbomir menn den laiingetnir, 
«I treten in Norwegen die itkilgetnir menn den friJlusynir 
g^^Über.*) und die npüteren iätiltidi»cbeii Cieset/.bücher 
«chlietöen sich auch ibrerseit« diesem Spraohgebruuche un ;^) 
in der Thronlbltieoitlnung von 127'1,'') dann un «iner weiteren 
iStelle des gemeinen Landrethle.-*'! wecdi-seln die Le-surteu .eigi 
■kilgetiun" und ^tVidhisun", und die .biuHbök braucht an 
einer dem älteren Hechte entlehnten Stelle*) den Ausdruck 
frillulxiriun, wo diesoK von einem Itiirn laungetit gesprochen 
huttif. Man sieht hieraus deutlich das8 IVillusonr sowohl als 
luuugetinn madr ihre tirKpriluglich engere Bedeutung hinter- 
her verlDren haben, imd beiderseits als gemeinsame Bezeich- 
nung fUr alle iinürht«4i Kinder gebniucht werden mögen; 



II *?|jL. 237. 

2i G|il.. i. 

H\ ehcndn .Uli- lU. 

41 <J|ir. ;ilH-ly; Kr|)L. VIII. S und lö; LandKl. Krf«»«t. 
7vH und 4. »Itinti (>, 11 tmil t*H. mit »Inn ent spreche nilen Stellen ilrs 
BjurkR. 

öl Jiirn«id.i. KrMut.« un*) 7: JririHhrik, Erfitiit. :J, 4. 6. 
11 onil 13. 

6) Land «1. KrK n. S. 20. Am». 7; llj.irklt. uml .lön^b. 
|«««!ti: eJgi Hkil^tinn. 

7» Lan.NI. Krfdut. 7. S, Hl, Amo. 24; BjarkH. und J6n(t- 
h6k: eigi nkilgeUnn. 

H) J6ii»b.Framri«r«liibk. 6; »«I. K. \4Hl2h tmd St, l]fi/14H. 




Iß Siteitnff dfr jiInloa.-ifttiloK fflaMtf rom 3. Mfir: lft6<t. 

es erklärt sich vou hieraus, duss nticli die Heiinskrfnglu ein- 
mal den DäiieukÖuig Svein tjii}^^iiäke}^^ uts t'rilluHun Uczciehnen 
kann, während wir doch ans der Jöni^vfkiugayuga Winsen, 
(loss derselbe von K. iUraldr (Jorrasson mit der Sauui-.'Eba 
in flüchtiger Begegnuug erzi'Ugt war.') Eine Al).stun>pfung 
des Geföhls für die innerhalb der unächten Geburt bestehen- 
den Verschiedenheiten maclit «ich in diener Verwahrlixnng 
des Öprachgebranches tTihlbür, welche dannit" Rchliessen lässt^ 
das9 mit der Zeit eine gewisse Ansgleichung bexflglich der 
rRchtlichcii Behandlung der verschieilenen f'hissen von^ nn- 
eheljchen Kindern eingetrtd«ii »ein werde, ant' weli-he ja 
wohl die Abneigung der Kirche gegen Jede« Concubiuat von 
bestimmendem EinHusae gewesen sein mag. Vielleicht darf 
man auch den Wechsel im (Jchranche der Aii-sdrüt^ke ski'r- 
getinn und skilgetinn auf denselben EinHius» zurOcK führen ; 
frtr die i'rühere Zeit, welche das Concnbinat nicht nur durch 
längeren Zeitablauf in eine ret^htmässige Khe flljei-gehen 
liess,*) sondern demselben auch fftr die Dauer seines Be- 
standes einen förmlichen HcchUschntz verlieh,*) knnnhe die 
IV/eiehinnig askilgetinu für den unäcbt Üeborenen, falls er 
nur frillusour war. nielit in demselben Masse bezeichnend 
sein, wie für die spätere Zeit, in welcher die Kirche ein 
ausdrOckliches Verbot des (Joucubinates durchgesetzt batte.^) 
.Aber allerdings liisst sich tlber diesen Funkt kein bcj^timmtes 
l'rtheil gewinnen , solange der Sprachgebrauch der nicht- 
juri^tischeu IJuellen nicht festgestellt ist. In der Vatnsdiela 



If H f i 111 H k r. 1 II f « t. T r. 1 1/lH'i ; t^I. J (S m a v i'k i n ); a s. 
I7/.S2~W (KW.S. XII. VrI. (IbriKfos aiu-li l'aH VMalfn, äkyr- 
ingnr, n. v. frilla, S. 184—86. 

2) i;|.L. 125; Tgl. BI>L. ir, 10. 

3( Ü.jriikK.llI. l'iö; KU. Sverri«, 6Ö; vrI. meine ,Slmlinn 
Aber rliw »offenAnnte Christeniecht K. Sverri»', S. 50— 53. 

4\ r.\yh. -iS: KrI.L lU. Tj um! 10: Yipi. U, 8: verfrl. Kph. 
1. 22. 



ittitiwrr; Dk unächte Geburt narh nlluorflinchem Recittr. 17 

z. B. wird noch fter Ausdruck skirgetiim gebraucht:') in 
d*^r Njtilii iliiftegtMl Hndet »ck din He/^irhniing ,e\\t.\ »kil- 
jfctiim*,*) iiml in dfr Litmlniiniii ,öskilj;etinii" j^ebrmic'iit') 
u. dernl. ni. Alwi* tjiiieryeiU pflegen «ijäUre Uebemtbeitcr 
iiiid seilet Abscbreilmr ^enit* die Wortt'ormmi ihrer Zeil iu 
ihre Vorlaj?nn liinrin/iitni^rn . aiidprpiNeiU wirrijpren auch 
dit' i»'iii'n*n If<?miiwj^t'ljtT gern«* \\\U'Xt* VN'ortf'onni'it in ihre 
Tt.'xU* hini'iii, Sil diiKs sr-hwer zu liestiinnioii ist, wcli-lu* Aiis- 
drlkke im eiu»elnrn Kalif dif )ir4pr[iii;^lichfn sind.^) Ma^^ 
»win aurh , diw d^r < iirbmuch dor IJt'Zi'ichniii»^ skiltV-iigin 
knim ("ilr dio nt'htniiLssij^i» KhpiVtiii ') auf de» Wecdisfl der 
AriHdrOi-ke nicht ohiit' KiiiHui*s j^ohheben ixt, und da*« lianiit 
dir wiindcriichc Er«t.'hiMiuiii^ xu»iuiiini>nhäii<^, ditss nichrtuch 
df-r AiiHilnic-k Mkiltoni^iiin. a)i.-)tnt.t, »kil^etinii. für den idiehdi 
(«fhoriMion ,'') oder dtiss iinig<'kt'hrt. ^ikiljj[etin . nnsUtt «kil- 
ft^ngiii, filr die Eht^frau (jehrnucht wini ;') eine Vei-wiiTunfj, 
fVw «itdi uui'h uiisst'rhulh iIit UfchtsiiucHtMi bcnierkliar inuchi, 
W(*iiii f.. H. dii* Hpiuiskriiii^hi von K. Mu^nt'is Krh'n^^^^on 
cai|(t: «nKMlir Msii^nris konnit^s er knmtiigN dottir nk drotfc- 
n(ngttr «kilfcnj^iu''. wührond andere Text*? dnfOr lesen: ,ni6rtir 

1) VtttiMdielii, Ja/24! 42/67; 43/70. 
S> NjAla. !rs/r.l7. 
'^) Land aä lim. II. '&i(VM. 

i\ 1. H. jfibt iin den sSiumtliolien nben uu^eril)irU>n StclltMi 
li<T Viitriwlndii >»vi'inn Skiiliwon'n AuMjjitlw skilgt-iinn. WitUiuH''* An«- 
at*f* ii>M7r wfiitHitU'nH im don heid<-n xnlptKt iin^r-trilirtt'ti Stollen. 
A) rrt>L. 111. 10 nod KrH. Svet-^iltP^: .1 liin «iaa. Krfdiii. 
' tff, WA dir U |) Ii, A^ miindi kcjpt halben. 

fil Fr|»h. Vin. 2 lind 5; Lundcl. Krl'diili. 7, nr. 1». Im.t 
vecli«<*lnd mit ^kilf^vtlnit inot. ^8 und 40i, witliivml HjurkK. und 
^jÄUribk skillen^^inn liiiMn. 

7» rrliL VIII. Ä und 7: Land«l. ErfitiiU. D. 2. 75. Amu. 17. 

vo ItJArkR. mid .lonrtbk. ükiHenuin lenen : LiintUl. Krtdul». 7. 

nr I dif Viiriiintf in not. 4. nnd HiiirkU.: dii- Vuriaat*' iu nnt. 7, 

wlhtvuil iliij Jun^lik. mit 4i>n iindeivn T(>xt4<n ritTliti}; fikilft<ft((iD Hont. 

Il'^'^t, |Mii1nH,-|ilii|ol.hiMt.4.'l. 1.1 2 



20 



SUzuriff der philos.-jAtlol, Clnwe vom 3. Man J8li3. 



einem Geschlecht*^ komme, und tumnt zu dem <Jc»clile<-hti' 
seiner Mutter, welchem j(exennl>er diese Kestittellnii^ nhiir 
Bedeutung ist, in ^ai- keiner Beziehung sU?he. R-^ ist viel- 
mehr recht wohl clenkhar. djws nmn gerade iinigekeliH die 
Ziigehnn^keit dö* Kindes zum (leschlechte seiner Mutter 
iiLs MiL-Ji von selbst verst^^liend, weil von kriner vnr^ünjiixeii 
Anerkemnnig oder Bewei«iiihrnnj? abhän^^i}^ belnu'htete. in)d 
ilaw man somit, von einem tVera i fftt .s]>rechend , ledij^lich 
an da« lieschleobt des Vati*rs dachte^ wie denn in der That 
an *?iner Stelle, an wehduT die R^sbk von einem Mitime 
spricht. ,er ei^i er kominn i tett at löKinn", die St. itn^i: 
,»»r eigi er at lo((xim kominn i tödnr «tt".'| /u der Xeit, 
mis welcher nnsere Keehti^biieher stamninn. zühltt- man jeitcn- 
i'rtUs die imät'hten Kinder .srhlpt^htliin zu dem (leachledite 
ihrer Mutter. AitttdrOcklieh wird denijenij^en, welcher .eigi 
til arf« alinn*" ist, die Aümentationspflioht elien.sognt seiner 
Muttt^r wie seinem Vater j^ej{ennbi'r anterlejjft,*) und Nie- 
iniind wird bestreiten wollen , dasw dabei , weini auch viel- 
leicht nicht austichliesslich , .si> doch jedenfalls mit, und in 
erster Linie an die unehelichen Kinder zu denken sei; eine, 
wie iw .scheint allerdings erst spätere Bestimmung vei*j)tlLcbti't 
die unächt Geborenen sogar neben der Alimentjition ihrer 
/Kitern auch noch zu dur ihrer (.ieschwister, ohne diiss dabei 
zwischen der Vaterst-ite und Motterfteit<? unttTschiedtn würde.') 
Kille Stt'lle ferner, welche riiilä.*wlich du.s Krbrecht der «n- 
ächt Uel'Kirenen ihren -l-jltern und (iescbwi.steni gegeuHber 
beÄpricht,*) läAtt diese die Mutter sowohl als den Vater 1m- 

IJ vkI. Kgshk. 'H;\m mit 8t. M\fm'. 

21 KKsbk. 14H/li4; St. Ilß/Uif. 

Hl St. 7;^/<»7 iin.l II1/14Ü: AM. :il.V rol. B., II221 ; Bt»l«H- 
daUbk. 46/ÜitÖ und .\ M. 17:1 H. n/4(K>-6l : in K. 118/218. ZiiNnl»u 
(•ine b<?«ftj;Ii»'hp HelerenK. 

41 K. ^^'21^— h"; S|. 'tr>,%:^ und "H;fl7. wo fn-iticli iW Mnt|.T 
keine Krwrdiniiny K^^'bidit ; duiiii Bt'I^HtluUbk. 4<>;--^'^ und AM. 
17a, D. I0/4«0. 




Mnurcr: Ifie lutiichle treltHTt nach (ätmirtlischem Hechte. 21 

erl>eii . iiiul hunitt tllierdiess }iiit§clr(lcklic!h Heu limitir siim- 
nuvitri hiungetinu und die systir KiiniiiiitMtm Imingt'tin zur 
Erhfol|;e. Nach ne«erein Kechte können die nnäcbt Ge- 
hoivnen unter ninstän<!eti iiiich /uv St^^liung dtr Hlutklug« 
um t'ineii ImMlir samniiedri «itwohl iils siiinfedri berufen sein,') 
dmm zur Verlnbun^ einer 8v.-<tir sikinniit^lrii oder HiinifeiTru 
o*ier zum Ueziige einer Unzuchtshusse wej?en einer solchen.') 
wülirend der Mann der »ystir lannjfetiii stmimtedrn wie sam- 
fe*1rH anstatt meiner Fnui deren S<;hweHter verlubt (Hier wegen 
ihrer die rn-/uehtMbu>«e niiinnt: ja unächte Kinder können 
unter l'uistünden soj^ir mu ihrtr eigenen Mutler willen zu 
einer rnznehtsbux**' benrten werden. ^) Ini^rekehrt hat 
wenigstens in deni Kulle, da die Patemitu^ nicht her^entellt 
ist, die mötterliehe VerwandtHchail den am unücbt (lelwrenen 
bepangen^'n T<nltsehlag zu vert'oljifeii , und de**en Erbschaft 
XU iM-ziehen.*) und djws diiwflh«* rliesetn gegenüber unter Vm- 
Ktäiiden auch alinientaiionKuflichtig war, wird sich ehenfalls 
sofort zeigen : ganz altgerieiii werden demnach den nnÜcht 
Ueboreneii der niiitterlielicn «»woh! wie der väterlichen Ver- 
witndbM^hall gegenül>er Rechte eiuKerätunt und Pflichten aul- 
erlegi, womit detni doch f^enugsani dargetbtui ist, dass din- 
«ethen zu dem einen Ift'Mihlprht^' ganz e1)en.sogut wie zu dem 
anderen gerechnet wurdt^i s*'in müssen. .Vlb-rdings wird 
dem gegenülter wii^derholt auHgeäprjchen, ''ji dass uneheliclie 
Kinder nach erfolgter Feststellung der Paternität ausschlies^- 



I) K. »4/iriH; («iMT St. W/y". in <ler K. I|J<,'21>'— lil, als Ite- 
(cTvnx tuu'Ui^eingi'o ; diinn Ht^lfc^tdalHSk. 4^/;^*i9: \ M. 17:^ Ü, 
11/461. 

i\ St. ISr^l. in dt-r K. 1IH/21H- !•), al« Keferem; AM. 316 
r.il. Bm I/5K7: Belg*dal«bk. 4(i/2:«i ; AM. 17-^. U. 11/461. 

3| 8t 17!m07, in K. 122r28vi «b. Hefereiut. 

41 K|{al>k. Him\: St. :)4im7. 

61 K. 142/23: St. IU-U135: dann 8.S/1Ü7; vergl. K. 12h,'7; 8t, 
86^1 U. 



22 SittUHij der jjhüm.-jMol CJiuse vom ■?. Miirs 1883. 

lieh von ihrem V^ittT, iiiid eveiitufll von ihren vriterlichcn 
VerwftiirU+'U v('q)Ht''j^ werden »;ullvii, bis aio ihr lü. Lebtlis- 
jiilir crrcii-ht, un<I ihuiiit «iii* (ireiize dt*s ^önuigniiUr*^ filier- 
jschritU'U babt'u; alu-r indem diese Jiejiel die ansschlicsaüchc 
Alimtnlütionspfticht der vüterlichcn Verwandtwchaft aiif diu* 
noch nicht erreiehte V(iIIjiihrigkeitsiilt«r des unäeht (»elKtrtüien 
l>eäehrttukt , spricht sie denn doch zu^ifleich uns, diws nsich 
UeberBchreitiujg dieser Alter>iij;ren/.e, alm für den Füll, dass 
derselbe aus einem anderen Uninde als wegen seines jugend- 
lichen Alters unterstCitzun^'shediirftig «ird , die rnterstUiz- 
nngspÜicht dem unacht tieborenen gegenüber die Vprwati<it- 
Kchaft lihne pHnciidelle llnterscheidung der V]tt*«rseite vcm 
der Mutterseite trifil, und Ilherdiess niusstc die Ah'mentfttions- 
pflicht denn dnch trotz jener Ke)5el selbst bei jn^en<ilichereni 
Alter des unächt (icborenon d&«eu mütterliche Verwandt- 
schaft dünn trefi'en, wenn alinientattonstUhi^e Verwandte von 
der Vaterseite her nit-bt vorbanden waren, mlor wenn die 
Fatemitwt nicht i'estgestellt war, wie ja anch die lienifnng 
der mütterlichen Verwandtae.hu It zur Erbfolge und -/.ur Blut- 
klage ilir diesen letzteren Fall auHdrücklicIi anerkannt war.*) 
Alle diese Thataacheu setzen aber wieder ganz bestimmt die 
Zu^jehörigkeit des Linehelicben Kindes /.um (»eschlechte seiner 
Mutter voraus, und jene scheinbar abweichende Bestimmung 
ist demnach wohl nur auf die sehr nalie liegende Envägimg 
zurückzuführen , dass bei allen Fleisches vergeben der Mann 
als der vorzugsweise schuldige Tlieil zu gelten hat, inul dass 
darum auch er, und subsidiär seine Verwaudi'tchaft, zunächst 
für die vermögensrechtlichen Folgen solcher Vergehen luif- 
kommen niuss. Diks* dabei d'm Vuüendung des liJ. Lebens- 
jahre« des Kindes als Kndgrenze für diese intensivere Ver- 
pflichtung bezeichnet wurde, erklärt sich aber einfach daraus, 
dass nur bis zu diesem Zeitpunkte die Last der Äliuieutatiou 



1) K. 94^169; St. :Ml/367. 



J 



Mawfr: Di* umchie Gehurt tttteh nUiuiräischew Rfcftte. 23 



iiud t'ficgi' {uiiit-'y Vrniirk}^<'[isl(iai*M) als diu |T('l»*rwieg<jiM(» 
l?alt, wogegen niich /.uriUkgfltfgter -liarnomegtt" der Ueniii« 
der verwuniltschiillliehpn Kyt-hte fllicr rlie \tast rler verwandt- 
s(;hun.liL'lioii rHichU'ii diis l'i*!» Tg«* wicht zu bohiiiipU'n soliien, 
«odu'i» vun hitir nh eine aiwst^hliessliLhe Beri(ek!*ii:htigung der 
Vrttereeite nicht nieKr den Chiu"ftkt«i- einer Strafe, soudem 
vielmehr den einer Belohnung ffir das Vergehen getragen 
halte. — Heber die Art, wie die Paterntta;t hin- 
xichtlicfa eines Kindes festKustellen ist, spricht 
dch aber unser jöngeres Recbtsbuch t«»hr klur und er- 
ochi^pfend au«, indem es sagt'): Fjnrir eru ^eir blutir, er 
m*mu berr i alt li landi her. SU er einn hhitr, ei' niadr a 
knnu , yü er bann hvilir hjä, ok »ikid {>at han« . Irnrn vera, 
rr sni küiia elr. Äh er annurr Idutr, ef nuidr hanrlsalar Cud- 
ecni at bame. ok vidtüku. Sa er binn :l<ti hbitr, el äkin^Ia 
er gnr, uk ^nnni hün manu äaniiun at faderni banis. 8ä er btnn 
Qi-irdi bhitr, ef kvidr sannar mann at faderni bams. At |>eim 
hlut nokkunmi ska! nuidr i'att vera at lögnni vnruni. seni nn er 
tulit, ea önguiu üdnim. Kigi skat heimi^kvid aniian at henda, 
eiTa illtyngdir. Sä sök fymiKt alhlrigi at siekja til l'adernis*. 
K« ftoll a!t*o nicht lyenllgen , da*s etwa unter den Naobbani 
doK Oereile geiit, da.**« dieser rMJcr Jener Mann der Vater 
eines beHtinimteu nneheliehe-n Kindes sei , ura ihn sofort 
reciitticb als solehea entclieiueu zu huseu; vielmehr wird, 
^oz wie andere Stellen zwischen „kendr nokoroni nianno 
ai syne* und .kominn i a?tt at löginn" untersclieiden,") oder 
bt*x((f(ljch des Ehebruches sagen: „eigi skolo |iar krittir 
rada*,') z.u .iolrheni Behiil'p ein hrdier fJrad von Gewissheit 
erfordert, welcher nur auf vier be.<jtiiuint bezeicluieten Wegen 
wl! erbracht werden können. FriUner freilich vnM an unserer 



1) St. lC^ly2; vRl. AM. 125, A, 8. 423. 

2) K. 1*4/ 169: St 341/3G7. 

8) Öt. loüjlüi; Yffl. LjÖHTctnrnp» ». 2:.i/20Ö: at t^unga eptir 
krittum ^^Um nmniia. 




Stelle sowohl als fiiu'V Hmicn-n , ciiu'ni Mduüede entiioni- 
Dienei»,^) den heimiakvid iils ein tTjnulichi's Nitchluirzen^iiss 
nehmen, nnrl Kiidhrnndr Vijjfusson in deiiiNelhr^n ein vnn 
den Nut'hbarn )il»j(ej^ei»t»n*»< Vi-rdict erkennen: iiber aiineii- 
S4'heiu]ic-h lie'Aeiehnet dfis Wurt hjpr wie dort j^an/ ebensu wie 
in einem von Fritener angeführten Bnichstttcke der Fr|>L.,') 
»der im iilt<-rpn St«dtrefht4\ wu es mit Ii4*iniilit>kvidr \vt?ch.s4'lt,*) 
lediglich ein in der Heimat unihiuieudes (»erücht. ;iK> duj*- 
Helhe was anderwilrtd daä Wort heradsfleyK* bezeichnet,*) 
oder di>L-h höehstens ninOi den (iber ilie Kxistenz eines solchen 
(Terflchtes geführten Beweis. Der ersW der vier voi^^eKehenm 
Wege ist über der, du ein Manu ;<tilndig mit dem Weii»e 
lebt, welches dm Kind geboren hat. Mtin wird dabei nieht, 
mit J)6r(!r SveinbjÖmsson. an den Khe-staml denken dürfen, 
welclier in den ganzen Zn^anmienhang der Stelle nicht ge- 
hört , und auf welchen uncb deren Wortlaut kaum recht 
paKsen wfirde , sondern vielmehr an das offenkundige Zu- 
sammenleben mit einer Conriibiiie (fridht oder frillu. tS'lgikona, 
birgiskonn), und somit die Vf»rs4'hrift auf den fnlluson oder 
homüng im technischen Sinne de« Worte« zu Iteziehen 
haben. Wie bei dem ehelitdien Kinde beseitigte uuch bei 
ihm die ilftenkinidigkeit der zwis^-hen seinen ^'Eltern be- 
stehenden Verbindung jeden Zweitbl an der Abkunft dü8 
KindeM, und konnb* eben darum auch in diesem Falle von 
jeder weiteren Prüfung rles Sachverhalt«« abge^hen werden. 
Lag nun aber keine s<dche Notttrietüt vor, so Htiiud noch 
ein dreifacher Ausweg offen : entweder nämlich konnte sich 
der Vater gutwillig zur Vertrags weisen Anerkeitnung seiner 
Vaterschaft verst.<Oien (luuidselja faxTerni at barni), oder es 
musste g<^en ihn eine Klage auf Vaterschaft, welche wie 



ll ^jiKfdr ffuiDül 2t>. 

21 Fr. II zu V, '22, in Norj^ea >^nde Love II, S. 505. 

H) BjartK. 11, ;H- :(.'»; ^f2 94. 

4) BI>Ii. I, 17. ri, 26 uDd in, 2.1; St. 333/^59—60. 



MetHrer. Die UHiirhU Gtburt ttiteft nltHoMwAcm Hfchte. 25 

btrreii» UMuerkt unverjührbiir war, mit Erfolg (iiirchgvtlihrt 
wtrdeii , wft» hinwiederum eine L'ebijrttllininjf diirrh den 
VVuhntpnich von (ie»chworeiien (kvidr) . inler durt'h ein 
< iottesurtheil (ski'rKb) voraitssetzte . Aller drei Möfflichkeiten 
wird dfun aui*h nocli an einer weiteren Stelle gefljiclit. ') 
während wieder undere Mide nur des Verj^Ieiehs *) (»der um- 
gt-kehrt nur de?* Wahrspriu-h«* und Untte-turtheiles Erwähn- 
ung Ketlmii winl.') AI« regelniiüöigm Beweiäiiiibtel werden 
iu Vaterscliaftftsachen die Geschworenen gehrancht, deren, 
wie bei anderen Itechtesaeheu von nicht allzu ^Tosseni He- 
lan^e. rejfelniilssig \f\ni verwandt wurden,*) wenn nicht etwa 
die Verhimiiin^ der Vatei-w:liiit'tÄkla^t' mit riner Stralklaj^e die 
BeiziebuDg von neun (leschwurenen nötliiK mm-hte;*) das 
itottesiirtheil da^ej^en, welche« vom Manne durch da-s Traj^en 
d«H ^Inhenden Kisens, vimu Weibe aber durch den Kesselfang 
erbracht wurde.*) trug lediglich einen sabi^idiüren Charakter, 
und zwar wurde einerseits dem Manne das Keclit 7.ngespn>chen, 
xur Eisenprohe zu greifen.') wie k» .sidiflint, inn diuhirch 
einen ange)»ritenen Beweis abziischneideu, »»der auch einen 
'benribt geführt;«'» zu entkräften, andererseits aber auch wohl 
vom Weibe der KeSMdfang verlangt.'*) wen» e» eine Bett- 
lerin, oder wie wir wohl genuraüsirend werden st^^en ddrfeu, 
überhaupt besi-bolten war. Dabei darf nicht üiwrseheu 
werden, das» die erwähnten beiden Uottesurtheile auf Island 



U 81. 110, 149: in K. liü!^ fehlt. otfeDbar aus Ver«<:hen, der 
II«>K'hw(<menM[)riit:ti. 

•i) K. I4-V2:l: St, 104/U». 

«I St. 172/20«. 

4) K. 1V;/4X— 4a um) St. Mrt/I7H, ^yvUt Mwii Üelgidut^bök 
MV042: ferni-r K. I.V./4». l.V*;.%:l «md 54. .Unit St. I4></17^. l.VVlffi 
und IWiMrt. Howte m9/20J. 

Ä( vffl. St. HitiyiHS. 

6) 8 t. nß'Jöfi. 

«) K. ibfiii^i St. iin/n8. 



2i\ 



fiitiuHii ihr iAilm.'/ihnol. a/wrw rom 3. Muri 1683. 



uichi hodeiiKtiindif^ waren, und nie recht in Aut'nahmf^kami^n.') 
Dwrch kirchlichen Kinfliiss vmi Duntsthland uu« fiber Nor-j 
wejfon (^inpofnhrt. wnrdiMi sie nacli den ({tu-liUliru-hcm hnli^^- 
lich in Vatepichnllri- nnd rn/,m*!itÄfJil!eii jiiijifwaiidt, und jiiitdi 
die Gesebi(:htst]Uflii?n tirwriluifn ilirer t'iiwt nur in Br/,n^ auf 
derartige Fälle/) obwohl sie dieselben allerdinj^s ünsnahins-H 
weisf äuitdi ein piinnuiit in Di^'bsbihlsstu'lit'n jffbnnioht 
zeigen;') in ihrer llandhuhun^ v^Tnitfi sich ai>er hier wi« 
dort eine höchst auäällif^e Unsicherheit. Es kann vorkora- 
nien, thi.«« der lVie«ter, welcher diu* Uolhvurtln'il hidte be- 
stehen hissen . we^^^'n «eines misieheren Krl'ul;?«« de^saen 
Wiederholnn^ fordert,*) oder dusn ein Bischof zwenrt. dessen 
Brfol^ für ^anz befriedigend erklärt , nnd sich hinterher 
deniiCH-h KU ru^insttMi des Urwi'iwffihn-rs ausspricht;'') ja das 
Christenreeht ^priilit lieiii Uiscliof siij^ur ein für allennil die 
BefiigniK» /.u, da-s (>otte?4urtheil in Paternlbetssachen so oll-l 
er will wiederholen zn hissen, wobei dann stets der Ausfall 
der letzten Probe hXh der entscheidende zu gelten hat.*) 
Derartijfe Vorkominnissi- ninii natürlich mit dem diis Institut 
beherrschenden Grundgedanken «blechthin unvereinbar, und 
IftSÄen ilentlicb erkennen, wie wvnig natitnmt diese-* auf der 
Insel war: welche ßeweisniiHfl aber etwa vi>r iler Kinfnhnmg 
jener bi'iden Uottesurtbeile deren Stelle vertreten haben 
mögen, lüsat sich bei dem Sdiweigen der (Quellen scblecht^r- 
diug» nicht beätimnicu. 



I 



II vgl. i)iei»i>n Aitfttatx iilier ,<lus (totienai-thfil im allnonli- 
»clien Rechte' in <lt>r (Jeiumnia, B*l. XIX, S. L-iil-lS. 

2) LjcSsvetninKii s.. 2:^/207—9; Sturliinjfu. lU. l»/-*» und; 
16/58. 

3) t. H. SturliiUfiu. IM. 4/«—«: V. 9/U3. 

4) Ljösvotnfnga a., Anir- '*- 
b] StarlniiKH, m, 9/49. 
6) K. 204/216; St. 48/Ö8; Skiilholt«bdk. y/20; Belga tlnU- j 

bök. :i7/U6: AM. 173, D, Ü/45G. 



^friurer: Die uHörlUf Gt-bitrt uncJi uUnnntischem Rechte, -7 



Da» TM) rwi- jf isc hl* UnUt iVria-r ("uigfc in IVäu^ uuf 
»iif ilir vorlii'gi'iult^ Friif^f (^unz ilhiilichmt (iriiinlHÜtzi'n wie 
dus islSiuli-it^ht' . was iiiitürlirli lurht Hiisi^chliesKt, du»* im 
Kinzi'Int'ii luLT nml ijurt Miint'lK^ verfM-liledcri j^eonlnet: wnr. 
Sfinc rigfiiBu Regeln Imt das uorwef^isch*.' Keclit xunüchst 
in ße/.iig nuf die Feststellung der Pnfcernitset, und 
xwnr sind dieselhtni durch dir* t'imTithfhiiliclii.' Gi-stultiing il(_w 
6**richt'iwes«!iL'' iu Norft'Hi»eii Ijediii^. Den FrpL., welche 
sich über die Fri^^e am KJarateu aussprechfii,^) |jjilt als 
f>berster Gnuidaatü der» das» jodeH Kiiid einen Vater habe, 
iiiid das* u!?* Vat-cr derjenijfe gelte, weirlie» die Kindsniiitfcer 
al» stjU'beii nenne. Not'erne er sich niclit von der Ansj)raclie 
roiuige; diese Retni^^uiig aber soll, gleichviel ob die Kiudh- 
iinitl^er freien oder nnfn'ieii Standes ist, sofort am ersten 
• ienchtstage uiittels-t eiiiei* «elbilritt geschworenen Kides er- 
folgen. Int der von der Kindsuiutter Benannte verwt^jrben 
(•der Inndesabweseml , m) hat nie selbst durch ein Gottm- 
iirtheil ihre AngiilH> zu beweif^en ; ist sie aber auch ihrerseit.»* 
jur.wiM;hen gestorben , ho mag der Krlie dew Verstorbenen 
(oder Abwesenden V), den sie uIp Vater angegeben hatte, 
«einerwüts ihrer Behauptung gegenftber einen (JegenlM'weis 
filhren. mnl zwar nach eigener Wahl durch einen Dreiereid 
mler durch ein Gotte?furtheiI. Stirljt die Kindsmniler ohne 
•leo Vnt-er genannt zu halben, so mag zwar deren Geschlwht«- 
vuntiund wiin-ni eigenen Verdm-hte folgend klugen g<*gen wen 
er will; aljer der Heklagte kann ganz wie im obigen ersten 
Fall*^ der Klage dnrcli einen Dreiereid entgehen. Verweigert 
rndlich die Kiud»>nuitter beharrlich die Nennung des Vaters, 
«I mag des KOnigH Vogt die Sache äo annehen, wie wenn 
Aiti-e.T ein Unfreier wäre, und Himiit von dem Weibe »elhät 
eine Bnt«e von 3 Murk eintreiben. Wesentlicli gleiche Be- 
stimmungen kehren auch in den G^L. wie<ler,') luid tritt 

1) Kr|)L. n, 1; »«1. Sverri« KrK. 29. 

2) 0|»h. 57, 



28 



Sittmifj ihr philftsr/ihiM. dtutie eom S. Mfirs IH83. 



hier nur der weitere, öbrij^eiis Nelbßtvei^tHnctlirhp Swte IiiiiKu, 
daj» für den KulJ, ilu ein l'nfreier hIs Kin(lsvut«^r genunni 
wird. de.ss)»ii Herr fiir ihn zu s<*liwim'ii rnii'r zu zalileii hat, 
iinil lia-Hs lur «leii Hiuiereii Fall, «la der üiij^ebliclu' Vnk^r mit 
der Mutter verwandt i»t, der Ueiui^lln^f.■<^•id -^ellw-echst s^tiikt 
selbdritt zu «hwören ist; letat^Tpj* iiutflrlich eiiie Beidiui- 
inini|/, die nicht mit der Pntitrnitaitfilriijjr»* iils Mdeher, -ondem 
mir mit den ^triifeti des Incestet^ Kti^^iumnenhiuif^t. Wie in 
derartigen tollen der Reiui^^ini^^i^eifl KU formuHreu sei, sugt 
un>- weder diis ».Miie muh <hLs ändert* fteidit-hmh : d)ijr»*f?en 
hilft, unch dieser i^it<* hin dns ültcr«' StjuJtnvhi aus.') indem 
e« zeigt, diifis mun vtdlkoninieii richtig zwischen der Ver- 
thvidigniig gegen die FiLternittet^kluge und der Vertheidig- 
nng gegen die Strafkluge wegen rU*.- HiiR-*eroheli"'heM IU'ilnger-'^ 
unterschied: der er^-tt'ivn gegentllji'r stjihte mun den Kid da- 
hin; ,at hann li ekki ()at lw.ni, <*r honum w |mr kent', wo- 
gegen er der Jetzü^ren Khige gegeniUH^r diihitt luuteU» : ,al 
hann koni aldrigi \t\\ ki>stii hjä henni, ut fmu ui^tti tüirn geta.* 
Sehr eigeiithflmlich Kinrl über die Bestini nningen der H^L. 
güstultet.*) Sie hissen, wenn die Benennung des Vuters durch 
die Kindsniutter während der <ieburt At'Wvst ^■rf^dgt ist., gegen 
diewU»e nur eine IihIU' Vertheidiguu^ zu, s*ilerne der lie- 
nannte zwar einen .hältV^ttiHeid" schwören nnig,") aber 
deniHH-h die h»ll»e Busse zu entrichten, die halUMi Unter- 
haltskostttn ttir dti-* Kind währeiul .sf?ines ersten Leheusjahrer; 
zu bezahlen, und de.'*.-ieii halber Vater zu heisrien hat. Kr- 
tulgt die AuwMigtt der Mutter dagegen i'rnt nach der Geburt, 
»her doch niwh innerhalb der ers-ten neun Tnge nach der- 



I) BjurJtK. III. 12«. Üif Worte: .nk kv.-dtk pkki i ei«»- in 
11 {iL. 57 kennen allenfiill" rthoHrhe Fi)rmidinmg andeuten. 

2J KhL. 11, 14 und Hl. lÜ. Der n e iie re B JiK r II. U hat weit 
abliegend«, ^v\it iuoderriHirt4< VorMchriftfu. 

3) d. h. doch wohl einen äeelutereid: vgl. U))h. I. 17, II, 'IG 
und Ul, 28. 



Mnurwr: Die uwlrtite Grhurt mich iiHrtnnii)tt4tfm hechtr.. ^^ 

•*«*Ui**rj, sfi Weiht zwar der Eid derselbe, uljtr die Bns.szaiilimg 
eniirf«»<igt -ach auf 12 Uuseu, welche .üt tryKK^'Hkuiipi* t.\\ 
«riegeil «iiid, während von Unterlialt-fkosteii und Vrtterstliaft 
uieht mt-hr die Rwle \A.. Krt'nljft ilie Aiissitj^e *^rst nach 
Ablnnf i\v» nennten Tnj^i's, aber dfn;h nev'h hinnen Mnmits- 
tVint. xn fällt jefle Zahhm^ v.-*>^< während drich auch in 
di<v«^ni Fulh* der jfleiche KIi( zu M-hwörrn i.4. Saj?t die 
Kindf*miitt<?r endhch nicht rinniiil hinnnen Monatsfrist uns, 
* gilt ein Unfreier als Vater, mid das Weib verfällt dem- 
ziiiidgi» ninnr Busse vrni M Mark, und der Schuldhatl auf 
dfni Knni)^h*)ff bis zn dnren Kutrichtnn^. Die j^anzp Vnr- 
•«•hrift hat etwa-* sehr ViTwunderlicliL-s, und diesem Tni- 
-lande nmg es ^ut«'ntheils zu/.us(-hreil>en sein, dnss Kr. Hrnndt 
sifh 7M einer von der id>i|;en Wfii aliweielifndcn Anslt'^nn^; 
df»rs*»lhi'n Iiat (»r-tinnum Iilssimi ;') er b<'/ii-'ht nänihclr ilie 
Annahme »nin-r hauten Vatcrschut^ auf den Fall ,hviti 
Kvinden er U-ry^M fi>r Letia-rdi^hed", so das.s dit^sellM* also 
niit der i-og. exceptio phirinni cnnt -umbeniiuni eine j^ewinsp 
VerwuntltsohntY hätte. Ich kann indej<sen von einer iler- 
arti^eu Vnnin>«>*'t?.nn]t[ in der Stelle keine Spur finden. 
\V«hr>4eheinlirh hat Bntndt die Worte: ,eti ef sn kon« er f 
hf-rude, er fmt «irdla^f hefir ienj^t. iit heldr verdr ImH at 
hennor navist ho iinnurra kveiina, f)ä her hon [uir til 2. nianna 
Titiii, iik heitir bjar^ryt^r" so verstandet), al* wenn sif sich 
airf' Wt'ilM-^r U'zöfiien, welche .ledennuun zn Willen sind, und 
mag sein, dass ihn der *»ehntuch der He/.ei(diinin>{ hirgisknna 
♦iHer byrgiskoiia für eine Concnbiue.") byr^i'^-'^kapr flJr ihis 
tieilajjer,*) byr^iO^iDfun t^\r Zidüilter mrirmliehen (leschlechtH*) 



l) Krndijtykker nf F(treW»»ning«r <)V»^r den nonke lletttliitttorie, 
If. l72--7:{; Korela'«ninper nirpr den iK<r«kp itetMliintorie. ]. S. |.'(Ü. 

2)RjarkK. 111. 121); H am i liu lirtk . .S. 21(1 |ed. Wiw'n); 
HriifhH «. S veinhjo rnnrwonar. 14/Ctl>:l. 

:«) |i. üf Hrömunili huUa. 'l:U\—Ar,. 



Sitsnng der jikilMrphUol. Clmuf vom 3. .Vrirs 1883. 

i]abt>i lio.-^timinte. Aber dorh wird xttiiärhst <]pr AiiKdruQ 
bjar)jp*y}{r f(tm/. andere xii dfiiU^n s«iii. \\)ii .hjar^ii* al 
j^elettet, l»e/eichnt't er da,« Iicll'cude Weil», iilto ilem ZiMari 
tnt^'iihun^f iiiuli die HclKiiiiiiit*, w'itf <He-*'* (UK-h FritzuLT -■«< 
wohl rtl« Eirfkr Jon**on bereit-^ richtig l>6merkt Iiaben, iio 
dift^f kann un rin^'r von diT (Jt-lturt IiamlchidtMi Stcllo deö 
auch rerht wohl nU (.'ine Person Ix-'zcifhiU't worden, dere 
Gegenwart mehr iiötat. al« die Anwesenlieit anderer Weilie 
Wenn femer nnmittelhar vi»r dem obon initgethellt^n 8at} 
(Hf andere Besliinmuny st^^lit: „ero svä konitr viittba-nir in 
[mt nnll .-iöni k:trini<riiü", su erhält derxdU- i.infiudi d< 
Sinn, diLss, wie in ani' dit» G(d»urt iH'ziigUchen Fragen a| 
nahe liegenden (iriiiideu ilie Weiber -^r^giit wie (Vie Miiuiü 
■/um Zeiigiiis-ie zngeJassei^ werden wolh^n, das Zeugnis^ d^ 
Hebanime ditppelt gcdt^^n wdl, weil sie gewisriernHUwen j 
dienstlicher l'Vnetion anwesend, und darum doppelt glanl 
würdig ist. Ist uher di-r von Fr. Hnindt ergritVene Answ^ 
imznlüti-ig, h» wird wohl nach dem ganzen Zii-ainuienhaii| 
der Stelle dei*en Erklännig nur darin ge>'neht werden dttrfol 
daw die Angal»* der Kintlsinutter um sti glnnbbaft.er ej 
scheint, je tVflher sie abgegeben wiixl. und dnüs ihre Glauj 
wftrrligkeit, wenn nie unmittelbar l)ei der Uelmrt erfoM 
war, nihn buch angeschlagen wird, ab> das.-4 nie durch irf^ 
einen Keinigiing-^eid völlig wiederh^gt und in Bezug auf oI 
ihre Folgen eiitkriUVi werden könnte; eine Anschauung^ a) 
welcher nofort freilich sehr barocke Schlüsse gezogen werdel 
aber doch nicht barockere aK welche auch ^onst Hlr it\ 
ältere Kocht belegt >ind. Alles in Allem genommen zci} 
Übrigens ilie bii<herige Darstellung die Lelire von den Vi 
ternitföt^iklagen im norwegücheii Hechte immerhin principie 
eben.'*o geordnet wne im i.slä.ndi><chen , nur da-w ani^tatt di 
auf Irland übliclien 'Vschworenenl>ewei.-ie> <lie in Norweg« 
geltende Kideshttlfe eintintt; insbesondere wJnl auch keiuei 
Zweifel imterliegen können , dass auch in Norwegen eil 



Mtiurrr: Die unaehie Geburt h/icä nltnnrditicfieni JteeMf. -^l 

Tertr»g?weiöe Auerkeiiimng der Vtttfivcliaft je<le j^erülitHclie 
Wriiauilliing nitü BeweisführuDf^ tiWr ilitvio UlierHü><si^ 
]i)Hrb**n luiL-.-it«*,') tiiu\ werilfii wir nlM?nIit>.s )j4:^tr*wt nii- 
Oi^hmen »liirteii, ria-!>i mu-li hitr t-in otft*n kundig l>e^t<:'hi'iuim* 
Conen binnt jeden Zweifel fiber die l'atcrnitiwt von vorn- 
lii*reiii Inv^eitif^t IiuIm-ti wt^rdt*. Wir wi^iten ja, ilasw solche 
Cnnctilrintitf m üurvittUfn nicht nur luilx'iiii standet vorkamen, 
•onrfeni ^^Ih-t in gewiK^er Wei,-**- rechtliih anerkannt nnd 
gexhfltzfc wnren, sofern sich nicht nur der ('onc;nhinitt nnch 
ilcn ("iIiL. dnreh 20 jähri^^en, niieli den BJ)L. diireh HOjühriifeii 
ungestörten Bestund in eine rtTlitniiLssi^e Eho verwiinduln 
kiinnt«,*) .-toadern auch nach dem älteren Stttdtrecht«* imd 
liwii rfigeniuinten Christenrecht*' K. .Sverrir>, welches insoweit 
nur anf einer älteren Ue<Iuction der FrJ>L. hernlien kann. 
iltt> Kei'ht des Mannes ittif seine ('oneiiUine durch einen ei^t-'nen 
Itu>4*ljc7.n}; ffeK'hiltzt war.') Wir wl-^Heu ferner, dofi^ gerade 
"la.- iiorwe>o>*'lie Iltn-Iit ilen hurnnri)^ -ielu* hestiinnit von 'li*n 
anderen Arten der iniächten Kinder unt-er.-'chit'd , und s*i 
niusfite ihm doch wnhl iasbesintdere U'^tlgUcli der Vater- 
'chatlf^fruK*? ci^ie l>p^instii(ende Pra*sunipkifHL j^aüz wie nach 
HlHa<Uscliem I{4M:htt^ zur Seiti- gestunden sein. — Ist nini 
aller dir Vatersthafl in der t*inen oder anderen Weise fe^sl- 
l^oitelU. Mi ifehüreu die iinSrhti'n Kinder anclt solort ihrem 
V« te r n ?ld seinem (resc h I ee h 1 1- an. Das liWmter 
Becht hVst <ie solclieu Kalls ohne Weiters ihres Vaters 
U«i.'ht nehmen, d. b. der^^en Stand theilen , wenn unr die 
Malter freien Standes war, Wdgexon der .Sohn der Sklavin 
ttlli:rdiuj<^ znnui'b.^ dem Stande seiner Mutter frdjjft , nnd 
M-llwt dann, wenn ihm Itereit« iu frflhe^ster Jugend die Frei- 



h T({I. )i|il.. .'". w(i iVu-K- ilem |iyI>orinn **orr gejjtenilhcr an«- 
•trttckUcb guugl Ul. 

Z\OttL. 12A; H|)L. II. 10. 
:) BjiirkR. IU. l.;9; Krlt. Svfrri^. fK); vgl nhan 8. Iß. 



32 



Skiung tirr philoit.-phiiof. Cln»ff mm H. MHvt 1883. 



heit geschenkt wird, dach nur eiiie nm ein Drittel geringerp 
Biiä.'^e erliäll als nein Vater;*) die 0|)L. aljor lossi'n seiltet 
iIpii |iylK)riii suii , wenn er nm* vor vnlleniletein (lritt»'n 
U'beiiHJa)ire freigela>isen wunle, fia> vnlle Ueilit oines \'Ht*i's 
nehmen. nnH halten nnt^lrlich })e7.nglii>h iüIit mit freien 
Weihern er/eu^-en imüehten Kinder an di^rsellwii Kej^et um 
s(t mehr fe-it.*) Umgekehrt ist iilier anch klar. An«, wrnn 
iler anf Vater-*chuft Belanj^k« seinen i!*^ini^nnf(^l>ewfis fnhrt. 
weiler ihm faeU)st noch seinem Oeselilwhte gcgiMitilMM- vtm 
irjfeml welehrr Vprivanrii-^rhaft mit «Irm lUK'lu'lii-h ji^'lw^rrnen 
Kinde die Hede ^.lin kann.') uml nicht Jiiimler khir, diiss 
diesen Kind :<oh;herfans hinsichtlich seiner AlimenbttitDi 
Ifdi^lifh anf ««ine Mutter,*) und evyntnell dneb wohl 
imcli auf derpn Verwandtsrliaft. antiewiesen sein kann ; noj^r 
dann soll da^ Kind liiT Mutter t'ol^j;rn. wenn sii* dusstdU* nis 
freies Weib mit einem Unfreien ^fi-womifn hat.'") uml es 
sti'ht hinnit vollkommen im Kinkhin^fi'. dif^ da>- Kind das 
Il*'<lit seines niHtterlielien (TiYb*>vaters huln-n soll, wenn diH 
Mutt4*r kt'in»'n Kindsrater nwdiznwejsen vernmg.') Die Siithe 
stanti nUit, ganz wit- auf Island, '^o. du.ss das Kind, solang«* 
tlie Hatfrnit«?t in beziig auf dQSM*dl>e nieht festgestellt war. 
nnr znm Go^ehlwlit seiner Mnfcter in Beziehungen stnml, 
wogegen sieh Beziehungen »nch zum Oeschlechte de> Vaters 
UnflptTien , sowie erst dii- Vah'rscliuftsfriigc erledigt war: 
letzteren falls tritt ilann afjt'r jmicü dits vätHrli^-lre iiescldeclit 
sofort in den V'ordergrund, und tiach ihm bt^ma»^ sieh fortan 
zumal die Standexini gehörigkeit de?« Kiniles. 



\) Frl)L. X. 47. 
21 0|)L. ri7 und 104. 

S) plicndtt Ö7: |ni er (int ( en^iiii iili_Yry(tuni viit Iihiid, ni' vid 
IV«nJr Imns- 

4) Kr|tL. 11. 1; hytigt .själf fyrir Ijuml. 

•''•) ebenda: onn )>arD shal uiödor rylKJ)^- vgl- HpL. II, 14. 

A) ebenda: pii tnke jmt rl'tt ei>Hr niMurfiPdr H(nnii). 



Maurer: Die unrlchte Gehurt nach aHnnniiAchem Brühte. 3U 



Die Rechte und Pflichten, welche der nnaohten 
Gr^burt emgeräiinit und auferlegt wurden, waren nach den 
verschiedenen Hechten sehr verschieden begrenzt, und xnmal 
war auch die Schranke venM-hiwlen ^ezojjen, innerhalb deren 
dieitellie überhaupt nuih zur Verwandttehatt Kfi'«;luiet wurde, 

Dns isländische Recht hat in Bezug auf die un- 
ächt** Geburt im Verlaufe der Zeit eine lieilie von Wuudel- 
nngen durühgeiuiicht, wehdie /uniichnt in Bezug auf (las 
Erbrecht klar erkennbar 4ud, und auch l>ereitf* von Vilh. 
Finpeji richtig erkannt wnnteu.*) In der Hltet^ten Zeit 
scheinen die unehelich Geliurenen Überhaupt nicht erbfähig 
geWHien zu wein. Aiurtlrückllch wird der Satz uiLsgeäprochen. 
düSH der -Mann nicht erbfiilug {eitfi »rfffetigr) sei , dessen 
.KItem nicht rechtsgültig niitfinnmier verheirathct waren,') 
ii»d ganz allgemein werden Au«drii('ke wir arfgengr. arf- 
iiorinn oder til artäahnn^) ia den liechibbücheru gebraucht^ 
um die ehelich Geborenen im Gegensatze zu den unächt 
ißelKireneu zu bezeichnen ; Beides nur unter df-r Vnraussetz- 
Fling vt-rständhch, diu-« die unächt*^ Gehurt ursprünglich vom 
Erbrechte ganz und gar nu>«gesc blossen war. Ein paar 
weit*'re Stellen bestätigen diese Folgerung, indem sie die- 
s4-n»e nllenling:« etwas cinschrUnkeii. Auf tier einen I^dte 
aümlich wird unzweideutig ausgesprochen, das» der unehelich 
Geborene gleich dem eheticli Ge)x>reuen «eine eigenen Kinder 
und ^iaeo eigenen FreigeUu«enen beerbe.*) und w-ir halicn 
■Uen Grund anzunehmen, daas dieser Satz alten Hechtem^ 
Mfi, da ja die iiDächU* Geburt einer Person ftelbst l>ei strengster 
Anfl'fi'wiing iltwii unr zur Kolge buhen konnte, ilass deren Ue- 
xiohungeu zu ihren .•Eltern und ihrer VerwandWliatl iguorirt 
wurden, aber doch kaum dazu fliliren komkte, dem unücht (>e- 



1) AnnuliT. 1H49, 8. 2«6— D6. 

2) K. 118/22*2; St. 58/6fi. 

3) Tgl. oben S. 13. 

4j JC 127/247: St. 66/86. 
[1883. Pbil<M.-pbUol. hilft. Cl. I.] 



34 



Sktung der fhlon.-j^HM. Clns»e com 3. Märe 1883. 



\ 



borenpn auch die Kerbte zii verkümmern, wpkhe ihm tinn'h Hie 
Kingehimg einer rechtniiUsigfu Klie suineii elu'lit-hen Kimieni, 
oder durc}i ein Putrountsverbültuise seiuen Frei^^elnÄsenen 
gegenüber erwuebseii. Auf der aiidereu Seite war aber auch 
dem Vater versluttct, seiuem nattlrlicheu Sohne eine Zuwend- 
ung bis zum Wertbe von 12 uiirar ziikoniineu zu liiE»en, ohne 
das8 er dazu dei* Zustiraniung seiner geborenen Krben be- 
durfte, vorausgesetzt, nur. Hiiss jeder di-r ge^^etzlichen Krben 
(in f seinen Krbtheil mindestens ebenKoviel erhielt.') Die Er- 
zählung einer geächichtUchen Quelle zeigt, duas diese Be- fl 
Stimmung altht;rgebrrtcht war/l Nach ihr ging der alte 
Hi«kuldr Diilakollsson (f uui ftSä) auf wineui Sterbebette ii 
seiue beiden ehelichen Söhue uu, ihui die ^arfleidfug" seines fl 
nnäehten Solmes, Obifr p;i. zu gestatten, und diesem diuuit 
den Ansj}nK;h auf gleiche Theilung «Jes viiterliclieii Xach- 
lasseri mit ihnen einzuräumen. Ah< die ä<:htgel>orenen Söhne 
hierauf einzugehen sich weigerten, forderte sie der Vater 
auf, ihm wenigstens zu gestatten, dass er von seinem Hecht« 
Gebrauch ruache, und ilirem uiiüchten Bruder eine Vergab- 
ung von 12 Unzen Wertli zuwende; niichdeni er aber hieKU fl 
die Zustimmung Beider erhalten hatte, schenkte er dem Olaf 
Kleinodien im VVerthe vim 12 Unzen <Joldes. Damit war 
nun freilich recht hinterlistig gehandelt, da die 12 aurar des 
de!< (iesetzes logaurar. und nicht (jroldunzen waren, während fl 
das (toM achtmal hölier im VVerthe stand als Silber.') und 
da die ZiL^timmuug der aufit geboreium Söhne sich offenljar 
nur auf den gesetzlich vorgesolienen Werth bezogen hatte; 
aber immeriiin wird durch den Vorgang die Exiäbeaz der ge- 
setzlichen Bestimmung für rlen Schlu.s« des 10. .Jahrhunderte 
oder doch für eine ziemlich weit zurückliegende Zeit l>ezeiigt. 



I 



1) K. 127/247; St. 66^'86. 

2) LuxUiulii, 26/102—4. 

3) K. 246/193. 



Ufaurert t>if unncklf Qehnrt nach tun^mSekem Rechtr. 



xmd in der That dürfte sie ihre Kntstehiing einer Zeit ver- 
danken, welche vrm einem (gesetzlichen Erbrecht der unehe- 
lichen Kinder ihren ili)lterii gegenüber noch Nichts wiiaste, 
wenn aie auch in der »pätereu Zeit einem blos snbsidiäFen 
ji;esetzlichH?i Er}trecht.e dei*f*ell»en gegenfiljer immer noch eine 
gewisse Bedeutnnfj behielt. Dem ye^enllber beruft min iiber die 
ErhschatUtiifel unserer Rechtebücher') uniiiittelbur nach den 
acht geixireneii Söhnen und Töchtern, .-l'-lteni und (Teschwistem 
auch die Kinder und (ic-schwister Vf)U unächter (ieburt, und 
xwnr die Gestchmster sowohl von väterlicher a\» mütterlicher 
Seite her. während sie zugleich bestimmt ausspricht, diuts in 
den entferntoren Griflen nur noeli die eheliche (Tehurt. be- 
rficksichtigt werde. In der St. Hndet sich ferner iin einem 
Sfiiteren Orte eine weitere Beätiuimuu},; eingesieUt,'') welche 
nicht nur tUm Erbi-echt der unehelich (ieborenen j^hmz ebenso 
regelt, rundem i<ich auch ituf lÜc übrigen verwnudtjwhal'tiiehen 
Rechte und Pflichten derselU'n f)czieht; in der K. ist die- 
tAhe Heütiumiung uts Referenz xu der vorigen um llaude 
nachgetragen, ') und auch in der Belgädalslxjk ud<I einigen 
weiU»rcn llss. finden sich Tlicile dersc-ILcn ausgeschrieben.*) 
V3h. Finsen Jtemerkt,*) dass eine Randbemerkung, welche 
^die St. zwischen diesem mir] dem Srhbisse de.s vorhergehenden 
»mgTa|dien bringt, und welche die eine «jder andere Ltestim- 
niuiig als .nymieli* l>e7*ichnet, doch woh leher auf die SchluH»- 
worte de« vorhergehenden Panigmiiheu sich beziehen dürt^, 
und da diese Schiussworte die Unverjährbarkeit inländischer 
Ansprtiche auf einen in Norwegen liegenden Nacbluäs aus- 



1) K. llHy2]«— 19; St. 56/63. 

•2) Hl. lü/ai. 

») K. I1H/21S— 11». 

4) BtilKKHaIxbök, 45 iin.l 4(), S. 2:m— ül); AH. :n5, B. 1/2*27; 
AU. V-i, !>, 10 und 11, H. 460— fil. 

Ä) <liu de iBiatui.ike Love i Fri«tiit»tiiirii. S.227, Aimi. (AarUlifCr 
rw nonl. OltUc. o^ Uintune. lÜlS} und StudurliulHbdk. Ü. Uö, Anm. '6. 



36 



SUsunff der philos.-j^ilol . Clasae i<oin 3. Märe J883, 



Sprechen, welcher ei-nt durcli den rnt*rwerftui(?svertrag der 
Juhre 1202-04 gewübrt wurde,*) halte ich diess alh-rdinga 
fdr sicher; damit iwt indessen ^elb8tverständIich keineswegs 
auü^eächlcKssen, diu« »iieh in der hier ['nL^lieheii QeMtiiiimung 
eine Novelle vorliegen ni5j{e. welche über das Erbrecht hiu- 
(iwögreifend, die sämnitlichen der iinSchten Geburt 7,nkfnnnien- 
den Hechte und l*Hifhten in erweiterndem Sinne neu ordnete. 
Mag sein, dass den tinehelii'-li fi^lKirenen anfänglich nur ein 
eventuelles ji^esetzÜi-hes Erbrecht Ilircn .Kltern und Ge- 
schwistern geK^nilber eingeräumt worden war, und da»s erst 
hinterher die Anndehnunp; ihrer Herechtiy;nng auch auf andere 
Gebiete de.s verwandtwchaftlichen Keehteij erfolgte — , niag 
sein aber auch. dasH nur «n deu vtrschiedeneu Stellen unserer 
ß«chtdbücher verschiedene Vorlagen benützt wurden; die 
zwiefache Einstellung der Iietretfendeu Vnrschrift in K. und 
Ht. , Kfiwie die (Mgfiithiiuiliche F;Lssung derst-lben m den 
übrigen Hsk. würde sich aus der einen wie der anderen An- 
nahnte recht wubl erklären. Ungerechtfertigt erscheint mir 
dagegen V. Finson's Annahme. ") da.-a zwischen die völlige 
Au.ssrhliessimg der unUchten ileburt von allem Erbrechte 
und deren Zulassung zu demselben in dem soel)cn bezeich- 
neten Umfange noch ein Ueljergangsstadiimi sich in die 
Mitte gesch(d)en habe. Wenn näutUcb einuinl utiiigesprochen 
wird,*) dass uneheliche Kinder ihre ."Eltern dann beerben 
sollen, ,ef engi litir [leirra inanna, er itl arfs ero tahtir at 
lögom", darf man die letzteren Worte nicht auf das Fehlen 
aller und jeder erbberechtigten Verwandten beziehen, sondern 
nur auf daa Fehlen derjenigen unter ihnen, welche technisch 
als ^taldir til arfs t lügum" bezeichnet werdun, alwj des 
ersten Grades der Üesceudenz, Asceudenz und Seitenverwandt- 



1) Diplom, iflland., I, 152/620. § 4. 

2) Annaler. 1849, S. 2Üä. 

3) K. 143/24; St. 116/149. 



3frtMrcr: Die unÜcMe Gehurt hacA altnordischfm TicnJite. 37 



jtchaft;') m verstamleii l)esugt die St(^Ue über uicfafc, wie 
Fiiisen auuinitiii, dass nur die uuächten Kinder iliren Altern 
gegenüber erbberechtigt <iein soilen, und aeUmt dieRen gegen- 
öWr nur ftlr den Kall, dass überhaupt keine erbberechtigten 
Verwandten von ehelicher Abkunft varhunden sind, sondern 
nur, dass uneheliche Kinder ihre vElteni er»t' dann l>eerben, 
wenn weder eheliche Kinder noch ^-Eltern rxler eheliche Ge- 
»chwiMter vorhanden sind, also ganz dasselbe, was aiich die 
vorhin besprochenen Stellen besagen. Dagegen ist allerdings 
richtig, dass die St. in dem ihren erbrechtlichen Abschnitt 
schlieaienden Paragraphen ^) eine in allen anderen Hss. 
fehlende Satzung enthält, nach welcher in Ermangelung 
ehelich gebiirener Personen, welche im dritten gleichen Grade 
oder näher mit dem Erblasser verwandt sind, dessen nnacht 
geborene Verwandte bis zu demselben (irade zur Erbfolge 
berufen sein sollen^ in der^^lben Heihenfotge, wie sie für die 
acht Geborenen vorgeschrieben war. Damit war also auch 
mtfemt'eren Graden der uiiachten Ueburt, wenigstens auf 
erhrechtlichem Gebiete, eine snlwidiäre Rerechtigimg einge- 
rüuiut ; da aWr fllr die eheliche Geburt die Grenze des Erb- 
rpcbte« erMt auf den fHatt«n gleichen Grad gesetzt war, Idieb* 
doch auch dit^e Ausdehnung der den unächt Geboreneu zu- 
ge«tandenen Berechtigung noch weit hinter der fiir die ehe- 
liche Verwandtschaft, geltenden Grenze zurück. — Bezüglich 
der AI t ersvorni uiidschaf t galt .sodann die Kegel: ,sva 
tikul til tjiin'ardveizbi taka, seni til arfs*,') welcher Grund- 
satz 8o consetjnent durchgeftthrt wurde, dass sogar gleich 
nah Berufene sich in die Vonnunrf.schaft zu theilcn hatten ;*) 
Nähere» ober die Handhabung der Kegel in Bezug auf die 



1) Vgl, meine .Schrift: Island von seiner ersten I^nidecltunf^ 
bii xiini Untergänge de«) Frt*iHtaaU. S. 'A'iM—M. 
Ü) 8 t. 80/102. 
S) K. t22/3:tü; 8 t. B4/78. 
4) dt 57/64; in K. Wül^ffi nor als Ueferenz. 



38 



SiUuitg der jAilfM.-jfhtM. danae com S, Märt 1883. 



UDM^ht Geborenen winl jedoch nicht angegeben. Hinsicht- 
lich der Älimeutatioaspflicht werden ferner zunächst 
bezö^Ueh des ersten Grades der mifsteijjpjidnn. ahHteigenden 
und Seitenlinie einige bes(Jiidere und theil weise von den 
Regeln der Krl)tV»lge iibweichende Vnnschriften gegeben ; 
weiterbin wird »her der 8aLz ausge«iiixH;heu, diu«, den Besitz 
genügeudeu Vermögens VDrau-sgesetzt , Jedermiuin die Per- 
sonen zu alimentiren hiibe, deren geborener Krbe er sei,') 
womit denn doch auch wieder die prinzipielle Identitset der 
Keihenfolge gesetzt int, in welcher man zur Aliiuentations- 
pflicht und zur Krblolge berufen wird, und neben dieser all- 
gemeinen Regel finden sich auch noch besondere Bestim- 
mungeu, welche i>i{Hfciell in Bezug »iif die den unücht 
Geljorenen obliegende Alintentationslast diesen Parullelismus 
noch des Näheren ftusHihren. Ob die tinächt (ieborenen zu 
irgend einer Zeit von jeder Aliuieutationsi>tlicht ihren /Elter» 
und ihrer älterlicbeii Verwandbebuit gegenülter vi'dlig frei 
wureu, wird un^ nicht getagt, und lässt »ich nueli kaum mit 
voller Bestimmtheit ans der Analogie des Kritrechte** er- 
schliessen :■) dagegen erfuhren wir. dass zu der Zeit, iu 
web;her dieselben ihre ^iiilterii und (nvobwister beerbten, 
falls ficht geborene Verwandte de« ei-steii Graden fehlten, 
diesen gegenüber auch die AlinientAtion.iptlicht ihnen oblag« 
und zwar iiller VVubrscheinlichkeit nach »nf ßnmd derselben 
Novelle, welche ihnen jene Erbberechtigung eingeräumt hatte. 
Jetzt galt demnach die Kegel.') dass der unehelich Geborene 
nicht nur »eine eigenen Kinder ganz ebenso zu alimentiren 
hatte wie der acht Geborene, wa.-* siidi wi>hl unter allen 
Umständen von sielbht verstand, sondern dahs er auch seine 
/Eltern und Gesc.bwiater zu erhalten schuldig war, falls keine 

1) K. 128/3: St. 8l/10;t. 

*2) v(fl. indcHHen K. IW.'J^ ; St. I!(i/U*). wo auwchlifisulicli Avt 
Aliiuentatioiispfliciit den .Klteni gtgf^nUber geüiiclit wird. 

s) St. ni/UL>. 



Mnmtr: Dit HWlchte Geburt nach nUnftrdiiichem lieehtf. ^0 






Äur Erbfolge näher berufene Personen vorhanden waren, und 
falb sie selber ein bestimmtos Mtu» von Vermögen besnssen. 
Wie ihr Krbrecht, so war deranueh mich ihre Alimewtations- 
päichi nur eine eventuelle, und diese letztere war überdieös 
anch noch innoferue eine minder drückende, als eheliche 
Kinder für ihre .'Eltern nöthipenfjills sogar in Schuldhaft 
^eheu, und eheliehe Geschwister für einander wenigstens 
noch mit ihrer eigenen Hände Arbeit einstehen niussten, 
während den nniicht Geborenen die erstere Verpfiichtung 
ülierhaupt nicht, und die letztere wenigi^tens nur unter der 
Vorauaietznng olitag, dass sie des AliuieutationMbcilÜrftigen 
nächste Krbeu waren. Aui^driicklich wird dabei bemerkt, 
die AIini4'iitaH«nsj)tlicht der iiniicht Geborenen über die 
egebene Grenze nicht hinauareiche, und e** ist »jmit für 
jene Zeit voUkomiuen richtig, wenn eine zweite Bearbeitung 
der betreflendeu Novelle den (Triuidsaiz ausspricht: ,ok skal 
sra fara <'>mt*gd sem arfr", und ^eptir tirnare nienn eni ski'r- 
getnir menu til arl's ok üuiegdar, ef eigi tuka systkin",*) 
oder wenn die Ht. anderwärts noch eine Einschaltung zeigt, 
wvtche ebenfalls wieder die Gleichheit der Begrenzung der 
Alinientation.'^pHicht nnd des Erbrechtes ijel der unächten 
Oebtui HUHspricbL.') Kndlich dehnt aber auch dasselbe 
Cnpitel dieses letzteren UechUbuches, welches den unächt 
Geborenen ein eventuelle!* Erl>reeht bis zum dritten gleichen 
Grade einschliesslich einräumt, deren eventuelle Alinieniu- 
tionspflicht ebensoweit aus,') so dass also die Alimentations- 
|iflirht der nntlcht Geborenen genau denselben Eutwicklungs- 
Kttiig nahm wii^ deren Erbrecht. Eine völlig andere Frage 
aU die nach der Alimentationsptlicht der unächt Gel>orenen 
ist natürlich die nach deren AlimentationsberecH- 



1) fit. 73;h7: Uelgsdalöhk. 46'2:m: AM. 173. D. 11/460—61; 
AM. :tl5. B. 1/227; in K. Ilfl/2IM— 1!J nur uN Rffermz. 

2) .St. Ü6/Ö2: ok tu ömeKdar. 



40 



Sitiunff df.r philns.-phiM. Clasne mm 3. Muts 2663. 



tiguDg; doch mag auch sie gleich hier beäjirouheu werden. 
Es wnrde bereits gelegentlicli erwälint, diiÄS uneheliche Kioder, 
die Festst-ellung der Pftfcernitüt vf»ran>igesetzt, bi« zum zurUcJc- 
gelegten ll>. Lehensjiihrf von ihrem Viiter und desäeii We- 
schlecht erhalten werden umasten, wogegen nach Ueber- 
schreittnig dieser Altersgrenze der inichste Verwandte nhiie 
llnterscheidnng des väterlichen nnd ludtterliclien (Jeschleehtes 
zu ihrer Pflege berufen wurde;') indessen ist doch jene Ver^ 
pflichtung der väterlichen Verwirndt-schaft keine unbeschränkte. 
Einmal nämlich braucht die Verwandtschaft des Kindsviiters 
nicht mehr ab* vier uneheliche Kinder desselben zu über- 
nehnien, und zwar ho, da«« je zwei derrielheu auf des Kinda- 
Vaters väterliches und nifUterliches Geachleclit fallen,') was sich 
indessen nur für die iMuer der .hamömegd" versteht. Zweitens 
brauchte man von einem Verwandten nicht mehr als zwei H 
uneheliche Kinder zu überneliineu , tleneii man nicht näher 
stand tdii iiu vierten (.iradi% wenn nicht durch Castratiun de» 
Vaters gegen eine weitere Vennehrung der Zahl seiner Kinder 
volle Sicherheit geboten ist.*) Endlieh bniucbte man auch 
die unehelichen Kinder fiiie« Mauue.^ nicht zu übernehiuen, 
welchen man .seinerzeit selbst uiinde.siens zur Hälfte alinieutirt 
hatte, falU dies:$ nur Kratl einer i!)u]>$idiären, nicht primären 
Veqjflichtung geschehen war.*) Wer die Verpflegung fler- 
jeuigen unächten Kinder zu übernehmen hatte, welche diesen 
Regeln gemäss dem väterlichen Ges<Jhlechte nicht fiberbttrdet 
werden konnten, wird nicht gesagt; ich möchte indessen 
nicht, mit Villi. Finnen, '^) annehmen, dass dieselben sofort der 
lienieinde zur Last Helen, welche allerdings eventuell zur 



* 



1) K. 12H/7 iiiiiJ U2/J3; St. 85/111 un.l HHfVAh, dann 111 
oHil S3('107. WRfft'n t]v^ VAtvr« vgl. hucIi St. IT^V'-^''. 

2) K. 14.S/2«: St. 116/150. 
8) K. H-im-, St. 11Ö/150. 

4) K. 143/24: Bi. llß/U9. 

5) Annalcr, 18.^0. S. 17t. 



Maurer: Die utw^tc Oehnrt mich aUnordtKhem Rechtf. 1 1 

AmienjtHege lierangew>g<*n wurdts sondern vprmiithen^ Hass 
noch vor ihr die miltterliche VerwanJLschutl oinzutreten hatte, 
wie sie ju auch die Verpfli'i^uiig de« luündig gewordenen un- 
ehelichen Kindes vorkommenden falls zu Obernehmen hatte, 
nnd jedenfalls werden wir annehmen dürfen, dass diese letztere 
dann in erster Linie hnft)>ar war, wenn die PaternitTit nicht 
feststand, und somit kein väterlichem OeschW-ht da war, 
welches hergenommen werden konnte. AnfFälüg erscheint 
über allerdings, das» die Alimentationspflicht der väterlichen 
ViTwandtschaft bis znm vierten ttrade , ja über denselben 
hinaus erstreckt wird.*) xvUlirend doch im Tebrigen die Ver- 
bindung der nnachten (loburt mit ihrem Geschlecht« Anfangs 
ftof den ersten, und selbst spater noch auf den dritU'n gleichen 
tirad beschriinkt war: indessen las^t sich diese Abnormität 
immerhin theils aus dem halbwegs delictmässigen Ursprünge 
der Verpflichtung und theils aus der Rücksicht auf die even- 
tui'Ile Hiiftnng der (Temeinile erklären. — Bezüglich des 
Verlob ungerechtes gehen unsere verschiedenen Texte 
»U8»*inHndei*. We St. beruft an der dieses Kecht speeiell be- 
handelnden Stelle') die unücht (n'(M)rcneu äu demsidben inuer- 
hulb des ersten LJntdes der aljsteigeiiden und der Seitenlinie, 
und KWar ganz an derselben ^^tl>tlH und in derselben lieiben- 
folge, in welcher sie auch zur Erbfolge beruften werden, nur 
mit dem Unterschiede, dass Weiber das Verlobungsrecht 
nicht selbst ausüben, sondern nnr^ soferne sie verheirathet 
sind, deme» Ausübung auf ihre KhemSnner Obertragen können; 
fllr die entfernteren Grude der Venvanrifcschaft wird sodann 
durch die Verweisung auf di*ri ^niunLsü nidr karlmaunu 
■rfgengni* jede Berechtigung der unächteu lieburt uusdrück- 
bch ausgeschlossen. Dem gegenüber erwähnt die K. an der 
entsprechenden Stelle die unachten Kiuder und Geschwister 



1) flWbe Aniu. ^ der vorigen Seite. 

2) St US/ISA. 



42 



Silzitng der philoa.-iihUol. CUtsae mm 3. Marx 1883. 



nicht,') niui du aut;h sie narli Bespreclimi^; «le» ersten (iriules 
(lirr ViTwuiultst^huft Huf den .niinjisti nidr kiirlinimnu urt- 
geni^ra" vorweist, sind tüese von jedt-r Berufunj; itchlechtbin 
ausgesfchlosseii ; an eiücr spütt-rt^n Sttdic, aa welcher die Be- 
stimmung iKuhnmls wiederkehrt, fehlt freilich das Wort 
^arfgengra^/) aber es erscheint doch recht zwiMfelhaft. oh 
durch dessen Streichung die Mit*'in!M*ziehiiiJK J*^»* iiuiiiditeH 
Geburt in die Berufung zum Verlohutigsrechte in gleichem 
rmfanpe wie zur Erbfolge bewirkt werden wollte. Ganz 
dieselbe Verschiedenheit der Haltung zeigen l)eide Kechts- 
bücher ferner auch bezüglich der Benifnng /.ur l^uxuchts- 
klage. Die K. schweigt auch hier wieiler gänzlich von der tm« 
ächten (»eluirt, und verweist an einer Stelle') le<liglirh auf die 
Keihenfolge der ß^-nifung zum V4*rl()buugsreeht4', an einer zwei- 
ten aber uuf die Reihenfolge der ßerufuug zur Blutklage;M di« 
St. dagegen beruft wieder naeli dein ersten Grade der ehe- 
lichen Verwandtschaft den unehelichen Sohn und den Ehe- 
mann der uneliehchen Tochter, und wenn sie zwar die un- 
ehelichen Geschwister nicht ans<Jrftcklich erwähnt, so sind 
dieselln^n doch in der sofortigen Verweisung auf die Anult^e 
di'S Vibrio l)ungsrechte.s mit inbi-gritten, welche hier neben der 
Verweisung auf die Analogie der BUitkhige steht.*) In Bezug 
auf beide Hechte hilft uns uIkt jene andere Stelle der St. 
weiter, welche auch in die K. als Referenz tn>en?egttngen 
ist, und welche sich mit den Kecihten der unüchten Gehurt 
fil)erhaupt )H?ächaftigt;*) nie beruft sowohl den lirodir laun- 



1) K. 144/29. 

2) K. 253/203. 

3) K. 156/48. 

4) K. 254/203. 

5) St. M.V177; U-zÜßtich der uniLchlcn KindiT vgl. nuch St, 
17:V207. Die erstere Stelle findet siub auch iu der Bclf^sdaUbk. 
51/242. 

6) SL 7a/97; vgl. K. 118/218-19. 



Mmtrtr: Die «vöchtt GehuH nnc/i ftitnonliädifw HechU. 43 

getinn saitittHlri nml siiiiiniaHlri , als auch den Kli4'iimiiri iler 
^tir laungetiu mimfettm und sunumedm sowohl zn den 
fiastar als Kur le^or<t«8Ök, tmil zwitr an derselben Stelle, iin 
wf^lrhtir sw zur lirljt'olge henifen wären, Pin pntir kleinere 
Hwfra^^iient^ aber wiederholen dieselben Sntze in lihnlichem 
Zuiiiuiuueuh»iJ^e. '> Die unehelichen Kinder, deren nicht aiia- 
drflckliche Krwähnung in der Stelle niitilrlirh nline alk* Er- 
heblichkeit ist, und die unehelichen tiesthwister wurden >it;ht- 
licb erst durch eine Novelle zu jenen beiden Rechten berufen, 
von de'oen sie vordem ansgeschlr«sen gewesen waren: dagegen 
Knüet Äich von einer >päUTei» noch weiteren Au.sdehnung der 
BefufTiiisde der unüihten Gehurt, wie mlche fUr dat« Erbrecht 
lind die AlinientAti(in)<|iflicht nachwei!<b:tr ist, anf item ftebiete 
deit V'erlobungsrechte-i und der l'nznchtsklage kein Beleg. 
Hin.--irhtlich der Beniümg zur Hhitklagc stallt die K. die- 
selbe Reihenfolge auf wie bezOglich der Bemfung zur Erb- 
folge, nur mit dem Unterschiede, ilas-* die Weiber .sowohl als 
deren »etwaige Kheumnner von iler Klage-tellung gänzlich 
«iwgfr-irhloHHen sind, und es erscheinen demnach nur der 
imSi^bt« Sohn und Bruder, gleich ruich den acht gel>ornen 
BrQilem, Ijerut'en, wogegen hinter ihnen wietier nur tlie ent- 
ferntere eheliche Verwrtudt>chaft zum Zuge konmit.*) L)iertell)e 
B&^tiraniung keJirt auch iu der Belgsdal^bok wieder,*) und e» 
liegt sicherlich nur an einer nngesibickten KUrzung des Aus- 
(trtmki* , wenn die !St., im Uebrigen rontVirni, nur den un- 
ehelichen Sohn nennt ohne de^s Brudeis zi i geilcnkeu/ 1 
welcher sich ja au.s den uuniittclbar vorhergehenden Be- 
i4innunngeu über die ehelichen 8tJhne und BrOder ergänzen 
be»; tti» jener anderen niehrerwähnten Stt'lle. welche als 



1) BolKoJalabk. W^iU; AM. 17:^ ]>. 11/461; AU. :ilO. 
Ü. 1/227. 

2) K. 94/168. 

31 BelKfldalBbk. 56/244. 
4) 8 t 'i»V3^^t. 



44 Sitiunjj der jihäoa.-phüoK Clasne wm S. MSrz 186B. 



I 



Referenz aucli iu die K. übergegangen i4, nennt denn 
anch die St. .sowohl aU eine Keihe kleinerer Hsk, den 
hrodir sanifeJri und winmiaHtri aiisdrlirklit-h als zur vi'^soJc 
beruieii.*) Ks i-it hiunuich nicht völlig richtig, weun die Be- 
niftmg Äiir vig«5k an ein paar bereitx angeführten Stelleu 
mit der Benifnng zur legordn^Ök tils gleichartig znsflmmen- 
gestellt wird,') scjferne ja bei der letzteren die Fjhentänner 
verheiratheter Weiber berflcksichtigt werden, bei der en*leren 
dagegen nicht; inde^^^n ist diese, wahrncheinlich mit rechfci- 
geschichtlichen Veränderungen zusninnien hängende, Ungenauig- 
keit doch allzu un(>et1eutendf um enistUch in Betracht kommen 
KU können. Im Baugatal wird der «sonr fiyborinn eda lann- 
getinn* nur unter die ^sakaukar* ge^^tellt,') und ihm somit 
am Wergeid nur ein sehr unbedeutender und aitsserordent- 
licher Antheil eingeräumt; von dem nnät:ht geborenen Bnider 
aber ist in der W^ei^eldstafel vollends nicht die Hede. Unter 
den PerHonen endlich, welche in Unzuchfcifällen Kache zu 
nehmeu befugt sind, oder welche als Richter, Zeugen und 
Gew'hworene r e c ns i r t werden können , finden «ich diefl 
uniicht Gelxjreneii ülierhaupt nicht genannt. — Alles in Allem 
genommen haben wir hiernach in der fte^chichte der unächten 
Geburt auf Island und ihrer Stellung zur Verwandtachail 
drei Stufen zu unterscheiden. In »ler erst^^n Periode erscheint 
dieselbe von allen verwandtschaftlichen Rechten und Pflichten 
so gut wie völlig auwgeschhtssen; in>bes<indere gelten die un- 
ehelich Geborenen, soweit nicht etwa die Beerhimg ihrer 
eigenen ehelichen Kimler und ihrer Freigeht-Jsi'ncn, dann ihre 
Berück.sichtigung niittelit besünderer Zuwendimgen iu Fnige 
steht, als vullkotmnen erbuntahig, wogegen sie allerdings 



1) SfiS/d?; K. 118/218— 19; ÜetgfldaUbk. 46/239; AH.173, 
1>. 11/461. 

•2) K. 254/203 ; S t 145/177. 

3) K. HH/yOl. In der Njäla 100/552—55 bleibt diese Bchiind- 
Itmg des unaf:bten Sohnsa luiberflcksichtigt« 



Maurer: Die ttnächU Gehurt wneÄ nUnort(i)ichem Rechte. 45 



Alini<fntfltionÄan.sprHche Kegen ihre Klt^^rn hereits gehuht 
haben mögen, lu der xweit+'n l'eriwle wurde rien unehelichen 
Kindern unil (Geschwistern ein Autbeil au den verwandt«cbaft- 
liehen Recbteu «nd Pflichten eingerünnit, jedoi;h nur hinter 
den ehelichen Kindern und (leHchwi^terii und unter Aujwcbhw« 
all«r entt"enit^?ren Grade der nnächten (ieburt von aller und 
jeder Beret'htigunt^. Die dritte Periiide endlich gewährte deu 
uiiHcht Iteborenen l)i:- zniu dritten gleichen (irade ein^L-hliesh- 
h'ch eine eventuelle Berech tiji^viug für den FalJ des Niclitvdr- 
hiuideiuieinh' irgend welcher ehelicher Verwandter innerhalb 
dft^ben Grude^. wogegen noch entferntere Grade der im- 
ichten Geburt auch jetzt noch unl»erQck.^ichtigt blieben. Der 
er»t* Blick zeigt, dajw dieser alhnälige FürtM.'hritt in der 
AiL-vlehuiing der den uiiehetirh (leU)renen eingeriiunit**n Rechte 
ittit der eigentliümlicben Gliederung der Verwniidt^ichatY ui\ 
ultuonli^'hen Hechte zu>*animenhüngt. Der erste Schritt- ge- 
währt nur denjenigen lanngetnir inenn , welche dem Grade 
i!uu:l) zum engsten Verwandtenkrei>e gehi>ren würden. Rechte 

PmI ]*tlirht«'n. unil zwnr gleich hinter den ehelich geborenen 
ngehörigen dieses Kreises; sie gehören fortan mit zu den 
,tuJ(Iir niffon i U'igiim",') von denen sie früher nnterschieden 
Wonleii waren,*) und schlierisen als solche die deui (trade nach 
entferntere Verwandtschaft ehelicher Ab-^tiiuinuuig aa-*. Der 
zveitr Schritt über gewährt, wenn auden^ eine onderwÜrtH 
«i!i ruir an*;gesprnc.hene Vennutliuug ttber die urfjprdnglicbe 
Begreiuuug de> ^bauggildi" und ^nefgildi" aul' Isluud nticb- 
hattig ist.*) auch denjemgen unUcbtGebureneii verwandt«;chafl- 
liclie Rechte; und Pflichten* welche ihrer Gradesnähe nach 
"1 *Mner der U'iden Kategorien gehören worden, lunl /wur 
wiinleruni in der Art. Auss sie unndtttdbar nach der ehelichen 



\) 8t 56/W: in K. 118/220 als lU'.foreaz. 
2) K, 143AMj St. U6IUU, 

^) IhUiiiI von Heiner enlon Entdeckung biri xum Untergänge 
Jwi InäjitiuiU, ^. 337. 



46 



SUmu»;} der phUon.-jihiiol. Ciame wm 3, März 1683. 



Vorwftndfcaehnft lioider Classen »lü m\o Ma«.«e berufen werden, 
iiiit^r r^itii nach dcr-elhen Heihenfoi^t* gwinimt, welche für 
die eheliche VerwaudtHcluifi mas:^^el>end war, mid iml Ans- j 
•tchlus.- nller entfernteren Vorwainiti-n von ehelicher Abkunft. 
Allenling« spricht die i-nizij^e Stelle, welche der AlIsdehllllIl^' 
der verwandtschaftlichen Ansprüche auf den dritten gleichen 
Gmd gedenkt, nur vnni Erbrechte und von der Amienah'men-fl 
tation; iiidtTisen \vird man hieraus doch kaum 8chlie,ssen T 
dürfen, ilass sich die Xeiienin^ wirklich nur auf diese beiden 
Gebiete bezogen halw. Wir haben gesehen, wie zimml die ■ 
Textc^^i'wtaltun^ d^r K. norh viclfacii zwischen dem enjt#n 
imd /weit'i'n ätudiiiiu der Entwicklung hin und her schwankt, 
wa£ mch doch wohl nur diirclt die Auualune erklären lä^nt, 
das« deren Compilator tflr die verschiedenen Ah>*chnitte t^ine^t 
Hec)it<l)nches Vorlagen verschieilenen Alters Iwnützt* , und 
nicht iiinner mit ^eniiWfnder l'nicicht da-t neuere Ketdit in 
die älteren Texte hineinzucorrigiren wii&*te. K« fehlt auch 
nicht im Belegen für die Begehung ahnUcher Ven-tmse auf 
anderen Oebict<?n, wie <lenii z. B. die Novelle über die ver- 
boteueu VerwaudtjM.'hHfb*grade und die Terwan<ltschaftlicheH 
Anuenidiege vom Jiihre 1217 in dem-elUeri It echt-* buche 
zwar am Schlüsse des Christen rechtes eingestellt ist, aber sich 
hinterher weder im Armenrechte noch im Kherechte iKTÜck- 
oichtigt zeigt; du besteht denn aller<tit)g■^ auch die Mi^glich- 
kcit. ilass der <'cun]nli(lor der !St. eljen auch von jenem 
jüngeren Gesetze iiljer die unächt*' (ieburt zutallig nur auf i 
anderen Gebieten als denen de« Erl>recht*rs und der Armen- 
pflege Notiz zu nehmen vi^rgfssen luilien kmiute. Welcher 
Zeit aber <lie beiden hier In Betracht kommenden Neuerungen 
angehören, lässt sich kaimi mit einiger Sicherheit bej^timmen. 
Du diLs letzt«' fielet» nur in der St., und auch in ihr niirH 
am Schhissc de- erbrecJitlichen AKsi:hnitt.es beriick.sichtigt. ist, " 
läsHt »ich iillent'ulls vermiithen, ditss duHsell^e erst nach <leni 
Abschliisse der K., also etwa in den Jahren 12tiO — 70 er- 



ASaurer: Die uiuicfUe GthurI mtch altnordischem ReciiU. 47 



„ woniiMi j^ein nilV*', und nicht miiulfr dnrtWn Gründe 

mibr >prechon. mich Hip Knti<tehun^ jene?* früheren Oesetzea, 
welcbeH uiir die uneht^licheu Kiuder mitl (ieschwister zu Ter- 
waiuit-*ehu.ftlichen Hechten »ml Pflichten heranzog, nicht 
höher nbf den Sehliiss des 12. .Tahrhtmderts hinaiitziiflatiren. 
Die eiit'^tzlielie ZerrttttunK der j^esclilechtlichen VerhÜltniMwe» 
welche die StiirUiu^enzeit zeigt . mochte genide den uu^- 
aehetieren Uruisern des Lamles ilie Nnthwenilijjfkeit einer ge- 
wii^eu Berüek.MichLigunj5 der nnüiliten üehurt luihe legen; 
die Ungleichtormigkeit aber der BeHicksirhtignng der älteren 
Novelle in der K., sowie die nnbetangene Verwerthnng der 
AiuMlrdcke ,uri'gengr", ,til urft* aliuu* zur Bezeichnnng der 
ehelich Gelxireueu lassen durauf scliliessen, duss die Zeit, in 
weither die uiiächte (Jebnrt von den verwand tschiiilh eben 
Ut'chUMi Überhaupt und vom Krhreclite insbesondere völlig aiis- 
ge^*hli«-e» gewesen war, noch nicht iillziiweit hinter der 
Abfafttungü/eit jene« älteren Reelit'ibuches znrücklag. Als 
audullig ning endlich noch bezeichnet werden, <lu.ss iiasere 
Kechtöt>Uclier zwischen den veri^chiedenen Cla!:i»eii von iin- 
icht«n Kindern nirgends mehr unterscheiden . niit einziger 
AiiKuahme der Erleichternng, welche ilem frillnltarn in Bezug 
auf die Feststellung der Pateniita;t eingeräumt ist; indessen 
atebt die^ Kr^cheinung vollkommen mit der nbeit schon he- 
cprocfaenen Thutsachc im Kinklaiig, dnaa man zu der Zeit, iu 
welcher diej*e Kechtsbücher uut"|^c/.eichnct wurden. hiiI' Island 
die urHiirüngliehe Bedeiilitn^ der Aii-sdrUcke horniingr und 
hrihüugr, laiml>Orn uml t'rillubörn bereits nicht mehr recht 
kiinnü^ 

Weit weniger durchsichtig ist die Oescliichte der imüchten 
Geburt nach norwegischem Hechte, aber dafür auch um 
m interejMunter. Eä wurde bereit« bemerkt, dass nach den 
Fr|d*. der untichte Sdin freier Aeltern seinea Vaters Recht 
riinuut, «)wie nur erst die Vaterschaft i'e«tgestellt i.7it, wogegen 
Jer |iyix>nun sonr nur eine um ein Drittel geringere Buane 



48 Silzuntj der jihiton.-phUol. Clagßs vom 3. Mars 3883. 

erhält. wtMiii it um:\\ rtthtzeitig freigelnsKen und sodann als 
Freier autJKezogeu wurde,*) dass aber andererseits dsLS unehe- 
liche Kind, dessen Vater nicht uiicligewiföcu wenlen kann, 
s«eini*r Mutler folgen, »ikI das Kec.ht «eines mütterlichen ttroas- 
vaters erhalten soll.") Nicht minder wurde auch bereits er- 
wähnt, dasa nach den (i|)L. tto^ar der [jyborinn st^nr das volle 
Recht seines Vaters nimmt, wt-nu er nur in friiliester .Tuj^end 
freigelassen, und sfidann als frei behandelt worden war.') Dass 
das islündlschi' Hecht keine ent«|ireL'hende Vorschrift kennt, 
erklärt sich einfach darauii. dtus^ auf Island alle freien Leute 
gleiches Hecht nahmen, und kann somit keinen Zweifel be- 
zUfj^lich des AlU-rs jener Sätze des norwegischen Hechts be- 
gründen: dagegen i^ wohl zu beachten, da&t rnn diesem 
zwischen dem hornmigr und }iri»nngr kein Unterschied hiu- 
itiehtlich der Hu-snc gt^nm-lit wird, jsi diuss s(*gar lieni Jj^Uirinn 
8onr gegenttlier ein solcher nur in den G()L. hervortritt. — 
Zur Erbfolge ferner berufen die (t[»L.*) zunächst den un- 
ehelichen Sohn untl zwar gleichviel oh er homimgr, hrisiingr 
oder liyhorinn t^onr ist, an siebenter Stelle, d. h. unmittelbar 
nach der brtedrasynir. also den f)leschwi>fterkindem des Mnnns- 
stanuneis; sie alle erl>en cluiw-i du« Stanungut ebensowohl wie 
die Kahrhabe, und der Heinatz ,iileid<lr i a'tt efter fadur sJnn' 
kann nur bedeuten wnllen, dass dabei von den weiter reichen' 
den W^irlcimgen einer fönnlit'hcn Legitiniiitinn ganz nbgesehen 
werde, llenigeniä!« werden ferner die frilluduetr unmittelbar 
nach den bru3ttr;id(etr Ijerufen.*) unter welchen wir selbstver- 
Btändlicli uneheliche Tiichter aller drei Kategorien ziisam- 
mengefa-sst zu denken halx'n; von einom Erbrecht»' der ent- 
fernteren (.tnulc der uuächten Geburt weiss dagegen das 



1) Fr^L. X, 47. 

2) V\)L. It. 1. 

3) G^L. ^1 nnd 104. 

4) öt)L. lOi. 

5) G |)L. 105. 



^f aurer: Die unädite Geburt nach tütnontUchcm lieehte. 49 

Rcchtabucli Nichts. An derselben St«Ue berufen ferner auch 
die Fr^L. die luächten Söhue uUer drei Classen neben 
einander, nur dat^ sie zwiscben ihnen und den broectnisynir 
noch die Mutter und die Vat-erschwester einschieben;') un- 
niitielbur hinter den iinäL-hten Äihnen scheint aber unipriin^- 
lieh die homa, hrisa und J>yborin d6ttir gefolgt zu sein, 
während unser Text vor diesen letzteren nucli den brAdir 
triliuäon eiiwchiebt, mit der Beuierkiing, dass er seinen Bruder 
bc«rlK>n Sülle, ehe noch die Grltöchaft an die achte Erbeu- 
elusse. d. b. den ilritteu gleichen Urad der ächten Geburt 
falle. — fin 8atz, der offenbar ein späteres Kinschielisel, und 
irrthßmiich vor statt nach den auf die unächten Töchter be- 
I tOj^lichen Worten zu sti^heu gekouinien int. Daneben iät 
Lnoch als IjeachteuHWertli />() verzeichnen, daas der Verzug der 
^Bßhtvn Geburt vor der unüchtcn nacli tien Fr|}L. auch noch 
flb" die entfernteren Beziehungen des Berufenen zum Erb- 
UfAer in Betraclit kommt. Hei Kiikelu sowohl ala bei NefTeii 
wird uäinlich neben ilirer eigenen ächten oder unächten Oe- 
bnrt auch noch die ihres Vaters berücksichtigt, vind gelit 
itemuaoh der iUiht geborene Enkel, dessen Vater gleichfall.s 
Von achter Oeburt wur. dem anderen vor, dettsen Vater uri- 
lüielich geboren war ; *) aber auch der letztere Enkel geht, 
vei) «elbst acht geboren, dem tmächt geborenen Soline vor, so 
dus» fr also bei i\er Beerbuug si-iuea Grossvatera si-inen ejgenpii 
VaUr aufschließt. Man wird juit diraej Vor.*ichrii"t ileri 
ttiulcren Satz deüselheu Hechtshoehea /iisanimeuzultalteu hahiui, 
ilnte der Tu^ht geborene Sohn lUti [»ybonun sonr dieselbe Bu^se 
vit* ifiü GruSitviiter nehme, während seinem Vater nur eine 
'tili v'm Drittel geringere Bui«e gebülirt, und dass er darum 
»iwh als iH'trfedningr bezeichnet werde,*) mit einem Ausdnicke 



1) rtpL. VIII. 8; Fragm. lU. S. MS— 19. 
2| Kr|.U VUl, 2 und 3; FruKm. II, S. 308. 
3) Fr|)L. X. 47. 
Utes. PhÜM.-pbilol.bist.Cl. I.] 



50 



Siitung dttr pttUM.-jAiiot. Oagse vom 3. Mars 1863. 



I 



lüso, der «inst in moralischem Sinn** verwendet wini,*) wie 
fedrbt^triuifi^r;*) Hir die beiden linderen Olaasen der unüchien 
Sßlme trifft freilicli di<*ae Parallele tiicht iw. Dagegen winl 
man darauf kein Gewicht legen dfirlVu, da»s nn zwei BtK^IIeji» 
wi'lche das Erbrecht der Mutter ihrei»i eigenen Kinde j^egen- 
Uber besprechen, ihre eigene ächte Geburt berücksichtigt 
werden zu wollen scheint;') Wide Male ist niimlicli .skil- 
getin" angcnscheinlicii verschrieben tfir ,skilfenginn*, ao doss 
also nicht die ächte Gebnrt der Mntter. sondern deren 
Kjgeiischaft aU rechtmässige Eliefraii in Hetniclit ge/i>)i;en 
wenlen will. Ich bemerke bei dieser iTelcgeiibeitf dass es 
gleichenuaKsen nnr auf einem Schrei bverst^wsc beruht, wenn 
eincä unserer i&lündiäclion Rcchtsbflcher einmal die Berechtig- 
ung des Ehemanns zur AnaWlIung der ['nzuchtsklage seiner 
Frau gegeniilier davon abhängig macht, .et' til arfs eraünn";*) 
eine zweite Stelle demselben Rechtebnohes hat dafür nnr diefl 
Wnrt<* ,ef er',"') ein anderer Text nm* ,«.'f hiinn er".*) und ein 
dritter hat den ganzen Satz getilgt, ^^ »ci ditss ileutlich ersicht- 
lich ist, dass in der Vorlage der K. nur gestanden haben 
kann .ei* er" oder ,ef til er', und da*» der S<'hreiber nur 
durch die folgenden Wiirte: ,[«! er sunr til arfs alinn" zu 
einer falücheu Ergänzung sich verleiten lietis. Weiterhin be- . 
merken aber die FrJiL. noch, dassi K. Signrdr .lör^ilai'ari fl 
mit seinen Hriid''rn Kysteinn und Ulafr an zwiJlft^T Stelle^ 
alw) hinter dem dritten g[ei<-heu Grade der ehelieheu Ver- 
wandtHcha!l, jiouh dem uiiächt geboreneu Vatersbruder und 



I 



1) z. B. yitbk. I. 443/ÖÄ8; Morkinsk.S* und FMS. VI. 286.] 

2) (Jreltla 8'^/75. 
8) FrJiL. Vin. h iiud 7; vjfl. Früifm. III. S. 5IS und Jim«.] 

Krfdftt. 4. 

4) K. 156/48. 

5) K. V54,'20;J. 

6) St. 14.1/177. 

7) UelgddaUbk. 51/242. 



Mauren JHt unät^e Gdtitrt na<A altnordischem Ueohte. 



A 



nhne ein Erlireoht eingeräumt habe, und zwar beiden 
chst unter der Voraussetzung, dn&s sie »initcdm, also von 
d^r Vuterseite her verwnndt seien, eventuell aber auch unter 
der anderen Vtiraussetzuuj^, dusa sie samiutedra. also vou der 
Mutterseite her verwandt seien:') jeder von beiden (iruppen 
aollen äich Hberdiess auch noch die gleich nahe verwuudten 
iber nnschli(»si;u, und scdl die entferntere ehelielie Ver- 
ftndtÄ<lmft hin 7.uiu Irinnen gleichen Gmde er^t dann xuin 
^ugv kuninien, wenn v<jn ihnen iilleu Nieniiuid vorhanden wi, 
irju^end welcher Erhbereehtignng der entfernteren nnächten 
erwundUchuft ist dummen keine Hede mehr. Es ist wenig 
thrM-heinlieh, duss dieae I^ovelle der jifenannten drei Köni)j;e 
Dur auf die Liuidtiühaft Drontheini bescli rankt«, da deren 
ch besprochene VerwiJÜgnngen sich im Uebrigen auf 
l?an-/e ll«'ieh hey/i^eii. und iri der Tlmt kunnte eine ein- 
blägige Bei!>timniung recht wolil in den G|iL. da einge- 
Hrhattet gewesen »ein, wo deren Text jet«t eine griVssere Likke 
ttrijft (zwischen Ji ITiO und IM), wie ja ein paar Novellen 
Her Ki'mige Miiiinü-s godi und lläkon ]>6ri.sfr'Kstri wirklich nur 
wetiig früher (§ 1-18) eingeschalte t, sind. Wir gewinnen aber 
nnter dieser Voraussetzung aus dem Bisherigen filr das Erb- 
recht der unachten Geburt folgende Entwicklungsstufen. 
Ziiersl be.s(:hriinkte sieh dieses auf die Kinder, und die eigen- 
thüniliehe Art, wie die Fr[)L. den unücht geborenen Bruder 
l"^]»rechen. läs»t erkennen, «las» dieser erst durch eine uach- 
trü;{Uche lnterp<dation in deren Text hineingekommen ist; 
oiDe weitere Anttdehnuug ilirer Erbberechtigiuig aber erlangte 
^ unw;hte fieburt erst zu Antang «les zwölften Jahrhundert« 
itwl «war reichte diese nur bis zinu ersten uu<i zweiten un- 
•rfWirlien Gra<le. Es fehlt uini aber auch niclit au Anlmlts- 
{niiikten fQr die Annahme, dass in einer noch älteren Zeit 

1) Krt>l^ Vm. § 15; FruKni. U, S. 509 und Ol, S. 511), 
♦rffb« Wide Vni#miente richtig 1>ri'Mta>T*.vnir umlatt tle« nnriohtigen 
*'nwtnijijnir ilrn IIaiiptte(ti-K !i"icn. 



52 



Sittung der phitog. -21^001. Clttsse vom 3. Mars 1683. 



niclit einmal den un ehelichen Kindern ein Erbrecht 
stunden habe. Bei iler Erürtennig rier Frage. nnt4*r welchen 
Voraiißseteungeu Braiitkinder gleich den ehelich geboreneu ■ 
erbberechtigt sein sollen, fügen die FrJiL. bei:') ,en f engnni ■ 
stad adrmu ktenir madr til arfs, iieinu mödir so niiindi keypt, 
eda hium m meil lagum i lett leiddr", und bei Besitreuhiing 
der ffittleidfng stellen sie den acht gebonien Sohn als den, 
der ,arfgengr", d. h. erbfähig ist, dem nnächt geborenen 
gegonüber;*) wie im isländischen Recht*', müssen aber auch 
im norwegiachen solche Patze und Redewendungen auf eine 
Zeit /.urtickgeftihrt werde«, welche uocli von keinem Erb- 
rechte der unehelichen Kinder wus.ste. I'il)eu dahin deutet, 
doäs nach den G|>L. bei der lettlciding sowohl der geborene fl 
Erbe als auch der nächste Stuuimgutsfolger dem zu legiti- 
niii'cndeu Kinde ausdrücklich das Erbreclit twwohl als die 
Stamm gutf^t'olge einrüuineu mussten, welche dieses also vor 
erfolgter Legitimation nicht an7.u.s|irechert gehabt haben 
kcmnte;") sogar der Ausdruck .til arfs gern*" w\n\ dabei 
gehraucht, und in den Fr|>L. werden genau dieselben Vor- 
aussetzungen der lettleiding erwähnt^ wenn auch die dabeii 
gebrauchten Ausdrücke etwas weniger hezeichneud sind.') 
Endlich kehrt auch die Verweisung der unücht gel)orenen 
Kinder auf VeiTu;ttbiingen, welche ihr Vater ihnen zuwenden 
darf, ohne dabei an die Zustimmung seiner geborenen Erben, 
gebunden zu soiu, in den norwegischen Käohtsbüchern ganz 
in derselben Weise wieder wie in den isländischen. Na<:h 
den Fr|)L. soll der Staninigutsheaitzer seinem |>yborinn sonrA 
ebenso wie seinem fostri. d. h. Pflegesohn. nicht mehr als 
12 Unzen Silbers ohne Zu-stiniaiung der Erben geben dürfen, 

1) Frl^U 111. 13; BjarkR. III. 68. 

2) Fr|>L. IX, 1; andere Bolfg« für densolbcD Spntcbgobmuciij 
«ehe oImhi S. 18. 

3) Vf]yL. 58. 
4J Kr()L. IX, l. 



( 



I 



Maurer: Die unacMr Geburt nach attvordifichrm Hechte. 53 

der gcmeiiifiTit' Mnnn aber nor eine Mark, während sich je 
n«cli der Abstufiiup^ der Stände nucb för die Angeliörif^en 
Bnderer Clnssen die Werth^reiize zu berecbneu bul;') nsicb 
den <i[)L. aber soll der Laudherr seinem |)ylx)rinn sonr 
böcbstenK H Mnrk, der Iiöldr dem seinigen niclit über '^ Miirk, 
der eintacbe Bauer iiber nur 12 Unzen geben, nnd diese 
Gaben snilen niianfeebtbar sein , falLs nur keiner der (ge- 
borenen Krben einen geringeren Betrug auf seinen Theil er- 
halte, wobei dann noch nusdrflcklich beigefügt wird, dnss man 
ebensoviel wip dem fiyborinn annr auch Hem bornungr nnd 
hrfjtüagr geben dürfe.') Nun wissen wir, daaa der ,sak- 
metinn eyrir* am Schlüsse des 12. Jahrhundert« halb so viel 
galt als der ,silfrmetinn eyrir*,') und somit ist klar, dass 
die Ansätze ftir den höldr in Iwiden Ke<Oit*'n vollkonimeu 
gleich sind, während andererseits die !2 Unzen des einfachen 
Hauern in den G^L. genati mit dem Betrage Obereinstiinnien, 
welrbcn (ins i«ländi.sf:he Hetlit als Wnrthgn'uze setzt. 7.u 
bnw'hteu ist andererseits auch, duüs die beiden norwegischen 
RochbsbUcher die Besttininuuig im Zusumnien hange mit der 
Verzebntung des eigenen Vermögens zu frommen Zwei-ken 
Iwspreehen, und da.*« dabei die GI>L. nicht nur von der im 
•Iiihre 1152 eingetreteiieu Krweif-enmg des Verfdgungsrecht«* 
io Bezug auf die Vei^bungen dieser letzteren Art keine 
Xotiz nehmen, sondern auch die „tinnd* in einer Weise er- 
wähnen, welche auf die Zeit vor der Einflihning des Kr- 
tragwehentö durrh K. Sigurdr Jöi-salnfari zu rfickzu weisen 
seheint.^) Man niuehte aits allen diet^en Tbatsachen »clüiesson. 
*t«B die unehelichen Kinder ursprUuglich in Norwegen ganz 
eb«Mo wie auf [»land von allem Erbrechte völlig aUHge- 



I) Tr\,h. IX. 17 

3) Heiiiixkr. MugmiH «. KrH nKH^^nn nr 16/792, 
Hl vjl, nieinf AMuintUung ,iO>cr den Hauptzchent einiger 
'QRigennuiiKher Rechte', S. 2ii2—Zü. 



Sitgunf/ der pf^OH.-pttiM. Classe vom 3. März 1883. 



schlössen gewesen »eien; indessen fragt sich doch, ob ein 
solcher Schlu^ys seinem vollen Umfange inudi begründet wäre. 
Nur von den Vergabungen au den [lyboriun sonr handeln 
die FrI)L.. ohne der anderen Arten von nnehelichen Kindern 
zu gedenken, und auch die G{>L. sprechen zunnch.st nur von ■ 
ihm. um erst hinterher beizufügen', da-ss der borniuigr und 
hrisüngr mit ihm gleich zn behandeln seien. Die icttleiding 
wird in beiden Rechtsbüchem gleicherweise in erster Linie ■ 
nur in Hezug auf jenen bespnwhen, und hinterher ei-st der 
leiden letzteren al» mit ihm gleich »n lielnindelnder Leute 
gedai'ht. Wir dürfen beifügen, daas die GpL. l)fi Besprech- 
ung der Alimentationspflichten, welche mit dem Nachlasse 
eines Yerstiirbenen auf dessen Erben liljergeben , nur die 
|»yboruir neben den ^kurlnm ok kcrlingimi" nennen,') was 
doch ebenfalls wieder darauf hinweist, dasg nur diese ala 
von der Erbfolge ausgeschlossen, luid ilaruiu einer Alimen- 
tation befUirftig galU^n, gleich den abgelebten (freiKen. Man 
wird sich fenn;r daran zu erinnern haben, tlass die Kr[»L., 
hierin allerdiugs von den GpL. abweichend, nur dem hornüngr 
und hri'süngr das volle Ifeolil seine» Vaters einräumen, da- 
gegen die Busse des |>y))orimi j*unr um ein Drittel geringer 
ansetzen, und erst den efaelieh geborenen Sc»hn dieses letz- 
teret) in das volle Hecht seines Orossvaters eintreten lassen; 
ist aber der ZuMammenhang Ijegrdmlet, in welchen dii-scr 
Sut/ mit der anderen Vorschrift desselben Hechtsbuchi.>8 ge- 
bracht wurde , da.ta der eheliche Sohn eines nneheliclieu 
Sohnes l>ei der Beerbnug des Grossvaters seinen eigenen 
Vater aiisscblirssen srill, so kann auch diese letztere Vor- 
schrift ursprünglich nicht von allen unehelichen Söhnen und 
deren Kindern , sondern nur von den f>ybornir gegolten 
haben, wie denn auch nur auf diese rlie Parallele passt. 
welche die Bevorzugung des leysingjasonr in der BiLsse 



U Of'h- D5. 



Miiurer: Die unächte GtbuH nach altnordischem Itechte. 55 



((egeiiüber dem leysiiigi selbst liietet.') Alle diese Thatsacheu 

drüu^vn EU dem Schlüsse, dass die Aussei iliessiing vom Erb- 

re<;hte. und tlKerlmtipt jede Zurnokset7:nng der phcHchpii (»r- 

hurt gegenttber iirsprOnglich >Wh nur auf den {lyUirinn soiir 

brschräiikt htibeii niöjje, wo^ej^eii der burmiiij(r niid, die 

FeKUt^Uung der PaternitiPt vorausgesetzt, aueh der hrfmingr, 

lieni acht (iebnrenen völlig pleiehstand, und iJuss die Gleich- 

stellunjf der l)eid<*it letzteren mit dmu [n'boritui sonr erst 

einer späteren Zeit anjfehürt;') »ehr verstärkt wird aber 

tlipser Schills?) durch dir Urobuchtuu^, ditöw htiisiehtlii-h dnr 

Thronfolge die uum-ht geUireiien Söhne fri*icr Mntt*r von 

Mten her als vollkomnicD gleiehbereehtigt galten mit den 

acht geboreneu. Wir wissen, dass K. Uäkon godi ein Sohn 

der f»6ra Möstrs^töng war, von der zwar gesagt wird : »hiMi 

vjur kölhid konüngts ambiitt",") die jedoch einem sehr un- 

t<esehenen Haarte nngeliörte ; dennoch aber machte er seinem 

ät'ht und vornehm gelxireiien Itrnder Eiriltr blödöx gegen- 

üWr sein Recht auf die Thronfolge mit Erfolg geltend, wie 

ittiti aueh K. Ffaralds Thronfulgeordnung des^tcn .sünuntlichen 

^">bnen ein Thn»nfolgereeht einräumte, obwohl diese von ganz 

«eiHthiedenen Müttern, und sicherlich nicht alle in retdifa^r 

pElw gebriren waren. Wiwierum war K. Magniis godj ein 

iiQÄchter 8ohn des heiligen Ulnfs ; seine Mutter, Atniildr, war 

Konigin Waschfrau/) und wurde ebeufulLs ,kumuigs 

1) v(fl, meine Alihunilbin)^ ftber «die Freigelttusencn mich alt- 
^wnrigisrheni Ket-hle', S. M-tiÜ. 

'i) MögHcherwcise deotet auf eine derartige Gestaltung der Ver- 

PullniMif der unäcbten Geburt noc^b hin. (1;ihh dor Zu.satz : »um l>fim 

pSoornt olc ffStal', welcher «ich in einigen Hss. dur Kvrbyggjn findt^t 

w- 12S der Ausgabt' von tludl»rdiKlr \'igtÜs>*on) nur zwischen dessen 

Mn frjäUlwrin" anii ,börn l^yborin' scheidet, nicht zwischea ehe- 

IJtb und unehelich geborenen Kindern. 

•"I) Ueiniikr. Haraldn. ». härfagra 4(V7H; Fagrokinna 
U'W unil ftfier. 

i) Lcgendarinche Olnf« «■ helga 46/34. 



5fi 



Siteiwg der jihtloii.'phUct. Clasae vom 3. MSrs 1S99. 



ainbäbt" genannt , obwohl sde von ^iter Abkunft war. *) 
Nur wenige Vertraute des Konig» wussten um seine Vater- 
Buhaft, w (la&s Magnus nur als ein bri.sungr gelten konnte; 
dennoch über folgte er, freilich iu EruiangeUmg ächter 
Söhne, ohne Anstand seinem Vater auf dem Throne nAch. 
Ein unächter Sohn K. Olaf kyrri's war K. Magnus ber- 
fffittr, und zwar war dersellw als horniingr zu betrarhten, 
da seine Mutter, mochte sie nun ]>6ra Amadöttir oder ]»6ra 
Jöannsdottir heissen, K. Olafs »frilla* genannt wird.*) So 
waren ferner dio Brüder Kystfinn. tSJijnntr uu»1 Oinfr \m- 
eheliche Sühne eben dieses K. Magnus; nur von iler Mutter 
des letztgenannten, der Sigrfdr Saxadottir, wird berichtet, da» 
sie von angesehener Herkunft und de>i Kötiigs ^fridla' ge- 
wewMi 81'i,*) wogogon Eystein« Mutt-er nicht einmal genannt, 
sondern nur als niedrigen Standes bezeichnet wird. Wiederum 
.stutzten Haraliir gilli, dann Sigurdr Nienihitljlikn ihre An- 
sprüche auf den Thron letiiglich auf die Beliauptung. dase 
sie uneheliche Söhne r!t'*well^n K. Mjigm'iH berfietti seien, 
und führte der erstere in Norwegen durch die Eisenprobe 
den Beweis dieser seiner Behauptung, währeml der letztere 
siidi nur auf ein angeblich im Auslande be-rtandenes Gottes- 
urtheil berief;*) Magnus blindi aber war ein von K. Signrd 
J6rsalafari mit seiner ,frilla*, Boi^hildr Olufsdöttir, erzeugter 
Sohn.*) Von den Sölmen des K. Haraldr gilli war nur 
Ingi ehelich eraeugt, wogegen Sigurdr munnr ein Sohn der 
|)ora Gudormsdottir, wie es scheint einer Concubine,') Kysteinn 



I 



1) Heiniflkr. Oluf^. ^. ht^Ipa I.IIA^Ä u. fi. w. 

2) Fagrükinna 221/150; Morkinfkinna 126. 

3) Heimskr. MiigniiR b. berfietta 18/653— -H: vgl. FMS.,1 
Vn, 32/6S; MorkiD.^ltitiiia 174; Faffrskiwna 241/150. 

4) UeiiuHkr, Sigurdar s. Jörsulufarn Jt4/691 — 92, und 
Harald» ». gilla I4"i8— 19 u. b. w. 

5) HehiiHkr. Signrdar s. .Tors. 24/680. 

6) Heitnnkr. Harald« «. gilla I/T04; vgl. 17— 18/722— 23.1 



JUaurer: Die UHnehte Qfhurt fuicA alhiordigchevn Reehtt. 57 



gar ein Sohn der Irliinderin Bjadük war, welcher ohne 
nprobe, blos auf daa Wort i](w genipinwimen Vaters hin 
OD den belilfn Briidcni anerkannt wunle:') dennoch aber 
^TOccedirtpn nnhedenklich alle drei Brfider nebeneinander. 
Wiederum war K. Hükim herdibreidr von K. Sij^irdr nuinnr 
mit der Dieuätnmgd (verkakona) eines Bauern in tiUchtigster 
B^egnung erzeugt.*) und aucli K. Sverrir war ira günatig- 
sten Falle ein unebelieher i^ohn desselben Vatei-s.") Erst 
die Thntnfolgwinhiimg Magni'is Erlfngwon's änderte diese 
Ztiatänile, iudem sie sehr be.'^tiuimt die Ausbchliessung der 
nnächten Söhne durch die ehelich geborenen aussprach;*) 
d(K*b liess auch sie, indem sie für <ien Kall des Fehlens ehe- 
licher Söhne auf das gemeine Erbrecht verwies, die unächten 
wffnigsteuR an einer späteren Stelle erben, und thatsächlich 
illieb Alles ziendich l>eini Alten. Die verschiedenen l'artei- 
könige der Baglar, wie Vikan*. Rigurdr, Ingi, gaben sich 
willst nur für nnütht« t^'dme K. Magnus Erh'ngsrtan'a aus, 
ynd nudererseitj* war K. llnkon ganili vnn K. Hakon Sverr- 
fcöon mit der Inga ansserrhelich rr/eiigt wor<ien, von deren 
Verhältnias stu ihm doch nur wenige vertraute Männer 
wnwt^n.'') Eben dieser K. Makon sab sicdi freilich, um 
KU einer kirchlichen Krönung gelangen zu können, veran- 
lafwt, sich durch P. Innocenz IV. förmlich It^itimiren zu 
laEMni (1246)/) und seine Tbrnnfolgecirdnung vom Jahre 12H0 
beruft /war den unächt geborenen Sohn gleich nach dem acht 
■geborenen Sohn und Enkel zur Thronfolge.') aber doch nicht 
mehr neben diesem: die Tbronfolgef>rdnung de« K. Magnns 



1) Heimtkr. Infju *. ÜHrulditsonar 13/737—88. 

tf) ebenda l>*/740— 41. 

ft) SvKrri« i. 6/4. 

4) Ü\ti., 2. 

öl Hnknnnr s. gaiala \!'£Sü. 

61 niplopi. norveg.. I. »B/"29— 30. 

7) neuerer (*|>K rR. 5; Järnnfäii, Krli. 4. 



58 



Sitranff der jjJiUos.-i'hihl. Ctastt rtm 3. Man 1888. 



I 



lagalxttir von 127;^ volltiids t)eruft den unächt geb*>renen Sohn 
errtuu siebenter Stelle, hinter den acht geborenen braMtrüngar.*) 
Bis in das 13. Jalirhnndert hinein waren demnach die mi- 
üchten Söhne freier Mütter, wenn niun von der. in zweifei- 
hafLer (Jeltung stehenden , Gesetzgebunff K. Mäi;n*iLs Krl- 
fngsbon's absieht, den ächten in Bezug auf die Thronfolge 
gleichgestellt gewesen, ftoferne nnr die Vaterschaft bezüglich 
den*<dlien, sei es nun zufolge eines offenkundig bejJtehenden 
Conen bin ats Verhältnisses unzweifelhaft, oder durch die An- 
erkennung Seitens des Vaters oder eine gesetzliche Beweie- 
fühnuig sicher gestellt schien. Zwischen dem hornnngr und 
bri8UQgr wurde dabei nRchweislwr kein weitejrer Unterschied 
gemacht als der bereits angedeutete hinsichtlich der Beweis- 
fQhrung: dagegen lEöst sich Itlr die Gleichstellung des fi.i'borinu 
sonr mit beiden, oder Überhaupt fflr dessen Berechtigung zur 
Thronfolge kein Beweis erbringen. Ha die Nennung einer ■ 
„komings ambiltt*" als Kindsniutter an ein paar Stelleu nicht 
als solcher gelten kann. Ausilrücklich wird in den ein- 
schlägigen Fällen die angesehene Herkunft, oder doch die 
freie Verwuudts«:haf\ der betreffenden Weiber hervorgehoben, 
so diuis das Dienstverhältuiss. in welchem sie standen, nicht 
das von l'ufreicn gewesen sein kann ; mag sein, da-ss Joh. 
Fritzner und Oudbnmdr Vigfiisson Recht haben, wenn sie 
unter jener Bi'zeichnung einfach des Königs Ooncnhine ala 
solche verstehen. Man wird kaum iinnebmen dfiri'en, dass 
die Thronfolge, beztiglich deren erst in der zweiten Hälfte ■ 
des 12. .lahrhumlcrts der Versuch gewagt wurde, den un- 
üchten Sohn auch nur hinter den ächten zurfickzu-stellen, ^ 
Kich von Anfang an in einem so wesentlichen Piuikte von f 
der gewöhnlichen Erbfolge unterschieden habe ; will man 
sieb aber nicht zu dieser bedenklichen Annahme entsch Hessen, 



I) Landiildg Krb. •>; neaerer BjarkB. 4; Qirdskrä 2; 
JÖDubk., Konüngs erfdir 4. 



MaHter: Die uunthlr Othnri nndi alttioniixdtem Hechte. 59 



|£ 



wird man sicK wiederum auf den Satz verwiesen sehen, 
daas unprQii^licli alle Söliue freier Weil>er gleich inässig erb- 
fähig gewesen seien, niocbteii sie nun ehelicher oder unehe- 
licher Herkunft sein. falU nur die Paternitset bezüglich der- 
^elben festgestellt war, wogegen der [lyborinn scmr nicht 
erbfähig und somit auf die Zuwendungen beschränkt war, 
mit weichen ihn sein Vater ohne Kflckgicht auf den guten 
Willen der geborenen Krl>en bedenken mochte, also auch 
oor für ihn die »tÜeiding nuthig war, um ihm ein Erbrecht 
und andere verwaudtwchHflliche Hechte zu verschütten. Man 
öiHg allenfalls einen let/.U^u l ebenest eines derartigen Iteclits- 
zustandes in einer Bestiuiniung der Kr[dj. tindeii,') welche 
demjenigen den Besitz seiner väterlichen Erbschaft zuspricht, 
tteichetu sein (iegner ziige.steht ,at haiin er (less mwr er hnnn 
«cgir« ok iif tsjülsiim kvidi, ok til art's kominn, ok er innnn 
Iwirlr getinn*, »ofeme die Worte ,ok til »rfs kominn", welche 
nun allfhliillM juif die ächte* Geburt beziehen kann, theils 
don:h den Zusinnmeuhang der Stelle, theils auch dadurch 
«b ein Npäterea (Cinsc hielte! sich erweisen, da-« in deren 
wätereni Verlaufe von einer Beweisführung nur für den 
'»II gesprrM-heu wird, da die behauptete Vaterschai*, oder 
Ifr freie Stand der Mutter, oder die Geburt innerhalb des 
Ltuides Iwstritteu wird. Jeilenfalls aber entspricht jener Zu- 
*uid völlig dem Charakter der älteren Zeit, welrlie eiiier- 
™ den zwischen deu Freien und Unfreien be^teheuden 
^desant-cr-«bied mit aller Schärfe feathielt , andererseits 
■kr sowohl die Vielweil»erei und deu Concubinat ttir zu- 
^^ hielt, al.* auch den Weiberraub als eine ganz gewöhn- 
wlic Knubeinnng kannte, welche zwar in da^ Hecht der Ver- 
*widUchaft der Geraubten gewaltsam eingriff, al)er doch diese 
"i'l'»»! keineswegs nothwendig unfrei machte. Hält man nun an 



l)Frph.a. 7; in der J4rniifda, Erfdat. 20 ist die Stello 
K^Uch uai}fu*tultct. 



60 



Siieung der philas.-iiftiUti. Clasf^r vom 3. Mt'irM 1888. 



diei^m Aiisgangspunktp für tlip (Jeschichte der iinächten Ge-| 
burt fest» so mus» man in der GleiclisU'llung der hnrni'mgar^ 
und hn'sunjfur mit den |>vhomir synir, wie sie zur Zeit der 
Entstehung unserer ReclitÄlitkhiT auf Island völlig, in Nor- 
wegen aber nahezu völlig durchgedrungen war, eine spätere 
Neuerung erkennen, welche aller Wnhrsoheinlirhkeit mich i 
auf den Einflua« der Kirche zurückzuführen .sein dürfte, 
welcher ja, wie bereite gelegentlich bemerkt wurde, die 
Conen bineukin der ebenso widerwärtig waren wie alle Übrigen 
tinächtcn Kinder. Dit^e Nfiicriing erst ermöglichte den 
Gebrjiuch der Ausdrücke hiuugotnir nienn einerseits und 
friUnbornir menn andererseits al» Ge^iiamuiibezeichunng aller 
und jeder unehelichen Kinder ohne Unterschied ; erst nach 
ihrem Eintritte konnten ferner sell»^ die Couenbinenkinder 
zu den Personen gerechnet werden, welche nicht ,iirfgengir* 
im Sinne des älteren Rfichtes waren.') Während fUr den| 
fjyborinu sonr die EinrÜnninng eines ^nlwidiären Krbrechte-s 
an der siebenten Stelle der Erbentafel eine sehr erhebliche 
Aufbesserung »einer früheren völligen Krbuntahigkeit gegen-fl 
Aber gewissen war, niusste für flen hrisüngr nnd hornüngr 
die Bescbriinkung auf eben dieses l'>hreeht eine erheblidie 
Verkürzung ihrer hergebrachten Uechtc bedeuten : anderer- 1 
seits Hess sich fortan auch die Bestimmung über da^ Maas 
der Vergabungen, welche einseitig ati sie gemacht wertleu 
durften, sowie auch die jeltleiding nicht mehr anf die Jiv- , 
bornir beschränken, und lag ebensowenig mehr ein Gnmdl 
vor, diese hinsichtlich de^ Betrages ihrer Busse den unächten] 
Söhnen freier Mütter nachzti»etzen, so dass das Festhalten 
dieser Zurücksetzung in den Kr|>L. geradezu als ein Ana- 
chroniEmns erscheint. In unseren Rechtsbüchem ziemlich 
mü-ssig dasteliend. war die Unterscheidung der drei Classen 
der uin;heliehen Kinder eheu nur lur die illUste Zeit von 



1) vgl. Ol)L. 125; Krl>h. III. 13. 



Maurer: Die «wichte Gehurt nach oltHortlhtchfm Rechte. 61 

Erheblichkeit gewesen. Den }>yborinn sonr trennte von den 

noäcbtcn Söhnen einer freien Mutter eine tiefe Kluft, welche 

beide nahezu als ÄngehÖrig« verschiedener Staude, und 

ibunim anch der Verwanillschaft gegeniOjer al« verschieden 

gestellt erst:heinen Hess; der hurni'mp' aber unterschi»*d sich 

Tom hrisüngr, mit dem er im Uebrigen nach gleichem Rechte 

lehi«, iuimerhiu nnch sehr wesentlich dadurch, djiss hei ihm 

Vaterschaft von Vornherein feststand . was zumal vor 

Aafkommen der Güttesurtht'ile von hoher Bedeutung 

war. — Bezöglieh der Altersvorraundsehaft,*) dann 

auch der AI imen ta tion>tpflich t,') g-dlt die Kegel, das» 

der uäcliste Erbe sie zw Übernehmen hat; diich t'Hudeu bei 

der letzteren mancherlei Be^^onderheiten «tafct. So soll nach 

de« Vuter* Tod /.tinitchst die Mutter die Alimenüitif«! der 

^mein«tamen Kinder fibernehmen, obwuiil sie zu deren ße- 

crimng erst nach dem väterlichen Grossvater und den Ge- 

hwistem vom Vater her berufen ist;*) wenn femer beide 

HUTn venimien. wjllen auf die väterliche Verwandtk-haft 

Hei Drittel, auf die luntterlithe über nur ein Drittel der 

Kinder treffen.*) Doch ist let/.tere Vorschrift wohl nur eine 

|CimsiM(uenE der anderen Kegel, dass bei der legalen (»fiter- 

cuieitufchaft unter Ehegatten iliesea Veriinitniss filr den 

lAntheil der Ehegatten am gemeinen Gute ma.t^gebend war,*) 

I Und war dieselbe rturuin wrdil auch nnr insoweit anwendbar, 

il» die legale ttütergemeinsehart reichte, wogegen in anderen 

l'ailen der iqieciell auälx'iliiiigene Mo^sätub der beiderseitigen 

I Antlieilt: am gi^meinen Gnte zu entscheiden hatte, nach der 

lRc([el;*) «|ia skal svä skuidum gegna, sun felag [)eirra var; 



llÜtL. 116. FrtL. IX. 22. 

2)G|>L. Uri, »dl. 127 und IMO; KrI)L. LX. Ih. vjfl. XT. .i. 

8j GJiL. 117, v«l. lo:;. 

4)Üt)L, IIH. 

5jO|iL. 53. vkL «4. 

SiQtiL. i\h. 



62 



Sitiung der phüog.-jJiitoi. C/nmir rani .7. Man 1893. 



kerhhgiiiu, 
börnum'. 



I 



(fv& skal k5rluiii skipta ok 

ödrnm skniilum. nie |>eirra börnum'. Auch der Anspruch 
uuf <iip l' II Äuch tfi busse wiiil. Tiach rlem Vater und dem 
Bnitler, dem uüchstien ^ebttrenen Krben zu)^e.spnM;hen,') und 
bezüglich des Verlnb u nfjs rech ten. («oweit ein »Hches 
ftberhanpt noch in der Hand der Verwandsrhaft besteht, 
wird wohl dibwellw ^elt4>n railssen,") obwohl sirh die H«M;htfi- 
bnchor iM'ZÜ^licb st^iiicr minder kbir iiiis.sprci'bpn. Die Krj>L. 
(gewähren dein näc;hst<«n Erben einer .Tiiri<fiVau sof^ar die 
Uiisse für andere Ve riet/. iinge ti, welche ihr /iigetVi^ 
wurden,') und t^ind Ixm allen diesen He.*fctmninngen die «u- 
Hcht Geborenen natflriich insoweit mit inbegriffen^ uk sie 
eben in der betreffenden Zeit zur Erbfolge zugelassen waren. 
Am Wergeide endlich nehmen zunächst nur die {>yb(,>rnir 
meuu Antbci], und zwar nur nUsakaukar; die (iJtL. berufen 
dabei zunächst nur den unächi geborenen Sühn nnd Urudi*r, 
tnid iu zwpilHr Liinc dann uurli noch <leu uiillclit gelwirenen 
Oheim und Neffen,*) wälirend die Kr[iL. vorerst zwar nur 
den |>yburiim sonr miter die Hakaiikur zählen^ jedoch mit 
dem Beifügfii, dua.^ die ^öhnc (h>r sakaiikar um ein Drittel M 
weniger aU ihr Vater, und deren Huhne wieder um ein 
Ihittid weniger als ihre V'iiter erhalten sollen, sodtuin nl)er 
auch noch den I>yliorinn bn'idir he*lenken;^) auch in der Wer- 
geldstafel des Bjarui Manlarxou cnrllicli l)leil>t der ans-ser- 
ordeiitiiclie Charakter der Berücksichtigung noch erkennbar, 
aber an^itntt des fiyborinii sonr ercheint in ihr der frillusonr 
bedacht.*) wonuiter selbstverständlich alle nnd jede unächte 
Kinder suHatnmengefas'^t zu denken siiir]. Oas^ aber die 



I 



1) GI.L. Iil7 und *20l. vgl. Ä1. 

2) FrliL. XI, 2. 

3) FrJ.L. X. 37. 

4) (i(»r.. 2.i6-S7 iinil 246—48. 

5) FrJjL. VI. ö unil lU. 
G) ti|ih. 316. 



' M mrer: Dit unäehie Geburt nach altnordUtrhem Hechte. 63 



ält^reti WergelHfirtfeln mir des {iylx)rinn sonr gedenken, 
ohne auf den homüngr und hrifjüngr ii^end welche Rück- 
sicht All nehmen, weist selbst^-prstündlich ehciifalls wieiler 
darauf liiu . diiss dit-* letzU'reii v<jrdeni den ylielich Ue- 
borvuen gleit^h behaiideit worden waren. 

Die cpnteren Gesetzbficher enthalten Ober die 
unächte (Jeburt. verjflelclis weist nur wenige und weiii)^ be- 
detitsunie ße^timniun^eu. Oif Ffst?<telluu)f dtr Puter- 
nit»! zunächst zeigt »ich iu das Christenreeht hereinge- 
logen, wie dies.»; ulIerdingH mich sclinn be/.tiglicli der Fr]iL. 
nnd der jflugereu Kecensionen der älteren Bf)L. der Fall 
gewesen war , imd kirchliche KintiUsse uuichen sich denn 
uiicli wohl bezfiglich der (lestaltnng der eimcblügigeu llechte- 
regehfi gelteud. Njuh den beiilen rhristeiirechten de> K. 
MagnÜH IttgftlMetir') >oll /unüi^h^t derjenige nl*^ Kindsvater 
gejten, welchen die Kindsniutter als solchen benennt, e» sei 
denn, da.-« er sich durcii einen Dreiereid reinige. Ut aber 
der Ton der Mut^r Benauute todt, so stdJ die blose Aith8uge 
dieser letzteren vollen Heweis nmchen. vorau.-*ge.setzt , da?»;) 
»ie bei der Gehurt ile« Kinde:^ .<te1h»t erfolgte, dass hierüber 
durch die eidliche Aussage vnn bei der Geburt, uiiwesetideu 
\Veibern Beweit* erbracht wird, endlioli da'-s dlej^elbe von 
der Kindnorntter selbst hinterher eidlich bestätigt wird, ohne 
daM diesel^K' jemalüi eine gegeniheilige Angabe gemacht 
hätte. Fehlt o» an einer diei^er Voraustsetzungen . ho soll 
nian ver-<iichen , ob sich nicht etwa durch anderweitige 
Zeugen ein get^cblechtlicher Verkehr di>N Benannten mit der 
Kindftmatter für einen Zeitpunkt erwei^^eu liL-se, der einiger- 
ma»4ea mit der Zeit der Geburt des Kinde-s stimmt, und 
Hollen Terwtändige Männer nach bestem Wissen und Gewissen 
hierüber eutscbeiden ; gleicht vollends da.s Kind seinem »n- 
geblicheu Vater oder dc.-vsen Verwiuidten, so ?iull die Vuter- 



1) Dvuerer B|iKrR. 8; neiiprer Of'^'rit. II. 



64 



Sitsung der pAi7o«.-;>Ai7of. Cliuse vom 3. März t^3. 



Schaft sofort aU erwiesen gelten, sovrie ein geschlechtlicher 
Verkehr des angehlicheit Vaters mit der Mutter erwiewn ist, 
und wird snlclieririills der fi^eumiiite Vriter nicht einmal znni 
Keinif^ingj^eid zugelassen, «xier wenn er ihn herpit-< gesU'hworpn 
hat ehe jene heweiseudc i4i)hnliehkeit am Kjude entdeckt 
wird, jö't er als de^i Meineide.** schuldig, hat die betreflende 
Buä^ zu bezahlen . fdr die bisherigen auj' diu- Kind ge- 
wandten Alimentationskrjstcn Ersatz zu leisten, und diese.s 
als das steinige zu aieh zu uelunenJ> WeMentüeh gleich- 1 
artige Bestiitmuingen finden Kicli ancli in den Christen rechten 
Erzb. Jon'.- und B. Arnt'.-;,'') mir da^ in die.-^en die Ver- 
handlung der Sache an^^drUcklich an daa Gericht de» Bi-^^chofe 
(Hier S4'ines VertreliTs gewiesen, nnd dtewi*n ein niaäsgeheoder ■ 
EinfltLSä aul* die Beweisauflage eingeräumt wiril ; das-* ferner ' 
hier auch der l'all rorgesehen ist, du die KindsniutttT stirbt 
ohne den Vater genannt zu haben, indem »ulcheiifalhi dem ■ 
Gcschlecbtsvnrnnmde anhpimgfgebi'n wird zu klagen gegen 
wen er will, jedm:h so, da«« er znuÄchst d^i geschlechtlichen 
Verkehr zu beweisen hat, und der Beklagte zur Reinigung fl 
durch einen Dreicreid nur ibnin zngehussen wird, wenn dieser 
Beweis missliugt; datss endlich auch noch der fall berück- 
sichtigt wird, da das Weib die Nennung des Kindsvatera j 
verweigert, welchenfali^ sie wie noch älterem Jtecht eineJ 
Busse von -^ Mark an den König verwirkt, das Kind aherl 
der Mutter folgt und das [{echt seines niOttcrlichen Uruss-j 
Vaters nimmt. — lieber die Rechte und PfiichteD,] 
welche der nnächtcn Geburt zustehen und obliegen, ^preehen 
sich dagegen die widtlichen (»eaetzbücher uns. Es folgt aber 
zimilch^t die Jarnsida in Bezug auf das der unächten Ge-j 



1) Auf die .^■^hnlichbpit «Im Kindp« mit Acin nmthmasMliehea j 
Vater hatten auch schon die Ct\)L. hl euUcboitlendes Clcwichl ge-J 
legt, jedoch in giinz titiilorer Kiclitnng. 

2) Jana KrR, 4; KrU. Ärna ^14 -IS. 



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bort r.u'-t^'hendi' Krl>recbt im Wesentlichen üen Vorschririen 

tU»r KrjiL.. *) jcd^H-h nhtif* vprsrhipHcne tüa-weii der iinächt Oe- 

borpDcn 3CU untorsclieidcii. und mit einzelnen ^"^^"Rfi'^OK*'" 

Ahweicbun}<eu.') BesüKUch ihr Alters vitnuiindschaft hiÜt 

«« »n <Jeni Jifnlze iewt. cIuhs die Benifun^ /.u ilersellkMi ilen 

nänitioh(^n Ftetf*.'ln folj^e wie die Benitunf; zur Kriisclmlh nur 

mit (lern Vfirbrlwlte, da.*; der Benifene jetzt Sicherheit zu 

WffieUen hiit, und uusgesehlusseu wird, wenn er diess nicht 

kftnn;'^ ebeino bezilj/lidi der Aümentntionspflifht,*) nml 

wtsnu hin>ichtlich Hew Verlnhuiig^rethte« «uf die uärh.siiai 

Verwiindten.') i»der bezfiprlirh der Unziichtsbiu^.se auf deu- 

fenigen Verwiindten verwiesen wird, w<dc}ier diese gesetzlich 

m bezieben hiibe,*) st) will duniit sicherlich ganz Da-sselbe 

KMigt will. Etwftpi rielbötatiindiger Htf'üen sich die Vor- 

whriftcn des gemeinen Landrechte»*, des* gemeinen Stadt- 

wrhtes und der .lönhhök : doch sind cm weniger neue (re- 

sjcht^punkle, welche sie. Iieziighch der Behundlnng der iin- 

ü'hteD Geburt aufstellen, als viehuehr witikfirticbe /Knder- 

■■S"i) » oder höchstens noch mit pedantischt'm Scbnrf>inn 

1 1 ' tigeffthrte C"nse<iuen/en der iiltereu Gesichtr* punkte. So 

wird denjenigen uniü'hten Kindern jetzt alles Erbrecht ejit- 

^»tcri, w»*h:he im Khel)ni( h oder Iue«st erzeugt sind;') eine 

llmtilumiihg kirclilidien L'ivprunges. weluhe übrigens, was 



1( tgl. Jüro*. Kridat. 2 mit VpL. Vlll. 3. 

4 , , .V 

ß . . 7. 

" , , 8. 

lü , . 15. 

Jl t. H. .Itlrnn. Rrfdat. ß: ok \iü ttidir betinur >it> rrilln niin. 
II Erfdul- 24. 
II eliüoila '*■>. 
'•) Krfnniixipti ngiir 1. 
«>' ManntiHl^ri Hfi. 
M LüildsltlK Krfdnt. 7, nr. '!: ItjurkK. T, tu. 0; .ti'uni 

H^ PhilM.-philol. Iiift. Cl. I.] S 



m 



SiUutuf der jihihit.-jitiilftl. Clawe rom .9. Mars JSSS. 



di> atflntfcerini bctriffl, auch sclioii in die G^L. EinKanj 
ftirifien liaHt'.') .Jetzt ei*scheint ferner der frillnsoiir niclit 
nur den hrd^iTru r<ynir und Unrftra du'tr nmdijjcst-tzt, wi'i* 
dit»?* scIkhi Min.li iIhti Prjtlj. dvr Kall ^«•wf'.SL'n war, sundtrii 
aiK-li d<'n sy^tkinasynir und 8ystkinada>tr. dann den systra-^l 
synir und s^-stnida-tr. weichen er frfihcr viir(»c<oiiijfen war;*) 
die IrilliKtottir jiher wird jetzt erst wint hinter dem t'rilhj- 
H«nr bemfeii,') wiw theiJ^ diircli die Vorrfutkiin^ der Njudi- 
geschwisterkinder. theils aber auch durch nine viel weiter 
(ils früher getrit^bene Unteisrlieidiinty der inntterh'chen Ver- 
wimdts»^hatl von il^r väterlirlicn, nnd der lmlld)in*tij(i'n Ver- 
Wiuidtschiift voll der volll)iirtiKPn bediiijd: ist. Hinter der 
letzteren werden ferner ilie entl'eniteren unäcliten Verwand- 
ten bis zii den <je>icliwi.*ilfrkiiidern einschheviHcli Ijeniten/l 
während flber die«?n (irad liintui« die unä^-bte Verwiindtschatl i, 
unbertiok^dehti^t bb'ibt; ansserdeiii 7:ei^t Nich' aber aiieh weitfl 
couHeqneuter und siiitzfindi)>c<-*r als frülier der rnifitund l)erfick- 
sichtigt, ob die Voriilterii de^ ein/einen Verwandten äclit oder 
unncht jjeboren warei].-^) Während das gemeine Stadtrecht fl 
mit dem Lundrwht** völlige nhiTi'InMliitinitj wi-icht die .lonsIV'k 
in einem einzigen Punkte ab ; wiilirend nKuibtti jene au 
dreizehnter SteMe die trilhiduttir. und hinter ihr die unelu^ 
liehe Seiti'nvyrwiindtstdiuft bis zu den (iertchwiMtprlrindern 
bernten, Wfiss die .hni>ilM')k von ein**iit Krlirechte der un- 
ächten Tocliter Xirlit«. und bfrul^ an dir bftrefieiiden Stelle 
vielmehr zunächst die nnehelirhen Knkel, dann aber die tin-fl 
eheliuhf Sciti'iivcrwandt-wdiai't bis zu den OeHehwistj^rkindern 
einschlieäalieh . j^^dl:^ch niil luistulirlielier Ant'zÜhlunjf nnd 



I 



1) G ^ b. 25. 

2) Landfll. Erfdat. 1, ar. 6; HjarkK. 7. nr. 6; Jöu»l>. G. 

3) Landul. Erf<int. 7. nr. 18; BjarkR. 7. nr. 13. 

4) V itenfla. 

5) Lund^l. Erfdal. 7. nr. 2. 3. 4, d. 11; BjnrkR. 2. 3, 4, 
tl, U: .l6nHb. 2. :<, 4. »!. U. 



Maurer: Die itttiichtr Gehurt nach nltnortiinchfin Htchte. fi" 



ihfilweise auch veränderter ReihentolK'' (ipr einzohiea Grade;*) 
hinter deu iinelielirh<;ii (leiichwisterkiiulerii wird von ihr so- 
dann uwb der vierte gleiche Grad der ehelichen Verwitndt- 
schufl. und wpit^rhin cli*" unächte VerwiindtÄchaft bi^ zu 
■lenistdUi'U Uriidc biTuftMi. IV/.üj^Uch der Altersvormnndschiift 
und der AlimentitioiiMpHicht iVdj(t ferner diu* gemeine Land- 
recht und Sta4ltreilit ^wnv. wie das ältere Reirlit lier H«gel 
i)t»w Krbrechtes,') währt'nd die J('>nsbr>k zwar bezüglich der 
Alten« vorniundsc'bal^ den gleichen Weg gebt, wenn auch in 
anderer Wortfu«sung .•) aber bcKOglich der Alimentjitions- 
pflicht zunächst aujitpricht, diiss .ledennann, gleichviel nb 
eb?licii oder unehelich gebnien, .seine eigenen .^Iteni niul 
Kinder enühren nillsse,*) dnnn aber die entferntere Ver- 
wand ts<;b alt nach Massgabe des Erbrechtes herau/.ieht, ohne 
'ler iinachteii Geburt molir l>eyonder.s zu gedenken, auiwer 
ftwa in Bezug nut' die nnüchten Kinder fremder Gäste,'') 
bt'/flglich deren das ältere ({echt einen, übrigens ziemlich 
frei I>enützi4<n. AnhaU.siJtmkt bid..*) De/Üglicb d«* Verloh- 
ntig!»reciiU's'| iiiid der l'nzucbUbuwe*) drucken sich die 
liesetÄbncher fiir Norwegen am Nichtig l>eytinimter aus lü.-! 
die .läni^iida. währf?iil liie .lön.Hb6k die.<*e letztere mmdrück- 
lich dem näihsten geUireneii Krbcn männlichen (Jeschlecbts 
»VHjiricbt.*) Knillich mag noch bemerkt werden, dn«s eine 
Vi*rnrdnu ng vom 2. Mai 1313 umuittelbar hinter dem 
frillutun der Mutter ein Krbreeht ihrem luiebelichen Kinde 



1) Jönsbök, Erl'dnt. LH. 

«1 Lundil. Brfdut. 14: UjnrkH. U. 

ai i6h*h. Krfdut. 20. 

4) «benda. Framffersl tib. I. 

5l i'bcndn tl. 

dl K. H-i,'25; St. 116/14»— 50. 

7) bandKl. Krfdni. I; ßjai-kR. 1; .TiJnHii. KvennAK. 1. 

^) LundHi. Mh&dIi. 29: BjarkR. 29. 

9) JdD«b. Munoh. Ül. 



68 



Sitittnif tier phtlos.-ijtiiM. (logge am .V. JW/fc; 1SS3. 



Kf^enfiber *'iuräniut. voraiirf^twetzt nur, daw <1ie«fc* weder 
all»- einem Khebruche »och aus einem hireste hervoi^^;anj;en 
i»t;*) imtOrlirh darf aber dnbei ineht, wie in ciiizelniMi Hss. 
(deht . g-eleson werden ,niödir skilgelin*, sondern ,frillii- 
inodir* oder .motler osküfeii^iii' wie undere idetüu, wie dnin 
auch die .!«'>tit*bök, iu welche die betreffende Vnrsthrift nul' 
Grund einer Verordnun^f vani 14. •Tun! 1:U4') eingeschultet 
wurde, der It^tzteriMi Lps;irt folgt,*) mir djüw sie, elH-n wie 
diese letztere Verordniui^, auf die Mutter auch noch die 
frilUidöttir folgen läswt. Die norwe^^che Verordnurijj atw 
dem Jjilire I3i;i l>enierkt dabei uiisdrheklich. dn.ss die F>ben- 
tflfel bi.slier ein l-irbn-i-ht der Miit.t.or j^ej^eiifiber ihrem nn- 
eheliirheii Kinde nicht erwähnt gehübt habe, was auch ganx 
richtig int, wenn man dabei dHs gemeine Land- imd Stadt- 
recht ins Auge fiwst. 

Znni Schlüsse i^t endlich noch rlie Legitimation 
unehelicher Kinder zn hüsprwben. Da» ältere is- 
länrlisolie Herbt scheint eine wdohe nicht zn kennen. 
I>ie K^cbtwbüuher de« rreiHtaate- liehandelii uielit nur das 
Kind aU ein unfreies, dessen Mutter zur Zeit der Kmpfang- 
nis.- unfrei war, selbst wenn sie vor der Oehnrt freigelft<«en 
wurde/) sondern auch das Kind fdi< ein iine}ielicbes, de-ssen 
AHlem Kwar noch vor dessen (ieburt. aber dm-h erst noch 
dessen Kmpfiüigniss eiiiamler geheirathet haben,-'') so Aas» 
i\Wi die von der Kiruhe so sehr begünstigte jegitinintio per 
subsHuueus uiatrimoniiim «leüi Kecht^' iles Freistaates völlig 
fremd war; von einem .leida til arfs" aber thut meines 



I 



Ij Nnrgt*« traut 1h Love lli, nr. iki, ^ .1, ti. 100, Kini^e IUa. j 
Hchiolren die Novelle in Liindslrt^ Krfdiit. 7. nr. d, ein. S. 82,1 
not, 42. 

21 LoTHamling Cor l.<-land, I. S. 2!», ^ 14. 

3) .l(in«bk. Krfiliit. 6. 

4) K. 118;2Ü4; St. .!i!V68; Beig«daUb. 47/^^9. 

5) K. i4*i/J3; Sf. ia4/i:r». 



Maurer: Die Hiiä'ehte Gehurt mtch nUHordixctutw lieckU. ti9 

fiiiispns nur i-iiic cinzij^e rttvile in einer tieschichUiik'ttc 
rwübmmg,') von welcher sich iiüht mit voller Sicherheit 
K>iiuimeii läsüt, crh sie iiiks einen Ueherrest eine» uuf dt'r 
l>^I frfih erloscheueu Ueehb*J>raueht?s aufbewahrt hat, oihT 
_ob nicht vielleicht vielmehr bereiU die ÜekannUelialt mit 
norwef^ehen Kechtp auf ihren Uericht Aber iUtere 
isliindiM'he Vdr^änge störend einj^ewHrkt hulw*. 1 )}i}jrejjren 
üiiit bereits das äilterp n n r wej^ isc In* Hei-ht das Iii- 
btut der Le>fitiniiitiou. wühreiid Adoptinu sowohl als Arnt- 
Itioii Hueh ihm t'reiud sind. iJie kirehcnrechtliehen Vor- 
tiriften über die Ije^iiiuiatioti siml iillcrdini^^s auoh in 
rwe^u nur sehr lanjfsatii /Jir Anwendung; ^elunf^t.') Niich 
FrjiL. und dem ält«ren Studtreeht^ sollten Urantkinder 
nur imt*'r drr Vl)^l>l^wet/:1lng uls ehelich geborene gelten, da-ss 
ihr Viiter initerhulh de« nüohsteii Jahres nach iler V'erhjbnnj^ 
gj^lorbeu war/| eine Bf^tiinnrnng, wehdie «ich aus der Vor- 
schrift erklärt, das8 die Hochüeit binnen Jahrepifrist der Ver- 
kiltung fulj^t'U solle;*) da bei ilieser letzteren V'nrsidiritY 
s.wnbl idifhiiite Xolh als gegentheilige V>'rabrwiung d»w 
ßräutigum« mit dem Verlober der Braut ausdrücklich vor- 
l)i'hidt<'U idt. winl man fliesen Vorbehalt wohl autdi für jene 
cn*tere Ue^el aU stilLM-hweigend gemacht betraebttMi , und 
«Hiiit iliiwf Iffgel daliin erweitern dürfen, ilas« Hrautkinder 
tÜierlmnpt als eheliche gelten stillen, wenn deren Vater unter 
Ijustüudeu ätirbt. welche erkennen lafsen, daas der Vollzug 



l) LaxdwU. 26yiU2; vgl. dIjcd. ». M. 

''} vjt]. Kr. Briindt. Hnjtl«tykktT iif KondirNnintrur »vor dtn 
iwi>ki« Kctihittune, S. ]7;i — 74, iiml dwHM^n Ktjri'lawiiinK'^'' over den 
"»i^ke K^t^bi-ttorie, l. S. IH2 — ;tS. sowie meine »StinHen üWr dan 
•"ffruiiintf Chriatenri-ilit KCniir Svi-rrirs', S. 75—77. and meinen 
Artikel ,(tu]4.|iui^'slö^*, in tler A n>f taiifinL-D Encj'klütKedie der Wiuimn- 
•cWU'B nod Kflnste, Section I. IJ<i. 91, .S. 42. 

^1 Frpl.. III, i:t; BjftrkK. III. ««. 

i}¥T\th. Hl, Vi, 



70 



Silzn»(i der f^tilwi.'^ihitftt. CIoMse vom 3. Märt 1883. 



dfT Kill- von ihm niM:li heuhsiditigt w:n% wie denn auch nur 
iiiitt-r dieser VnraUf^setziing sich erklärt, dsuss aotort beigefugt 
wird, es solle Nii^hU iitHzen, wenn Jemand »ich mit seiner 
<Vjnciil>inc* verkdtc. um ihre Kinder dudurch erbHibig zti 
niHihen, oder s^mst die Hochzeit verzögere, indem weder ein 
Betrug (h's geborenen Erben uneb eine Veriniehning der ] 
Hochzeit durch die He?(timniung ennöglicht werden wolle.*} 
Nach einer weiteren Vorschrift der FrJ)L.') soll ferner die' 
nftchr<)lgendc Khe unter l*er«<men, welche bereits vor deren 
Kingebung Kinder miteinander erzeugt haben, diesen Kindern 
nur unter der Vürauwetzuug die Rechte von elieliehen ver- 
schaffen» das8 nach eingegangener Khe noch weitere Kindfr 
von ihnen enseugt werden» wobei übrigens die bbiee Geburt ■ 
dtTiirtiger Kinder entscheidet, ohne dnss auf den?n Fortleben 
KtwHs ankiinie, und iiberdiexs dem voi-ehelicben Kinde. welchi> 
auf^irimd dieser Beätiuimnug von seinem Vater Etwiu* gtferbt 
hat, 8ofort auch allen nbrigen Verwandten gegenUlwr sein 
voIIms Erbri'cht gesichert ist. Beide Bci^tinmnmgen sind tdme 
Zweifel durch den Kintlns?- der Kirche in i\ns F{echt*sbuch 
gekommen, entsprechen aber dennoch keineswegs völlig deren ' 
Vorschriften. Auf der einen Seite nilndicb lilsst die Kirche* 
die spousalia de futuro sich durch die nachfolgende copula 
eumali» in eine vollgültige Khe verwandeln, ohne dieserli»lb 
irgendwelche Zeitgrenzen aufzustellen oder auf des Vaters] 
T<k1 Gewicht zu legen.') aiil' der anderen Seite aber läs*t ' 
sie die unebelichen Kiudei; durch die uHchiuIgeude Ehe ihrer , 
vEltem schlechthin tegitimiren, ohne dass darauf Etwas an- 1 
k&me, ob diese .tlltem nach Eingehung der Ehe weitere' 



1) VT\iL. Ili. IH: Bjarkn. III. (W. 

2) Frl>b. m, il. 

3) c. 15 (AIuxuDder III. 115^—91» und c.30 (liruKor IX, 12;i7— 41)' 
X. de «ponttal. (IV, 1); c. 12. X. qui filü tiiiit legi timi lIV. ' 
17 i Innwcnx UI, 1198-1216). 



Maurer: Ute nnäcJUe Geburt nach aUmtrtUitchem litchtr, 71 






Kiiuler mit mimnder zen(?eii utler iticht,') so tliis* alwj der 

<iruiii]»itz unseres Iteehtshuches : ^\rA helga [>!iii, er t'ptir 

IrruUaup eni fiedil , hin til ari's. er fvrir bnillaii|i vfiri)^" 

keinesw^p« dpr t\f> kuiKMiischpii lUt-lite i.si. Das so^enunnte 

Chri-4en.recht K. Sverrirb hält zwar die Bestiniiuungen der 

l'>{iL. nW die Ic^itimatin per 8ubse(|iieu» uuitrinmuiuiu uii- 

äiidert lest;"! aber in der Bestininmny; Hher die Hniut- 

inder streicht a- die au< dit? .Iuhreäfri»t beziigUchfU Worte,") 

nbwofal es rlic Vorscbritl bdibehiilt, dass die Hochzeit binnen 

dirt«r Frist der Verlobung zu folgen habe.*} mid t« gelangt 

damit in der dem kaiionix-hen Kechte vidlkomnien ent- 

-prei-henden He^td, dass Itrantkinder iintt-r allen fiiistanden 

gleich den ehelich geliorenen erben sollen, wenn ihr Vater 

T*»r der Hochzeit verstorlien ist. Auch die l>eiden <"hri.sten- 

rechte des K. Magnus lagabietir '' ) husscn die tinuitkimlfr 

ichlechthin erbliihig werden jfleich den ehelichen, auch wenn 

dir H<H:li'/.eit nicht eriblgt, und sie fordern /u solchem be- 

bofe nicht einmal den Tod des Vaters; da sie sich (bibei 

anadrficklich auf das gemeine Hecht der ge.Hunnnten <Jhri»teu- 

h«it beziehen, ist klar, dass de wie diese» durch die einge- 

trvbeoe copuiu camaJis die .-^tonsiilia de futuro sich in aiwn- 

«Ua de prset^enti, d. h. eine vollgültige Khe verwandehi 

\»mea. Weiterhin lassen »ie aber durch die Geburt von 

Bnutkiiid^n auch solche Kinder legitiniiren , welche von 

Bruiitleiiteii vor ilirer Verlobung mit einanilcr gewonnen 

W'inlen waren, und sie substituiren demnach, der iVui-se^aenz 

da kauonihcheu IVchtes entsprechend , den Verlobungsact 

»wli hier der Hochzeit; aber sie weichen df>cli wieder darin 

><ii" kauoaiitchen Rechte ab , daj(.s nie Hich nicht mit der 



1) r. 8, X, qui filii siriL legiliini (Alexander Ilf). 

1^1 KrR. .Sverrls 65. 

Ai fbea<J» i}7. 

41 ebenda 66. 

■M avuiTiT K|iKrK. 16; neuerer LttiKrK. 24, 



72 Silsuwi tUr philm.-iMol. CJi&vhk S. Märt J883. 



hKwi'ii VfrIobimj< Iwf^iiüj^fn, sondern iJuiieben noch ilie iiv 
biirt imcli t'rfolj^ter Verlohuii;( /.ur Welt koimneinler Kinder 
fonWrn. Noch weiter geht dit" Jiiniüi'tlu/) indem itif als imfl 
}*uU7A}V Liindi- (^(jsftzlich ciii^etuhrt die Bei^tiiuimni^ l)ez*ii*-lin*^t, ' 
dass ein« rwlitH'^iltig f iii^egHn;^eue Verlobuujt;; uJle Kindt-r erb- 
fiUii|j[ mache, welche die Brautleute vor eingegauj^ener Ver- 
loltungjiiit einander erzeugt haben, oder tuwh dieser erzeugen; 
dieser Satz ist aber in ganz dt-rselbeu Fassung auch in das ge- 
meine Liuidreebt und Stadtrcuht Übergegangen.*} In der.Imis- 
bök dagegen hatte er Anfangs keine Steile gefundi'U, wurde 
ji»cl<)ch hinterher juifliriiud der Verordnung vorn 14.-luni l:H14 
§ 13 in 'dieselbe mit dem Kei-satye eingestellt, (lasn die Vor- 
schrift auf im Ehebnieh erzeugte Kinder keine Anwendung 
finde;') es ist hipmuch giniz verkehrt, wenn |)ördr Sveiu-' 
bjömswHi unter dem in der Kin^elmllung geniunit^en K. Hiiknn 
den llilkuu gaiuli statt liäkuu Maguüs?*on verstehen will. 
Das Chrisienrecht Kreb. Jons baut auf der so gelegten 
fSnmdhige weiter, die fiesirlit-jpunkt-i' d»« kanonischen Tteehb* 
nur uoüb conseiinentor rlurchluhrend. Schon die l'hristen- 
rechte de« K. Magnus hatten den Grundsatz atisgeapntohen,*) 
dass eine rocht-gtlltige Verlobung durch hinzutretende copoUfl 
carnalis sieh in eine vollgültige Khe verwandle, auch wenn™ 
keine toriulidie Hochzeit nachfolge, utuI dass von rhi »b die 
Khe nur noch wegen Ehebruclis getrennt werden könne ;S 
jetzt aber wird geradezu die IJegel aufge^itelU:^) ,nn cf hjnu- 
■^kapr er fullkomin med Iikams lo>t4i, J«j at eigi se brüdhhiup 
gj5rtf ^ mä I>ann eng! hluti* .skilju* ; weiterhin aber wi 



1 



1) Jiirr si'rf :i. Krfitat. 14. 

2) handslÖKi Krfrtat. 7. nr. I, ön.; lijurkK. rW^iida. 

ä) Jönabök, Krt'dut. I ; vf^l. LotuhuiIi ng for Iiland 
S. -Ä— 29. 

4) neuerer bpKrR. 18; neuerer ».ipKrK. 26. 

5> JönsKrH. U. 



Maurer: Die unochte GfbHti nach tätwtrdiadtem Stf^le. 78 

ach noch insbesondere aiwge>^rnclien,M es sei allgeineines 
|Kecht Aer C^riHtrnheit, ditss Hriintkin<U*r in iiltt'u tVzieb- 
Dlif^en als elieliihe fx*'l**'nt niich wenn keine Hinhzpit ge- 
balteu WDrden sei. lunl dii&i die Kinder, welche Jeninnd mit; 
seiner Coucubine i^ewiniit, eheliche werden, wenn er sich 
Diit dieser hinterher verlobt, gleichviel ob beide nach der 
Verlobung noch »ndere Kinder mit einander gewinnen «der 
_nicbt, t'iilbi nur Jene nicht im Khebructh erzeugt sind, und 
loch Bonst der Eingehung der Khe dun^h die .Altern kein 
iniitediiuentiim dirinieus im We^e stellt. DieweUte Bestim- 
nmng kehrt aucli im neueren isländischen t'liristonrechte 
wieder, nur in etwjw anderer ^Vürtt";l.ssung;■) r-iniual uandich 
^ fehlt hier der Satz, da»*» auf das Oeborenwenlen weiterer 
Kinder nach fin^egungener Verlohuiig Niflit« ankoiume, 
wttfi sich leicht hegreilt. da dan ältere isländische Recht ^n 
»einer solchen UlaiiHel keine Veranhutiiiung bot, sodann aber 
■W der auf die adnlterini bezilghche Vorbehalt sn weit ge- 
famt. doKs er gleich auch die NichtexihUni/ vuu iui[ie<liuienta 
dirinientia in t^ich srhtii'N->t, indenj er lautet: ^neina m^kkut 
rtandi f>iit fyrir. \ni er ]nvu hörn vuni getin, at ^an luättn 
[«i inert ängu nifHi rt'ttHga eigHZ*. Dieselhen lieideii Christen- 
nthte liu««eu ferner auch den KiiidiTii aus einem niFitriniuniiini 
Iputativani die gleirhe Üehandlun^ wie den ehelichen Kin- 
[di-m aiigüdeihen, vorausgesetzt nur. dass ilie .Elteni vor Eiu- 
jgehung der Khe die vnrgoschriebene VerkÜndiginig vornehiuea 
[.liefen, und -^uiuit das Ihrige gethau haben, um etwa lie- 
bende KhehindemisMe re<'htzeitig iiiErfahnmg zu hringen;') 
' diftw ein Satz, welcher, im kanonischen Rechte begründet,*) 

1) JtfnsKrR. 46. 

9) Arna bp« Krlt. 16/112-14. 

81 JäntKrK. 42; KrR. Arna IH/IH— 10. 

4) c, 3, X, de clandotit despon«. UV, •^), und »-. H, X, 
^Di rilii «iot lef^it (IV» 17); Ikeidp Satzungi-ii von Innocens 111. 



74 Sitzung der jthiloB.-pfüiol. C/rtwic mm 3. Man J883. 

hiuterher auch in du^- weltliche Recht (ilxrrgegaugcti ist, so- 
ferne eine Verortliiung vom Jahre 1280 iii ihreni g <• be- 
sh'innit,') Hiiss die Kiiuh-r mu.s einer Khe, wnlche wegen 
hiiiUrher aiiikouiiiiemk'r Kltehiiuleniisse ^etreuut werden 
inu8», deniiuch lüs eheliche hehaiidelt wenleu sollen, wenn 
mir die Aiifjj;ebute in vorschriftsnuis^imer Weise ergunj^n 
sind, wo1>ei docli wühl rJer gute (Jluul>e der Khelente im die 
HechtshetitHrKJigkeit ihrer Ehe vni-fUL<gesetzt werden miiMS, 
obwohl die Verordnung? dieser Voniiissetznug tillerding» nieht 
gedenkt. 

tranz abge.sehftii aber vurj die.sen, mehr mier minder 
getreu dem kanoriLscheii Kechte entlehntt^i Sätzen, kennt Hhis 
niirwegi.Mhe Heiht üuch lUJi^h eine natiuiiale l'Virm der Ijcgi- 
tinmtion, Hir wekhe die älteren (Quellen die techni^ehe Bo- 
'/eichnung ^ttlckUng, die späteren ulwr auch wohl die lie- 
zuiehnung arflvidiiuj brauehen.*) In einem kgl. Krlasse 
vom 28. Miirz IHIH,*) S4»wie in einer l'rknnde au« dem 
Jalu'e 1338*1 wecliHeln beide AuudrUc-ke. wogegen ein paar 
Urkituden aus den Jahren UUö \nid lM7i3 nur von d«r 
nrileiding,') und nirigekehrl. einige soltdie aus den Jahren 
l;lUt. 1314 und 1H)0 -U» nur von der »ttleiding sprechen;') 
Hudererseits brauchen isländische liuelleu den Ausdnick .leida 
til arf«* sowohl in Bezug auf norwegische') vlU islandl-iche'*) 
Vnrgünge ans früherer Zi'it. und den von der icttleidiug 
handelnden Ahselinitt der JäruHi'da bezeiclinen ttie Annalen 



1) Norifes j^anilf I-ove III, nr. 1. S. Ti. 
2l Vv, ßritndl. Hnulntyltker, S. 2S— Ml ; Kort-Iwrininger 8. IW 
bin \hb, 

3) Norgea «ninle l-ove 111, nr. 50, S. 129—^1. 

4) Diplom, norveg. 1. 253/202—3. 

5) el.entlii II, 426,H80 and tV. 2!♦4/2;^U- 4a 

6) ebenilH V. 169/131: VI, 8H/8*J— «*0 unil :i74/409. 
TJ KigU 57/1*^; Njiila 2/6. 
8) LaxUffila 26/102. 



MttHrvr: JJi* UHilcMe Geburt nach tütMorfJiHrhtm Rtchif. 75 



»rfl 

Bai 



««iwohl hIh (li<* Bi(^^]>liiü «les B. Ami nU rlas Capitel ,iini 
iiirfleidiii^^*.*) Kh mögen hieniai-h l>eide AuMlrücku schmi 
hzeitig neben cinHuder j|;ebi*aucht wordiMi sein, und nur 
liinnii tliT Ansdnick .Hri'lpittinj;*' mit d'T 7j'\i iUis IVJut- 
t g ewicht *Tl»ii|Lrt hulM-n, weil in der TImt die erlirwlitliclnMi 
^BVirknnf^t-n dw Ai^t^»« im Verlanfe d<'r Zeit iniuier mohr 
^^Wrwo|^en. — Dii' Form, in welcher sich die Einführung 
i in den 0(*srlile('htsvi'rbiin(l voH/»^, wird in beiden ProWn- 
rialrM'.lit4Mi /iHnilich llbercinsiiiuiiietid i^escIiildoH. , uu(l ist 

k'fnbar uriilten Ket-htfiis.'') Zumeist sciieiut es der Viiter 
we>ien xu nein, der sein uiiebeliclieN Kind legitimirte, und 
un<l*'rcrseiU selieint die Legitimation nrsprUnglicb nur zu 
msten des {lyborinn .sonr in Anwendung gekonnnen /m 
in. wogegen unHen» Recbtjsbflcber freib'c!i niicli beidi'U Seit^'n 
hoti weiter gehen; lie la'-^sen einerseits die a-ttleiilnig iiuch 
f d«n liomäng und hn'süng ebenw gut Anwendung tinden 
ic auf den {»vliurinn s()nr, und geKtntten jindererspits auch, 
der Bruder den Bruder, der Oheim den Neffen, jii iiuch 
entferntere Verwitu<lti? einander legitimiren, nur das» 
die FrJiL. solche Hefugnisn auf die freigeboivnen (ft*ttbomir) 
Verwandten irnierhiilb der niUiereu (^ntde des Mannsst-aninies 
Owiiiggildi) be>chriinken, uikI Überdies^ die Kegel Ijeifügeu, 
'litss kein Mium durch ein Weib, und kein Weih durch 
'■inen Mann legitiuiirt werden dürfe.') eine Bestimmung, 
•leren Onmd nicht abzusehen ist, weicht» «.ber in dem 
anderen Satze der FrjjL. eine Parallele tindet. dass Weiber 
imd Manner sich gegenseitig kein Stauungut zmti Verkaufe 
Anbieten «»Heu.*) Henierken«werth ist auch, daö die *1J)L. 
t«dr(kküt:h die Legitimation desjenigen gtistatteu, welchen 



I) Ärna bpH «. U/«8><: Aiinälar a. im. 
21 0^L, 58; KrpL IX. 1, 

3) Kr^L. IX. 2J. 

4) ebenda XU, A. 



76 



SiUmtg der j^Uos.'phiUtl. Gomm rom ct. Man tStiä. 



I 



M!in Vater vor erreichtem 15. Lebeiiüjiihrtr tVei^<^IaKsen liut; 
die Vur»eliriil scheint nümlich ntis eini^r Zt>it zu cttiuuuien. 
welche die Leffititimlion nocli auf dt*u (jvhoriiin sour l>e- 
Kchmiikt Avn^ilf und ilie-stf Hp»'liräiikuii>^ insimt-it niildem 
wollte, ttUi die iirsprttiiglich nur dem innerhalb seiner ersten 
drei Lebens Jahn* trt'i}^e!nsii('nen Sohnn U-stiiimitt; Wuhltlmt 
mm ttuch uoi-h dem etwiis »pÜttT Irei^ehw^seueu zii^^änglicb 
gemacht wurde. Uebrigens darf der Legitiiuireude. wer er 
uuch sei, nicht vuUig eigenmärhtig verfahreu ; er mu«s viel- 
mehr, wenn die Hatullung rechtswirksani sL'in soll, zu der- 
»ellieu dif Zusttiiniiiiiug dt-r geborem-n Krben i-rliolt!«, ülwr 
deren R«clit ja mir sie selber vertugeu können. Hut dem- ■ 
ntich der Vater des inirlieüchen Kindes bereibi acht geborene 
Söhne, fti) ist deren Znstiinniuiig t-rfurderÜch ; duch st>II die 
Einwilligung der volljährigen Söhne genfigeu , und »omit 
auch für die iniiiderjührigen oder noch ungeboreuen bindend 
sein. Fehlen eheliche Söhne, iwler sind die VürhiLndeueu 
uNe niinderjithrig, >n tritt HUtt ilirer der nächst Ijeruleiie 
iCrbe ein, und xwar, wenn die StHnimgutt'tulge von der gv- 
nu'inen Krbtblge abgeht, sriwohl <ler Stamingutslnlger als 
der Krbe der Kahruiss; die <l[d,. kennen auch eine Hetheilig- 
ung der entfernteren Verwandten, welelie indessen eine l»los 
formelle gewebeii tu «ein sclieint, wie etwa umgekehrt die Fr|»lj 
den Vater seine unrnnmligeu SiWuie bei der Haiidhiitg auf dem 
Arme tragen hissen, um aiieii sit^ /u dii-siT tonnet! hentnzu- 
ziehen. Im Uebrigen war v(tr .\IIeni ein gewisses (Juatd^mi 
Bier zu einem gemeinsamen (ielage zu bereiten; dann war ein 
dreijähriger (K-Iiw zu seldageii und nniswt« ihm die Haut den 
rechten Uiuterl\is»e» vum Kniegelenke aljwärta (Krl)L.), i>der 
auch die KJauenhaut vom rechten Vorderfusse ((j»[)L.) im 
Ganzen abgezogen werrien. Als Iiemüigr (FrJiL.) oder fit 
(O^L.) wird diese Haut iKzeicbnet, und aus ihr wird ein !?chuh 
gemacht; wurde doch noch in der Si-hlacht bei Re (1163) 



I 
I 




MauTer: lüt Hnnchtt (irbiiii nach attunrdMvhfin It^chtr. 11 

Ton Hipiinir jarl il<»r fib*linr ^etra^en,') t|iH.'h wohl um l'e?fter 
auf lieni Kise sl-eheii zo können. I>ies**r Sclinli wurde bei 
tipni Biorftiäse niiMlerj^»?«etzt und «illte nnn meirnt der Vat»*r, 
iIpf 8cinen Snhn k*(jiiinn'ren wnllto. in ihn steip'ii. iliinn dor 
7.\\ lejfitiniiR'ndr Sohn sell>->"t. und Wf-it^rhin der niichüt«- KrlM". 
Nowie der nürh.ste Stiinnnf^ntHlVil^er. imeh den ft|tL. flberdiesH 
auch noch dii* entfernteren Verwandten, natfirlich doch wohl 
nur («iweit sie gerade anwesend waren; djihei sollte nach 
den Ki\th> der lj*'jotiniirendt' folgende Knnnel 3]>rpchen: ,ek 
leiili ^un» mann til fjar [ler» er ek ^t' hnnnni, ok til ^»hls 
ok til ^jufar, ok t.II »psh <ik til Nietis. i>k tu IkUü ok tu 
bung;i, iik til ulls rettur, hvo >«ni niödir liuns vicri ninndi 
keypt". [)ie volle <tleü'.hstellnng de« Lejj^timirten mit dem 
ebelioh Oeborencn in allem Kt'cht ist damit nnzweideuti^ 
»ii^i!i<l>rocht*n; speeiell herv^irjjehoben wird die Oleit:liwte)hin>( 
in Be-Äiig anf Wergeid und Itii^se, und tuu»a die Kuruiel so- 
mit älter Hein al» die (rleiehHietlung des nicht legitiniirten 
]WlM>rinn winr mit seinem Vater Iwzrif^Iirh der Ba-^se. ,Sitz 
rind Se**l* mögen sich nnf die Kinriiumnng eine,-^ höheren 
llatTtw hiei Gastereien beziehen, bei welchen man ja nach 
Ilang nnd Wflrde tniunnvirdfng) zu sitzen pflegte: .fiabe 
nnd (tegengulte* auf die Sitte, bei festlichen rTelegonheiten 
Uwchenke utwznta »wehen, deren Wertli gleichfalls nach dem 
lUnge tK-niefssen wurde. l)as gegebene Wut endlich dfirtle 
wf den dnrch eine spätere ('rkimde be.-^tätigten (iebrauch 
hitiweiMen,') gleich bei der Legitimation dem Legitimirten 
nnp ftHlw alfl Wahrzeichen zu geben; indem , vollen Recht', 
Hrht* dem Legitimirten eingeräinut wird, ist aber vorab 
•Mh das Krhreeht gleich dem ehelich fJelKirenen mit in- 



1) Ueimikr. HaKnilri s. KrhuKtioiiur l^VüH), PMS. VII, 

""'^'"i . Knitrakin nü 2fi-l,'17G. Vj^l. »urli Hciniv kr. OlaTR h. belgu 
'■'1.4av fl; KM.S. IV, l:t7-W6 n. s. w. 

VI nipiniii. noTT. I. •i.'i.'VJoa— s (i.s.m 



78 



•Sitzung der philon.-philof. Clause nm .?. Ufa« id8S. 



b^riffen, wie denn die KrJiL. anmiriicklich/) dip GJ>L. al»T 
wenigstens mittelbar ebesi dieses eiuräuniati, wenn sie da» 
ohun iH'jipnichi'iic (.'vciitiicllc Krbret'bt dur nniicht4'U Kinder 
nur fiir den Fall eintreten lassen, da;*» sie .üleiddir i tetl' 
sbid.*) Die KrpL. theilen dk- zu sprechende Formel nicht 
mit; sie Mpn^^heu über von einem »leida h rekk» ükant ok 
r\'giH'. wa^i doch wnhl zu ilberset/.en ist ^in den Schtjoss 
von Mann und Weib riilueu'", uud somit auch auf die Ver- 
»etKun^ des Lej^itimirten in die La^e eine« ehelich Erzeugten 
uiid Ueboreuen hindentet. Kür die sofort nicli an^chliesäeude 
Kinrüunnmg der Krb- und Htanniigtitsfidge durch dtMi ge- 
borenen Erben und StainujgtitÄfolger. sowne für die Erklärung 
der entfernteren Verwandten wiiti keine Formel aufgesteUt^ 
dagegen aber aasjye-^prochen . dfiss alle bei den» Acte An- 
webt'uden ni>er diesen Zeujiniss geben können, wenn dessen 
Vornahme bestritten werden HoHte, unil /.war Weiber wie 
Männer . wobei jedoch als weiteres Wahrzeichen der Ijei 
demsellien gebrauchte Schuh vorzuweisen i.'it; mich den G^L.. 
welche kein Zeugniss über 20 Jahre hinaus vorhalten lajwen, 
miLss jedoch alle 20 .lahre eine feierliche Bekiuintmuchung 
der a*ttlei(Ji'ug erfolgen, deren Beweis ileii liewein de.s Actes 
Kelbst zu ersetzen bat, mnl wird diese Hekanntninchung erst 
von dem Momente an unnöthig, da der Legitimirte auf Grnnd 
i<einer Legltinn'rung Erbe gen4>riiuien hat, suferne ihm von 
da ab der Besitz der Erbschaft t-elU^t a!s genügender Aus- 
weis ftlr das Recht den Besitzes dient. — Die spätere Ge- 
set7.gebung hat im Wesentlicheu auf der gegebenen Onind- J 
läge fnrtgebaut, wenn sie auch im Einzelnen Mimcherlei an 
den älteren Uechtssätzen verändert hat. Zunächst wurde die 
Form der a.'ttleiding umgestaltet. Das Trinkgelage, Gchsen- 
schlnchten und Schuhsteigen beseitigte schon flie Jdrnfn'tta, 



I 



1) Fr|)L. ni, |:l; VIll, 1 ; MjarkU. III. ßH. 
2> (J|)b. 104. 



Maurer: Die unödilf'ftfhurl naeh nltnorfU»ehf-m Hrchtf. 70 

indem sie ilafiir «ine han)Wt>f{s kii-ehlii-be t'onn i*inführU'.') 
Der Legitiuiir«u<le (»11 mit dem. der leKikiiiiirt werden mII, 
^>wie mit dem luK-hitl'en ^elxii'^iien Erliou uikI Stumrnf^nt»- 
foiger unb.'r |<eiiieiusänier Berfilirimg der beilijre» Schrift 
Ti>r der Kiri-hentlillrp die eiitsL-hciil»'ii(le Krklüriin}j; »hieben, 
fiereu Fonuel uoeb itvuv/. dii* d»'r G[>L. ist, mir da*» die Bc- 

Laiii^nbm** auf t-iiie «ofort /u mH<dieiidf iinW' an deren 
Spitze nnumrbr weggefallen if^t. An der liefnj^ni.ss der ent- 
femf«ren Verwandten, die Le^timation vorzunehnieu, wini 
§i>h»lt«n, dufjjcffen der Sulz der Fr]iL. fallen y;eliL'4,-^n, 

' fiasB kt'iii Mann ein Weib und keiu Weil) einen Mann lejjfi- 
Üiuireti dürle. Xa*'b wie vor soll ferner der volljährige Sohn 
durcb seine Zostinnnnng seine minderjährigen oder noch 
iiii>(elM>renen Hrildt-r vcrpHirbti-n , nnil rnuss die a^ttlei<ting 
alle 20 Jahre öftentlieh bekannt j^enuieht werden, so lange 
der Le^itiinirte iiirht auf Oruud derselben geerbt bat. Nach 
wie vor i-t ferner die Hedentnnj; de>^ Actes diesell^e j^eblieben, 
und beerbt der Ijqjitiniii'te; denigeniäs« seinen Vat^^r zugleich 
mit dem acht j^eborenen Sohne.') Das jfemeine Landrwht 
;*chlieAft rtieh hinw^itHlerum enK an die Vor»chriften der 
.fänmiitii an, doeh nicht, ohne sie in ein/A-bieii nicht uner- 
heblichen Punkten zu verändern,*) Festgehalten wird vor 
Allem <iw nene, halb kirchliche Form der «ttleidttif^, nn<l 
daniUH mi4( sich erklären, ilims die Kirehe diese anerk«nnte,*) 
obwohl ;«ie die ^.cansa^ nat^kliuni" im Ber^ener ('(uieurdate 
(127i^)') *mohl aln im Tünsberner (1277)*) ihrer eigenen 
.lurisilietion vorl>ehielt; doch Ui die hei ileni Acte zu sjurechende 
Korniel neuerrlingr« wie<h'r verändert, und dabei eineri^'its *üe 



1) Jirnifda. Erfdat, 16. 

2) t»b«nilu I. 

■■i\ LandoUK- Krfttat. 8. 

■41 Jöh^KtK. 4H. 

4j Di|ilniii. norv. I. 64,a/M. 

At Nnr)(pH gara le Love tl, S. 464; vgl. anch KrR. *t6nt 'rl. 



80 



Sitsung tier i^iog.'phiM. CItttw vom 3. Marx 18B3. 






Heziigniilinie auf Hiis sofort xu (gebende Out. wiöler antgenom-j 
men, amlerei-seil« aber lüe Verwei.siing auf Biut^e untl Wer-J 
}fv\i\ nU nniinu'hr nicht inehr |m?;^fiii[ ImHfitij^t. Der Satz,! 
»iass die ZuHtimniuuy des volljährigen Sohnes anrh dp.<seiiJ 
iiugeborone und niinderjähngc Brüder binde, wird jetzt auü-| 
drttcklich anfgeffebeii. und dafür die umgekehrte Uegel aiif-l 
gestellt, dass der Lejjitiniirte durch die Legitimation ntir ^^o 
viel Hecht erhalte, als der Ounseiitireiide >el}jer an'/.iis|i rechen 
hatte; attsKerdein wird die Wirkung des Acteri auch infiofemefl 
abgesehwäeht. als der LeKitiniirte jetzt nicht mehr nel>en 
dem iioht gelmreufn Sohiu;. simdem erst hinter diesem \md^ 
i^eiuem iu'ht gelKireneu S(ihne erl>eu soll.') lienaii dieiielben 
VoDMjhriften entliillt tlas gemeine .SUdtrecht.*) sowie auch-] 
die Jonsbok,*) mir dass iliese letztere die Kri4 frtr die Ijsfng^ 
von 20 auf 10 .lalire heraljnetzt. l>nroh die Veroi*dnung 
Tom 14. Juni 1314 wurde femer fUr Island bestimmt,*) dafw 
Niemand vor znHickjjelegtem 20. [jebensjabre auf sein ErV 
recht verzichten könne, und da-^s der eheliche Sobii eines 
Ijegitimirten nninitt*dbar hinter seinem Vat^r jtur Erbfolge J 
berufen sein solle, wenn dieser zur Zeit des Erbschaf t^nfadeftj 
l«*reitji gest^irhon sei; iieiries Be.stLMnnnngen, welche auch in 
die Jonslx'ik eingcrtlckt wurden, welche >ieh ub^r im (inmdej 
von selbst verstanden, da die ersten- nur eine Folge der] 
Verschiebung d^-s Vc)|!jäbrigkeitÄt4'nnin(.'s auf du« voUendeU- 
20. Lebeujahr Ist, die letzlere aber nur eine anali>ge An-' 
Wendung der für die ehelich geborenen Sohne und Enkel 
geltenden Regel enthält. Ein Zii^at« fenier, welcheu ednf | 
Hs. zu K. Eiri'k Magnüfwnn's A'erordnnng von 1280 und 
eine andere zu K. Ilakiui iVlaguiL<£4)u'.s Ven^rdirnng vom 



1) LandiUg. Erfdat. 7. nr. 2. 

2) BjnrkR. Erfdat. « nmi 7, nr. 2. 
ä) .lün^Kök. Errdai. L:> und 2. 
A) borx;tiiilin<r \'nr Island I, S. 2H, § 15 und 10. 




Maurer: Die utuichte Qebitrt nach aUnonUsebem Reehte. 81 



25. November 1315 macht/) bestimmt, dass der älteste vnw 
mehrerfn iitiächten Söhnen, desseu .-Elt^jm sicli ntu-h Meiner 
Irtfburt mit einander verlobt lial>en, den Haiipth<if dt« Vutera 
htIwd soll, Ulli) zwiir sii^iir dumi, wt^nii sein Viiter irizwisehen 
QÜt einer andereu reclituitia*igeii Ehefrau ächte Kinder ge- 
wouneu und erst nach dem Tode dieser Frau sich mit »einer 
^heren Zuhälterin verlnbt hat; eine V()rs<:hrift, welche un 
da« im geineinuii LaruJrechte 'I dem iUtesteu Soiine Ufzil^- 
lieh de»i Hiiiiiithules euigerüiinit« V'orziigsreuht auknij|>tl, 
und lediglich die Kruge ent>K-heiden will, ob der Alter^Vfir/iig 
d«s r***** siilweijneiis niiitrimoniiini Legitiniirteu sich mit Uflck- 
.-icht auf den Zeitpunkt seiner (ieburt oder uImt sü-incr Legi- 
timation zu bemessen hal>e. DerselU' Zusatz bes&gt aber 
TiberdietH, da«s der durch äettleiding Legitiniirte von s^'iuer 
MutU^r seine-* Vaters Erbe, oder nach anderer Lesart von 
»einem Vnt4*r meiner Mutter Erbt- nehme, wenn näher Be- 
rufene nicht vorliandf n sind ; dies* eine ziemlich unverständ- 
liche Vnrsehrift , welche doch w<dil dahin zu berichtigen 
ist, d««s der Ijcgitiinirte seine« Vaters oder seiuer Mutt*'r 
Erbe nehmen soll, jenachdem diese oder jeuer ilm legitiniirt 
hat. Endlich knmmt noch ein lTrtheils»prucli des K. Hnkun 
Hn({;uü.<«t(m vom ÜH. Mär/, l'tlS in Hetracht,') welcher einen 
Stri-it nljt-r die Auslegung der lantlrechtUeheu ße»tinnuung 
5Wr die Legitimation entschied. Die Logmünner waren 
uütnhvh darüber nicht i'inig, ol» drr Lt-gitiniirte mir die 
Kfhschurt dew l/egitimirenden /u nehmen Kt'rechtigt sei, oder 
|»urli die Erbtwhafl der sännuilichen Verwuudttm diesi^ letz- 
■. iiiid der König eiitscli»?idet ditwt? Krage dahin, dass 
I :u'llie alle antallenden ErlHMdiatlen nehmen solle, wie wenn 
V änrechtuiiLsKige Sohn de« Legitimirenden und .seiner Ehe- 



l| N'<>r)fi*N >;Hnilit Liiti* III. 8. 11 nnd 115. 
t) LuniUlOg. Krfdut. 7, nr. I. 
'''I l^orgea gauile Love III, S. 120— :tl. 
|l«l Philw.-philol. hüit. Cl. l.I 6 



92 



SUxwntf ilrr philo».-pttiInt, Cltiiwe pom 3. Mnri lSff.t. 



fran wäre, wobei natürlich stillschweigeuH vorausgesetzt wi 
(lass (He settleittiii«; vollkommen rt^r.hU|jrfUtijr erfolgt sei, h 
somit auch iiUc Personen ihr zujjfestinmit hüben, deren Zit- 
tftiinni\ui>( zu «Jerselben geäetzlieli erfonlerlich war, Oocli 
wird der Ausprucli lies Königs, dwss der Legitinürte immer 
:ll^ eheliches Kiiii] ih'n Leptimirenden zu gelten halie. 
einer einschrärkenden Au.-lejriing hwInHen. Für den Fall. 
welcher die Entscheidung vi.»runliis8t hutt**, voJIk<immeu richtig, 
weil in diesem ein Vater .-^eine eigenen Kinder U-^iHniirt 
hatte, wfirde ders<dl>e docli ftlr diejenigen Falle nicht pa.'^^eiM 
in welchen die Ijegltimatinu von entfernteren Verwjwidlen 
ftu-sgiiig. Hichtiger wäre somit die Hegtd dahin ku fti^ien, 
diLKs die lettleidfng dem Legitimirtcn stets die Stellung ein 
ehelichen Sohni's derjenigen ■i'Elteni vensehafle, welche i 
aa-werehelich er/engt halHMi , und erklärt sich jene nie 
völlig currecte Fu-wnng !*elir einfach daraus, dass wie i 
gegelwuer Falle, so gewiss nl>erliaupt in weitaus den meist' 
Fällen wirklich der Vater seilet die LegiÜnintion vorzu- 
nehmen pflegte, und Ktmiit jene an unil fllr sich nieht schlecht- 
hin zukivffende Ansd rucksweise «nnieist wirklich richtig w; 
— In der damit g»'sthihlerten (icstalt erhielt sich nun iht* 
u;ttleiding das ganze Mittelalter hinilnrch, wofür die Orkiui- 
den aus deu Jabreu UMfJ, 1338, 1344. 1345, 1373 umi 
14(10 — 1410 ai« Belege dienen mögen, welche oben bereit 
Itei KrÖrterung des Sprach gebrauch es der Quellen angefülirt 
wurden ; es lil-<st sich aber nicht verkennen, dass ticreib* 
durch die Gesetzgebung dea K. Magnus lagaUetir die ur- 
Hprüiigliche (.testjilt iles Institute« in zweifacher Richtung er- 
heblich verändert worden war. KinumI nämlich hatte dit*e* 
ursprünglich zweifellos eine völlige Gteichstellung des trfgi- 
tiniirten mit dem ehelich UelMrenen iu allen ver-wandtM'liatl- 
lichen Kechttrn und PHichteu bezweckt; nach dem genieiii'^i» 
Landrechte dagegen s<dlt<f tlersellie erst hinter dem ehelirb»*" 
Sohne nn<i Krikel zur KrVdolge gelangen. Das setzt reniiis*^ 



-•ht-i 
valfl 

-fi.*^ 

hrt^ 



Maurer: Ihr vruit^hie Oeburi noch aitnardiMhew Hfditr. 8-1 

ftsM ilt-r fiesetzgrber nicht mir jene völlige Glf^idiKfcellunt^ 
nicht mehr durch^ettlhrt wisseu wnllU?. »oriiJeni ilstst* er auch 
bei der AuCstcUimiy «»incr ErKentafel nur den gewühnli4_'hen 
Kall im Au^o hatt^?, du da.< KrbrHrht des Ijegjtiniirten an 
ileni Nachlasse Keiner .-Eltn-ni in Fraj^e kam ; wir werdon 
' "ftlso bezflgtjch der Üeerbun>< anderer Verwandtt^n durch den- 
^Iben der Analogie tblgeud ergänzend lieizuf'il^fn haben, 
da.** der iettleidfngr diMii skillioniin madr sM-s nni niiimi 
Grad, aber auch nur um einen, imchsUdie. Zweitens aber 
hatte vordem zur Siohenmg des Legitiniirten genfigt, wemi 
der naeh>«te geborene 1 und rechtliche Erbe und der nächste 
•Stamm gnt-ifolger in die (jegitinihtioii einwilligte, wobei mnih 
Qbeitliejt* ilie niindi>rjälirigen und ungchnn neu initer TuchrrnMi 
gl»*irh nahe Verwandten durch die Erklärung der volljährigen 
gehnndf n waren ; da« gemeine Landrfiht aber hat daflir die 
iMttgegengejfetzte Kegel antgesUdIt, dass die t^msenserk lärmig 
immer nur den Conftentirenden .selbst, und wie wir werden 
IteiOlgen dürfen , des-^en Uecht«iiacbl'ulger binde, und das^ 
siutiit di-r l.egitiniirtr immer nur soviel Hfcht i-rwerbe, uIh 
d»'nen /.ii.stand, welche consentirt^'n. Dit^ ullsüitigi' Wirkung 
der lettleiiling konnte* alHO fortan nicht mehr durch die blose 
Mitwirkung de^4 iiiichfiten Krbfn luu-h Landrecht und 'Stanint- 
guthrecht gesichert werden, sondern sie erforderte die Mit- 
wirkung aller wnd jeder Erben und Stammgntsf olger, nur 
<4*a mit Ausnahme derjenigen, welche durch einen anderen 
Wreitrf vertreten waren. Wiwler in einer anderen Gestalt 
tritt nnb endlich das Institut in dem Geäetzbuelie König 
f^liniitiaiiB IV. entg<^en.') In diesejn winl iiäiulich bestimmt. 
Um nuin .,etlf><li''' dfirte, wenn man wnlle, wenn nur der 
Ib*»i Erwählte unbescholten und ehelich geUiren sei; auf 
•üe anehelicfa Geborenen, ftir welche dasselbe ursprünglich 
■U<*in l»efltimmt gewesen war, konnte da». Institut also nicht 



1) Arvobolk 8. 



e» 



84 Siteung der philoH.-j^tiiol datse wmi 3. Man t883. 

mehr Anwrndtinf^ findfii. und ant* einer L^timaHon 
dassellw miniuchr zu einpr Adoption geworden. Uiunil liängt 
denn auch, zusaiunieii, daas der „etleding" nunmehr immerfl 
uU &1I1U de?<jeniK*'n Iwliaiidelt werrjeii s(jII, der dmi A(-t vnr- 
geiiounnen hut, welcher Regel gegenüber ireilicli die Bei- 
behnltuug der älteren Vorschrift keineu Sinn mehr hat, daMifl 
ein Bruder den andiTii »ml iler Oheim fleii Neffen «etlede' 
dtirfe. soffni jn geuuu du^^elbe auch unter Fremden galt. 
Die Fonnulicn rles Acte« sind dieselheii geblieben wie im 
geiueiueu Laiidrei^hte, und der von jedem einzelnen Krhen 
mler 8tauimgut>*fulger erklärte Cnivscns bindet nuch wie vor 
nur ihn selbst; nur wird jetzt noch eine nachfolgende Kr- 
Icliiruug IUI! Ding und deren urkundliche Fertigung ertVinJert,! 
wm-ie auch die Fri^t lür das .liuMe' ntmniehr auf 10 Jahrej 
herabgesetzt i.-t, ganz wie diess auch schiMi in der Jonsliuk 
gesciiieheii und durch spätere Correctur in eine Ueilie von . 
HsH. de« Tiaiidre4:hts hineingetragen worden war. Die Wirk-H 
?mg des Actes ist aber insofern noch weiter uhge^-hwäcbt 
worden, als der ^etlediiig" nunmehr erst in Hie fünfte Erbeu- 
chissf* eingereiht, und erst nach den GeBchwi>jterkindeni zur 
Erbfolge berufen wini.') Damit ist derselbe in die Stelle 
eingertickt. weiche Aia^ gemeine Laudrecht des K. Magnt» 
den nicht legitimirten utiächten Kindern angewiesen hatte, 
and von »einer ur^pdünglichen ''leichstelhmg mit den ehehcfa 
Oehorenen ist somit die lel-zt>e Spur verscrh wunden. 

Siebt man alwr von dieser letzten Umge^taltiiug du\ 
Indtitut«^ ab und fas,st mau lediglich dessen Bedeutung im ' 
älteren Rechte inx Auge, so fallt sid'ort ulis für dasselbe in 
hohem Grade churukteriatisch der Um-stjuid auf, dasa der _ 
Schwer|)imkt l>ej dt-ni^elbfn ganz nnd gar nir-ht, wie bei derf 
Legitimation, Adoption und Ärrogation de» römischen Rechtefti 
auf die väterliche Gewalt, oder Oberhaupt auf das Vei 



1) Ai 



JITmirer.* Dir ttwiclitr Gehurt nach altitordischtm Rechte. 



nÜ8 des Vatfrs zii seinem Kinde fällt, sondern Irdiglich auf 
den Gcschlfchbnferbanil und die Stellung dtw Kindes kii Heiner 
jre>«aninit^n VerwandtÄphaft. Von der ,K'tt'' und der Ein- 
fuhniii^ in dieselbe ist schon die Bezeinhnung der iEttieirtmjjf 
hfiyencminien, und es ist nur eine CoiLsetjuenz desMelhen Stand- 
punktes, dass der Act von entfernteren Verwandten des 
unäoht Kidxjrenen fl»fin.s<>;fiit vorjfenonimen wcnlen kann wie 
Tnn dessen eijfeneni Vater; da-ss derselbe that^ichlich aller- 
diug» 2iiu)eiMt gerade von diesem vorj^enoninien /.u wenlen 
pflegt*-, und diiK«* diewr Kalt darum aucli von den Quellen 
stettt in fr<t4>r Linie ins Augt^ gefus»t wird, ist lediglich 
dnratif zurrick^.ut'iihrpn , diiss der Vater eben du» nät^hnte 
pi'raöntiche [nt«re«iie an der Legitimation ueine» Rinden hatte, 
und dann zunächst ^ein Verniögtfii und dii* Stt^ltung in 
neinrni HaiüMf e>i war, um deren Hegfluiig es xii'li }iei ih(\Ht*r 
handelte. Ee stimmt flbrigens diese Behandlung der Legi- 
timation vollknnimen mit der anden-ri ThidMachp überein, 
Hai» die altnordisclie Sprache weder fiir den Begrift' <ler 
Familie, noch ttlr ilrn der vät4-rlicheu (Jcwalt eine technisehe 
Brxeichnuiig liesitzt, während sie an die ,geuß" bezeichnen- 
tlt-n Aiw<irtU'ki'n sicli unigt^kehrt /icmlich reich erweist; dass 
tVruer w>gar unter Vater und Sohn die Anrude „i'nundi*, 
d. h. Verwuudl«r. sich gebraucht zeigt, ziun Beweis« dafür, 
ium das TerwHndtt^ehatt liehe das FaniiliengefQhl Olierwog. 
Zwe{t«nK aber laswn Hi(di auch Spuren eines Zusammen- 
hange« verfolgen, welcher ursprünglich zwischen der sett- 
lfii!(ng und der Freilassung bestanden zu hal)en scheint, 
lübwohl iliese allerdiiig!« in den uns erhaltenen Quellen schon 
rlekr verdunkelt sind. Wir wisaen, das« nuch einigen älteren 
"^iwi^dischen Proviiicialrechten, nach We^^tgr^t)^ lagen nämlich 
«Oll iWgfttji lagen, ein »tcttlerla" sich an die Freilassung als 
*He uu8chlos8, und dass nntn darunter die Aufnahme des 
rrffi^ylnsMcnen in irgend ein freie« (n*«chleoht verstand, 
*«lche für uothwendig galt, wenn dieser da» voHe Recht 



8<> 



SitMung dtr phiton.-iJiihl. ClasM vorn 3. Mär* 1883. 



eines Freieu gewinnen sollt«.') Wir wiBHen femei ., (lo»! 
auch nach dem ält*öt«u dümschen Kechtsbuche, dem soboui- 
st-heii im]iilii:h. nin ganz rthiilicli henaimt.*'r Act, das «tjtk« 
miin i ffit nun]) s»'", zum glfittlutn Bclinft' crfurderlif.h wur,^)] 
und in der Tliat hat es bei der ebeuh<o kierji^rcif enden alsl 
um fitzenden Bedeutun^ d<?r Verwandtschaft ini ältesten K**chte ] 
nichts Auffälliges, wenn man behu Kreigelaaseueu. welrber] 
Ton Haus ans keine freie Verwandtschaft hatfce, einen kiin><i^] 
liehen Krsat/. ftir dieselbe zu l>eHchaäfen sucht«. Da nun diel 
a»tt,leidiii^ in Norwegen nrsprütiglich nur ftir den Sohn ge- 
bräuciilich gewesen zu ^eiu scheint, welchen ein freier Mann 
mit einem imtreien Wtiilx? gewann, liegt die Vermuthung 
nahe , das» diesellie auch hier mit Her itrNprnnglicheu M 
Unfreiheit des Kindes /.usammen gehangen haK'n wenJe. ™ 
Ünächte Kinder freier Mütter hatten von Vornherein am 
Gew^hlechte ihrer Mutter Antheil , und erlangten »i>lchenl 
nl>erdie.'^ auch am (tcjichlvchte des Vater^ durch die bl««? > 
Feststellung der Pat^Tnihet: beim Sohne einer unl'reieit 
Mutter allein nni.sste nian. wenn man dessen Lage verbessern 
wollte (bceta rad sonar sfusi*) -zu jenem Acte greifen. ^ 

1) Alis KlHrrtten OUL. .-Krffjwlt. 20: vpl. 25, pr. Siehe aucb 
MordiDtrüm , Hidmi,' tili den «vcnsku »f»jiihäll)*Rlri'nttninK-ens hii*Uimv 
T, S. 100, Anm. ; UjcflsiuR, AnnAler fnr nortlitik Olilkyndighed oß" 
HiHtone, 1862, S. 267— 69: WÜda, T'näclite Kinder, S. 25— a? , 
von Amira, Nordgennanischcs Oblina-tiononrecht, I, S.MI, 

2) Skäne L. 123—24; Andreas Sunesen, 52 und 73. 

3) GI)L. 58. 



Hist^irische Classe. 

Herr Friedrich v. Hi'7.oM hielt cini-n Vortn^j: 

pUeber Kaiser Kudolpb II. und >(Iie heilig-e Ligfi 
D^TH^IFip wird in den .Abhandlunffen** verötfentlicht werden. 



Herr v. Drnffel luacbtc Mitthoihmgen: 

«Ueber die er»ten SesBionen de» Tridentinnm « ' 



Oeffentliche Sitzung der königl. Akademie 
der Wissenschaften 

lur Feier de» 124. tStii'tuugstages 
lim 2H. März 1883. 



Der Herr Präsident von Döllinger verkinidete Fol- 

deft; 
Die 



hutte 



luhre 1881 



Akademie der Wissen sc ha tton 
rar R^werbunjjj um den von Herrn Christukis Zu^raphos 
in Cuiiütjmtinopel ^«»lifh'ten I'reiö auf V<irjM'hliig der philos.- 
pbilnl. CliifVü awei Aufgaben gestellt, dnroli ihren eine ge- 
("rd^rt war: 

.Kin^ehende l'ntersmhung flher den Unifan^f. den In- 
halt und den ZwH^k iter unf Ventn-stiiltiing de* Kaisers 
CiinstnntiD<M \'II. Poriihyrngermetos geniai'hteu Samm- 
lungea von Excerpten aus den Werken älterer griechi- 
iclier StdirifUteller;- 
I indem nnn Ober die recht)«?itig mit dem Motto 

,0i toi an* ^ItX^Ü navta i)-Eai. v^fi/zoü.* v.'tidtt^av^ 
(£U(r jQOvtit ^i^tom't€^ i<f£v^t'anovatv aftetyov" 

(XnQopliime«) 
i8»^l«ifene Bearbeitimg das Urtheil der philos.-philnl. Ciasse 



88 



OtffenÜiche Stttung tm 38. Man 1S83. 



dahin lautet,') diu« durch dieselbe die Äuf^be in streng 
wiiseiiw^hatlliL'her Methode gelöst sei, erkennt die Akademiefl 
dem Verfasser den vollen aungeaetzten Preis von ITiOO Mark 
-£u. Der Nnme des Verfitöflers ifit;: Carl de Boor, Dr. phiLj 
Aääistent an der kgl. Bibliuthek zu Berlin. 

Ferner stelH die Akiuleniie auf Vorschlag der geiianntenf 
Classe folgende zwei Aufgaben: 

1) in Wiederholung rli'.s zweiten im Jahre 1881 gegehenenl 
Thema'i, jetzt mit dem unerstreck liehen Kiulicferung»-J 
Termine Hl. December 1884: 

.Eine kritische Bearbeitung der Werke der griechi^ 
sehen Kriegsschriftateller — mit Ausnahme de« neuerdings 
mehrfach bearbeiteten ToKTtxov v rro ftvtjfta des Aeneio? - 
nebst Unterauchungen über das Verhältniss der ein7.elnen_ 
Rehriftsteller und Schriften KU einander.' 



l) Der Wortlaut dienes ürtheilet» int folgender; «Die vorliegend^ 
Umarbeitung drs }'rei<«t)ieu]a« h»t Kwnr den itegenHtAnd der Aufgafa 
inKofeme in eng<'re Crilnzcn gezoffen. ul« um skh üut' die hiHtoriH-ben 
Excf^rpte. lillerdingK die wichtigiites, iieüchrünkt : alleiii *•» ist daf&r_ 
die nothwendigff um! binsreicltc&de Begnlndimg nicht unterltuKea 
Dagegen hjit der VcrfnRser seiner Untersiiohting «inen zweiten iin 
f&nglicben, inbalt^reioben und wohl »ngeptiKrtton Theil iinge»cbloM*en^ 
welcher diis VurhiiltnJHJi (lt*s Snitiiwi 7h jener hitdorim-lien Excerpt**a 
liHiDimlDng zum Oegenwtunde hat; eine Untersuchung . welche nii 
ebenHOviel FleiBH al» Geschick und Talent geführt zum Ergebnis 
gelangt, da»» die volhtändigc Sumnilung der Kxcerptc des Coostantii 
der CompilatioD de» Lexikographen mit Kur Unterlage seiner ArtH*i|| 
ge<lient habe. Di« BeiirWitung als lianxen wie in ihren Tbcilen «eogi" 
Ton ernstem und gewixxenhaOem .Studium und nicht gewi^hnliober \'vt- 
tntuiheit mit ileni itegenntandc in «einen verschiedenen Bexiehungen; 
dieselbe verdient gerechte Anerkennung, daher die Clu^iie den Verfaiuer 
unter hesonderer Betonung der t*lreng wissenachattUchen Methode 
Meiner UntersuchnTtg fl^r vollkommen wiinlig des aiutgeaetzUm Frei« 
erkl&rt,' 



r. DäUütger: Nekndotf auf Adolf Julius Freiherr r. Nirthamntfr. 89 

2) als neue Atif^be, und zwar mit dem unerstrecklichen 

KiolieferuiiKS'Teniiine 31. Deceinher 1885: 

.Eine Diirstellmi^ der TMinij^ra[>hie uml ClHschidite 

der l-<andNchafl Eplrus im vhiasiychen Alterthunie bis 

auf Diocietian.* 

Die Bearbeitunj^en dürfen nur entweder in dent^pher oder 
in lateinischer oder in j^riechi.'M'her Hpniche geschrieben «ein 
nnd mOaaen an Stelle de« Namens des Verfjussen* ein Motto 
^tragen, welches an der Aui^senBeite eines niitfotgenden den 
Namen de« Verfn^«erH enthaltenden vexschlosKeueu Coiirerts 
witfder kehrt. 

Der Preis betraf, fiir jede der beiden Aufgaben je 
2000 Mark, wovon die eine Htilfte sofort nach der Zuer- 
kenuung, die andere Hälfte aber erst dann zahlbar ist, wenn 
der Verfa»Ber filr die Druck- Veröflenttithung seiner Arbeit 
genngende Sicherheit geboten h»t. 



Femer spmch der Herr Präsident von Diillinger: 

Wir haben zunächst der Verluste zu gedenken, welche 
im verfloesenen .hihre ungewöhnlich zahlreich und sehwer- 
wi^end unsere Akademie getroffen , und der Wtssenschatl 
manche Zierden erst^-n Itauges entriKscn haben. 

Adolf Julius Freiherr von Niethammer unt*er Khren- 
iiütfjlied starb in Adelliolzen am 2^. Juni. Sein Gntssvatt'r 
war J^arrer zu Beilstein in WUrttembei^, sein Vater war 
durch den mit ihm befreundeten Si^hiller, den Dichter, Pro- 
Üenor cler Theologie in Jena geworden , wo er in Verbiud- 
nng mit Fichte eine phiKwophisi-he Zeitschrift herausgab, 
ging dann mit Schelling von Jena nach Wllrzburg; imd 
bat dann anf das höhere bayerische Schulwesen in Miner 
Bigenschaft u!« Centralwlitilrnth im MiniMt<'riuni des Innern 
lange Zeit einen mächtig bestimmenden imd wohlthätigen 
Bindu.« ausgeübt, wie er denn auch unserer Akademie von 
1808 an, ttl>er 30 Jahre lang angehijri«?. 



L 



0*> 



tk'ffmilicht SUtufuj rmu as. März tHS3. 



Die Familie Niethaiiinier wi also, gleich andern , (leren 
Xiuut'ii hei tins vom bt'sieii Kluii^t: siuJ , ans dein wt»l- 
licheu Niichbiirliiudt* bei uns eiiif^ebüi^eil, iind ich erwähnt? 
hier nur die Namen Roth. Schelling» Regel. Pfatf, Plank 
um daran zu erinnern, wie das geistig so gesegnete Wilrttem- 
Iierg den fast eiii/.iii^en glilckliehen Vorzug wie in der \^er- 
gangenheit so anch lieiite noch g4!aie:<f<t , eine Menge Heiner 
besten Männer an andere deutsche <Taue abzutreten und doch 
stets reich zu bleiben. 

JuÜTis Niethammer erwuchs in einer l'mgebung niid 
nnter EindrÜiken, wie sie kaum günstiger filr seine Ent- 
wicklung gedacht werden konnten. Bis kam ihm trefflicJi 
zu statten, das« er der Sohn ein*« Vatei-n. dem l'nterriohts- 
wesen , Er/.iehung zum Lebensiwruf gew(trden. Krühreif 
hatte er schon mit 26 Jahren das Amt eines Regiennigs- 
raths errungen . 17 .lahre blieb er in diesem Venvaltnngs- 
(lieiifite. und als die Verlegung der Univeniität Landsimt 
nach München den Wunsch , auch im höheren Lehramt« 
HJch zu versuchen, erweckte, nbemahni er als E*rof. honc*- 
rariuö Vortrüge über staatswirthw haftliche Filtrier an der 
Hochschule, und lehrte 11 .labri^ lang voraflglich Finanz- 
kunde. Kr war indes«, durch seinen Vater Besitzur eines 
gmwen Venuögen.s, dnreh den Ankiinf eines ausgedehnUMi 
Gütercomijtexes GrossgrundltositTer geworden, und hatte da- 
mit den Grund gelegt zum Eintritt in die Kammer der 
ßeichsräthe, welcher im Jahre 1H37 erfolgte. L>amit war 
sein Licht auf den rechten Leuchter gestellt. Niemand 
konnte besser geeignet .sein fUr die."k' Versammlung als Niet- 
hammer. Denn kaum wurde man im gsuizeu üiniang doft 
Königreichs einen zweiten Mann aulzufinden vernmcht haben, 
der in .hu hohem Grade alle dazu erforderlichen EigenschafU'D 
und Bedingungen in sich vereinigt hätte. Ein gründlicher 
gebildeter Jnrihfc hatte er zugleich in 17 jäbnger Amtstbätig- 
keit sich mit allen Zweigen der LaudesverwiiUung vollkommen 




r. DötttHiffr: Nrkrnlofj auf AilfAf JhUhx Freiherr «. Niethammer. Ol 



vertraut geniacht Indem er die HewirtJiHcbaftun^ seinm 
grawen Grundbesitzes selbststämlij? leitete und ill)erwacht<j, 
kuDi er mit uMcn Klassen des WIks in ßernhning, lie^ass 
ein feines Verständniss für die Hedürfnisse, V'ururtheile und 
Eigeubeiteii der IjundeHhevöIkenm^ sowohl ii\n der HtädtiiK'lien 
Mittelkluäseu. LeuLselig und HyniputhiHch, wie er war, gab 
lun! empfing er Vertrauen. Drei Könige ehrten in ihm den 
treuergebnen , uneigen nfitzigen , einsichbt vollen Staatsmann. 
DetiD er verstund es wie wenige, Hingebung un die Mununbie 
mit energischer Vert.retung ötändisclier Rechte iuicb in rlen 
«4chwieng»teu bagen und ernateu ConSikten iu Einklang ku 
rrbulten. In der Kumraer bewährt« er sich als rH8tli>tier, 
die Ueschat^ leicht und rasch R>rdemder Arbeiter, in Keinen 
uihlreichcn Beritrhterstattungon KürÄtMuit Kliirhtnt vcrl)indend. 
S« schien eu rielbstversändlicb , doKü er als erwählter erster 
Sekretär in das IJirektorium der Kammer eintrat, der leit*>nde 
lieist deHsell>en wo nie und bis hii Ki>in Knde blieb. Alle 
(te»et/e im wirtbsi^hafllichen und ftjianziellen (iebiete sind 
unter seiner >Iiti^irknng, mit seinen tJorrectnren y,u Stande 
gekommen. Und wohl darf Mob die Anerkennung einer so 
ansduueniden , mOheTtdlftn, 4"» -hibre Iiing f(irtge«etxten Thätig- 
keii. miiäs »ich wohl zur Bewunderung «teigern . wenn wir 
erwägen , dasK er auch noch dem Nieder bayrischen Land- 
nithe angehorte, und ditsf? er 2'i Jahre lang «rster X'orstand 
des bindwirth-schafllichen VerciuH war. Ek war das fflr ihn 
nicht ein geä4:häftsl(«»;r Ehrenposten; vielmehr ward er 
inmter wieder erwälilt, weil alle wohl erkannten, da% er mit 
H^inem Schatz von Kenntniasen. mit seinen EHahnmgen als 
pmktiHcher Laudwirth und seiner hohen gesHlbirbaftliiihen 
Stellung für die Zwecke des Vereins von unschätzbarem 
Wertbe nei , und Niemand wirksamer als er die Vertretimg 
der \'ereins-Interu4>en an miuisgebender Stelle führen könne. 
Ein an thatvolles, dem ötTentlichen Wohle mit Aufopfer- 
ung sich widmendes Leben pHegen Männer, welch« wie Niet- 



92 Otffeniiidu Sitzung vom 28. Märt 1883. 

haimner mit der Fflüe irHisohpr <ifit4»r und (ietiussniittel aus- 
Ke»fcattet sind« nur »ehr selten darziisiellen. Vm w) gewiner 
ist es, diu« alle, die ihn kannten, dus Andenken dieses ächten 
Patrioten »teUt tu hohen Bhn^n hatten und segnen werdeai. 



Der CltttwenHeiTetär Herr rou *» iesebrech t sprach: 
.Im Auftrage des verreisten Hecretärs der jihiltwitphisch- 
philolügischen (.'lasse Herrn v un (* rii n 1 1 habe ich der 
srhmeralicheii VerhLste zw ^'edenken, welche diese (U:if«e im 
Laufe des verfloNteuen .fahre» erh'tt>en hat. Kh starb am 5. Ob- 
tober lfl82 ein hochverehrtes ordentliches Mitglied, der [)irpctor 
der Hof- inid Staatehibliothek Dr. Carl von Halm, zu 
deRsen Ehren heute Herr I'^niversitJitsi)n)fessor Dr. Eduard 
W r»! f f I i n , nrdentlit'hes Mitglied unserer Akademie, eine 
Gedächtni«srede halten wird. Erst vtm- kurzer Zeit hat die 
Cla^e noch einen anderen Verlust /.n beklagen gehübt , in- 
dem ihr auswärtige^ Mitglied Dr. Adalbert von Keller, 
ord. Proft-ssor an der l'nivcrsitüt Tülnngcn, ein um die gtur- 
mauiscbe und r<imanische Literattir des Mittelalter» .selir ver- 
dienter Gelehrter, am 13. März verwchied. Ein Nekrolog aiif 
denselben wird in den Sitzimgsberichten veröffentlicht wenlen*. 



Dieser von dem Kecretäre der philns^ipbisch-plülologisohen 
Classe Herrn von Prantl verfasste Nekrolog folgt nun- 
mehr hiemit: 

Heinrich Adalbert von Keller, welcher unserer Aka- 
demie seit dem Jalire lS5ti als auswärtiges Mitgbed ange- 
hörte, war in dem gleichen Orte, wie der bekatuite Historiker 
Pfister, nämlich in Ploidelsheiui (im Oboramt Marbach) in 
Wtlrttembei^ am 5. Juli 1 H12 geboren und erhielt den 
ersten Unterricht am Pädagogium zu Esslingen . worauf er 
(1823) an das Gymnasium zu Stuttgart kam, woselbst er 
bereite in einem jugendlichen dichterischen V^ersu^he Heine 



r. PrautI: Nekrototj nuf Hehtrich Aiinlhtrt ro>i Kelter. 93 

Begabung betbiiüj^*» (fKin Tag anf Hohenstaufen oder die 
scfawäbischeu Pü^er , eine dramatische Skizze filr Familien- 
kreise"). Im Jahre 1830 bezoj^ er die Universität Tübingen 
ahi Studirendt'r der TheoUjgie, welches Fach er jethich bald 
verliefw. indem er unter l'hland's Leitung sich mit grüssteni 
Eifer mittelalterlichen Sprach- und Literatur-Studien hingab. 
Xachdeni er 1S35 sich fils rrivat<lncent f!lr germanische «nri 
rtimauiM:he Literatur liabilitirt hatte, begab er »ieli nm-h 
Pari», wo er hauptsächlich dos Studium des AittVaiizTisisehen 
btitrieb , aber auch da« Altspanische in den Kreis seines 
lunic.henden Streben^ lH'i7x)g. Rinc ernte Frucht dieses ein- 
jährigen Autriitfaiiltt« war die VenJ^Tentlichung vtm ,Li ro- 
mans des »ept sage»* (183fi), worin er ebenso wie diirrJi 
die bald folgenden 2 Bände „Altfranzösiselie Sagen** (1839 f., 
2. Auflage 1 H7)i) , ferner dm*ch seine Ausgabe de« ,Ko- 
manceni del Cid" (1839), sowie »Zwei Fabliaux" (1840') und 
• Li rt>mans du chevalier uu tetm" (IB41) seinerseits die von 
Kr. (vhr. Üiez ausgehenden und geleiteten Restrebungen der 
raraaniHcheu Philologit' unteratUtzte und förderte. Hiebei 
Uit ilun eine im Jahre 1840 unteruammene Iteise nach 
Italien mittelst Ourehfor.-'chung der .Vlarciana in Venedig 
und der V^aticauu in Honi reiclilichste.s neues Material , und 
[ilferhaupt hatte sich bei ihm bereits mn diese Zeit jene 
Art nnd Weise wissenschaill icher Tlmtigkeit festgestellt, 
welcher er Zeit seines Lebens stets getreu geblieben Ist. 
Sein Strelmn nämlich war niclit so fiist auf abgerundete »der 
gur 8y.stemutische Darstellung des von ihm gepflegten Qe- 
bieie« gerichtet, sondern es handelte sich ihm um «üe Hebung 
Kahtreicher bis dahin verborgener Schätze der Literatur, wo- 
bei er in voller ßeherrschung des weiten Umkreises des 
(iermaniscfaen und des Komaiijschen mit dem hingehendsten 
Kla.'oe eine seltene Findigkeit und gewundten Scharn>lick 
becQglich der Itir die Wisuenscbaft wertJivollen Erzeugnisse 
rerband , so daris ihm hierin .««eitens der FachgenoHsen der 



94 



Oeffrntiiehe Sitsuntf ivmii 3«. Afi'iri tSS3. 



bleibendste Dank gesichert ist. zn welchem gar nmnche der- 
selben ihm iinch personlich verpflichtet sind , da er in li- 
ier fvrisrheii Angelegenheiten stets ein I>ereit williger Helfer 
und lieltenswünliger Benither war. Viu\ sowi(! er den 
DeuUclieu versehitnleiie Erscheinungen ihrer Literatur, welche 
in Vei^eßsenheit zu gerathen drohten oder bereite genitheu 
waren . durch kritische neue Ausgaben wieder in das lite- 
rarische Hewnsj^tÄeiii zurfickrief , «> giong daneben mich das 
BentrelMMi her , wichtige Schrillen ans dem Umkreise dea 
Konianischen durch gehingene Uebersetzung dem deutt*chen 
gei^ildeten Pulilikuin näher 7.11 bringen. 

Nachdem Keller nfwh als Privaidocent (1887) die Strile 
eine« nnterbil)!i<ithekars erhalten hattr, wunle er 18 II «um 
»iiKsenirdentliohcn Prntrssnr niid 1>*M auf ilcn his dahin nn- 
besetxt gebliebenen Lei»r.sLtihl l'hlaud's zum Ordinarius be- 
fördert, womit gleich?,eitig die Ernennung /.um Oberbi- 
blintlifkar rrtolgto, welch' k'tztere Stelle er aV'r schon im 
Jahr*' \Hiyi) wieder niederl»*gte. Als Lehrer sammelte er 
8t«tH Euhlreicho Schüler um -sich , auf welche er anrcgendst 
wirkte, und xugleicli spann sich seine schnftwtellerisch*' Thätig- 
k<»it in unnnterbrocliencr Hcihenfidge fort. lOr vernffentlichte 
nämlich ziinnch.st gcmeinschuttlich mit Notter eine l'el^er- 
setzung des Orvantes (12 Hiind**, 1838 — 421. dann selbfit- 
.Htändig eine Uebersetzung der Gudrun (1840) und aUbnId 
hernach gemeinxam mit Itapp eine Uebersetzung Shakespeare'» 
(1843 if.), «)wie gemein-^chaftlich mit E. v. Seckendorff in 
dentscher Uebertragung , Volkslieder aus der Bretagne' (1841). 
Daneben und in {len närh.^ittolgenden Jahren erschienen ; 
.Üiocletian's Lelien von Rhhi'l" (1841), „Gesta Ftomanoram' 
(1842), flRömvurt. Beiträge znr Kmide mittelalterlicher Dicht- 
ung ans italienischen Biblintln'ken" (1844), «Des vom Wirtem- 
berk pnch" (184.%), .Altdcuti?che (ledichte" (7 Bände. 184(5 
bis 1880). «Alte gutt^ -Scliwänke* (!847, 2. Auflage 187Ö), 
, Lieder Heinriche von Wilrtt^-inherg" (184i>), , Lieder Gnil- 



I 




C Prntitl: N'rkrohtft auf Heinrich Aitnfl/rrt von Keller, ( 

lenw von Bnrgiinden' (1^49). Nachflfm Keller nach dem, 
Tfidf» Fr. V. Knllt'':s im .lühre 1850 FnisHifnt des !iterHrir*i:heDl 
Ven'iiies in Stuttgart j^ewdnleri wur, wirkte er in umsich- 
ti^;>4ter WeiHe ttlr «lius (n^leihen de/* Wr^^in»» und entfaltete 
bei lieraasgRlif der Piildikrttionon desselben die edolj^reichstt» 
Thätigkeit. Diw lebhafte InlereK^e, welches er ftlr diese be- 
kajintlicli ho t'nit^htreiehe (n^ellstdiiift liegte . hetliüti^tj- fx 
nicht nur dureh zwei mil" dieselhc heziij^Iiche SL-hril"ten, 
nämlich «Zum hundertAten Bunde der Hililiothek de» tite- 
mriaohen Vereines in Stuttj^uii* (1870) und .Bericht [iber 
Flntiftehun^ und Port^an^ das lit^-rari-srliei) Vereini-s in Stntt- 
jpirt' H^82), simdeni wm-b durrh zablreifhe werthvoUe Bci- 
triige, welche er jsnr genannten „KMdintliek" lieferte. Dort 
näiulich veriiftWitliehte er: ,1'roben vom Marier leben «le« 
Wulther v. Itheinan" (18-11* und 1853), ,M*M.st^'r Alt*wert" 
(grmein.Hc.lmtllich rait W. Holland IH50). eine Einleitung zu 
Bei!hBt(>in'd ÄuBRabe vom AUn^ des Heinrich Witfcenweiler' 
(18*11). .Kiwtnaehts-.Sinelt' ans dem IT). Jahrhundert" (1853), 
dann eine crsti* kritis<rhe Textwnsgabe dp« ,Sj(n])lici8.-iinni.s"' 
(4 Bände, 1854—02), .Kr/.ilhluiigen au» ultdentiMihen llnnd- 
achriftm g«vumnielt'" (1855). «Martina von Hugo v. Langen- 
Mtein' (I851j). da« ernte Buch des ^^Amadis" (1857), ..lak. 
Ayr»rV Dramen" (5 Hände, 18«i5) , «Das deid.sclie lleiden- 
bach' (lHti7) und eine Angabe der Sehriflen des Hans 
Saehx (i» Bünde. 1870 fl'.i. Nel»en liiesen Publikiitiunen 
in der Bildintliek des \'ereines ei'HL'luenen während iles 
f^lvtchen Zeitraumes: «Murcabrun, ein Lied' (1H41>), ,Uuit. 
T. Bergnedan's Lieder" (1849), ^Eiri Spil von einem KeUer 
undeim A|it* (1850), .Mitt^ülniederländischu üedichte" (1851), 
.lUilienischer Novellenschatz" (<i Bünde, 1851- 5*»), ,Karl- 
ineinet- (1858)» «Nie. v. Wyle Translationen* (1«*)1), ,Alt- 
deutM>he llundKchrif^eu verzeichnet' (t'i lleft^? 18l»4— 72), 
,Cy eiiuiuieni'e un miratde de nontre dame* (1805), .Die 
liltdentache Kr/ählung voiQ rothen Munde*" (1874) . ,l)arf 



ftfi 



OrffrtttUehf Silsuftfj rom ^N. März JHfi3. 



Nibelmigenlied nuch der Piaristeii HiuKtsehnft" (1879). 
Ausser der Thätigkeit. welche in solcher Weise auf Ver- 
öffentlichung verHchiedrnartiger Texte gerichtet war . he- 
schiitltigte .>icli Kellrr uiii^h mit Dtalektr-Kurschimg, unil in 
dieser Iticliiiiiig beHlisichtigt«' er. ein voIlKtüutliges «Schwä- 
bisches Wörterbuch" herzustellen, auf welchen Plan sich eine 
akademische (telegenheitsrede , Anleitimg zur Sammhing (\en 
.schwfthist;hcn SprachschatKcs* 0*^'''''>) I*e7,icht., .-«owie hicnut 
die bei der Pliiluhigfii-Verwammiung im Jahre 1877 vorge- 
legten .Tliexeu über die Lautbezeichnutig [lichtflebriftmiUsiger 
Oiulekle" ziiwunnieuhiingeii. Aiu'h stand er jenen württeiu- 
bergischen I)ic.ht4'rkreisen nahe, welche sich uin lihtand go- 
scliaart hatten, und o» verstand »ieli hiemit von selbst, dons 
er bei dem riilanJ-Vereine für Orünilung eines in Tfibiugeii 
zn er richte ml eil Denkmaleji sich betliütigte ; wichtiger aber 
ist, dasH er gemeinHcliatUich mit Hotbuul und l'feiHer ^tblund'ji 
Schriften zur (Jeschieht*" der Dichtung und Sage" (8 Bände, 
lötiö — 72) herausgab und selbstHtandig unter dem Titel 
„Uhland als Dramatiker' d«n dramatischen Nachlass dea 
Dichtere veröffentlichte (1877). Bei Gelegenheit der aka- 
demischen Schtlter-H'eier im Jahre IHriil gab er .Beiträge 
zur Schiller-Ijiteratur' heraus, welche eine Fortsetzvmg fanden 
duruh , Nachlese zur Schiller-Literatur" ll800). — Nachdem 
Keller bereitu in den letzten Jahren viel von Krankheit zu 
leiden gehabt imd sich iifter» zur kö)-])erlioben Krbolung in 
Baden-Bailen «idcr am Bixlensee aufgehalten hatte, verschied 
er am 13. Mär/. 1888. 



if. Oi^Hcbt'eeht : iVrJtro/ü// nuf Dr. Heinbf^d Pmili. 



97 



Der ClaBBensecretär Herr von Giesebrecht Hpracli 
ferner : 

.Die hlsUirisi^hi! (Mtisst* hat im verHossenen Jahre zwei uus- 

^irärtig»; Mit4;li(?Kler Hiirch ilen T™1 verloren. An» ^^. Juni 1882 

_starb zu Bremen Dr. Beinhold Pauli, orrl. Professor der 

!schicbte an der Uuiversitiit Oöttingen, ein um die histo- 

che Wissf'nsrhfift hochvpnlient^r Gelehrter, der 25 Jalire luug 

erer Akadeiiiit« uiij^i-hörte inui bei Ttttereii Heynebeii Miiii- 

hrtiM vielen Mitgliinlrrn (Ierse]!»en auch perw^nlich näher ge- 

lr«U*n ist. Am 24. Kel>ruar 1883 strtrh zu Tiiriti Ercole 

Bicotti, Präsident der (lotligen k, Akademie der Wisseu- 

•schaften, einer der angesehensten Vertreter der italienischen 

Hi»torii^rii|jhie, seit I87P Mitglied unserer Akademie". 

Sodanu wurde voui Cla»ien!4ecretär uuf die nachstehenden 
Nekrologe verwiesen: 

Keinliold Puuli wurde am 25. Mai 1823 zu Berlin, 

Vater damaU Prediger an der Werder'»ehen Kirche 

ar, geboren , kam aber srhoii ii] frühester Kindheit mit 

(einem Vater ni«;h Bremen. Hier i?rlueU t?r huupurHihUch 

**ini' Schulbildung; nur die letzten (jyimiasiuljahre verlebte 

wieder in Berlin, wo er 1842 auch seine Lfniversitats- 

'whidieM l>egunn. Schon j'rnli hniU- er eine besondere Xeignng 

für die OcKchichU* geiw'igl und imi>ir dum persönlichen Kin- 

iiuue ICauke'et befestigte sich mehr und mehr der ßnt^^hliv» 

dfü jungen Studierenden, will Leben vnrzugsweisp hi.''tf>risi;hen 

Studien zu widmen. Bereits alx Knabe mit der englischen 

Spracbif und Literntur vertraut, iflblt*; er nich buld zur fle- 

iiiehte Kuglandä l»et$onders hingezogen, ami als er ein -Inhr 

einur Univeraitütistudieii in Bonn vt-rlHbte, waren iw Ix?- 

>udcr» die Vortriige Ibihlnninn.s filwr die englische Revolution, 

reiche auf ihn tiefen Eiudniek nuLcliten. lndei«en wuren 

tino enden eigenen Forsclnnigen der allen (.ieschichte zuge- 

IIWÜJ. Philo«.-philoI. hict.Cl. l.| 7 



98 



Oeffenllirke SiUung vom 38. MSrs tSB3. 



weudet; aiifGruutl stnutr Dissertation: ,De pace Äntulcidea" 
erhielt nt 1840 iii Berliu deu Üoctot^rud. 

Etitat'hfiJi.'nd für Paulis Lcbeu wurde Oä, das« ibiu imcb 
B««ndiguiig seiner CnivcrsitäUstudieii alsbald eine Uaiislchrer- 
stelle in einer schottisehen pAntilif angeboten wurde. Er 
nahm sie um sto lieber lui. als sieh ihm daniit diu Aiusiclit 
eröffnete. England zu sehen und tiefere Studien für die eng- 
lische Geschichte /.u machen. Da er »ich in deu lehitereu 
2U sehr behindert fand . verli»» er nach kurzer 'IgM die 
HatLslehrerNtelie , blieb ul>er in England und gal> Kieh nun 
mit der gauzen ihm eigcuen Lebhufligkeit der Durehfurschuag 
der genuinen Quellen der engliächeu (fe^ihichte hin, die er 
grossentheiLs erst niUh-sant in den .Archiven und Bibliotheken 
autNUcheu musste. Ein grosses (tlück war es für ihn, ilass 
er im Stmimer 181V» mit Hunsen, der damal.'« preuiwi.'it'her 
Gestaudter in Lundou war, in nähere Bexiehuugeii kam. die 
schliesslich d.ihin filhrten, dass er als Privatsecretär in dessen 
ffauH eintrat. Mehrere -lahre hat Pauli in dieser Stellung 
verharrt, weUthe ihm Oflcgenheit Uit, nicht nur mit hervor- 
ragenden Persönlichkeiten l>ekannt zu werdeu, sondern auch 
alle |K>litiselieii und socialen Verhältnisse Englands grilndlich 
kennen zu lernen. 

In diei$er Zeit trat auch die erste Pracht von Paulis 
Htuiiii'U !ur die engh'.Hrhe Geschichte unter dem Titel: »König 
Aelfred und seine Stellung in der Geschichte Englands* an 
das Licht ll85l). Obwohl zunäclist fflr Deutschland be- 
stimmt, fand das Werk doch auch in Erigland die gflnstigste 
Aufnahme, und wunie ulsbald in zwei lleijersetziingen ver- 
breitet. Die gruHste Autirkcnmmg gewann jcduch dur junge 
Autor dadurch, das» Lup^ieuberg, als er durch Krankheit an 
der Forteotzuug der GL-skrhichte Englands iu der Heeren- 
Ukertischen Staatengeschichte verhindert war, ihm die Ourch- 
fnlirung de^ wichtigen Werkes überliess. Dieser Aufgabe 
hat sich dauu Pauli während der letzten Jahre seines eng- 




V. Giaitbrtchl: Ifekroloy auf T)r. HfinhnUi Pituh. 



09 



Bflchen Aufenthalts mit der vollsten HinjfebunK gewidmet 
und in drei Büiidon LnppenlKTgs Werk liis zum Beginn des 
16. Jahrhundert» fortgeführt. Es ist allgemein änerkunnt, 
ditsa Punli durch sein Mmfik^s4!n(U's, «'inilriti^licIicH Qtietlen- 
»tmliuni üIkt die von ihm heluiinlelte l^eriude ein m^ues Licht 
verbreitet hat, so dm« alle weiteren Forsehunseu über die- 
Kelhc an sein Werk anknüpfen mu»sten, 

AJs l*auH im Sommer 18'»") nach Deutschland zurück- 
kehrte, bracht« er IwreiLs ilen Namen eines Ijcwührten *ie- 
Dchichtti^orsehent mit, und er dnrfte erwarten, in der Heimat 
ohne Muhe an einer Univermtüt einen Wirkungskreis zu 
fiuden, wie er ihn sich ersehnte. Dennoch «^elanj^te er nicht 
so Jjald an da.-* Ziel »einer Wünsche. Nntdidem er ein Jahr 
Un^ i\\n Privatd'H^nt VorleHuugen in Bonn gehalten, l»egab 
er sich im Wint*'r IHnti/ft?, einer Kinladuug König Maxi- 
milian» M. folgend, nach München, und die hochherzigen 
Beutrebungeu des Königs für die Forderung der GwicHichtfi- 
wiaBonpichaft konnten ilie Rotfnnng erregen, daas Pauli hier 
eine dauernde Stellung gewinnen würde. Diese Hotfnung 
eritÜlt»" sich nicht, und mt folgt« er (iineni Rufe als ProfeHsor 
der Geschichte nach Ro«t<»ek. Nur zwei Jahre verlebte er 
hier, t'ine Zeit wehwerer häuttlicher Leiden . .so da*s er gern 
nach Tübingen übei'»iei leite, hIn ihm doii. ein Lehrstuhl an- 
geboten wurde. Erst hier gelangte er 7.n einer fruchtbaren 
und ihn selbst iH'frieiligendeu akadenii-sehen Wirksamkeit, die 
leider ISÜii jab unterbrochen wurde, als es die Itegieruug 
augezeigt fand, ihn in Folge eines die Verhältnisse Würt- 
t«uibt*rg!j scharf kritisirenden Artikels in den Preu-säischen 
Jahrbfichem an d>us niedere Seminar 7.u Hchi^nthul zu ver- 
tieiz«n. Pauli /.og es vor, den württ^-iubergi.schen Staatsdienst 
zn verlassen, wui-de aber bald wieiler dem akademischen 
LehrWruf zugeführt; I8f>7 wurde er au die Univer^iitiit Mar- 
burg und drei Jahre r^püter nach itiUtingen berul'en. lUcr 
hat dpr viel uniliergeworfene uud iuiuier rastlos fortarlwi- 



100 



Oeffentlirhir Sitzung am 3S. März tHHS. 



I 



teiiHe Ofilphrt* endlicti oinc Stiitte dauermler Ruhe gewonnen 
und nnt4'r rien günstigsten Verliultiu^wn ganz steinen Neig- 
ungen leben kennen. H 

pHiili war von sflir iHhlmft^'ni 'IVnippriiment und ergriff 
mit Euer die verschiedenartigsten Dinge, die In tieijien Ite- 
sicIitHkreis traten. Die niOhflamsten (inelleniintersuehniigen, 
Speeulationen Über den ZusanimenliaHg der historischen 
ThutHaehen, litcraiyescbiehtÜiihe Forschungen, die jxditijichen, 
uatiunalökiinonii-schen und wiciialen Aufgaljen der liegenwart 
beschätligteu in gleicher Weise seinen icgsanien Cleist. uud 
er liehti' pm nicht allein ühiT Alles, was ihn interesairte. im 
Gespräch zu verhandehi, sdndcru auch mit seiner Meinung 
in der Press« hervorzutreten. Die Schni't**U'llerei war ihm 
Bedürfnis«, und er fühlte sich, wie er mir einst sagte» nur 
gUicklich. wenn er mehrere Hohen in der Hsse hätte. Zabl- 
reii'lif Beitrüge hat er zu englisi-hi^i uud deut-aduüi Zeit- 
schritlen geliefert, und aui-ih noch zu solbstständigtMi griiaae- 
ren PuhhcatiDuen innu«'r Zeit gefunden. Unter den letz- 
teren ist besonders henierketiawerth seine ffJr die Hirzel'acbe 
Sammlung der neuesten JStaatenge-sohiehte geschriebene: «Ge- 
schichte Englands seit den Friedensachliis.«*en von 1814 und 
18IÖ", iu welcher er in drei Bünden iHe Darstellung l>i.« ztim 
Jahre 1852 fortgeführt hat (1804— I87r.). Die nniUx»rwind- 
lichen ^Schwierigkeiten einer Aufgabe, wie sie ihm hier gestellt 
war, hftt sieh Pauli am wenigsten verhehlt und weit ist er 
von dem AnMpruch entfernt gewesen. Vnllkoiuniencw geieist*»t 
zu Inihen : Nieuiand wird al>er verkennen, dass sein Werk 
ein ülterans dankenswerthes ist, wie e« zur Zeit kein anderer 
deutächur Uclehrttn- hätte au.tffJhreu können. Kine sehr bei- 
fällige Aufnahme famlen die Hihler ans Alt-Knglaud ., die 
zuerst 18(>0, dann iu zweiter verbesserter .\nflagc 187(> er- 
»ehtenen und in gewisser Weise durch die 18()9 puhHcirten 
»Aufsatw zur engii.schen Geschichte' ergänzt sind. Haukes 
Doctorjubiliiniu in] Jahre 1807 gab Pauli Veruulassung zur 



I 



r. Gicüfthrfcht : Nekrotnf} aal 1fr. Hritilwtit I^ivü-i. 



101 



V«röfFt*ntlichung der werthvollen Munoj^raphie : .^inion yoii 
Monttort, Graf von Leiceeter, der Schöpfer des Hauses der 
Gemeinen." 

Wie thatig auch Pauli unabläscfig für die engliäche Ge- 
«hichte war, wurde es doch Hlwraus sfrlinieulieh eiiipfiiiKlen, 
*{ae» seine Kortj^etzung des Lap})eiibei75'sohen Wi'rkw iiin 
St<K*ken gerathen war. Als ich die ReduoÜon der Kuro- 
pöüchen Staat«ngeschtchte Ul>eniHhin, unterüeüs ich de^fshulb 
Nichts, um ihn zur Aufnahme der ai)gebrochenen Arbeit zu 
vermögen. Leider wuren alle meine Benihhungen tmwonst. 
Er «rkUrte mir. dann es [ilifrhtiiipt uiuiiiiglit^h sri dtts Werk 
in der begouneueu Weise durchzutTihren, vielmehr eine andere 
Meth<Kle Mnges<h.l!igen wenlen nifiase, bei der es auf eine 
mehr «»der weniger einsichtsvolle 0)mpilation aus den vor- 
haudeiieu Ueschichts werken hinaiiNlaufe : einer solchen Arbeit 
krmne er sich aber nicht unterxiehen. da ihm dif niMglich.>it 
vollständige Erschöpfung de« urkundlichen Materials zur 
Lebtmsaufgabf geworden sei; längere Zeit habe er sicii mit 
dem Gedanken getragen, eiue Geschichte Heinnchs VI11. /.u 
«abreiben, aber aucli dieser Plan sei ihm schm zu umfassend 
erathienen und er werde Nii;h mit Monographien Über das 
Zeitalter der Tudors begnügen. In der That tragen die 
meisten .arbeiten, welche er in den letzten .lahren veröffent- 
lichte, den Charakter von Specialfnrschmigt'u, Hip mif neues 
urkundliches Mat<!na1 ItegrÜndet sind. Eingehende Studien 
flber die Erwerbung der engti.sclien Kr<ine durch das Uaus 
Hannover gaben ihm Veranlassxmg zn einem Vortrage, den 
er nuch kurz vor seinem Tode in der Gesellschatl für KircUen- 
rechtewiesenschaft r.n Göttitigen hielt, and zu der Abhand- 
lung: .Die Aussichti'n de.^ Hauseir Hannover auf den eng^ 
liachen Thron i. .1. 1711", welche noch kürzlich als ein 
i)\ni» ])iisthumnm in der Deutschen Kundschau cr>*chienen ist. 

Die Grenzen dieses Nekrologe»' verbieten, auf alle von 
Punli ausgefnlirtcn Arbeiten nfih*T einzugehen, wie auch der 



.••■'" 



. 



102 ,.i'yi)eff'£HtU'bht'.'SitZHHff nm Sft. März JH83. 

■tJUirftpi^Arfieu Pliiiie zu ^wleukeu, mit denen er sich iwmh 
Irug; leider ist auch ein Werk Ober die Geschicht^quellon 
Euglaudfi iiu Mittelalt-er. ftir welches er durch viele Jahre 
umfassende Vorarl)eit+'n gemacht hatte, iinvnllendet geblieben. 
Unerwähnt dari' aber die Fürderimg nicht bleiben, weiche 
anderen b«>deiitei)deti riitertiHliiiniiigeti ans Keinen Studien in 
den Bibliotheken und Arcliiven Kuglandn erwnchs. Anf 
Veranlassung der Berliner Akademie der Wissenschaften 
machte er Abschriften von den für die deutsche Ge^hichte 
wichtigen l'rkunden des Towerarchiv«. welche dann gn>8sen- 
theil:^ in den neueren t^iie)lün]iubUcatiuneu )^ur äeschichte der 
Hanne veriirtentlicht sind. Vor Allem war er aber sowohl 
bei Keinem erstem Aufenthalt in England, wie Ijci späteren 
Be»ucheu j'iir die Monuiuenta (.lennuniai* liisiorica ihütig. 
Zahlreiche Uandschriften hat er für dieselben unbers\icht und 
verglichen, Auszüge ans älteren engUschen Annalen im 13. 
Bande der Script^ires hrTansgegeben, inid auch die FiirtsetKung 
niiHcrer grossen tjuellensammlung wird noch niehrer*! Arbei- 
ten von ihm bringen. Bis zu seinem Ende war er bcnniht. 
da« grosse nationale Werk nach seinen Kräften zu fördern. 
Für die Entwickelung der deutschen Ueschiclitcwisaen- 
schaft ist (w von der gnusten Bedeutung, Männer zu besibten, 
die durcli ihrr- Lebenaschicksale zu einer stets lebendigen. 
wirk>irtnien Venuitteinng uaserer Literatur mit den Literaturen 
anderer Kulturvölker lietahigt sind. Kine wiche Vermittehmg 
haben wir Decenuien hindurch Pauli zn verdanken gehabt 
und sie hat sich in den verH<:hie<lensten Beziehungen tlheratts 
fruchtbar erwiesen ; kaum ein anderer hui mehr als er durch 
lange Zeit die hist4^rischp Literatur Deutschlands und Eng- 
lands in Oontact erlialtcii. Bei <len Anelen Verbindungen, 
welche /.wischen EnghLud und der Hanse im Mittelalter be- 
standen, miitföt« diese vermittelnde Thätigkeit Paulis bestui- 
ders der UeHchichte der Hanse zn (inte kommen, zumal ihn 
zu dieser noch ein ganz itersönliches Interesse hinzog. 



I 
I 



r. Gitsebrechl: Nekrolog auf Ercolf Ricotti. 



103 



Seit Her GrOndung des Vereins lllr hiinsiHclie Geschichte 
(1871) war Pauli eiues tteiuer eifri|;;rste» Mitfflieder. !n der 
Pfiu^ptzeit des vorigen Jahres wohnte er noch der VerHumm- 
luug des Vereiues zu Hannover bei, und Nichts liess damals 
IwfQrchten, dass ihm ein so nahes Knde beschieden sei. Von 
Hannover reiste er zn Verwandten nach Brenica , wo ein 
S^hlaguufall am 3. Juni seinem Leben schnell ein Ziel setzte. 
Mitten aus regster Thätigkeit wurde er abl>erut'en; vei-schie- 
deae Arbeiten waren nach seiner Art begonnen, die nicht 
niebr zum Abs<-.hh)s-< gelangten. Sein Tt>d liess in ilen Reiht-n 
der deutschen Historiker eine Lücke, die nicht su leicht aus- 
geftUlt werden wird.*) 



Ercolc Hicotti wnrde ara 12. Okti>ber 181'i als der 
Sohn eines Arztes» in Voghera geboren, emjtfing den ersten 
ITnterricht in seiner Vaterstadt und widmete sich dann den 
mathematischen Studien auf der 1 ■ niver^*] tat zu Turin. Pa- 
utdMMi zog ihn sch'tn damals die <_ic.'<chtchfcswi:*senschaft he- 
Mmderst an. und so jung er noch war. unternahm er die Be- 
arbeitung einer von der k. Akadeniie der WissHiischat'ten zu 
Turin gentellteu Preii^aufgabe über die Söldnerheere, welche 
in dem späteren Mittelalter auf die Geechicke Italiens einen 
so verderblichen EinHuss geübt haben. Ricofctis Arbeit wurde 
1837 nnt dem Preise gekrönt und t-rschien unter dem Tit«l: 
»Storia delb^ Conipagnie di vcnlurt' in Ttalia" {i Bände) in 
•ehr erweiterter Gestalt 1844 und 1^45 iuk Druck. Dieses 
auf gründlichen Studien beruhende, höchst verdienstliche Werk 
erregte nicht geringes Aufsehen uulI IjcgrÜndete fest den Huf 
des Vcrfaeeers. 



11 BenntKl sind der von Alfred Stern 
Allgemeinen Zeitung \Sh2, BeiLiRe Nr. 2»<3. 
lMlt«Dci (tcflrichtnififri'fle, »ligi'dnickt im 29. 
der k. rie«ell«M.haft der Wi(*fienwhiifl#n 7.ii 
frniphiHche Na4:liworl demwUieu Verfa**er8 
Kandtrhttn. 'J. .fuhix. 6. Hert. 



¥erfa«8te NökroIoR in dfir 
(He von K. Frensdorff ^c- 
Bando der Abhandlungen 
Unttlnf^n, und A&n Bio- 
in RH>denber^s DoutiK-her 



104 



Orffenlliche SiUunfj i-oim 28. Mär: 18S3. 



Bcsionders war es CcKim' Bulbi> gewesen, der das wnssen- 
Hcbal'tliche Streben Hicottis gefordert liHtbe. Auf Balboä Be- 
trieb war Hicotti, kinim 25 .Jahre alt. in die Turiner Aka- 
demie aufgenomnitm worrh»n, und ohne Zweifel ge-schuh es 
auch unter dem KiriHusse BullKiN, duss Hicotti, der nm:1i nil- 
leudeten Studien als lugen ieur-Officier in die pieuinnt^siBchß 
Armee eingetreten war. IS4U die iieubegründetc Professur 
■ für uaoderne üeaehichte an der Universität zu Turin über- 
tragen wurde ; der neue Proft^ssor Übertnilnn '/ugleieb Vor- 
legungen über Geographie und Statistik, die bisher an ita- 
Lienisi'ben Universitäten nicht flblich wjtren. Zugleich ge- 
rieth er tief in die politiijche IJeweginig. Mit Balbo und 
Cavour begründete er 1847 die epochemachende Zeitschrift: 
11 Riso!^j;iiueuto. Auch hei der Ktnführung der cnn^titutio- 
ucUen V'erfuösuug iu Pieiuont war er im Verein mit Balbo tbütig. 
üelturall stand er an der ^it« dieeee seines ÜOnners, dem 
er nach dessen Tode in der Schrift: Della vit« e degli scritti 
del cimte Cesare Bulbo (18M>) ein dauernde« Andenken stiftete. 
Da;* kriegerische Jahr 1H4R unt^rhnuh Ricuttis Lehr- 
thutigkeit; er nahm wieder die Waffen, musstc sie aber als- 
bald niederlegen. Länger fe.ssolte ihn die Politik : in den 
Jahren 184L>— 1803 war er Deputirter zu dem sardinischeo 
Parlament, von 1862 an Senatir des Königreichs Italien. 
Aber Sil weit er es vermochte, lebte er daneben seinem akade- 
mischen Amt* und setzt« auch seine literarischen Arbeiten 
fort. Im .lahre 1848 veröffentlichte er eine Reihe seiner 
VorleäuiigfU unter dem Titel : Corso di lezioni sopra la Storia 
d'Ituliii dal Basso Impen» ai Cimiiini. 1850 und IS'il eine 
Art historischen Leitfuclen», betitelt : Breve Storia d'Eumpa 
e speciahncnto d*Italia. Ein grosses VenlieuBt erwarb er sich 
dann durch die Herausgabe des Liher iurium reipubticae 
Genuensis, welchen 18r)4 und 1857 im .siebenten und neunten 
Bande der Mouumentti hintoriae patriae erschien. Nicht 
minder war von Inti'ri'swe seine 1857 puldieirte Schrift: Degli 



c. GiearbrrdU: Nekmlotf auf ICrcole liimtti. 



105 



acritti di Emauiiele Kiliherixt, iti welcher er Briefe tMmeä 
Wiederherstellers der |)ieiuoiLt«HiM:lieii Miiclit im 16. Jahr- 
hundert luittheilte nnd welche er 1880 diirch die Veröflfent- 
lirhung der Briefe den CardinaU Granvnlla an den Herzog 
ei^ünüt^^. Durch langjährige Korschiirif^cii bCTeittite er dtw 
umfassende Werk vor, welches 1861 — 1869 unter dem Titel: 
Storia della Moimrchia pieiitoiileäe in () Blinden ermdiieii und 
die Geschichte Piemontä vom Ajifaof^e de« l*i. Jahrhundert«« 
bi« xuni Jahre 1675 fortführt, eine Ärheit von hieihendem 
Werihe durch die Benützung eines sehr reichhaltigen, nr- 
kiindlichen Material« und lichtvnlh^ Darsteljini^. Spfiter (IH74) 
veriVtft'utliehte er noch zwei Bande: Hella Htvrduziune prote- 
Ktiuit« nnd Storia della Costitnzione inglese unter dem Ge- 
sammttitel : Corso di Storia modenia : sie sind ans seinen an der 
Universität zu Turin gehalttnien Vurlesnngen hervorgegangen. 
Zahlreiche kleinere Schriften Bicotti« sind in den Publi- 
catiooen der Turiner Akademie der WisMensL-haften*) und der 
Deputazione di Storia Patria an den Tag getreten. An der 
Spitze diesier Iwiden gelehrten IviVrperschatleii ist er aucii 
mich seinem Hücktritt vom Lehramt noch bis an sein Lebeofl- 
ende thütig geblieben. Nach langer und schwerer Krank- 
heit starb er am 24. Kehniar dienen Jahres* zu Turin. Durch 
-eine »on patriutiwher Begeisterung beseelten, auf grfindlicher 
Voruchnng beruhenden Werke hat er fdch ftlr alle Zeiten in der 
Hi^rii^H'apfaie Italiens einen ehrenvollen Namen gesichert.") 

It Z\>oi tlieser Scbriftco Wiiiehon «ich auf di« (»eMchicfat* Kaiser 
FTinlrich* I. nnd hiihI iiueh bt'sondi're nnter (nlm'ndcn Titeln crschiGiien: 
'*»iTTiuüoni critiebe «oprala Ruerni iinlianu deUanno 1174— TSlTurino 
l^Vt nnd Pel valore «tority) dellit hat4iglia dl Lt^gnano (Turino IWl). 

2) Für den Tor«t*'h*'ndon Nekrolog »ind hpnutxt dio Noiizpn von 
"•f. il« liubemaii« iji Dizion»rio tnugrufiiTO Jr^fli i*i.'ritturi in^nleinpo- 
™iiei, Bw*?i .Artikel von P. Pavesi in der rOmi*clien Zeitnng L'Opinione 
1^ Nr. 7tt und 77. wie auch AiifzciclinuDgea von Ferd. Gregroroviafl- 



Verzeichnina der eingelaufenen Böchergeseheiike. 



Fi»» dem Geachirhts- ttnii Aftertliitmsfoisvkefulcn Verein des 
Osfctiandca in Alttnburtf: 

MittheiluDgeu. Bana IX. 18B2. 8^ 

Vom historischen Verein für Schwaben lout Neuhurg in AugsbHrg : 
ZeitücfarUt Jahrgang IX. 1882. S». 

Von der k. prewfsisc/ten Ak<tdemie der Wiftnenschafien in Berlin: 
Politinche Correspundonz Friedrich's de^ Grossen. 1882. 8*. 

Von dem k. fu'idisischf.n AUcrihumsverein in Ihrejidcn : 
Neaes Archiv ftlr sticfaBische Geschichte. Hand HI. 1882. 80, | 

Vot^ der Geadhchnp für bildende Kunst und mlerfHndische 
AUcrthUmer in tjmden: 

Jahrbuch. Band V. 1882. 8°. 



V<m der OherUutsitrischcn Gesellschaft der Wissenschaften in 

GörUtt: 

Keues Lausitzischeti Magazin, ßaiid 58. 1882. %^. 

Von der Geseihehaft für Pommerische Geschichte und Alterthums- 
künde in Greifswaid: 

Nachtrag zur üoKcbicbte des Cist.-Klosters Eldeoa, von Theodor 
Pyl. 1883. 8«. 



SiiuetuluHfffn von DruckschrifteH. 107 

Vom Vfrein für Hamburgiscfte (rtschicfUe in Uamhwrg: 
MittheUuQgen. Jahrgang V. 1883. S^. 

Vom Vernin für Tliüringische Gcschkfile und ÄHerthutnsktmde 

in Jena: 

Zeitschrift. Nem> Folge. Band ITI. 1882. 8». 

Vom Verein für Hessische Geschichte itnd Landeskimdt in Kasstl: 

a) ZeitÄchrift. Neue Folge. VIII. Sapplement. 1882. 4". 

b) Denkmal .lohnnn Winckelnmnn'^. Eine ungekrönte Preis- 
schrift JohflOD Gottfried Herder's, herausgegeben von Al- 
bert DoDtker. 1882. 8". 

Von rtrr (iesdlmhaß für SchUstcig-IIolstcin-Lmtenhurgi^che 
Geschichte in KiH: 

Zeitschritt Band XIl. 1882. 8*». 

Von tfer k. sädisischen Gesellschuft. ilcr Wisscnscfmften in Leipzig : 

m) Berichte Ober die Verhandlungeo. Philologisch-biätoriache 

Claäse. 1881. I. II. 
b) Abhandlungen. Philologisch -historische ClassB. Band VIU. 

Nr. 4. 

Vom htsiorisrhen Verein für rfr» Regierungsbezirk Marientperdcr 
in Marienwerder: 

Zeitschria. Band 5. 1881—82. 8". 



Von der Acatiemic de Afe/z: 
Memoire«. 3. Serie. Aoue« 9. 1879—80. 1882. 8*^. 

Vom Watjihalisnhen J'roviniiai- Verein für Wissenschaft und 
Kunst in Münster: 

10. JahrMbericbt pro 1881. 1882. 8". 



108 EiiiMiH/lungen ron Dructachriflen. 

Vom ffenHanischen Museum in Xürnbcrg: 

Anzeiger tUr Kunde der dent^chea Vorzeit. Johrgaog 1 i 
1882. 4". 

Vom Vcrrin für nuTkienl/MrffiscJiv OrttrhidtU und Aiterihumi 
Kunde in ScJiwerin: 

a) Jahrbücher und Jahresbericht. 47, Jahrgang. 1dd'2 

b) HecklenburgiiK:hei; UrkuDdenbuch. Band XU. 1882. 

Von der Societr (k^ Ocienees de la Btiasc-Al$ace in Stragsbtu 
Bulletin tritneatriel. Tom. XVII. 1883. IÖ83. 8". 



Vom k. tcittiisiiach-toptteiruphisrheH Bureau in Sluttffnrt: 

Waritem bergt sehe Vierteljahrshefie lür LandeugegchichtG. Ja 
gaog V. 1882. 40. 

Vom Uarzrcrein für GesckichU und Afterthumakunde In 
Wernigerode: 

Zeitschrift. Jahrgang 15, 1883 und Kegister Über Jahrg 
1 — 12. 1882. 8*. 

Von der fiiidsUtrische-tt Akademie der WissenschaftcH in Affr0 

ft) Rad. Band LXII. 1H82. 8". 
b) Djola. Band I. 1882. »•. 

Von der Archüologischen Geselhchaff in Ätfram: 
Viestnik. Band V. 1883. 8". 

Vam k. böhmischen Museum in Prag: 
Gasopis. 1882. ßcdnik 56. 1882. S*. 

Von der k. k. Akad^-mie der Wissemrhnften in Wien: 

a) Sit/uttgsberirhle. Philosopbiwh-bitiborische Classe. 
100. 101. 1882. 8^ 



Eingrtitlttitfini roti Ofuckschrißen. 



109 



irchW för listerreichische Geschichte. Band 64. 1882. S"*. 
^) Almanach 1882. 32. Jahrgang. 1882. 8*. 

Von Her Acwlhnif Ro^aJe tUn Sciences in Btiissel: 
OQuire. 49. annOe 1882. 1883. 8». 

rJer Hnttgscht Genootaehap tot veräetUging van den chn$te- 
t^jken Oodsdiensl im Haag: 

Mru. 5. He«k$. 16 »ed. Leiden lä8:t. 8>. 

Von der k. jütidemie dtr Wisscnsfluißt'n in Kopenhagen: 

diplonmtica Hi»t-oriae Danicae. Ser. IL Tom. '1. 
il662. 4°. 

Von der k. CarotiniseheH Univer^Uüt in Lund: 

I ft) Acta uaiveräitalLä Liindensit). XV ia 2 HefUo 1878 bis 
187U. XVI in 2 Heften lH7i*— 8». XVII in a Hetten 
1880-81. 1878 — 79. 1380—81. 4". 
b) PeaUkrifi tili kgl. üniversitet^t i Köpenbamn. 1879. 4". 
e) Daiversitets-Biblioldkü Accessions- Katalog 1879. 1880. 
1881. 1880—82. 80. 

VotH Mttsh' Guimet in L^on: 

») Aonales. Tom. IV. Paris 1882. 4". 

W Uvvue de l'histoire des religions. Tom. V. Paris [882. 8". 

Von der Äcadiinif. dts Scieftces in Montpellier: 
JI*moire8 de la Soction des lettrea. Tom. VII. IR82. 4", 

Von drr Arademie d( Stanislas in I/ancff: 
oirw. 1881. 4*. Serie. Tom. 14. 1882. S«. 

Von der SocUi^ des Hudes histfn-iques in Paris: 
^'I&vi^tigatffar. Annue 48. 1862. 1882. 8'*. 



110 KiHsenduHgen wn DntckgrJthftcn. 

Von (kr Ac^Hcmic d« Sciencea in liomn: 

Pr^U aoAlitique de» travAnx pendont TaDD^e 1880 — 8lJ 
1882. 8". 

Von der Ji. Accadtmia dri Lintuä im How : 

b) Aiti. Serie III. 6ci«Dze raorali. Vol. 7. ». ISHl. A'^i 
b) Atti Transunti. Vol. VU. 1882. 4". 

Von der Asintic Society of Bengtd in CalcuiUi: 
Bibliotbeca Indica. New Series. Nr. 484. 485. 1882. 4**^ 

Von John Hopkins [^nivtrsitff in Baitimorr: 
Uirculars. Vol. II. Nr. 19 und Nr. 2U. 1882. 1". 

Von der Americtin Afiultmi/ of Arts und Scirnccs in BovfAni 
Proc«odings. Vol. 17. 1882. 8". 

Von der American PhHoUtgieal Aitsofintion /« Cambridge Mnsas^ 
Tmnsaclionä. Vol. XIII. 1882. 1882. 8". 

Von der Amn'iean Oriental Societtf in Netc-Hat^i: 

Proceedings at New-York, October 1882. 1882. 8". 

• 

Von der Aslor Librarjt in Netc-York: 
34'^. annual Report for the year 1882. 1888. 8\ 

Von der Batatiamrh Genootsrhaji van Künsten en Wettiufchapji 
in Batnvia : 

a) Tydsclirm. Detl XXVIII. 1882. 8". 

b) NotuU-n. Deel XX. 1882. 8". 



Kinaenilungeu voti Druc\schrififtt. 
Von Herrn A. Bernoulli in Sohlhur» : 



111 



Die Dasler Handschrift der Repgaaischen oder Sächsischen 
WfltchroDik. 1882. 8". 



Von Herrn Julio Firmino Judire Biker in Lissabott: 

n) Colle^cäo de tratsdod e coDCertos de pases que o EäLado 
da India Portuguezn (er. dbs partes da Asia e Africa 
Orieotal. Tomo 2. 1882. 8". 

b) O Mnrqncz de Pomhat, alguns di)eument^>H innditloH 1882. 8^. 

Vtm Herr« Freiherr J,eopold von ßoich in Innsbruck: 
Bettrage znr RechU-GeHchichte des Mittelalters. 1881. 4^ 

Von Herrn Domenico Carutii in Born: 

a) Delta GoDtessa Adelaide , di Re Ardoino e deWe origini 
Umbertine. Fireuae 1882. 8". 

b) La crocc bianca dt Saroja. Koma 1882. 8". 

Von Herrn Joseph Halfer in München: 

Altftpaoiiiche 8prichwörter and »prichw&rt liehe Redensarten aus 
den Zeiten vor Cervantes. Th. I. Kegeim)>urg 1883. gr. 8**. 



öifzinmsborichte 



dw 



knni*:!. baycr. Akatleuiiii d*T WisHenschafteii. 



Philos<>|ihisch-j»hilologiHfhe Clasae. 



Sitxanf? vom n. Mai ISKl. 



ihr Clj»*%w.'tis**irt'tJirHi*iT v. Priititl hielt oiiieii Vortrug: 

yZur Ciiusalitäta-rrii^f?.'' 

Wenn wir finden, Hiiss jinf Mii- Krii^rc .wunim" sowohl 
l)>t .wimI" aU Hurli nttl .duinit' ){ejUilworl«!t wcnit'n k;iiin 
\— da« entKjtrcL'henti (ilpiclie ixt auch im Griw^hiwlu'n. La- 
*«iii«'hen und den TrHiht^rspracliou d<*ss4>ll)en der Kall — ) 
*" wi(rt -■*i4h unw alsbuld, dass di»wr Di>pii('Itheit siili «nf 
i^'n*- h'raj^i^u de« V\'^ariim iM-scIiräiikt, Wfirlie ir^jciid fin Tliun 
^«tri'ffeu» aei es der Mt-nacheu oder der Thiitr. Währeud 
**tpr Hl) das .Warum" im lif-hiete dfs Thnns snwnhl dem 
•Weil" ftl« auch dem , Damit" die Wege offen lä«st, wird iu 
J'Tietn ^fsammteu l'nikreise der objektiven Natur, bei wel- 
•^l""«! wir den Begriff des Thuns nicht anzuwenden ver- 
"'•Htfii. Ah» ,Wei!' die einzige Antwort, dt-s .Warum*" sein; 
"*'tii Htwio wir z. H. nicht saj^on. ila-vi i*.-* blitze, um liernueh 
w <l«mnrm, m werden wir autli /,. B. auf die KraKi*. warum 
\^m. l'hiloM.-i.hibil. hinl.. ri. 2.1 d 



1 1 4 ^SfUuN^ der phitm.'fJiihil. daae vom 5. Mai 1883. 



Ute, 

1 



unter mehreren gleicli situirten Büuiuen gerade dieser reic! 
Hoher blühe, sicher keiue Antwort geben, welche mit .daiui 
anfüu«^, und w> wenig wir z. H. nach dem Zwoi-ke eim 
Aftiiü-Eru|jtion fragen. ebeiisiJ weuig fordern wir eine A 
kiMift. wozu e.s diene, duss die Axe der Erde nicht »cn 
rwhi auf der Biihn dersellien steht; noch auch werden 
z. B. si^^eu, doas ein VeniLsdtirthgnng durch die Sonne st;» 
Hnde, damit die nHtninnmisi-hen Witwenschatlen getonlri 
werden; und wenn unsere Kindet- fragen, wrneti es denn 
imch sf» unungenehnie < ier^ehnpfe wie Sh'chnifU'ken ii. derj;!. 
geW', werden wir kanni ilie vr>n den AnilcÜireru des vorigen 
JulirhnnderU gi-gehctie Antwort widerholen, welche lautete, 
»(^Ich Ungeziefer exiätire, damit die Meu,schen nicht 7a\ n 
niübhig wenlen. 

Ut Knnuf-h dtis „Weil* »iowohl dem Umkreise desThuns 
aneh dem flhrigen ohjeetiven Sein und Geschehen genieinsiuii, 
wi eiithiilt eJM'n diu«; .Weil" seiuorseit« abennulH eine I>(>|i(H']t- 
heit, insoferne durch .Weil' »owt»hJ die Ursache lU» utich 
der'irnnd eingeführt wenlen kann, um deren nähere rnt/r- 
Hcheidinig wir iiii:^ vielleicht immerhin noch Itenillhen dfirfcn, 
wenn !ineh Wreib* in reii-her AnK<Ii>hniiug das CitnsuIitäU- 
l'rubleni eingidieiidere Hesprethnng gefunden hat. ') ICs kann 

1) ?. di*' bet rettend Pfi Abw?hnilt4^ in Trpndelenbiirjf'« Itop- 
itvli^n rhtt'rMurhtiiifiri'ii. in i]i>ii I>iit'Mt«'lliii)geii ih-r Loj^nk >ou Mill. 
Sijtwurt, L(it«o. \V II lult, bei Hirb. Sli iil. f, A ilisi-onrsi' ou tm 
bei CiiNpari, JHo (Inniilprubli'Uie dttr KrkcDntnisitliütiglceit, Hd. 
hfl A. KicliI, Der i«Iiil(iKü]»lii!<i^hf Kritifimmw. Bd. II: bei A.Sfiif. 
IVnki'D und Wirklii'hkfii. Howit* die Mr»riü(frui)ltien: L. .S t rfl ui|icll. 
der i'inwAlitilUl«p(fril!' (IH7t): 1-. Noin-, dip I)n|i|ndniihir dnr Ouft- 
«HÜtdt (Lft7&l: J. Hruwn. [nijiiir^* intu Um rfliüjon ol' t-uuftp unc 
effec;!. (IH?.'»); R. Schellwien, Vm (itwcta der Caui^ilitAt in 
Niihii* IIHTf!): Ad. UolÜK.'r. Ihis PnjUtnii d«'r raiiwilitül (IST*f>^ 
H. K n l] 11 . Unter)<iu')i[inf<cn (IIht dax (.'uiisulitats{mddtMn I l^^I 
H. \V«MiiT. I'i'htT (_\ini-alitiit in den Naturwift^^nMchaftf^n i\f^\ 
Ad. Kick. riMiiclif lind Wirkuufj ( l^S'Ji ; Fr. Rfljil«. f'aa 
tive und nrsfUhliehe Denken ilHb'i). 



r. Pranti : Xur dumalUiitH'l'rfttfe. 



115 



i 



ach ilnnn hierun, sowie au lUc darauffolgendo Erörtenmg 
Über das .Damit" der ebe oder andere gruiidäätxlinhe fSe- 
danke kuHpfen, und so mögt- der utiiuassgfblielie VerNiu;fi 
^tsdutlet sein, einige auf die OmisjilitÜtMrragt* ItMzfiglitlio 
i*unkte zur Oiskussion ( — nicht etwa zu einer eiulgiltigtüi 
Ühit^cheidunf; — ) zu bringen, wobei der kundige Leaer aU- 
ImüU erkennen wird. Jii wieweit etwa einem sn vielbespro- 
uhenen Thcmii neue Hetruelit\mg8seiten abgewonnen seien. 

Wenden wir uns liieinit, zur gelbrdertifii rnterNeheidmig 

cwiMihen .Unind*" und .TrsHche', so steht der Philowipliie 

allunlingK gewii«) das Recht zw, die Bedeutung der WorU.', 

wo es nöthig i4. zu nuKÜHcireii oder zu schürfeii und jedeu- 

falUs dicsiell>e zu präei-siren, aber sie darf nicht vmi vurne- 

hrrein den Standpunkt einnehmen, diLss die gewöhnlii'lie 

Itedewei.'te nU solche in jeder Beziehung eine mirichtige sei, 

-ondem m kann im Gegentheile i-ielir wohl eine )khliel)te 

UMdKu'htuug des richtigen allgemeinen .Sprnehgebrauein'« 

häutig zur liriiiiillage «peeuhitiver Krörttrimg dienen, (jewi.ss 

bA oi äiuiligeaiäs^, zu sagen, die Sonne sei die Urnaehe, t\nt» 

•Ua Kis schmilzt, dass di<> PHanzen gedeihlich wacliMen, ilnss 

l'hl'"r!»inMT gi-wchwär/t wird u. s. (*., die lirflmh* ainT dit-siT 

Vorgänge liegen nicht nur in der Sonne, Moiuh'rn zuglfith 

in den weMentlichen (Qualitäten des Küdtfs, der PRanzcii und 

tletOhlowilbers; ebenwi i»t der Ürund des KulJes itie Schwer- 

Itnifl, wrthrend die Trsai-he in der \Vi*gualuiii' diT Stütze 

lw){l; ltder eine KrkälLurig ist die Ursache t'iiiiT Hrkrankiuig. 

<^t\'u trründe in Stiirung dei^ Btutiimlaiit'es zu »<ueheu äind. 

I>ii- Tncacht' de« WachnthuniHs di-r Ptliitizeu liei^t in Koiichtig- 

^«l und Wärme, der Wrund aber i?*t Vergrii»»erimg und 

\iTiiieliruug der Zelh*n; die Ursaehe, dft>« Wjtwser gefriert, 

^ iH'wiw diu Sinken der Teniiwrainr, rlle Vorgänge aber, 

yA\iv den *irund dw* (iefriereus ansaiiiehen. sinii wühl 

«l>mwi «niuplii-irt wie der (iruhd der Krwärmmig einer* 

«öinieni, welche sicherlich dureJi Kinheizen verursacht wird. 

8» 



118 



SUcutifi iltr /ihUcM.-ijhihl. C7rt/w« vom 5. Mni Jiitf3, 



Nichts ist, <lii tw aiissi-hlicsslich mir erliwate ThutsaclieH «üit,' 
il. h. Tliatsiiclilirlie.-*. wviclies «o (Hier ai, sei es richtig ttderi 
uiirichtijj, sei es vollstaniJig oder Inckfiihaft, ii- b. f. aiif- 
ßefH.s»t niinle, denn Ktw;is, wiis nicht irgend crtasst wnr«,^ 
oxisfcirt, f(ir «Jen Mi-^nschen nlit'rlmu|it iiiflit. (Z. B. jenetfB 
(lekritxel, welches wir jetzt nicht mehr als (»ekrilzel. souderu 
a!» KeiUtihrift lje>ieichueii. wurde ftlr die eun^iiHi.-iclie Kennt- 
iiiss erHt dadurch zu einer Thatsaehe, dass im Anfange d(«j 
17. .tahrhiiiidt'rtfi in den Kuinen rr>n Perse|>oliH ein itali« 
ni^cher Keimender seixien Blick dortliiii riuhttit«, niid uLsImli 
ei>jrab aich der CHiiäalitnt'ächluss üiil" die durch SyllDgisniiisj 
eri'iisste Tlmtsache, dnjw die früheren Bewohner der sjmtef 
vertullenen Stadt sich in solcher Schrift hethatigten.) Vi\ 
wenn I>ek:inntlichst auch die Thiere ("^inisalität*!s<'hlns.se tuaehen 
tni dürfte wühl Niemand ^icli zu der Ainiuhnit* fMi[K»rscliwiu-l 
geu, dass auch die Thiere eine äussere Anwendung des inner- 
lich in ihnen ti^enden „Satzes vüoi Grunde" vornehmen. Der 
OHiisalzti-saninienhang ■/.. B. lii-treffs des Blit.zeÄ und di'x Donner» 
oder hezü^licli des Aufsclireios eim"« Verwundeten wird nn- i 
niittelhar erta^st, aber uiclit ausschliesslich durch die äussereüH 
Gesichts- und (iehtii*seindrücke, »onderu durch die Mitwirkung 
einer Auffassiinys weise, welche den Thiertrn gleiclL^ani in 
enihryonali'r Form innewohnt, l>eini Mi^nsclien aber sich zum 
nienschliclieii Denken gesteigert entwickelt, in welchem difl 
völlig einheitliche t^uelle sowohl der , Ursache' als auch de 
^lirundes' hegt. Ebensf) verliiilt es sich bei richtiger Er 
wägung auch mit demjenigen, was Schopenhauer in obje 
tivpui Sinne Seinsgrtuid natuilc Wir dürfen simach ilJi* Rf- 
griff« .Ti-sache" und .Gnind" nicht dualistiftch auf ühje 
und Subject vertheilen, wenn wir uns nicht in die misshcb 
ßten Schwierigkeiten verwickeln stillen. 

Gewiss krnuien wir die objectivHU Dinge mid VorjC^npl 
als objective nicht luimittelbar wuliniehmen, denn anKsi'rdt'ȟ 
könnte es z. B. einen Untorschied Kwiwhen wirklicher und 



j 



ff. Pratttti Zitr CnnsaUt^ts-l 



^. 



sclieiiilMirer liri'isrt' nicht m-Ijen; wwiil tiingr^eii erlolHf Wahr- 

nphnnmg niitt^lliar durch die Sinni', Hits sulijectivf Muitient 

»Iwr, welclit*j liieriii liej^t, kömipii wir uiiiiiÖ}rIi<-Ii olm^ diMi 

BeKtand eini-r Ohjectivifcät denken. Und wenn durch eine 

lUrhrtarh vt^rtretene Strönnin^ des Neukiintinnisrniis in Fid^c 

dw nnfpiiliiglichen Irrthum.-*, dasa Kaum und Zfjt Huswibli««- 

Ikh nnr wibjectiv seien» alles Objective Qberhiiuiit vertiUL-liti^t 

wei-deu wdl, tut können wir einer stjlcheu Kuditung ebenso 

wenig folgen, uls wir die Sehlutwe icn;i:u^ehen vermöpen, 

welche uul" *-!ruud der physiologisch«» Lehre Iietrctts der 

.öI»eei!iHfhen Sinnesenergieu' gezogen wenlen. Denn, wenn 

wir lielehrt werden s4dlen, es sei eine Tfinschnng, (htss die 

fliunlich wahrgenommenen Eigense hallen de» Dingen objectiv 

kumraeu, da k. B. die Kniptindiing des Iftithen lediglich 

eine Knvgting he.Hlinnnter Nerven l'iMwrn sei, welehe eljen so 

gilt ftline Vurliundenwin eine« rotheti llegenstjmde« auf andere 

Wei-Hf bewjrkt werden kann, sn mag ja letzterem zugegeben 

werden. w>wie wir auch dii- Namen der Farben gerne prtn>t- 

f^etten wollen, aber Miweit <lie Knipfitidung regelmässig auf 

Klcicbartige (jt^en»täude zu lieziehen iat, dürite wohl autli 

in diesen objectiv eine s]>erifisthe Knergie liegen, diireh 

we!i',he die betreffenden l»eKtimniten Sehwingtiugen df^ Aethers 

prtolgen, mittelst deren Jene be-stininiten Nervenfasern erregt 

wiTdeii. KurÄ, ee «c-heint ehrn dm-h ein wtsenseinbeitliehea 

i!iianmientreHttn eine» Ubjectiven und eines liuKjeetiveu den 

ItHiii-n Stnty.)innkt darbieten /.n sollt-n, und so ist ja /,. B. 

'li'' mensehliche Wi-ssen durt^'h richtige Ausniit/ung der 

Kpwiw 8ubjectiven scheinbaren GrÖNse der Soune zur Fest- 

''''lliinp der itbjeiftiv wirklichen tiriwsu derselben gelangt, 

"■•ilcln' allerdings wie<ler mit menschlichen Zahl wertem und 

fiMiMiMdrncken iiUKges]>r<)cheii wird. \\ ir nilissen ilabei l»e- 

''WTfu, dtuw es Functionen de« Kubjeetiven Bewusst^eins sind, 

'inirli H'idclie ein Ma-eistjib objectiver VVeU^Tkenntniss ge- 

^^*ca iai. Wer glaubt, dass da^ Öubjcctive als solches un- 



er j 

i 



120 SiUung der phiJw.-fihUfii. Clau€ i>om 6. Mai 1883, 

bedinj;^ objectiv ^ilti^ 8ei, ütfnet die Thnre l*Ur je<le boden- 
lose Täu-schuiig, iiuii wiT Tiivirit, \\as Sultjertive hiilw über-fl 
hHii|if lininr nljjeclivi' (idiuiiy. Vfrwliliwwt jetler wisst-riscluin. 
lirbi'ii Krki'niitniss d'w TIn'ire. Das ist en eben, tbistj der 
Mt>tii{ch zum Bewii«stHt'in di'a wesenNciiiheitlichcn Ztitiainnten 
IrfHens In'ider j^eliin^t, denn nur er veniKiK »w, swine Em- 
pHiiiliitif^ iu ein suhjectiveä und ein objertives Muiueui zn 
•/juvle^eUy was bei all jener ^AnrtimNunj^'', zu welcher mich 
die Thiere tietlihigi. .sin<l, nie <ler FuU ist. Äjichen Stand- 
|>uiikfc, dwiscn nähere Diirle^nuK und nnnhfrthninjf /.unücbst 
hier nicht j^e^eben werden kann, tvewahrun wir aneb betreffs 
des Kuiinies und der Zeit und ebenso betreHn der Bewef^ung 
und der Kraft, welch letzterer Bt^rift' wtihl dem Worte nadi 
eiin» rebertruju^inig menschlichen Selljstgeftlhles i«t, über 
der Hedeutung iiuch iluls der ubjeeÜven Welt erl'at»t sich 
uls uiu HiUisnkittel tllr den CiLUBalzimuninienhang erweist. 
Uekiiniitlich liut iickJi Niennind je eine Krufb gesehen oder 
gebort iider empfunden, sondern Je*ler stets nur Wirkung*' 
von Kräften erlebt, uuf welch letztere wir verniöge un»ureii. 
Zeitsinnes /.urücksich Hessen. 

Da nach dem 1lit»ot/e der Trü^rheit alles ;ui und lUr 
siih ^l<'ich bleibt, werden wir Veränderung Überhaupt nur 
dadurch erklären kuunen, diiss /.u ihr irgend eine Krullr 
Husseruug den An»!^»» gegeben hut, il. h. dass eine (Jrsaeha 
wirkt«, luid ilen iHU'r angeführten Äns«|iruch John MiU's, 
dastt der Catiüulnoxuä mi>glieher Weise in irgend einer Fix 
st«'rnsphäre aufhören könne, dürfen wir wohl auf sich be- 
ruhen [u»»en, du ein Zustand, in welchem schlechterdinga 
Nichts vorgeht, .sich der menschlichen Denkweitm eutzieht: 
und wenn des genannten engli.Hc.hen Philostiphen Annahme, 
da-tf Ursache die Summe aller Bedingungen sei, auch in der 
dentMcben philusophisclien Literatur ihren Widerhall fand, 
flo wilJ uns dUnken, dasn eine Summe niur den gleichen 
Charakter wie ihre Summanden aufweisen kann, Bedingungen 



I 



j 



I'. Prantl: Zur CautatitätihFragt. 



121 



T an sieh keiui? Kr;iKHU8Henin^i>ii Kind. Somit werHen 

ir unt-er UriHiche imnierhiii ein f^owiaMtKi Etwas vprst*;lifn. 

Wflirhw ir^reiulwie kruftbogulit ist und diese Knil't wirklii;]i 

isaert. Ich «ip* ,Kl.wiis" und niör*]it<» liicdnrrh iindeiit«n, 

wir uns ilttn-h dio Ktyiiirdugi« dt-s WorUw .Trsiu-Iie" 

ii'hl vpiiifUir^ii hu^stMi dürteitf etwa auKHi'blie^Iioii nur iiii 

iiiiniih! .SiK'hon" zu denken, sowie wir Iner aucli du« 

üirt .Knift" nicht missehlii^slich in phpikulisLlifui Siune 

nibehtui werden ; denn wenn es /.. B. MJcher siich^niäs.*« 

lUs^edrileki \A, di(.s» tw oder S4> goäprudiene Wurtt* utitt^r 

^ttiHtänden IVsiiche eines Thnluenei^usses oder i*ines (ie- 

läthU^rs der Hörenden sein kiuinun, so werden wir die Wurte 

doeh nicht leicht alt« Sachen oder Dinge ber^ichnen. noch 

irh verneinen, dims den ^fdtinkerihallif^eii Worten eine 

tläi ivienuif^ einwohnt. Vidlij^ ^euuu jjespn.ieheii handelt 

I)ei .rrwiche" überhaupt nieht um äo^enaiirite Oinge 

ib wdche, sonder» nur um Thäti^kciten. 

Wenn der Be^^ift' ■L'rsaehe' we-sentlieh mit dem 1^- 
j(rift'i^ der .Veränderinig* zusanmienhiini^t, so wird dii, wo 
Oberhaupt keinerlei Vorgaug besteht, kaum von eini*T Ur- 
»iche (jre--*]»rochen werden können, und i-o werden wir anch 
X, B. die <ileichseitijjkeit eines Dreieckt« nicht als l'rMuehe 
•ier Winkelgleiehheit bezeichnen, sondern eher als (Inind 
(während zugleich die Winkclgleichhmt wieder der (rrnnd 
der Gleichseitigkeit ist) : liwen wir nbi-r die Suche in einen 
rorgang auf, d. h. denken wir an die Aufgabe, ein gleich- 
itiges Dreieck x« cwnstruiren, so mag es zulässig erwhwnen, 
n Migen, da.*» das dreimalige Auftragen der gleichen Zirkel- 
ofinung die L'rsjichc der KntKfcrhung glficher Winktd M'i: 
udcr ebensu wird, während z. H. die Factoren Grund des 
FVt»duct«s sind, jeder Uechnnngsfehler jils l'rache des fulHchen 
Ib^dlate» bezeichnet. Dessgleichen. wenn /. B. von xwei 
Hnunien der eine danim grOewer i.st alu der andere, weil er 
l'rClher gepHanirt wurde, so ist durch dieses „weil** nicht die 




122 SUsuftg der lAÜo^-philot. CUime mm S. Mtii isas. 

T'rmiche, Mondern der Grund Knj»e(^t'h*'n. doim iw trnt j« in 
dem oiiien Baume keiiir Vcriindi'nnijr dtulureh ein, dass der 
iindt-re pepflaiizt wnrde. Wälireinl iiiiii in dem eiittichüideiiden 
H('jfrilF4' der Verämlerun^ zweifellos t?iiie zeiUiebe Abfolj^e 
«Hier .Sua'«*siou ertiisat wird, ist es ullbekaiint, ilass, wenn 
EiiißH nach dem Anderen fo]^, dnnini nicht festgestellt ist^ 
dass es ans ihm t'rd^e, und .ledoniuitui wiHss. diuts man 
nicht ,p(!e(t hoc, ergo pivipter Ihk" nchliessen dürfe. Ja 
wenn aiileht'.:« alt^euiein /.uliissi^ wäre, nifiaste die Zeit die 
i)llnn]in.<«endste Causiilitüt sein: nnn aber int es nur eine 
nietajihnriache Hpdpwenrlunjf 7,11 «igen, d»«s z. B. di** Zeit 
den St-hnierz heile (Mier die Kruchti' reife. Khenwi l>«;kunnt 
ist diu* oft angeführte Beispiel. da«g trotz rej^cIniä^Äij^ster Ab- ■ 
fol^e die Niidit nicht als Ursaclie des Ta^^e-; lie/eicbuHl wird 
(die hi'lleni-si'liH Mytlietiliihbnijj; tnlf^ti* hii-riii einer amlereu 
Anschauung, denn Krebos und Nyx zeugten die Hemera fl 
und den .\ether, Htw. Thet>g. v. 121 f.. wobei wir den i-cht 
uien-c blichen heiteren IiiciiH^mus beachten, wnrnrt<'h da» Licht- _ 
vnllc ab< Kind dc-s Dunklen, nicht aber umgekehrt, aufge- | 
fu-sst wurde). TebrigenH werden wir an die Unut<lanftL'h»uniig 
MiU'^. webher schliesslich «ich (h>ch nur uaf die y^-itliche 
Abfolge Htützte, dadtircli lebhaft enuuert, du** in neuester 
Zeil BJch in der Thal die .Ausicht vernehmen liess^), ett solle 
der Begril!" einer rausalfolgc illKThiui|)t getilgt werden, da 
grnnd.sätziirli nur der KegrttF einer Zeitftdge übrig blpilie, 
niinilicb jener Zeitfolge, in welcher die .Sebwingunge« des 
Weltäthere eintreten, auf welche Am gesaniinte muteriell 
Seiende ziirilckgcfütirt werden könne. Aber wähnrnd wir 
hiebei si-iion 1111 der notbweridigcii Kolgennig Anstf«f nehmen 
mOitsen, da-ss alle qnatitntive Verschiedenheit des Stoffes be- 
seitigt werden soll nnd scmaeh von einer quiditativen Ein- 

2) 0. Helm in lU^n Aiiuiilcn iler Pliy^ik iinil rin-iiiu-, Hil. XIV 
(IWn, H. 14y und in «1er ViiTl,i'Ijiilirs«i-liri« lOr wis«piis.'lmni. JMiilo«. 
1882. Heft 4, S. 4:W. 



r. PraMtl: Zur (■itMUfiiiU'iU-yrfi^. 



12a 



rirkiiiiß uiiH flaueriKU-n Mitwirknnj:f keine I{i'i]t' lut'hr win 

kann, s«j wftrde nach iler uns n<itliw(>tiili}^ diink«>iuli>]i TnUT- 

Si*hvidun}{ zwiw'hen Uisaohe und lirund uns jwlciifalltf noch 

dtT Stiuidpiinkt il^riK bleibeu, diiss es sicli um lmi»' erst 

fiter zu bewähn-nde H_v|>otli«ai' einys letzten .riruiulG«* 

londle und hieniit: bexngiich dt>r einzehien mu dt^ntselben 

Ij^iiden Wirgäuj^e immerhin ntx^h ein wirklicher Tuuiittl- 

aunnenbani^ zu erfio^sen sei. 

Wenn »<»ni)cli die b!<«<-*e SiicceÄStou noch bei Weitem 

nicht aU llrsiichliohkeit hexeirhnet werden tlurf, sii int zu Icfcz- 

rer ein l»estiniinenrles HiniUieiy reifen f;i'f<irdert. d. h. Vr- 

ic'he liejft darin. (\hsh ein Nachfolgendes uder relativ Gleieh- 

itif(e»f in meiner Eiit^tehiniß nud weiteren Eniwiekhui^ durch 

in VorhergehendcM oder relativ (ileichzeitljjes mittelst t'ort- 

iHiienider Kinwirkunjj he,stin)nit i^t. und zwar d».*« solche« 

iVr)iiiItnis.s in irtlem liet rettenden Falle ^leichrnüssi^ erlusHt 

ird (dft;* Krforderni«* öfterer Wiihnieiiinun^ besteht auch 

i den viin Thierew ^emnchten Cau.'tiilJtiitMchlnAsen). In 

iterer B*^chtmj? sagte man /.nweilen, Cunsalitiit zwi^^chcn 

A und H bestehe dann, wenn sich zeige, dass eine Verün- 

derunp in B öfter oder stets eintrat. na<ihdem eine Ver- 

ändemn>4 in A vorgegangen war, nie aber eintrat, falls in A 

keine Veriindernnji^ Vi»r^ieng; tUKh die letztere negative 

Hätfle ditise» GniudHitzeH jj^ilt hei all jenen Verhältnissen 

Iuic'bt. bei welchen Eine nnd die nrimtiche Wirkung; dwrch 
mehrere verschiedene l rsuchen hervorgebracht werden kann. 
In genauer Fassung verstehen wir unter Ursache jenes that^ 
»rieh liehe Moment, welches von dem Denken auf (irnnd 
öRerer gleichniiwsiger Erfahrnnj^ nh jener Fnnkt erfasst 
wini, an welchem diw be.stinii?iende nnd forbwirkeu<1e Hinflber- 
greifen den Hebel anaetzt: und bei diener Betonung dim 
toncrelrn Aiwh-nnniingspunkti'« Iji'uhsichtigen wir luisdriick- 
ürh den Begriff ,lTKaclie* völlig in dem Sinne von ,Ver- 
anljvwnng* mi verstehen. Wenn aber nicht nur tiei Ver- 



124 SUiittig der fthitoit.-phitoi. Classe vom 5. Mai J863. 

änti**ningen, .sondern auch Iwi finer Nicht- Veifmdening, 
d. h. beim Verbifibeu einen Zu8l»iidi.w, w« VtTändpning bi- 
goiiiiLMi butk'. ihKt weitert- Vpriindtinnig orvvurtot wurde, von 
eiiior wirkt'iidon l'rsache f^esprufheii wini, so wi^t siih bei 
geniiiRTtT Krwiiy^mi^r. diiss es sich oiiici-seifcs in vieleu KäUt:ii 
auch hier dennot:h um eine Verüiidentng handelt,, uKmlich 
um «inp Aeiuh'nin^ der Vcriindttning, -/.. H. wfiiti die Srhiiluii 
einer gewöhnlichen schwnnkenden Wage xn einer vnn dn 
HH bleibenden Knhe des bleich geMriehtes gebnioht werden, 
(Klur wenn iu einer Tjiüfheniilir dir Feder einen Bruch er- 
fuhrt. Andrerseits aber gibt es h'iilhs in welchen bc-zAgHch 
einer Nicht-VeiTinderung weit eher um einen Grund uh um 
eine Ursache gefragt werden 80II : so ?.. H. wenn ein StDck 
li;u.kn)UN|mpier. welches in eirte Flüssigkeit gntaincht wird, 
sich hiebei nicht nithet. »o werdi-n wir den Umstand, dtue 
in letzterer sich keine freie Satire lieHndet, wohl kaum üla 
rrwiche bezeichnen dürfen. .S4jndern mehr in die Detrachtung 
der <;ründe eintreten miistieu, wie »ich ulsbald (S. 129) bei 
Hesprechung der Umstände und Bedingiuigen xefgeu wird. 

Doch wir werden hiebei zu der etwas !?chwierigeren Frage 
gefflhrt. ob llhcrliaupt negative Urnnchen anzunehmen seien, 
d. h. oh auch ein Nicl»t-U est: heben oder ein Nicht-Vorgnng 
a[» Unuicbe gellen könne. Neuilich nmucbe Fälle könnten 
den Schein erwecken, dn.s»^ eine hindernde und liiemit n^ativ 
wirkende l'ri*jii:he gewaltet habe, während in der That sich 
die Sache unders verhält: denn wenn /.. U. eine Ursache ge- 
sucht werden soll, warum bei einem Hagelitchlage iu Mitte 
eines grösj^eren zerstörten L'rakreiseJü einige Felder nnversehrt 
blieben, «o ist hier wirklich in diesen Fehlem keinerlei An- 
steinmung^punkt zu entdecken, an welchen der Hebel einer 
Veränderung anzusetzen wäre; iiher in der Ilagelwolke mag 
allerdings durch irgend öitliche Luftätmniung eine vereinzeüite 
Aendenmg eingetreten sein, was jnjoch sieher als eine powi- 
tive lln;acbc gelten wird. Kbenso wird z. B. ein von einer 



r. Pranil: Xur Cmtsutiitiitii'Frage. 



125 



Krankheit Ueneäeuer wohl tiiclit i>twii Ut^lioh Uiuih filier 
Itiiulernden IJrsiiche IVa|4;eii. nanim er nicht wieder erkmuke; 
hinj^t^pn die (lene-snnjj ist gewiss durch eine jioaitive Kiii- 
wirkuM^ unf den KriiiikheitMprm-«^'; vnrui>firht worden. Tn 
nndiTeii Fällen al»er v*i uiif den Sinn dur nf^utivcn Spnich- 
wenihmg an hlicben, wobei sich erjüjeben kftnn, dass in Wfthr- 
lieit i-iii piwitiver irehalt dns Knt«cheidende ist; wenn man 
X. H. -«iift. diws ein Nichteintreten des Kegens die I rsaehe 

^rineri Misswiich.tes war, so i.Mt wifurt erRichiliidi, dtuw es sich 
UM» die stetig gesteigerte pottitive Wirkung trockoner Hit'/e 
handelt, (kjer z. H. der Umstand, da*« ein Stoff in Wasser 
oder in Alkohol nicht lrwl)ur ist, ttarfwohl nicht mich seiner 

I ticgutiveu S#*ite als Ursache hezeitdmet werden, sfnidern auf 

I cIhh hierin IJe^^ende ptisitivv WrliHlteri dartV die HnterKuchnn^ 
*u richti-n •'ein : od«»r wenn lUdurih, ihisw ii'h ■/.. B. die Fen-ster 
Tiiein<>r Wohnung nicht s(;hl<MK, oder dutfi ich ku einer b«- 

' «tiuiniten Zeit xnfälli^ niclit ?,it Hiiu^e war, irffemi ein Vor- 
koiumuiiM sieh erj^b. m» winl in riL-hti^er Weise von einem 
Ofteiislejieii der Fenster mler von einem *ies<dmrt«)iange ge- 
)ipriN;h«n werden, woran sich ein C)Hiisal/.ii.^annneiihHng knüiifte. 
Detf^leiehiMi. wenn /.. B. j^esa^t wird, »hiss eine Wunde oiltT 
eine ehirurtfisehe Operutiftn eine >»chlininie Wenihin^ nahm, 
weil 8Je nicht antiKcptisch hehamlelt wurde, so liegt eioB 

I ^fanz ent.si*hie*lene jMwitive l'rsiu-hr' im Zutritte der I.nft vor. 
iWh kann gerade letzt^'res Beisjuel, chi ja die Verst-hüm- 
luerung dnreli richtige Hehiiiidlung vermieden wurden wäre, 
iitu den Uebei^ang zn dem rinkreine de« Thnns darbieten, 
in welchem die Annahme n»*gHtiver ['rs:ichen kanni zu ver- 
meiden »ein ddrIV'. Wi-nn /.. B. ein Vogel weibrlien *hw 
lT<>«chfift de« Rrfiten.H 7.n lange untt^rhrichi oder gün/Jich auf- 
giht. so wird liifdm*rh eine Vernichtung der b^ntwicklmig 
•Ut Kier venM*suciit, und wenn ein (iürtner die ihm anver- 
trauten l'flan/.en nicht l>egie.sNt, so liegt in ilim die negative 
UrMMdte de» Alfstt-rbenK detKellien. Und sowie *^ auf wdche 



12ß 



SiUunff der jAHm.-iAUol. GloMt tom 5. Mai JB83. 



Weise* uhue Zweite) sofi^enHtiiit« i1nt4>rla»4UngS8fiudpii uud 
auch Unterlaiwniig8(leli<'t« gibt') wie z. H. wo AnxeigepHicbt 
besteht oder wo die Pflicht. An^fehöriKe -m ernähren, erfttllt 
^werden stdl. m> knmi atii-h <dine Entrttelniit^ eines sittHrheii 
oder rechtliehen Versclutldi-iis «^ur uianrherlei diidureh ver- 
iirsiLL'ht werdeil, da.% eben irgend ein Anderes nicht ge>>chtth, 
wobei ja beisjtiuls weise nur un den rt'iihen Unikn-i-s des- 
jenigen Ver^wisenx ^e<lacht zu werden bruüL-ht, welche.-* iiiiht 
aU ('ü)pa prä8tirt wird. Der wirklich negative Charakter 
«olcht-'r rauMalitäteii, weli-iic im (Jebiete des Thnn^i anttretcu, 
int darin begriimlet. dass eben jener Anknlipfiui^iMnikt, un 
welchen tier Hebel lur/nsetzen gewesen wäre, dnrchans nicht 
jfCK**^"*" '^t. Alh' AurtiiHsunjf aber solch negativer L'nuicheu 
iät ü))erbaM]it nur ernio^itcht. wenn vorher längst in das 
Denken jene ('aiiäalitüt imigeuniunieii i.-^t, weU-lie eini^etreU'U 
wäre, wenn keine UntcrhiHäung stutt<;et'unduu hätte, nnd in 
diesem Sinne reducirt sich die nähere Betraelitunf^ de« Xega- 
tiveu auf die positiven Voiyäiige. 

Bei diesen letzteren aber lie^t das an t*in(>in concrcten 
AngriH^ptinkte thäti^e Hiniiliergr*'it'en fler Ursache stets inner- 
halb des Verlaufes einer Zeil, deren einzi^lnc Tlieile oiler 
Theiklien wir nicht isolirt von den je v(irberj^eheiid*'n tider 
nnchfo[|renden denken diirten, ivenn wir nicht in einen 
iirundirrthnni Herlmrt'^ »hUt des KleattMi Zeno verfallen 
stdten. Die AitiviUit der l'rsache, welche in einem bestiiuin- 
ten Zi'itpiuikte bejfinnt. wird häutig mit fleiu Wort^» ,Wir- 
knn^" Itezeirhnet, wodurch lei(ht VerwirnniK entst^-lien kann, 
da dieses \V'<irt auch wieder die Itewicliiiini^ des liewirkten 
ist und in lefyUreiii Sinne mit dem Wurto -Kfletrt* als 
gleichbedeutend ziisaninieutrilft (ein Verhiiltiiifw. welches 
analoge bei vielen Substantiven gleidier lOndnnji waltet, ». B. 

II J, OfinT, Cansalru^xn« 'n'i rnlcrliiK^iingen |\Vi<*n IÄ.*2) 
Sturm, nie CtiiiiiniNKivdiflirte diitoli Cnterlai^suuj; un*] di« OmiaaiT- 
delicte lüoitbet I8KHI. 



r. Pritfitl: Zur Cawuüitätit-Fra^. 



127 



bfi Kmimlrigung. Erhöhung, Befestigung, Begränzuug, Be- 

iiiaUiii}{ u. s. f.) ZwiNcheii dem J^ginne der Wirkung im 

teritteren Sinn«' imd d<?r vollendet eingetretenen Wirkung Jni 

lelxtereu Sinne liegt uteU ein. wenn imeli kleiner. Zcitniurn. 

und j«t niflKsen wir jeden j^anzen <_'ftn.salität*» Vorgang l*ei näherer 

Betraehtnng in TheilTorgünge /.erlegen, welche MÜnnittieh 

ein/elne iin^ehulU'ne An.stcinitniiigM)jinikte des »n sich e/>n- 

.tinuirliehen Aetimlität'^TerliUifes sind. s<» duss zur l rsnche 

eusteeiir eine Vorui'sache wie zur Wirkung eine Niich- 

Iwirkung gehRrt und. je verwickelter eine Sathe int fider je 

tf^naiier sie iiiiU'rsncht winl. dfwtn mehr Streit dartlher ent- 

«tehen kaua, welche denn ei^entlii^h die «igenannU* onus« 

ll^nixiniA aei. Aiis diesem (ininde \ai e» nuch niöglieh, du>w 

in iiyt-nd eiiiv'n] ttehiete «|>ät^,'r l'rsnclu't» furniürli entileckt 

werd^'H, welche früher nicht erfa»*t wurrlen wiiren, wie z. H. 

lin der tneiliciuiMcben WinseuHchart gegenwärtig Kieli eine 

Lßtrijninng kund giht. viele Krankheiten al« liifectionükriink- 

' }ieiten /.u erklären und HtjinK-h aufOuiisulitätsliiicterien zurilck- 

xnnUiren. Btr/.itglieh ulH^r de» zeitlielieu VorgangeH .seilet 

lachiMnt uurt in einer tnelirfuth beMpriM-henen Kn^{i> der 

M-hlieKxlichM KnUelieid d:iliiii gegeben werden /n nifissen, 

iliix» wtdil die AetiviULt. dt-r Tr-saehe und iler It4*ginn der 

cnh^f-henden Wirkung gh'ieliKeitig sind, rin aiiKserdem die 

mKrlÜ.viliche Cnntiunität der Zeit und dt^ <teä(diehenN /er- 

ri«ti>n würde, da*- alper hingegen l'rsjM-he und Mfliit rii<dit 

fill'u.-lixeitig .siinl, denn ett verliinll Zeit, bis das Bewirkte 

auch uur dos kleinst« henierkhare Maat«* erreieht Imt. 

Die veranliuKM-nde l'rH;i(rlii>. welcln' von cinfin Ansteni- 
'ininf;!«piinkk> ans in eim-ni ThatlM'st-mde dirrcli iH'xlJtnnu'mJe» 
f'inllliergreifou nine Veränderung bewirkt, kann hiebei liuroh 
Jenwi 'rinitliestand ebensosehr giitVirdert wie geseinvärht oder 
"^»•rhindeii. werilen, und darum kounnen beim ('uusatiu'xus 
*Ucn MtgfUunnte rrtiKtäiide mier Bedtn^'nn^en in Krage, 
"«-'Idic niil der wirkenden UrKaehe nicht verwechn^dt werden 



128 Sitzung der ]iltiUlM.•J^I*^M. ChutM rom f». Mai lfi83. 



(Ifirt'i'ii. t^>i)tn^ittt^4*ii .siiL4l ffewiAte Moment*', welohe iu einem 
Thutbestunile fU>erbanpt v(»rkahrleii .sein inQssen, wenu eine 
Verursuchini;,? eintreten soll ; so int z. B. h<M'hgrnHig»' Er- 
hitxnn]^ tlts Kisoiis eiiip li<.idingiing, sicher iiUfr nicht eine 
L'rsarhe des *^hnne<|ens, sowie z. R. KU^rsamlceit eiue Be- 
ilin^n^ aller er/ieliwiiieii Thäti^keit. IhiiHtüude aber siud 
t.liut^su-lili<:hi- Moriii'iiUv wült^lie in brstiniiiit«n Ke-ziebungen 
iiiid in I)4'stirniiit4<'n Killlen ITinlernd <Mler hindernd wirken; 
Ä. B. die Höhenlu)<e werden wir beEdglich des Siedepunktof« 
dps Wassers ah Unrntaud, nicht aber als ßedin^un^ und 
noch weniger als l'rsac-hi- bezeichnen ; o<ler denken wir y.. ti. 
an den stnd nächtlichen BejfHfi" , Körperverletzung mit nach- 
)^eiolgteni T<Mie", tut liegt ibis spätere Eintreten cxler Nicht- 
eintreten des IVmIcs de« Vrrlctzb'n in dem iiU^Mueinen *ii?- 
sundbeiitivtuätande «nier etwa spfcieU in der Starke dt^r Hira- 
scbale desselWu, knn m ünwtÜiHlen, welche aber der Ver- 
let/4>nth-, iihwtdil er .-iie nicht in si^incr Hand hatte, dennoch 
auf Rechuunji; seiner ViTiiiilwiirtlichkcit zu nehmen hat.*) 
Zu den UinHtändeu mu\ auch i^uaiititative Verhältniiwe zu 
rechnen, denn wenn auch -/.. B. der Causajvor^an^ de» Ex- 
pl(wlirens an sich b'ji jfr(>s.-*en Quantitäten Pulven* der gleiche 
ist wie hei den kleinsten, so sind die Wirkungen sehr ver- 
schieden, oder das.-* z. B. Arsenik nnter rmstünden nicht 
sofort tÖdtlich wirkt, ist durch die Unsitte. Ar^uik zu ess«'n, 
hinreichend bewiewii. Sowie hieniit veranbissende Ursacbeu 
ertolf^UH sein können, solmid hindernde Umstände entge^tt- 
treteu. so jfibt es auch nej^itive [IrnsUinrle. [)och die einen 
derstdWn können el)ensoj5ut durch [HJsitive Ansilrilrke l»e- 
zeichnet werden, und so winl das ol>en Iwispiels weise er- 
wähnte Nichtjfeschlossensein, d. h. Ott'enbleiben des Keiwters, 
welches Ursache einer Erkältung se^in kann, für die Thätig' 

4) Siebe L. v. Uur. l>it! Li-hn* vom f'auRuUuiniiiinH'nhnnKe iiu 
KiHrbte. bt'j^unilerw im Stnifreclil (1H71), und M. v. Huri. IVher Csn- 
nlitiit und deren Vemnlwortui^; (1S7<1J. 



I 
I 



». 



I: Z«f f^ttttJtatUt1tit'f*rftffc. 



k«il eines Diebt's al» bej^fiiisti^imdor ITimstHiitl (inclit über 
aU LTsachi') j^rlti-n, snwii* das Ki(ditziihiiu?ii'seiii, A. h. t'iii 
'u*x-liüftw^faii|L; eines liiwohneiv jj;Ieithi"ull>. einen Dieb.-itulil 
imtrrstntKcn wird. Hinge^jeii, Aiü^ Jemand nicht Hchwiinnien 
tjelrnit hat, ist i-in wiiliHiuft ne^iitiver rnir^tand. welchi-r 
dii- in einem Sc:hiü'hnu-h(- lii'j^emie Ir.siirhe iU*s Krtnukens 
verstärkt; oder wenn z. B. im Kriej^e an einem gefiihrdet<*n 
Priukt kein l'onU'n j^estelU, wurde, si) ist (liesH ein L'iiUt- 
Lb-sim^Hm7;t4ind. welrher «l<'ii iViurllicIini PclMTfall UetordiTt. 
Die Venneidniiji; alier der !iiri<l> tjhIcii <iihI iiej^aliven Uni- 
-lämle, M>wie lUe HernfeHiinji der (7ifdernden l'm.ständi* kann 
im TnikrHise diK Tlnms virifjtcli als lli'dinyinif^ eines xweck- 
lUHssi^^en Vttr^eln*lis Ix-zeitlinet werden. 

Ifenide let/t^'iv Krwäpiii}» al>er leitet uns zii der l'elwr- 

«eiipni^, diu-s die im Denken ('rt'i)l<fendc .\iiHas-;Mim der 

indK'n der I^rsarlie wirkendi-n rnistande und Befliuf^iinH;»'!! 

»fit niilier zur raLersucliun^ der «iinlnde'', als /,iir I>;ir- 

li'gim^ dt>r Ursaclie jjvliöro; denn dir rinstJtiide und Ue- 

•liti;rini^(Mi fiUirt'ii iUmt rh'ii 4*(inn-('teii Anst<^Mnnnnij^]Minkt, 

m WfU'hen die Vfranlassi-udf rrsuehf /,ii MTle^^en i4. IiiiuuLs 

ind in einen weil<'ren Znsainmeiiiian^ hinein, weUlier wohlie**- 

!lirli al>i linmd tonuntirt wcnlen nuKs, tniil z,wiir nicht etwji 
Ki^lK^ nU liipsrlnT iidi-r Krkointnissjifriinil, somlern in Fdl«^«' 
il"» vonlrinjiiMtden Krkennen> als wirklichtT Üvalj^rand. Viid- 
IHotit war an.-* den obi^^en mehrfachen Beispielen bereits er- 
'^'ItSKch, djL-is der llriiiid fini rrdiT^chicih- von Venirsueliunjx) 
J'dciifid^ .4owidd in dem Wirkeiidm jils uucdi in ih*nijeiiip'n. 
taif wehdies jrewirkt winl, lieg«»n niUHse, nud i'ben hieran 
»ntl|ift >-irb die Fnrderun^f, ilass dies-; Heides iiaeh seiniin 
"»*«'H, nt'iiu'ii Kif^en^e hatten nnd Thäti^kciti^n inittTsiieht 
*'Td<', du n«r hiednri'h eine snehj^eiinVse Krkhlnni^ [•/.. H. 
'"■' *'efrierenj*, de-s Krwännetis n. s. f.) ermo^ÜLdit ist. Ih^- 
R'''ichi'n aneb ^ehi-n dit^ .Foljien'' (im Untf-rschiedc vim 
"irkiiM«,jen) aln Krj^ebnisM* einer manigfaltij^i'n VerHttditnng 
ll*«l. l»hil<w.-pliilül.hwt.l'l. U.) 9 




130 SitgUHff der jjiiilog.-jikilol. Clntise vom .5. Mai 1883. 



hervor, in welcher sowohl thu^ Vera n hissende als Huch diw 
V^mnhiffwt*» lutrli iiUeii zutreffemlun He/iohuiijjfou imifi 
isl. Bm iii4?ser riUikwurU iiiirl vorwÜrb* gehende» DeuklN'- 
Wt^}^iiif( Wfrden aucli dif (irrinde gesucht, an- Wflchi-u ciim 
ürsiiche unter Unit^läiuit-n erlolghis i><t, sowie die HHdinj^iin^en: 
in Betnicht. kommen, ohnt» deren KrOillunjf der Omi^ilnexiM 
rulit. Dil fiie iiru-listl lebenden (irthnii" wiedtT irj^endwie Iv- 
griiudet sind und luir^ den Fnl^jiMi aheniiitls weitere Kid|L;eii 
»ich erj^ehen, so würde die im vnllsten Siime j;ef4»rderte 
c»iisfth> Darleg^nnt; eiuf-^ ohjeittv-a (M>i.)iehens «^pder eine:* 
«nbJMtliveti Thuris siidi richhes.-'lirli zu dem l'inkrel-«* eines 
f^rÖsseren oder kleineren Zweij(e.« der Wissen^^ehaft erweitern; 
doch *M>lche,t ist in den gewöluiliehi-n Vi'rhältntjwen hei dei 
Fra^e .wiirnm" nnti der auf den iirnnd abzielenden Antwort 
,weil" nieht gemeint, sondern es jj;euüfrt tn der Itejftd zu- 
näthst diLs Zurfick^^ehen in die Grflnde erster Linie, wnniift 
ja bereits über ibis riiiierete Mniiicnt. th-r Vr-nmlassiin^f hinaus- 
gesehritten wird. Ihirun» erselieint uns iM-reiLs auch eine 
populärere Angabe t\vs Gniudes im Vergleiche mit dpr Atif-j 
fa^snug' der Urwtclie iiIh ein höheres Stadium, 211 weh-hem' 
rtieli die Thiere nicht melir zu erhelMMi vermögen, da die 
von (h'Usi'UM^n grnmcht^'ii Oansalitätsschltisse sich h*dig]ich 
innerhalb der verun lassenden Ursaeheu Wwegen. Cienauig- 
keit aber des S|triiichgebraii(')ies in l_Int4'rscheiriiing /.wischen 
Ur»iathe nmi (irund erscheint «Is wtinsehenswerth. um Irr- 
thlUiier hintan'.cn hatten, weluho uiik Verweehlinigen erfolge: 
können. 80 scheint es z. B. ein l'\'lilgritr zu sein, wen 
gesagt wimk», durch genauen' For.-<hung wer<le der Sa 
eingCKcliriinkt, dass Eine Wirkung iiuk niehn-ren IVsaeheil' 
folgen krmue, weil gerade der causale Vorgang iu ii^em 
einem Mittelgliinle ein Sindluui der lileichheit enthalte umL 
hi<'mit aiif Kim* Ur^ialie tfllire; denn während z. B. de 
Tod durch K'rankhi^it, durch Ertrinken, durch einen Shin 
durch Mord oder SelbMiinoril verursacht sein könne. 



I 







f. Prantl: Zur CnuHnlitälit'Frnitr. 



131 



«ch «chh*»;*^lich eben i!i»li (nir Kiiu- Ict/.tf l'rsjulic d^s Aiif- 
höreiis des Lelieiis. Da uIkt in tliLsen letzten Wiiiti-ii 
^•i^fentli^•ll .Eiii let/t<'r GritiKi" statt ,Eiup letzte Ursuche"* 
liütte j^estijft wtTtlen sollen, irtl (Ho ganze Beweisffllirmig hin- 
fällig iukI wir iiieini'H, iIiik-, sich eine Mehrheit vitii l'rsaohen 
^hr wiihl mit einer Kinheit ths Onnuies vertrügt uiul simaeli 
an der hisherigen Annieht ninhte: zn iindem iid. 

»Möge hieniit vnn den zwei Atitwnrti.'ti, welche auf die 
QgiiogH (?r\vuhnte Knige des* >VViiriiiii" gegelx-n werden 
nncii, die eine, nemhch da** ,Weil*. nach den zwei in 
ihm liegenden Motiven der Ursache nnd des Grundes ihre 
Bi-npreehinig gefunden hahen, so dürfen wir nun auf jene 
andere Antwort, welelie mit .Uanüf beginnt, unsere Itlieke 
richten. DiesellM» ist, wie schon liemerkt, ani' da« (iehiet 
Diensehiiehen und thieri>fhen Thnrs besi'hvünkt; denn, 
liu** die Thiere in ihrer Wei-^e auf ihrem Iiehensgehiete Alc 
cichten iHliätigen, ist zweifellos ersichtlieh, und wir wenleii 
IJ. auf die Krage, warnni die Feldmaas in ihr Loch eile, 
.chgi'niri>s sowohl antw<irtLm können ,wei! sie geüiigstigt 
»st*, als am-h .dünnt sie sieh sicher fiihle". oder z. H. auf 
die Krage, warum die Henne plötzlich ihre Jungen Itxke, 
Vnnn die Antwort Miwohl lauten .weil sie Körner gefunden 
hat*, als auch .damit die Jungen genührt werden. *" Ihi-vs 
tlu* Thiin, weh'ht« von uns Menschen gi-üht wird, tdKMi ffir 
wiw nach iiUen Seiten iinvergleiehli(di wichtiger ist, als das 
^lerist'he, iHMhirf keiiit*s nälieri'n Beweises, aher dieser Uiit<'r- 
■^hier) itndert nichts an ilem Thathestnnde, dass auch die 
f'iii-n' allerwege etwas thnen, wa« sie oben w(dlen. 

Im Ufsanuntgehieie des \V<dlens d. h. de>. ahsichihchen 
"lUii«, treÖeu das .Weil" und ilas .Danuf zusanunen, in- 
"^fcnie der erfasste riruml. stdjitld er in den Willen dtw 
''""•»den aufgenommen luid somit zum Motiv gewonlen i^t, 
'■''i'i \\U /wei'k liewichnet winl. Hieuiit kann nn»n die 
ÄWrcklmtrachUing gewi>s als ein4' rUckläuHge l-'orm ties 



132 SiUutig der pliitog.-pJtiloi. Clause row ö. Mai ISS3. 

Causat/u>iftinmt'n)iiinjf<?s («»truchtj^n, licmi wonii \rir tVw vt- 
wartftt' VVirkutiji init.t<?Ist dur eiiU' lliiiKlliiii<2 iMHi-offfmlmi 
Vorstellunsj nnticipiren, iTschoiiit sie ul« Zwwk tlcs I1undfln:i 
lind die (Trsaihe der Wirkung; uh Mith-l. Während /. R , 
Ulli' <li(* Kni^e „Warum sililäj^st Du das KindV"" durch die^ 
Antwort ,Wt*il es eine Ungezajfcnheit Iw^ing* dk' ,Un«ic!ie*J 
nnffegelien wini, Ulfie sicher die Anpilje des ,<iriind»'>" iul 
der Antwort .Weil ich es emiehen will", wjl-* vrdlij,' j,(leirh-] 
hedeuUnid lA njit .Oaiuit es erwi^Ji-ii werde." l iid elieu-Mvl 
wie in diesem Beispiele hat in ulleii l'Tdlen d;iy .UiiMiit* 
den Sinn von ,Wcil aiis-^erdeni iiieht." und das .haiiiit nicht* 
die (leUiiiii; viai »Weil ansserdi-m" ; man denke /.. H. :iu ilie 
Autwurten, w^U^he ein Oärtiier auf die Fragen ,Warani| 
gräbst l>u imiV nder ^Wunmi s<dineidest Du die BanmcV'f 
ffel>pn wird (w<iferne er iienilieh ni<ht <'twa hliiss antworteLi 
,Weil eti au der Zeit ist"). Trifft siinaih Iwi all iinsi-rerj 
ZwecVsetzimg der (ttiianke des , Zweckes* mit jenem dwj 
.(inindes^ /.i Mini inen, ho ist l»'! TliiiTcii. wi'Irhen -wir widd 
kaum lU*' HelahiHuii;; zu-^'hpMlM'ii, ,(!rruide' zu erfassen, 
duH Änffhuunien einen absieht Urlien Motives sofort mit dentj 
Erfiissen iJer , Ursache" ^«'«ji-ln-ii ; snliahl z. H. ein Hund 1k-I 
merkt hat, wer (h»n auf ihn p'-chliMnIf-rtj-n Stein geworfen 
hulie, riuhtot er seinen iihsii'htHclii'n Vertheidi^ji'"Ksan}^ritrj 
gegen dif-ses verursachende Wesen. 

Der Mensidi johnh zeigt stets die Nflgiuig, vennAgel 
ciues gewissen KinheitstriLdfo uueli da^ (iesctiehen uberhaiipti 
oIk ein Thun anf/aifassen^ sn tlass vermöge einer Ueliortragnngj 
des ineiisehliiln'ii Handelns aiif die id)jei*tive Natur Pi^rnmifi- 
ciitionen i'iit^tjinilen, W4»ran sich nmnigfache Mythenhihhingea 
juikniipt'ten. Ja sogar in der |diiUts<t|>luselien S|m-( nlutinifc- 
wirkte die vom Thun auf das Ä'in gemacht« MHinjiher w^B 
niHehtig, div« in einer .Welt als Wille" sowohl dii' ((iiali— ■ 
tates ticrultjn' der Dinge aU auch die |ilat<iniseheii Ifleen Z" 
Willen.<stiir(f'n <k's Univeri^iimrt umgesetÄt wunlen. ITnd ein 



». Pnintl: Znr CaHnatitäU-Fnuie. 



ina 




f«ntliTf wcitgreifende Mi'tAi)l»fr liei!:t zu Uriiinlt', weuu sd 
liäiiH)^ von ciuer sittliuhon WclUiixlnung fju-sprin-beu wird^ 
wobi'i Ulan sicJi des ktihiicn KInixrs wohl Itaniii hewni^it ist, 
WH-lohen die ^nttlicho'Ti Ideen des Menschen durch den un- 
endlichen Weltranni unternehmen (iiurh wenn jener phan- 
lievolle B<'jjriff in einer etwas Wonncneren Weise ftnf eine 
iehe Mensehenordnuny besi-hriinkt wird, haudelt es sieli 
i5rhsiens um den Wuiwdi nach elueni erst her/Ji?^ teilen den 
Zn.'^tjuide). Dm'h es* wird eine nnhefanpfene, nflehterne Philo- 
sophie nnweij^erlich daran ffsthalfren niiis-^eu, dass ledi^rlieh 
nalopesehlfts.'Je ck sind, welche den teleologisuheu AiL^elmu- 
gi'n Ik-xiS Jülich des ohjectiveu Seins zu Grunde liefen, 
iftwlbeu scheinen »ich dem Menschen auch wirklich bei 
AnfTjis^mi^ von Vorpin^en zn lohnen, wtdehi' schlifssHtdi 
n Eindruck eine.*; erreichten Zieles hervorrufen, wie wenn 
B. ein Baiini zum Strtdium des TrstgenH reifer Friicbt-e 
uyluH}^ Ut oder ein Hehnietterlinj^Mei nach mehreren Pliaseii 
■ich zu einem S^hnietterlinKc entwickelt hat; nWr die Tan- 
M'h*h* von I'^Iillt-n unerfflllter Zwet-ke hleihen thihei ausser 
!&Ui<»tx. Man spricht st» gerne davon, wie weini «hireh prii- 
metüHrte^ Widilwrdlen zahlreichi' Thiere mit Waffen und 
-*'a-itijren KiÜVniitteln der Sfll>sterhalhuij<^ aus^erJUtet seien, 
»n jene Milliartlen aber niederer und niederster Thierchen 
'Wokl »uui nicht. weUlie schutzlos jfleichsuin nur dazu da 
•iml, um jenem Sell^stcrhaltuni^strieiie anderer Thii-re^zum 
•'lifT 7« faUen. Oik-r s(dl es zw^rkvcdl sein, ditss Insect^^n 
nin^ den Lichtflaninien zueilen, in weleheu »ie sicheren 
I iit*'r«^in}; finden V wenn grössere werlhvidlere Thien- lie* 
'wiiiillicli U*i FeuersUrüifttMi da« Uleithe thim, tritt deni 
^Ipiwlicn in Kolge den Interewes der Widerspruch gegen 
'ii'u lkt;rift' instinctiver SelK<t4'rh!iltun^ rUMitlicher vor Augen, 
L'^leirhen, wenn z. B. ein Buuui «kUt sonst manche PfliLUze 
Tattmndi. von Samenkörnern entwickelt, welche, uueh wenn 
** •wteiw menschlicher MoÄsnahmen durchaus keine Htöning 



I 



134 Sitiung der ;>/n7ciä(.-;AiYo/. Ctasse vom d. Mai JS83. 

(»rfnJirfii. lU'iiiutL-h mir in versL-liwindfiidur Äiizuhl uiue gt- 
flcililichf t^iitiviikliin^' zu sellist^tilndigen Pflanzen finden, 
M> muf*.-* jt?in.'r lincIitluMii ^^i'riwit.'Zii aU zwL'cklos iHk-r zvvwk- 
witirig hi'Zi'irliiii'ti werilt-ii. Siigi man iibiT. der Zwccklx'^ft* 
k{(nne bei Nftturhutnurlilimg doch «'hliL'fwUL'h iiiulit «nthehrt 
wordtMi, f<i> diiri' umn v<ir keiner Coii.-L*(|ueiiz der n]»lic'ht'ii 
Anlik-'siiiifjr ilif.^*'.-. Ik'iirirtV.-* /.iirruk^clirutki^ii, .somiern ty luii-w 
dif U'lcolcij^.-iche Frugt* «u jeHeii Thiitbcj^tand und jeilcs iie- 
sohehen f^ekiiÜpt't werden: über es wäre wabrlieh kein Ende 
der Beispiele zu tiiideii. uu welelien xk-h die l'uzidJUsijfkeit 
<liesfr Fi'iiKe ebenso zeifrt, wie z. B. be/iiglieh der iiubl der 
Hlnneten und der Nebenplanetflii imKt l)etrefF« der bekannt- ■ 
lieh iiieht sehr vollkoiiiinetien Kinriehtiiii^f ihv metisehliehen 
Alices; nini je<leniiilts ilfirfb.' iiitlii, wie immer Indiebt wirrl, 
eine Aa-^wnlil j^etrullen werden, iiihoferne mau nur dH.«jt;nigi;, 
wiw lins eHVenlioh ttcU'T /.wwkiiii'nÜch (nier weiiipstens nicht 
imehtheili^ ist, teleidti^sch erklärt, iilier Ix-i entsetzlichen 
Nutureivij^nitwen weislicdi von einem Zwecke sehweigt. Auch 
tfuUte z. B. der BnUnikiT uitbt ^ageu, duHs }(ewi(«ie Pflanzen 
(hiPini hrilhinte HlHtben IhiIk-ii. dumit die Inseeteii Iiietliireli 
jinK''St'i-kt lue (ii'sehU'elit-iiinetiou iler münnlieheii OrgHiie 
imfierMtütÄen ; denn ubfifeseheu von der vorwitzi^ui Krage, 
wanini nielit alle i'flanzen in .solcher AVeixe bejifnadi«^ wunlen, 
mtisst-e /.. li. foj^eriehti^ der Z<iol(i^e s'ijfen, lijixs die Spinneu 
ilaniiu ein (iUiKeblicli) si» j^rusliibes An.s.-eheii halM', durmi 
sie iiiiliL von den Alles vencelirenden Mcn:sehen gegessen ■ 
W'erili'ii. Derlr'i Diiif^e sollten in iler Nidurwisseii-*eluil\ niehl 
V4trkiinimen und niebt nnriehtij,' lijit bereits Hjwo (D. au;pu. 
6C., III, 5) Iwzügtit'h diT Krklilninf; der Natur die causoe 
liiinles mit ;^i'Wei}ite[i .Inii^;iViiueii veri^Iieben, welche ebiauo 
lieiliiiC Hl^ imt'rui-iitbar ^iud. 

(leraih'/.ii liu-lierlieh ist e^* wenn f^e^ren eine derartjf^ 
Ansieht wiederlinit der gnindsät/.liebe Kinwund erholen 
d]kJä in Fulj^e (ier Ablehnung einer teleologischen 



I 



I 



i wiirde, ■ 

Natur- 1 



r. Pranti: Zur CnutiaUtäts-Frage. 



13Ö 



niclihmj; am'h ffir ji'dt* Etliil* ilcr Brwlen untt^r flcii Fflsscn 

hinwpjjjfpzttpoii *i»'i. Denn dji.-- ist es cIm^ii, (lax-; wir lui 

rnt4Ts<'liiedi' von ilwi Nutiirtliiififeii und Njitiirkriif'teii dt'iu 

Men.'icli«'!!, iukI zwiir atuiriclili esst ich nur (l*'ni Mensi-licii eine 

ßffMlinn^ zti-nJircibt'n. veniiöj^e ULMiies iliiti t^i^'eiitliiitnliVIipn 

Zfiuimifs nher 'Ifn «^nniTi^ten Atij^i?iii>Hi.-k hiniiii-i >^nwolil in 

die Kfllle T«fr(^Hij(oiier Kimlrncke xiirnck/.Uf^reifen als aucii 

in Si.'t7un^ vim Zwirki'H in dii- Zukunft v^irautfrcüVri. i|, h. 

riiierwit^ »niUT-^tiitzi durch Kriiincninf^' zu ,Bt'jp-ittcu* zu 

ftelaogeit, lu welclmu die V(trslelluiij,'iMi Itleibcndfu »Ilj^'rnieiutMi 

(.«vbalt (jewiniH'n und eWiiso andt^rtTseit« durch sjiuntaiu; 

Zw^vkaMt'htoii i*iu Uchict von .ldf<'u" «Hier »idcjilcn" lui- 

tnüstMi zu lK';{r(inil)*u, xu dereu VorwirkliL-liiiii^ i-r iu Ktiniilio, 

in Sitttichkcit, in K<H-tit, in Kunst, in Roligion und in Wissen- 

Mrhaft seine Kräitt» versucht. Miij; es mit der oljjec^tiven 

Xatur stehen wie <w wnlle, der Mensrh eri'asst -«ieli si-H^st- 

Wwuwt als das WeÄt'ii, wekhes er ist, und indem er den 

die^tpui Wi-sen eiuuidmendeii idealen Sinn hethäti^, erfüllt 

"T ^eine Mensrhenjiflieht und jielaujj:!. liifdnreh im Gertihle 

»lt> eif(eneu Wertlies zu einem W'sonneneu Ujitimisniiis, tVlr 

w.'khfn das oft untsetzliehe und gleichsiini niensilienfeind- 

ÜrW Walten der NatMnliujx«' "inl NiitiirkrätV ausser Ansatz 

iiUlit. JSc» werrleu wir unsererseits gewiss den fiir l'hilu- 

•ophie iinenthehrlielieii Idealisnnis aufriH-ht linlten, weint wir 

»ifh auf eine antlmiponiurph j^edueht^' Naturtelcoh^e rer- 

uihtm. Aueh will un- ein leises Hedeiiken sich nutdriinj^en, 

'rtiu «liin, wie ötVr> jfcsL-liieht, den Ausdruck .niiThHniwhe 

X»iiir»rkläning* untvchliesslieli in dem Siime vers-teht, da^s 

liifiirii der strenjrc *!ej;i*nsatz gej^eu eine teleolo^sche Auf- 

^^""ng tfenuMnt sei; denn liaidij^ kann eine luecluinisclie 

l'j'ltlünuig gerade den Zweck de« Dinges c>der des Vtirgangi's 

■'«rli-jiiii, wie ja z. B. bei jeder Maschine ilf-r Meclmniker 

"'"^Iwr QlM'r den Zweck derselljeu »aclidenkea und spreclieu 

'ird. ü dOrftr -ich diiher eher emld'elden, jene KrkiUnmg, 



VM'i SUzuiii/ iler jAilos.-i^Util. rVnasc rur« .*. Mm iSS^. 

welche auf tploolnpm'he AnnuJimcri v(»r/irliti't., al*; eine 
rttrac-t niutln'nmtist'ht' /n iH^zfii-lnuMi, iiml arnlrersoits crwi-ist 
xicli liier ^rlegeüitÜch, dans das Öfter boHcbte Ulciehiiiäs Ton« 
*ler riir. «eU-h«* ju «*iii /.w*'tkvMllf'r MecliaHimniis i^t, imr)i 
küiuer Si'ito liin jfiüekliL-li yuwiihlt ist, «onderu in hoheai^ 
Gradt* die lielcnniiti* Eii^'iischat't aller Gleithnixs« besitzt. H 

Fnd trotz iilledeiu, ist viellficlit eine Aiiffassunfj: m<>glit'li. 
wolcho iiieht etwa da/ü ilieuen soll, einen Tauleu Frieilttnj 
zwischen widerwpruolisvtillen Aiiulogieen und enister Natur-] 
Wissenschaft zu schlicssen, wohl aber einen Stnndpmikt ver 
treten dürfte*, welcher des Universums und seiner Theile| 
nicht miwdnii^ wäre. Wenn im ßisheri«*cn diu-; (iehict d« 
Geechehens und jene« de» Tlians stets gesotiiwlen wurde, 
ist wahrlich bei letzterem nicht ansschlicsjiüch au das sittliche 
Tlnui zu denken, welchem das Seinsollende in der Gc>ta!ft 
des Guten al" Zweck vurstdiwebt; es xilit ja auch ein rei:ht-| 
liehe« Thnn, ein kftnstleriiiches Thun und ein intelleotuellc 
wiKwensrhiifhlieheM Thnn. d. h. eiti Thun des Denkens nach 
Inhalt und Koriu, sowie auch ein religiöse?. TImn ii. s. f., 
und während e« jjfruiidsätvJich entMchiedeu al>^dehnt werden 
uniss. dass der Zweck des sittlichen Handelns einlach meta- 
phorisch auf das itbjective Gesehelu-n uiigi'wendet werdej 
ktlnnte eine vom Denken erfusste und auf ihts Denken l>e-| 
znj,fliihe Bedentung des Zweckes wohl ak alltnnfiL^end für 
sämnitficlii' DeiilialiJHcte, sonach ffir das Geschehen und zii-| 
gleich für das Thun zur Geltung kommen, wHtirend dtH-H* 
ilcr Gebrauch des Wortes ,,damit" auf das Handeln beschninkt 
bliebe. Verstehen wir nuter Zweck nicht etwa das Ver- 
hältniss, das,s Etwas auf etwas .\nderew absichtlich belogt;« 
werde, sondern das Verhalttiiss, ilass ein Manigfaltiges einei 
Einen untergeordnet wird, >^o kann sich hiemit auch der Kfio^i 
ler und auch der Jurist einverstanden erklüren, sowie. — wi^rafl' 
uns hier tnelir liegen dürfte — , desgleichen auch der Ver- 
treter des Wisscn-'J als solcher, d. h. der Pliilf>«)ph und Jer 




etilem 
iiiittfifjriNinlnet HPi, sij (itlH«Ti wir imtHr Aii>M4'.hliiss tle^ ,()uniit^ 
mit riiliii<i'rii wi-«erisfliuftlirhi'ii <it'wis?ieii im Umkreitie iltr 
^(jrfinrU* vt'rwoileh, «loreii Erforschtin},' ju ila^ W«*«!! n\l*r 

^B Der tlt'Tikpmk^ Men.-oh verwertliet einen srhlwhUTdin^^ 
^KiivcrinfiillirhiMi Hi'^rilV, wenn er (tri Hrklüriing ihm) Be- 
^^k-Qii^img des <{e>'cfaelieus tuul TIiutls sc-lilii'sslii'h iiitf eine 
^Hraftüus.-JtTiing. mif Bellnilijoinj? von Kriift^n zurückj^rrill. 
^^Jcwi,-> !il»er IfL-wt dief^er Bf^riff ver-cliiedr-nt' AnfiWiiiij^i'n zu. 
^iiiid Wenn iin> diejenige. weU'lie unter iiiiirii^fitrJuTU Beil'idle 
^Ki der sof^cniinnten mechanisehen NjitunTklÜnnij; iliri- Dnrrh- 
^nihnrn^ findet, zu nnlüsliareii SLliwieri^keiU-n zu fiihren 

Kheiüt, .Hii juOfiJe vei*sui;li?iWt,'if>e Vdrj^eschluj^eii werden, dibti 
1 ^^«^nln1ten Nafcni^cbiete von vorneherein .i^uali t'i rirte 
rilfk«" m Gmnde zn lejyen sein. Es sind ja 2. B. die 
r^rheintmj^en der Adhiisi<p|i Itei versebieiiencii Mah>rii'ii vit- 
^T^-Iiietid'ii. ftas -^irh wnlil kiiuni durch Aiitmhnii' eiiit-r nur 
^■liHinict nmihenmttscheii Kruft erklüren lä-^^t ; luul m u-ti 
^»leiiHieher •^iirinjft Sidefie^ hei den Krscheinnn^en der elierni- 
^—A'hen Aftinitiit in ilie Anj;pn. So sehr nuvh ferner die 
^■knani fliehen Fnrmen der Kr\>iiillisiiti(in dem fieUii^te der 
^^lutheniatik anj^ehnren, »«1 nii1j«pn olien doch ei^HiiartiKe 
^^firfinde d:ihin wirken, du*; der Hine St^iff nnr in <iie>er und 
jriu ftiiderer nur in jener Knnn kryitiillisire. eine Kr- 

riffiui};, welche duKii jjeleitet, den Bej^riff einer physikalischen 
Üt-tennination. ii\x** einer ^^tiiHlit atinn der Krltfte t*iir iiner- 
[lös^iich /.» halten. Vielleiclit endlich ih'irten wir eine solelic 
kufiib<!«nng iinrh itnf die Or^ml-mien uii.-dehnen, inHoferne die- 
elhen in ihrer Weise Kh'iehfall« rjnreh eint* inn.-«^};e)>endei|iiali- 
Kruft ^etraffen sind. Oie ^llt^•nI^dTn]n^ eines Manig- 
(ulti^eii iiiit<T ein Kines wäre dann in den erwiihnt»''n Vnr- 
mnpm nnd Stnfpn ile^ natürlichen (»esrhelienN nnr j^nidnell 



138 Sitattnif der phOoii.-iihiloi. Clasit vom 5. ^fai SS83. 



I 
I 



vererhi»«len, dem Wesen nach »her Ans ^Iv'whm'Ai^i}^ nberall 
walteniU* Motiv. Auf dit* Function (|(itt1ifidrter Kraflo dfirflen 
(liiiin muh t\\v ]»mli\'ou iin«! nej^ilivL'ii riii-täiuli', sowii* Hit« 
R^dingiin^fii. d. h. >4niuch die vcr-^hicdfueii l'husfu dir 
<Jr[lndi' ziirntkgi" führt werden. Die Kntwickhin>; der reulrn 
Miigliilikeit i'utt'alt^'t das, wils I)erpib4 in ikr licfft, xiir Actn- 
iilitiit und hieln-i Ut Eine lutvnsitrit iltis Herrschende, weli'heiii 
Muni^fiiche^ uiiter^;mji"dnet wird, l'nd wenn in diesem Sinne 
die Vprwirklifhnng allen Ue-'*ehehens und cuiw jetleu natür- 
lichen Vorjfiin^«':* nU zwtK:kdienIich In-'/eichnet wenlen kann, 
.si) litij^ liieriu eben die Actualität einer Kraft, welche je 
nach ihrer hesiin nuten Qualitieatiun h-istet, wuk ^e kann, 
luid in riolehem Sinne kiinn man seihst sagen, daiss auch fl 
jenes weitjfreitendste Prinrip der „Krhaltnn^ der Kraft* nicht 
nhne Zweckanschuitung gei'asst wird. Eis i.st simaeh jene 
j*pecielle Bedeutimg de« Zweckhe^rriftes, welche deuüelben im ■ 
sittlichen Handeln nder hu kiluf.tli*risrlieii Schaffen ehnriilc- 
teiHsirt. völlig a'isgi'schlossen, und untaugliche Analogien 
Ideiben vermieden. Zu^leich auch ist ersicUtUeh, dusn der 
W) gefasste Zweck nicht über die Wesensentwickiung iwlcr 
filMT dftj- betreffende Wesen hinauägerückt und foi^HcIi andi 
nicht iu ein iiiisHvIialh st»d>endes Ziel verlej^t werilen darf: 
nur nnbiT solcher K4'.schräukiiug kann die wissienschaftliclie 
Krforschiiun der (iniude sieh der tuierli'isslichen m1chU*nii'n 
Kesunnenhcit rühmen. Krlibckeu wir hieniit eine nehtigt? 
Ka.-wung de« Zweck li)efj;rilfes darin, dass jeden eiiiKelnß sub- 
>>turitielle Wesen veruiöge qiiiJificirter KrätU' die UnU'rord- 
nunjx unter die einheitliche Allgemeinheit diese- Wesen-, zur 
Krselu'inung bringt, s<» könnt«- aU kur/er Wortausdruek der 
BegritV .Zielstrebigkeit" in die ^diilosophische Terniiu<d(»gie 
eingefilhrt weplen. wobei wir uns allerdings nicht verhehlen, 
diL-« der hiTviirragcnde Mjuni, welcher zuerst dieses Wort 
vurttchlng, neuitich K. K. v. Bär in Petersburg, in philo- 
sophischer Beziehung doch ganz andere Wege gewandelt ixt. 



I 



r. Prantl: Znr Cauäülität s- Fragt . 



130 



tlut* welcheu wir iiimreräeiU ilini tiicht zu tblgiMi veniiö^cu. 
Mii;» jwlocli (liwtu (Hier eine atidere Tfriiiiuologie j^ewiüilt 
woriieii. «He Hauptsiirlie hieilit immer, wie dji-^jcl'n' ver>t4t]idcn 
wurde, iimJ so niöj^i* kuiii Bi'hlusMe uiisiTc Krärttjriing iler 
drei Begriffe .tiniml, Irsiiche, Zweck" (iils versuclis weise 
Antwort auf eine Krage der Ont^tlogie) in fbl^enfie kiinw, 
tusainnii*nf:u*.-iende Konn j^elirwclit worden: l'nt^r ,(irniid' 
verstehen wir die voninj^r'hi'iideu realen iVIöj^iichkeitm. welche 
wir Itctrefi» eines :^)isUuitielJen Wer^eu» f^ieicliwhiii voriiebin 
deukiMi iiiHsseii, um iil»eriiiiii]it zu dniii Wfspnslj<*^nrt'e äh 
gelaiifjf II : unter .l'i"?»iuhe" eiiiess Wesens versU'lien wir jenes 
tbatsilch liehe Moment unter den reiUen MüglicIikciUm, an 
welchem die diijs wirkliche Ditäeiii veninhissende Kniit gleich- 
siini den Hebel uilaety.t (w^fnaniite din'erentiii sjvecilicu), und 
imt^-r , Zweck" veratelieri wir, ihi-vs Alles, wus a*) aii» der Wirk- 
Bunkvit einer fonnjfelM'iiden Kraft hervnrfX'jruiigen IM, dein 
MiMiintiellen VVesiMi eiitspr^clie. 



140 SiUutif^ der ;i?H7o/i.-/Ai7«r Claude vom 5. Mai 188S. 



DiT <.'liis,-*oa*etrt'tiir HtTr v. I'riintl U-^U^ L'iiw Aliliiiuii- 
hiii^ (li's Hi'iTU G. F. Uuger vor: 

,Ziir Gt'schichtt' dvr l*vtha||j(orLMer.* 

Dil' Ht'linTi im AlUfrtlmni fn'ihmtijj verdmiki'lti» (fe- 
ächidiU* des I'ythafrnru.-» darf jetet Diiiik deu eindrin^nilcnl 
Uiitersucliiui^pu zwrier Korsclu-r <!er IluTiiitsuclir ruu*h ffir 
ftnfg"*ht'llt anjji'st'hfii wenleii , dri*i Krci<^nissi' iii.slio>Minlri', 
«■i.»Ii*hi* von vielen theil« Äeitlifli vercimjft llu-iLs völli;; /ti-l 
«Hiiuni'iigfworfen wiinU*n: das Kndo •^eiiie.< Aufentluilttw inj 
Krutnii, ,-<eiii Tod iitid die gfr«i.-<sf VerUri'iiiinng>kotu-irupht', 
treten Jetzt deiitlicli imii iu weit^'n, ^uiize Decoiinieii Ix-trii- 
geiideii [iitervalleii itiisHiiiaiidtT. ebenso ist die 8chwierif(frH 
Fruj{e uaeli der Todeszeit de^ Pytlia^ir.is im Wesen tliehi'ii 
jetzt jielnst: Kidide. die titielleii des Jiimbliehas in -^iuiT^ 
Hii%'ra|»Jii)' de^ FvthagoraH, Khein. Miw. XXVI r>(»8 ff. XXVII 
22 ti'. zeij^., dass er dru lJnt<^rJp^l^f von Sybnris }^eniiiiiie 
Zeit filH-rlebt und den Antanjy des füniVn .labrhuiideri" ihmIi" 
iMTrirbt hat; Z»-'I!er, l'hilosdpLit-' der lirirclien 1271 tt'. iruu'lit 
es wahrseheiniieh, dH.<s er im er-^ten .Tahrzebnt dessellwn f^e-^ 
»it/irben ist : sclion um 4>^n oder 47'* erwähnt Xpiictidianf^ 
soiurr iiis i'ines V('rstiH*h('n«'U, tlu-;s(dbe thiiti uieht l»n>;e dar — 
niu'h Kn]pef]<ikips iin<l Henikicittks. Weniger ist für fUe i^H 
einem ^ewi>,M*n Anhetracbt, WHj^cn üirer ZnsaninienhÜii^^C 
mit den inditischen Vorjjäiij^eii , \vieht.iji;ere fie-trhii-ht^t de 
von ihm gestifteten Sehule jijesehehen, hnuptsiWhIieb dess 
uef^en. weil der einzig ziisainnienhllii^nde Bericht, welche 





wif nns jjeki iniTiien i>-t, in (»imM- w<'nig Vcrtrniu'ii iTWiM-kpiuli-n 
rnifft'lnni|^ >U'ht inni aiicli smIIkt tlnrrli iiiflmT«* Kiir/.plln'il<'n 
Aulo.'^ zum Mih*<tri»iU'n ge>fL»!»en hat. LetAterti* , wie tiiiw 
«t-Iioiiil, ohiif iiii^roiiliriiikMi <iriiiiil; ili-r B<-Ticlit, wi-mi iiiirh 
im h iiiflircn- Hiiink' hin<ill^^•h»?l^J^illlj^^■n nud tliil>ei iiiilit 
TiTHchrt ){i*lilii'l>i*u. stunimt iiits ^iiUt (jucllf iiiiil gil>t uns 
;e Mittel, die Si-hirksale iler IVtha^invier in den /nsiimnu'U- 
11^ dvr iM>Iiti-*eIii'ii (it>s(inc-h(*' ( ■nis.-<j;ri<'i*hi'iiluinls oin/ii- 
ilii'ii niui Ih'Mc yt'jifi'n-ieiti« aiHniimmlcr /,ii t'cliiiitvrn. Vor- 
lM-Hiri^uii^ (laini ist t]ii> Fixinin^ ilrr Li'l»enszHt des rytlia- 
ilitiw- ftiit* U'.-'tiMind^' .Talirt*: M-t/eii wir die von Uuhdi' und 
^lliT jic^f-liene Uf4.iiiinitiii^ diTHidben : .>72 IU7 v. L'lir. 
4 JjUirp lierab. Wdffir jfiit*'. jfi /winffomle Grniidt' spreclieii. 
wird *^* iiin^lich, siiwohl die vers«liird('non An^^iilifii Hlwr 
■ii* Zahl der viui itini tTn-ichtcn Ij«*l»Misjiihri' (7-'» !^'l WO 1'!* 
lltl II7>/,H crklärrii iil> auiii dit* Zrit aiislindi^j zu iiiarlHMi, 
w*«U'her die Srhnlr drnvh die Verbrennimj; ihrer meisteii 
i| dif Fliit-Iit >liM' nliri^i-ii Mit^IifttiT iiiit'.luhncehnie hiriuurt 
Hin SlilUtjind ^i'Iiriu'lil «orrli'n i-i. 

I > i e Data der ä e h t e ii U e li er I i l* {' r r ii ii ^ v o n 
I'y tha|B;orn-:. 

In di'iu /.i^iljilter, weUdif tu PytIiagrtriuJ aiiffohürt, herrsrlite 
luiri-itit eine leldnitte litenirisclte TliiUijifkeii; /-öj^lin^e von 
llnii waren die S"ilHir der ersten Kaniilieii i.iri)<-j^rit''-luiiiliniil>, 
*A^■\[o in reit'iTeii -lahivri an die Spitze der lle^ii-niiij^ ifirer 
Dt'iuuit traten, uiitl die (iet^clii eilte iler iinteritaiis*Iiet] Stadt* 
'Mil ^icii ein Jahrlinndert liinditn-h yr<isM'ntJ»eils um den 
*^'mi]>r /.lA'iselten den Anliaii;{eni (!e> I'ytliaj^irriL-* und ilireii 
"•■iiielcmliiirhen t lepiern : von den eigen tlitdien l'ytlnigureieni 
"""1 mit der Zi-it mehrere als Stdirifisteller iiuf^treten und 
■«* uitliHUielien Mittlieilun^eii des letzten viui ilineii, de.-; in 
*''"^i Alter Von lü.'i Jahren zn Athen versttirlwiien Xenu- 
P'uluf« verarhuiU.-t4* j^^gen Knde de« viert^^n Jahrhuni|ertri «iuer 



142 



SitzitHjt tlrr jjttUnH.-pliilnl. ('Inxite rem ^, Mai 1683. 



lipr I>eHLMiton(Isf^n SohüliT ilts ArirfhiU'Ips, AristoxiMiciK 
Turent, in sciiior Ge-;chic*hte «le^ PythaK****'*-*^ """^' ''''"' ^V 
KoreitT. An iMuer iiuhten Ueberliüferiiii)? fehlt*? tv uIm) u 
nn»i AristoxciHi:*. ihr Haii|ilvertr«*tiT. i^t von «ieti -pjiftMi Schnlt- 
.Ktellcra, auf lik* wir uns fui^ewiesen M*Iu'n, thcils nnmittcllmr 
tlioils iiuHrckt hciinty-t W(H*i1»mi; von /jbliliinj^jiKtMi in-ilicli wml 
nur eint' uns ihm iin^'ct'iilirt, die von 4<» Lfltensjahreii. welehi 
Pytha^'orut* h(?i «Itr (ininHunfj; der Schitk* iu Unteritjilifn ^^? 
ziihlt hiilK', uml dioc i-t tHMierdintfs für eine Krhniluiig e' 
klärt wdrden. Thtss di** von jehrr nnd iillt*iithallM'ii [ib]ii-he- 
Ankufliifuii^ lies Hiih<»jiiinkU*< ^ei.-tiger UWfr itn dii.«- 40. Le-' 
ln'iLsjiihr ZM tiinj^rajiliisLliLni Erdichtimj^en verwendet wnrden 
ist. hat Oiels Kheiii. Mus. XXXI 1 ff. tin iiiehreiN?u Pülh-ii 
HchliLgeiid erwiesen, in nicht wenigen jedoch nach uii>ieree 
UeherzeDjrnn^' ilcht ^esohiflüliche DnU\ zu m^ihisthen ji«^ 
Htenipeli iinil iluss dies aiu-h von ch'iii des Arist^ixemi^ ^filL, 
wird ÄiirK gleich herunsstfllen: die «)c((ij den rythuRonts, t4ein 
erste.« Auftreten :tl> Mei^-ti-r tullt 4 Jahre vor jentMn Kr- 
oiKTii^j^. ' 1 

Die WiindiTunjf von Siinios niieh [taiUcri. zn welcher 
den 40 .lahn- alten Phil(>si»ithen {ye/orönt ttun- rttnsvmö/.Oita, 
Aristoxeno-4 Iwi f'orphyrios v. I*yth. i>| Her Dnuk der Herr- 
»chitft des {'olvkrate;- veriinliL-u^te. wird von Tieeni rep. II 
15,28 und .Ianihli<-lu..> v. Pyth. ^(5 in die fi2. Olympiade «e- 
aetet: dieseihe Olympiade nenuen Tatianus ndv. (iraeiiw 41 

1) Die in ttttxi» Xijtrttt xurnarftfipai von Ariatoxetioü hei ininhlt 
240 nnju-Iieiiifritl uuHj^'t.'MpnK'hoiic riij{ewiMxl»>it ÖIht Ort um! iliimit 
aacli Zeit de* ToiIph erkJlirt »iib daniu«, diis« Xikoiniu-hoi«. wetrliPiii 
JftniblirhoN den Uericlit densfllieii inillelmt liiit, lilr wiiie Phwoc 
auderor Anifidit wur; y.ii iiytua int ali^u im Sinne de» Nikoniui-bcH 
i'it' AfiminU'ov zw iM-j»iiii/.eii. Würe e« ün'ier«. ko wUnli^ «lic «hfl« 
jt'di>ii Schein i'iniT UnNicIir-rlit-it iuix;f<-Kproch(rne Aii;frtlie illM-r rl» 
40. fjchriHJAlir de« l'ytbiigotdtt nur um so vertrauen.iwQrdi^er e 
•cheiuen inOii8cn. 



VntifT: Zur (irsvhiclilr. tln- J'iftluitjorricr. 143 

ntl :inilore Kirclienväiter. imi srin Niimhaftwonlfn zu liatireii, 
und (lif NfUBrcn fflzfii ^äninitlicli IkmiI»; Krci^nissf in iliis 
er*!«* Julir der^-fUjen, 532/1 v. Chr.; woiturch seiue Oehnrt 
in r>72/l tnl+T ."»7],f'. .«*'in Tod abi'r, wf-iin riisiii die rnedrij^tt' 
und x'lniii ditriini wiilir-iihi'iiilicli^ti' AnpilM* vom *.'» Li'Ik-ii-- 
jjihren ') aiiniinmt. unt 107 vm .-«tehen kommt. AWr dio 
Waudpfiinj^ nach Italifii ni-tzt kein alter S('liritt,-tellf r . tlii« 
NHiiihaftw<>rdcn nur viiw Tcxtvariuntf ilnr /,u DiLtirung Idos 
in ÄiilisidiBrWhf>r Weist' verwendhuren") Notizen de?* eibJi'h- 
i<4:lit<n KiinoiL-^ in da-J ernte Jahr jener Olympiade und 
riirt für dft/^ Tiirle-'jahr 4i>7 "itricht, irst wiedt-nini nur eine 
ftiche Variant-e.") Hin hp.--timnites .lahnlatuni t'iir die L'ni- 
•nedliuiK Uetert nur Cirero a. a. ()., ulier es ist G2, 4. 'j20/6: 
Itiiirtiim inni aiininn re^aiite 1.. Tariiuinio Stiperlxi Syburim 
ti'n>toiieni IVthaguras veniss** dicitur: olyniiiiju-^ euini seriindu 
et nexH^'sinia eadem Stiperl« regiii initiinn et Hythajfnriie 
deelariit udventnm: wenn sowidd der Anfang idf da*< 4. Jahr 
dt» Superbuf in Oi. Vt'J, fallt-, so kann jener nnr anf i»2. 1, 
die>«s hl<l^ iiut' IV2,'I treffen, v^d. Ithein. Mus. XXXV II ff. 
l>iuu >-timnit Jibitinus XX t i-uni annos XX Cmfcone egiHKet 
UVtapnutnni «»nii^jr.ivit iUiqne deeejwit') insofern, iih* Pythji- 

li Synkellw i». 461» ür^nj-oimc ö ^iXoamfos rfJyfl**r iimy i;*' 

»' it ot. Hip/.ii diirf man dii- aiw guten tiac-lloti «■•■Htwueoi* Sirhrifl 

tl"" hl»oht*n Lu<'iHii de tnu<Tolai>f fnÄ*-'"- welo-hf c. IH— 22 unter den 

Ol^r 78 .Inlire iilt gewardenen ijelchrtpn xwHr einen l'ytbajtoreier 

»J «i»"!! Liihrer ile» l'ythugoni«, nicht uIkt ilieceu nelhMt nuHTlhrt. 

2) lliilologw) XM rt*21. IHe armenwohe CobcmetKunif (jiht Pytliti- 

-<n;riif>Kc-pIiiiliir xwiir nnter Ol. *I2,I, wilhrenil die Hd.-*«. den 

' "nyiiiuw xwisriieii 'i'2. S. 4. UM, 1. 2. ^t nctiwnnken; ul»er die Ol/ni- 

fU'iMiziVtdiing dtw ArmfuieiM ist (iiieiult nm ein Jahr xn niedrig:, 

••tlifti,,,, 111 :lit.i. rhiloj. A«r.eiKer I 4H. Vif 40:p. 

3*1 IW Aniienier Ol. 70. 2 (hmII 70.1 1: die Iideinischen IM«*. 70, 
<'^. 4. 71. 1. 

4t Von der lb>llii-ili^aii>^ de« I'vtbiL^tira.-« uii iU*ii Hlndt-lu, welche 
**' iem Kall von ÖyliftH?* endigten, Bthwfijytt der Aunzug des Juitinue, 



144 SUzting tkr phihv>.-jittü(ii. CloMte eom .». Mai ltiS3. 

Kuriis luti-h der ftll^t-mfineiL, nime Zweifel auf Aristoxenc 
zMriifk<;i.'ln»inlt'u l'elierlicfeniiig Kntton er^t nai'li tleni Untt-r 
iinna V(ni Syl)aris verla.-ä.-if^i liiit, DÜMlor XII 9. A|Mi1lciiii(ij 
voll Tyaiiu Inm .luiii))!. 2>~j4. •luiiiblicluH i:t:{, tl. i. NiknuitU'hi: 
von ricnisi*,') SylMiris wimlu 511 (uirht .'»10) zerstört: di>« 
t?r(*te Wifdomuflmu im J. 403 gf?**'bali »er« riji- v.araay.fnfi\» 
taifQOi' f'reoip oxttij n^t; toic iiEtti,xornt Wum], XI ÜO; 
voiif^ur titotv oxtriJ ;r^t; lOi»; ^lefti'jxofitt cImmuI. XII |0; 
wäre der PlntdMjjjh scheu 532i naeU KroU)ii j^ukommon, 
würrir j^'iiiH Aii-iwnn(I«.'ruii|ii; iiorli in ilt-iii Kriogi* mlor vn 
dmiMlIjfii rttuttfrefiitiili'H IiuIh'H. I>i<: Njirlirirht*^n tle,- Tn^ii* 
.TiistiniiH über Pytha^iriL-s sUimmeii, wie Unhde p. i'.i »eiii 
niis Tiiuaioi, nlso uils ^iitor Quelle, und itiitt'*lbiLr wtihl ani 
Aristoxriuis: diesoiii eij^onthntnlicli ist die Meldiiiij^. da.-« 
I'ythuf^oni.-; vtm Kn>t-<tti iiiub Mi-t:i|H>iit ue/nj^iMi iiitd dort j^- 
storlH'U ist |.l;inibl. 24!l). l>ier*er Urt*(wcrh^ul Rilll denumch 

V'dii dfiii Hbitiirnjulir di-s l'yLhu^'oras ;,'ilit u-* rUMifidl4| 
nur i-iiii' \'\imf(i} iK'st'iuuiit^- Aukube uimI uiieh diese laute 
nicht auf <i2« I: Oiodor. X M f.r' ctQxovtoci l4^t\viflt &r;(r- 



weil fr« iiii^t^t auf tlenitif^bflMUit; uml üu.snihrlieho DantU'Uuitt; iiiUn 
f*jwiinl«'r INii'ttt'n jjcridit^t, mit iimlt>i'L>n irroftjten Ktncken der tint^T 
itulisulifu iiiiil tiL'iliHrlii-n Ucsi-hicUtt' aiicli rli'ii Krict' zwiMi-lu'n Syl«n»l 
iitnl Krtttori iWii'rj<itrinj.H ; uIhm- m'ini' Ainl'Hliriiti^' üIht dvii Kittfii* iiiifl'j 
kOr|>pn*tillil4>mK-ti KinHu-"!. wolclit^n ,ji<ni>r in KmtoLi tiiitf>, im /nxan 
luenludt uiit drr i'>ziihluiig vuii (U'r Nii-derlu;^ der KruUmi»ti-ii iuJl| 
8a>nu, irnt'li wulcfaor sie cr«t tliireli I\>'thagonu zur Wi(Hlfr.infiuU)ii 
iler \VaHt'iH'lliini;fi>ii jit*linulit u-ortleii seü-n, Ifwsl s('l)lw'jwi»n, <liixi* Trcf- 
KiiH ilcn Sir;: (il»T ilic Sj-lmrii^u hIh ilen j^ntiixiTnI-h-n Krfiil>r -tt-inii 
Wirkp*aiukril IH-Iiaiuli-It \nv\.U-. Wt-nn H.nnlut V 44 di'>i I'liilo<o|>lit*n 
nicht gi?(lt'nkt, ttii erklärt Hii'li «liox ilitriUiH, «Iiuk <t aiirdt'ii Krifi* ritt 
wegen de» Oorietw eiiifreht. 

ll \W\ th'r /iiriickl'illiniiit* der SU-llcn do^ liiniMiL'hog anf ilai 
iVnidli-n fidjet* ii:li üliomll, wo keine Ui'iiierknn^ ^<<;<o1>imi \A, derr« 
trefliicben Analyse itobdi/«. 



ITngcr: JSur Gatchichte Her Pythaijorcier. 



Wo 



%tpvg xcrrö rijv fa' 6h:fintada nv&ayofiai; o ifiloaoifOt; 

piLsro; Thcriklns anitirt« Gl, 4. b'-Ä\\2, Ditmj'sios v. Hui. 

vh. IV 41. lH(i«liirs litiTarp'srhJi'Iitlit'li"' Anmibun stiminit'U 

'au--^ Ap4»lliNltiit)^. Philol. XLl *j;V». All^ffiiieiiior ^ehaltt'u ist 

Hjwiilil <lie Zcitlicstiiniiiun^ hU der Pra^dit-ui-fiiiisdruck bei 

JiiiiniiiiK u. II. (I. yEyuvt'\i; Evniaxtrat siEQt f,/ mid Clpiiiens 

roiu. I 'M)2 yevtif!}at )Jyerai /fiQi itjy ^^i^xoffr»,V derifftav 

Au.'itddn y.aiü l/oXtiiQüct,f t6>- ivoavvo}': wie vim Cit-oro 

wird von Tittianu^ und Clcineai die OhiTinik de.s Apollo- 

vnn Clemens aiirli die seines Bearbeiters und Kurt- 

l)ioiiyäi4hi viel beiifiUt imd der AiL-^drnck 'er lebte um 

!. (>2' Hcheint j^ewählt z« nein, iiiu diif* Datum der ax/nj 

1,4 mit dem der Äweiteu, berrihmteren SehulgriiiiHun^f <»2, 4 

eini^ct'U zu küuuen. Kn<t Kusebii>s praep. evanjf. X 11.21 

jamiiit KJeb herau>, in dem Exietpt iiii?- Tatiauus ei^eniiiÜLlitif? 

la au die .Stelle vtm /ic^i zu ^ctKcii, und weuu Kyrillos 

It. .Iiilitinuni I 12 ebeiw) bestimmt f^r^xvac^ thir^^t^t oXifi- 

j(«r(Ji nvifay6Qft<; yivtaiim /Jyitia scLreibt, srt gewinnt nuin. 

nI i*eiii ehronologis<'lier Kxeniv in WiihrUeit nur ein Aiw- 

1$; aus dem Kanon dei* Kiisebiii!' ist, dumuK weiter iiiehto« 

il»- «lie (lewi-sheit. diiss unter den cd>en p. 14^^ Aiiiu. M eilirUm 

VariAuU^n eine vun denjenigen vi>ntiizielieu ist, welche für 

Ol. it'Z Hiirwlie«. AiHiIkidoro,-* dueUte bei der anfi-q des Vy- 

'l,>L'«>ra- Uli -iein Aiitlreten als I.ebrer in Samiw. Durt liath- 

•■! fuie Sclinle ^eiiulteii ; die Stätte diTseiben und eiin* von 

iluw vielbe-^nehte HOlile wurde noch rt|)äter geaeinjt, 4ie« be- 

wu(ft. ein Zeit)^en(ts.se imd Nel)enbiili[er de.-* Sokruti'.s, der 

'^tliist AuLipliitn bei l*orpb\T. I'ytii. ft: dass er M-htm tu 

>vafu* «ich einen Knrfv-^eu Namen ^emaeht hatte, sirtzen U*'ru- 

klfiUw iM'i l)i()(f. VIU l> und }lerodi>t<»s IV !)."> vorauK» s. 

Zi-IliT ! iSM: uusimbrliehe Narliricbten. naMirliel» mit viel 

[ AQM«4'tjiiin4;kiin^en , j^il»t nlM-r seim' Wirksamkeit aui' Sanios 

|J(uiiblii'|iür« 20 ff, ans Nikoniiich<>8. Diese hat alno 4 Jahre 

H»auTt: «n viele nimmt in der That ApoEiuniot« von Tyana 

ll^t Pbilnu.-philol. hi«i. Cl. ü.» 10 



146 SiUuug der pfiüos.'phSol. Clatme vom 5. Mw JQS3. 

bei JarablichoH 19; 265 an. wenn er die Gründung der 
miwhen Schnle in Kein 5fl. LebenKJiihr setzt und ihn niicfe 
SOjiihri^fer I.eitini(j fa.4 100 (d. i. 90 niah Synkclhw p. 4(1» 
imd Tzt-'tzes chil. XI 98) .luhre alt sturUm Ul-vt. Seiner Knt- 
deckimg der Einheit des M<»rgen- und AlwndstemK gibt d 
jetzige Text des Plinius hi^^t. II 37 olympiade cireiter XLII 
(var, XXXIf) i{\n fnit »rbis Uoniue aunii> OXLIT (viir. <'XVI 
CXIII) ein unglmiUlicli hohes, zu keiner auch uueh w» früh' 
Allgabe Ober seine Gebtirtsüeit pa^tsendes Datum: wir schrei 
LXTI und C'XXII. Den Zusatz rircitor mnrht PliniiiP, vne 
das besfcinimt^ Stadtjahr lehrt, nicht weil ihm dos genaue^ 
Olympiadenrlatnm tinlxtkannt ist, soiuleni luii die durch ih 
UmstTindlichkeit Iil^ige Bezeiclmung den-ielben abzukürzen 
das in der Hedncti<ui auf .Sta<ltjahr 222 vorniisge^etzte mu« 
aber, wie filwrall wo der Monat tinliekannt oder nicht Ijerfick- 
sichtigt ist, auä der Gleichung von Stadtj. 1 =01. 0,8. 7*5-t'^l 
berechnet werilen.') Stadtjahr 222 i.st als<i = 01.01,4, wo- 
für PbniIl^; umsrhrfil>eni| 'um OL 02 gesagt hat, d. i. diu 
die ß2. Olynipienfeier. Dass die Zeit jener Knt.deckung di 
Späteren s<» genau bekannt gewesen sei, darf folglich 
zweifelt wenlen: sie ist. wie wir ghiubeii, in das K|KX'htfn- 
jahr seiner wiswenscbaftUchfU Thütigkeit, in den Zeitpunkt 
seiner ax/iTj gesetzt. In der^^elben Weise erklärt «ich derfl 
verwandte Fall Plin. II 81 obliquitateni (ccm^Ü, die S<"hii*fc 
der Ekliptik} inteUexis-^e Auaxirnauder triiditur prinnis olyrn- 
piade quinquagesinia (x^tava: Apollodoroe setzt den Tod dea' 
Thate.-^ und damit die Maclifolge seines SchtUers auf dem 
niileKisi'hen Lehrstuhl in Ol. 08.2, Philotogus XLI 022. 
Pythagüraa, 529/8 in einem Alter von 40 .lahren sttdiend, 



ibei^ 

*He 
lue 

:.k- 

.^ 

ro- 
om 
deifl 
ho^ 

1 



I) Sa wird von PliiiiuH II ^i die St^nnenfiniitembw des Thftlci, 
(28. Mai ÖSTj) in (H. 48,4 und .Stadtjahr 120. nicht Iia jresetat. 
Nepos über, weltrheni Stadtjaln- l — Ol. 7,2. 751/0 war, die Sohla 
bei Mtimthon, j.'CMhehfD Ol. 72;2. 490. in Stadtjabr 260 UielHiu XVI 
21), nicht 261 gcaUdlt. 



Ung€r:,Zur OtschidUe der Pythngoreiet. 



147 



»ur um 508 (entwwler 509/8 oder 508/7) |?eboren und etarb 
7ä .Jahre ult 401 «xler wahr-ichinnlii^ber 498. Dieselbe Ge- 
ImrtH^eit ist auch in Nr. 2, die.«iflbe Tod&szeit in Nr. l der 
(in anderen Punkten) getalHchten Data voraii«j5e>*etzt, die .tH 
Jahre der Wirksunikeit in L'nteritalien bei Apolloniiw sind 
aufi Verwechalmig dieser mit der K'''^'i"i"'t'^" LehrtbätiKkeit 
(4 in SiunoN. M.'i in Italien) hervorgegangen. Von den An- 
gaben äciuer lrt:benstJ(iuer sind lilierhtuipt nur die zwei nied- 
ri^«n, 75 und 80 mr^lieh, weil die andern seinen Tml in 
478 und noch weiter herab führen würden : die Zahl 80 ist 
aber anerk.annter Maxüea gefälscht, während die andre da- 
dun^h K*^'tntzt wird, dass 404 zu Krot<j!i eine mit Austreibung 
der PyÜJttgoreier verbundene Umwälzung .stattgefunden hat, 
welche mit dem einige -lahrzelint*' späteren Feuertod der- 
•tfllvon leii-ht vi'rwe<'li.selt. werden m\\\ daduixdi den Anst<j(« 
zu dem im Alterthum weit verbreiteten Irrthuni geben konnte, 
der Tod des PythagoroN sei mit der Vfr\)renniingskat;Lstrophe 
verbunden gewesen (Hier weuigsten.s, wim die ältere von bei- 
den Ansichteu iwt, bald darnach erlbigt und mittelbar durch 
nie herl)eigeffihrt worden. 

FäUchuugeu der l'ebf rl ieferung von Pythagoras. 

I. In 582 I oder 5^:1/2 setzt die Geburt des Pythagorns 
ein {»mit nirgend» genannter Scliriftsttdlnr bei l'iemens ntrom. 
I. M^ ^4vit'loxog 6 roiCi 'iato^a^ nQayuufeiaatiero^ and 
tfji llv^ayo^v ^hy.iag*) (Jti ttjv 'EttxovQov re)MTt]y (127,2. 

rl) B*!Qtlpy BriRfn <ip> l*h.ilari« ji. II". weicIuMU dir NimiTßn iiiciHt 
K, iMTXtebt iJJ4«i'h im tiimie vou »ifi'i aul" Uns -<J. Lebon^alir ; aWr 
^ Eintritt in daH Monncniiter und damit in ilen wehrhutlcn Uürf^er- 
'^wd h&t Nif'iiiund zur Kpoclie einn* I)orl1hiiih>n MiinnPH gf>iiuu''lit, ani 
*'l"m'»'iiiK«ten in B<'tit*rt eine» «Iclchrt«-», iid'1 Bi^ntley» üiKime r'itut:!- 
'^^i^a in^Kfn ihn, z, }i. i.'leiiit'nw Mtrom. !>. 'Wi ini ri]f ZoiouiÜyroi 
^'"'i^, il. i. wir U. m'Ilwt biMiii^rlct, Ww zu Öalomcw Ilot^ieriin^'iiantrilt 
u «itiem 23. ljt^U>ntijahr; \v. liQü ftitn t^y 'Ofni^ov oder 'iÜQ fttni 

10» 



1 48 Sitzung ihr iMilas.-j^iUtJ. Cla$M tom £. Mai tSRS. 

271/01 ya^ttjXH~ivo<; 64 dcxariy yevoftiyrpf irt^ ^'(fet t« Tjovra 
tgtoHoata duide-za. Von .%82 ins 493 sind bei Kinzilhluti^' 
)>ei(lL'r Oiitii no -liihrt?: dioMo Summe fiiml Diofifonra von Lnorte 
in der Mi'lirzalil seiner Quellen vor. VIII 44 t^ tu frleiatoi 
tttj ßiot'i; fyertlxnytd. Kr kennt weder die Tr» uofh die 80 
.Tiilire, welche Synkeüos nh die einzigen ihm bekannten Le 
Uensjahrwuinniftu iinführt. hatte alwi. wiw uueh uus anderen 
Grflndcn wuhrschnnlii-h ist, nur wenige (Quellen 7.nr \'cr 
fflj(unj^: >tinniit,«'ii zwei niiteinunder in iH) gegen die 80 de 
Herakleides zuäuiniiieii, sii war das ITir ilui Onind genug 
/tküitTcot /,u sagen. Itiengen diese von dersellwn AnKichl am 
wie AntihieliOft. sn Imt ihr Trheher das !ioht*> T(>de»<dntut 
l»eibehalten, aber die Gebnrtszeit znriU'kgeschoben: die Ur 
saebeii dieser Falsehnng ßtiden wir darin, das« die Angabe' 
des Aristoxenas über den lieweggrtmd der Auswandiruug^ 
deH Pythagoras falsch vcr-^tandeii und die Anfangsepfiche de 
Polykrates zwietacli ln-ytiumit werden konnte. 

Nicht die Krhebnng de« l'oh'krate« /.um Herrscher «»»- 
dem die Zunahme tlea Druckes seiner llegieruug hatte deD| 
l*hi]oso])hen aus Samos vertrieben, Aristoxentw bei Porphyr. 
of/t'jytix ijjv Tov Roli/.QUiuf^ ttgavflifa Ofvrot'ioitQat' ovaaVt 
tijiJiK y.uXtiic: i-x*^iv t)^iiti(nii dvÖfii rijv ^^itoiualuy it xai de<i- 
noteini' itij v.f ofttvHv ^ olThft; dij rijv sig *ltah'av cf/rn^fP'M 
jTOiTitJaoOat. Diese Angabe ist v<ui den Spät4.'ren meist da- 
hin luiss verstanden wonlen, dass die Entjstehung der Tyrannis 
Ursache seiner VVanderung nach fremden Ländeni geworden 

T^f /frxoe'p/nr ^Xixiai: In all ilii-^fii Aii^iili^n lat ^^tJtin mit MtAAij 
L('brnH7J'it. fj|pi('lili('ili'ii(i'nil nml ilii« Kpdi'ln' iIi'i-scIIm'ii jr niirh ilna 
Xusammenliatij; vt?rsrbi«^«lt'n: in iiiisn:iu Fiillo gt^ht auj* der rlcn An-' 
funf^-iinmkt. mitiimfuMsendon Bedeutnnjf von linti (sojt, von— an) orw! 
dem 'ietfensutz i'Urrij htn'or. diws vom HfUirt-siiihr ab jfejilildi int-j 
DcinnridioH jf. Ih-inoHtli. -tH r« ftiK(fiii' rtgü ri;c ii«/»^p«c ijÄHEfff*- yrytw 
ftfvu (die IJf.'frciim^ di^r Kitdineia ittu Anfiui^» :tTH) lufint mit /*'« 
offenhiir nirht einir Xwisr|ii>ii/.eit vun etwu -IT Muodfm di<' von untf^J 
fiUir IT .Jiihri-n Itjit so «einer Geburt. 



Uttifer; %t\r Geachkhte thr }*gthofforeier. 



Mii 



ixXtittiy fi^v 7i6Xii-; ApoUuiiicM b. Juinlil. 11 i'notfvufiirtig 
a^fH iTji; llo?.ty.^dnjt<^ /(■^«mJot.*,' Apulciiia florid. ji. 18 
Piilj^cnite L-omiiiuilum (Kiuiinari urwj; l'urpliyr. II! ttj^ lloXu- 
z^iiutt; fi (iar*-/ J'A,* ^a^mv xaiaXujim'ai^i:, Wut Chnmoloj^if 
H« PoIykrHt«*?! ist tVühzoitig djulnrch in Wrwirniiig gi^ruthnn, 
il*i8f. er zMviiiiiil Ht-rrM^^lu-r gi'wnnieii war. ziUTNfc Über den 
ilrittoii Tltfil vüu Siimus tluri:h den Stur/, iler llt^pnliEik, später 
Ober diß gan/e Insel dtirch den Sburz »ciuer zwei GuuiMäcn, 
HiT«»]. III ;V.l tu fitv 7HHtiia tfii/j, Srtunfteroi; ttjv rtohv 
MOt üötAffiotOi liutiuyyt'nt^t Aui ^vlifoöjyii ^r«/ie , f.t€td öi 
pv fidv ai*tojy d.tuAieivu^ luv 6i yeiufi^ui' ^iXuifoivta f^nkd- 
aag ta^e näoav irjr 2^fAuv, Wie lange Zeit »wisclien btMilou 
Krpigiiiicieu liftCt, ist aiiä Jita*er Ste-llt? lüvlit /.n i'nschrn: bei 
HtT. VI ;JH lie/eichiul ttttct dt t-iiie Krist vnn iiiclir aU 
l2U .lahreii. Nach deiu (iewinn di^r AlleiiibHTschatl wurde, 
wie HePHint. IM 'Mt iortfiilirt, l*i)lylvriih**i in Halde («' Xif"*'^i* 
uAi'yi;! ai'timu) mächtig und st-iii Name gros« in ganz loiiicii 
und dem fibrigeii Ilt-Ihui: denn wohin initner er seine WiitYen 
richtet«, Holilug ihm alle« xiiin GIIK:k au«: UtO Künfzignidt-rer 
hiswtsM IT und liHM» Sihüt.wn; rr bmnd schätzte alle WVIt, 
Freunde wie Fuiiide, uud ver[»llifhtete siuh dünn jene durt-h 
Iler4ti»gabe des Haubes; viele von den Innulu nberwältigU; 
f-r und viele l'VstlHnd.stiidU', imt^'v luiilHrii uurh die Le^hier, 
tlie in einer ?5<*<5>ihlai]it liluTwuinIrn Wurden. |)ie Pericidc 
<icr AlleiuhtTrHchai'l inid hohen Matht des Polykrateä talll: 
in diu Ztdt de» Kanihysc», Thuhyd. I llt IloXvn^it^^ ^ftov 
ti(fai'iu?tv f.ii hrtiifiituiv t-aitui^i ta-/v(iiy akJLa^ te n^n f^aoiy 
ifjK^otg tjtoiifdaiu xui 'l'iffuuy ihoy (/^•^.'>^X£ ii^ij linoXkvtyi 
»V Jr^Js^t, lind niiiss, weil Hein Kude sehtni iru Jahre Koni.s 
2:iit ll'üniu« hi^t. XXXIII 227). d. i. Ol. O:?, I. r.2.Vl .<tatt- 
.gffundni hat, kurz, vtir oder zifuilich gleiehy-vilig mit der 
JBi^icning i\fA Kiunhv-'e« hegounen IiuIhmi, welcher im August 
1530 den Thron bestieg, m. Kyaxarcs und Astyagi-s p. 280- 



1 5U SUsuMff der itlütos.-phÜol. CUuse vom 5. Mni ItüfS. 



Aus-_ 

4egtJ 



l'fti rücksiclitsloji ^ewaltthätigen Sinn, welchen er gegen diaj 
eigt^nvii BrDdtT und befreimdetc Staaten Kcigtc, wird er in 
den Siiiuicrn gegenüber nicht )ange mehr unt*«rdriickt hnh<>n, 
gegen welche er vorher, su hiuge die UriUler thni die Wage 
hielten, sich nothweiidig hiittie MiUsiguiig liuferlpgen niI1»ten, 
uod so mag denn die ZiiriiLbnie dea Druckes »einer Herrschaft, 
weUhe Pythagtira-' nicht ertragen konnte, gleich nach dein 
Sturz der zwei IJrJicIer eingetreten sein. I'> ist nur eine 
Verwechslung der zwei HerrfichalW]>ochen des l'olykrates^ 
wenn eine Notiz di'N eu.sehischi-n Kamins, auf welelie hin 
man w^it lange den ersten Anfang de.'^selben njit der Aus-j 
Wanderung des l'ythagoras in gleiche Zeit /ii «etwm ptit 
unter Ol. (J2 die Herrschaft der Brüder l'olykratea, SyUwoa 
und Pantiiguü8t<w anbringt:') deusedben Fehler I>egeht Ovidiiia* 
metam. XV fjl tiigit et .Siuiiiin et doniludN; ob auch (.Uemem^ 
(oben p. 145), ist fraglich. Den umgekehrten Kehler finde 
wir bei Straljon, welcher p. 1)38 den Polykratt« von Anfang 
an uUcin regieren lünat. 

Dass Polykrates wenigstens noch in der erstea Zeit 
seiner Alleiniierrschuft dem Pythagoras Wohlwollen bewiesen 
hat, lehrt das Zeugrilss des Sophisten Antiphon bei Diog. VIU 7 
uiid Poridiyr. 7, dieser sei von ihm mit einem EmpfelilungH- 
brief au den Aegypterkönig Aiuit-^is au^gejftnttet wonlen: dasfl 
luag entweder Iwi oder gleich nach dem Alwclilnss der Ver- 
bindung mit Amasis geschehen sein, welchen Herodot 111 31' 
als den craten Hegienmgsfikt des neuen Alleinhen^ichers von 
Siunos anführt: die iigyptisclie RjtMst*") des l'liilos<iphcn fällt 



11 Oei- Änuenier in demselben Jahr wiß Hcn Pjrtliagoras; di* 
I1(1m«. de« lateinischen L'eWntetzerB HieronyrauB unter Ol. ttl,2. 4. 62,1. 

2) 8ie ifit Hiicli Vü]) Tsokrfttes de bip^ c. 11 und vielen fq^tfüertm 
SchrifUtelleni bezutigi.. von keinem Wstritten oder indirekt auHge- 
6ehloa«cn. LJe^i-n dii^ M'-ldmi*,' dea Kretriei-M Diodoro» um! d«« Arürto- 
xenw von Pythugoriw' Verkelir mit dem L'huldaier Zoratoa bei HijJ'J 
[»olytos philos. 1,2 oder Ticlmebr gegen die GlfLubwUrdigkeit di 



Unger: Zur Gtuc^üchU der Pitlkafforrier. 



151 



Uieniwh in Ol. »»2,:*. .VIO^SO. Ks liegt überhnnjit kein An- 
xeii-heii vor, cIilss dieser «elbut von Piilykrates eine schliiuine 
Rehnndliiiig ('rfahren hatte, mich allem hat vielmehr daa 
tyraiifiL'd'he Auftreten K*^'jjen die Mitljürjjrer und rler eigene 
Kreiheitssinu ihm den Aiitenthtilt in Siinuis verleidet und die 
Anjraben der Spiteren, da«s er nach der Heinikehr von der 
Heise die ZiL-*täude utileidlieh ^efuuden hiit, sind Vidlkonimen 
wahrscheinlich. Ojws aber l'ulykrates lange vor Ivainbyses 
'/jcii schon (ahi Theilfürst) regiert hat^ geht /nniy^hst ans 
HeriMlot 111 IHI hervor: dtvztgii> ttü laXäviov ^-ilytr^Tai 
St^fiootij fnattevriat (den Arzt Deuiokedes) • iQtttii dk ttet 
yfthjVetlot fxaiof ^viuiv • leia^iiit de liei lIohxQtxti^i; öim' 
taXantav. ot*tw ftiv ärcUeto ig rijy ^fiov. Nic.lit dem 
PeidbitnitoH aUo, snndern dem attischen Denin» hatte Deinuke- 
dee gedient, als l*ol>krutcs ihn in Suld nahm, d. i. zu einer 
Zeit al» Peisistratoa vertrieben war; daa Ictate Exil des atti- 
hen Tyniimen ist aber »]>ät6stens Ol. itOA. 5IiÖ zu Knde 
VK'*"K^"* ') f*'*' Krhebnng der drei Brüder wuifh; viiii 
LygdauiiM dein Tyrannen von Nhxus nnl^nsiül/t, l'ulyiteu I 2;l; 
Me gtMduth uhio nach 57,2. 551,0: demi in diesem Jalire 
iH'gann die dritte Il*?gieriing des PeL<iMtrat(w, welelier nach 
ihrem Anfang uud vor 049 den Lygdamü iii Naxos ein- 
setzte, llerod. 1 (i4. Pulykrates war 58,3. 54()/5 bereit« 
Herrscher: 514 Jahre zälilt .lanihlichos theologuniena arith- 
nu'ticeM p. 41 von Euphitrbns TikI bis auf Xencijibanes, die 
Zeiten des Anakremi und Polykrates und den Krieg de« 
IhLTiHigdH gegen die ionischen Städte. Das.^ die samische 



fl'elJil^'reii hiitfliuhtHrh de« Cittit« trifft zwar der von Zellcr I 275 or- 
bohrtjtf Einwund nicht i\x: donn daa angebliche Bohnenverbot de« 
ittrabjB und r,vthaKoni8 führt er aiil die Vulgutn {Xiy^tat) xurfluk. 
AW rine («hjlonische Hei«« liisst »ich neben der 5jf>'j)tiBcUen im 

.J-i*ftl;i9 nicht unterbrinfteu und der Bericht den Porphyrios 7 — U 

[ NhlieMit ontero rolUtändi}; ilus. 

II Dir R«f(terungen de» PeiBistralo«, Fleckeisens Jahrbb. 1888, 



154 Sitiuttff der pkitos.-phdoi. Clasxe titm 5. Mai 1883, 




die "italiwthc' mit fol^tfiult^ii Naiiieu: PjthiiKorus (t^-hfller des 
Weisen Pherekyiles) T<;lntige« Xeno{>ha(ie)« Purinenides Zennii 
LoiikippoH l>(>mnkrJU>s Xanmiilianas mit Niiasikyiks, emlticli 
KpikiinjH. An tlrii pythisiUeii Spielfu 11», :t. 5811 lit-j*s uiiui 
die Ki4^1>eii Weisen tu Delphui zuäuiiiiiieiitrefi'en, dies war dii-* 
Greburtsjahr ihres Elu*ennamenA, Uiog. 1 22 GaX^g ngtöiog 
ao<p6i; üiyüuda!ttj ä^ymzv'^ \40t]vt^at Ja^a0iui\ xali^vv vi 
irtiti aot/Hii £xJ.tj^f/(rur, vü^ tptfii ^rßn^iQiog o 0aktj^ct ^ : 
88 war ein schnnea ZuäaimiieutretffU, weuu gerade damals 
der Stifter dur einen iteihe diis Ukhi der Welt erblickte. 

2. Nach Apnllmn'».s von 'ryiinu bei JaniM. II — IK; 
2H5 verlies« Pythagoras die Heimat im 18. Lebensjahri' wegen 
de» Pulykrate» und bej^ab tticli /.(i den iuiilMcbeu Meistern,, 
um deren ('nteiTieht zu genifsseii , hielt .si<Ii dann 22 duhre 
\tiin; in Ae^jypttiii auf, bis er von Scddut^*n de.> Kambyses 
^efun>(en ^enmniiien wurde; dadurch kani er mit den Mugiem 
'/.iisantiiieii, wt-lebe er zwülf' .luhre lanjj; IiiVrte; ini .'iti. Lelien^- 
jahr nach Suuium ziu'ilckgekohrt, (gründete und hielt er dort 
etue Schule: datm suchte er Itutien auf und starb daeietbiit 
uach HÜjäiiriger Wirksamkeit fast lUU (d. i. OH) .lubre alt. 
In diesen Anpulteri üine Kette nnsinnijfjiter UnniÖ>j;lichkeiteti 
KU finden wird Kohde nur dudunli veranliLSät, dnss er Ol. 
62,1. 5<32 für das vun A(KdloniiJä vurauägeset/.te Datum der 
I-Irbebnnj^ de« PoIyUrute« unsielit, wndurdi die Oid)urt do* 
l'hi!t»öophen in 541', die WeiJ^lührunj^ unter KambyäeH iß 
50*i, der Tod in 450 zu «tehen kommt. Apollunios hat keiu 
Datum anj^egel>en und weiui er aich in Kaehen des PhibjkSi>phenf 
eines Privatmannes, uooh so ffillkrulJL'b oder unkundig lie- 
wicswu hätte, au der Zeit des ullhokannten Kambysei^ kounti 
er nicht rütteln oder irre werden: die ztisummenliHngeuii' 
Reihe der ju'^yrischen medischeu ju-i-HiwIien luakedoniselie»^ 
timd röinisclieiU Kcgenten l«ldi't^- in lii'Uetiiatistdier Zeit 
den ehruHülugiaeheu Leitfaden der Weltgesehicbte , welcher 
für jeden liebildeteii ein für allemal le»tätand. Legen w 





wii' 



Cn^fr: Xur Gf«eincMe drr Pijthngoreier. 

Jahr iler Eroberung Aejf_vi>tens fliircli Kimibyscs (^'^'^, 
.>2ii/5 KU Oiruiide, so ergibt sich lolgentje im wcsMMitlit^lu'n 
tehnn von Iloth Gesell, d. abendliiiul. Phtlüsi>]>bie I 288 imi- 
me«t«»nt4» r>}»tiruii;?: 508 Gflmrt *los PythaKüru», 551 im 18. 
LelH'nsjabr \V'Hmlcrunf5 niieb Iniiicii , 547 Auieiitlmll in 
AcKypten 22 Jahre lung. 525 Oefaiijrcmuthnio und Verki'br 
mit den Miij^iMrii l2Jiibn' binfr, TilH KrnHniin^ der sjiniiH'Iu'n 
hule im 5ii. Lebensjahr, .'tOli italisL-hor Aulenthait '.\\\ Jalire 
lg, 470 Tod im 90. Li'bensjabr. Das» ditwe Hechnung 
^%nrklich be^taruWn hat , erweist Köth au3 Solinttä 1 1 ,31 
'ytha^onts (jftL'iif«Uf< fiiätii tymnnicn') ri'lit'ta domo putria Bruto 
nsidf ipii ni^fw nrbc cx^j^iit rtulimn aiKfftiis e.st; BiHudiUH, 
die Quelle Solins hat mit Ci>riieliiw Nt'|ws Roms (irfUidimg 
Hl. 7,2. ".''»O geRetxt und «leii Kioii^fii 241 .laliro jjtc^i^ben, 

Evodiirrh BnituH in 50i> zu stehen knnmit, Üb. Mus. WXV 18. 
I !i<K;ehus «:brieb 4!) n.Chr. (Srdinu« I,2M), war also eiu 
Tielleieht älterer Zeit^emiMse des A]iuUnnins, welcher unter 
Claudiu.s und Nero blnhte; jedenfalls litiluMi beide ans einer 
ilU'n'u t^otdle geschupft: denn schon im Anfang iles Tiberius 
t^hreibt HeiizeuK fapitoliuLstdie Tafel CIO. 1)855 atp ov 

ttt; tfft^. Jünger inde« aU Nr. 1 scheint die.se Interpobitinn 
der llesehichte de« l'ytbagonis doch zu Hein, weil das beiden 
Kt'iupinwime Mntiv der ersten Wanderung desselben in der 
7^itr«hnung jener seine Krklüriing fimlHt, das Datum der 
bjlti'lnnig dm ['(dykrates al)er in tior vnrlii^entlen Vi'rsirm 



II IHepcfl Motiv ist durt:h uine lUmliche Contiiniination hcrein- 
P'l^nwhl, wiy «ie Ut-i Solimi« 2,.'i2 (MussiUu nuch dem Har|Hij»iwkrifK' 
awl iJoch (»1. 4r» (fpjfrümleti und 27.44 (Kyrenp Ol. 4.'» nml iinl«T 
^Mn» Mnrcius enUtaiidcnl vorkonuiil. Bi-i Apollontüs i»t SauiiM im 
•• fiOlt frei iinil Pythugora» gi-ht, wfil «lif Thilti^rkeit fllr ilcn Staat 
'•"i in lieu .Sluilipii ntört . der TrhiOnT ilies^r iJai-ntuIlnnK' kimntt* t. B. 
tt«» Hiaodul wriaMvn, Jiw» Polvkrate« utiti-r Kumljyne* den To<l ffc* 
^w»^n hfctle. 



158 SitiUMf dtr jdiiioit.'tthiloi. CUuse mtn 5. Mai 1883. 



jene« 82. Jiihr gesetzt wird, foltj^ iniiidesteus noch der] 
^rikst«^ Tlieil des itiiÜKctien AiitV'ntliulti. l^nter den vor-| 

biiiidt.'iien [jt'ljeusjuhi'suniiiii'ii |>:u^sb da7.it blus die hÖLlistt*, ll?*^) 
bei lialfuoä de reiutHliis iiambilibos, t. XIV i>57 Köhu fßitj>aer 
ecg emaxaidiYMtor xai fjtatvordv trog ä^ztog xai ayooog 
dtazeXiau^. Killen wir zu deji 82 Jahren noch die ;J5 der 
Thiitif^keit in lLali<;ii, ho ergiebt .■<ich ditr Siimnie 117: der 
S(!hi>|it'er liii'-ser Version verlegte hIäo die nrient^iliscben Iteisen 
nnd die Lebrthatigkeit anf Öamos in die Zeit vor 54.'», die 
Geburt des l'vtha^onw in f*27 und seinen Ttui in Till.j 
Lei/,t.eres -Iiilir «iih düu lintergaii}^ vou Sybari.-* und von deri 
irrth um liehen Vermengung seine« Todes mit der Pythngoreier- 
verbreiinung ausf^cliHid koiniti* nuui anth dieses Datum fßr 
den Tod g^wlniieu. Heiile KreigniHse werden auch mit dem 
t'riih«*ten. gegen l'ythngnrjLs selbst gerichteten Angritt' der 
Ueniokrati'n Kroton«, welchen Kyhm wegen der Frage illierl 
die BebundUing dej» erftberteii (Jebiet^'s von Syharis einleiteb.%| 
ifiusaunneugeworten, so vuu ApoUouios bei Janibl. 2öö Ö'. imd 
ohne Zweifel ancb von Nikomuchos, da er (b. Jambl. 252)1 
den Feuertod der Pytliagoreier in die Zeit der Reise des \ 
Meisters zu dem nterbenden i'herekjdes setzt, welcher uuch | 

1) Nicht 117 oder mehr, wie in der Vorautiänticung, dans die offen* 
uar neu|jytha>;oreii<i-'lie Quelle ein angeblich von PythogorUN xelbtit 
verfii»«tt'K Btich wur, uny+'noTiiuien wird. Kin wiche« Olwr die Heil- 
krÜfLe der Meerzwiebi^i Ivon wfluben (ialHnus spridit) PxintirU« in der 
Thut Hchon zur Zeit de« Plitiiiu, wedv)ii>r XIX ti4 vcntpriulit »pALiT 
auf den Inhalt du8«<e1ben einzugehen; dies thut er XX 97 — 101, aber ^d 
ohne diui von P^j'thiLgnni't, wie liulcnos migt, erPundene und an «ich H 
»«llMit erpn>tile Li'Ucn^'elixir xu «Twühncn ; dieitei« Zuuberniitte] stand 
uImo nicht darin. V'iebnehr iiotl die jiigi>iiilfriach erhaJu^mle Krri.n 
desBclbcn bin zum Tod daurm: tutxQoflioii noiii tots rovro Xaftße- 
favias Kai lä ax^a eifiiitt ^vgl. oben äfiitoi AiattXfatti) inäQ^n fti/\^ 
tiXovt. Die beiCtalonoH benfltxte Schrift luuteie alHo aar den Nampo 
einen l'ythagoreifvrn. DiW jf<*Mvliit.'lillii;lio t!rhihl ihri's Vt^rfuitHeM w-.ir 
XonophiloK. w<>lelier IU5 Jnhro bei fi-iKL-hcn Kräften lebte, Va]. Miu. 
Vlil la.Ü; Hlin. Vü Iü8. 




Untjtr: Zw fitxrhiii}»U der Pythagoreier. 



159 



SuidaA (\\. 45. (lOlJ/.^yd j^eboreii war und 85 .Tuhre nit wurde, 
wip achon Hwakleitles Leiubos ihn gleich nach tier UOck- 
kehr von Deltjs sterben Hess; Hnch in den Aus/.ngen niis 
Arif<toxeiKLS (.litmhl. 21'.)) und [Hkaiurchos (INirph. r>(}) ist 
\\\it Ttwl des l*ythH)(iirtUi s«) uiiriiittfibar im dit; HtnliÜHbc dos 
Kylnn angeknüpft. Hass (*s dtmi Leser scheinf^n kiinii. er sei 
aogleicli erfolgt. 

Den Auätiiss zur BiMinig dieser Version giib dus streben, 
die Periode der Seetenwrtndennig nachzuweisen. Xiich Hcni- 
klridei* INtntik«»« \w\ \)'n\\i. VIII 4 hittt<? die Seele des Ku- 
pbi>rl>os, ehe sie auf Pythagoriis ilherging, zwei Waiidbingcn 
diirclii^euiacbt, in der Person Aem, Hennotini<is von Kluzo- 
menai nmi des Pyrrhos von Delos; er berief «ich auf einen 
Aitiwpruch des IMhagorn-s selbst, dasselbe thnten iilwr mich 
UikaiarohoH und Kleiirchos bei Uellias IV I l^ nacii wi'lcheii 
CS drei, darunter zwei weihliche Personen waren: Pyrandros. 
Kallikleia uuH Alko. Jimiltlichos, genauer gesprochen "eiii 
tiewilbrsjinann .scbliesst sich nn Hei'akleideä un. Der Niich- 
weJM selbst int kläglich misslungen. Um das Jnhr IfMiO, wo- 
hin die ÖI4 Jahre von '>4r>/5 zurückftibren , setzt Ij-okrütea 
die dorwche Wundening, während das spätfwte iiller Data 
ilw Falles von Troia mif lOlM steht: cli*.'!*e zwei lireigni**e 
«ind miteinander veruecliselt. Kerner musste nicht vom Tode 
"«•U'lern von der (freilich ihrer Zeit nach unbekannten) <te- 
liurt des Kuphorb4)> bts zu der des Pythagoras gerechnet 
werden, wenn sich die Zwischenüeit mit mehreren Wander- 
iiTiR)i]ieriiHleD vollhtäudig decken ^idlie: was sich vmi sellist 
versteht nnd auch von Diogenes Vlll 4 Iwzeugt wird: nvtog 
h tQ yotufif ') tftfii dtd htia xai SiijXoaUov htuiy i^ aiöiio 
.idfoyeytj'^a^ai ig avi^^jtov^, wo nicht f/.xuidexa ttonrlern 
"itoAoidiyut «tutt hiza zu lesen und 'alle 210 Jahre' ku er- 



11 litt ultpythaKoreiKchen Schrift xuraßaaif «V aior, Eohrlt» ]i. 567; 
ZtllnItöA. 



100 



Sitiung der pliito.<.-i*hilol. CioMe von* fi. Miti 18S3. 



kläre» int. Der Periwlen wdnien al«?r danu drei, nicht zwei 
gewordtMi sein. Jnmblir.htjs lK?ruft sieh iiuf die Aiitfiritäti 
dt!.s AristifXiiiins, Nt^niitlic?* . Mipiiobotor«. Aiidn)kvdit> und 
Kiibiilid<f>', Villi iveU'lifii di<' /.wt'i letzten mit Wulirsi-heinlich- 
keit flir Nenpytlmj^oreier gehalten wprden : eini-r vnti diesen 
beide«, der »ins mik'kumitt' jüiij^st^* von ullen ist wtdil steine j 
Ijuidle t'Ur das Umr/X': <lie (UMl**rn niö^en für Kinzfllieiti^uJ 
der )fanxeii Aa-^liUirniig citirt gewesen «ein. 

Ilei IMiiiiuft XXXVl 71 i> obelisciv*. quem divos Au-I 
pu.^tus in t'ireo nia^no statiiit. excisas est a rej^ I*senietiif'-| 
pheridiieo. ' ) (|U(" leKiuiiite IVthu^ctnis in Aegypl» l'uit Ufj^j 
eiu Irrthntii vnr: dur()belir<k zeigt die Namenschilde de»tilO| 
gestorbeni-n Psanmiptieh ! : l{u-niih-ub l'wmt*'k ll'iatliner 
Besc.hr. der Stndt Hnm III -VA'!. /<ie|^a ile iibelis<^i> [i. *»IJ),j 
welche nieht zu dem von Pliniu.-« iin^e^beiien Xumeu jmssen, 
wie auch in so frühe Zeit schwerlich .Jemand Hie ägyptist.liel 
Heis<* verlej^en konnte. Khensci wi'niy [ifiswii die Schilde di«] 
let/.t'^ii, lirittt'ii IViiiitmi'iirh : l{.a lUii-li ka n l'M>niti'k; auclij 
f^Initbte wolil Niennind, da.-« dieser während seiner Med« 
niunatiicheu Koj^it-rnnK. deren ernte HiUi'l*- (h-r (in^liirkliehej 
l*Vldkrii%' j;»'K''n Kunibyst's. rlie ändert* .si-ine Kin.sehliessiiii)( • 
in Mein{dit5 aiistullCe, sieh mit Errichtung <*iueti Obelisken 
betUsst habe, Piiiiiiw j^ibt die Xanten des l'^tninietich Ufl 
wiinter; Ita netV-r uh IWuitek: dieser rt* j^ierte M*;. - ÖWt* nnd 
in si^'uw /t'it -scheint dt-r (lewührsiiinnn des danibliclios deu 
Anfang de?^ ägypti^^rhen Anl'entlmlU gesetzt zu halten (mehrfl 
als den Anfang bruUL-ht mau auch bei IMiniiis nicht zu ver- 
.-t*;bcn). Tni die hi>he /uhl viiu 117 Jubren zu erreichen. 
nutsKte er die grösstcn /iihlerhrdiiuigen seiner Vorgäugrr mi 1 
Hülfe nebtucu: die 22 .lubrc ägyptisidH'ii, l'J bahyhiui>«chen, i 
Ji9 italtHchcn Aufeiitlinlts von Nr. 2 mul die ll der suniisL-hcii 



I) VerU'HKeruii^ von l'rlicliif: mtl. Immh. iiiieiiietnc|>Ht:>ri>hn.'0, Ate ' 
andero nemettit^jitierteo, ficmcnpaorleo. scmejwrti-o und ähnlü'h. 



r.'nyer: Xtw frtiKktvhtr iler P^iluujureirr. 



Uil 



f^hule von Nr. 4. Tliiii er dies, so t'rhicii i;r lolgeiido 
Oftt«: IMIiiigorua in Aegj'pten 593— r>71, iti BuljyUm 571 
lii.s U'iW ^ auf Sanuw .*>öi* -'»50, in rnteriUlipii 550 — 511. 
I>eu L'nterrii^ht lici PhLTukydi'-'* konuU' t-r muJi vor .>9;1 f^o 
iiiMwu haben: tlenn umm-he lie,sEiL'ii jenen schmi gc^cn Kmlc 
des webeuten .)ahi-hun(lert.H wirken: den Kuli Mejwenes im 
X weiten nii-Ktenischen Krie^ mM er vomu.sgestigt, Imben 
UH(>g. I \h\). 

4. Di« 8ü Jtilire, weUihe Ht^mkluidtw LeniUts nuf dtLs 

Theben des Pythiigunts /Jildl, rfini], wie '/.uerMt FieiitU-y l*iiiil. ÜU 

uu» dem <^iiäuU Kucä fr^r <()/u»- v/tOY{fU(J>i]y ijXixtvjf ll)ii>g. 

V'lll 44) erscidiwscn bat, der Lehre vnn i\vr norinuleii Dauer 

dfs« ni4*nsi'hlifh<'n Lj-W-iis angepitüst. Ditäcs zerlegte schon 

er nach iJiog. VIII In m vier Huuptiibsrhnitte : /tut*; eixuat 

tfiOt vet^viaxo^ uxooi, vtijvit/^ ei'zuöi, yt^toy ti'noai; naeh 

iJÜKlur X 5, der das Ilichtige gibt. thal«u ea die Pytlnigo- 

ri'ier. Hie/.n «tininit i*.h tnrrkwünlig, tUiss diT Meister »elb>t 

mit 41 1 LebeTLsjahren iliu t^i-hiile zu KroUm eri')ffnct und ^i* 

Jahre lang aie geleilet hat; man könnte sieh versueht nibli-n, 

dies«* zwei Angaben tn>t/. ihrer guU*n Uewühr auf eine aus 

jener blintheiluiig abgeleiteU' KrHiulniig ziirüekzuftibren : ein 

Kilwher wiinle indrss am-h. was Herakleides ihIit ilerwen 

Vurgänger wirklit^h gethan hat, die Lel»en^Mhiuer auf HdJaJin» 

»rbitbt haben : auch n-iäS4'n wir nieht, ob Pythaguriius »ieh 

uaih dem Ab/.ng an« KroWn in den IfuhuäliUid begelien (Mier 

*eiur Lehrthätigkeit in Metapnnt fortgesetzt hat, uml Aris- 

tnins. der itlfcoifte. also um .'i4H geborene Sehüler des l*ytha- 

Jp)raH, hat die Sehnle bis 47'l, weit Über nein tJn. Lebens- 

juW liiuMUs, gidyitet. Ueberdie« i«t es wahrseheinlieh, tiass 

^i« '» Jahre nieht am Ende der 75 angesetzt sind. Naeh 

I^. Vlll 45 blühte er in der (Wi. ()Iyn»|iiade: da dii- Melir- 

*I»I seiner (Quellen zu dieser Zeit, wie in Nr. 1 verniutbet 

*iM, ihn rels(*n liesK. mi bleibt uIm (iewähninninn dieser i»»- 

Urten Angalw Herakleiden Lembos filjrig. Hie Kriitfuiiitg 

l"«i. PhiloH.-philoL hial. O. 'i.j 11 



162 SiUung der phüoji.'jifiHoi. CImm rom 5. Mai iSS3. 

der anmischen Schule , an welche sich die E|K»che seiner J 
BlUthe knüpft, ist also nm r» Jahre znrHck iu 0(»,3. r>.^8,7l 
verlebt wonlen, so rfass dir UprHhnjtestp Thiltifjkt'it, dit? Mufs 
AultinthiitLs in Itiilitm , unf ihrer nrspriiti}^ liehen Untirnng 
iftehiMi Idieh, mit der Wirksiunki'it; atil' Sümio» üIht anch die 
früheren Erei^nijKe weiter hinauf rückten und die Gebnrt 
in 57>j zu Kt^then kiini. 

5. Dit" unuiiynie Biographie de« Pythagoras hei l'hiitic 
cod. 2411, ein Kpüt*« Machwerk, ^bt ihm eine LrlH-iwdaue 
ron l"t .lahi-en, ."i mehr iils Nr. 2 uml wnlil uns dieser i 
VerhinJuiig mit Nr. i abgeleitet, indem die Dancr der sar^ 
mijtchen Sc^hule von 4 auf 9 Jahre erhöht wnrde. SeAnn , 
GebuH fiel dann in 573, der Tod 470. M 

(j. Dionysios v. Hulik. ant. II '»9 TiUst l*ytha}jr"r;w 'vier 
t^anxe üeuenttiimen' nach Xuinu-s Kot^ernn^untritt (Mitt« 
Ol. H5. 7H) in Itiilien wirken, fteta tijr jreyiijxoanlv ohfi^^ä 
fTtotSa^ also Ol. .M. .^7<J.ä; ahnhch schr»?ibt vor ihm Liviiis I 
18, jener hiilw (\l>er KK) Jahre nai;h NninHS Anfanjj unter 
S«rviiis Tiillius (57*> — 51^2) ihtrt «gelehrt. Dionysitis erklart 
ant. T 74 den Kanon des Gmtoätliem's für den besten und 
benutzt in seiner (.'hriMiik die von Apollodotvts ^^eliefert^ ße- h 
Arbeitung iles-selhen gt'bfihrcnder Massen (S\-nkell. p. .V2:V|;| 
dagegen hier nimmt er keine Notiz davon, dass von A|>olla* 
don*s der grobe Anachmiiismus, welclieu Knilosthenes !«■- 
(^uigHU hiitt^r, verljes.«*ert wur. Dieser verwecliselte, wie Uio- ^ 
genes VIII 47 bemerkt , den Philosophen mit dem Paunt-f 
käinpfer Pythajforaa uns Snmo!*, welcher 588 in einem Alter 
von 2(1 Jiihren (Bentiev Phal. 115) y.u Olympia siej^te; di« 
italische Wanderunj; mag er um "i74 gesetzt halben. 

Die l'y t hagore icr. 

Der Au^y.ug aus Arist-nxentn, welchen Janiblichos niit-j 
theilt, den er alnir, wie Kolide zeigt, ziiniteluit dem Nikö-I 
maehos von Gerafta entlehnt hat, entliiell Tiach untrer An-j 



l'ngfr: Zur Genchitrhte tUr l*i/tK(tg(»rritr, 



ir>3 



sieht ur8prön*;licli auch eiue («wichichtf (K^r .Schul«; i las» wir 

nur ihren Anfjuijf vorfinden, verscluililet die Lticki* den g 251. 

Killen freilich mageren Kr^it/. bietet-, wiia t-r uu« AjHdlonio» 

jpht. Diesem jjehört nicrljt bitiss die Uesehiubte der ei-stvii 

Vertül^nnj; g 254 — 20+ .sondern, wie Uohde uns dtMii Zii- 

tatmnenhang der l)iojp"aphiscIien Ziihlnnjiralien nl)er Pytha- 

i^ras 55 2r»5 mit den in g II ff. enihiilU'non erkitiiiil Imt. 

ich die tU-r iSuccessioii J^ 2fi5 — i\. l>en Si-hhiss der Srhrift, 

die SchülertiHle ^ 2tu el>enfall8 dem Apollonios zuzuweisen, 

Wdftlr dir Ahweiflnniyen dernelljeu vtm der Jindi'rn Quelle 

dw duniblichoK »prerhen. hat I^Jltde sieli iludiuvti iildnilU'ii 

lH«^^i*^, dass sie sehr besichtenswerth und in niehreivn l*iuik- 

ten nachweislich ans Aristoxentxs iili(;eleitet, ftir ApoUonifis 

al*» Aiij^esic.ht« xUti geringen Werthe?^ »eiui-r Pythaj^uriushit)- 

gniphie zu j^iit scheint. Für ebenwi .schlecht wit? die liio- 

t^mphie, fQr nnbruuchbar vom Änfang^ bis /.um Ende liält 

••r deii Sncet'frsion.'^bt'richt. Wir können inis ditwem Irlln'il 

uicht anschlie.s»eu. Cr i.-^t niichtern und eiiit'iieh: der Haupt- 

^^üd welcher in der Bii>graphie zu KnLstelluiij^eii geführt 

liuL, iliia Streiken i*ythaj»onw zu idealisiivn und zum Typus 

*im Ap<dl(inios si^lbst zu j^e^talteu. fiel bei den Nachfnlj^irn 

ton äcllMk weg; die Kinzelheiten sind yrusMeniheils des ,\rL'<to- 

xeocw nieht nuwfirdiK. grobe Verst*"»»« wenif^n^tens ihm iiiib 

fUfM-ht 8ihiildjiejiid)en worden. .\ucli diL< Ende tlnr Hio- 

tp^Bphie. der Vertolgnuys beriebt, enthält manche werthvoUe 

Aji^dben und v-i nur tUs Gau^eti desswe^en nnbniueiibar, 

weil er. nicht ohne den Vorgang; anderer, den Angriff Kvlon» 

uaf PvthaKonui, den Tod den let/.U'ren inid die Angriffe der 

KvLiiiieifr aut die .Sehttler in ein .fuhr y.usauinieuwirl't. In 

•W Kmlhluiig des ApoUonios von den Xachfol^'eni waren 

^i»" drei let-zt^n '< leneriitioncn' (ifewi.s- j^erade s*» bidiiindidt 

^^ in dem jetzt in der Lücke verlorenen Auszuj^e des Nikn- 

nailuM auH .Ari«t<txen(xs, ho diiss JutublielKw flber diewellM-n 

tnil tttiBT kurzen Andeutung liinwi';^<(ehen konnte: während 

II' 



ll>4 Sitiuuti der philiM.-fihilol. Cttuse vom 5. Mni IttHS. 



vorher cjue Gcnertttion riuch <1er andern twhnndelt ist, wurden 
hier zwt'i auf einmal erwähnt und die letzte ist ^asiz iil»er- 
spruugeu. Die entgegengesetzte llehiiiidliing dtr früheren' 
Snci!es«i()tLsjj;lied(>r erklärt sit-Ii, wenn Xikoniiu'has dort andere 
Berichte dem ari.stijxenischen vurgezttgen und diesiMi diiher 
stark verkörat liatte. Jiimhlichiis hiitt*' eben in ApoHonitiA 
und NikoinjK^hos zwei liewillinsniHtiner vnr sieJi. deren jMer 
bald andere l^iellon (A]po||miio8 in der Uiogra|diie auch di 
eigene Phuntjtsie) l>ald ih>ii Aristi»xen<M, ilit^sen aber in rei 
s<:hiedcuer Weise benlit/t, Nikointudu>s itiii hie und da auL' 
citirt hatte.') 

Auch muh dem Abzage de;* Pythagoras aiiw Knittm (im 
J. 509), sclireiltt Aristoxenns h. .lanihl. 249, dauerten di 
Angriffe der Kvloneier fort, «her da» Volk blieb den l'vlhu- 
goreieru gewogeu luid iiess ihnen die Verv%alttntg der Stüdbe^ 
bis endlich von jenen die Verbrennung derselben herbeige- 
fuhrt wurde, rebcrgaiigen ist hier sei es vitn Aristoxen 
selbst 'rtler von seinem Au.s7.nj;|er Niknrnachurt einr vorillH*] 
gehentle Vertreibung der l'> thagoreier, d. i. sowohl der in dei 
pythagureiHc-lien Schale gebildeten, ihren <!nindsHi7,ei] treu 
gebliebenen Ariüt<ikmten als aueh dt-r i-igentliehen I*ythti- 
goreier, der berulsniäMsigen Naohlnlger und VerireU^r der 
Lehre und Weise des Pythagoras. Ein Fragment de.*« Di<inv-H 
siiw V. Halik. (ant. XIX A) aus einer in die tSesirhichte dw 
Pyrrlui«kriege.s eiiigeHiuht^nen Digressiim lautet : ^Kleinios 
von Kroton brachte die StÜdte um ihre Kreiheit, indem er 
allerithidlK'n Klüchtlinge sainnielti» und Sidaven hefreito, mit 
deren Hülfe er weine Herr.-^eluift begriindeU' und die aiii^ 
sehcn.-*ten Krutiiniaten theils todtete theiU verjagte; AnaxÜ*? 
aber besetzte die Burg von Rhegiun und behauptete dii 

1) Vfi^l. JauiblichoR 254 über diui VerhÜltnim den apoHoiiM:b 
VfrfnljfunifhltfTicIit*'« XU dem ai'ü*t.oxeDi«rh-iiikriiiiiU'lii'4i;beii : Jtiai rw« 
ttptüy iaitf Unat JtaipMMfi , nnXkä di x«i TtputiiiSt/fn rw*- ftn "Vv^^' 
raif 7tf(M rovTuf; in vielem titinuuten sie nho dc>ch Obcrt;iji. 



i 



Unger: Xur Gcitußuchtf. der Pythagoreier. 1C5 

Herrschaft bis zu seinem To<l, so diu« sein 80I111 Lßuphron 
Um) niu'htolgun kiiimle. Und ileni Beütpiel dieser Miliirier 
iulfi^nd erwarlwn iiueli viele andere in den Stjldteu die Allein- 
herrwhiift.' Di« Stadt*? .sind die groa^griechisclien, von weUlii'» 
auch du.-- uÜchstc Frügincnt liamltdt; ein AVidcrs])rncli mit 
diT unxtoxenischen Nuchricht lie^^ insofern uiclit vor, aU 
auch na*h Dionvsios die Meltrzuhl der BfirgtTsohaft «n den 
Bt^frehungen des Kleinias nnd seiner Genossen sich nicht 
beUiC'iligt hatte. Anaxiliis wurde 494 Tyrann (Ditxl. XI 48), 
KIcinias dem Fra^I^ent /.ui'ulf^e entweder ^gleichzeitig udtrr 
unmitti'lbar vor jenem, Wiilirscheinlich also auch 41M; die 
Vertreibnng und Knnorduiif^ der 'anj^'sehenst^Mi' Einwohner 
Krotons traf offenbar die Anhänger und die Mitgheder der 
pythagoreischen ^schule. Entweder in dieseni oder, was 
wahntcheinhcher, im nachfolgenden Jahre starb Pythagonw 
xn Mctapont (p. 147); daruu.s erklärt es sich, das» die spätere 
VerttrennnngskafcaHtrophe von vielen mit seinem Tode in 
V'erbindung gebracht worden i.it , Vf&n niti so leichter ge- 
Mrhehen konnte, wenn, wie aus dem umfassenden Ausdruck 
'die Städte' zu aehliessen, damals auch Metapont von der 
L'instur/.hewegung ergrit!*en worden ist.. Längere Zeit hin- 
durch hat sich nur die Tyrannis von Hheginn erhalten nnd 
HON der Hervorh4!bung des lietiergiings dersellien litif den 
Sohn den Anaxilas ist zu schliessen, di^s Kleinia» und die 
indem Tyrannen die Herrschaft nicht bis am ihrem Toil be- 
knptet s(»ndern bald wieder verloren haben; auch das Schwei- 
ßen des aridtoxentschen IJerichtes spricht daftlr. Durch die 
WiyuftJime von /ankle im .1. 490 (Rhein. Mus. XXXVIF 
"j-l) verfeindete sieh Anaxiliis mit dem niäehtigen ImiIoui 
^ Haupte der Tyrannen Siniliena; dieaei- mag die Aristo- 
^t«a GnMHgnechenlands gegen ihn und seine Genossen 
•'«lift nnterstntjit haben wie er 485 die syrakusischcn gegen 
^ I>emoe unterstützt hat: divss er auch in Unteritalien 
'Hirt besewen hat, lehrt die Meldimg de;* Dqris bei Athen» 



Iß'i SttzHn;i ilrr /ifti7(w.-/Äi7(i/. Cltvtse vom 5. Sfui J883, 



XII M2 von dt'tii l'ark. welchen rr liei Hippoiiion a 
Nucliwciwiifih b*?stelit tT'i ilie T}Tjiiinis in Knitoii nicht intOir: 
iliLHials riefen »lii^ Sybiirib:!» von Skidros und liOtiN die HtlKr 
Ilicrnn.-* ^»'Hfeii itirt' licdriini^er ilic Knitimiiit^ii nii und wur- 
iltMi von iliin gerettet, Tinmias b. Öchol. Piiid. «I. 2,211 
llifidor. \I IS (ans Ephoros, Philologus XU 133). Je: 
Sylmritpn waren der Rest des ?ill ge.sehlt^pnen and tp 
ji^;ti;n Deiniw von Sybiiris. we!olier dio Kx'j^enini^ des Telv5 
iiiifrkannt liait«: viellficht ^cb<<n Delon, jetleiifidls iibiT 
llieron halte die dem Tvraiiuentbum widerstrebende Ve: 
bindinig mit der ArJst^ikrutie wieder aufiijegelfen und wi en 
.sprieht es nur den nutürlicheu Verhültnisf^cn. w<'nn wir dies 
uuf der Heite der Syimriten und als Geit^er Knitoiut fiutU-Di 
Oeu Feuertod der 4iV) Pythagoreier in Kroton und den 
Stur/ ihrer Uenasson in den andern btüdten setzt Zeller I :h)7 
in diw .T. 440 oder noeh >|Ȇter, weil Lyms, welcher mit 
Archippus aus dem brennenden Hause entkam, als Lehrtr 
des Epanieinnndrw bekannt int,*) diesiT aber nicht vor U^ 
oder 42n gt:'boreii sein könne ; noch l)ei Mantineia uüIud 
er iLin Kampfe theil und sein Hervortreten im Sfcaate in 
einem Alter vtui 40 Jahren (Phitarch de occulte vivendo 4 
ti^ iimwQaxoajov ttog oyvor^äti^ ovMv inft^ae Qijßaioii:^ 
vaiE^v ds fnaT€ti)ei<^ xal äo^a^) lä«öt lüich nach Zell«r «ichl 
friiber uls :^78, nach der Befretunj; der Kadmeia denken- 



1) Hermippos hei Piog. Vtll 40 gibt li!», vielleicfat richtig, «'*' 
mit tiiirirhtijjen NebenanRabt?a, iiu vica.i« i^eoi ro*V r#rf«e«««»^' 
andere byi Uiog'. VlII :t!»; <»li unter ilen 40 ilen l>ikuiiuri'lio# !■'' 
Poqihyr. TtJ tlie »wei Knl.koiniiieneu mit}ffrerbnet Hind, ISaftt «dl 
nii-lit erkennen. Bei Juslinies XX 4.IH ncxKifinta femio iiiterltirP '** 
XL zu !<clir«nifn. 

2) Dil- atitlen^n Ijninili* la-Hweii m^i »owonig aufreiht erhnU«» *■* 
dieser: liie Verflcchttini? deu Arch.vUw in die (leflchiehU' der I'jHt"'* 
goreierhetie ist. wie Zeller I ÜC8 Helb^t aner)t«nnt, ein durth Ti'it* 
indenuig r.^(i//7irtop «t. '.-fffxvtov) zu hebender AnaehroninmiiFi fi**' 
die KinRÜirungszeit der AchaiervciTaesung e. u. 




BetheiligTiii|$ dea hV-hilierrii Jtiii Kunipi'c }j;ilit jcdtKib kein 

Isicherva AlterNiiterkiiial : AiittjiCoiias der Diadoehc fuiid 81, 
iciii Xcljenlmhler Lv^iiiiuclitKi HU Jnhre alt den Toil in der 
pchtat?hi. Phihirch denkt sich H7!» K]ianieinoinIn.s scbon als 
pnen htirühintc'ti iMuiin : fitycci; dvi'i^ iaiiy 'Kuufmyo'tviiaf; 
btsiffit ee de genio 8ucrutis U] und ebend. 14 wird von einem 
^■ftni8^i*u Goldgefäoheiik erzäiilt, welches Jitwon von Phorai ihm 
^KCrtcbickt hatti'. feJr und Gorgiduä befehligleu nacli Pliit. 
^pelop. 5; 12 die Bürger, welche sich zur Befreiimg der Kud- 
meia zuäaraiuetuchaart«n. Plutarch hat demnaoh sein 40. 
^^>hensjuhr früher uhu ;17S j^^-setzt; ditss es spätestens :tH7 
Hfällt, lehrt die XachnL-ht des Pausanin-s IX V,\ von seiiieui 
Auftreten ab Hotfichafter bei den VeHiuiHlhnigeu , welche 
^■feiu Ai>Kc*Jil(i!« lies Ant-idkidasfriedens vorausgieiigeu. In Athen 
^Hrur (ur (.le^aiidte ein Alter von mehr als 50 Jahren viirge- 
P^hrieben: ma^ in Tlieben bei Epameinondaä die Hücksirht 
I Huf seine liedcgalw niittdii gespielt haben, so war doch je 
^^wicbiiger die Angelegenheit erschien deaUj mehr die Wahl 
^Pfeiner niunhaflen, zu Hanse, einfliussreichew nnd in den Nach- 
bttxvtaaten anKesehenen Persönlichkeit schon desswegen nöthig, 
weil der Gesandte leicht in den Fall konunea konnte , über 
M'ine Instraction hinauszugehen und vorläutlge Zulagen /u 
iiuichca, deren Verwirklichung von dem Masse seine:« Ein- 
abliüngig war. Jedenfalls aber setzt die hohe Würde 
^ntw Vertreters der Staaitiigemeinde voraus, diuss er schon 
Krieg (dem bdiotisch-kunuthischen) und Frieden in her- 
ornigender Stellung gewirkt hatte. Seine Geburt setzen 
^wir daher um VW, .spätestens 4-7, .so dasa er 3ii3 in der 
^^chhfccht von l^lantineia t)4 — 70 Jahre alt war. Die Geburt 
^Bat Lynis mag um 400 fallen: ihm und »einem Genossim 
^Htf{ die BeheJidigkeit der Jtigend xiir Hetfcung, PUit. gen. 
^^Kcf. 1-t viu/y öyrtnv in {^loftr^ xai xovtporrjti dttaaa^ivwy 
lö -Tfp, wonach bei AristoxeiHw Jambl. 249 ot^ioi yoQ 





I 



1H8 



SäiH»^ der }ß}tUo)t.-!)Jtiht. Ctatse tom 5. ^f^u tS83. 



Kliitt des iinverstiindlichen tiXetÖTazoi (die iiltersreifsten) zu 
schivilHMi ist aie vnöiaiot (Bentlev PhaL 1:^7 will te ntoitf 
Tot). Lysi« war ein mörrischer Greis, iils Epumeinondiut iteinenJ 
riifcerrii--bt ^eiuw», Nepo?: W 2 tri^tifi ac severus «enex;! 
dieser hatte dttiuals noch nicht das Ephebeualter (Nepos XV 2.4), < 
welch*« in Athen das 18. und 19. Lebensjahr in sieh l>^xiff' 
Wenn wir anntditiien, d;iss Lysis um 415 in eintrin Alter 
von etwa 75 Jahren l'nterricht erthoilte, 8« kunu darin 
Anj^esichts aahlivichtr ähnlicher Falle aus der Gelt;hrt<.'uge- 
schichte den Alti'rtlum).'^ Kumal hei einem auf Krwfrl>4tliätitj;keifcfl 
angewiesenen Ausj^e wanderten, ilein Mitglied einer an!' kör- 
(Mfrliche Alihartniig, iniussiges Leiten tnid sittlichen Wandel 
hohen Werth legenden Schule nichb; Befrenidliehe» ge-j 
runden werden. 

Das Blutbad von KmUni ereignete sich nach 47<j (p. 
lüfi) und vor 461. Letztei-es schliessen wir aus dem Bericht 
des Ari.st4>xenii8 bei .biTubl. 251. Nachdem die AuMwanderinig 
des Lysiü nach Achuia und dann Theben erziihlt ist. hei^i 
es: Ol de hmxoi rwi' Tlvd^ir/ooetiov aniarr^oav tr^g 'lia'Kiec 
nX^v l4{^iivov xov Tagavn'vof. dd-qoiat)f.vx€^ di ctg t6 'Prjytor] 
hiel ÖttTQtiioi' f*«' dXh]Xiov. itgotoyiog Öf lor )fßuw)i- xcti lüv ; 
jtokneifianov t.ti i6 ;i;t?(Kn' jt^oßcuvovivn' ** rytfcv di oi , 
aiiovdatoiaxot (nämlich der letzten Pythagoreier) <buvttav « 
%ai *E%E^^Ti-g xzX. Wegen des Widerspruches, in welchem 
die Verlasstmg Italiens mit der Nledcrln-ssung in Hlu-gion m I 
stt'hen rnheint, und der Krwälinung des nnt :i(»'i noch p(*-' 
liti.ich thutigen Archyta.'* s(direibt Rohde p. hii<\ ^ indem er 
das zweite d* streicht und die Lücke durch Kins<'hlebung Trtu . 
dnioTtjOav — Ta^vthov aiLstÜllt: o\ 6i Xoiuoi jwv //t^«- 
yOQUOiv ä&QOia!tii'TEi; dg lo 'h^ytov luel ditTQißor /<£r'ai-j 
XifAdif. Tr^'t'öi'fog di lov XQ9^^^' ^^^ ^'^^ nolttetfidrufv im föj 
XetQOv Tc^oßatvovnov ontioit-ifar t^g ^ha)Äag jfXt]i- t^^tof 
toi Tafjctvtti'Oi. i]aav öt 0drtvtv xrA,, so dass die Pytlia- 
goreier einige Menschenalter hindurch Rhegion bewohnt und 1 



ünffer: Zur Geschit:hU lUr Ptftluiffureür. 



t(>d 



milet'/t Hella»* luifiroiöitcht hÜtten , nach Ki-otoii abor Riir 

nicJit ziirflckgckphrt wären. Oiew wiiierstreitpi ji-iloch allrni, 

was wir Über ihre weiteren So!iick«ule wisstMi. Den Zeuj^nisseii 

vrrsrhieriener SchnlisteUer zutul^e simi sie iuis «ti-ni Kxil 

wietler nach Kroton zurückgekehrt iimi in Her drittletzten '(ie- 

neration' nach Henikleia, Metaiiont und Tart'nt gezogen; iu 

Italien haben nach Aristoxpnns noch die Häupter der letzten 

'<Ien«Tiiti<in' ^«'wirkl. Die Hrliiiuiitiing des Sotitm I>ei l>io|^. V 

8<i, Herakleides Puutikos hitl»*" uarh 'MH in Athen die Pytha- 

gnreier gehört, wird durch die Unrichtigkeit der Angaben, mit 

eichen er «ie verbindet (jener liabe nicht Plahui sondeni Spt-ii- 

Bftpns und Aristotelet* gehört), und durch .VriMtut. de eneln FT \S 

Ol ntQt r»]v Itah'ay Aulovftevoi de llvi^ayo^eiot verdiiehtig. 

Arcbytaa. welcher durch die von Hohde vorgesc Klagen e 

TextUiiderung kui» Mitglied der let/.teri (leneratifin gfrimelit 

wird, gehört nach Diogenes \'lll 41'» 'die letzten Pytliagoreicr, 

die noch Ari8t*>xem)s gesehen hut. wuren Xenophiius Phantom 

Kcheknite« LHokles P(^lyünlJwt^>s* niclit ihr «oiidern der vor- 

I«?lxt4'n {(nier drittletzten) an. Am Text ist weiter nichts als 

Affxviov in l-infiiTt not: zu Undern, der Ansflnick OTTtaiijOav 

tijq *lta)Jag aber, wie es der Zumaninienhung erfordert, aiU 

^iit NiederhiABung in Khegion zu bczicbeu: durch die Ltkke 

vi die weitere i-reschichle der Schule von der Heimkelir aus 

Kh.?gion bis wir letzten Generatirm verloren gegangen. Unter 

AuiixiliLs und sciiien Söhnen, welche sich bis 4fil behaupteleii. 

InMete Ithegion mit Zankle-Meäsaiia zu!«iiinnien ein hulb in 

Italien halb auf Sicilien gelegene^ Gebiet, welche» politisch 

hhon-sii dem Sikclioten reiche Hiernn» wie den Freistaaten der 

Italiotcn fernstand und h<>woIiI desswegeu alu wegen seiner 

l»AKt am MiLs.««»r'*teii Itande lbt]ierl^t und Sicilit-n-s in nncigcnt- 

lichfr Weise auch fUr auswerhallt beiiler gelegen i;elten 

l"Hiiite. 80 schreibt Diodor (aus Ephoros) XI fi8 unter dem 

■lufar-ittG tu 2vf>ctxovaioi tat; aXXag nohnittg i}^vi>i(nÖ0txvttg 

*"fowrT«cfTi,ffffi' xäig uoXcai rog ÖrifioA^cntag und \[ 72 



170 SiUmtif der ithilw.'ptüliä. Classr vom &. Mai 1S83. 






unter ti. .1. 4tj;i staaüh' rwi- xard ri}*' Sixcliar nölevir i^h 
OiQVffiivt'jy, ohne Meesaua, welehcä uiclit lutt Ijefrcit wiirdc, 

ttnsznnehnien, Üicse Spi-cchweisc war von 4iJl an nicht 
mehr niüj^lich: das Bhitbjul vnii Krnlon iiml t\u* Aiiswamlpr- 
uug der Pythu^oreier i.st deuiuucli vor »lüscm .luhrt- ge* 
scbvheu. In llhe^toii regierte 47ö— 4'37 MH<vtliti- aU Voi 
uimnl der Söhnt* dos Anuxila**, ein edelKcsiuiifcer Mauii welehtT 
4i»7 tVeiwillijjt ubdiinkt^: 472 >v«r er der Verbündete der da- 
hihIh uristoknitiKch, d. i. von nlieiiiiLligeit Zi^lingen und voi 
Frouuden der pythugoreUeheu Schule regiei*ten Stadt Tarenl 
im Krieg gegen die Japygen gewesen, stand also sii^her mit 
einem Tlieil der An-swanderer in freund-schafUit dien, niit allen . 
in guten IJtrÄiehuugHn ; andrerseits waren die^e . wenn siefl 
Grossgi-iet-liciiJand iiiidit ganz verlasst'ii wollten, auch ahg»*- 
sehen von »tdcheu Beziehungen lettiglieh auf Rhegiou ange- 
wieHen: denn tlieä war in Folge des Be.stehens der Monarchie 
die einzige Stadt, in welcher ei* dermalen, weil keine aristc)- 
kmtisch-pyUiagoreische Part-ei , auch keine 'Kyhnieier gab. 
Die Zcitgren/^Mi der grossen Kiit^L^lmplie lassen si4:h 
noch enger ziehen: sie ih-t zwischen 472 imd 4G1 vorgefallen. 
Nach Aristoxeuos (.lambl. 450 Xoyov ovdiva iton^aa^tivi^v 
TW»' .fvln'jy .teoi Tui av^ßävTOii :tax^oi<;) und Ai>ollonio3 
(.lanibl. 21)1 fg.) hat ea den Anschein, absei sie auf Krotoa 
hescliränkt gpb|iel>en, wie denn nach beiden und in Wirk- 
liehkeit die Schule luir in dieser Stadt ihren Sita hat und 
die Ue-sidiicke d**r I 'ythagoreier -sich hier abspielen bis lur 
drittli^txten (ieneration; X«nophilot^ der Berichterstatter des 
Aristoxeniw richtete eben sein Augt-nnierk vorherrschend auf 
die Schule. Andere, unter ihnen Poiyhius, dessen Ciewähr»*- 
niHUn in Sachen Uiiteritaliun» luid Siciliens Timaiott vA 
{III S2. Rhein. Mus. XXXVII lr>2), wissen, daas die Be- 
wegung weitere Auflehnung gewonnen hatte: wie die l\- 
thagoreier (im weiteren, politischen Sinne des VVortcs) in 
allen Italioten Städten auch nach Aristoxeuos das Regiment 



I 
I 

I 



l'»ffer: Zur tfeschidUf der Pi/(httgnreier. 171 

?('Rihrt ImttiMi, rin wurilon mo jetzt nbt'nill iinjfi'^riflrii . >re 
f.iH*cu im Streit mit ilt-r Vi)ik.sj)ui*toi dvn so(^eiiainit»'n Kvlo- 
Mcm allt-ntiinlbcn den Kürzeren (Plut. gen. Soor. l:i). ihre 
Sviir'ilriiMi wiinlfii Vfrlintniit. sie selbst, ilii- rrst^^'ii Miiiincr 
in dun Stallten, vertoj^t und j^etödtt't (Polvh. It :Ul. Xik<t- 
machfie \}e\ Jninbl. 252); diiriu lUtss uui-h Ari<ti>xeiii>s (Juiitbl. 
241*) die Städte sich gteichgiltig gegen dna kr(it4>nisthe Klut- 
^IkiiI wijjrton,li«*gt ein« ReHtHtipunj^ dieser Xiichriehtou wenigstens 
^in.'wtferii, ab; Iiieuiieh zu sclilicsseu Ulierull jetzt lÜe Volks- 
ei das Regiment »n sich gerinseu hatte. Wie krHinti' 
Btin aber Arehi|t|K»s, nuctidetn er nuw Krotou mit genauer 
K'»th entkommen war. es wagen iu seine Val+fril^idt Turent 
BD Rtelien. und wio erklärt es sich, diws er ilort unbehelligt 
Igeblieben ist (AriHiox. b. 1. 2r»rt)V (»ies iat nur begreiflich, 
Wfnn die rnrnlien der Kyloueier sieb dorthin nicht tnrt^e- 
jifianxt hatten, nnd dies \vieder nur dünn, wenn dort bereits 
lie 472 eingeftihrten Verhältnisse bestimde». Der in diesem 
ilnhr mit den .lapygen gct^ihrte Krieg hiitte mit einer suliwercn 
Niederlage geendigt (HepMl. VII I7IJ. r>iod. XI Ö2), viele 
hervorragende Manner waren nwi dem SLlihichtleM geb!ieV>en 
^jind in Folge dessen war die Tiinokratie (.roKn^'a), eine Art 
ilcr Ari-stfikrutip welche znr Zeit der Pythagoreierherrschaft 
in den lt;ilinten.-itädten die Ublii.be war, in eine l'eniokrutie 
I mugewitndeU wimleu (Arlstol. jiol. V 2, ti). Bei der sUrken 
liVennindennig, welche die bis d;ihin herrschende Partei durch 
vien iinglncklicheu AiLsgang des Krieges erlitten hutte, wird 
wiihn*cheinlich, d».-w die-^e rniwiil/.iuig luif fne<llicliem 
[Wege viir sieh ;Xegangen ist; Uberlnuipt sehen wir oft mich 
einem Knegsnngb'lck die herrsehende Partei kanipHos von 
der liegienmg abtreten, weil die gross»? Ma-sse der l'nent- 
•^iedenen «ich der andern /.nwendet nnd die tifttter selbst 
die i<rhflt7x.'nde Hand von ihr abgezogen zu haben scheinen. 
So konnte, wenn die gross** Pythagt^ireierbetze , ine p. ITi? 
femniÜtet worden ist. 170 «üittgetunden hat, /.war nicht die 



172 SiUitng tter lAilon.-jiItilfil. CtnuM ann 5. Mai 18B3. 

gaiiK« Miisse der Wrfoljftfu, w(ihl aKer i-in harnll•■^4(•^ Kiii- 
zelner vs wuj^«ii, eine SUult, in welcher die ParteikäiuptV 
schou Ulisgetobt hatten, .^eine Heiruat autV.tL'^ucbeD und uiieh 
die bei Heziehunjj mif kIIc wler dio meisten 'Temeitideii un- 
richtige Anj^alM- ih's Ariskixeriiis von (bl">*ser) Ulcich;^iltigkeifc 
der ÖtÄdti' geilen das Blutbad v<m Kroton bcj^eift sich leichter, 
wenn man erwägt, djtas Lysis, den der Zi)rii filier ditwt-llie ' 
(Aristux. b. J. 250 ftwf^aag tt]v üJUytoQUtv riov jiuAci'jf) uuä 
Italien trieb, ebi?n ein Tarontiner war. Dennoch mufe «j, 
nach dieser Angabe zu »ehlie.s»en, noch eine oiler die andere 
Stadt gegeben haben, in welcher die mit der Keuerkatiwtrophr 
verbundene (Mditistdie l'niwälztnig auf unblutigem Wege vur 
»ich gegangen ist, und so bewährt sich auch hier der Bericht H 
de« Ap'dloniiw aU ein An^Hass des ari:<ti>xe»i!*chen , wenn sr 
meldet, dass ans Tanait, Metaponi und Kuulonia ein Scliieds- 
gcrieht tierufen wurde, tnn über die Vm^änge in Krüton 
Recht ni sprechen (Janibl. 2<i2); in dem uugere<.hteri Urtheil, fl 
welche-* von deTnspIl)en gelallt wurde, i-^t die von Äristoxenai 
gerfigte ohyto^Ut rwr jtoXiiüv zu erkennen. 

Hat die Verbremjuug der Pvtbugoreier schon 470, also 
nur zwei Jahre nach der Einführung 4er Demokratie in 
Tarent Ktuttget'uudeii . sn kommt Zusammenhang in die Er- 
eignisse : der Sieg der Partei gen usseu iu jener Stadt er- 
nmtbigte die Demokraten der anderen (iemeinden zu dem 
Versuch. Huch in ihrer Heimat die Herrschaft au sich ru 
reisten. Kylon sdicint schon 4ii4 nicht mehr unter deu 
Lebenden gewesen eu »ein: sonst hätten wir in ihm. nicht 
in Kleinias den danuiLs emporgekommenen Tyrannen tu 
suchen; sein Name blieb Farteisynilwl: me die in der py- 
thagoreischen Schule erzogenen Politiker l^ytbagoreier bie-^cD, 
«o nannten sich ihre Gegner Kyloneier, beide Parteinanien 
blieben, sd lange «s* eine pythagoreische Schule gab: die 
Anfeindimgeii der Kyloneier, sdtreibt ArisUjxeuos bei J. 
24i», dauerten fort bis in die Zeit der letzten Pythagoreier. 



Vu^er: %ur Ornrhichlf rfn* PythnifWtier. 



173 



K 



K, 
II 



Ihr Führer Wi dor Verbrennung lier 40 8cheinfc Ninon j?e- 

wewfii «u »(ein: die confti^en Berichte, welche die Auswaii- 

«Irriinj; *ies Pyt.h!i)j;oraH mit eteinem Tod imd l»eiile mit der 

|\'i'rltrfuiiiingf-kata>tri>|>he ziisiiriniit'iincriitn . iiiiurlieii Nimm 

Foltjji» d<^s«*n uns einem KyloneitT wv^itercii Sinnes zum 

Ücmisseii Kylons : aber diw nach der WiederciiiNetzunj^ der 

l'vtbiij^areitT nltÜidic Sprirbwiui : jet/,t sind nicht imOir diu 

Zfiten Niuons (Aimllnn. h. ^. 'MW to leyofuvnr /r^dy '<^^'S 

lu^iyofjoiyratiOt' räde fativ tjti Nivctßvog) lelirt. diuw er an 

r S|jil./.t' der lW'wep]nj{. nicht ljlr>ss dem Munn', niudi dcswn 

innen die l'urU'i sieh nuiiute, zur Seite ^cstjinden hiitt^*; 

die ÄnsNi-hreitüMj^eu nher, auf welche e,s aiis|tiell, sind ilem 

ZiUjUiinieiihiing der Stelle Kiifol^o die mit dem Kenertftd der 

40 verliiuiileiicn (Jtewe.sen. Wer «hitUiil.s ticr pyth)m<in;isidu'N 

Schnle vorj^estandeii hat , ist aii.-» dem Suucessioiisln'riclit des 

AiNiHoniiis (Jünihl. 2lt*>i /u ernchHessen. Nachlol^cr des 

l'vtha<;or!Ui wurde, wie alle anf^feUen. der Krtitnntitte Arisbiio* 

aU Schnihaiipt, iihcr auch als Uatte seiner VVittwe Thraim 

titid lU-M Niihrvut«>r der Kinder; ihm als dem besten und 

ilen seiner Schüler hatte iS-thagoratt seihst die Nachfolge 

flVrtru^i'n. Nach ihm leitete Mnesarclu»-*. der .Sohn ih's 

INthugonw die Schule und dieser Obergab sie dann dem 

HiilHgnruä'. Antf'allcnd i«t, daas der liericbt, welcher bei jedem 

Vnrvtandswechsid die Art. di-sselben unjiriht, dies hei dem l'eber- 

guujit von Aristairw anl' Mnesarchos unterliUst. Wir schbes.sen 

öii'ratw, da«s Aristaios bis zur Feuerkatustruphe Schullmiipt 

War und ihr mit zum tlpl'er Kel; die« uiiwste Apollonioj« «her- 

Rfheii r»der verwischen, weil er duö Ereigni:« in djus Todcs- 

j»Kr de» l*yt.lm>5(iriLs setzt, ihifWr spricht auch die Nachricht 

*ln> Anstoxenos .lanibl. 250, die da» Hluthiul lUwrlebenden 

"'tf^üeder der Schule hätten ihre Thliti^^keit eingestellt (fijt* 

^'tfiduat; inaioatio) theils wegen der Saumseligkeit der 

ä^h'Mlte in VertVdj^ung der Mörder theil« we^en des L'nteofangs 



174 Sitzwuj der jJtiliut.-jiltUot. iHiüaie rom 2. Mai }88S, 

der zur Leibung micigiietstcii Miuiiicr'), Aus dieser Anf^abc 
folgt, dtt8M sowohl der Vorstand als Überhaupt die ättottvii 
Mitglird(>r der S<'.l)iili' dem hViit-rtod frlc^fii wiiivii, der Sohn 
ilea !*T,thi4^oiiis uIilt, der durch seine Ut-lnirt die iiiüjhnite 
Anwiirb^chuft hatte, noch nicht iii dem xiir VorHtiiiidtfc^hAtt 
f^eoigiKit^^n Alter stfiiid . d. i. norh nirht 40 dahre alt war 
(p. 1132). Arisfciiiis btitte Hit- Leittnijj derSchiiln, wtts Apollnnim 
in Fol^H diT «t;hoii rrwäliuteii ('ont'ii^ion der drei Krr'i^vnif^c' 
verkennt, 509 bei der Wunderung de« l*ythaj<rir!is nach 
Mi^tjipont nltevnonnnpn,*) llKi heiratete er <lie Wittwe dw- 
SdlbiMi und nUerimhui die Sor^ii für die Kinder; 'IVIanj^w^, 
der ältere Sühn war also 403 uoch uaiiiihidi^ imd daher 
MitHthiii;, die dem ältesten .Sohn ohliegeiide Sorge iiir liie 
Vaniiüi' auf sieh xn nehmen. Sein jüngerer Hnider 
Mnewareho« war deninaeh etwa /wittcheii 50ti uud 498 ge- 
boren und 470 tu ein Alter von 28 —31» Jahren getreten, 
woraus wieder hervorgeht, dai» die grosse Katastrophe ^^icli 
nicht unter 4i>l heralisetÄcn lässt. 

Die Nennung de.s Aiistaiiw als zweiten und Mnesarchos 
als dritten Iiiiiaheni des Lclirshihles, noch dazu nnt^-r Rt*- 
rufiui^; auf alle Vorgänger (■»C"t; .-lärnnv ufiohtyitiitt) winl 
ttJü ein B^'weis der NicJib*wllrdigkeit des apulluaieteheu Be- 



1) Die Schule »XanA nti)]. (yn wunli^n keint> Zö^liii)^ mi-lir ituUif 
richtet oder angenumroL-n. Nii'ht imf dio Folitik •jomli^rn auf dit- 
Leitunjf ili-r .^uiiule if^t ri«*' ^Y^}Ai^vtKiunittav tifirtiöt' 7.n Ippziehrn, 

2) Kia Hfst der iu-hten nelierh'eft'nHijf «ind die in dem Zunaiii- 
nienhtin);. in welohom sit> Ihii .lamldivhn»« aWheu. unventtaDdlteheti 
Wort»' ««r' «i*rf'»' iw- /Ji ^«^ff'^.nr ynöaifof toF^ /»»«Voir; nie ineineji, 
daK-H fr srfHin zur Zeit »\t^•* Pythagom« .Schrlviirstimd zu Krfiton war: 
für Aitulliiiiin«' Aiutirtit sind «io siiiulcw. du iI.t Mann, welcher erat 
aaoh di'iu Toili' iIps MeiwU-r» «U ält-Httter S<'hi'lfr iIimi Lehrntnhl fiWi^ 
nahiu, tfellMitvt'mlUndHeh ein Zeit^moMe tlt'A MeiHter» )(ewe!ten M'iii 
mUfMte. 




richte« nnf^esi>hf>n . da die andern uns hekuniiton An^ul>en 

Telaii^e!» als uitiinttelbaren Njichfolger seine«^ Vaters bezciohiiei). 

IfiuT* .if's- .tiirtMv bf'wt'tst eben mir. wiis wir jttich hei 

anderen CompilHtt^reii wahnielinieii, liii?« A)>r>llotiii>(i iiiclit «o 

viele Quollen einn^eMelieii liut u!a er Mit;h iIhh AnNciieiu gibt; 

I« wari'ii aber tticher nicht die sehiecbt-eriten iinil AriKtoxeiins 

jviienfalL'^ unt<'r ilintMi. Die eut;;ej(( -nieset/. tv MeMini^i; ]:is.st 

«ich nicht früher uls in der nach IW> v. Chr. ent*iiiindL'U(!n 

Zweitheiluujßt der PhiltfsMjpheuschulen nachweisen, mit welcher 

die Fiilst-himg Nr. 2 Äusiuiiinenluuij^t. lV*ii VVerth derselben 

kann innn dnnui ermessen. di).sM sie XeMDidiane-^ ^iini SchlUer 

dl« Tehmges und Lehrer den PanuemdeK luoirht. Zu er- 

Bt«Tetn ni:u-ht4- man ihn venniithlifh wej^en der ehrenden 

Anrede, welche in einem seiner liedichte stnnri: Ttl?.uvyeg 

iXtif AoF^t Ö«ri'ü(\* nfi}ayo^v ft (Uinj^. \ Kl 1:1). Dieser 

Darsk-Hung ftilgt Diogenes auch Vlll 4:1 'l\htvyi^^ Öttd^^aro 

u'iy rtati^. Verniittlnn^-svei'siiche ^oiM-n Knsebios praep. X 

U. \i, wo Theund Telauxes Mnesarehnä nach einander die 

Ivliule leiten, und der Anonymus de.M Phuti(>.s 4:^8, 29 iMt'tj- 

i\hi\:ytii tif u fVf^ot.' AiEdf^aro. Alle diese Diir.stelltiii^eti 
''iwl Mighfh aus den KuuiilieuverhültniMeti gefnlgert; diigegen 
die Kiuscbjebung dniw Fremden zwistdien Vater und Sohn 
und die Bevi)r/,ugnng des jüngeren Snhnt-H vor rieui iUt4;reu 
'wi .Vpollonio:^ knunte mint nicht aus der Luft greifen. Als 
"rtbagonw Knit*>M verhess, nin>i»te er einen Freniilen zum 
Nwlifidger lustelleii, weil er erst in Kniton geheirritet hutfe, 
«*"J (wenn man die Niiehricht iles Ajioilunicks über die l'n- 
"i'linlijfkeit der Sohne bei Keinem Ttule verwerfen vvollte) im 
'*twi Fall t*ein Ält^'ste^ Sohn damaJH IG Jahre alt war. 

ll Ilftinit m-bnint vorduxtfottetzt, dajiM Mru'mircliOM oiffcntlich die 
ntrhfoltfc hÜtUt iNfkotninen Hollfii, ein Miw-veretäiiibiij«!' der Xiich- 
n'rit. t|bM< LT "ie U>konimen Imt . wcIcIkm- die untlurt- Vt'Minu von 
"^a Vf. Vftrgf^Z'OK^n wird. 



170 Sitiung der ithiing.-fJtUol. Clane rom 5. Mni iMtJ.?. 

Unter dem Kcgiment des Arütuios galt nutflrlich Teluuge 
nls der geborene Nachfolger und in diettem Sinne knon, we 
da will, jnich den Vei> de» Xeuojihiuitiä itiiniis.sen ; wenn wir' 
nicht ihn , .■«uiiderii ^[ne.s:lrl■h^ls nls wirklichen Xuchlidj^rr 
vorHudeii^ so liegt die ErklaniMg imlie genng: Telauge» war 
entweder vir AriMtiiiftt ge't^trhen «nler er gehört« zu den ^i» 
Verhrftnntcn. In den Juhri)üchom vun Sjumiä bericlitete 
Dnriä (um 2t)0). Ariiuneäbies der i^Aiii des Pyttu^^uni^ habe 
dem Ih'mokrit*«') Ünterrirbt ertheilt und nach der Klu'kki'hr 
ans ilcr Verhiumuiig (/örci.Vdvf' «,*ü t^g ^vyi^i;) \m lleilig- 
thuni der Hera*) ein Wcihgesv-henk gestitlet, (Uwsi-u AntfH'hriil 
ndt dem Verse Uvüuyti^io ffHo^i riog ^ffifii-r^otoc: ft^art'U 
df;xc anfing. Da nach der älteivn, d. h. vur den Nenpythu* 
gon'iern vi^rhandeneu [Jeherlieferung, aus welcher Suidafej 
schöpft (Itohde lih. Mus. XXXIIl 205), I'ytliagonw nur die 
zwei 8öhne Telange^j und Mne^iirchüi:» Initt«, »u i^ mit K. 
Muller fr. hist. 1! 4S:i .Arinnu-stfis tiflr eine NehcnfVirni rnuj 
Miicsarrhi»s /.u halten'), ähnlich wie Hipparchits U<i 4llyin-l 



1) Kr Vfn'ifth jj"**' Ki'imtnif»^ lU's pythujforeiiwht'n t^ohroii, linttni 
wohl ani-h iitaiiolie (etwu .\lut)icuiati)*ciit.'ii, Zi'llcr I IM) «k'h iui|(c- 
eignet: dnim Ni;it (JlaukoH Meineiti jnii^tfren /ieit^^^noniwii beniQbt^'u 
(•ich «lie LiterarhistoHkc]- , iJeii von iluti K*^'h<^rU-ri P.vthajfDn'itT iuit 
findijf j-ri iiiiu'hL'n iJ'iog. IX 3H), (üc Mfiniuig 'Aon Ajiollodoro» rdB.I 
K.vy.ik<w. Hk'fW «fi l'hilolno« jf-^wi-sn^n. püsui nicht )j;ul zu (Im 'Ä-itTirr-r 
baltuitwou. bes'-er die ilt*-* Üiirin ; flemi ]>emükritoa lebte 49:1— i(M oiwlj 
kann anf ieinen wi>it(>n KeittPii ^t*hr wnhl nach rjoteritali^a gckoiuriHinj 
«ein: pythiigoreitichi* SchrilU'» aber hat cm vor Pliiluliio.-! nicht jfefjeben. j 

2) Dtteiibar der brol«nischt?n um Lakinioii; Uuri«* iat ntU-IrBt Uio-j 
dores dem Aspendier der !Utei»te nachweiülicbe Zen^e fllr di«* |{6dL-| 
kehr «Icr Pythagorcipr. 

3| War si'in eigentlicher Natuc AriinneKlos, ao iflt wnhl dm] 
andere Form di*m »citic» ürotwvatürs xa Heb an die Stelle di^*»etbeiil 
g^otrA wonlen. Vitdlj/icht hat aber Mne^rcbo« bei der UUckkchr 
tteiuen Namen >;e}Ljidert. um unxuzeigen. (bu«!4 dfut Htiuiil. der l'jpth«- 
gnruier üi<' 'Gfi*lnnken an- Hcrrtchaft' anfjKe>;ebeu habe- 





An 



piodorog in Phaed. p. 8, vielleicht auch bei Stobaeus Öor. 
108,81 «tiitt Archippcw genannt wirtl. 

In Krolon wunU'n gegen die geflüchteten Pythugoreier 

m ihren Gegnern, imi sie ins Unrecht zn setzen, inIsche 

Ankläger anfge,stellt und ein Schieilsgei-icht aus Kürgeni von 

>rcnt, Kauloniu und Metapont /.tunni mengesetzt , welches 

itit den Aufzeirliniiiigen (vnofiyrjfiata) der KrotonJaten sich 

Itestmdien lieas und die Angeklugten zur Verbamiung ver- 

urtheilte; die siegende Partei ftigte nwh die Verbannung 

ihrer NachkoHiuieiis(diaft, Vernichtung der Schuldinlieher und 

AnRheiltuig der Orundstticke liinzn. So der Verfolgnngs- 

(«•richt des A]>rtIlonii>s ^ 202 , an «ich wahrscheinlich um! 

ohne Anzeichen einer t^ilschnng. Dan Schiedsgericht fllr 

pjne NaiduLlunniig der späteren Verniittliingsversnclie hei 

Polybios II 30 z« erklären, liegt um ho weniger Grund v»r, 

lüs die Aehnlichkeit /.wischen Heiden gering ist und jene 

Ven4iM'he, wie fs «uch bei th'u damals in Italien und Sicilien 

liiTTwhcnden ZnständMu niulit anders crwiirti.'t werden kann, 

»on den Östlichen Griecheii.Mtiidten ansgegangfu Miui. In den 

IterliiiniigMurkniKlen von Kroton f'iind man spüter venuuthlicli 

\av7.;ddiingtMi an die SchiwWicht^T uufgefilhrt^ weh-hn he- 

M)ig gf'deutet werden konnten: von den Pythagoreiem 

irden sie als Bestechung aufgelltest, vnii der andern I*urtci 

bU S<-hadloghaItung und Dank ftir die im Intereswe eines 

freundeten Stuated aufgewundten Bemühungtm und Aus-* 

la(5en: schon der gewöhnliche Richter konnte im Alterthume 

in vielen Fällen unbedenklich Geschenke filr unentgeltliche 

;R«htjtprechung annehmen. 

Viele Jahre, fährt AiNillonio« § 263 fort, gingen dahin, 
P*in«rcho* und sein Anhang fiel in einem anderen Kampfe, 
|*'*h Litages, der bedeutendste Führer der feindlichen Partei, 
■thi«! uiLM dem Leben : (hi regte sich Mitleid und Keue, man 
*öii.ichte die (Uirig (tebliebenen wieder tu der Heinmt zu 
*ben. Botitchafter wurden aus Ächaia erbeten, welchen m 
[\m. Philoa.-philol. hi»t. Cl. 2.) 13 



178 Sitenng der phUnn.-)^t3ot. ClasM vom ii. Mai 1883. 

gelang eiueu Ätisgleich herbeizufuhren , eine Urkunde mit 
dem Wortlaute des Versöhnungseides ward in Delphoi nieder- 
gelegt (ist alw» aiiäter dort gelesen worden)- Von Deiimrehos 
hat ApoUonios vorher niclitä gemeldet, nur Hippaaos Diodoroe 
und Thenges sind ausser Ninon und dem nicht hieher 
hörigen Kylon iils Führer der Feinde erwähnt, st«tt -■^itoj'ücgj 
wird mit Wahrscheinlit-hkeit ©coyotj; vermutliet. Hat Jam-J 
btichos den Bericht des Apollonios nicht ungt^bülirlich abge 
kHrzt, so liegt auch in dem fragmentariHchen Zustund d^«-] 
selben ein Beweis, dass er nicht aiis freier Erfindung her-' 
vorgegangen ist: eine solche würde einheit lieben CharakU^r 
anf/.eigun. Der Inhalt Ktimmt zu den andenA'eifcigen Nach*| 
richten. Es war ein Strassenkanipf, in welchem Deiruirfhottj 
fiel: Ttüv ire^i Jtiva^ov h fii^ij xivöt-vt^t relevt t^aöntar* 
erpielt auf den früheren an, in welchem Theages den Demo- 
kedes gefcödtet hatt^, § 2()1 KQae^aavto<; (sehr. Y.Qatt'i}ttToi)M 
aviov tuv /.tviiLvüv vno Öeöyoi-i;. Der Bürgerkrieg wöthete" 
seit der Austreibung der Pvthagoreier iu den meisteu SULdten, 
Pülyb. II 39 yevofiii'ov mvtj^tarog oloaxtQoiS '''<?' ^OS ttoJU-S 
tetttg at'vtiiij tat; x«r' ixeivoig rovg Tonovg'IiXXi^vixtig rioXetc 

es ging ubwärta mit den grosägriechisehen Gemein weäen,fl 
Aristoxenos b, J. 251 rr^'iovtog roC ;{poi'OL' xai tojr frokt- 
tevfiavtav tsrl rd x*'pt>* jt^oßatvorrtov*. Die meisten Staat^u 
von Hellas, achreibt Polybios, boten während ditMcr Zeiten 
'^ihre guten Dienste an, aber nur die Vermittlung der Achaierfl 
wnnle scbliesslicli von den Italioten in Anspruch geiuimmeu. 
Der Zeitpunkt der Aiwsiihnung lii-gt jedmifalls vor 430: denn 
die später [fttta tivok; xporor^, Polyb.) geschehene Annahnte 
der Achaierverfnssung ist vor U7 zu setzen (s. n.); die de» 
Ächaierculoiüen bedrohUche Gründung von Thurioi 444 undj 
die Ausbreitung der Lucaner, mit welchen die Thurier scbon 
unter dem 445 Terljaiinten Sjiartiaten Kleandridiu Krie 
führen müssen (Pulyaen II ID), scheint nach ihm zu liegen^ 




fenu die AchaierstiUlte sind unter sieh, Maine Gefahr von 

aiu»eii, nicht das nüichtij/ere Interesse der SelbsterhiiHung 

holt sie ob, ihre häuslichen Zwistigkeiten auszii fechten. Die 

Dauer dioer Wirren ist wej^en des von A|iolJomüs gehrauch- 

Amdmcks iTttytyvo^hinv fcuVjTiv huw auf mindestens 

Jahre ku veranädilageu ; auf hüi^hi-dens 20 desswegen, 

weil Deinarehos, dessen Tod den Anst»tss /,ii dem Verüühnnnjpä- 

gedauhen gab, und Litage.^ wahrächeiulich ächou t>ei der 

Aostreibung der Pythagoreier betheiligt gewesen waren.') 

Hienach setzen wir die Aussöhnung zwischen 4ti(l und 450; 

:h Zeller wäre sie frühestens 119/414 geschehen. 

lu jene Zeit tflhrt in der That eine Angabe , welche 

man geradezu abi ein Zeugnis» über daä Ende dieser Wirren 

behandeln darf. Eine unscheinbare, bloss von dem anneni- 

»ehen lleliersetzer aufljewahrte Notiz des eiischischeu Kanon 

«I Ol. 81,3 (venschohen statt 81,2. 455/4) lautet: Pythogorei 

his tempnribus enuit. Unter gewöhnlichen Umständen sollte 

man die Erwäliuung der SL-htUer im Todesjahr den Meiät<*rs 

oder im näcb.sten erwarten , wie z. U. die Notiz S>cratici 

«Uri hslxrntnr, jetzt vanirend in P5,4. 96,3 u. a-, ursprUng- 

lliub unter 05,2. 399/8, gleich nach der vihi 05,1. 400/300 

(jptzt 95,2. 9(i.2 u. a.) Socrates venennni hibit stand. Üits 

Äwllreteii der Naelifoiger wird in unsrem Falle abweichend 

TOü dem in solchen Fällen (iblichen Verfahren erst viele 





wei 
ged 
An: 
Hie 



\) Aach die ganze Faxituntf deH B(>richU maclit den Eindruck, 
•i*" lüiht eine neue Geoeration an die Stelle der bpi der Autitreib* 
■■»8 beiiteheiidcD ^etreicu »ondern dii* Manxe der Zurilckj^ekebrton 
liicntiMrb mit dioKer iKt: rovr aaQa^tnoftii'ovt avtiey ißofXii9ijaaf. 
'*"*ytw hi>i«st e» § 26M l«'i Jcin Tli-niLliluß!* d^r Krotoniatcii sie zu* 
Tflfkiurufcn, ff'rni>r npä( rovf szrttmio»nta( AnXv$*iatty, noch dtmt- 
lÜi'tiffr 'iA4 roiic aattUvttti. Di«! MchnLulil (ßO) stand noch in kriUiijfoiu 
r*lt<T: freilich warmi f»«t nur di<! jiin}j;}*t*'n, wegen ihrer .Iii(f*'n<l der 
•'rminuniung im Hauae Milon» ferngebliebenen entkommen, vjfl. 261 
'V««rfii<' (nachher getfldt^t) fun i<"»' iyij^wf n'e lUniimc «ti- 
*/S^'*^ und oben p. 174. 

12» 



I 



180 Sitaung der phiton.-pltilol. Classe vom 5, Mai 1885. 

Jahre nach dem Tode des Masters notirt, offenbar dessw^e 
weil die Schule lange Zeit stille gestanden hatte: sie 
nnniittelbur mich dein iJInthad von Kttifcon pingtwtellt worden 
(p. 173) und durfte Vorsicht^ halber in Uhegioa nicht wieiler 
eröffnet werden: die Pythugnreier waren dort nur geduldet 
nnd mnsfiUin den Schein, als solle mit der.Wiederlierstellnng, 
ihrer Schule Jiuch die mit ihr verbunden gewesene ]>ülitiacbe 
Thatigkeit erneuert werden. sot^'lUltig meiden. Eine Pytha- 
goreiers<dui!e im eigentlichen Sinn gah ea also erst wied» 
seit der Kik-kkehr in die Heimat und auf ihre mit diever 
verknüpfte EniL-ueruiig be/.iidit sich die Xotiz den EtiiM>biod; 
wenn er den Stillstand Über die lange Zeit von «lO Jahreaj 
ausdehnt, so erklärt sich das daraus, dass er den weitver- 
breiteten Irrthum theilt, die Pythagoreierhetze sei dem TodOi 
des Meisters gleichzeitig gewesen. Ein nicht bhwa heätimni-: 
les sondern anch sicheres, die AiiHiclit fle--* Eusehiiw ä 
drückendis! Datum freilieh ist lici der Vcrwirrnnj?, welch 
in der Einreiliung der Notizen besteht, mit dii?sem ZtMignias 
noch nicht gewonnen, sondern nur die Gewitisheit, daaa er diftj 
Notiz um Ol, 81,2 angebracht hatte; d(M'h glaulwfu wir. 
dass sieb das Üatmn von einer anderen Seite her genau be- 
stimmen lässt. 

Im Jalire 453 bauten die Nachkommen der 511 auage-' 
triebenen Syhariten, gesammelt nnd geführt von Thettidos, 
die Stadt ihrer Väter wieder auf, Diwd. XI 90. XII 10. Die 
Krotoniaten hatten dieselbe verstört und, um ihr Wiederer*B 
Ktehea zu verhindern, den Krathisfliiss über die Trümmer 
geleitet (Strab. 203); die L'eberreste der Syhariten, welche^ 
Hn ihren Colonieu äkidro^ nnd Laos Unterktmft gcfundenH 
hatten, finden wir 472 hart von den Kn>t(>niaten l>«flräugt 
und nur diu^h die mächtige Jiand des Tyrannen von äiciliea^ 
vor dem Verderben gerettet; wenn sie jetzt sich in Sybana^ 
niederlieasen, bo müssen zuvor die Krotoniaten gutwillig der 
gezwungen auf den Besitz der grossen und fruchtbaren, uacfa 



I 



Vntfer: Zur Oesrhiehte der Pt/ihaijoreier. 



181 



leiii Krit^rt'cht in ihr Eigenthum üljorgeguugeiicn Stndt- 

niark vcntichtct fwler wenigstens jetz-t ruhig zugesehen hüben, 

wie die Xachkoiunien der alten Feinde sirh dort wieder 

h&Dslich einrichtt^teu. Diodor meldet aber von keinem Krieg, 

durch <Iessen jk^lUcklichen Ausgang Thettjikre in deai Stand 

gekomrueii sei, die 8tadt zu erneuern, diiri Unternehmen scheint 

rielmehr unge?'tört tou Statten gegangen zu sein; ja er 

HMfareibt sogar^ dass die neue Stadt rasch zu einem fröhlichen 

Wlrfli'ihin gelangt ist (XI \H) tw/v taig ovaiutg km^i'^iiauv). 

pQr (iieüe^ Gewähreuluäseu von Seiten der Krotuniuten ftuden 

^^ir nur eine einzige pu»Keude Erklärung: zu den Akten der 

AtDüHÖhnung, welche die Achuiergc^siindtcn in und zwischen den 

Städten herstellten, gehörte auch die Heimkehr der Sylmriten. 

Die Äeliaier venlankt^^n die Ehre, zur Stiftung des Ver- 

rwhnungswerkes berufen zu werden, offenbar dem Umstund, 

das die meb^ten ItaliotenstJwite ihre Coluiiiim waren: ausser 

Krcfton, Metapont, Terina, Kaulonia u. a. gehörte aber auch 

Srburi« zu dies*?n. Snllt-c t-in aHgrnieJn^r ljandfrie<le Kin- 

K»JiK linden, sir niuhste auch ein gute^ urul duuerhul'tes lOin- 

tmiphmen zwischen den Sybariten und K'rot^jiiiaten horgu- 

"^Wll wenlen und die Achaicr des Mutterlandes sind für ihre 

«uiglnckliche Tochterstadt Sybarir* t^icher eben-so besorgt ge- 

*'>»ii wie f(lr rüe andem. In dent langen blutigen Hader 

vnr wohl mancher Besitz durch den Untergang des Eigen- 

ÜiCioers herrenlos geworden; viele Knttrfjniut-en, welche jetzt 

Und abtreten mu-ssten, kotniten in Skidron und Luos dutUr 

"•»tachädigt werden; einen grossen Theil der Mark von Sy- 

^*rii hatten Jedenfalls die 500 vor Telys nach Ivrot-on ge- 

fl4eni'n AriHtokrat4'n im J. '»11 von den Hiegern zurtick- 

'■'hiilteu, nachher aber als Genossen der jiyth^g(>r<,'is^hen , 

^'»rtei wieder verlorijö. Ip das pf, |453]abip se|iafen |i^ir,.4!ift.,,, 

\'i>Mi)inung: die Anftheihmg. ohne welche der Ausgleich 

"i'U möglich war^ wurde vermuthlich durch Anlehen der 

■^iMtfln erleichtert; liter gleichwolil konnUb'nacb itir neue 



82 Sit2ung der phitos.-phüd. Claase vom 5. Mai Z883. 



Streifci}.;keitt'u j^erade zwiHcheu Syburis luul Kroton entstellen, 
weil da« Besitzreclit einzelner Grundstücke ersterer Studt 
nach so Welen Wechseln fraglich vit^'w^i**^'*" ^''^i*- Hieran.^ 
itit es wohl zu erklären, thvw fftnf (DInd. XTI 10) mh-r sechs 
Jahre (Diud. XI 90) Hpfit-cr uin Kric^ zwiHcheu beiden Städten 
laiwgelirnchi'H ij^t, welcher mit dem Unterijang des nenen 
Sybaris endigte. 

Der heimgekehrten Pythagoreier waren etwa 60 ohne 
die älteren, einige von ihnen Qbteu die Hcükun^ft in nener 
Weise, auf diätetischem Wege; sie iw-süssen wieder da« Ver- 
tranen des Viilki-s ititatfe^üytws jioQa lot^ iioXXotg evdtmi- 
/itoTvTBg), .jamhl. 2G4. Was Apolloiiios hieniit nur andeutet, 
sprieht Plutarch gen. Socr. 13 , die Angabe desselben von 
der Rückkehr nach Kriii^m Ijestäfcigend und sie auf die 
andern Städte ausdehnend, unumwunden aus: sie standen 
wieder an der Spitze der Regierung (^'d'y viahv dit-QotLO' 
ftivovg x«t xQOTovytftg tt~}v Kv).i*JVEititv) ; die Schule wurde, 
wie aus Ouris hervorgeht, v«n Mn^sjarclios-Ariranesttw ge- 
leitet. Ein neuer den Katastrophen von 494 und 470 gleich- 
kommender Schlag traf sie unter Hiilagoras dem Nachfolger 
des Mnesarchos: bei einem Kiufall der Thurier fanden die 
Pytlmgoreier sämmtlich den Tod im Kampfe (Jamhl. 264 
im Vertolgang!?ihericht); dass es die Stadt Kroton war, in 
welcher «ie .^ch niedergelassen hatten, wird hei dieser Ge- 
legenheit von .Apnllonios in der TJeschichte der Nachfolger 
ausdrücklich angegeben, Jambl. SO.'i StaQ.-iaaiPiivai Ttjr K^- 
T0)vtaTt7/v noXtv, Bt-hulluiupL wurde, durch eine Reise vor 
dem Schickwil «meiner {leniHsen bewahrt , der Knitouiate 
Gartydas aber der Oram über das Unglück der Vaterstadt 
(r^S jiaTQtSo^) machte seineni Leben vor der Zeit ein Ende, 
während die andern gewöhnlich en*t in hohem Alter {yr^^toi 
atpoÖQa) die Fesseln des Leibes aMreiflen. Nach einer 
Zwischenzeit trat Aresas, ans Lucanien *) durch Gustfreunde 
1) So erklären wir tx näj- .iivxai-iZr, zu verbinden mit 



ist freunde ■ 
it amSivta ■ 



Ünger: Zur Geichi^U der Pythagoreier. 



183 



"Rcreit*'t, an dit? Spit/,e der Scimle. Den Ansilnirk Xß''**';' 
vutiqov (Jj äUr») dfirfcn wir auf oiiio läiigiTf, nach Jtiiireu 
KählfTule Zeit deiitori: Herin dkwcs TiiU-rrt-gniiiu ist ««, «wie 
lins M^hviot, au:* dcsfseu Düzwisthen tritt sich die Düf)pel- 
ühlung der letzten Sncces.sionsJg]ieder bei Ariatoxenoe erklärt, 
Diii^. VIII 4') %o ßvOfrjftn duftEtve ^üxßt ytvEiov^) ivvia r^ 
Htti Jt'xc: je nach Mitzühliing oder üel>ergehimg der Vor- 
''tand.-'lück».' waren es xelin oder neun: Pythagoras, Ari- 
^ tili (IS, M nesfirehos, Biilagoras, — , Gartydits, 
Aresna, PhllolttOH, Eurytoa, Xenuphilos. 

In die Zeit des Iiiterroguum , als in den Pvtbagoreiern 
üw bedeutendsten Vertreter der Aristokratie vernichtet, die 
Ipschwächfcen Kmtoniaten aber auf Stilrknnj^ durch ein Bünd- 
nisä angewiesen waren, panst der Abschluss des Bunde8 mit 
Syhari-* nnd Kunlonia, bei welchem die demokratische Ver- 
fiBSting de?* achüjw^ben Mutterlandes in den drei Städten eiu- 
Refnhrt wurde, geraume Zeit nach dem Anssöhnungs werke, 
\'o\\\>. n 39, vgl. Strab. MB4. Die Sybariten hatten, durch Zu- 
niß aus Athen venstarkt nnd gestützt auf die Freundschuft des 
üiÄchtigen See.staate», 446 zum zweiten Mal ihre Stadt wieder 
wffiebaot, wuren aber, nU sie für gich zu viel Land bean- 
•prochten oder zu beanspruchen schienen , von den neuen 
Mitbürgern verjagt worden und hatten 445 ein neues Sybaris 
Am TraeiH 80d<>^tlich der alten Stadt gegründet, am welcher 
im Dichflten Jahr ihre Vertreiher, durch neuen Zu/,ug aus 
»tl«a (lauen von Althollas verstärkt, auMzagen. um am Thuriu- 
l«fl» die Colonie Thurioj anzulegen (Diod. XII 22; II), so 

Inriwf! balien, ''tf^teaf ix rtüi^ .■lfi!X€ti'tZy zusammen nehmtmd, Aresas 
twti Aüinea gTitK''i»'<'hini'lii>n Namena für einen Lucanpr'l; rr war viel- 
l^t ta der Srlilaciit gpfangen (^f^noimncn und na4:li Lucaiii<>ii ri-i- 
InHit wonlcn. vgl. p. 186 (Plut. gen. LS). 

äl Von Bentloy nnrichtiK al« Zeitbejfriff (Menschenalterl jfenom- 
**; Vorbild diw Auadrucks ist tlie He<]ei)tunf,; Dyntistiefj'lied, wie 
* B. BmMlot I 7 von TZ yt^ini d. i. Königen der Lyderd/naMtlc mit 
*wr Daaer von 505 Jahren Hpricht. 



184 SiUurtff licr phUos.-i/hiloi. Classe von S. Mai 1883- 

dfu« sich Jetzt in die Mitte der niten, meist achni^^hen Än- 

sieaumgen eine rein atisläudist:he Niederlassung wio ein Keil 

hiiieinschnb. Diesen EiudriagUiigen j?f'*:renflber ))e(?reift sieb 

der einhellige Zut^amnienschluss der früher miteinander hu- 

derndet AchiiierstSdte. Auf das neue Sybaris am Traeis ist 

die Stelle de.** Polyltias schon wegen ilirer Zeitaugalie zu be- 

zienea: der Bund würfle lange nach de-r Heimkehr der I*y- 

thagoreier gesehlossen ; da Polybios unter gieret iiva x^^°* 

t 6 eine 9jährige, 11 18 eine 6jährige Frist versteht (Akad. 

Sit/,iiiigs1>. 187G p. 544), so darf inan für ftetd nraü: xe''"Ovi 

die <iy]){telte oder dreifache Zahl von Jahren seit Aö'S an- 

nehmen; das neue Sybaris am Krathis hatte aber nur 453 

bis 448, und 446 — 445 bestanden. Jedenfiilln hat ilie Eio- 

-1 '1 . 1 
fllhrung der demoknitischeu Ach aier Verfassung vor 417 st«tt- 

gefnmlen:') denn zu Anfang dieses Jahres wwrde in Achaia 

auf Betreilifu Spartiw d'u- Aristfiknilie eingerichtet (Thuk. V 80) 

und (de herrschte dort, getragen von dem siuirtanüchen Bßnd- 

ni)«, bw 3fI7 durch Theben die Denmkratie wieder zur Herr- 

fichaß gelangte (Xen. Hell. VII 1,3M). Mnesarchoa hat ein 

hiJie^ Am-r erreicht: detni das p. 182 erwähnte Zetigniss von 

dem langen Loben der Pythugureier gilt in erst*?r Linie den 

(eines nuthrlichen Todes ge-storbeuen) SchuihSnptern und 

dasselbe l>ewährt «ich in allen Fällen, über welche Nach- 

richttMi viirhurideu sind: Pythagoras wurde 75, Aristaitfs un- 

geführ 8U oder mehr Jahre alt (p. Uil). Aehnliches gilt von 

AreBOB (^ ii.). Mnesarchos mag um 435 oder 430 gestorlwn, 

einige Jahre darnach die grosse Nimlerluge der Krotnniat«Q 

vorgefallen sein: hatten die Kämpfe der Thurier mit den 

Lucaneni, nie e« scheint, in Jen ersten Zeiten ihrer neuen 



1)' tWctit'' die *Befestipiing uml BewSlirunK' der uuh Achaia »!«*■ 
tragonen VorfasHung Monderii ihr KortWst'elii^D int nach Polyltins ilurcJi 
Dionysib« (re'jf. 405 — 367) verhindt^rt wonirn uml lä-isl nii;h ihiher b» 
fti'inen Worten iiticli nicht folgern, dass sie erat in deaiti.'D Zeit oder 
korft' Vorher '^iBgpfiihrt wonii-n ist. 



ünger: Zar Gegchifhte der Pifthagorrier. 



185 



Niederla^iing stnttfifefiinilfn, so bi-schäfbij^te sie nachher ein 
Krie^ mit Tiirent, welcher 433 beeiulig:t wnnle (Dii>cl. XIl 3(1. 
ätrab. 264); erst nach diesem konut«n sie ihre ganze Krüfl 
;en Krotcm «*Hn<ien und die Gefangenschaft oder Sclaverei 
ArecHLS hei <U'n LiKrunem Ifisst wenigsten» die Müglich- 
keit XU, dass diese «ei e^ äämnitUch oder zum Theil mit 
ihnen verhijndet gewesen sind. Das Bündniä» der drei Stiidte 
und die Kint'ühriing der Achaiervert'assung dürfte demnach 
um 425 stuttgcfundui haben. 

Ärc8U8 findet läcb auch bei Tluturch gen. Socr. 13 aU 
Haupt der iSchuIe erwühut: *) der .^(»phist Gdrgiaa meldet 
ilini bei der Heimkehr au« lleIhLs, da.-«* er den hinge ver- 
BÜBrten hyaia in Theben ge.sehen; Aresas, durch Alter und 
Schwache an der Aii'^f'llbrung seines selinlichen Wnnsches 
üiu iiiifzusuchen verhindert, gibt d«n 'Kreunden' den Auttnig, 
JHwn lebend oder, wenn er ftchnn gestorben sein sniltc, seine 
'•«Wne niM:h Italien zu bringen, aber Kriege Unruhen und 
Jia Aufkommen von Gewaltherrschaften treten liindenid du- 
xwischen und erst 370 koinrut ein Pvttuigoreier zu l'jjHiniei- 
imodut, um die Itt^^te de« hysis zn holen. Diese wie über- 
liiMi|it »He synehronistist-hen Angaben der plutarchischen 
i^hrift, eineit &igirteu Dialog» gleich den j>lat4>tiiM:hen, sind 
IUI derselben Vorsicht zu benutzen wie die Piatons. Hat 
I'l'itarch Mch vielleicht weniger |ioetiache Freiheiten erlaubt 
ftl* jener, mj war dmrh die Schwierigkeit, die Scenerie eines 
in Har< füntb' Jahrhundert vor der Zeit des VertWers ver- 
«Klen GcöprilcliH bi»U>risch treu zu gestalten, migleicb grösser 
"nJ Phitarcb besiiss keineäWCgH i^ine so lebendige nnd S!U- 
üWch so unifastiende GeiH^hichtskenntnisa, wie sie dazu er- 
fftn^rhch gewesen wilre, ha|^ auch wohl eine solche Abtdeht 
KV nicht gehabt. 8<'hon die Meldung des Gorgias, bei 

tl Er beis-rt ilort Arkrsos, olini* /,wi*ifel in Folyt' eiaes Texiruhlcn: 
"K AtMchrciÜLT hat iliu niit iteiii •:. 17 uml MH gimiinnten Thctuumr 
lAttn« Tf-rwcrboelt. 



186 Sütung der phüoa.'philol. Classe v»m 5. Mai 1883. 



welcher wohl die Heimkehr von dor Sendtmg nach Athen 
427 in« Äuge gefiia»t i»t, diirf als Fiction anjffwf^hrn werden ; 
von dem ftiifuiiglichen Aui'eiitliult de^ Ljsis in Achaiii weisH 
er nichts; die Verhrennun^ der Pythagoreier wird irrig nach 
Metupout verleg"t; Jawin von Pherai i*ft ihm si;lion 37i' 
Bunde»feldherr Theysaliens, was jeuer enrt nach 375 wnrde; 
statt Archippcw läsät er den zwei ganze MeuscheuaUer jünge- 
ren Philolao8 mit Lysi« aus dem BUitbad entrinnen und dann, 
aus Lucanien errettet, ku den sieh wieder siiMintehiden und 
über die Kylorieier siegenden Genot^en zurückkommen, er 
wirft also , im Zusanuuenhang mit der Verwechslung der 
zwei Philosophen, den Untergang der Pythagoreier im J. 470 
mit dem faat ein halbes Jahrhundert sjwiteren in dem Kri^ 
mit den Thuriem zusammen: mit fV ^evatavoC^ f^'/cJr 
ixtiiPev iatüitij Übertrügt er irrig auf Philolaos, warf nach 
Apolloniofl b. J. 2(5(5 ix tvjv ^evxoWöv aio^ivxa von Aresw 
gilt. Aus der Verfolgtmg des .T. 470 konnte isich Niemand 
zu den [jucanem retten oder imter sie geruthen , weil es 
damala noch kein Lucanieii gegeben hat. 

Grossen Anstoss hat die liei Apollonios sich ansrhlifsiseude 
Angabe errt^t ; ntgo^ ov (nüral. li^oav) atfivjaif^at Jioiojgot 
Tov ^07fivdtO¥^ ov 7f afjctdixi^rivai fiia iriv anavtv twv iv 15 
avatri^ati. ovxog^) di tlg tiJv '}iD.ada (naveXiftüv dtiduxt 
zag flvJ^ayoQBif'ir rpwvdgj) Li;Awicf( di y^atpit yevtaitat 
tüiv ovÖQvür 7i£^i fjfv ^HQanketav KXetviaf xai (JiiXökaov, h 
Meeajtovtitft öe 0t(u^i6tjv xal Ev^vrov, h Tdgavrt ds ^fSHP" 
Tov; gie trägt die Hauptschidd an dem ungünstigen Urtheil 
über seinen Bericht. Wie konnte zu Aresas ein MaoQ 
kommen, der mit dem Musiker Stnitouikof» verkehrte (Ath. IV 
1153), wenn dieser, wie seit Benticy Phal. 143 angenommen 



II Die Worte eiro^ — rüy gibt bloss ilcr LaurontianuH bei Cobrt 
dt urte int<;ri>r. 73, s. Rohde 58. 
2) Corrupt: vgl. unten p. 190. 



Urtier: Zur OenchicMe der Pythofforeier. 



187 



|eui Zeil^fenfKssc ck't* l'tctltiiiiiios I von AegypU-n war 

pu 300 blOhU'V Stratonikrjs . bekannt durch seinen 

||den Witz, sagtt« zu eincui Künig PtoleniaHJs, der sich 

fil uIkt Musik heniusnahni : yriQov fartv to fiaathv 

V 'hi^v di /iP.^xrgoc, Athen. VIII ■\'>(). Unhde setzt 

Ithe des AresiLS nm 450, die de:s Stratonikt« um 35ü, 

jedoch, ohne seine Ansicht zu Iiepründen (nler fih^T 

^iot» etwus Bestimmte res zu bemerken. Der Lugide 

[306 ziira ersten Mal als Kfinig hegrOsst, bahl darnach 

\'tT selbst diejten Titel un, Omysen Diud. 2,140. Stra- 

da^ejicn wird tun 1(00 bereits vcm Theophni-stf)«, 

an und Phania.s erwähnt (Athen. VllI 348. 347. 30*^), 

n von Kphuros (Athen. 352), welcher um 330 ge- 

iift. nnd vnn dem attischen KonnkiT PhiU'tninw 

IV 1H9) dem Solm des herUhmteu Aristo phune». 

l in dem Hiuidel zwi(<chen Demosthenos (g. Meid. 17) 

Icidias genannte, ura 330 von der Molosserregen tin 

ptra durch ehrenvolle Bestattung (Pausun, I 44) ans- 

bnfte Flftt<'n«pi(*li!r Tflfphaniss , welchem Stratf»riik(M 

heit zurief (Ath. 351), war ein jüngerer Zeit^enusse 

in: denn Strat<miko>< armierte auch den Mvisiker und 

Polyeidus, als dieser sich mit dem Sieg ^ieiucii Schtt- 

älotaa über Timotheos brOstete, ebenso letzteren selbst. 

ithe beider Meister setzt Diodor XIV 4*1 in das Jahr 

imotheofi ins^bcsondere wirkte sch<»n am Hofe des 

von Makedfmien (reg. 411 — 300), Plut. iortit. 

,1; ein Vers vou ihm wurde 395 von den asiatischen 

ftut' Age^laos angewendet, Plut. Ag. 14, ein Aus- 

Iben von dem t^eit 3t<7 thätigeu Komiker Auti- 

citirt, Athen. X 433, er fitorb 357/fi (Marni. Pur.) 

im A!t*;r von 07 Jahren (RuiduÄ). Der Flöt+mspieler 

i>no8. dessen Vater wegen einer Aeusserimg des Stolzes 

be Söhne von Stratoniko» verspottet wurde (Athen. 3r»0), 

408 den Einzug de» Alkibiades in Athen, Duri» 



188 Sitzung der phäos.-philol. Classe rom .5. Mai 1883. 

boi Athen. XII 535. Jener Ptok'niiiicw ist also ein älterer 
König, kein anderer aU Ptolenmirw Her AInrite, welri«;: 
S68 — 305 Makedonien heherrsrhU«: zwei Anekdoten voa 
Slrat^nikoH spielen in IVIIa. Atlu-n. VIII 3t8; S.VJ. Spinen 
Tod fand dieser durcb Nikoliles den Fürsten von Salamis 
(Athen. 352), welcher 374 seinem Vater Euagorafi nachge- 
folgt war, 351 aber oder bald darnach, als Ochns den Krie||f 
gegen die Phoeniker erüffnet^*, nicht mehr regierte: damal'i 
riuchtt; der jüngere Euagnnis mit jier.siweher Hülfe den Usin*- 
paior Pji'thagoraa zu vertreiben (Diod. XVI 41. 4(5). 

Wenn demnfich flie BlÜtliezeit des Stratonikos in die 
p.fHte Hillft^*, se^in Tod in die Mitt<^ des vierten Jahrhunderte 
füllt, so kann der Aspendier sehr wohl eiuerseiits mit ihm 
undrerseitx mit Aresas Verkehr gepflogen hitben, mit letzte- 
rem lim st» mehr als er zn ihm in da'^ Verhiiltnirts einty 
SchÖlers getreten ist. Ihn erwähnt ab Zeitgenossen Arche- 
stratos von Gela (Ath. IV 163), der unter Dionysios I 
und II lebte (Hidm rJcsch. Sic. II 456), er versptjfctet ihn 
wegen seiner Nahningsweise, derselben weU-he von deu 
Cynikem bekannt ist. Anch in der Trucht und dem Kclimutu- 
gen Aftiweren kamen diese mit Diodoros Überein (Ötnitoni- 
kos bei Ath. 163), er aber hatte den Vorgang gemacht (Ti- 
maioH h. Ath. 163) und wenn Spätere Anti'fthenes oder dessen 
Schüler für die Urheber der Neuenuig erklären, nv iät das 
eine leicht erklärliehe Erfindmig. Unter den Cynikeru id 
Diogenes (geh. lun 400, gef*t. tVZ'A) der erste, von welchem jene 
Lebensweise mit Sicherheit Iw/eugt wird; auch dies i^pricht 
dafür, da-w Diodoros früher aufgetreten ist. Dass keine 
Schrift von ihm citirt wird, ist bei dem Wenigen, was wir 
überhaupt von ihm wiesen, kein Onmd da.«« Citat ans ihm 
KU verdächtigen. Er hat offenbar lange nach Reinem Anf- 
onthalt bei Arosas gesehriehen, als bereite dessen Schüler 
undEnkeIst:htller(zu.-*amineuget'nÄst in derIJeKeichnungC*i't<*rt«()* 
wirkten imd die Schule, schon durch die "Elnftihiiihg der 



Unger: Zur Ooichichie der Pythn^oreier. 



189 



Achuierverfussiing in Krufcuii ihres politischen KinfliL'^ses 

grGsKt«Dtheil< bemubt, imch dem Hingang de» Aresa« auch 

ihren Mtittersit« iiufgel>enil sich in die inirdöstlieheii Tfculiotcii- 

-jiiidtn znrnckgew^en liotte. Nach dor luiglnokliuheii Schlacht 

^fon Klleporoe 3S9 schlössen die ge^en Dionysios 1 verbündeten 

Städte einen Frieden, weU'her ihnen die Aiitononite zusicherte; 

diunaU wohl löst«' sieh die enge Wrhiiidung /.wischen Krobm, 

NetisyUirirf und Kaulonia: die letztgi*nunute Stadt wurde ge- 

«hleift, das Gebiet au Lokroi gegeben, die Einwohnerschall 

nach Syraku« ver|itian7.t (Dibd, XIV lO-'O. Da« Schicksal 

um Kanlonia thcilten Flijipouion und Skylletion; am schlimm- 

i^ti-n fuhr Uhegiun, welches 387 erobert imd zerstört wanl. 

Kiu zweiter Krieg zwischen Dionysios und den Italioten 

tifoch M>*3 ans: er endigte 380 mit der Erobcnmg von Lokroi 

uiitl Kroton, die andern Städte, unter ihnen Thurini (Strab. 

2tili>, unterwarfen sich theils dem Tyrannen theils den Lu- 

eni, Dion. Hai. aiit. XIX 5. .lu-tiii X\ "). Tavent war 

dr-m ersten Kri^^ge sieher , am zweiten wahrscheinheh 

^ht betheiligt; gi'wiäs itit, das» es sich tmgeschwiicht er- 

Wt, mich zu Dionysios 11 unter Archytas gute Beziehungen 

iterhalt<?n hat. Daraus Ui zu acliliesseii, da-^ auch seini; 

lonie Herakleia (gegründet 4:t.'l) und, wegen der Lage 

lien beiden. Metapont sellisUtändig blieb; von einem 

nrcli iVhagoreier vereitelten Versuch des Dionysios I, diese 

^it an sich zu ziehen, meldet Polyaen V 2,21. Aus diesen 

Ijerlirdtüissen und Vorgängen erklärt es sich, warum die 

ythagureier sich iu den Nitrdn.sten Grossgriecfaenlands zu- 

rkgeztigen haben; in Krott>n selbst mid anderen Städten 

einen nach HInt. gen. Swr. \'-i schon vc>rher zu Aresas 

'it> th^diistigt durch die demokratische Verfassung, Tyran- 

aiifgestauden und Bürgerkriege auKgeb rochen, in Tarent 

die den Pythagoreiern günstige Äriäfcokratie wieder 

I» Kuder gewesen zu sein. 

Der nach der Zeitfolge geordnete SnccÄisionsbericht 



IflO 



Sitzun/f tief jthünit.-jihilni. t'ttiiue tum 5. iVni 3fift.t. 



endigt mit AresHi^; anHtatt deHselljen gibt Jttniblichos b«ar 
den nächsten Gliedern die Mittlieilung aiis Diodoros, wahr- 
scheinlich d(»sswe(^en, weil er V>ei Apolhmios von diedom Citat 
aljge«ehen daasellK' vorfand, was er schon bei Nikumacbue 
gelesen und aus ihm niitgethuilt hatt<^; itlr aein Schweigen 
Ober die letzte 'Generation* denselben Grund aitzimehmeU; 
empfieliU iler IhusUnd. dass wir dt'n Bericht de*> Nikoniach 
Ober sie noch bei ihm lesen. Aus DiodoruQ Aspendit« er- 
sehen wir, dasa Philolaos der niichsten Oeneration nach 
AresaN angehfirt; Pluiarchs Anslikssung lilter ihn setzt nur 
voraus, dass er ein Zeitgenuüse desselben gewesen . aus der 
Behauptimg des Ky/ikenere Apollodoros bei Oiog. IX 38,, 
Deiuokrit sei luit ilini in Verkehr getreten {avyys'/ovtvm)^ lässt 
Hich entnehmen, dass der Kyzikcner ihn schon vor lOt thätig 
gedacht hat; ähnlich liLsst IMaton» Phaeiio lil d die The- 
baiier Kel)es und Simniia« seinen Unterricht vi>r Sukratea 
Tod geniessRH. Da« dies, wie gewühnlich angenommen winl, 
in Tliehen geschi'hen aei , wird nirgends gemeldet; wahr- 
»cheinlieb ist nur, duas die zwei Thebuner ihn in Herakleia 
gehört Ituben, und von Himmios weiäs Plutarch gen. äocr. 3 
'/.ii iH'ricIiU'ii. liiis« (?r eitle grosse Ilvis*- in ferne Länder gc- 
uiaoht hatte; die Verlegung seiner Heimkehr in das Jalir 379 
gehört vennuthlich /.ii dem poetischen Atil'putz des Dialog», 
l'hiinlaos kann noch bei Lebzeiten de« Aresari als Lehrer 
aufgetreten sein , zumal da der Ort seiner Tlmtigkeit ein 
anderer gewesen ist als Kroton, Diese hat er wohl noch 
in den ersten Decenuien des viert(*n Jahrhunderte au»geQbti 
Diogenes von Laerte behandelt ihn (VlII 84) nach Archv 
(VIIl 70) und der corrupten Stelle «ig n]»* '£U/£(Jn tJiayellfo' 
duÖtuxe tag nvtfayoQeitity tpoird*; liegt doch wohl der Sin 
zu Grund, d;us.s durch Diodoros zuerst die Lehren der Pytha 
gorcier in Hellas btekauut gemacht woi-den .sind, die Ül 
Schrift eines anerkannten Pythugonders also, die des Philolati^ 
damals nuch nicht verötientlicht war. Nach Diogenes fiujJ 



1 



I 



ümger: Zw Oe/uiüchU der Pythagoreier. 



191 



er den Tod vofAtOxfelg i/ii9tadai tvgavptdt; solcher, bei einem 
i'ytbugoreier nicht zu erwartenden Beetrebungen map; ihn 
die kyIoni.s('he Partfli von Herakleiu heiichlerist-her Weise 
l»ezicbti;i(t haben:') aas dem Krfnlg, welchün sie damit hatte, 
erklärt es sich, das» sein Schüler, was Eurj'to» nach Jamb- 
bchos 139 (d. i. Ärist*jxenos, Rohdc p. 39) gewesen ist, Meta- 
pont zum Wohnsitz wählte. 

Euryt<w starb tan^e nach Philohuw (Janibl. 14R); beider 

Schüler waren die letzten Pytha^^roier , Aristoxenos bei 

Ding. Vni 45; den A''erlall der Kchule Ije7x;ichnet j*chon der 

Im-stand , dan« die fönf h ervorrage ndaten von ihnen keine 

geborenen Italioten waren. DaAs Diodor XV 76 ihrer unter 

Jcin J. :!<»(;, iu welchfiM Archytaa noch tliilti^ war, gedenkt, 

lä»t um th) weniger eiunn sicheren 8chbis.s auf" ihre BUithe- 

»it 2u, :ils er ausser Lsokrati.'-^ und den fünf berühmtsten 

JMjhllleni des Sokrates auch Aristoteles und AnaxinteneK mit 

h ihnen verbindet. Sic niiVgen um .'^ijll— :il(> gewirkt haben, 
»r1. p. lüö, zur Zeit, da muih deni Tode des Archytji.s, der, 
wwltr doK Geaet/. siebenmal zutn Strategen gewählt , die 
Streiter von Tarent stets zum 8iege geführt hatte, auch diewe 
ietali« iStiltxe des Pythagoreierthunis ins Wanken gerieth umi 
w dea alten Feinden der Stadt^ den Mesaapieni und Peu- 
»etierii anch die mächtigen Lncancr gekcmmien waren: gegen 
w wurde iHfi Phalaiko!< und, aU dieser nicht kam, Arehi- 
<lvuM gerufen, der ll3S in einer schweren Niederlage den 
*«l fiUid. Herbeigeführt wurde die Auflösung, wie aus Aristo- 
wnfti zu schliefen ist, durch den Sieg der Kyloneier in 
^Ltttjioiit und Tarent. .-VriMttJxeuos, selbst um 380 in Tarent 
Kvbikrcti, hatte die fünf Philosophen noch kennen gelernt, 
^H XenophiloH aber, welcher die andern Ul)erlebte, wahr- 

l) Dwicibe btttt«D die Kyloneier von Kroton 470 dem Pytha- 
{Crvirr getiian. welcher die Kplieben fuhrt*.', Jainhl, 261 au-a Apollo- 



mbacher: Eine Heue liiiHfhchrift d. Grarnrnntikd. Dtiftitheunetc. 193 



Herr v. Christ legte eine Abhaudhing des Herrn 
t. Krnmbatiher vor; 

,Kine neue Handschrift der Grammatik 
des Dositheufl und der Interpretamen ta 
Leidenaia." 

(Codex Harleianua 5G42) 

Mit der Uelwrlieferung der (iraniniafcik des Dosithetw 
fit es nicht alhu gtlni^tig besU^llt. Noch vor kurzen war 
iiirfin (ItMlnx bt'kimnt, der ftim^allHnwis Ö02, r. X.') Dann 
^mnrkte lidht.^) diuss der kleine 8aninie!codex Monar.eusis 
'U nach dem Jiidtin auf f. 59 — 82 auch Uoaitheana ent- 

tte. Gust. Loewe gab nähere Nachweise und zeigte be- 
ilt-n*, Aass aiu;h grij8«ere Teile lier Orantnmtik ries DiwitheiiH 
> diesem *.'<jdex enthalten .seien.*) HJernnch hat Keil in 
*r zweiten Ausgabe des Dositheus (firammatici Latin! VH, 
'66-436) die Mtlnehener HandHchrill verwertet. 



El) So Niebuh r ,ex Sanf^llenai codice unico' (Jahrb. fllr Pbil. 
W. n itk. 1H26). X9*i); ebwmo üsener ..... ich wähle die 
ing dea Dositlieufl .... nod gehe sie goniiu auch der einzigen 
*t. UÄJlener HttmlHchrilV (Khein. Miw. XXIV In. lH(i!)). m und uocli 
*vi\ in der erxten Ausgabe den Do^ithi^uti .Uoaithei de arte gmui- 
^ütiiea 1il>er httiiie et gnu'ca KeriptuH iino t-odice HangiillenMi !>02 
aUm «st* (Dofl. ar-« gr. Haliie IHTl. p. 'Ü. 

i) .TextCBquollen dea Ju»tin' p. 14 (f>, Supplementband der Jahr- 
f. Ph. tL P. 1872). 

omos Corp. Glos». Lat 1876. p. 20" »ni\. 
lPhUoii.-phitol. hitit. Cl. 2.1 la 




104 Sitzung der phPm.-phä^ii. Clasüe vom 5. Mai tdSS. 

Bei dieseni Stande der Uebcrliot'ei'ung inb jeder Zuwactu 
von Beduuluiig, und it^h fand daher nii>iuc MUhe iinmcrhiii 
reichlich belohnt, iiU icli iu deui cixlex Harl«ianu$ 5Ö42, in 
welchem ich auf lUlhls Notiz hin*) «iue neue Veraion ii^^r^vu- 
ft€tTa vermutet«:^, zwar eiue atdche uur teilweiöe (.8. iinfcen), d»- 
fflr aber die (»rammatik des Dosithnw, initton in die *^ui,'»'n- 
tjata euigesiduichtelt. tuiid. Mit der HiiiiilKclirift, von welcher 
mir durch Mrdler-Strtibing eine Beschreibung Itesorgt wurde, 
hat es des nüheren folgende Bewandtnis: 

Codex Hiirleiuiius 5ti42, ein i.iuartbaud von 47 Mlät- 
teni, enthält: 
fol. 1' — fol. 4' ein jd|dmbetiscbeg üloesar: 



Incipit 


de orabore 




memmnc ipssi 


K. . |H)te 


etA!i()UHnd(i 


tri« bibliu 


tres libros 


tnto protu 


horniii jiriores 


knlistos 


optinie 


Kft epimelos 


et diligenter 


ernuMUMikuta 


lut4Tpretutii 


jillepidooro 


Scd ({ni iiideo 


eniusopeniintiLi 


i|ui»idil luudunleü 


Ke epithimunto^ 


et cupieutea 


Hiniatft unecta 


ferbft i^iiae j>ertineut 



1) Locwe*» rrodioiiiu» p. 207 .Non iiiult^i^ itittciu nein de cftdit-* 
Harleiuno 5Gi2 nioiubr. ■* ^ nru-c. X iiion IX, ut t'rtlno cütiiloRO*'" 
Incipit : 

LXCIPIT DK OHATORK 

Mv m^xren. tniMiiiniiiii'' t|i«n. TnOMS4i> Oivi IfmlriAiii sr-Jilciitiiu r*l cV*' 
8tnl.w, t't HLinini eaac .«in gripobiBi-h-lateinisches Loxibon und IVbtT 
KetziiTif^Vtiich' Kueliliiis uiu-l«r tftW Aiich Kohl xrlUt wti.-uti> oiü' 
uuf tiae whriftliche Aufruf nichts (lenaueres Über den Cutlu «" 
bmcblea. 




baduT: Eine neue Unmlschrifl d. Grammatik d. Doaitheus etc. 1^5 



f Pnwteken 




Adartem 


Gmuirnatikcn 




Gnuuiuaticam 


En tiito iiiblio 




In hoc libro 


I'roäeteka 




Atlieci 


Apotu prout 




a priiiiH 


Gramnmtos 




LHU?ra 


Mf th riso 




UHi|iie u 


Prasso 




l^O 


pra«ai8. l sia 




agis etc. etc. 


)l 4' S*;lilix.ss ili-s <i 


In«ftrs: 




, deprakii iiciidiili 






1 peprukusiu vemlirlerunt 




\ 


Fini tarnen 



DiwpM Gliwsar hat sehr ffrxjssc Aohnlichkeit mit dem 
fiiteii Riirlie di'r Iiit<^rpr*'t;iMi('iitji Lfidi-nsia ((!nd. Vi«s. 
ir. IV" 7, f"l. 3' -- (7, :if}(tifao a^u — iit^ioouv iuranertmt); 

ilarauf haben wir WL*iti*r uiili'H /.ur(kky.ukoiiiiu(^D. 

A* (c 3 u. 4): Noniiim Mascnlina priine Decliii sectin- 

iliiiii in C I)e.sinontia. Ki/ffitK {\-{'u>t Itepnnt näinlic-h 

der Sehreihor da« (iriechi-schi? mit ^riw^hischuii liucli- 

ilwu zu sc'hreilien) Dn.i /.jfQyov dni xi^io dno — 

urro ^yatoif u dno etc. etc Dasiimlia') M«xae*Oi' 

beatuH etc. eUi. yyj'c imilier yyvutcoe nndieri.s yifvatcij 
nnilieri <^to. etc. 

«md genau dieÄellx?!! graniniatikalischen Schiilnbuni^en. 

*irb iiuSanj^ill. von einer si-hnlerhrtft<Mi Hand auf p. 61 — 08 

cJiri<.'ben tinden.') Hie erstrLH.ken sii:l) bi.s t'ul. 8'. 

*l'9': Infi]iit gniinmalica Uuwithfi T£x*'ii ynttfiftintxij Ars 
paminatica i*tc. etc. (Keil 37«»,i sqq.) 

20' De verlio Uotoi»,^ ^ij^arw» etc. (Keil 40ti,l etc.^ 

flj Schnltprminuii; ct. Wiptinr Studien»18Ä3, 159. 
^2) p. 59 Rchliewit mil: : in nt ii 1 1 n a r r c ( Uß. 'Ih) und p. (10 iit leer. 

13* 



19ß 



Sitsung der jthUos.-phitol. Ciaste vom 5. Mai 1883. 



fol. 23' Tiageßi^ ttjv ftiaziv Kxcessit fidem Totr/g ^ha^ 

Jixaiov Bfitavev lus nmicitiae uiolauit (= Keil 427, Ifl), 

Mit diesen Worten bricht fol. 28' in der Mitte ab. 



iiches , 



fol. 24' aqovqa seges 

Eiaoi^ spica etc. d. h. Schluss von c. 33 des 2. Buches 
der Interpr. Leidens.; hernach folgt c. 34 — 39. 

fol. 25"^ &avfuaatoy sottv xcci inaivnov 

fol. 29' c. 1 — ftyif^ov a^Oftat ario eX^zipov fabulnm incipiam 
de ceruo d. h. der Anfang des 8u^eii. 3. Bncheä der 
Interpret. Leid. (Bixking p. 1—25,1). 
Zwei leere Zeilen; dann: 

fol. 29' c. t, I. 12 TleQi fn^hag xoryti/ifipiM^^ ve nQoaifiXTott . . 
De sennone cotidiano Filiamaiiiissiuie 

fol- 33" — oi;c5o' nihil. Hier whlieKKfc die Homilie; es foljjt: 

fol. 34\ c. 1 — c. 2, l. 0: aifuo eott forma e i.'iX(tii»' 
yobliquae — e.'fixcxw^jue»-/; luflexii i^^ Keil 37tl,8 bi» 
380,!); der liest der zweiten Koloniiie ist Hii:^gt^8chnittem 
nnd die Rank Seite (le.s BlaiteK leer. M 

fol. ;)ri': Vi-rha qnae passina t-aiiinni effernntnr. Ex qnihiit^^ 

ipiueilam t'tiiim actiiiii .sunt primae couiu^ationis etc.eto. ^ 

CH sind die Verbalverzeichnisse, welche im Suagull^'näi» de~^l 

Grunmiutik des Doaitheus aufgehängt sind (Keil 430,1 — 43(>,U3 

fol. 39* De officiis Moa^vzo^iog nictiniariu» l\1aviig dinintu . . ■ 

fol. 47' — ^ xQtuvog. praeceps xotleSr^g valles; es ist da 
zwoiteBuch der 'i^^r/rc^/ijaca Leidensia von derMitt 
des 4. Kap. bis zur Mitte des 33. Kap.; die erst&J 
3'/i Kapitel fehlen wie im Stin)j;alleiisis und als Titel vt»« 
Kap, 4 ist wit' im Sang. De «fficiis ge^(etzt statt des, aw-J* 
dem Leidensis bekannten, richtigen flegl voüiv De aedibiis. 
Der übrige Teil des 33. Kap. bis zum ychlnsse des Kapitel- 
glossars stellt im Hiirl. auf fol. 24' — 25' imd olren diwer 



i 

^"A 



Krumbaeher: Eine »rue Hniuhichvift d. Grammatit d. iMwtheua etc. 1 97 

Teil (und zwHr nur dieser) findet sich uuclt iiu Mouuc. 
601. fol. 59'— tir. 

f o I. 47' enthrUt ein griechisches Oebet ^DnxH enipsintis 
theo' etc.') 



Nach dieser kurzen, auf den von Mflller-Sirfll)in{r mir 
zuj^esimdteii Notizen fussenden Beschreibung ml}\;e das Ver- 
hältnis der HtUuWlirift zum cod. Leiden sis Voss. Gr. 
IV* 7, Snngallcnsis UO'J. Moniicensis HOl beä?tiniint 
werden. 

Wie ich in der Abhiindlung De cudicibus quibus Inter- 
pn4iunentn P^uilodwitheanu nobis tnidthisnnt. Mrm:ichii. 1883 
p. ;t6 — 4ri nachgewioien habe, i-st das VerlmUnts die.ser 3 
Hmidtiehritlen unter «ich folgendes: 



f5- 



r.0O2 MoBac.601 Leid. Vom. Gr. rV» 7 

a« X enthielt lÜc (.Jrainiuiitik und die Ifiter|iretiuuentii 

*-^denriia vollstiiudiji; in y wurde die ganze Hinid-sehrill x 

v'iminm. ti. *^^.) kitpiert., in z nur die/Effftj^fEvuara, welche 

^^raoH TollNtJlndig in den LeiilenMi.'^ Übergingen. (Mit Sicher- 

**«*it kann übrigens nur von den 'F^^tifV. getilgt werden, djiss 

**>* dchnn in x «tainJen; die (Traninuitik kiinnte aueli aus 

'^iiicr andern Hand-chrift in y aufgenommen worden sein). 

^-'Kiex y erlitt dann verschte<leii:irtii(i' Kinbus.se. Es ging 

üÄialicb zuci-st eine Ueihe von Blüttern (oder Lagen) ver- 

t) Dk OH hier nnr auf dip Beschreibung den Codex unkoinnit, er- 
«dwiDt die Eidendatton der mitgeteilten Stellen Qbcrftfliwig. 



198 



SUeuHtf tter j^ihM.-jihilt}!. Ctasse mtn 5. Mai lti83. 



loren; i«is dem so verstHtnnielten Codex wurde der Sanj^jd- 
Ifii-si» Hbgi>.schrielwn, iu welc}i«ui nun daf< an die Graniiiiatik 
des Dositheiis aDgeliangte V<?rimlver/eichi)i8 bei litt, d (KVil 
4,rt{j = |). 4.'?, c. 1 des <'()dex) aufliört und dann dif 7^^»^vtt'- 
/lara mittrf*n im 4. Ku])ttel des zweiten BueJies beginnen. 
Ks war also in y auHj^^etalleii das VerbiLlverzeichuiö litt, d— z, 
duK 1. IJnch dt^i'EQfti^rti'itaTa und U'/a Kiipitel dew 2. Huehe<. 
Dass diese ättieke schon in y ichlk>n , zeigt der UiUBtimd, 
dasa die LUcke im Suugallenisis durch die leer gelasseoe 
untere Hälfte der l. Kolumne von p. 43 angedeutet wtn). 
uud dann auf der aweiten Koltmine dorselbeu Seite das ge- 
nannte 4. Kapitel des 2. Buches rkr >^ui;iei'/iörß begiuut.'l 

Auch am Schbisse wurde cod. y verstümmelt; denn der 
Sangalleusis bricht mit den Worten ^in muUo aere' (Bö. 25,12), 
der HarleianiL" mit de ceruo' (B5. 25,1), der Mouaceiisis 
schon mit ^ut celeriiis ueniiu«' (Brt. 20,3} plötzlich üb. 

Nachdem aus der so zugerichteten Handschrift y der 
Hangallen.-d> aljgeschrielien wur. gusclmh dersell)en weitere 
riibill. Sie wurde irliiiilieh völlig aiweinandergerisw?» uut\ 
in einzelne Lagen und Blüiter anfgelöst; liieraus Rtm dunKm. 
H ar I e i an « s ri)i42 iiiid M n ii uceusis (iOl und zwar sr> 
dass jetzt diese i)e)dou H a udachrif teu sich fa* 
durchous ergänzen und aus der Vereinignn 
beider sich eine fa.st vollständige Kopie dfs- 
Codex y ergibt. 

1) Dieser Siicliverhalt entkrflftot anch den witlitigstPB rankt 
der Ar^uiupntftlirn BoucherieN; derselbe erblickt uäinliaU in der i 
hes»chri«bem-'n hEiUHm h'oliinmt.' (er .najft litirijrens falsch ,pttr 
laciitie iriint* tl4'mi-piif(e' Nnt. et Kxtr. XXI!!. 2. 280) einen wichtiff^^^ 
Bewei« »lnlTlr. rlass d^r Öchreilief die rirammatik von deo ^Epfiti^tpfia ^^ 
habe trennen wollen, und diisa letztere ala i^elbatändi^fca Werk (ei»^ ^'^ 
andern Antont, nUnilioh den Foltnx) xu lieti-acliten seien. Sein ob^r^fl 
flScliIichej? RaiHonnement hat aiifh Iw^i Otto f.'nisiun, dem es etwn tf**' ™ 
in nein HiUty.eug pa«fite, unvenliente llüli^uji^ gefunden ,ex oodicisii' 
laeuiii)< uHinque indic-üy« reote concluait Boucherie etc.' (.de 
aeluk'* iu den Leipz. Stadien H, 2. 23ö), — 



odiciaio j 
Bahrii M 




^rumbacher: hine wme Jlamischrift d. (rrttmruatik li. DoititheitM etc. 100 



.Hai 

^, 

■ ff Ol 



Was vorerst; <\'\>y GrainTiiiitik Ix-trilfk, so enthalt ilir 

_U»rleianti.': Itcstindci^ die erste Hälttf, doch »uch niitiuhe« 

der zwHit4in (Keil H7(i,l— 427,19), utisserdem die an 

dii^ Gnuiuiiatik iuigehüngten Verbal Verzeichnisse (Kt^il l:iO,l 

^bü* 4.'iH) , der Monueensis dajje)?en die letzten Padien 

ler Griiuiniätik, jedofh ohne die Verbal rerzeichui.-»se (Keil 

3!t2,4 — 428,14); inaiiehcs findet »i'-h in dem Monacensis und 

Harleianus i^emeinsani: daran» ist w<dil aueh /.u schlieäsen, 

^daffi Monoo. und Harleian. au einem iJrte ge.-ichriLdieu 

rurden, da, wenn der eine (Hier andere Teil der auseinander- 

"serisseneu Blätter nach einem anderen Orte vprsrhlpppt 

i^worden wäre, die.-<e ^eineinäumen Teile unerkUirlii-h blieben. 

iVtthracheinlich wurden eben auch diese beiden Jlatidschrillben, 

wie wcihl sieher der SanKallensia, in St. Gidicn »elbst ge- 

^m-ji rieben.) 

Dni«^ einzelne Fetzen d^r zerrissenen Handschrift y den 

iSrhrcibem des Harl. tind Monac. genieinHam vorlagen, wird 

|*fciÄond«;n» dunli Folgendes dentlich. Fol. 2'V Imelit der Har- 

leiaiiit:' mit den Worten ^iua amicitiae uioiauit tö zr^s <ft).ia^ 

iixawv ifiiarev (Keil 427.19) plutalich ab (s. p. 190) und es 

olgt dann tnl. 24' der Schlu.*« des Kiipitelghwsars, der sich 

»nrh im Monacensis fimlet; mit rleiusclbeti Worten (— iiio- 

laiiit i^imer) wdiliesnl über auch der Monacensis fol. 70M.2, 

Und es folgt dann ein anderer Teil der Grammatik Venit 

njihi in meutern etc.* (Keil 424,17). 

^^ Der VWrt tlw Harleianii- für die Texteskniuftitutioii dej; 

jBlrainnmtik liegt besonders darin bekundet. da>u) sein Sclirei- 

^B«r oÖenbar gän/lieh ungebildet wur^ was uutor anderem 

^Hanius hervorgeht, daas er bis zitui 4. Blatte diis Grict-hische 

^^>ch mit lateiniNcbeu Bucb>'t4iben sclireibt und erst von da 

an den iTi-ien Versuch macht griechisch zu schreiben, dabei 

«bor mehrere Buchstaben fortirähreud verwechselt. Denn 

«Iwii deshalb ist anzunebmeu, dass er seine Vorlage mit 

xklBviflrher Treue wietlergibt. Ks wird daher bei einer 



du 



200 



SUmng der jjhiloa.-jihiM. CtOMt vom 3. Mai 1883. 



kOiiftigen AusKnbo der Oraninintik des [Kksitheus die Lesung 
des codex y uiui einer doppelten Ijuelle , nüiuHrh aus deni 
Sauf^lleusis 902 und ans dem kumbinierteii HarleiHnus-Moaii- 
censts /.n erschliessen sein. 

Ausser der Gnumnutik des Do»itheu8 enthielt y auch 
die pseudiMlüwitlii'uuischen 'ßp/i/;>'Ct7#«rof Leidensia; auch diese 
wurden, wie erwähnt» von der VcrstUuiiueluug der Handschrift 
mitbetroffen; es fielen aus vom Anfange des Werkes das 
1. Buch und die ersten 87> Kapitel des 2. Buohes, vom 
Sohlnsse alles, was nach den Worten m multo aere' (Bö. 25) 
folgt: diese uiisgefaHenen Teile sind also nur im Leidensi^ 
erhaltim. In diesem /ustande befand Kich die Handschrift, 

der Sangallensi» atis ihr kopiert wnrde. Hernach wurde ■ 
auch dieser Teil de;^ Codex au8eiüaDdergeris->»en und zwar, 
wie es »r.heint^ in 2 Teile zertrennt, wovon der eine c. 4 
bJÄ 32 '/j, der andere den Rest von c. 33 — c. S9 und dar- 
nach die beut, et epist. ÄiJriani etc. enthielt. Daher haben 
wir jetzt sowohl im Harleianiw (fol. 24' — 29') als im Mona- 
censis (fol. öU' — Üti') den Öchiuss von e. 3;i--89 und dar- 
nach die äent. et ep. Adr. etc, nur dass hier der Monacensi» ■ 
scliou mit ceieriuji ueuian (BO. 20,2). der Harleiau(i>i erst 
mit ^de cenio* (Bö. 25,1) aufhört. Später aber scheint 
der Schreiber des Harleianiiä daü andere früher ihm nicht- 
zu^ngliclie Stück, welches den Schluss von c. 4 — c. 32' t 
enthielt, gefunden zu IialMjn; denn da-^elbe wurde von ihn»- 
^lacbträglich in die Handschrift aufgenommen (fol. 39* — 47'l — 

Aus dem eben erwähnten TImatande, dass der Monac 
eher abbricht als der HarL, kftnnte man vielleicht anc 
8cliliea>ieu , dass cod. Mon. etwas später als der Harl. gi 
achrieben worden sei , nachdem nämlich noch die 1 
Blätter des erwähnten Codexfragmentes weggefallen (»der zer 
atürl waren, 

Der Text der 'HQfUjVBv^cna Leideiuiia ist aUo hemt 
stellen au» codex Leidemiia, der uns den codex ?■ wieder** 



I 



\ 



I 



jrrHiM6iicAcr: Kine neue Handschrift d. Orawmalik ä. IMmtiteus etc. 201 

gibt, und aiid den codd. San}:tHl!eii8i8-Harleianuii-MoUBcen.sis, 
die uu» den co<U'X y reifriweiitieren. 

Aii»ierdeni enthält der HiirleianiiH fid. 4' — 8' Oeklimi- 
tiousübnngen, die sich, wie schon ulwn erwähnt, eben.«««] im 
Sangiilienins p. 61 — (>8 finden. Doch riind hier gfewisse 
Differen?^!! 7.n l>emerken, die wir, du der ISohrcihor dw Mar- 
leittDua gänzlich unwissend war. vielleicht uls redaktionelle Aen- 
denuigen des librarius des San^itllensiK auffassen mfis^en. So 
iii-st Huri, yyve yi/vaicog etc. Sung. aber yvvi^ yiKiji; et.c. 

Gegen die etwaige Annahme, das» Munac. und Huri. 
auH dem Suiij^all. sp|l)st gefloaaen seie«, spricht a«s.ser älin- 
liclien DifferenzejiMt wie die elien erwähnte, «chon der Um- 
stand, dass im ^angaUen^is alle Blätter uitd Ij4tgen vollätilndig 
in Ordnung sind und nicht die geringste Spur einer frtähereii 
ZerreihBung der Hundschrifl .sich findet 

Watt die Grammatik de» IKwithens und die ^EQfn/veiifiata 

betrifft, liegt niso das Verhältnis der Handschriften klar, 

und der Monacen.''iN ist hiemit Überhaupt erledigt. Denn 

«uawr den erwähnten Teilen der 'E^fiT^tEifiaia und der 

tirammatik enthält er nichts als einige Notizen aua Beda 

,*le arte metrica'. ^Eiiticü Verb»' etc. (t. Keil 366) and 

Wnige etyniohigifiierende (ilrjatien in der Weise des Lsidor 

*- B. ^Archipfiu'' lungitudo operis, ßarnubas filius cotiao- 

i*ctiotti8*; vgl. Actu» Apnstol. 4,'3f> Buruaba^ ^uod eat inter- 

l»»***Atnm Kilins cx)nsolationi.s)' Ragväßaci (o itni ^c'>2^- 

Si!hwieriger liegt die Sache beim Uarleiauua. Derselbe 
^'»ithält nämlich auÄ>er den bis jetzt behandelten Teilen auch 
***ti alpha hetische-s Glossar und ein Geapräch. Das« diLs 
^loHKar itichl auK v Htummi, läabt »ich Huhuu daraus Hchlieasen, 



1) Kflhere AudnUirun^m inÜMieD der AuMgaljc der InU'!rt>mtan)(!nta, 
*ort«halten bleiben. 7.ur DekJiaatioa yi»-^', /f"?*" etc. cf. Wiener 
Stadien IS83, 161 (Z. Hl-lbl). 



202 



SUsung der jihilißx.-fthitol. Cinvse ivtw 5. 3lai i-^jJ 



dass <l)is er^U' Buch der Interprebiincnta , d. h. Ai 
biilisc'he Glossitr, in y, noch eiin Siinf»'. Marl. Mon. tn 
wurden, ausgefallen wur. Bestätigt wird dieser Sc 
(hirch fiine VerglfithiMif; desllarleiunijidien (Iloiware tuit 
1. Huclit! der Jnteqirt't. Lfidmisiu, das nnr im \'(K«iantis. 
Deiin bei aller üebereini^timnmng im allgemeinen ist 
nicht zu verkennen, dnas 2 verschiedene Glottsare vorlit 
ein äusserlicher Unterschied I)eftteht schon darin , du 
liarleiunistdien Wlf>«Hare da* lateinische Alphabet du 
ttU8, im VtHtsianii» aber nur von litt, a— d nuL«<^( 
iat. während die folgenden Vokalwln nach dem gric 
sehen Aljdiuljet (c — w) geordnet sind. 

AusKer diesem Glossar enthält der Harleiitniis nocl: 
»nnst nirgends ü her I iei'er tes antikes Schi 
t> t ü c k , uäiulioli diui Gespräch fol . 29' — :i3'; dasaelfa 
ytni allen uns bekannten ofiiAiai TtaÜ-rjugirai Tcrschi< 
doch ist OS seinem Chnraktcr nach am nüehiiten verv 
mit dem r.welten Ge^präi^.lie des Henricii» Stephunua (( 
dnu etc. ti>l. 286—294). 

Wir kennen demnach jetzt folgende 5 p s e ti 
d o 8 i t h e a n i s c }i e H o ni i I i e n : 

1) Die kleine conutM'i^atio der Int^^rpretamenta Leidt 
Cod. Voss. Gr. IV« 7 = ed. Bock. 89—95. Di« 
etwas vollstjindiger l>ei Henr. Stephanns glo^. dao 
(Xil 281—285. 

2) Kin /.weite.s Oet^prüeh, das ebenfalls Henr. St^ 
edierte (Gloss. duo etc. c. 286—294). M 

3) Üaa Gespräch de.s Hiirleiunns 'Si'2. 

4) Das Gespräch der int. Mcmtep. cod. Montcp. 'M\ 
Not. et extr. XXIU, 2,300— :^28 und M. Haupt'a ( 
cula n, 443—45(1. 

5) Das Gespräch der Int. Monacens. Die schlechtere 
jdngert Ueceiif^ion ist ediert von lioncherie. Not. et 
XXm, 2, 478-494 u. M. Haiipt, op. U, 508- 



rMmbacher: Kinr neue tfnruhctiriß li Grnmmntik tl. Ihmthcits etc. 203 



die Iji'sserii liiLil viill-tilinIiKrrc. welche in 4 Münchfucr 
Uaudschriften (codd. Mniuic. Uii. I:{(io2, 22201. 27:n7: 
««i. rJ'itiiL'. Graec. 32;?) überliefert ist, wird deni- 
nächst verÖfFßiit licht witiIiti. 

NÜlitT uiit4?r sich verwundt sind No. 2 iniH M, 4 und '>. 



Uebenncht des Inhaltes der 3 besprochenen Handflchrifleii : 

iäffallensif) 902 Harleianas 5642 Monaccnaiii 001 

Uramm.d.Dod.] .Hälft«. Gramm, d. Doa. 2. flldl'te 



a. d. DoHitheus. 
I Terl«lTerzeichn it^; 
(Keil i-to—ise).— 

[llitl*;Je9 4. c — »9. L-. 
cli>« II. BucheH der 
Inturpr. Lcidonflia. 

Adrittoi «•ntentiiie et 
e{iiitolae. — 

FulKihii* Ae'Ki|>iH4.- 

— tii nialto a«?re 
<Bftck. 2M'J). — 
ftiin: noklinatioiui- 



VeHpBlver/.eirhni>wc 
(Koil «U— 4-;i«). 

MitU;J.4.i:.I.iN Mittod. 
S.'i.c. il. Il.Bnrhowd. 
Int^rpr. I>e^idt>n}<m: 

dnvon getrennt: Mitte 

d. 33.C. — ay.f. — 

Ailriuni a. i't fp. — 
Fab-AcHop. — de cerao 

(Bock. 2.S.IJ. — 
Liüklinatioiirttlhunf^ifn 

wie im .Sunif. 
AunxeJ-deui: Kiniüplin- 

I»eÜ9ohc8Glüssar.~ 

Ein Gespräch. — 



(Keil 31W.4 — 4äy,U>. 



MitU' des .'m.c— 39 c. 

d- U. B. iL 1. Loid. 
Adrinai *. et ep. 
— c«leriuB uoniiwi 

(BÄr.k. 20,3». — 



Auaaerdem: KxcerpW 
aus Beda. kirchliche 
Glossen otc. 



^f Der üben gegebeue Stamnibnum ist aisu folgen deriiitueeii 
**> ergunzen: 



2 



'0' 



U»rl. 5042. 



Mon.601. 



O 
Leid. V. Gr. IV «7. 



204 SUnug der jihiUm.-phUot. OasMe eom 5. Mai 1863, 



Herr v, C li r i h t legte eine Alihund Umt: des Herrn 
Ohleiischlager vor: 

^Bedaiuni iinti die Bedaius- l nsch riften an.-* 
C I* i tMii i n g " . 

Die reizeuden Ufer de« Chiem^^eeSf in dessen herrlicher 
WiusH(>rflHche Hieb die 7,a4;kige Kanip^nwund al)H{>ii^gflt, fibtea 
Sfhfm in uralter Zeit ihre unziehi-ndi' Kraft auf dii> Menschen 
und niiinche Spur von Aiijiiedlern lui^ jenen fernen Tugeo. 
wird den xahlreiclieii dortigen (irubhügelD entnommen, beiiÄ 
Feldbau gelegentlich gefunden oder von den Wogen de* 
Seew an'fi Ufer gewi»rfen. Auch die RönuT, die den Anfaii^^ 
unserer Geschichte bezeiehnen , hielten die laiiditehatllich«^ 
Öch5nheit nicht ftir ein Ilindemiss einer Ansiedlnng, und di^fl 
üfergeläude tl^,-; See« und dessen Nachbarsehiift waren ii~*~ 
den Jahrhunderten, wo die Imperatoren Über jenen Land 
strich geboten, vielleicht nicht viel weniger mit Laiidhümer 
besetzt als heutiges Tages. 

Die growsen Strassen , welche »in Nord- und Sfldraii 
des Sees hinzogen , ni^igeii nicht wenig zur üelebiuig d* 
Verkehr» beigetragen haben. ■ 

Die nördlit'hc Strasse, an den StnvJsenOTig von HalzhuWK 
(Juvaviiru) atischlies'ieiid, ist von Krl»tütt au voui später^^^ 
Chautseebau überdeckt, bis ta die Nähe von Ising, wo ^4 
nicht wie die jetzige Strasse bis zura Seeufer nach Arlachiiiff 
ging, sondern gleich unterhalb Ising an der Höhe hinzog 
um sich ca. V* ^^tunde von Seebriick wieder mit der jet 
Strasse «u vereinigen (s. S. 206 Anm. 1). 



a 



a 




OhltMtcMagtT: Üeduium und die Bcdaiiut-Innchriffen. 

Die Strasse äfidlich de^ C'hieniHees ist im Westen noch 
wenig erforscht, aber durch die römischen InHchriften von 
Grabea<tfitt, Oeiselbrechting und Berniiu, die Müiizfiindi* von 
Grabeiistäit und Prien uugetleuü.>t, und von der Aclienbrücke 
BD bis in die Nähe von TrannKteiu durch die Untersuah- 
angen von Vogel und durch die Aufnahmen des Sektions- 
Inpenieurs Hofreiter fest^eMcUt , sowie in der neuesten Zeit 
in Folge des nas»eu VViuten* im Mous wieder zum Vorsehein 
gi'konimeü,*) 

In dem ,Itinerarinni Antonini" wenlen nnn auf der 
Strahöe von Salzhurj^ naeh Westen an drei Stellen die nüchst- 
yelegenen Stati«)nen in folgender gleii:hnirL3si^er Weise auf- 




206 



SUeunq der phiion.-phÜol. Clwtse vom 5, Mai 1883. 



Mit Aiisimhin« vim Jiivaviim, Sutzburg, üt keiner dieser 
Orte mit itniinistösslicher Sicherheit bestimmt, dieselben 
sind, falls wir die vuu Weisslmiipt ') imtersucht«? StriMw 
TOD Augsburg nach Salzbur}^ iUr die im Itinerar anj^ 
deutete .Strasse hulteu, was wqjen der Meileiu^teine von 8ee- 
bnink, Scchtenaii und (itiu/.Ihoten wehr wahrscheinlich ist 
biä jetxl nur auf Irnind iler in den llinenirieu angegebenen 
Knfcieniun^en etwa folgendem! iLSsen verteilt worden: Ario- 
brigft hei Lfiuter, '/wischen Teisrndfirf nnd Traunstein; *) 

ßeduivini bei Hecliruck, Ponte Aeiii bi-i Leonhiird.>pfunzeii 
und Lungei]))iun/.en iini Iiin; 

Uuuisca bei Helfendorf. 

Keine dieser Oertlichkeiten mit Ausnahme von Juvavam 
ist in der notitia aU Standort einer Militürabtlieilung be- 
zeichnet, obwohl eine Besetzung der Mitte den Landes, wenn 
nie je stattfand, zur Zeit der notitia sicher eben so nötig, 
wenn nicht notwendiger erschien, als zu frfilierer Zeit, auch 
findet sich auf der ganzen Strecke hia zur litar I»ei Deiiwn- 
hofen keine Lager^telle, welche mit voller Gewirwheit «U 
rtJniisL'h bezeiebnet werden kann, wiewohl es an grossen 
Verschauziiügt'ii . IJurgsfcällen und Ihirgkegeln nicht fehlt. 
Auch der ilbrige Verhtuf der Sti-»Rse von der Isar bis Au; 
hnrg , deren Miilitäri«ihe iieileutuiig hoch anzu»cblagen Ist J 
zeigt erst wieder heim VVilrninbergung bei <janting (Üuchen 
dorf) und am Ani|>Hrfibergaiig röniisehe BefestigungHforniea 

T) Weiitliaupt im oberbayeriachea Archiv HI. (IMI) S. 8] 

eigene BeubiiulitiioK (.le« Verfaaaera, 

2) Wuffner im oberba.verisi-hen Anhiv XV S. 131 miu'lit dei 
Ver«iK'h , niwhziiweiK«!! , du^s Artobriga in der VDrsebanmng 
noL'lil(prir b.'i Tr.iiinwtein zn tin*it;n «ei, allein wi'der die Korw ilor 1 
fiMii;,Mintf dvH ia.'<t hiilbrunib-n Zurtuihtflorte« noch irgend ein dort 
niAL-litPr Fiimt l>rT('cht.iK''ii ibHHcMic di-n Kiiiiifrn xiiy.umhn'ilw'n , oder 
AD deren Wmiisii-lie AI»4l»tiiiMUii^ 7.\t denkrn , alj^t-Hrbt-ji von dfir in 
der tabula Pftutingcr anf(t'xt>benen ICairemunj<, welche Waffow P**"" 
unbiTflckflicbtigt lüsai. 



I 



I 




OKUlUtMttger: Bt^nitim und di^ Bedmiis-ImdtrifUn. 207 



omi auch die^e nicht in solcher Gritese, da-« wir sie als 
*^rtmis«nsnliit3M» (ortwtra stativji) hetrnthte« dürften. 

M:in wird iilsi) Wi d<?r ße»tiiinmiiig der hn^n von Be- 

daiuiii /iinächst von dem VorUandensein eines Lagers ab- 

t>ehen können , and nnr ku forschen hEtben , ob an dem er- 

vähnkeu nÖnUiclieii Stnissen/.uj^e sich in der ani^egebenen 

KnttiTnnng zniseheii R2 und 33 rümiHt:hen Meilen von 

.luTiiviim solche Reste ritniisrher Bunten finden, dans daraiiH 

»uf da« Üa*ein t'iner grüsswen Nib'derlusHtmg ^iwc.hlossen 

wepl*-!! kami, lind als wdchf? haben wir d;w jiuch ht'i Ptolo- 

[>Obiiis 11. l;l (14) 3 genannte Itiötexov uns doch voraustelieu. 

Er verlt^ dai^clbe unter den 4ti'' 15' n5rd lieber Breite 

und 34" 15' SatUcbt-r Lüii|^e von ilcu kiuiarisohon Inseln, 

Fem», aus gerechnet. 

Chieming liegt nach dvm Ut\i. Atlas -17" 53' nördlicher 
iBmti> und 0" 5(i' östlieher Länge von Müiic-Iien (Sternwart«) 
aW 30" 10' östlich von Ferro. 

Xmi linden, oder tan<len sieh (lebändereKte röniischer 
AlAnnft zu Seebrnek, I.sinjf niid ('liii'niiiij;, Krlstildt. Truclit- 
Wliing (ruiuiMth r*), Niesgau. 

An kcnner ditstor Stellen aber sind nnifanj^reiche Aus- 
Rnthnnjfen gpunu'lit, uiri<<'iid.s über die ziifiiliij^- (rmnfujhtini 
AiiK|;rahiHigen wisHfiiwIiatIlifh ljraii<:hl.uire Auliiiihrnen 7.» 
fiiwim, nirgends der Uuilimg der etwa vorhimdenen Kesbe 
'wtgettellt, 80 das-; nuin bis in die nemwt^- Zeit denjenigen 
*tt meinten Hecht zu geben geneigt war. welclie den Ort 
"wli Se^bruek verlt-gien, einmal weil hier die Kntfernung 
•^ J^laburg nahezu mit den altüberlieferten AnguVten yuu 
**ii ftder 33 römischen Meilen stimmte, dann wdl S^bniik 
W tlt'r wahrseheinliehen Stritssi' von Sal/.biirg nach Angs- 
"O^K lüg und dort auwier Münzen tnni kleinen ÄJiticagUi-n 
»Ulli römiHobe (Tnindnianern sieh fanden. 

Krst dnreh ^V^'is!Ian|»^s IiiffTsncIinngeu iilter ditis«*ii 



SiUung der j)hilo8.-i>fiilol. CVatise vom 5. Mai 1883. 

ätrasiteiizii^ hatte man Qberhäupt <lie Mi>}<lichkeit ntit eir 
Atitniclit auf Erfolg nach den an deniselhen liegenden 
Stutioiieu zu Hucheii, lieiiii die Fniid- oder Aufbewahning^- 
stelU-n der InBchriften , in welchen der Name Bt^duim oder 
ßedaium vorkam, musKten die Forscher irreleiten. ■ 



welche idi 
auch eiiirt> 



Unter den fünf riiinischen Dt-nkniälern , 
Klfwier Seeon aufbewahrt wurden, befand sich 
mit der Inschrift: 

BEDAIOAVG 
ETALOVNIS 

5ACR 
GCATIV5- 
SECVNDIA 
NVSilVIR 

IKAPANTONIN 

iiETiACtRDOncos p. c. 21». 

C. J. L. in. 5Ä81. 

Aventii), der diesen Stein zuerst erwähnt, sagt zwar, ^ 
»pi in pim*m »Iten Sihia-« gffnnden worden . welches jenciii 
Kluster Kphnrtr, aber da aneh in dem *|i Stunden von SewJi 
^leg^pnen Pietenhart (oder Bidenhart) im Dexember I80i 
iu der äusseren Kirclieumaiier ein römintcber luevbritlRteiD saeii 
fuid, welcher wie«ien»m den Namen des iiottett Itedaias eu*' 
hielt, so )(tth man die früheren Vemmtxmgen Ober die La^ 
TOB Bcduum, welches Lapie nftch AlkcfuBArkt-BaumhunJ' 
R«ichim1 unch l*i»ijfn l*i Se«oii, wieder anden* mich Blll)^ 
hikUSMi verhyt hatten, auf and setite daftir Sec^in an deivfl 
8t*lh' uder lieber Uidetihart in deeen Namen man eitwO 
Aaklantir an Hedatus m §mäeä glaabte. Die fmührifl von 
BMmkMt hintH: 




S lenkte eiue drittt- im .luhre 1813 zu CliicmiiiK b't-i 
der dortigen IVterskrtiK-Ilt' gffiiiidfne Jii»clirifb die 
amkeib wieder n;wh «iner amieren Öcifce. Dieselbe 



ndeu liibnlt: 



BtDAlOAVO 
SACRALOVNJ 
AR SETONI 
VS MAXIM 
IANV5 ET 
FIRFIRMI 

N)ANVSmV1R 
n« r (T vo tTcoM« IM«. 



ler wurde im Juhre IH14 an der Kapelle des 
ineft bei StÖtthum »ni L1uem.seCf eine klein« halbe 
on Chieuiing eiue Kalkst*'iijjilatte gefunden mit der 

» 

^i]oa.-|)hi1al. bixt. l'l. )i. 



210 SiUung der pitttm.-pMol. Ctaaae vom 5. Mai 



INHODIO-M 
A RVB{T5ANC> 
BEDVINDVER5 
BF-C05LEGirlA. 
PF5EVER:EXV-r<' 
P0SrlDMAI5 
lAAR-TTRSEVE 
ROALEXN DR^ 
AVGllfrMFlCl 
IjOC? f l O cos 



p. C. 23ff/ 
C. J. L. Ul 5675 



Während nun weder zu Piett-'iihari Qoch zu Seeoa s 
Reste rÖluistOier Alikutift gefuutleu vmrdeu , und l>ei k 
iler dortigen tSteiiie mit Uestimuitli^it sich iiacbweisen 
dass sie )mi_-h dort um Ptuty.i? iiijrgorunil(^u, nicht hloei 
aufbewahrt seien, wurden iu Chieiuing ab und zu auch f 
römische Ueberreste gefunden. 

So wurde im Jahre lH:tO im Garten des Wirt» 
Chienünß uebeu vielen Crrutuluuiuern auch ganz weisse 
htMlen entdeckt, welche beiliiufig 2 Vuss tief uuter der 
obertittche la^en. (Bar. des KnrstjunU Marquartstein. 
im Minist, d. Innern vom 20. Juni 18:iU). Dann wnn 
grosser Stein aus>(e>;ruben , welcher eine römische Im 
enthielt, die aber nicht mehr zu lesen war; (Berich 
Forstiunt<'s MarquaHntein, el)euda vom 17. Dezember 
und den man, wie mir im Jahre 1874 erzählt wurdi 
untern VVirtshause oder im Hause des Bösl wieder i 
mauert hal)e. Auch samische Geschirr- und GlastrQi 
sowie zwei römische Münzen, eine von Trajan und ein 
Licinioa .siud mir von dort zu Gesicht gekommen. 

Leider war bis jetzt in Chieming selbst keine Persö 
keit, welche den dort v.u Tage korumeudeu Kleiufuuden 
miUsige Aufmerksamkeit geschenkt hätte, und so ist 




213 SUzuHif der phiJoa.'iJtUoI. Clagge vom ü, Mai J883. 



d. h. Betlaio Augusto Publiuä DoniitiuH Floccus et C. La- 
cretiuH Optatus duuuiTiri Ponipeiano et .... ü consulibiu. 

Am Schlüsse scheint ein Blatt als Stellvertreter eines 
Punktes an^ebnu:ht vm sein. 

Vor dein der letzten Zeile ist nur fUr höchstens 4 
Buchstjiben Platz. 

Consuln des Namens Porapeianii» kunimen Yor: 

iL 13rt. L.CeioniiisCommodnsVerus.Sex.VetulenusCiWia 

Pompeiimu»; auf Inachrifteo: Commodo et Vom- 

p e i a II ü. COK 
ä 173, Cn Claudiua Severus 11. Ti. Claudius Pomp«- 

unwf II. auf InüchrifUu: Sereroet PompeiaiioU. 

c. I. L. m. ail6. 

ä \7(\. Claudius Pomppianns Qiiintianiis; der Mit&iowl 
i^t nicht genannt. Klüin, Fa»ti couaulares. 

ü 209. (Ti Claudius?) Pnmpeian 118 et A vital. 

ä 231. Claudius Pouipeiauus et T. Flaviiw Paeligniiuins 
auf luscbrifteu : PompeianoetPaeligniano. ctf. 

Dif Namen der Mitconsuln Cnmmodo I3iJ. Severo 173. 
Paclignianu 23't und im .Jahre 241 (lordiano f^ind aäinwt- 
lich zu lanp für die vorliaudene Lücke nur AWtus der -Mi*' 
consul dea .Iiüires 2U9 (s. C. J. L. 111. 1780) könnte nel*'' 
dem fehlenden ET "dar "E noch Platz finden auch wt ilff 
Keyt eiuRs oberen l^uerstrtchcs vur dem O >'» der letÄten 
Zeile noch vorbanden, wcsshalb wir unbwlenklich die Inschrift 
in diese» Jahr verweisen können. 

Am nämlichen Tage wie der vorij^e Stein, wurde w 
uördlicht>n Seitenaftar ein zweiter Deuk.st<?in gefunden. Der- 
selbe ist ein grauer Sand.sbeiii und hat eine Höhe von ^t 
eine Breite von 'M, eine Dicke von 2(> cm. 

Die mit schwer leserlichen Buchstaben fast kursiv (jT 
haltene Inächritl eutbält die VVurte: 



i^y 5 V I c r Q n I ^f^ 
C5SN 1 ^^A/ ö f t p Qäj' 

/V O C O. 





|8acro Aiounarum Augusti ntjätri ? JuTcnalü et L. Vic 
Victorin(us) Gordiauo et Pompeiauo consulibua votum 
Tint libentes laoti nterito. 

DtT Zu-satz Augiisti oder Aii^itsti nostri findet sicli nicht 
( bei Gattemamen, z. B. auf zwei der vorlier^eimiiiiteii 
Hften dann C. I. L. 111 4784 Hercules et Epona Au- 
I 5531 Hercules Angusti »ostri ». s. w. Die Übrige 
K ist deutlich auf dem Stein, und die kleinen Zui^ätze 
KU keiner Rechtfertij^mg. 

luch von einem dritten Denksteine wurde ein StUck 
ler Mauer hinter dem Hochaltar j^enommen.') Das 
nUtek machte vielleicht den vierten Teil des Steinen aiu 
ft dau Sockelstllck eines Altarn, von de-ssen hiHchrift 
ringe aber unleserliche Spuren der drittletzten Zeile 

fTonrt«hende Kund-Nolizea. sowie di<? ZutnenduD^ der Abklal^clie 
bn^en vcnlunkf ich JerOüte ite» Hrn. l'l'ftrr^'r ri'utriijth in Huri, 




214 SUzunfi der philos.phUoI. Clasee vom 5. Mai iÖSJ. 

ZU sehen sind , während die heiden letzten Zeilen in den 
durch Hie G(itc de« Hrn. Pfarrer Ktinitht'ur in ('hi^miing er- 
hultciu'ti Abklat.si')i zwiir mit Mühe. aWr ohne Zweifel fo|i 
gende Worte erkennen iasyen : 

VIRICLABRIONEtrr* 

HOMVLLO 

Wir werden auch hier nicht irren, wenn wir den Stein 

uls den Kest eines von dniunviri einem Gotte geweihten At 

re? betrachten , Her unter dem Conaulat des M'. AcUius 

Jluhrio und M. Viilfriu;^ Hunmllii:* also im Jahre 152 p. Ch. 

an einer heiligen Stelle am Platze des jetzigen Chieming b^I 

Helltet wurde. 

Am 17. Aprii wurde nucl) ein vierter Stein gefmiden. 1 
Dunielhe Wstwht aus Untiers bergi^r Marmor und trägt iaJ 
grijwsen schönen Buchstaben die Legende: 



\^.: 



:-iin:'X' 



BEDAI^AVg 
"RALON 

FV5CO! 



p. c. -Äi. 



(ihieuMhiafftr: BrHaium und die Bednüts-Inschriflen. 215 

Bedttiu Aiif^i>!t(> Hucrum Alonis Lncit» CasHitw Lncullna 
!aiuß ViiwliiiH Cornttiins dimmviri Fusco et? consulibios. 

finnuln des Namen« Fiiaois findtm sich: 
118. Cu Pedauius FutiCUH Salinator mit Kaiser Hudriiiu, 
sn Namen aber dann sicher voraiisgt^biiidcn hättt^ 
160 war Cl. FuHcns Saxa üryntiamu, ConsuL Zur 
Qiin^ ßndeii »ich aber uiijs diesem Jabre immer 
Bin Prisen^ ct. AfiollinariH genannt; endlich 
225 Ti. Maniliii>i Fiiscns II. et 8er. Calpumiuii' Dotnitius 
■ auf ItL'*r!iriftf'n Fnstiti 11 vi Dpxtrti consulibiis, niunchninl 
Ltuda^uiiK dt'ji U bei Fiisco wie C. 1. L. HI 1Ü7(5 3903. 
dee ersten Consiilats des Fubcup ist ims bis jetzt 
t bekannt und die Aiisla8.sung des 11 bei seinem Namen 
et wohl diiraiit" hin, dass er heim erst^'n Consnlat nicht 
l^mus gewesen ir^t, weshalb wir einstweilen die Inschrift 
|s Jftlir 225 ansetzen können, woranf anch die Schriftart 
iHitet. Ibirch diese Inschriften \vird die Zahl der ^sicher in 
'wing gefundenen im Ganzen auf H, der noch vorhandenen 
ti gebracht, von denen 4 AUare sind , wälireud 2 im- 
'Üche oder nnvolbttäudige InscbriftLii etithielteu. 
Ditsies Vorwiegen rltr SacralinHcliriften, die alle in den 
•n Kirchen gefunden wurden, nötigt un.s fast den Oe- 
ten anf, die Kirche sei an der Stelle des alten Heiligiiuim 
ot und beim Ausgraben der Fundamente alle diese Altüre 
Bilen und in die Kirche vermauert worden, denn tion.st 
jh unter der Öe«aninit/ahl der gefundenen Inschriften 
1 Platzt« die Grabinschriften die Mchr/.ahl, während die 
lSti*en und staJitUehen dagegen zurücktreten , eine Be- 
htung, die besonders bei Kegensburg in auffallender 
TOT Augen geführt wird. 

etrachten wir die Inschriften näher, so findet sich, dnss 

' zu Chieming gefundene Altäre dem Htnlaiiu^ augu»tus 

daiufl jianotns gewidmet sind , mit den Steinen von 

am, Seeon <md Pidenhart, im Ganzen jetzt ß ln«cbriften, 



21ri Sitzung der jAUns-fj/uloI. Clfwiti vom 5. Mut l&HS. 

wifichti dieat! »oust uirgeuüi^ f<t'iiuiinte und imbekamiti* Gott- 
heit nenueji. 

Aul" vier von dit'sen Steiuen . dem von Soeon nud drä 
Uhieniinger InsthritWii ersoheineti nelH-n TWniii-s oijer TtiHlHiiim 
die ebenf»ll8 t<onKt uirxeiidic genauiiten Älounae (AluaM 
und ein Chieminfjer Altar ist allein den AUmnen (jewvilit 
während auf zwei Steinen neben dem BedaiuK saiictns amh 
I. 0. M. Arubianus zu finden idfc. Die Be<leutung «lieiaer 
Aloimen i.st nixh niclit t^icher gestellt, nach Glöck. üel. Am. 
18ri4 ni. Nr. 7. S. ."i^ stiheinen sie Wtwen zu wein, die H*r 
Erde Nulinuig zurtihrteii, sie Kefrucliieten. 

Der BeinüDie Arubianus, den Jupiter von der Stadl 
Arubium in Niedennä^ien u.;D., (jet^it Mat^diin bei Gttlafa), 
crliieJt, erscheint noch auf den Steinen C. 1. L. HI 5443 
und 5532 allein und 5185 mit Oeleia sancta, die .Stelle its 
alten Arubiuni seilet hnt nneli keinen Alttir die^^e:* .lupiW 
geliefert, inid die el)en genannten Inscliriflen bieten mr Er- 
kiiining luiserer vorliegen den hiKcliriften keinea Beitrag, wenn 
man nicht hiehcr rechnen will, dasy im C. I. L. III 5185 
neben dem .Jupiter Arubianus eine t^tadtgiittheit die tVlei» 
sancta vurki)iuiut und wir danius auch die KnnüebtigunU "^ 
leiten in unserem HedaiuR(m) Sanetuslm) ebenfalls eine Ürb- 
gottheit zu erblicken, und zwar die (iottheit de« im Hhvnf 
und der tabula genannten He<laium; und wie säninitliche der 
ÜrtögotÜieit Celeia gewidmete Steine auf dem Biideu d«' 
alten Celeia gefunden worden sind , so dürfen wir auch w 
nehmen, da.ss dii* l^^uidstelle der Bedaiussteine uns die Stell* 
des alton Bedainm anzeigt. 

Die Widmung der datirten Steine lallt in die Jahre I52i 
219 (n. 5&81); 15. Mai 219 (u. 5580); 237 (n. ^5721: 
Vo. Mai 22ti. (n. 5575); 20i»: 241; 225. also in dielte 
gif'nnigszeit der Kaiser Ant-fuiinns Pins bi.s (ioniiail. *•* 
beachten Lst hiebei, dass die Widmung zweier Steine n. 5580 
V. J. 219 und 5575 v. J. 22t> Idibus Mais vorgenommen i^*- 







h diese wtihrscheiuiicli uicht /utüllige Gleichheit 
d«* DutuuiH wird auf eine örtHche Veniulitwuuj^t einen Urfin- 
(Innp^tag, Fflwrtajjf zHrfickziitTjUreu sein, dm^h hvUm weder (las 
j;enicine Caleiulurinni nnch die lU'gt^st^n der Kaiser Cu- 
iIIa und S»>Terus Alnxander nf>ch die (iescliichto der IT 
ital. Legio. der l>eide Widnier iingehüren, bis jetzt eine Hand- 
habe zur Deutung der Wühl dieseH Tage«. 

Sehen wir nns die Stitt^^r der St<?inc an , 8o finden wir 
auch hier die antT»llende Thutsache, dtt<s es lanter Beamte 
änd nnd /.war 

Iä 209. K noniitruÄ Khncius et C. Lucret. 0}itatii8. [I. viri. 
I a 219. C. Catius .Setundianuj^ 11 vir (n. 5581). 
& 210. (\h. Mai) Tnl. Jnvenis benet'. considis leg. 11 ital. 
I Antoniniiinae (n. 5580). 

I ä 225. li. rasüius Lnrnlliiä et 0. Vindiui« Constan.s 11 viri. 
I iV 22G. (15. M;ii) Vind. Verns benef. cos. leg. II. ital. 
i p. f. Sever. (n. 5575). 

f a 237. Setonins Maxiniiaiitm et Fir. Firmiunas U vii*. 
(n. .5572). 
ä 241, Juveualiß et L. Vietijrius Vict4jria. >hue Ötandes- 
k angaUe). 

1 Zwei derselben, m sind gerade diejenigen, welche beide 
■hl 15. Mai imd beide ileni .lu)iit<'r Anibinntis gewidmet 
ttnd . haben beneficiarii Cfftisulia al» ytift^?r, während die 
^^ndern alle von Uiiniuviri ohne nähere Heiieichnnng her- 
^^tammen, denn obwohl der Stein vom Jahre 241 den Xtisatz 
11 vir. nicht erkennen hUisi. »o kann er doch auf deni.>ie[ben 
gestundeu ItaVten und die Zweixahl der Namen fordert zu 
^dieiwr Ergänzung auf. Snlche duoviri waren aber ilie Ober- 
^B^hdrde in den römischen Städten mit Coloninlreeht s. Becker 
^ft!ar4nHrdt: Riiniische Htaiitwverwaltimg V (Kömib-chö Alter- 

Wmer 4) Btl. 1 8. 470. ^_ 

L Welche Colonie ist nun hier gemeint V ^^H 

^K Klange diet^e Steine ganz vereinzelt waren, dachte man V 



218 ü'iUttHff der j^iitis.'phiUfl. Ctantie vom 5. Mai 1883. 



all Am zunächst gelegene Juvavum, und Mi>innisen hat iln 
0. J. Bd. 111 8. ()0B und 072 die duoviri »uniintlicher Steine 
selbst, der weiteren Unig^end auf Juvavum bti»ogeu, z. 13. 
n. 5572 von Kieiuiug, 5578 (von Ki»rnhurg bei Wasserburg) 
5581 Tou Seeon, 5587 von Kabenden, 5597 von Laufen. 

Unter den in Salzbiirjj gefundenen Steinen befindet sich 
xiitallig nicht einer, auf welchem duuviri geuauut wären, 
dagegen erscheinen in seeh« auswärts gefundenen Inschriften 
Pteamte von .luTaviini, die ausdrücklich als solche bezeichnet 
werden, nandich ('. J. L. 111 5580 in Burghausen: decurio 
civitatis .Tuvaveusiuui ; 5<>07 zu Antering: decurio Juvavo; 
5025 zu Mondsue: dec. .luv. U J. d.; 5527 iu Bi»cho&- 
hofen : edilicius civil. Jiivavw: 5591 au Tittlnitws: dec. edil. 
c. Juv. Auch l>ei Celcia und Solva erscheinen anf Steinen 
ausserhalb des Stiidtgehietes die Heaiiiteu meist mit Beigabe 
de« iHätreiVenden Städteuaiuou». Frllher konnte man bei den 
iuihlreich^'U Besitzveriindcrungen des Salzburger Bistunii^ unii 
solange nur von einzebieu Steinen die Rede war. au cin<^ 
Verschleppimg der Steine denken. 

Jet'/t aber, wo ffir eine grössere An/ald mit Sicherheit 
Chieniing ah Fundort iingeuonnueii werden nms.s , erscheint 
eft autJUllig, dass keiner dieser Steine durch einen Namen»* 
Zusatz die darauf genannten Beamten nach .luvavum ve^ 
weist, und iclt kann mich dem Gc^ankeas nicht TerschlieH-*n. 
dass die diiimri nicht iiiicli Juvavum, sondern nach Bedaiuui 
gehören und als Einbeimische einen Zusatx dee Ortsnamens 
für überÜfis.sig hielten , ist ja doch rhieniing von Salzbufjl 
fast sü weit als Milnchrn von Augsburg oder Laudsbut ent- 
fernt. Ist diese Auuabme sicher oder auch nur wabrscheinlicb« 
so geht weiter daraus hervor, dass Bedaium Colonialein- 
richtung hatte und wir in Folge dessen eine grössere äd- 
siedlimg und weitläutige Gebäudereste au diesem Platze er- 
warten dürfen, um so mehr als der Name ßeduuni mit 
Wabrsübeinlichkeit darauf hinweist, das» die Höm^r dasell«* 



OMenwMayer; Bedaiittn und die Bedaiits-Jniwhrifien. 210 

bereits ein grösseres Gemeinweaen vurfiinden, an welches sie 
ihre Station autebnttio ohne den alten Namen zu ändern. 

K Kine Unten^uchung des Bodent« von Chieming nnd dessen 

^ Umgebung kann uns darüber Gewi-ssheit veracliaffen, an welchem 
Platze alte Gebäude »tanden und in welcher Aiufdebnun^ die- 
selben vorkommen, kurz welche Lage das alte Bedaium hatte. 
Dbh heutige Chioming liegt ko, da^s die letzten nt^tUchen 
Häuser etwa V-* Stunde von der römischen Himptfitrasiie ent- 
fernt sind. 

»Bis jetzt sind mir nur zwei Berichte bekannt , welche 
Ton Auffindung römisc.her Mauern in Chieimug «»der in dessen 
Kühe reden, einmal duHS man am Platte der 1812 abge- 
riaseoen St. Peterskirehe in PfafKng, welches ÖHtlirh an 
Chieming austösat, als man dtirt 1828 nach Tufutein grub, 
auf romiüchc Grundmauern gesioiAien »ei, und dabei t>inige 

Pmetzt wieder vermauerte 8t<^ine mit luHchriften gefunden habe. 
(Oberbair. Archiv. XXVÜT B. 1803 S. 157) und eine Zu- 
Nclu-in. dee Forstamt« Marquartsfeeiü vom 2;i. Juni 1820, dasa 
im Garten des Wirtes von Chieming 1830 nebst vielen Grund- 
mauern auch ganz wei^ise FusHbiklen enWetkt worden, welche 
bedläufig 2 Fuss tief imter der Erditl^erflüclie lagen. Doch 
bat man die Nacligrabuugen nicht fortgesetzt. 

H Das hier annähernd angegebene Mitfis der über den 
Grundmauern lagernden Erde mit etwa 2 Ku.ss erklärt auch, 
warum man nur ausiialiiusweiw auf dieselben stüsst und doss 
nur beim Fundamentgraben, Baunisetzen und ähnlichen tiefer- 
gehenden Arbeiten , nicht aber beim Feld- oder Gartenbau 
die Spuren sich Wiigen. Diese Li^e erklärt auch, warum so 
wenig Münzen auf ('hieniinger Boden gefunden xvurden') «ud 
länt eine grÖHHcre Ausbeute an Auticaglieu u. s. w. erwarten, 



' I) In Chieiuin]|f aicber gefundene Münzen Hiod mir nur xwei be- 
kannt, eine KrzniÜnze tleji Licinius mit .lüvi conspfvatori früher im 
Becitz den dortigen Pfarrorh und eine Erzniünze des Tnyan in der 
^Mmnlunif des Hm. Apotheker Pauer in Traonstoin. 




^iUunff dfr pÄi?«».-f*i7< 



"fflWP WWI 



WM 



da diese nicht wie an anderen (Irten jährlich hei Bestelhmj; 
der Felder vnrn Pfliij^e gefcmffi«! und (mfcw«*der iiuheaebtet 
aiiKgewnhIt oder zerstfirt wurden. 

VVeun also der Berichterstatter die eifrige Durchsuchung 
jenes Gebietes aU eine Notwendigkeit Iwzeichnet und die 
dringende Auffurderuiig erlilswt. die Atifdeckiiug solcher Stadien 
nicht dem Zufall an heimzugehen, sondern thätig die vorhan- 
denen Sparen zu Tcrftdgen, so lüsst er sich dabei nicht ab- 
Kchreckeu dtiroli die Gleichgiltigkeit, mit welcher bisher die 
Hehörden und Klirpersc haften, zu deren Geschat'tskreis suh-be 
Forschungen gehören, sich ihnen gegenüber graeigt hubeu, 
sondern er gibt sich der Hoffnung hin, dass fortgesetzte Auf- 
forderung schliesslich doch noch einige Thätigkeit der betref- 
fenden Kreise hervorrufen wird, sollte es auch nnr sein, ui». 
den liLstigen Mahner Um zu werden. 

Die drei neu aufgefundenen AltÜre S. 211. 213 umlL 
214 wurden nach gütiger Mitteilung des Herrn Pfarrer Kom- 
thenr in der O^tseite der neiien Pfarrkirche wieder eing c 

rauuerfc: die S. 211 und S. 214 erwähnten Bruchstficke sint A 

IUI Phirrhofe aufbewahrt. Auch soll im Zuhause des Bäcker 
Millkreiter noch ein sehr alter Stein eingemauert sein, dessec 
Wicdcrauilfindung Herr Pfarrer Konitheur lUr wahrscheinlicl 
hält, und ferner macht er darauf aufmerksam, diws Iwi Bc 
erdigungeu im Grabe bei 4 bia ."> Fuss Tiefe Mauerrest 
sich zeigten , welche von Gebäuden am Phitze der jetzige- 
Pfarrkirche herrühren müssen. Die Aufmerksamkeit, welcl^»-^ 
der houhwüidige Herr Pfarrer den neuen Funden zug^ — 
wendet hat^ verschafft uns gleichzeitig die angenehme G«-J- ' 
wissheit, dass die künftig zum Vorschein kommenden Alte ^"- 
tfimer nicht spurlos und unbemerkt veivchwinden werde "^r» , 
sontieru zum Nutzen der Wissendchaft aufgezeicbuet ustbcI 
veröffentlicht werden können. 




k 



H 



Iletlmulh: üther HfHctutücke von Ovid» MetamwfJmaen. 221 






Herr W. Meyer legte eine Abhamltniig des Herrn 
'l- Hellmuth vor: 

,Ueber Bruchstücke von Ovids Metaraor- 
phosfu in Handticbriften zu Leipzig und 
Mniichfn\ 

Seit man angefangen hnfc t\\*} HantUfliritten nicht zu 

^^len sondern zu wägen, kuuI OviiLs Mftiirui»r[ilKiN<Mi in drei 

'Htiücfafu Aiisgal)eu en<ehienen. Merkel benutzte drei 

"ftödgfhrifteu : in erster Linie den Marciunus (Floren- 

* • *i US) »uec. XI exeuntiri(M), in zweiter den Laurents an us 

** lorentinns) »aec. XI (A), in dritter den ßrfurtnnu» 

**''*^. XU (£); anf alle andern Handsehriften glaubte er ver- 

^•t'Kten zu kttnnen. Da&i die beiden Florentiner Hiuid»chritlen 

^Ur i-iDem gemeinsamen Original tftaninien , erkennt er und 

*^^^iibt mit leichter Mfllie die HcÄchaffenheit dieses Originalem 

****Xeben und es nach suee. X verueisen zu können ^pag. IV^ 

^^r Aufgabe 1871^). Kiese stinnul im Allgemeinen Merkel bei^ 

'"Qcict aber da« Original um wenigHteiis eine Zwiichenstufe 

^^t\ den FlürentinerhuiiiiKcliritVn ab [pag. Vlll der Anitgabe 

**^72) und geht f(ir die Texte^tg^-staltung uoeh aussehlie*»- 

'**il»er als jener von M ans. In den Lücken v<in M l'ulgt er 

*''>ttiu Hamburgensis, jetzt HaunienäiH saw. XIU (h). 

*^ *»rii (Berlin 1880) fuhrt neu ein das BruehstQck einer 

^^»aniWJirift im britinehen Museum (B) «aec. X— XI, dtia er 

^WiilalU auf" das gemeinsume Original zurückführt. Dieses 



SÜeunff der j^iioH.-iihihil. Classe vom 5. Mai 1883. 



Original setzt fr etwas vor das IX. Jahrhundert und hält 
für seiiieu beuten Vertreter B, fflr den zweitbeHten M; die 
{lbrig<?n bekiuinten Handschriften erklärt er »Is indin-kt«, 
schwer intxTpoherte Nachkönimlinne desseU)en Archetypus 
(A) und ^bLultt aus ihueu auswähh'ii zu iiiüsHen: X, von dem 
er zuerst eine zuverJüssijjfe Collation benutzte, e und h. 

Nun enthält eine Handschrift der Lei|tziger 
Stadtl>ihlii>thok . Rep. I nr. 74, saec. X, besehrieben 
vt)u M. Hitupt (Berichtt! der k. süchäischeu Gesellschaft der 
VVLsseiischatlen U, 1850 p. l) drei kurze Bruchstücke aus 
0\uh Dichtungen: Am. Hl, V; A. A. lU, 24^». 250; Metam. 
in, 131—252. Bei ihrer vurübei^ehenden Anwi-senheit in 
Mönchen von Wilh. Meyer auf sie aufmerksam gemacht, 
habe ich die einschläjjcigen Stellen, vor allem die aw den 
Metamorphosen verglii^heu und zweifle nicht, ditss diese 
Handschrift, wie sie allen andern an Alter voran-steht^ ao 
auch alle an Treue und Verlaasi^eit übertriffl.') 

Be7^'i4:hnend für dieses Kragnient (L) ist die hätifigis 
falsche Trennung dtr Worte z. Ü. III 15(i gargai)hyei8 uc — 
ccinctus a<rra für Gargaphie succinctae sacru, 174 ne poHcas^^ 
niedilata für nepoH Cadmi dilata , 1 08 uutonu ein» fü-^^M 
AutoiKH'iiis, 2*^1» ceteratur bacnit für eetera turba coit. Aeha^ — 
licl»' Fehler fiuden sich micli etwa 10. Hieraus erhellt: ei^^t» 
iSchreiber, der eben noch lateinische Wortfonuen kannti^?« 
alwT iiiclit entfernt im Stande war zu verstehen, was ^^r 
schrieb, - ein Umstuad, der bei den in den Metamor|>ha 
sehr häutigen Interpolutione]! stark in Betracht kommt, 
copierte ein ohue Worttretmung geschrieben!«, alst) sjwtestftÄ»*» 
aus der Kiiroliiigerzeit staminendea Buch. Dass dieses Bu«:;! 



1) Citate auH den MetaraorphcMun nach Korn's Auegabe 1880, wa^ 
zu beachten ist vor allem in Buch Vm. wo von 596 an die Zahle*» 
mu U hriher sind uIh in Hit«OH Ausgabe, und XJI, wo ne um 5 »i*- 
driger «iuJ als die in Dderkelfl Ausgabe. 



Hellmuth: Vehcr Bruchglücke von OrüJn MiHamorjiJuu<f.H. 223 



das nach Korn kurz vor (Ja** i). Jahrhundert faUenrfp Orijfinal 

der erhaltenen Handsclirif'k'n wnr, liUst sicli uk'ht niwth weisen — 

denn dass Hl 136 die Lucanscholien 'hominis*, L und alle 

and«m penaner l>ekannten Iijiu(ls<lirii'ten Uvids 'hoinini est' 

geben, lieweiNt horhstciis die UngcDaiiigkcit der Anftihrung, 

nicht den jfemeiiutamen Ursprung der Ovid-Handschriften — 

es hiesse iilier »nuh eine alle veniünftijj*«n HofFiiiinj^en ülwr- 

Meigende finni^t des Zufalls voranssetzen. tt'oUtc man in dem 

kurcen Abuchnitte von 120 Versen eine -jchlaj^ende Stelle 

»warten; wahrscheinlich jedoch wini ein gemuin^nier Ur- 

^Urung durch die in L und sicher in M . viTinutUch iiiich 

in den andern Handschriften ^Irli tiiidemifu. un^i^ewiihniicheu 

Schreibungen: III 210 Archades^ 239 quaerrllis^ 140 herili; 

auf eint' niihere Verwnndt-^chaft mit M weist dann wohl VM 

uattis uatosquc tlir natos naiasqti^j lOö aicuuihta iaures L, 

taeunifna autes M für cacumiuat nurct^ 247 viäcri fdr 

f>idtre. Allein, wie gesagt, eine einigennawser sichere Ver- 

"»"hing lÜHst «ich nicht aufstetlen. Jeden falls iiher liwt 

-'*'ch für L eine Superiuritiit in Ansprucli nehjueii, da er von 

*^'»"eni wenig untemchteten Sclireiher anw einem dem A 

'**'odeßteni< gleichzeitigen Original altgeschrichen ist. während 

**'>r lißr B, da.H nur III IT^S, und für M, das nur an der er- 

**ihnton Stelle 195 wegen Worttrennung Sfhwankt, entweder 

^^■ser ^;eschulte, daher auch der IuteriM>l»tiiin leichter zu- 

SC**igliche Schreil>er oder eine ZwiscInMisttife, in der derartige 

** *^hler TcrliewHert werden konnten , oder Iwiiles annehmen 

***Öa8eu. Unwiderleglich tritt nns diese Ue her legen heit von 

^ entgegen hei einer Refnii-Iitung der griechi.-M-hcn ITundc- 

**'*iiieu, den*n Form wir nach der liedentnng sicher (est^tellen 

•^"iineo, die al»er unter den Händen luittelalterlieher Sclireil>er 

****^h leii'ht verändern konnten und auch nelfach verändert 

Wsen. III 207 \m-M ttlr Jrhwihates, Spnrtrctcr. L ichoh., 

W higwoft., B und i inoh . K intinh.; 232 für Mdanchacics, 

^'hwiininähne, L M B A mrhtiehttes, f melacmtthen \ 215 



224 fütsunfj der jMos.-ißHiM. CUwe rom 5. Mai 181*3. 



Rr Harptjia h arpya^ B und M ftar^/ia, X harplera; 212 
tVir Vterclas L und X pWcUxs, B lerelas^ M and « phvrclas. 
Die richtigp Komi hält K tV^st 210 Pamphntfos, Allfrii&!, 
222 Lucftm-^ Klaunihaar, 224 mit B und M Affriodos. 
während R und M pamphacus, Utcnae^ l imd e lacne, 
e acrimlos , l atfricölos mi den bctri'ffondfn Stellen haben. 
Klwusü nind die Namen der Begleiterinnen der Dianu ITl 
und 172 munnichfai^h uni^^estjiltet: L and B, die ältesten 
Htmdsehriften, geben sie am besten, geringe Veränderungen 
Keigt M, grössere X imd «. 

l>ftö niiig genOgen, um L wenigstem* vor einer gering- 
schätzigen ßchniidhnig. wie «ie dfts Bem«r Krjigment er- 
fuhren hiit lind teilweise mich verdient, 7JI l»ewii]iren. Er- 
keiuit ruiiu ihm aber aneh nur die (fleichl)ert'chtignng zu, 
w) niflissen ihm nnbeflingt alle fibrigen Huiidae.hriften weichen- 
III 152 iiimr Phoebns u(raqne Disfnt ideni terra hat Bentiejr 
Mtta für terra vermutet, alter keiner der neueren Heraus — 
gel»er dieser Venuutuug üaiim gegeben; nachdem L lüi 
Lesart zeigt, wird niemand mehr Bedenken hegen «ie auf"- 
-/.unclimeu. 2(m; vidrre ravos prhnumque Melainpus Tchn»^^ 
Oafifsqut' . , . si(/nu dedere iai die Lesart von L pritniq^e ^ 
statt primusqtw und primumque der übrigen Handschnfte v3 
evident richtig. 21-i Ili/Iaettsque fcrox uuper pcrfnssus <*^ 
apro hahi'n alle Hi^niusgeber die Kmendiiticm V(in Helii:«iuä 
f'tro für fvro.c verwurl'eii, und doch ist sie richtig und brauch fc» 
nachdem r^ie in L Intinli^olirit'tlicbe Betttütigung gefiiuden 
keine Kni|iti'b]iing mehr. 

Weiui nun gestiitzt auf diese drei Stellen L Anapmc-i» 
erheben darf alt» der treue^ste Vertreter der echten VTeber- 
liefening /,u gelten , »o wird seine Autr>rität hinreichen an 
drei weitereu Stellen den aus andern Handschriften schon 
bekannten natürlichen Lesarten Oeltnng 7,n versehafleu gegen 
die gekHustelten, eine» Commenturs bedtlrfenden, denen nur 
da» Gewicht von M zur Aufnahme verholfen hat. Ks ist 



I 




Bditttitth: fJeher Bruchtitäcke von Ovidu Mftamorphonen. 225 



mit t r.« »ehrpiben: 140 fortunaeque tlü:s Jiahuii satis fHr 
fortumm M, 178 siatt ernut vudae visu für vwo nmhxc M, 
2J0 /*a/*o suh imaffine ccrvi flir /h/s». Weriiper evident* 
aWr ilß^liiilli nicht wiuiiger dvr AiifiialmH' wert sind 249 
ui wwCT'o t'Or iH corpore, Mcrtjere wird zwiir mit dem 
kloiMfn Ablativ, mit i« oder suh mit dem Accusaüv oder 
Alilativ orinstrniert, und es simi dahiT hier beide Lcstirten mö^- 
liih. AUi'in mir :<c}ieint in visccra kräflij/er «nd dem Spracli- 
Ifebuticli des Ovid iinfj^em essen er. der. wo lebende Menschen 
xerrissen werden wie hier , dieses Wort mit Vorliebe ge- 
bmneht: IV 424 heeratidn darf; visetra, IV 4r)7 visccra 
ftn^nU tanianda und un vielen andern Stellen, besonders 
"1 Ibiu. Beide Worte nebeueitmuder finden sieh [V 112 
»osfrifin diveüite corpus Et seeierata fero eottsumitc viscern 
^»orsu. 11! 17(i traiichnni fTir ferehani. Krsteres wheint 
*lcr Spriiohgebrüueli de» Dichterff zu fordern, denn es lindet 
**li in diew'ui Zu.siiuuueah»n^e fast überall , [erre du^^egen 
""f hier. Gcriide als Verssohbins, der ja sehr leicht sich 
"•npi-rtgt und sicli von selbst dem Dichter wieder bietet, 
'^/»det sich fala traiiehmU Met. Vtl 81l>, Trist. Tl 341, III 
* lö, Her. VI 51, XII 35, so dass auch hier fast mit Ge- 
'***heit das gleiche Wort zu vennuten ist. 

Wenn nnn rlie tibri^nn Handschriften, vor allem M B 
^ t auf das gleiche Origin;il wie L znrnckgehen, ao mnss 
***» in der Zelt, die zwischen der Herstellung der früheren 
*^*»d der siwiteren Abschritten liegt, vifliUcbe ('orrekturen er- 
j^P^ten «nd lili»ft«»me wie terra ^ ferehuttt, corpore aufge- 
^^Himen Imben. Waren jedoch die Vorliij^en nicht gleich, 
**^ War die von B und iM bedeutend weniger wert als die 
*'*U L. Doch das sind Vcrnintungcn ; .-iicher dagegen ist, 
*''*B das Leipziger Fragment geradezu beschämend wirkt, 
"wi vergleicht einige italieniäcbe Hiindschrillen . findet tla- 
"iiiliiT eine verhÜltnismiUsig gute, kthnmert sich dann weiten" 
'^ivht einmal darum, dass einzelne Sttlcke derselben erat aua 
|1^. rhilü«.-pliüoL bist. Cb 2.] ir 



226 SUsung drr jihiiox.-f]hilol. Clagte vom 5. Mai SSS3. 

dorn XIV. Jahrhundert ntammen (vgl. Änt. Kanx: De medi- 
eaiiiine faciei, Wien 1881 p. 6), begnügt «eh mit dem un- 
gerdhren Nachweis, dasa iindrc jüiigen? Hiindschrift<'n luit 
dieser den gteicheu Ursprung teilen , stutzt dann auf diese 
unsichere Grundltige die ganse Texteskritik, ohne sich nach 
weiterem himdüchriftliclien Material umzusehen. Als gtflck- 
lichen Fund preist man ft?rner «He Entdeckung einys Frag- 
mentes im britischen Museum ; dagegen ein Fragment iii 
Leipzig, das älter ist und grösfiere Ausbeute liefert trotz ge- 
ringeren l^nifanges, bleibt unbeachtet.*) 

Das Leiiwiger Fragment zeigt uua dadurch, dass es iü 
dem kurzen Abschnitt von 1 20 Versen an nicht wenigco 
Stellen zu Aendeningen zwingt, wie es mit dem Texte der 



1) [He Wichtigkeit üvr nantUchrifl h vemiiliUMt mich iinv 
aärailichen Varianten (von Koni'« Text) hii-r iinzuijeljon: III 1^ 
exilioa, 134 nutaa miioMqup. I.*t5 iuvenis , . iiltimaÄ. I:t6 e^l *'»». HÜIif 
riU. 145 ntraquoe. 148 Lioani acldcnt . . . fcmmque. 149 forUiiMVtiiP. 
150 croceris aurora roris Lovectu. I&'iiemi: luuta. IM aüitit i!0[>d»..> 
tollit erinii. l'iO gargiipliyt-s ueccinetus ucra. H>2 ««uccinutos. KW «- 
biit fJ 8ult. 1G*J crüjfiiieji jiarsas. 171 liialtHjUe. \''i Haie. 174 w 
prwcivd mfdilaU ^.r ml. 176 lucum ex lou; . . . ten-lMint : trttli«l«wl- 
178 nude riso. 1^2 omnis. 184— 18G om. 188 vellit. lifo faciunin« 
taurpM. 19fi mitlitt. 198 uutonn ein«. 200 iiniliini. 204 et: vi geda^- 
20ß pnniitpie. 2Ü7 k-hobiiteH. 208 g^nteni *>lampu8. 210 pAinpluM^ 
ei dort-eoK ■.'l uriviiMOH iirchudei«. 21 1 Neltroplio no»t|Ui; . . . Inela {»fthcros. 
212 plDrelüti. 213 fem nuper. 215 arpyu. 21Ü sicyonua. 217 ciuin^ 
trictaeque. 218 asboloa. 211) Aello: aliio. 220 thoos et «rypliyon- 
UcifUH- 221 Et raetliu nigr. 222 barpulos et meleoa. Ä24 i*gri«iw-'- 
hilacton. 232 TueliLnehibtew. 2:^8 Ibero datnns ores itrophoe . . . an»'' 
2;tft Ot'U'nitur biiioit. 23y (luiu'relUti, 242 ut: ad. 24i quiwruntaf' 
247 videri. 249 corpore: viscera. 250 lalsa. 252 far et nitac. Voi»* 
geht, nuth Art der Fehler auu einer andern Vurlage abgescbiwl*'*' 
Am.IIt.V. Die Abweichungen von Kiese aind; I Bubmisit. 2 terrupt»«*- 
3 celel>ernmiii4. 6 bumida. il iniaiixtiH. 14 reHoijiiit. 1 6 ituS . . coniug*- 
19 ferendi. 21 Imii;. 24 iilbente». 25 reliquit. 27 Üt quae. 30 baDHUH* 
Opern. 33 uugui*: auctor. 34 exeinlena . . . ttua. 38 compare. 40 nioifchit 
42 biduo es viduo 3 m. Auf Blatt 27 n dtebt A. A. UI 249 and ^ 



( 



k 



Hellmuth: Üeber Brticftatäcke von Ofiä« Metamcrphoaen. 227 

Metamorphosen noch lie^tellt ist, und wie sehr M und B 
nbvrst^'häizt wurden; es heisst uiw die Fordenmf^ stellen^ 
das» iiichi nor alle Han<kchril'ten beileutcnden umfang, 
dern auch alle Fragmente liernngezogen , auf Ihre Her- 
nüt und ihren Wert j^epriitl weifien und nacli Ergebnis 
iliraer Priifuujf auf <Iie TextesgeMflltung Kinfliiss erhalten. 
Daas diese Forderung ki'iiie all zu grusse ist, will lui Mfiii- 
chener Fragmenten im tViIgt-nden gezeigt werden. Ihre 
L««arten alle au;izujichreit>eti , dürfte 7m weitläuHg sein und 
iiich wt^en de» geringeren allgenieinen Intereases kaum ver- 
Uhneu; es wird in dieser Hinsicht gen gen , wenn ich die 
i.'enaue Cullation jeilem , der eine Ausgabe mit kritischem 
Vppurate veranstalten will, zur Verfügung stelle , und mich 
an di€ser Stelle Ix^gniige die Blätter durch eine eiiigehenilere 
Beiprechung der Vergessenheit zu entreLsseu und die Belicht- 
ung weiterer Kreise auf sie zu Innken.') 

ßelanglus sind der obere und unter« Streuen eines 
Blatt«« v«im Anfang eineö C<Klex »aec. XIll. , dessen Mitt*;!- 
strtifen mit den int^^-resaan testen Stellen verloren ist, so dass 
nur I 1-12, X\—4(\, 41—52, 7:i— «0 erhalten sind. DtK^h 
g'Tjtigt das Erhaltene, um die Zugehörigkeit zur Familie der 
^'♦'kuimt«! Handschriften nachzuweisen (vgl. I 50 utraniqtie 
"^ AI and ßber den Verlast der Handschrift zu tr("»st**n ; 
'^Kl. Interpülatiunen wie 1 8 in eoticiUy I 77 itUer cetertt> 

Nicht wichtiger wäre eine ffaudwchrift yaec. XIII;XIV, 
'•^ö der das obere Stück vom mittlem Teil eines von oben 
"»ch tmten zweimal dnrchschuittencn Blattes mit X 95 — 127, 
1^3—165, und die untern Teile der RaiidHtreifen mit den 
«M«i imd letzten Buchstaben von 127—132, 165—170 



I) IHc nielHton derHelU»'» wiird«^n in den letzton Jahren von 
"ftJuUchrifU'ndeckelD abgeltVt und von Wilh. Meyer mir zur Cutur* 



228 Sittitng der jihilm.-philol, Clattse vom 5. Mai 189S. 



noch vorbanden sind; denn sie schliesst sieb banfig und aty 
aucb an der beaeichnenclen St<?]le X 158 mit porfct — terrae 
gegen posset — ferre un die interfioliert^n Handsr,liritti»n 
an, «n das« es nicht ins Gewicht fällt, dass sie mit M X Ifll 
den häufigen Fcliler houoritta tiir otterutn t(»ilt nnd X 12f) 
mit M zuerst nitorc schreibt und sodann vapttre als Variante 
beifügt.. 

Au»ierorrU*nt!i(!h sorgfältig gewhriebrn sind zwei IX 
10 — 15f> unii'iijwtüide B lütter einer i talieu iseheii Hand- 
schrift wohl uus diMn Kride des XU. Jahrhundert«. Uasi 
auch sie auf A KurUclcxulilhren ist, »eigt, dann ."ie IX 74 die 
noch nicht richtig gestellte Lesart domitumque rcduxi mit 
den andern Handsflirifteii teilt. Zwar gibt sie IX lO't sbitl 
des von den jüiigfren Huudscbrifteu in hebeni verkehrten 
Eueni mit M eueheni; allein noch nfter eignet ne sich an, 
was in M die zweite Hand nachträgt, wie IX 17 ttitnicH VHr A 
dotninuvt, 2*i nmfrc für nate; nnd in wp.scntli<-hen Dinger»' 
stimmt sie mit den jüngeren Handschriften öUfrein, iirrx 
meisten mit e, mit dem sie zwar IIH und 128 richtigeX" 
ab; M und l gipbt, aber nuch 40 nnd 124 die falsche Stel- 
lung der Worte, r)8 die itllerdings auch sonst büuKge Ve«: — 
wechselung peetore für corpore nnd mehrere andere Lesarie»'«! 
teilt. Wir wurden daher der erhaltenen Haudschriil ihr^n 
Platz unttjr den int(?rpolierfcen unweisen. 



4 



Schon des Alters wegen wäre wichtiger eine Perganierxt.- 
hantkcbrift sjiec. XII, von der vier Blätter mit HI 7-32 
nnd 733, IV 1—270 in die rapierhaad^-chrift Nr. 4409 eiti- 
gebnnden sind. Zwar hatte es ftir den Text seihet gerin|4>' 
B«leutung, da.ss IV i:i4, ItU, 168, 212. 25fi alle Ha nJ- 
scliriften Fehler haben, da sie leicht zu verbessern waren ;j 
für die Textgpi^chicbte i-st interessant, das« diese Kehler i» 
unseren Blättern sich nicht finden, also auch der Urliaii^" 



ITeilmuih: Uebcr ßnieluttüeke von OruU Mrimmrpfwmn. 229 



K 






schrifl nirht ziiKiitfiten sind. Die Handschrift, der sie an- 
gehörten, oder deren Vorlage mag für manche der jüngeren 
Handschriften (c) Quelle gewesen sein. IV 71 wt das uus- 
gehlicbene nos über toto ergänzt, die jüngeren Uant|.schnfl«n 
haben e» vur Mo ; sodann ist hier manchus als Variante 
gBgel>ea , was jene in den Text aut'uehnien ; ho IV 48 
\his and darnlmr /ts, die jüngeren Ilandschrirten und die 
usgahen bis auf Merkels zweite alfis; 127 tivguit, darüber 
xit, k tinxit. 231 speciem vel facicm^ so 'facien/ in e und 
underu und in den Aa^gaben bis auf Korn. 2-12 qua, da- 
rüber 0, quo z: und die Ättsgatjen biä auf Merkels /.weite, 
224 itbripiie «tatt eripite, woraus g arripite. 



W 

^^e 



Nocli mehr als der Verlust dieser Handrichrift ist xu 

bedanem, dass von einem Codex saec. XII XIII ans St. Ni- 

olu bei l*a».sau nur erhalten sind zwei Klatter, lU cm 

Witf 24 cm jetzt noch hoch . nai-hdem der nntere Kand 

mit 2 Zeilen abgeschiiitteii ist, umfassend XI 394 — 457, 

460-517, Xm 147—206, 209— 26Ö. In A war H und N 

schwer zw unteritcheiden, zweimal in wenig Versen irrt M, 

illl 189 nnu 191; das rrstt? Mal haben mit ihm alle andern 

Handschriften tittuc für hutic, das 2. Mal blou Nie. mit ihm, 

ler aber sein nunc diesmal in nee verändert. Hal»en wir 

tnier XI 398 für Psamaihcn in M ipsam niathen, diivan i 

und ein ni durch Punkte getilgt, in allen andern Hund- 

^hritleu starke Aendeniugen, in Nie, psamattten^ in M und 

A*i«. XIII 20*» p(mtn, XI 489 regwxtnr f(lr fferuntur, so 

m<»clitcn wir versucht sein. Nie. für eine Abschrift von M 

[KU Itniten ; allein M hat in dielten Abschnitten markante Irr- 

tönier; m XI 437—438 die Auslfwsung der beiden Verse, 

'tili 221 die Wiederholung der -/.weiten Hälfte vc>n 220, die 

iti difjseiu VePse selbst nicht unbedeutend geändert ist, und 

*'*Ie falsche Lesarten , von denen sich in Nie. heine Spur 

"'"let So sind wir denn auf ein weiter zurückstellendes 



230 



Sitsung der ]MIm.-i^f^. Clatst rom 5. Mai 1883. 



4 

i 



gemeinsume» Original als Quelle der üebereinsfcimmungen 
hingewiesen, üass /.war jene Irrtthuer vermeidet, andere aber 
!>ereits aufweist, wie XI 404 pariierqae für praeter, 404 
rclicta für rectirvay 493 vclUve ffir vetetve^ 499 ver/i7 flir 
vfm'f, die, wie wir später sehen wurden, dem A noch trenid 
sind. Aas dessen Vanunteu mag wohl herrtlhreu. was Nie. 
mit X gemeinschaftlich hat: XI 400 aeacidis ftlr aeacidae, 
412 obiectaminai das / als Variante zu oblectamina antUhrt, 
453 die unmügliche Urnntellaug bis /una, 473 alciones fOr 
alcionac, 400 « ttir c; allein diese Uebereinstimmungen nind 
zu uubedeut(-'nd, als dass sich darauf Nohlüäse bauen liesHen; 
«henso die mit h: XIII UV.i di« UraKtellung natum cuitu, 
2fi4 didu4:if für diduxit, und mit e XI 401 die naheliegende 
Interpellation ab für in, XIII 14() und 147 die Umstellung 
ron altera und addita. 

Wenn XIII 23ö i^ic. allein repono bewalirt hat, was 
nach Beutley'ä Emeudation in den Text aufgenommen wurde, 
und hier wie Xi öl2 admiscrai alle andern IJandschnßeu 
ül>ertriffl, -so werden wir ihm nicht die letzte Stelle antet 
diesen anwetwini. Zwar erschfittern NacbläsHigkeiteit des 
ächreibers, wie XIIT 193 ortanda . . . hastu Itir hortanda . . • 
aatu^ willkörlicbe Aenderuugen, wie XI 415 cunctam für cef^ 
tarn, 4Bö moros fiir mtas, XUI 202 sed flir at, 496 undarutn 
cursu für ventorum incursu, die l>ewusste Interpolation XI ^^m 
lt>l dicam für ducar^ das Vertrauen, das Ate. einzufl(>s!*«?s*1 
im Staude wäre. Nichts desto weniger möchte ich zweifeln, 
ob nicht Nie. mit XI 452 vota für fala und XIII 223 efji^ 
für futfit auf die richtige Fährtc weist; denn einerseite st-eht 
er A, wie wir gesehen, nicht fenier als M, kann also reoh* 
wohl die rdtere Ileberlieferung l>ewahrt haben, aoderecsei^fl 
ent<«itrecheu diese Lesarten sehr wohl der pointierten Ked<f-^ 
weise Ovids und ftirderten, weil nicht auf den ersten Blica 
veratündlieh. zu den abschwächenden Aenderuugen auf. 



< 




Viel iinitangnfiuher Mntl Fntginente einer Handschrift^ 
iie nadi Ken ab aud zu am Raud .sieb findenden Worten 
atfinct Tegt:rvsee oder Jste Über aftinet monasterio Tegemsee 
dem Kloster Tegernsee gehörte; sie soJleu daher mit T 
bezeichnet werden. Diesem Klnwter wnrde , wie ein tilter 
atalog in der Münchener !land>ichrift. No. 18541* angibt, 
'Im X^XI .lahrhiuidcrt fhu- llundscbrift geschenkt, welche 
Libnim Ovidii mf'.tamvrphoscos und L. Ovidii de remedio 
tt de amore enthielt. Zu dieser Handschrift gehörten unsre 
Fragmente nicht, du sie erst im Xll. Jahrhundert ge.schriehen 
lind. Die einzelnen Blätter sind 20 cm hoüh, lö cm breit» 
die Schriflknlumnen sind 14.5 cm hoch und enthalten anfangs 
2«— 28. später 31—34, meist 32 Zeilen. Die Handschrift be- 
stand wahrscheinlich aus 25 LJ^;en, durchweg (^uaternionen; 
die letzten lll, von XI 754 bi.* zum Ende, la-wen sich genau 
btstimmen; weniger sicher die erste Hälfte, weil zu wenige 
Blätter vorhanden sind und ZuHilligkeiten die Rechnung 
stören; so ist i)eis()ieLs weise am Schlu.sso von IX mehr als 
eine halbe Seite leer gelassen , während in der K^el die 
Ificke zwischen 2 Büchern nur den Itaum von 2 Zeilen 
«inninmit. Da« ernte erhaltene, zusammenhängende Doppel- 
hUt enthält I 135 — 189 und 295—350. Dazwischen ist 
fallen das vierte Dop|>elblatt mit dreimal 20, einttial 
^ 105 Vensen. Voraas gingen im Qnatemio 2 Halb- 
"lätt^r mit ehenf"all.>i 105 Versen; r^onach bleiben 3<_i Verse, 
«Ji« nicht im Qnatemio Raum finden. Nun bleiben uns zwei 
M^iglirhkeiten : entweder schlassen sich die Metamorjihosen 
'*uf der nämlichen Seite an ein voransgehendes Werk an, 
^*'tt3 wenig wahrscheinlich ist; oder .sie liegannen mit einer 
ien Seite und, da diese fllr 30 Verse nicht reicht , mit 
fi.tn neuen Blatte, — sei es nun, da«s ein andres Ge- 
wicht voraasging. sei es dasB den Metamoi*pboften ein Titel- 
Wjilt Torgebunden war. Auf die erste Seite diesc*> Blattes 
Weffen nur wenige Verse, so da.ss es nicht unwahrsicheinUch 







232 Süeung der {iln'loif-iiJtiki. Chisse rani 5. Med 1883. 

ist, es seien wie m M die hiezu bcstiiimittiii 8 V^ürse Hiis 
ilen Tristicn rlcn Mc'tamorph<)sen Torausgcschickt jj^ewe^n. 

Im ganzen sind niuU 23UÜ Verso erhalten, wovon weit- 
HU» die grö».serc Hülfte auf t\d.-< in K Verlorne, ein bedeu- 
tender TeU auf die LUcke in M fallt: immerhin bleibt 
genuR genieiiuium, um das Verhältnis der Handschriften klar 
zn stellen. Zur V'ergleichmig mit dem U e r n e r i'rugment 
saec. VTII bieten sich leider nur 60 Verse. 

Die Abweichungen von der gewöhnlichen Orthographie 
können fElr die Zusanmiengehürigkeit wenig beweisen, da fiti 
den 3 ältesten Handschriflen grussenteiU gerne iiuichalUich 
sind. Tn dieser Uandäcbrift sind sie jedoch so sutblreicb und 
uunalleiid, dass sie kurz erwähnt wenlen nifi^vsen. Sehiin M 
mid Bern. (beruen.si8) fanden in ilirem {Jriginal eine L'uter- 
scheidung von ae, oe und e nicht; sonst hätte nicht Bern. U 10 
efjona Kir Acffacotm^ M \11 ^tfi.'i fnah für Acacide le-«n 
können. In T geht nun dieser Wechsel sehr weit, er schreibt 
cecus, cehtlus, equor, preceps, cesar, eneus, grecia etc. fcda», 
prelium^ phebus etc., daneben aber die richtigen Formen und 
sogar foetua und laetum (für letum). Beliebig vertauscM 
wird i und y\ nebpn Heia, aeilla^ siix linden sich ycarnl, 
pyrilhouSt tybennus. Die Aspirutiun wird zugesetzt odw 
veggelo.S'^en, älinlich wie in .\, archadia, ambrachius, Aw- 
martitö, iaphit/ius, spurihey thtis, learcus, ttfrrcnia^ crcults, 
elami/s; ull auch ßter, corda, os fiir hos^ osiia tUr Aoi/ta, 
esunts fiir hacsurus^ asfa, actenm. Gemeinsam sind .Schreib- 
ungen, wie bacht4S, brachiitm , hiemps, dampnum , iupiivf, 
gcniirix; doch ist in T auch hierin kein S)'»ieui und fimicD 
sich ebenso häufig die richtigen Formen, Abweichend vao 
M schreibt er richtig tnitubriim; eigentümlich scheint ihm 
zu Atiiti coiijux, die V'erdopplmig von u in fuluuuSt fiuuiäia, 
wmxit etc., gnaius für naius; für letzteres werden sicli 
Spuren in A gefunden haben; darauf deutet, daas sich io 
den H;iiid.si;brif'k*n idk'r fjratus für uutus eingeschlichen kttt. 



^ 




Heilrnnth: Uebtr BrurJistÜcke von (hifUs Meimnorphoscn. 2S3 

Auch io der Assimitation der Consonauten in Zttsammen- 
Mitzungen hült er o»^ ähnüeli wie M; tir schreibt acc, ti/f, 
agg^ aber «(/m, mU, inh, inm, inp, soj^iir inmago iiiiJ inmitor 
ftir imatfö iiiul imitor, du^^e^L'n immer improbas, itnmimOt liie 
aiid da auch impono. Oli «r auch t)t;zngiich des FolgendeQ 
in M seinen gleichen findet, bezweifle ich; wenigstens i»t 
am den Angaben der Herausgeber nichts cisichtlicU; zwischen 
c und t vor i mit folgenden Viical ist in T h<»chj)ten^ der 
rater^hied» da«» c sich hiiuliger findet, cieius, tercius^ /«- 
ciw, exieiunit Lacium, rario, vicium, di^^egL'n audatia, fatics, 
fuifütior, matics, solatium. Nnn sind ja wohl c und t in 
Uindschrifteu whwer zu unterscheiden; und, das» auch TV 
Original nicht Ql>eriuäsäig deutlieh geschrieben war, zeigen 
Xin 720 iandea fnr Znnduea; XI 740 nivlis ftir uidis, XIV 
612 dariis für daiita. ul>er dieser Fehler ist ho hüuüg und 
ßtidet .«lieh zudem nur vur i und einem zweiten Vocal, daä» er 
htmt auf die schlechte Aussprache eines Schreibenden oder 
tKeJierenden zurllckgefülirt wird. In letzterem Falle, weon 
•Ui Jer HchreiU^nde die Vorhige nicht vor Augen hutUs er- 
wäreii t<ich ungezwungen eine Reihe von Fehlem, wie I 300 
focar, VJII 683 dabtbus, X 49 daraus, X '»2 vaks für 
^Ih, XIII 1!>8 intcritus f(ir intfrrrituSy Xlll 2:W thersidea, 
' ^'-^ (fratkeidc, die öfter sich liiidenden inqttid^ illuly reliquid, 
'^iquit. Oaruttf duss der Schreiber zu Papier brachte, was 
«n andrer luä, deuten auch Veröchiebungen von Vokalen I 177 
^morio, VIH 064 biculor, 67t) pupercits. Von diesem 
^instand hauptitüchlich und nur zum kleineren Teil von zu- 
vomeuhiingender Schrift im Originale mischte ich herleiten 
'»hebe Trennung und Verbindung der Worte, wie IX lt\t) 
'^Uis ftir ah his, Xlll 194 tela uionius ftlr Telamonius^ XI 
I ''70 inde plorattts für indepi, XIV 7r>(> fwnxu rcUus tür 
1 ArnuartieHt und Fehler wie XV 277 etHissum für vt Mysum, 
)■ Diuuit wGrdü daun Htiuimeu uusfter dem Wechsel von ae oe 
>l * < jTt da£s häiißg in dem nämlichen Verse die gewöhnlichsten 



234 Siiiuny ttr.r jAüott.-phüot. Ctasitt rom Ä, Bfni 1883. 

Eudnngcn ausgeschrieben und daneben modo mihi deus ec 
durch Oompendien gegeben öind. Dagegen dOrilen sie 
Fehler wie XIV lilM saevia cura fUr sacviat iVa, XV 62^ 
circumflnnt hihrtitis fitr circumflua Thi/hridifi nur äO 
urnngcIndtT Wtirttreniiuiig in der Vorluge erkläri-u. 

Die Abatummung von A ergiebt sich zweifellorf ans da 
Betrachtung der Lesarten. Wo B (Brit.) M nud l tlb 
einstimmen, wo also allein von einer Lesart A die Rede 
kann, weist T die gleiche auf, mit Ausnahme weniger St«'llfii, 
die später l)esprochen werden sollen. Auffallende Aehuücfi- 
Weiten hat er mit M; mit diesem teilt er orthographwiife 
Eigentümlichkeiten, wie holus,, Atliins, haut, relud ; mit ihm 
läs^t er I 326 weg, stellt er XlII 954 und 955 um; nit 
ifun teilt er die meisten iiTtflmUchen Lesarten; selWref- 
>iHn'iIich nicht alle, vor allem solche nicht, die M aus Nach- 
liUsigkeit aiifgennmmeu hat; so ist es beispielsweise If 
zeichnend, daas voti der grossen Anzahl Irrtümer, die M XIII 
500— ÜOO aufweist, T keinen einzigen teilt, während *Ii* 
vorbeigehenden und nachfolgenden beiden gemeinsam ^nJ- 
Lcf^arten, die nur auf die Autorität von M hin aufgeuoiLn : 
wurden, finden sich auch in T, wie Xlll i'^S die y^-: 
tüssung des ff, XIII l*iO hnud ftir aut. Manche Fehler h. 
scheinen davon herzurühren, daas er unlesbare Vereenife 
{aUch ergänzte; von den von l{iesi' hint^lr angeltÜirteD ntt 
Beispielen fallen 2 auf das in T erhaltene; auch T ist in 
beiden Fällen in der Lage z« ergänzen und ei^änzt XIV 1* 
mit M diynior esse tilr digntis ufnorem, X 3(>3 dagegen giebl 
er für que qitatem nicht patcrnis von M, sondern quid cp!^ 
mit X; auch XTV HHO, wi> Ufftium tlir virffam in bf*i"i 
Eingang gefimden hat, gehört bieher. Beide mik:hlen nwfc 
manchen Stellen geradezu au^^ einem Exemplare zu stanuMü , 
scheinen; das et, das M iint^r Missiu'.htung des Motnmis VDl ' 
198 einschiebt, muss im Original zwiacheu den Zeilen odif 
am K^nde gestandeu haben; T hat en ebenso störend 199> ' 



Htiimuth: Vthet Brurfistüvke mu Oi'idg Metamorphoiitn. 235 



I 



X 315 vrar von maius « inuj^efallrn ; T schreibt wm*ä, M 
minus. XI 754 schreibt T fuH üIxt proyetiies; sm» Hcheint 
•ebon das Original gehabt xu haben, da M fuit in den Text 
ohmnt und dat^lr et weg hi<«4t. 

I-)amibt'n nbt^r tindeii si(!h Kwar nicht viele, aber schwer 

wiegende AiiklÜiigH an X. Wenig bedeutend sind IV &Ü4 

iinct'i für mixta, 521 spursis für passis, da diese Verweiihw- 

lungen anch an andern Stellen und in andern Haiidsehritlen 

fäth findeu , ahm offenbar in Ä beide Worte y.ur AiLswaiil 

«landen. Ebenso ^itamnien sehon aus älterer Zeit die Verderb- 

nisBe IV 537, wo l T vom Anfange an, M erst durch einen 

NtcUtrag Ober der Zeile mit iu medio für im dio dem Vers- 

DUR gerecht äu werden suchen; VIII ö75 wo M vohmiia, 

AT oiencia ftir reäolentia schreiben: X 123 wn ffir ein 

weh zu eniiereiide« Wort M sternebas^ X T iendcbas bieten. 

Ukgegen ist von grijsserer Wichtigkeit IX 781 niatrisquc 

flli nuriHSfiue und die gleichen Krj^nzungen ausgefallener 

Vrvndeii: IX 778 comitrsque facesque Hir conti fatitiaque 

" "1 ; IX 780 ihaUtmo quod nou eyo potior für quod nott 

t$9 punior ecce. Doch ist auch für diese Stellen kerne ge- 

■neiiuame Zwischenstufe itnaunehmen, »mdern, wie IX 778 

wher djui Original .<i'hon die Jnterpolation euthtelt, da ja 

udl M zuerst darauf verfallt, w> dürfhe auch an den andern 

^len im Original die Lesart von X T neben dem Richtigen 

K^nUnderi hal>en. Darauf deutet auch, das-a T nicht selten 

«if Lesart sowohl von l hI> auch von M kennt; so hatte er 

iV 4d3 /«»(/ford, VIII I8ö et licet armis mit X ge^iicbrieben, 

*tH}(B!»eri aber mit M pecfora und ihimus iVur; VIII (i8;i i^t 

■ini mit M geschrie Iwneu riclitigeii jatendo das (vratdo von 

«beigefügt^ X 113 mit M und X das interpolierte deviisaa 

iuf;^tirimmen, alwr da« richtige ffrmmata wietler hergestellt. 

**' mögen auch die uiristcn der Intorpolutioiieti , die er in 

*'ii in X verlonieu Teilen mit den jüngeren liamUchrifteu 

^i, «cbon einer älteren Zeit angehören und im Original 



236 Sitzung der philm.'phitoi. CInmte mm 5. Mni ISH3. 




gestanden halion: wieXIU 762 n&strique flSr validaque, 770 
aequor tVir ad Aetnen^ 906 ardet fUr haeret und vielt^ andere. 

Wenn aber auch schun Ueide Lfftarien in der Vorlage 
sich fanHen . so ist es doch für Hie Hiindschrift nicht em- 
pfehlend , dus8 sie Sü manche InU-rpulution in \iAva 
Källun allein, in vielen vor dem Kichtigen — aufj^euomnen 
hat. l)azii kommt noch , dnss der Schreiber stellenwflsi- 
recht leicht<«innig arbeitet und (Irftsses letztet in Verschreib- 
UDgeo, wie VIII 183 dedaäm mr Daedalua, XI 748 adoins 
fflr ÄeoluSy XIII 203 nteielae i'Ur Meneiae et«., nicht srito 
sehr unaufmerksam liest, wie VIII 6(>0 erat flir craUr, 
dessen letzte Öilhe durcli Ojmpendium gegehen war, 1^2 
Ton einer Zeile in die andre corone ftlr mtgwmique tenaUis 
Schlimmer noch ist, dass er Endungen ändert, nni ein Wort] 
uns audre auzuschliesseu, wie X 230 qua stta ira ffir qM 
aua ira, oder es mit andern in Verbindung zu bringen, «« 
Vni (»71 jHtn?a mora est ejmlis für eptilaSt XIV 39tJ »»• 
mina rvatant für restat etc., da»s er, wo .sich (Hr ein« 
schwierigere Lewirt eine leichter rerständliche darbot, nwh 
dieser greift, wie XII TA currus stabat Ächillis för cürr* 
msiahai Achilles, XTII 72 istom fllr ipse, XIII .>!*7 di flU 
vos^ XIV 431 coioni filr Camenae. 

Doch wird man alle dergleichen Fehler deui Schreiber 
von 'f gering unnichncn, wenn man l>edenkt, wie vicIb iuj*! 
wie kühne Interpolationen M in den gleichen AhHchnitI«' 
aufgcnuiunieu hat , uud duüs die^-eu meist ein rtedunke xo 
Grunde liegt, während T sich das Denken meist ersp&rt* 
Gerade seine Gedankenlosigkeit ist un» von W^ichtii;kt*it' 
XV 42ti— liO z. H. >ind wegen ihres Inhutts langst venlächti^- 
al)er hand.schriftlich hoglauhigt, liÖchsfcen.s daaa von den Haud- 
Hchril'ten, die Hein.siuH kannte, eine <ider die andere einen odef 
dt'n tuidem Vers wegüess , und dass eiu Codex diw Heiiisiii* 
die sämnitlichen Verse am litmde hatte. T hatte mit 431 
Nunc qttoque mit grc^sHom roten Buchstaben die neue Seif 



I HclfmHtk: Ueher BruchMOcJce wi» Ocid* MetamorpluiMcn. 2''7 

fingen. Diirilber ist von sjiäterer Hniid, wie us scheiut, 
ilenfalbi spät4?r lUs Ha^^ tollende, wie die v<iii fler sonst 
Hmuboren, sor^laltigon Schrift alöt^^chende ^ durch den 
^■en Bdchst-ftben verunlas8te Krnnmuin«^ der Linie zci;^, 
l^ners A'M\ quid P. r. niu^hgotragen ; die Verse 4Ü7 und 
ISH aber stehen zwischen 451 — 452 in einem fremden Zu- 
imtuenban>;, ja mitten in einen Satz }<:ui/. sitnilos eiit^e- 
:hoben. Leider ist — das voranfgehende Blatt felilt — 
icht ersichtlich, ob T 42t» und 42P gekannt nnd was er 
dt ibnen an^^efan^en liat: ^^ieber aber hrit T diese Vertue 
rtseh iuter|K>ticri am Runde {gefunden. 

Diese Stelle liegt bereits ausserhalb des Bereitdies, tUr 

len M Onindhige den Textes ist, und enthebt uns den ein- 

|;«heiiden Vergleiche» von 7' mit e xmd h , welche diese 

w entfernenden Verse In richtigt-r Oitluunijj und volUühlig 

baben, du !<ie utlein uns schon zeigt, dass T seinem Alter 

enk^rei'hend nicht so tief in der lDteriH>Iiition steckt, wie 

^»c. Aber auch an mancher Stelle, wn niehl nur die 

"pätereu Handschriften liic VV'iilirLeit verleugnen, s<mdorn 

Weh M in die Irre ftihrt, weist er uns auf den riidtti^en 

I 10.'» giebt er richtig wie keine andre Hamlsilirift 

ftdo l'dioM Ossae; 1 llJH hat er mit M und l aiihnos 

blieben, tilgt aber diu< s sorglÜltig wieder ans und gibt so 

*it Berneusis die Stelle, wie schon Ueinsius sie emcndiert 

^ 1 340 hat er receptm mit Bern, und wenigen ver- 

*bollpnen Handschriften, die Heinsixis bcnütat hat, gegen A 

^nnni«. Ebenw sind es IV 168 nur jetzt unl>ekannte 

BiDilsrhriften , na<h dt^n4'n Ileiusius Leucnuof^ Iiei-st«Ilt, 

od vtm den bekannten ausser '/' alle Lvucothoe sub- 

; IV 498 ist sein animas richtig, nicht ttnitnos 

[A; X 1 13 haben alle bekannten ffcmmatti unterdrnckt^ 

' T wcnig>^teDs als Variante bietet. Xll :t^M ist HoHcher'a 

Blutung Thtfea in den Text genommen ; alle andern 

"MiW-briftcn bieten Tftesea, 'V allein Oterrea; wenige Co- 



238 Sitzung Aer i^iÜos.-fjhiffJ. 0tut»e ro»i 5. Mai iS83, 

dieeä siiii] es, die mit ihm X 126 vnpore^ X 169 £Hro/a»,| 
X 227 ÄmtUmi'ieas , XI 700 perii, XI 728 iam iamqueJ 
XII 350 Lycctum, XUI Og-i Iltfttais, XV 3(>2 /fforfftn-.j 
XK 718 Avtium erhiilU*ii haben. Auf seine Autorität Uni 
düriteu in den Text nu nehmen sein: Xlll 201 «on7, daij 
Heiu^iiL8 in Unnd»ehriften tVind, K^f^eii uovit (Kie^e« Korn); 
fh^-iiso X ;i25 ih-licto Itir dilertu^ XI 697 /«ruw /ut7 B/ifej 
^ccMHi für multum f. «, ^ 

Als Reprüaeutant einer A vollstäudij? fremden Veha^ 
tieferunj|( ^ilt der Berueuuiü 8. Vlll: Kiese wugt nicht xu w- 
ktürcn, wanim A und Bern, die luter|>ohUion 1 53 pm^fff 
itfjuav If.vior j^fniein-ijun hiihrn , unfi er knnn as mich nirM, 
ila ju für ihn M eto. imd der StüinmvaU?r A mir wenige 
Stufen auseinander stehen. Korn, der den Archetypus schon 
höher hiiiiiiifriiekt, beschÜfti^ sieh mit Bern. f!h.'r!iaiirt 
nt(;ht. Wenn wir das Origiial Ton L niindestcas in dit* Kan>- 
lingerKeit setzen niHsst<»n , so sind wir damit schon in &^ 
Zeit vor der AWhrift von Uern. gekommen und wpnl«) 
uns weniger wundern, wonn T, der sicher von A stiimmt- 
Oeni<?insantkeit4<u mit Hur n. aufweist. Wenig Gewicht ist lU- 
nmf zu legen, dass Bern, und T von den andern abweichend 
das Hiuhtige grhen 1 \\\C) utid 340, wenig Uaruuf, daüi' 1^1' 
M Bern, i' terras für terra haben; merkwürdiger scliu« 
ist es, dass I 142 A prodierat^ Bern, prodiderat^ T fwrf» 
erüt mit einer lUmir zwischen i und e hat; noch wenige 
ÄufälUg Ist CS, wenn I 173 Hern, htc ftaHe ^ A a (rMlf- 
T Itac fronte aufweist. Am bedeuL»unmten aljer erschau' 
Folgendes. Die Stelle I 304 muss unzweifelhaft heiRWüi: 

Nal luptts infer oves, ftdvoa vchit uuän /aones, 
imda vchit tiffre.% nee vires fulmitiis ajtro, 
crura nee ablato prosunl velocia cervo. 
Allein so geben eret i und die »päteru Handflchrifl*" 
die Stelle, Bern, schreibt: 



nuth: Ueber BrMcJuiäcke van Ori^a MetamoriAagen, 239 

Mis inter oves nee tfircs fuhninis apro 
^it tigres-, fulvos trahit unda Ic&nes Crura nee etc. 
fltdie hier zum 2. Vers ztisiinunenj^pschweissteii Hnlb- 
und erst im Hi. .lahrhiiiidert wunleu liiii Uaude 
richtig ergänzt. T giebt die Stfllr wie M, si-.hreiht 
And mit 1. Hand: wtda vehit tigres nee vires ful- 
'0 luid ergänzt iiin riclitigen Orte mit kleinerer 
wr der Zeile fnlvos vehit unda Icones. L^t es auu 
, dass all der UHniliuiien SteUe olle 3 Handschriften 
Seieise geraten sirHl? Die Frage niiiehtf ich ver- 
d vielmehr annehmen, dass in dem geiueinsiiinen 
das daiJii auch die oben Ijerülirtt-n Iriterfioliitioueu. 
enthielt, die Halljverse fuhos .... tigres um Rande 
gen waren, so da.H.s die Abschreiber je nach ihrer 
iclle gestalteten. Derjonigf, welcher Hern, «der 
mittelbares Ünginal schri*?l), hat, wie er fiberhanpt 
rid roKch arbeitete, ohne IJeberlegnng. was er am 
td, wie CS sieh bot, und wo es stand, in den Text 
)en, der von M beachtet, wiui am Kande sU;]it, vor 
nben uicht. kommt dann auf die richtige Fährte, 
libt über frurn vec ublatOy vior au die Stelle ge- 

kvcit tigycs tiec uire, gibt aber dann die weiU're 
^d streicht dii' beiden letzten Worte wieder. T 
lerat die Stelle, überlegte sichs dann und bringt 
dassene an die richtige Stolle; k lie^t die Handbc- 
die er fll>erhaupt gern würdigt, hevor er den Text 
lod »teilt dann die Ordnung her; die Vorlagen der 
Handachriflen gelten die Stelle entweder wie T 
X, so dass sich in den Absi-iiriften keine ä|Hir des 
jmß mehr tindet. 

Tcrkennc nicht die Schwerigkeiten dieser Unter- 
roD Bern, unter einen wieder höher aufgerückten 
frech iedenbeiten zwischen Bern, und M .sind stellen- 
r griHs: allein Bern, ist naebtiUsig abgeschrieben 




2iO Sit^tifuf tier ithiloa.-phiM. ClnMf. mw 'k Mnt J883. 



aus einer Vorlage mit wisammenhanRender Schrift.. wi# zeigt') 
I 82 quam sat usi» peto t'flr quam safus Japcto^ 1 150 agi\ 
en für Astraea. ^Vic jrt'ht er da l»ei der Wurttreniiiing 7.n 
Werke? Kr ändert, sn bald er nicht fiiif den ersten Blick 
den Sinn erkennt: I KU tuis fitr vi vis, 191 in se für ense, 
197 vivos Rir ^«i tw», lOH ftlr feriiate: erit aie und Über 
n/ ein n, damit das Wrirt ftrtij^ ist. It '> accelrrat für 
caefarat; III 4it erkennt er nnchtriif^lich den Sinn und steUt 
ihn h^r, allein zuentt liat er aus levt^s tTertiis gemacht 
se rectus" ; 46 5» tW/r ttli* .säe Uli. Wer ho wenig gi!wia»en- 
haft rnpiei-te, dem dürfen wir wohl auch grössere Aenifcr- 
ung<*n zutnmen, wo es die Stelle mit sich I>ra<*htif. Noil 
Äeigt uni* 1 VM), wo Bern, corpus, M und A corpus tW 
vkIhhs, e nur vuitttts hat. ihtss wir auch ftir dieiten hoher 
gi'riSckU'u A Varirtnt*^n aniiHhiuea inü-ssen ; was ist nun na- 
türlicher, als dass ein so fifichtiger Arbeiter, wie der von 
Bern, gewesen ist, RandhomerkungL'M ohne Bedenken aflf- 
iiininit und die Wahrheit untt-rdrückt? Miutste auf Aitsfi 
Weise nicht ein grosser l'nterHchie<J zwischen Bern, an^ 
einer gewissen hatVr gearbeiteten AUft^britt, ans der diBB 
M etc. stammen, j-n^tehenV 

Allein, wii* gt-sagt, dit'se Aufäbi^lluug ist so kühn, da* 
sie auf da» jetzt vorliegende Material mit Sicherheit niclil 
begrllndet werden kann; aber andrei*scits ist die Wahrscheio* 
lichkeit duch wieder so gross, dass sie nicht von vorneherein 
von der Hand zu weisen ist. Es konunt alles darauf an- 
ob sich in andern Handschriften weitere Anzeichen tiiiden. 
Dabei ist auf da-* Alter d«>r Schrift wenig (lewicht zn legpfl- 
Denn wie wenig '>0 — 10(J Jahre — abgesehen von der w^ 
liegondnn Möglichkeit eines IrrtuiuH bei der Schät7.un§; ^ 
AlttTs — für den Wt-rt einer Handschrift, ausmachen, w«Heii 
wir Hi>f()rt an einem weitem Bnichstnck sehen. 



11 Bio(te hat in aeiner Collation diese und einif^e der (oigf^** 
Fühler wej;jf*']iwseD. 



IleUmuth: l'rhfr BrwcÄjrfficJiv um Oruh ^feU^morjihoae^t. 241 

l>iV Handschrift Xo. 2;-i(il2 der Miinchein-r 
bibliitlhek !wsU?lit aus 5 Jleibiii zu je 4 Duiijielljliittern 
»«n It* cm Höhe 11 cm Breite, von denen nur dns erste 
HiilIiMfttt fehlt. Auf d«r Seite genau je 4t) Vtrse in Solirift- 
cnlumnen von IR'.s resp. (i— 7 rm zählentl unthiilfc sie X 2H'A 
'"< XIV 744). Da-ss daä Pergament in weit grixsserm Forinut 
*cliuii v<irher gebraucht war, zeigt sich deutlich in Linien, 
4p. unf einzelnen BUittern zu tief eingedrML'kt, niflit zu tilgen 
wwti ond zur jetzigen engen Schrift nicht entfernt jJiLwen, 
wwie in den nicht mehr le-baren Ilesten grosser roter und 
»wliwarzer Buchstaben , die auf einigen Hlätterii Ober die 
Hiinfi..T reichen. Die Schrift trügt den ("harakter des XHI. 
'■hrhiuidert/i, i^it sehr klein, u)ier genau und sorgfältig; uiit 
Aaimdune dtet ewttfn Blattes hat die Deutlichkeit weder durch 
Nwe noch ^onstwie gelitten. 

Die Handschrift gehört zur Familie der l>ekannten — 
teilt ttlle Lesarten von A mit Ansnuhme von Nachlilssig- 
»«it«i und einigen zu bespreidiyndeii Ahwrichiingeii — und 
*chli««l sich aufs engst** an M an. Bezeichnend sind zu- 
''iclwt wietier die Kigennamen, weil an ihn^n sf)Wohl die 
Tretii' des Al)tH:hreibers, als auch die Art der Vorlage um 
«ieberaien sieb zeigt. Mi» ho soll diese Handschrift Mnnn- 
dais zum rnterschied von M, <lem Mareiauua, bezeichnet 
Werden — halt mit M die richtige Form fest in X 598 
otatanta gegen h e Athlttttla^ XU 34-5 biüttoris gegen i 
^'IfQuons, h hifanoriSy XIV <J1U idaltnt gegen c idalxam, \\ 
^olieen. Nur wenig oder doch weniger nU andre weichen 
W und Mo voui Hechten ab mit XU 'MS phlat/reona itir 
''Wfyraeow gegen e plhatfrruv , li phct/oti : mit X 1 1 :t7I' 
'pAwoiwi für Iphinoum gegen « tjphi.oiium, h hiomtm; mit 
^^\ 445 erhecli ftlr EcheUi gegen t ahtcli, h auccli; mit 
^11 ITtfi pifranten für Pyracmon gegen i pyruipuHm, ti 
PyaniMm; mit XII ."iM2 (lipuittitos ITir Tfepolemos gegeti « 
''■J/i/o/fiiHW, h friptoltiuus. Noch ileutliclier zeigt sich die 
ilH83. l'liilcM.-philoI. hiiit. (1. 'J.j 10 



SUtunff A«r f0iitos.-phiM. CHaase vom 5. Mat JSÄT. 

Verwandtschaft, wo M stärker vom Richtigen abweicht. MoJ 
hat in diesen Fällen das Nämliche o<Ier etwas f^nnz Aelin^ 
liebes; so XI i'A'2 M und Mo pattthostts iUr Pliantasos^ 
XII 293 für Euagros M heuuagrus — ein u ausmdiert, 
Mo heuHOffrus; XII A'.M M und Mo peJecontes für Pkai^c 
comes; XII 451 für Ämptfcidcn M orphiretcn Mo außcete 
XU 542 für Deiphohutn M u. Mo dei phoebumx Xril 25t 
fnr e^ ^/as^ora^»^ Chromiumque M u. Mo uuf die Lini« 
geiian aictordque chronuquc; \\\\ li5!( tllr Chfrsi (lotnanttj 
M 11. Mo, pherid., wähnend die undei-n Handschrift«?» AnderesJ 
bieten, in let7.tei*eni Falle beiHpietsn'eiite e cresid., h rettd,] 
Schon in älteren Zeiten wnr verderbt worden XI 7rt:i Alrri- 
rkoe Granico »ata: dafür M u. Mo alixirhoc yrarili coimtm 

XI 769 adspicit Hesperieti: dafür M u. Mo aapexit perien; 

XII 110 Eetioucas: dafür Ä sichneas, « soZrw ec/ii/omW, Ü 
Äic e< echitiiaSf Mo sie c/ e^'AioNeo«. Bis auf die Variante 
erstreckt sieh die Gleichheit XII 220, wo Iwiile ffir Eur^lf 
achreiben ettrile und an dou Rand vel ettritie. 

Das gleiche Verhältnis zeigt sich bei ganz äuAnerlicbfii 
Fehlern; beide stellen die Verae um: XIU iH}5, 934; 953, 
954; bewahren aber die Ordnung 95(>— 959; XI 314, 315; 

XIII 840, 847, an welchen SteUen die übrigen bekaiinlffl 
Handschriften sie verkehren; XU 338. 334 verwechseln M n"* 
Mo die Sc hhiss Worte in ganz Kinnloser Weise. Von ''•'' 
Unzahl gleicher LeHartcn können nur einige der mf" 
fallendsten hier Platz finden und zwar wichet ^i denen l'i'*' 
her die Autorität von M allein für die Aufnahme in dt* 
Text eutecheidend war: X 589 590 decorem tnirtUur w«^* 
ei gegen dccoris wirator nmgis est ; X 596 simulatas tw^f ' 
umbras gegen simiUm dat et inßcit utuhram; XI (>97 (««//•» 
fuit utile gegen tecum f. u. T und Ä, {uit hoc /". m. «, /**' 
ah f. u. ?; XJ 747 tuftc iacet urida maria gegen tunc v^ 
tuta maHs; XIII 1S4 eratit gegen sunt; XllI 3S3re;w/<"' 
gegen tunc oder tum p.; XUl 081 tianstulit gegen «liO"»''' 



BeUmuih: Ueher Bruclatwiif von (hidu Metnmurjtlumr». 243 

in 7ri2 valülnque cupiäine ^e^en nostrigne c. ; XIII 770 

^fulam ... ad Avtnen gt'gen Siniluin ... in aequor. Vmi 

fehlem, die beide Hiindschriflen teuren, sollen mir einige 

ifUtz Riidea, die r^chnerlic-Iii a^itfullig s'nv] und dii> ich tiur 

"ww M erwähnt finde: XII S70 hrentm ptctus für laterum 

froteiH. XIII 694 per inrrtia vuhcra ftlr per fortta pectora. 

111853 soUdo..orbi fiir soli..orbis. XIII Öt>7 furcns 

ftr rfpMrt». XIV öö8 liutjuae ftlr Spinae. Diisa keine der 

btltannÜMi Uaudschritten M iiüher steht als jVo, beweisen XIV 

85 amans est laesa et feminu; XIV 39U /o^'ä ascendere; 

l*»(Ieu Stellen stiumen wolil h niid e in einem »nul dem 

uiit M Fibereiti. M u ubnr in jedem Buclistuheu. 

Diei« Uebcreiustimmung der beiden Hauilschriften rührt 

einer gemein sainen Vorlage her. An imdeutlich 

«.hripbenen und verilorbeiien Stadien und einzelnen Bindi 

IfUbeij »*dien wir beide straucliehi. XI <»83 stellt in M a 

^'»n altrici Ober einem unKnidiert«n Bueh.<ta)>en , in Mo iät 

aiw ultrici hergestellt- XUl lit7 wiir '?isii et iutrata e>t* 

phlfttbttr, M machte duruiib nach dem ungefilhren ^^inn et 

vta est, Mti siebt sieh die Hiichstubeii genauer un nnd gibt 

>«» Iota, Ulier o setjtt er nuch «. XIII 274 wurde arsuris 

■Kht Ter^landen : M hat assyrüs^ Moein Mittelding '/wi«<chen 

ii^ris und nr.^yrtV. XII 241 rertafitnqne omiws uuo orc nrnm 

'■"■»irj loqHuntur wies das Original über omnes das Cilo?weni 

**'Ktil auf: M nnd Mit iiehnieii fs in ilen Text, M sorgt für 

*•■ VersiuaMS und läüst das eine arma weg, Mu sehreibt 

*llfti unbekümmert uni den zu langen Vers; XIV 24 findet 

''^ in M für finequf, ttil eine Lesart, deren KnUtehinig an 

I^M ftlr nich unerklärlich ist, et veqttc »il: Mo schreibt 

"Tst rt fitte vit, verbessert dies dann, indem er neque über 

'*'*? whreibt; wenn die« so im Original »d^and, erklärt sich 

iwr Irrtum von M; Mo t-rkenjit schlit'ssllfh den Sinn der 

^irrectur und 8chreibl da« Richtige an den lUnd. XII 

l^iä war eruit verdfirben und allenfalls heurit geworden: 



Ifi* 



244 SitiHtuf tier jihiJos.-philtjJ. Clatiiv cowt 5. Mai lfts3. 



AI macht daraus hauriity Mo hauserat. XII 19!> stiin< 
von utque des Toraiisgeh enden Verst-N so zwischen 'ieti 
Zeilen, da«* M und Mo es an sini iinschlicwen ; M ritdiert 
ee kU HtJirend weg, Mo iässt es. XIII 718 war von inrita 
r »luigefiiDer : heido lnKsen es bei iiii/a; die andern llau^ 
Hcliriften I>iet<*n impin. XIII^ 1H2 liNon beide itxit ffir iersit. 
Der Vers XIV :i(>2 stjind am Kund: M sU.'llt ilin vor 201 
Ml) über-iiehi ihu anfangs, schiebt ihn dann erst norb 2lA 
ein. Aus der Art, wie die li«eiden Schreil>er sich über die 
liier anj^efCihrlen Verlej^eiiheiten wpf^halfen, IiL*wt -dch z\\^\*fk'h 
ein Schluäs auf die Vertrauens wlJrdijfkeit ziehen. Dieser 
wird nicht zu Ungnnsten von M o ausfallen ; denn witbrwid 
M sirh durch Aendoningen hilft, pebt Mo mei:ft, wna er 
findet, mit ^rös!*ter (tcwisseiihaitigkeit. 

Eä entsteht nun die Frage, ob beide Handpu^hnTti^n 
nnmitt^^lbar ans einem gemeinHchaftlichen Originale ah^e- 
schriebnn r-ind. Diese Frage ist zu verneinen; denn wäre 
es der Fall, so mils»t^ Mo tX» die später f;ej*chricbene an 
allen Stellen , wo M dax Ursprtln gliche nicht mehr zu er- 
kennen veniiiig. elieiifiiUs irren, und, vun Nuchlil'wij(Vöi»'n 
abge(*elieii , idle grijssern , auf Verdimkeliuig der Wührl'^'* 
im Original bernhernlen Irrtümer rait M t^len. Dif* i^ 
jibpr kt'ineHw*'^^^ der Fall , es Hndcn sich in M eine Hfll'*" 
w^hwerer VerderbTils.se dieser Art wie, um einige iler ffii'^*' 
tig>d;en herzusetzen : X 653 sutnnui celeris pmdehat ar^" 
für sumniatn ceferi prde lihat ftartmam. X tHiO attdiat W 
yauäeat. XI ii45 poptdis iilii pU-bique per hifbam Wr 
popnlos aiii phhevujuf ptr^rrnitif. XII '42} iusf-Ttis fh^^*^ 
Ulo für inscrit aniento tiiyifos. XIV 59 mcdiamque tc*'^ 
desctmht iti iilntm Itir mtdinque tt^ms dcsrcndtrrat aho: 'i'*"' 
allen diesen zeigt Mo keine Hpur ; es können uh*o in seio'^'' 
Vorlage diewe Vervlerbnisse auch in ihren Anföngeo ww'' 
vorhiuiden gewesen »ein; »«jnueb mtisä das Original von '""^ 
abgeaehriebeu worden sein , bevor jene Fehler ent-H»!"»'" 



UtUtMHth: Ceber Jtruchxtßcke vou OtidM MeUimtjrj^tosrH. 245 

sind, also geraume Zoit vor der Ent^tehun^^ von M. Djlss 
(lorttDolii noch nidifc aüe Fehler getil^ waren . die durch 
fiilwhc TrenniJiiji; der Würter bei der Abschritt aus der zu- 
Nuiiniaihängendiui tSchrift von A leicht entstehen konnten und 
in [j und Bern, so /.nlilrcich sich Hnden, zeigt z.B. X (»71 Mo 
inctHrae monita für iactu remorntn ; zur Zeit von M war die 
jjjchtige Trennu«)? vo]l7/>gen. 

Dietie wohl in das X. .luhrhniidert zu verle)i^eiide Haiid- 
«hrift enthielt als Corrwrtur oder Variante manches, wa» 
Q in X und Mo tu Jen Text aulgenomnien wurde; denn 
iiir Ruf ilii-se Weise, nicht aber durch eine / tmbi?Mtehende 
'Wi^chenstule Ia.<uen sich die wenigen Anklänge von Mo an 
* erklären, die den Abweichungen bei4ler Handstrhriften an 
Zahl und Gewicht bei weitem nicht (gleich kommen. Als 
lutuJIig betrachte it:li. iJass in K und M (» \[ 411 4:^2 fortes 
l4 vetitos die Stellen tiuiM'hen. Auf GloKiten des geniein- 
OrijfiuiiU tn5(!hte icli /.urückffihreu X .'iO^^ phirahimus 
ffir plm^.ul/iiis int, XI 7»'» quaccumque für uf quaeque^ 
I 543 quod cniquc f(ir quödcwique. Wenn an dii-sen 
Üen X und Mo irren, so mögen nie an andern Stellen 
m M die richtige Ueberliefnrmij; bewahren. Jedenfalls 
iden niK-h und schon die Verse XIl 2110, 2'M. die jetzt, 
'nt in M ausgelosi^n. als unächt erklärt werden, im Texte 
"i xwar 230 mit heros, wie Mo und X geben, nicht mit 
f' wie e h. Gewiss auch XII 170 nutvcntur, nicht f'cruntur 
Sehr wahntcheinlich haben Mo und X, nicht M, die 
'prüngliche Lesart bewahrt in X 345 ultra mtteni sperurpy 
mich 7' hat, gegen .M ultra ant respectare, XI 2iSl 
^1" und X tjeliilo, M rif/Uio, XI ür>i) Mti und X ponto, 
" Mio: ich wenigstens würde au diet«en Stellen auch ohne 
Moilip von ihm vertretene Lesart al« die ge.scbmack vollere, der 
, ' 't'iatiou entsprechendere aufgcnoniiuen haben: vun seiucr Au- 
[l^rität bestärkt, die nat^h den obigt^n .Ausfllhningen nicht ge- 



240 Sitzung tier jihUnA.-phitnt. Ctmtur vom 5. Mai 1883. 



An diesen Stellen iulb<s(>ii wir iinnebnien, (Ins* heiil 
Iie»)rten gleit^hsiLm zur Auswahl in der Vorlage -ttandeOi 
^i^ niHg dios sonderbar erscheinen, allein wir werden nocVi 
üiler äu dieser Aunahmt' K'^nüt-igt worden. Dass es so wilt, 
mö^'»» einntweilen folgende Stellen beweisen. XIII 235 zci^ 
Mo rcposco rc/undo von der nämlichen Haud uebea einantiei 
geschrieben, als ob beide in dtm Text gehorten, erst eiui 
zweite Hund »etzt hiut4^r reposco Punkt und bezeichnet re- 
fundo mit übergeschriebenem vel als Variante. Daa an da 
Stelle gehörige repotio hat elienfulls noch im Original ge- 
standen, woher sollte es sonst T hnben? XI 386 war disicU 
nicht verstanden und geändert worden; X schreibt dissidi 
und verbessert dciecity Mo dissecat^ corrigiert disicit. XII 
72 i war trihtis weggeblieben: obwohl es leicht zu ergänxei 
war, versuchte luan doch auch muitis; M beachtet die Er 
gänzungen nicht und lä-^t das Wort weg, M o schreibt w 
erst mulfis^ dann iribits darüber. Am Schlnss dit^sod VbwH 
staud lint/uis und pimiis zur Auswahl: M schreibt beide. SC 
nur errteres. Umgekehrt hat XIV 553 M nur lingnae. M 
Spinae nnd iinguue. XIII 757 haben M und }\o praes&Uior prac 
stanlior, jeder das eine oder andre am liande, aber von ereWl 
Hand. XIII «iI9 hat M voce darüber more^ Mo blos VQCt 
aber an Stelle eines ausnidiert*?n Wortes. XIII 914 war 
humeros und tegcntem im Original genmcht humeris tfrrvtt 
tem: dies schreiben M und Mo zuerst; Mo aber macht ai* 
ffereuiem tegentem, schreibt darüber vel terenteni^ an d 
Kand setzt er humeros. X Mi wurde optet flir einen Ve** 
atoHs gegen die ZeiteufoLge gehalten imd geändert: M Dchni' 
opfaret, radiert ar wieder weg, Mu vcllei. 

Doch kann an letzterer Stelle die Lesart von Mo *' 
der zwi-schen dem Original und Mo notwendig Iie)!en<i* 
Zwischenstufe oder vom Schreiber • Mo 's herrühren. I'' 
nämliche Möglit;hkeit der tjuelle haben wir ffSr Lesarten, ov 
sich sonst nirgends finden: X 035 cotmbia für atbiUa, X Öi» 



lifOrnitth: Ueber Brwc/Mrfftcjte von Ovid« Mctnmorpfiogen. 247 

fmaterque paterque fflr populusque p'tterque. XI 9 sanguine 
filr üulnere^ 11 rctentus, dtis am St^hluas ftSr das weggelassene 
nr.tHs ergUnzt ist, Sf 2l>l /actVs f(lr formas^ XI 3Ö3 opcrta 
obsrssa, \1 42M a^i're für üA^55tf. 

Andre nnffallcude Abweichungen fiinden auch Heinsius 

uihJ Loebrs in den von ihnen benutzten Handschriften; sie 

mögw also älteren Uraprnngs sein. AU solche sind zu 

n«ruien: X fi8i) lihitto i'dt cupido, XI 297 tuendae fülr te- 

ftemiai:, XI 49t> undarum für ventorum. Allein die An- 

tfsben über die Haudnchnften aind zu lückenhaft, daher die 

Syicu %\i wenig. uU dass sich Schlllsse ziehen Hessen. In 

RuiiL-lien Päilen bildet die Lesart von Mo die Zwischenstufe 

«wischen dem, wa« st<*hen »dl, iinil den Jüngern HundMchriftcn. 

SUtt X 285 tractataque poUicc nvdtas hat Mo mit ver- 

ÜDdeiter Wortfolge multftsqtu- pollice tractata; g nehmen 

Ulf da» Metrum BediLcht und schreiben tracta. XI 555 hat 

*Wt cvertent Mo evertiret, c everteret. XI 035 stritt illic 

fMÜjtuiiM M o iUo quisquis, daraus visos, am Itande vel 

JWKU; c iUo iussos- XIII HMH statt emferat Mo comperat^ 

\^fO}npnrat. XI V 28ö statt c/a«dor Aar« Mo «ra, diirfiher «i 

"Wfra; « macht daraus durch Uuihteilung der Worte in antra 

*•«. XI 290 statt Peleusquc Mo et pekus, g pelevs allein. 

Nun ist die Handschrift durchweg corrigiert nnd zwar 

^'niptjtt von dem. der sie ges4'lirielnm hat; allenthalben hat 

^ ^'»jrte, die weniger deutlich gestdirieben waren, am Rande 

"ederholt, kleine Verschreibungen. undeutliche Buchstaben 

Boor der Zeile richtig gestellt. Allein nicht minder oft hat 

einer L».*p»rt eine andre mit vel ungefügl. oder auch die 

"•! getilgt und durch eine andre ersetzt; häufig ist dies 

lieh von einer zweiten, der ersten sehr ähnUchen Hand ge- 

i; 8elteu findet sich eine dritte spätere. Solche C-orrec- 

i«tttn, Tor allem die von anderer llnnd als der des Schreibers, 

gen Verdacht, da durch sie ja iirsprOnglich die Inter- 

Hwionen eingefllhrt wurden. Aber niwh ihrer ganzen Art 



Sittung der pfiiltm.-ji 



7n«w ruffi .5. 



ist ilie;*er Verdacht hier uicht am Platze: .deon sie bcst-hrä 
«ich frtst ansschliesslic^h auf schon bekAnnte Lesarten. 
HD wiMiig Sk'lli'ii )4e)nMi sie eij(ene Krtindung. uiul diese 
wenigen Stellen sind uxa so intercs-santer , uU sie beweisen,! 
düiw die C«ri*«Kt<»reu, wenigstem* der erste, als« der Sclireil»t?r 
des Uucheä, uud der «weite, der Zeit uueh wenig ventchiedene, 
nicht nach einer fremden lledaction verbesserten, sondern 
uaeh dem Original , aus dem die Handschrift abge-schrteben 
ist. XU ö8M war übt has ium iam im Original schnn uu- 
richtig, und die er^te Hiuid lititte geschrieben 14^1 hasciacai. 
Von anderen Handschriften lassen h has, M e ein iam weg, 
aber sie kennen doch bereits die richtige Trennung; wän* 
dem Corrector eine die-^er Handschriften zu liei>ute gestanden. 
80 wäre es ihm nicht schwer geworden da?* Kichtige zu Knd«. 
wie er au<di wenige Verse vorher 509 wns ht^cnlcs (>K) anth M) 
orhodie richtig hercuUs rhoiliw. hergest<dlt hat. Allein 
liier war er auf ^eine Krtiiidungsgabe »ngeHieseu ujid bringt 
Uareh Unißtelhing der Worte und möglichste Benützung der 
vorhandenen Buchstaben ku Stande odhuf. dubitas, XlM 
t)8(> hatte die erste Hand zwar richtig geschriebeu gW* 
füret Uta, allein das war schwer zu verstehen ; auch mig <^ 
im Original niilit recht deutlich gewoäen sein, da auch M 
irrt um! fertit Ulac schreibt : wäre durch eine antlre Hand- 
schrift die Lesart bestätigt worden, — von keiner mwlen» 
wird eine Abweichung berichtet — 80 hätten sie sich «"»^^ 
berubigt; su aber iindeni sie quae sit fortvna. Uie drifct« 
spätere Uuud, die alwr xiemiich selten ist und mit viel Z»' 
versieht mit Kiemlicii grossen Buchstaben uud daher UKi^ 
am untern Hand corrigiert . bat wahrscheiulich eine d*' 
jüngeren Handschriften zur (.Quelle: XII 192 hatte die ep*f 
Hand mit M die aus IX li> genomuieiie Variante muUorvf*' 
que fuit apcs iftvidiosu procorum geschrieben, aber verbes*'^ 
rnullontm frustra volis optata procorum; die dritte Ha"" 
stellt die i^esart vou M, die viide jüngere HamUchrift«'' 



UtUmuth: Ueber Bruchstücke n*fi Orids Mtfanrnruhtsrn. t219 



^ 



telen, am Hnnde wieder her. Xdl '.\'V.\^ wo oftenbar zu zwei 
editen Hulbversen einige andere biiizn^edichbet ira Orij^iiiale 
m RiUide stand eil , but dit^ erst« Hund diLruns nur tMiien 
Vp^gen<^nlnlen, der spätere CurrectA^r setzt auch einen zweiten 
«n den Hand und zwar mit dem schwächsten interpoliei-tcn 
HalUers, den weder e nocli b, woht aber einige Hiind- 
•^hrifti^n von liöbr?; ki-nnen» te tamrii aggrvdinr nee iituUns 
«pero rcluiqunr. XIIl iKK» war zu kaerct aU whwer ver- 
bindlich, die KrklärmiK duf'itai getreten, die in den Vers 
uatfirUch nicht pa-'^st: die dritte Hund tilgt fiaeret und ^etzt 
HiifQr mit h tirdct\ t hat ardcns. X 501) hat dem richtigen 
^niMlatus die .-rpatere Hand die in € stehende liiterpohiiion 
.timilmi dat Iteigefügt. X (ifll hatte die erj^te Hand Iftr 
lunmiis mit ühnlicbeni Irrtnni wie M htwiinin gi-sihriiilien, 
Mt> nifmmi«; daraus ist nach A e AiwiiK« bergestetlt. XI ;^15 
^nd im Original am liaude: M ljb*st ilm weg, X c setzen 
Üw vor ;U4, Mn bat ihn an ricbtigiT .Stcllf, dit- spätere 
a&Dil sucht durch Zeichen am Rande die Onlniing wie in 
•« emznführen. Den noch nicht geheilten Vera XI 714 
nittcMo wie M gegeben: quae dum tota locis rcminisettt4r 
*''u fretumquex fiber der Zeile und am H»n<le he«t mau von 
"lÄterer Hund nach T Ä c: dumque twfat octdis XU l*J7, 
•»-2, 521 hatte Mo mit M /htvmqite , moraius, est ge- 
*nrieb('n : die 8|«lt<'re Hnnd üiidert twrtonque (A iH'ruqwe^ 
< niHriiniquc), locutus (h e) nml fuvrat (b «). XU 54l> hat 
"b" fide di gessit, M /irfe d'njessity M o fide iijessit, die späte 
W«ini er-*ty.t i am Kande nach h e durch quoquv. XHI ROü 
'^'^bt jii vfUem tibi dctncre posseJn von si)äterer Hand am 
''^nilc nach h € si posscm detmre. vclUin; XIV 187 zn a 
^^tn imeh U € al acerbu. 

Von diesem späteren Corrector, dem es um die Ver- 
"•*pning des Textes xii thun war, dnd tue beiden ersten 
''<>rre('.toren in ihrer Absicht weit ver8chie<len; sie wollten 
^^t Alles geben^ was sie im Originale landen. Dies steigt 



2.M) SiUung Her philog.i^Hoi. Clasw vom A. Mai 1863. 



i 



häufig Hie Sinnlosigkeit der Correctur. KürXlI im fjravtni . . . 
terrnm hiit M ifrave . . . ferrum, Mo schreibt ziierHt ffrnvrm . . , 
ferriim, setzt (tber d'w Zeih* vc . . icrram. Für XIII 472 ro 
(iimut ins. . . . scpulchri hat M rcdimutis . . . stpulchruw^ 
Mo schreibt reditnatis . . . sepulcMri, ritdiert is ann^ setct 
jus an die St*dle, über dii^s jetzt richtige sepulchri «her cAr««. 
All beiden Stellen hat der Oorrector von M o den Sinn offen- 
bar nicht erkannt, sondern dem Leser die Auswahl über- 
lassen wollen zwischen den Leearten, die er Torfand. FOr 
XIII 1)14 pectora lassoni hnt M tcmpora iactant , Mo 
hat pectora ül)er einem aiisradierteu \Vurte, nebrn Itmant 
jaciani. Häufig hat er dtis Richtige geschriel>en. kann sich 
aber nicht entflchliesscn, wn.s nebenun steht, zu nnterdrftcktn. 
Si) hat Mo X (i97 an Sfi/gia unda richtig gegeben, da aber 
M ad Styyias Jtndas hat. steht aach in Mo Styijias utidas 
Über der Zeile. XIII fUO steht neben dein richtigen («- 
ttcnfcm mit M teiieret\ XIV 511 neben mcdiaque tcttus i\fS' 
cendeiat ah-o mit Mh mcdianiquc tcnus dcscendii in almM : 
121 neben nimca mit Mh cumunwi ; XIV 561 uuter Ri^ 
81 qua vehehtit cichivos mit M h nisi qttae vtfiiebat Ackivis 
Haben hier Hie Uorrectoren eine spätere Interpolation 
neben der Wahrheit zu Woite kommen lassen, so hiibpn sii« 
mit der nllnilichen Gewissenbiiftigkeit auch der AVuhrlit^i* 
zu ihrem Kechl« verbtdfen, wo sie venlimkelt wonleu fft*^ 
lind Her StlireiKMT sicli zam Irrthnm hatte verleiten las,-*" > 
wie: XIII 59, wo Danaum (Teh) in Danaant, XIV t>2, woJ 
cccropidum (bei in eecropum verbessert ist. Sie verboawm 
nicht nur, wo der Schreiber eine späte Interpoloti<)n aul>f^ 
nomnieu, wie X 418 com7»is.fO ffir rcitvlato; XI 48 ottstru^ 
fUr ohscura, Aas später Geltung gewonnen hat; sondern «** 
y^i^eii unr* aiurh, dHif.s M nicht selten mit der rulsehaoff 
sich begnügt luit, wo ebenso wohl das Wuhre noch imOn* 
ginal zu Hnden war. An mehr als 40 Stellen hat Mo ^ 
nämliche Lesart wie M ge^chrielK-n, dann aber teib *I^ 



I 



HMmttth: Ueher BntcJustÜcice ron Omln HHumorjjttosen. 2öl 

Tectur teiU als Vuriunte mit vel die richti|3fe Leäurt tin* 
Igt, welche im Original nobeu der von M Hngenoiunieaen 
icliti^eii f^eHtaiiden war. Nur einige sollen hier Platz Kndeu ; 
S7 hüben M Xt)hstiHf: ebenwi Mo, diinpheii os petiL XII 18 
M prod'ujHS auctor, Mo niiicht dumus proindits augttr; 
23<i M surgcns^ Mo darflber vasium; XIII 19 M 
ptautinis. Mo darfilier cfirtaminis. XIII 101 hut M ^vie 
(rfaL^ch gelenen nunc für Ammc, ebenso Mo. darfiber aber 
t. XIII 83@ bat M exime und darnl>er tolle, Mo am 
iHp uueh diiN gewiss nicht verptaiidene exere; XIV 21 M 
I, Mo diirüber uuch ntove; XIV 28 M videntem, Mo 
fiher volentem; XIV 7U0 M iynibuSj Mo darüber vd 

Wozu das AllesV Es zeigt uns, wie es mit der ge- 
»etieii Tretie von M steht. M hat so gilt wie Mo in 
ler Vorlage beide Lesarteu : er nimmt davon, sei es auf;' 
radrwohl, S4'\ es mit Ueberlegimg, die eine und nnterdrücltt 

ander»'. Geht Mo nicht soi^ altiger zw Werke V Andre 
\v lassen die« noch klarer erscheinen. XII 5f>l stoind im 

[inal ziemlich imdeiitlich jtwffiiur: M schreibt funffitur, 
tht aber durch Tilgung einiger Striche da.'^ dem Sinne 
li nngefiihr passende /ji/i7i*r daraus; Mo schreibt ebcnfulL-* 
pUir^ macht daraiL'« (inyUur, über die Zeile aber schreibt 
t*i\ juntfitur. In den Vers XIII -MVA imniergitqne wattus 

'ataquv sanguittc sontis hatte bich das Cylo-^em oculis 

■Hfiblichen : M richtet Hich den Vers zurecht, lä.*^st xa»- 

Me Weg und iiiulert den jetzt winnloKen Genitiv; Mo nimmt 

!»« ebenfalU auf. ändert nicht-^ iiud setzt am Schluss über 

Xt'ile dad wt^gehis;*ene r^nugiiinc. XIII lUl) .4jmd wohl 

äuhioqite diu, im Original duhiognc diu, was Mo hat; 

sinnlüHC Abhitiv wurde zum Nominativ dubiuaqta-, wie 
tiud Mo ober erBterem hat; M geht noch einen Srhritt 
(ter mit dtttnusqtw fui. XIII tJliO und XIV 369 könnte 
euolia und dcsertum in M für Versehen halten ; wenn 



252 SiUnnff der phänit.-pUiM. Claitw ntm A. Mai SH8.1. 



M o Ml)*?r vudhia und hiii Hüiitle eiihoea , desertutn vel den- 
setur hat, so sehen wir, diiws es Cori"ecturen im (h-ii^iMl 
wiirc-n, dio M mit Unt<T(lrUcktin^ des Richtigen nnf'tiiuimt. 
Wuiu XIV H81 und 143 Mo mit M luiüyeram nn^cofjeiam 
ifichreibt, aber Jantyeuam luid Citietam verbe»«ert, i^ wird 
wohl Niemand zweifelhaft sein, wer mehr Vertrunen verdieat. 
F(ir den Hrj^tand des Texto« bietet diese Hanclschrift 
nichtK Neufs; wohl über dürft« ihre Autorität binreiebe« 
Hchoii bekannten, aber d\irt*h da^ Überlegene Gewicht wa 
M zurückgedrängten Le:*nrt.en zur («oltiinn^ zu verhi^lfen 
(nüinlicl) X fJu2. ^153 petendo coiiaibitus vetitos gegfo Jt 
jtoteiitis concuhitu vetUo. XI 83 porreciaqtte gegen iv 
U]is«g](lckten Versuche aiu* loiiffOS quoquc (M A h f) etwa» 
herunsÄufinden, was dem Sinne nur annähernd so woM ent- 
spnw'.he als porrcctnqnc. \\\ -152 occnhuil gejjen Mih 
aecuhtiit, XIII 5t)2 valetifem >f*'K^'" ^^ nocetitetn, h poffi*' 
fem) : wie sie andern länj^wt in den Text Hufj^enoiiMiiiiien 
Lesarte«, dii* vun freiten der bisher zur TexteMj^estiiltmi^; 
herangezogenen HandHchrifteii eine Oiewahr nicht gefiindet» 
haben, eine solche verleiht; es siud dies: X <i8l diffnan^ 
cui ge^n A diffiia ncc ut. X 733 phtvio gegen A /u/fÄ?- 

XI 117 possct gegen \ posstt. XI 381 Sita gegeu Mh *«<•• 
e aui. XI 4(14 praetcrque g^en A pariUrque, da» K ** 
ebenlttlls kennt, aber als Variante gibt. XI 512 admtsrfi*^ 
gegen M mniserat , Ac commisertif XI l)2tj aetjm'«*' 
gegen A aequant. XII 124 repulsa gegen A rctuh^'- 

XII 427 iifcuit gegen A arguit. Xlll 130 potrrttnur ^tt^'t^«» 
A poiiremur. 2(>1 qttlque minus gegen M quatque wäih^ä' 
e quinque inonus. 3<)2 Ulis gegeu A i///. 707 aquo ße|r^^ 
A aqmttH. 905 t«r«w . . . membris gegen A res/ri* . - 
silvis. 028 sedtda ge^eu M«:ff»*ii(c. XIV 329 J/wo (?eg«?* 
M alo^ c tilbo. 4<M /^los gegen A Jlion. 473 reftrff^^ 
g^en A n'fermn. 484 crroris gegen Ä terrorU. 041 p<^ 
lerentur gegen A />o^tV. 724 /«» gegen M h /iW, £ «lAi. 



I 



1 



HcHutulh: Vtbtr Bravinläule ron Orid» MrtuumrjjJto^n. 25o 

Ks sind die« zwar meist nur KIeii)iffk«it«n, abor «ichte 
Bwoni^er zeigen sie, <h&^ Mo trotz -seinee! jtlngereu Alters 
\i\ zurückzutreten brancht ffc^^cii seine lilt-em Genossen M 
T. Aliergorade da-J ist vnn Wichtipfkeit; denn, sin limffe 
( iitilicstritU'n iils relutiv btwte tintt itii itll^enieitieu gute 
Mie %\\i^ ist nicht Ku erwarten, diLSd die. wie L gezeifj^t 
At, recht wohl lui^^liche und nötige Feststellung des 
Vxtes mit' neuer breiterer Uriindla^e inw Aujfe 
littst werde. 

■ Es soll daher hier noch dnrch wenigre Stellen die Ueihen- 
%f der :l Handsehrift^'n M. Mo und T iineh ihrem Werte 
^deutlicheres Licht p'esiitzt wenlen. Uass sie alle nicht 
dtMi höber al» in diia VUl. Jahrhundert aufy.arnekenden 
limiicm eine spftt<*re Hnnilschritt als ^jeniHnsanic (.Quelle 
fii, ist oifenbar. weil >He Vers<^ ver«t4'Ilen , die in den 
■m Hand.schrifben ihre Stelle bewahrt haben. XIll 954 
in diesem Original am Rande: in M und Mo fand er 
Wii Phitz hinter it.S*,, in T vur 115:*: ebenso XIV 5; M 
ilh ihn vor 4, Mo lösst ihn wej^, T »teilt ihn richtig, 
pt aber dnrch an den Uand gesetzte Zeichen^ dam er der 
h ihm herjfestcllten Ordnung nicht sieher ist. XIII 45ß 
alle ■\ utque fHlr iuqm\ M und Mo ändern al»er n(»eh 
er inin'un viiltu. wiw T ieathält, itu lumiui' vultus. XIII 
schreibt T mxh anstindsios rifdops me(1i»sqi4e fesedit', 
findet den Vers rvchon verdorben , whreibt cifclopsqt4e 
iacstus und tri^'t mahosque um Itj»nde nach; M findet 
TDf ctfclopa mediosque per aestus. XIll Ü94 !iat T 
mit h'iclitcni Knlder fhmisso /«r fvrfia prrforn ff^h^ 
hat L»ereits die Intt-r^iolation per inrrtitt vuhwrn, M ebenso 
noch dtMisso. 

Nach diesen Stellen mochte e.i scheinen . aU wär»^ T 
zu stellen luid M inid M o cinünrit'r nälier zu nicken; 
T hat nur, wie er iiboriuLiijjt zwiir scliim , aber ohne 
ndnis und Sorgfalt schreibt, die Aendeningen nicht 



gunif 



itng,' 



umw« pnm 



beachtet, die er sicherlich auch in seiner Vorlage schon fand 
und anderweitig geni iM^nützte. XI 774 hat Mo nocli richtig 
ceUrcmque melu celer urgH awore, M hat auffvi, iimi wtilil 
auch amorem, T mehis ccln- autjet amorcm. XU 347 erkennt 
M" nofh ffrensam^ T sthreibt sinnlos prausam, M wohl 
nicht ohne bewitsste Aemleruug pres^^/im. XIII t>78 nchreil»t 
Mo richtig antiquam matrcm cofftiafaque iussit, T tibne 
alleti Verständnis iintiquam rot/naque metiia iussit, M unliiet 
b&<uer ttHfiqua eoffnuttiquc nioi'fiiu; dies j^etzt «ueh die 2. Hiui'i 
in Mo IUI den Hund. XIII 748 schreibt Mo ohne Btxlenk«! 
die Parenthese sum tiU fida: dierse wurde später mcht «"- 
kunut, und man versuchte sie in den ZuRammenhuu^ «* 
ziehen, zunüehst durch ein vom nge-^te Utes si, diosi*s trägt lii*^ 
zweite Haud in Mo nach; T hat M schon im Text**, iuider*^ 
aber dotoris am .Schlnwsp nieht, trägt auch da« ziiernt unter--^ 
(IrUekte ^7»» über der Zeile nach: M hat die fertige Intcr-"'^ 
polatioD sie sutu fulut sorori! XIII 721 hedt Mo mit leiehteiiu^^ 
Fehler Butroios phrytfio, aber die nach M corrigierendr 
Hand schreibt an den Knnd brnh post friyio, wa« aus Heu 
HiKtbsbibon ithne grtfs><i* A<Mid4<rinig werden kann; dieH but 
T; M aber ventucht zuemt Voto ftosl; an den Rand «tri 
<!ann eine der ersten ähnliche Hand Bruto post. XIV 21'p 
hatte man moriri für uuintcinisch gehalten und schon im 
Original ttus der letzten Silbe que gemacht: M schreibt daher 
moriqm; T sieht, dass vor dem que noch mehr gestanden^ 
hatte, and schreibt sinnlos morumque; Mo hat von erstei 
Hund tnorique, der Correctnir sieht sicli die ÜHche geuaue*r -«'' 
an und trägt Über der Zeile r», am Rande tri nach. Xl^i^'^' 
i'.Mi. 4.*lli hfit Mo riclitig nurr«<« per aitnum rrisaque sunt-^^' 
T hat nur visaqtte in muUaque geändert: M und die j(lngere=^« 
MandschrifU'n haben mutata per anyum mnltnque. Ein 
/.weilelhull feststehender, aber in den Handschriften Yie\f»is=^h 
veränderter Vei-s ist XIV 2HH Indc Lumi trtrrrm Ltiestr'ji/' 

wo» er ixu 



0^ 



— r 




Hellmuth; Vfber BrurhstÜcke von (h'uU Metamor ph/mcn. 255 

1 fand, imh himi veteris {xxher iler Zeile em) laetam 
^etirigonis urbent. l'nmittelbar iJaraii stöewt difi Bcmprkung 
W(if von der Hnnd des ei'i^ten Corrtict^jis, was wollt l>esu}jfen 
rill. (losN dt»r Vers wej? jj^ehört und dafür zu lesun ist, war* 
Wbeii JUD Kande Hteht: imh iaui vctcrcm hsfrigonis in- 
mit in urh«m; am untern Kand schreibt mit grawen BucH- 
t&bpn pitiP Hpätefp Hand indc Jnni vetiTem Ineti cot/uos' 
mus ttrhr.in. T keniil- iio«di dftii Ei^üiuiiuuen Lumi , gibt 
bfr i\üs aiulrt» vcicris tatti cogvoscinms urhem, ähulich auch 

t. M geht noch weiter mit Indc intet* vcterum laeii 
osrimus url»em. 

Wer miW-ht« dem ^f'^eiiUher noch festhtilten, dass M die 
ThültnisMmiiKH]^ beste Ueberlieferung sei; wer möchte dem 
^eiiQber, da«* ein wertvedle« Fragnieiit in Leipzig bis jetzt 
ibeachtet geblieben int, nicht der }lotl'nung Ünimi geben. 
la* noch andre die jetzigen fibertreftende tjuellen gefunden 
erden V Hat Anton Kun/. f[ir die Medicamina faciei t'j4 
*■ Müli»> Wert pracKtet . rlie fitattüohe Aii/.ah] aller be- 
mnten Handutcliriften lipran/.uziehpn : sollten die Meta- 
nrpbcKen weniger gelten und die Kordenuig zu weit 
"■hen , dns.M pndlich einmal fHr eine kritinche Ausgab«' alte 
rvicbbaren Handstdirifteii imd BnicliüitUcke v»u sult:bcu 
'('angezogen werden? Freilich ist es schmer/lich eine sicher 
glaubte Basis niifzuguben, und es erfordert in diesem Falle 
cht m-ringpu Mut sich einzutaKsen auf eine /unüch.st tuich 
»begrenzte KOlle vnn Handschriften, die meist in einer Zeit 
>t«jl&nden .niud, in welcher Ovid sozusagen Modedichter war, 
>d in welcher der Text interpoliert wurde von Leuten, die 
»id» Dichtungen auswendig wiissten und eiue nicht zu 
kt(!r»cbüt7x*ude Verskuust mit einigem fü-öchmatk verbanden, 
^Ten Aeuderiingen und Niiehdifhtimgen idch also nicht auf 
so ersten Blick verraten. Aber dtws der i-odex Man'ianuM 
^«nchitset wurde, zeigt sich bei dt-r Betrachtung fast jeder 
ruu)je/xigeuen Hiiiulschrift; man winl sich daher ent- 



i: ficftientitel ttnä Üctntnaitthfihmij in ihr /iii. Koiwklir. -■'" 



PhiiüSiipliisfh - pliilologisdie Classc. 



Nachtrüirlicü xiir Sit/nnf; vnm I. Juli 16f)2. 



Htfrr A» Speiigel legt« vnr: 

.HcKiiPuti te I iiimI Set ueniibt Im- i 1 uu j;; in ili'r 
1 utein i:<chou Kiitmulic'. 

J. Sceneiititel. 

In don Aii^-gnbpii dfMi TMuiiliis finden wir aU Sct^non- 
liril't nur t\'w Nuineii dur !>|it'e(;ht>iideii IVrs<meii vtT- 
ii^hnot z. B. Mt*><nn>iudes, Stusiiiiiw, wenn eiu Dialog dieser 
Heil t'nlgt. nie Haiidsclint'ten liit^tcn tlieiU nur diiw*, * 
Wf Kiigl'-ii'h WK'li dtn l'harnkUr diT Itolk'ii wii' Si'Müx, 
lulpr«rpn-, S»»rva-4, Anrilln n. u., HiciU nur dm Ictzti-rmi 
Mu. Die Bnsühriinkiing auf riiis b1[>sse App<*ll}Ltivnni i4 
••r eine Conc<?ssinii uii die Sitte der miMlornen Hühiien- 
^tmig, die sii'li in anderen \^'rhüItMissL•u bewegt und mif 
■ffer lirimdbige V>criihfe. Die iiltt* KomtKÜe f<cheid<'t die 
»npD nmdi bMiinniten H<db>nty]ien und von ihrem Stfind- 
Wtt uiiH ist diis wicbtigcre iiiebi, dii>« liie Sprecheiideu 
«• Mi'guroiiides und Stj^simm lieibäeu, wundern (bis^ orstt'rer 
faSeoex, letzterer der SerniM ist.. Zw»r faiit die ütte.-'te 
BtW'brin:. der Anihnwiimis, wo f^ie ilk-rhaiipt <lie Scenen- 
cii enthült , nnr die IVnioneimunie« , über die?«; 
iun 7^igt Hieb hierin wie in innnehcr anderen HiiLniclit 

ne ipütere iimi geringere gegentlber den Pitlutini, iiunient- 



^3. Phih>i..-phiU)l. Imt. Cl, 2.] 



17 



258 Kaehtr. rur SUtnny tier jthiloa.-plüUjt. Clnsse rom t. Juti ]Sk 

lieh dem Vetiw Camerarii (B). Zum Beweise hiefür bniiid 
man sich nicht auf die schlechten; Schr<*ibung einzelif 
Peraonennamen im Amhrtwiiinus zu Ix-nifen wie im Tt 
numraitf Filto (u. II 4 Filla) ftir Philio, ea fol^ vor alla 
aiis (teui güii/.licheu Kehleu jener wichtigen, nuf die ältef 
Zeit zwrfickgehenden Unterscheidung der Scenen in Caiitit 
lind Oiverbia (C und DV) , welche gerade im B zahlni^ 
erhulteu ist. Der Schreiber *les A inler seiner (Quelle, dl 
tiberall daw Appellativuni wid nur dieses m };ebeu besir^ 
ist. ^erüth in Verlegenheit, wo im Stflrke ^ellc^t eine PorJ 
nicht beim Nniuen genannt ist. So verschweigt Trin. IV, j 
der Sycophant seinen woljren Namen (demi Pax V, 94 1 
nur Hcherzhaft gesagt) , mid während die anderen Hiuql 
Schriften dierie Dialugscene derf Syt'ophanten und Chamiid^ 
richtig mit Sycopkanin. Smwx ilberschreilM'n, gieht A uUTili 
der ganzen, 165 Verse enthaltenden Scene nur Charmi^ 
Anders, wiewnhl nicht besser, verfahrt in die-^eni Pi 
der Schreiber ^Ie^ l^nibinus im Terentius. Wenn diese Han^ 
schrifl im Heautontimonmieno« in der Ueberschrift zu IV^l 
Caiithara Anus hat, während die Übrigen nur Nutrix Ant 
oder tliias Nutrix geben, so ist die AutoritJU des Beuil'inl 
eine schlechte Bürgschaft für das Aii[>ellativuin Ciinthaii 
da der Name dieser Nebenrolle im ganzen Stnck nicht ^ 
nannt i*it ; \'ielmehr ist anzunehmen, da-ss der Librarius, ^ 
kein Ajipellativuni vorhanden war, seilest ein solchci; erfanf 
Wir kßunen auch nachweisen, woher er («eine Wei«h« 
schöpfte. In den Adelphi neinlich heisst die Nutrix C'aiitbii 
und daraus tUjertrug pr den Namen auf jene Knmfldie. D< 
Gesichtspunkt, von wekhem solche l-'rageii zu I>etnu-I>t4 
adn werden, ist folgender. Den Leser mflft^en wir ^ 
▼on vorneherein wegdenken. Solche Angaben mnAsten «<■ 
weder eine Bedeutung für den Zuschauer, also den \\ÖT^ 
haben oder fttr den Schauspieler. \Velchem Zweck ^l" 
es aber dienen, wenn für eine ganz unbedeutende Nebenniu 



uifet: Setnentitft un 



eÜHnt/ IN tier tat. Knmihiir. tir»9 



3tT Namp dmthuru Ueigesctzt wur, di-n lier /uschiiner riirht 
eifubr, WL'il er niclit aus^'esprocht■n wurde, iiud diT ttir den 
Schauspiel Hf wt^rtliK« nur, weil er deu Chiinikter Heimr 
Rtilli.' Dicht äuderte? £in noch beKeieluienderes Boi^pitd üt 
Üinnclms V, ii. In diVser ohm* dr» Mimidoir i\\'s Purnirno 
* 86 Vers*» uinftut-i^nden I^^eiie tritt ein Shiicx aiil', di^sscn Kr- 
wh«inen auf die,se «ine Sceue beMchrüukt bleibt und der im 
Dialo^r se!l>!*t nklit mit Nftiiieii ^'eniuiiil ist. Der Ixtn'rtfiidt' 
Stynt'utitel Iitnt^^t nun in den ineist*'n Hjind^^hritten: Lackes 
Snifx. Parrnnto i^ruus^ dn^e^pti stellt im Heiiibinus statt 
J» erstfiren Namens l)-emea Setiex. Dft'enbar sind beide 
Nainen, sowohl Lackes als DctneiK nidssi^if Kriindiinifrii von 
llnuiimatikeni oder Absthreiberu , ilie sich mit di'iri i'iii- 
bclwn Settex nicht bejinfiirten und huh Toreutiii:^ *.'Il>st ein 
Appelliitiviini erjiiiuKteii. Lmfn-s heis.-t nemlieli ein Seiiex 
•B der Hecjru. Demca ein Senex in den Ailel]ihi. Aiisdrllck- 
(ii'h Ka|^ [>4inutiis xn der Stelle: Aitiiofinniiim quott hnius 
w«>j ftowerf fipmi TemUUim nou est - upud Meuandnou Situon 
difitiir, Auch Adelph. 11. I hnl der Bembiims inf^d^e lie- 
«iiiijcri-r Otl'eulmniitt^ den Namen d*T iMeretrix, einer Mtminnen 
^n^m , erftibren und uennt sie Jitirchis Mertttrix. Der 
Nftiiii' htininit wieder uns iuideien KMiiiiidten den 'Perentiiis ; 
"'»obl im Heaut. uU in der lleu^m i<[iielt eine Meretrix 
"•«hi», Uec, V, 2 wurde der Schreil>er de« Benibiniw 
**iin'in GmndHAt/. nntreu imd whrieb: 

^ Phidjppa^ /' LiM lies li ßucebis Nutrix 
Senes IJ Meretrix Niitrix 

!■> setzte airto, nm den Platx zu Idllen, /weimul Ntttrix^ 
*^ er riofh Anstand nahm alle Nutrie^s mit dem Namen 
"•iithurii. zu Iwlef^en. Auch keini- antlere Hand»chrift bietet 

tan A.ppellulivnm.^] 



h tWi Niinieii Htelifii aii!fniihiii«wflKe Hec. I. 1. ] In DC. neiii- 
VM AmtM Lenii und I, 2 in i>.- -Syrii Ltna Ana*. Üvx Uuvu- 

\1* 



2f)rt iV(ic/i(r. zur Sitiutuj titr }iliHog.'piiHtiJ. Cl*tsife rmn 1. 

Bisher hatten wir Beispiele, diL** eiuzeliie kleinere \ 
in iit;r ÖceueiiüberMhrift nicht mit uiuem Ei^euiuimeii 
zeichnet sein konnten , weil pin solcher im StQcke 
nicht vorkam. Es läsüt sieh uher wiihr^cheiulieh uia 
dtLSH (]».•« Original übiTlmupt keine Iiiageiiuaiueu uL<^ Sc 
titel entliielt r^otKlerii uiir <len Chimtkt-er der Itolle 
vielen Stelleu ist netulich in H überhaupt mir die 
liefert, iini! }^ewi^*s nicht als Zufall winl es zu I* 
seiu, tla-<-* utit Aitstiulune der ersten UäilV des Trueiileil 
die Buohjjtulteii DV und G nur hinter der ße^eiihniini 
Kollenfaehs, nicht hinter den .Scenen titeln, die nur den £ 
nanien enthalten, nl>erliefeii: ist. z. R. Pik^u. III, 1: Ai 
cvus. Atlunrufi. C, 111,2: Sfntos uilinis. Atfnlrj;rciis, i 
caii. C, 111, :*: Laio. Aduocuti. ViUeus. I)V, V, 4 Men 
JI. Afiulescens. Poenus. C, Trin. II. 2: Si't)ex AduJn 
[11, 2: Scucs U DV u. a. Von Wiehtigkeit '\»i feruc 
hüuß^ rnrkonnuenfle Zaiilworb DVO oder IT , namei 
an 8(dL*heii St-elleu. wo eine Verweehilun^ mit DV ([)iver1 
ait^gesi-hlns-^eii ist i. B. Kpid. II. 2: Kpidkiis Scntus, Ajm 
Pn-ipfunirs Staues tiuo. (■. Hier wenleii A|Kieeide3J »ud 
phanen als zwet SeueM bezeichnet. Ist nber ^cniv Appu 
zu den zwei Ki^euriiUiU'ti , so (Mvrhcint die Reifttjfiinjii 
ZalilworU'ti nicht h\my für ilie pluutiuisilie A*it uumSt 



binuR unJ diR ÜlirijKi'n rii'htig' .S'yrrt Antm. Wie n'n-h dit* RnUe 
Adulexcens und des Senex zu chiandfr verlmiten, i-)M>nt«ti ilii 
Aniw xnr Ancilla; vergl. die ITebersohrift Syra Amtg bi>i I 
Merc. IV. 1 und IV, H. 

1) In der e^*t^>n Hälfte des Truc. «cheinl der ticbreiber di* 
un SnhliM.1 der Torhcrgclienden Scene, mit kleinen Lettern KW 
bent'n Kij^en minien von der letzten Zeile uKgelrenot und aU nÜ 
SeenenÖhemchrifl K(«=etzt , den wirkliL-lieii Sceiicnlitel »Ikt g 
und davon nur die Bezeii'iiniinfjr DV ^'und (■) erhalten zu bid«v 
Verfaliren. da« er in di.T ?.wclt*n llillfU* dt* .Sttlck«'« wieder«« 
vcrgl. dii?.u die Titel von IM. 2 niid IV, 1 mit dem i^chln 
hergebeDtifn Seenen in R. 



4: Scrnentilft itmt SteneHithtlirituHg in tinr tut. KomMU. 2(il 






fibt»rhaiipt mit jeder clasiii^jcheii Ljitinitüt unvereinbar, 
köiiuU' nur lietssen Apoeeides PeriphuHeSf senes Da- 
;cn war S*:n€S dtio rii'hti;^, wenn «lie Eigeiiiiiwuen ur- 
•rntiKlicIi fehlten. Auch die hiiuHg wiederkehreuile l'utsehe 
Imnij^ der Kl^ennamen und ilts durniif bezflglichcn Ridlen- 
irakt«rs seheint eiueu Kiugerzei^f zn gf'hen , dnsti nieht 
i(U Hii^ (jleieher Zeit stitmnit. Wenn z. B. Pnen. II, 1 
fe NBruen der zwei Pei-*<inen des Li/i'us , eine.-; Lato, und 
Jw Anthairtotiides ^ eines il/i/cs, wa-^ nach der rieiiti^en 
^Vttrtlolj^i» I.ijrus Ltiio^ A}iihamoiiidrs Milrs heissen inilsste, 
^i'-lriwlir LijcHS Äuthnmonides Leno Milvs j^'ordnet sind, so 
U diese falsche Wortstellmip woiil dudnreh entstjiuden, duns 
T Ltno Mifes ui-wprnn glich war und npiiter die Eigen- 
tiieu liei^;i'M-hri<*)H'^n wuiilcn , inul zwar zur iSeit*" , indftu 
•^ uu Itaitni fehlte nin den Xanien Authomouidts an ricihtiger 
J^U'IIe zwischen Letio und MUes eimitiaetzen.^) 

Schon die»*e Bi-trachtunjfen bieten Anhultspnnkt« fHr die 
Knl^heidung einer wichtigeren Frajfe, nenilieJi der verschie- 
*len«i LVherlief'crung in ilen Pers4mennanien des Stichuii. 
We beiden Franenrallen dieses StUckes tragen uenihch in 
<W I'flterM'hrift tier ersten Scene nuch den IVilatinischen 
HsniUchriften flbereinstininiend die Niinien Pünetjyris und 
rioaciuM, im Anibros. dagegen PhÜumam nnd Pamphila, 
l*wu Trrhalten ^ich die Tittd der anderen Scenen, in denen 
■ii* Frauen auftreten , in folgender Weise. I, 2, wo der 
»'te Antipho hinzukonmit, trügt in ^-l die Uebersehrift ^4»- 
'•Mo Muliert'S^ während BC keine uene Seene hat {D nur 
^«lipho); nud die Scene II, 2. in der die eine der Frauen, 



1) Zu beachten int uueh, dtwa B, wo zwei Skluvon Torkommen, 
*ltcv Qftvr thtrch ^euuuei-e Duxf-iclinuii)^ uiiterschcid&t, %. li. durch 
•"««Upa« TnK'. in, 1. SiTUU« fupitiuus Caj>t. V, 2. SeniU!« uilicuti, 
'^'mi» iilem un<l tlffl. — Ebenso wenk-n die Prolo/fe den KiKt'nniiiiien 
^v\A rntlmlteu lm)>rii. Cint. I. 3, 1 hat £> cur Frologu», die xwejttl 
H»nJ ßgt bei AhxUH Hei. 



2ti2 Nftrhtr. eur Sitsnnii der tjhitoM.-phitoi. (Jlnase row 3. Juli 18^. 

der Pürftf-it uurt der SkluvL' l'iniiciuui uuweseud siuil , Ut in 
S mit Pamciris iibersclirieben, in D mit Patieffiris Mnlur 
Gelitsimus Purusitus Binutium l'ucr, in C fehlen die Nannai 
^iiz, in A wiir jtitst;!»! Panetjfjris lesbar. Ans diesrr 
verschiefU'Ucii IJeberliefernng hat mm H i t s e b I pnief. Stich. 
p. X. .s(|. don Schhiss gezogen, dik« die urs]) rundlichen Namm 
Pfiilumenti nnd Puiitphita waren , wie sii- der iVmbrw. iti 
der erwteu Öceueuüberaihrift giebt, und dass diese er4 in- 
folj^e einer Ueberarbeitnn^ des Stfickes mit Pcmeffijris und 
Pinacium vertanscht wurden. Er ersetzt daher auch 247: 

l^tio nunc^ is? Ad te. Quid ueiiisV Panegyris 

llogare iiiN^il . . 
und 331: 

R<>»|nce ad nie et Iiiic|ue') egenlem partfcsituni. pHnegvriji. 
du« in allen Handschriften, auch dem Ambro.s. iiirr- 
lieferte Punefft/ris durch PkUumena. Ritäcbls AiwcW 
hat allgemeinen BeifuU gefunden. Nach seinem Voi^fiuig 
änderte nicht nur F lecke i den in seiner Au.'^giLbe Text 
und See neniilH-i-wc brüten ab, sondern auch <lie Kritiker, 
welche gelegentlich die Hache berühren, äussern »ich alle in 
dernst-lbeii Sinn. Irb gliitibi- nicht, da*--^ da-^ gewonnene B*" 
sultjit dit; richtige ist. Untersnchen wir xueivt die Glaub- 
würdigkeit der in den Paliitini gegebenen Namen Pawg^ 
und Pinacium. Der letztere, Pinucium, ist nirgends im 
Text, sondern nur im PersonenverzeichniK der er!>ten Seen«»* 
ttberschrift büzeugt. Er ist unzweifelhaft faUch ; denn ein*f' 
Heits ist er oL; Name einer Matrona überhaupt nnp&sseiult 
anderr'etts können unuiögliidi zwei Per*imen desselben Stflcl«'-* 
den iicnilichen Niinun tragen. Piuaciimi ist nemlich ^^^ 
auch band Heb riftlich Tollkommen sicher geste^Ute Name «ne" 
Pner im Stichni*. Anders .^telit <w mit dem zweiten Nai»^" 
Paneffifris. Dieser ist im Text t^dbyt zweimal Oberliffi'rt. 

II Die llaudsrhrift relinf/tic. !n ol>i(?er Weise int der Ve« *o 
leichloaten henGustcUea. 




i: Scenttiiiifl uwt ScenenabtheUumf in der Int. Komödie. 2t33 

247 und 331) nncli vom Anihros. iinil criwheiut auch als 
|ScviH-niibc*rschrift zweiiual in B, einmal in A. Die Be- 
[DniiiuiK eignet ncli ferner nehr ffxii ftlr eine Matrona, 'die 
cnf*, nicht wem'ii ihrer .Schönheit Hmidem we^ni 
ehelichen Treue. Suiiiit i^t Vaueyyris ebenso wohl- 
«uf^t lind piij^end »It* Pinaciutn iiiip^isHend und imver- 
firpt. Halten wir nun ditjye^en die Namen Philunieim und 
Pattiiibilit deri Anibrondanus. Vor allem nuiss ilire Anwen- 
liimjr s»^II):Ht Kedenken erregen. Denn die vnn q>iX£tv abge- 
Iritetfn Benennunj»en pflegen in der Komödii; unverheirathetyn 
Mii(|rhi»n') oder Mereiriees beigelegt zu wtrden, nicht den 
Matn>iiae. Nach Hitschl käme noch ein dritter von yiA«i»' 
Iptiideter Name PampHilus f«r den einen Gatten hinza, 
*M anch mit der sonstigen Abwechslung und Iteiehhaltig- 
Jcsit der Pluutinischen Nanifnbildung ^ch whwer vereinigen 
Analog den ubttn aufgeführten Fällen i^t Pamphda 
lüchtH weiter abt mHanige Krfindung eine^j Äh^ehreiberK. Denn 
Niinu* wirtl im Stilck*' selbst niclit gi^uaimt"), die vcr- 
DKelnte Angubc in dieser Sceneiiüberschrift wäre für Zu- 
»oer und SL'hau.si)ieIer Toll«tju»dig bedeutung^loa geblieben. 
">p «ich alw) von Prtncgyri» und Pinacium der Palatini 
iHzh'rer Namt> als unhaltbar envifv, w» ist auch vr)u Philu- 
^nwia und PamphiU des Ambr. der letztere als werthlos ub- 
^'^erfen. Nun stehen Bich noch Panetjyria der Palatini 
"'■•i Philumena des Ambr. gegenüber. Wenn die^e beiden 
Nam*'Q bei PlantuK mit einander ctmcurriren, ist auch ab- 
n^licn von dem Bedenken, da^ oben gegen Philumena 
gemacht wurde, das gewühlte Panegyris dem abge- 

1) Die Hflcyra des TcrentiuK macht eine wohlbcgrOnüete Aua- 
'•^. Hier int Phil Union 11 zwiir verhcinith<?t. uher wit der Ht'irath 
^ ibreiu Manne ^oiiedeo. Cm den liewinn ihrer Liebe dreht flieh 
*** gui« StQck; darom trfl^ sie mit Kecht diesen Namen. 

81 ßi fehlt auch jede Wahrftoheinlichkeit, daan er in den Ter- 
•w^ifii 'riicüca t|w Stücken vorkiim. 



2(»4 Xuctitr. j:nr Sitziiii;} ttur /«/((/r».-/*/!*W. CltiHM rttm I. JttU 19 



droschfiicii PlulunitMui nrit vnnüizichfn. Und nun erst > 
Imndsclirilllichf nflHTliftVrnn«! Philumenu stlltzt sii-h i 
eine eiiizif^e SteiuMulbcrscIirlft di'<- Ambr. deren xwciU'n Ti 
wir nU itffcnlmr gt-fiilscht i-rkannt haben, und dicf^em ^■t«•l 
wk' olx-n fi;L'>ujjft, nicht nur i'in »ndt-rer ScfiieutiU'l dt*« Am' 
mit PHnegyrw J^•^Il^bp^. rundem aucli ein zweimalig 
Panpgyns im Text den Anilir. tnid du/,» ^ownhl Scfm-iilil 
al» Text der [»»bitinisi-hcn }iiinds<'hriiVn. Die Ciem'.-is 
Vt'rdrrbüis wird lblj;<'ri(h' ^cwcsfii si'iii. Der iirsprün«?lic! 
Scenentiiel zu I. 1 hiutet^* um- Mtäkres JI. \U mim s\iiM 
aiu'h die Kitfeniuiinen beisi'tzfn wollt-t*, ergrinzt^* der Arrb 
tjpus dfir Palittiiii dni ei-st^-ron iiiis dem Text richtig dun 
Panegyriy, als zweiten set/fce er irrtfhnlich Piujieinm, imlc 
er Wiihrsclieinlieli in II, 2, wo Panejryri« mit dem 8klft 
Piuiiciuiii lungere Zeit im Cif-^priülie ist, diesen Namen 
den der iSomr hielt. Der Schreiber der* Anibr. oder ^M^| 
Ari'lietypns erfnnd als zweiten Natnen willkürlirli l*ani|)bilj 
widil in Kritinenin^' an den <.iebr«uch diest*s Naineti^ h 
Terentiio, als <'rwfc4'reri ^^efczte er Phibmiena entweder glei 
lulls uns TerentiuK oder infolge blosser Verschrei hwnjf 
Pjinejjyris. leb baltn tetziere.s für wahrsuheinlicher» weil i 
Text Jw A .selbst der Nanio Pane^yris steht. So fainiJ 
wir ilIs(» «uc)i hier, diuö Ä iVir die SeenenfiberscUriften isa 
geringere Reeeiisioii vertritt als B. Uoborhavipt aber ist m 
Grnndsatv. dnrchzuftiliren : wo ein Persinicnname des Tex| 
mit dem einer Scencnflbersuliriit ailtidirt, ist die Scenenül 



1 



Schrift uns dein Text ku corrigiren, nicht «nigekeUrt. 
aind in B, nUn der verbal tnismUssig besten Ueberlieferril 
in der 8ceiienribers<;hriit zu Aul. II, 4 unter sechs Perw»!)^ 
uamen nicht weniger als vier nngcnan gesehrieben, neml" 
StrUohts, statt Strohilus, Anth<ke statt Anthrax^ l*knisi 
statt Phrutjia und Ki/ksium statt ElcKsium, wälirend 
Text die riubtigeii Namen stii^ht-n. Dhüarchus Ist ini Ti 
des Truculentns niehrtuch richtig erhalten, in den l$cen' 




Speuifxl: SeeutnlUrl uii»t firfMKiifthIhftfuiuf in dtr Itil. KomntUe. 265 

flhefvchrifleQ ^r(>sHt.i'ntI)inlis in l)in»rohiis twIiT I)iiiiiiri'hiis 
vmlerlit. In ilLTSfllieii KiMui'nlit' kuiiiiU' litr Naim» tlcs Skluvt^it 
rytLiuit't uns dein Text Iwrgpsk^llt wt?r<ifn (v(?rgl, ineine Attsg. 
pnw.'f. IV f.), wiihrend »Irr Sceui'iititf:'! zu il, 7 ihu tUUchlicIi 
^Gtsta nennt. 

^B Mit dt-n oben besprochenen Persnin'MnHnxMi des Stitlnw 
f fltebt Mint! uiiden- Pprr^nnenlH'/.firliniin^r de^t-lben Stüi-kivi in 
^^p- nuheni Zusiininienhanf!, dasR Mir lii<M- nii'bt /ii filicr^tOn'n 
^|vt. Dein einen Adulescens. (gewöhnlich J'utnjtftili/ipus jye- 
laiirii, wird von If Uschi iIpf Nnnie k'itmiihUua ^^•^elK'n. 
In tli'tu (irsiirii^hi? /wiwhfii l'iini*ff_vri.s ninl l'inanun! liej^ 
n^tnliili Vfn*<liif<l('ne rebcrlietiTiiiiK vi»r. Dit l'itlal. Iliiud- 
-*'hriftpn ^elwn Vidistin uirto» sororia Patuit/iUifiiium. nou 
iidrst^ j\ dii^e^i'n im zweiti-n Tlu'il nüch Kitschi PamphUum 
Aow 2iou mUst. Von letzterer Lcsiirt uusgi^hend sl*Ut 
"'tschl auch in den t^eonontiteln IV, 1 und IV, 2 und 
'" fRnf anderen Vfn*en, in welchen Puni|dulip])us überliefert 
•**• Piiinphihif her. thciUvei»«.' mit --ehr ^ewaltsifmen Mitt^rln 
''ö« oimp diidtirrh luiitHr IMaiitiiiisolie Verne zu erzielen.') 
^^ Cnroclit hat nmn die Niimenbildnnjf Patnphilippus an- 
IP'focbti'n. Sic cjitsprieht dem l*hnitini.-ichen (Jehranche. Wie 
"*'*^tip|«>c!eM gL'wii^Mennii.'^eii ans einer \'frbiinliuij{ von Stra- 
''ri»»tt unil IJijijHirh's ^i.d>ildet ist, so PamphilipptiH aiis IVin- 
P'iiluH und Philippim. Den einfachen Namen l*unii)liilnri 
^Iteiiit Phiutus <d)fnsosfhr ^iTtiiiMlcn zu hah^Mi als ihn Ti-ren- 
""** mit Vorlieb** verwendet. l'aniphiliiipiiJ* j.st im Text 
^''^Ht weni^tu- aU sechsmal in den Tulatiui Überliefert iW.i^ 
^^, :i83, 596, 50«, 527; an den lieiden letzteren Stellen 

1) Die unmjfgliohe Kliflion dt^r zwoi Vocale in stio durch dtm 
*"*"*«'n AnfitiigiiV(H'»l do» nüelmteii WurU'* W'i l'äNi[>hifitin t'um frülre 
'*****] J-.'i>üjtifnna meidet ItitNchl (Jpiwe. IIE S. itll durch einen 
'**»»?n'a VortfWiMjj J'iimjihiliim frcvuwf cum fr. Ep. — V. Tt^iS ist 
"'*'■ Jutvli Ki(4cltlh4 'IV'xlJinileninjf ent«ielienile Venfflchlumj PämjJtiU, 
» «Kl/«., men nicht hwlHiar. , 



i 



266 Nachtr. zur SiUuhg der phiUts.-phUoi. Clarge rom I. Juli 

ist uuch der Ämbr. lesbar und auch er giebL diet^elbe Korm. 
Dazu kommen die »wei Sceneninschrittcn IV, 1 und IV, 2, 
i-rsfcprt' wieder durch A (ttt uidctur) hestiitiKt- S«)k*hcn p*- 
wichti>^en /eugeu m*)j[etiülM;r muss dit* vereiiiÄelate Le^rt 
de*^ A iu obigem Vers 393 PamphUum Non Non ndesf ihrf 
Rrti*'iit,ung verlieren, xumul ihre Kn^stehnng «ch mit ^osser 
Wuhrscheiitliihkfit uachweisen lä.s.4. Die Lof^art der Palii- 
fcini ist nemlich uitrht, wie all^niein geschah, zwischen die 
Peryonen Paoegyris und Pinuciuiu /u vertht;ileu, uundem 
der Vers gt'hijrt ganz der Pfiuegyris: Vidistin uirutu sororis 
Vamiihilipimm? non adcsf^ ZiierKt trügt .sie: ,lltL<t du 
den pHniphihpjius nicht uuch guHehen?" und da Pinaciuiu 
ein© verneinende Geherde macht, sagt sie eilig weiter: 'I^ J 
er nicht mitgekommen?' Die Antwort auf beide Fnigeii 
liegt, in den fidgenden Worten lics Pinaciuni: Ittttno ttenisse 
eum aiehant. Nun lag &s über sehr nahe, dasa man schon ■ 
früh, ähnlich wie die späteren Heniit^geber thateu, da.-* mich 
Paiuphilippiihi f^tehende Non als vereinende Antwort der 
Frage Vidistin:' ansuh, wodurch das nächste sinnlos wurde 
imd erst durch Einschaltung eines zweiten istm verständlich 
zn niaehen war. Diese Lesart, hegt uns im A vor, in welithrr 
zugleich clurdii .'\eriderung de« Pamphilippum m PamphUum 
die flberzäldige Silbe beseitigt und der Vers venueiutlich 
corrigirt, that-r^äehlich aber noch mehr verderbt worden ist. 
Wenn wir fragen, welche Personennamen die Sccnen- 
titel enthalten niÜHsen, so i^ zunächst selbstverstämllich, da^rt 
keine Person, die in einer Scene überhaupt 
spricht nnd auf der Bühn« befindlich ist. darim^^ 
fehlen darf. Auf den Umfang dt:r KuLle kommt es nicht 
au, dieselbe kann sich auf wenige Worte, ja auf ein einzig 
beschränken. K« ist vielleicht nur Versehen und nicht ah 
sichtliche Acuderuug des neuesten U eruusgehers Goetfc 
wenn in dessen Ausgabe de-i Mercatwr 11, 2 der Name d« 
J^orariua , der Vera 1 1 nach erhaltenem Aufti*ag die Wort^ 



Sp^Hffti: SceMeutiUl und tSeenenabthcilang in thr htt. Kttmödit. 267 



£cfj[Vi\il nmplius? ttpricht, iii der So«nenübersr.hrift fehlt. Die 
Handsrhriflen HCD ^ehen ihn auMtlriiiklinh^ C m^ur niii 
Lorarius DV, was auf uIUj L'eberlit'fcniiij; hinweist. Oass j4 
ihn irrthOniUrh >ui.sliLsst, ist hier fhenso l>p<U'titi]iig>:ilo»i wie 
Pseud. 1, 2, wo -1 <Ue Lorurii nitrht hat, deren einer V. 2(i 
^richt. HitßchlH eif|;ene Aushübe de^ Meru. bietet da.s rtcli- 
tipfe. Zn vergleiclien rfind Men. V. 7. wo die Lonirii, die mir 
3*i J'eriimus j-agen, iiu SceuenverzeiubuLs stehen, Ena. Ill, 2 
di© Ancilla, die nur Itu fnciam 51 spricht. An einer anderen 
Stelle Rpid. III, 3, (a. 18) ist der fehlpiwie Name d«w Sennjs 
i" Oen Aii.<^iibeii bereits urj^nzt; «. auch Mcru. IV, 4 (48). 
Spricht aber eine Per»«!, uhne die Bülme sellwt äu be- 
treten, hinter den Conlissen, ao geben die besten lluud- 
äcHriften ihren Nnnien nicht im Personeiiverzcichnis der 
öc«Me. 8u ruft Adelph. III, 4, 40 die gebärende Pamphila 
innerhalb des Haitses: Miseram ine! diff'eror dolovihtts. Juno 
i^^cina. fer op€iti, serua tue obsecro; ihr Name fehlt im 
^enentit«! des Bemb. und aller I laiid.schrift«n ausser D. 
^ach diei^em Vorbilde wiir Andr. III, 1. wo der Benib. nicht 
■rtlalten ist, iles^^en Scenentitel herzuHteüen. Der \ume der 
geVwreoden Glyccrium, die im Hause gleichfiill.-? rutl: Juno 
Lucma, [er opem, serua wie, obsecro, könnt« im Titel iiitlit 
v^rzi-ichnet yein; er fehlt auch in den anderen Hiuid-schriftcn 
'^»»ser C E. Mag es «ich nun auch für unsere modernen 
•ausgaben empfehlen in solchem Fall den Namen in Klam- 
mern bei2UHet/,en mier noch besser (nach Vi)rgang alter 
IiaQd3chrii"U'n im Texte selbst) durch ein beigoH(^tzte« /ii/i*5 
m bezeichnen, dar* Original de?! Dichters enthielt sicher ilen 
•^•«iieD nicht, und ihn, wie in unseren Au^^gabcn illiUcli ist, 
"hiie weitwc Unterscheidung den auf der ßiihne «elbst han- 
delndrti Personen l>eizugeHellen hindert den Leser ebensosehr 
I *" der klaren Uebersicht der Situation wie rh im Alterthum 
■ **''»n Schauspieler zu Missvei-rttändiiissen Anbiss gegeben hätte. 
I Awt di<'«elbe Wei;*« ist zu erklftren, warum Hec. 111, I der 

L 



2t>R Nnchtr. ;«r Silennff der j>tiiUiH.-jitnhil. Clnns« rom t. JttU («S^. 

Name der Miirrinu in )il[i>ti Hu.ii(lNclii*irtj>u fehlt, welclit» V. :i?( 
Tace, ohserro, nien ifuuta iunorhutli <\vs Hrtust^s s|mchl. Dumu 
mhfu ^iioli «lif Worf^ i1i?h l'unipliilns: Matris uox aifust 
Pkiliimnun: Ii^Ihiiso ist Aul. II, S iuirxtiraÄ>i.n. Nach piuem 
Moniilog voll 17 Vui-scn saj^ Kiu'lin: Sfd quid e.tfo apertM 
aefiis ttüstras conxpicory Et strepitust int»s. uitmnnm fgo 
eompifor inispr? Die luiii f'rl^eink'n WurU- <li^% dwus : 
Äuhtni niaiorvm si potes itiviiihi peic. huec vst jtanta, rotere 
non quit sind innerhiUki dt?» Haitsea tx\ einem (H*li(Jll'eu ^ 
Kpniclu'n, liuJitT ffhU si'in Nniin' im IVrwoni'iiVfT/eii'bBia de' 
Sceue. Wiirilp er die .SttMiu Iwtrutvn, so wjrdr mit #iiiefn 
Äuftreti'U -iOf) t'iiu- neue Scenu lieginuen.') 

Personen, welche in einer Öceue nicht aprechen, «off*"! 
niinnte stinnine Personen, wi-nlrn in di^r Ki'j(el nirh*| 
in di»" Hcenentitel liut'gennimnt'n. Fn'igfhorr?ne ersclicit»?' 
meistH»L>* in Bt'ji^UMlung ihrer Skliivim , Mutrnuue mit ilirt?" 
Mfii^dfu, wii.' Uli inimcluMi Stcllen^durcli einzelne Worb-, «it.* 
sie iin dioelbcn richten, zti t.*rkeuneu ist. I)io?»e Anurdnuug^** 
richtig zu treffen, wur 8jiche d<*s Hegisrieiirs.'^) Von d^** 
iitändii(en Be>?ieitern d^r Freien .sind diejeni>;en IVrtonen ^** 
iinterscheidL^n. weh'he HUKsfi^t'Wübiiliclierwt.'ise «ufdic Hillii» * 
kununeii. Währenti z. H. \\w.. \\ '1 die beiden Ancillii/*^» 



1} \Vr},'I- lUK-h Pei"«. 726. wo Bi'D die weni^fn Worte Av* Ä**" 
turio aln Inlun fceaprouben t>eliunilelt — er Kpriuht »ie unter <ft^^ 
TliUrif uder iiuk ^lenelbeu licrvomeliend — A (lii^*>)|(en iinden. ^| 

'1) Im Steiienlitel nicht verzeiehnele ijkltiven oder SkUrinn.«^* 
werden an^'^^äprorhen Kiin. 111, y (:^-'). Heo. V. 1 (r. V, 2, 'Z~), '"iirt-. L Ä^' 
1 (-it)), Mil. 1. I (7?). Tnic. tl, H (1 fj, .stich, m. I. (17 nm! '■ 
Epiil. lU. 4 ll— 81. K«n. IV. 7 ist nur Sanjpi verzeühnet, der ^■\ 
spricht; die AlirtKen SkUven fehlen (2: Simalio Ihmax Sjtnsce *•*' 
ijaiuiinO. Merc. fV. 4, 2 KJijjt der Koeli xii .seinen fieliQlfe« «•'/•»'»«••♦* 
(s. autb 40), und doch litutet die V*t'ttpr!«tdu-irt C'tcuA, nicht (.Wj. it^**-' 
^jegen Ijurarii Men. V, 7. Mil. V, 1, wi'i! i*ic aUi* ;;l(!ifh steht^'»»-' 
Kiiii. H, 'l iftt dii' Kkliivin, die njit.gebraidit nnd gencbi'ßkt winl. w raJ ^ 
im Hemljipu.s noch ip den apderen UandHchriften auf;{enihrt. 



?ffmwrtimI5^ 5f 



die V. 27 mit me sequitnhti iuiro huc timbne angi^^pn^r-hen 

irenU'n, nicht vpr/.eichn(>t siii<l . ist in tltTsulln'n Scono die 

Xulrix, welcher riiidippiis Auftrüge K'^'^*'' ^fiuinnt. Aui:h 

JiT t'<ciw ist kein gewölmliclier B<*gleiter, daruni Ailelph. 

III, '.\ C-ociis !)romo in ilit- Uthi-rsi-lirift nnfirpnoMimeii,') 

wSlin-ntl ein andcTcr Skluvt' Stt'phaiiio (2ti| fehlt. M<wt. V. 1 

sind iJie Lorarii {\y)M in A^ 1041 iu den Übrigen Huml- 

«hriltonl nul^;efnlirt. Klx*iw<) BiktH. IV, 7 der Lonirius, 

'l*r dfii CLrvsiiluä zu ))iinl!'n und dit* Tliilro zu öfFni'n hat. 

AiK'lph. II, 1 liat dius gerauiilc Miiildien eine .stuiiiitie U<dle, 

al>er Atscliinus spricht mit ihr. ihr Er^jcheineo ist vnn B<»- 

*lt?utiiiii( Ifir ilie jjitnze Scctu- und «'> wird tun ihren Besitz 

auf der Bühne j^estritten , duniu) gieht der lknil»imi"< ihren 

^'■nii'ii im Sconeutitel. Cure. IV, 2 ist IMunoi^ium, die V. I 

•JOd 34 t*. II ngeKp rochen wird, genannt; sie hetheiligt sich 

•wdiircli au der Ilandhnig, diiss sie luiit weint. Von Re- 

deutung int namentlii-h die Scenenüherstlirift l*-;eu(l. IV. 1. 

*>* die Meretrix Phoftnirinin verzeichnet ist, indem li gieht: 

° Sicopftmitit Srn(ns Mrrctnx />K, al.«<i in unniittoUwrer 

***r'jiii(hing mit der Bezeichnniig der \%)rtrag.sweisp DV, 

*'*H*lie das hohe Alter der IniHthrÜt verhürj^t. Aus dieser 

^'t^^iinnienntelhmg ergieht »ich , diu« man IV'iid. I, 2, wo 

'*T Leno hinge Zeit n)it den Sklavinnen spricht, die^e im 

* ceiientittd verzeichnet zu Hnden erwartet. Demi i'S wind 

'**^hl iliv gewöhnlichen Ancillae. die eine Matrona hegleiten, 

'^'^'»lem Meretrici-s. Sclmn HiL-^chl Iiai Scriiiir in den Si:enen- 

^1 einger^-tzt. Da aher dii-ser in J3 itiutet Letto. //>*rtn JV 

y JtletH C und hiehei die Zahl IV unerklärt bleiht, ergänze 

''": Lrtw Lorarii [V. Mvrctrices] IV et Idetn. C. Denn 

'* Hklaven und -1 Meretrif:es wenlt-n in der Seene iiiige- 

I) Kh k*nuut ilaxu, iliwit Oromc eine handelnde Pernoo dei« l^ltU'keH 
wrnn mich eine (fun* iintert^eonlnete. Kr spricht in iii»r St-eiif V, 'i. 
'i) lii OltiKeai kiici e« ilanutr an, dun Oruadful/. fe^lxuxtcllen, 




270 Safhir. 8ur Sitsnng der phiJos.-phiioJ. Cin^ar t^m i. JhU 



l CliaCA t-'IL-CU.C, 111 HCl OIC OIIII <.£<•,■■ 11 ■ov, M IV U v 

iricht, wohl aber in der folKenden oder vor- M 
ergehenden. Hier setzen die Handschriften mit Recht * 



Besonders hervonsuheben ist der Fall, wo eine Person 
in einer Sceue, in der sie anwesend ist, nicht 
sp ■ ' 
he 

den Namen bei. Ctipt. V, 1 ist StalagmHs gefesselt an- 
weseuH, er ist im Scenentitel ^ennnnt, weil er V, 2 spricht. ■ 
Merc. IV, 3 Svra ^onunnt, weil sie IV, 4 spricht. Adelph 
11, 'A ist äannin noelt V4ia der vurherf^eh enden Sceue an- 
wesend , tritt aber iii dieser .seitwärts uk stnmnie Per^n. 
Sein Nauie is^t vom Beinbinus in den Scenentitel aufgenommen, 
von den nbri^en Handschriften nicht. Dies-s ist nicht ohne 
Beclttitnnj^ für Adelph. V, 0. Von den zwei Mi^lichkeiteii 
neralicfa , dass Syras mit Seblnss der vnrherj^eh enden Scene 
ins HaiiM znrüekkehrt nnd erst V, 7 mit Ttesipht) wieder 
heninskonnnt oder während der ScenH V, (J uls Htnunito 
Person auf der Hfthne bleil>i, hat der B<>nibiniis, da er den 
Namen des Syrns nicht im HcenentiUd äu V, <i ^iebt, die 
erstere ^wahlt und wir werden ihm darin wohl heistinmien 
nillrtsen. Men. V, 'i fehlt in der reberHchril't der Name iie> 
Menaechmuri. I)ersen>e imgt am Schlnäs von V« '>: Hie rrthm 
HSqtw , (uf uortfm saliem credo itttrowiftftr domum. Knt — 
weder ist mi/.iim*hinen , diLsn er mimittelbar vor dem IlaiL-t^* 
wartet, duun i.st sein Niime mit Rilachl ein7,ii!*etzen, ode-«:- 
er geht auf nnd ah, Tiellei<-ht in den imhen Angiportu-* ua«3 
ist einige Zeit nicht sichtbiir, dünn kiutn sein Nunie feldtü« . 
Hacch. IV, W, 1 gieht B den Nunien des Nicobuln.s mit 
Recht im Scenentitel, weil er vor seinem Hauae anw<>sef&<I 
ist. Eine Nöthignng mit Uitschl IV. i>, 5fi eine 
Sceue XU beginnen ist niclit vorhiiiuleii. 

Ist eine l'erson heim II ^r aui^treten aus eine 
HauNe mit einer anderen im (! e »sprach begriffe 



I 



niu'li wi'krheiii Wi Abfussnng' tlJMür Sceiitmtitel vi;rfj*hrt?u wur*!''- 
Filr ansor« Äu»KuWn dagegen kann als itraktinoh bewichm-t wcrJe" 
die Nauien der Httiintiii>ii Per^ineu in Kl»iüiiiem lH>ixui<44tton. 



Sp^wtgfl: Setnentitet atvi He^HenahOi^ttufiff in ätr tat. Kotiüdie. 27 t 

w«*l«hp innerhalb des Hauses bleibt, wenn mich unter 

der TbQre sichtbar^ ao steht der Nuiue Av.r letzteren nicht 

in^ Sieueutilel. So Men. III. 2, wo Menaechniuä die drei 

erstem Verse zn Krotiiim ins Hans spricht, Arlelph. III, 5 ii. a. 

Geordnet sind die Person ennam en im den Sf*infn- 

fllj^rschriHen im allj^nieiuen nach der Kt'iherifoljife, wie sie ins 

(r^sprätli eiii;jreifen. Auf ihren Rang wii-d nicht Rücksicht j(e- 

nonuiien. Wenn z. U. Herr und >5klave ungleich aut'treteu, wt 

i*t4?Ijt der Name des Sklaven viiran , wenn er ziieret spricht. 

Sind ttehon Personen auf tU-r Bühne und es treten neue hiuzii, 

** stehen zuerst die neu uuflretcnden, dann die schon unwt*- 

«?ti«|^i. Ist z. B. ein Senex und ein Adulescen.-* auf der Huhne 

"»»0 es kommt ein zweiter Senex dazu, so ift die Reihenfolge 

Ö^nex AttulesceiiM Senex. Nur geringere Handschriften und 

*>^»"utbiUulicherweise der Ueuibinus des Terenliius slelleu in 

Jiewm Fall die beiden Senes /.uj«ininien: Senet* II Adulewceiw. 

**«aQglieh der UeihmtVilge, in welcher bei dem Hinzutreten 

"^«ler fVrvKjnen die ben'its anwesenden aiilzuftiliren .sind, stini- 

"^eu die l^e^ten Hund.sidiriften mit t^iiiauilm- und Mfgitr mit siidi 

**llMt nitdit immer Uberein. L>ieser Umstand wird in folgender 

'V^.jse zxi ffklärnn sein. An manchen Stellen des Plautus wiu 

•i^^TenMitius ist nemlich neben einem oder mehreren Personen- 

"^««Mti EI DKM rxler U)KM (auch et idetu) erhalten, niehmials 

'»ninittelbar mit den Zeichen J)V odi-r C, z. B. Pseud. IV\ 2 

'fallio. JiieiH. C\ wo unt^r Ideiu Pseitdoltts und Simia ver- 

*^iidc*n sind. Was ist natürlicher, als da.ss mau diese he- 

'l*»*'iiiL' Knr/.ung in alter Zeit ebenso oft gebrauchte als heut- 

lutii^e wo man für die Iwreits Anwesend^'n .die Vitrigen" 

"^^y.i'i lÜPhe» Kidviii lö.**t**u nun die einen AWthrciher <Ifrait 

*"f. dnss sie nachsahen, wie die betreffenden Peratmen in 

^^^ v<irhergehonden Steue aufgeführt waren und dieselbe 

^^nlnuaj^ beibehielten, während andere die Reihenfolge wählten, 

*'* aif in der m-uen Scone zum Siuechen kdiimieu. 



272 Ntichtr. :nr Sil:uttff tter philm.-iJüini. Olntute t'om I. .IttU J8SS. 



n. Sceneiiah theil ung. 

Von j^rüs^erer Bwleutuii^f a.U die Hcfneufibersch rillen iA 
die EiiiiliHiliinj; dur Ki)uü'»}'wu in ilie einzelnen Sceneii. 
WährenU di^ ultcn Aus^aIkmi sich hierin »n die lluiidschnt^cu 
hnlU'ti und inicli oft'imlmn' Fehk-r tlor rt'lM'rUcft'ninj; wiwler- 
Äii^'bt^n j)Hi'j(wi, wtmJH eiue phuiiiiiissi^u Ket'orui iu Botlie'a 
Aiisj^alie de« IMiiutu.-« diirehgelillirt, die noch heutentage die 
herrscheiulo ist. Dt^nn auch ß itschl ') hnt Bothe's 
lirunilsilUi" im ^iin/eu und gr(is.wn an^t^noninKm und in 
seiner Aushübe durcli^c-führt. UatU* er niieli seiuer Ent- 
üeckiitig, ditäs die Iteigeselirieboueu BuchnUibcu und 1)1^ 
(vantieiiiii inid Divi-rbiuni Ijedcuten, die Kra^e ii<H-!iniuU lutU'r — 
siielit, (^ wäre luizweit'idliiift zu thi'iln-i'i^'^ amipreu Itesultat*'»-; 
gekomiuen, da nur diLS Er};eimi8 »4*iner eigenen Foriu'lmji: 
XU verwerthen war. 

Betrai'Iiten wir zimriclist da-s Ah treten dor Per -^ 
i'Onea. Hier bfi'id^*;ii die rit'Ueivn lU'rati.-^idter dt^n Urui»i- 
satz, das-s keine neue Seejje unzusetzjeu ist, weun eine (>d*^r 
luelinTi' iVr8<inen abjfelieii und der oder die /iirUi'k)>lfibeiii[«.>nJ 
zu Hpreclien furtfaliren.') An luid ftlr Meli wäre jJi'S«^n " 
liieren («riindKatz nichts ein/iiwenden, cben^iiweni}; aU weiiTi 
man den ent^e((en}^e:«etxtfin (Uirchnihn*Ti und bei dem Ab^n^ 
jt'der i'erhfin eiu»^ neue Siu-ne bej^imien w*)1lte. Oeiin «ncli 
rlii' l'ruxi» unserer uiudernen liulmendiehter kennt beide Arten: 
di« «inen Tcrbinden die Seinen, wenn sie dies Abtret«Q eiorr 
Persnn dureli <\iv beij^iwctzti'n W*irte *'rn'ht ab* bezeit'hii«'' 
lijilien, die anderen setzen zugleich eine neue >5cene uu t. B- 
"V'ttrij^e ohne den Wirtb" (Le^ing, Minnu v. Hanih.) K-< »in' 
sich all» vor allem durum hiiudeln, wie sich die besten Uai»^ 

1) Hitachi OpiiBc. n. S. 365-3ü^ iird 111 S. 13 Amn. 1», **■ ^ 
Änm. 7, S. ft Aniu. VI. iPmlffg. Trin. p. :U:t sq.l. VerKl. awh P»f- 
attVo IMiomiio Kiiileii. S. '^4, Ad.'li.h. k. V. 95«. 

2) Amlem Dziatzko Kinl. 2. I'hornt. S. 34 Aniu. 2. 



Spettf/rh Sctnmtilft »utl Sreiienuhthei! au^ in ihr ttil. Komütiia. 97^ 



Schriften zu iler Fnige verhalten, in eiiior sehr f^rossen An- 

itahl von .Stellen verbimJen »ie die Scenen, in einer »mleren, 

gleicht'ullH nicht unlwtriiclillichen , scheiden sie dieselben. 

Ourt'h erstere veri'ilhrt. hat mun h^tzti're als dem IVinoip 

wi*lersprei-hen<l abgcilndt'rfc und Moyar manoht* Scent^niilwr- 

«hriften f^etilgt, fdr deren Eclitlwit die beat«D HandschriibMi 

lUit-ilweisr sogar I)ei4le Uccen-sionen , de.s Anibrixsiaim.- und 

'ItT l'iilatini) Mowie die Art ilires Wm-tlaute- und vtir allem 

'iie IteigeRptv.tt'n Zeichen C oder !)¥ Zf-ugnis ublugen. Den 

•VhlQ*«! zu diei«'ni Uüthsel giebt nit« die ruetrisehe Korm 

Jer Scent^n. Hiis Abtreten niner Person Imt keine neue 

■'fcene xur l'V»lge, wenn das Ver>^nnv.s das^ellw: bU-ibt,') 

wÄhrend eine neue Scene anzuiwtzHn ist, wc» mit ilein Ab- 

JT^Iieu einer der iiiiwesenden I*erK<ineu ziigleitdi muh das 

Wetnim wechselt. Und wie jsidite es uwoh andere sein? 

^«nn 7.. B. ein Dialog von 40 trochäischen Septena- 

'<? n durch C als Caiiticniu bezeichnet ist, und es schliosst 

**cVi, nachdem der eine der S|treebeniien abgegtingen ist, dariin 

^itt Monolog des '/nruckbleibenden in 20 i a m b i 8 c h e ii 

**©ti«ren, würden dann bei der Verbindung dieser Ijetden 

'^Cenen nicht anch die 2<> Sennre »k r.Hutiiinn bezeichnet 

■*»«, die doch kein i'anticuru sind? Sobald der musikalische 

'"lianikter dieses Dialoge als (.•antiouni angegeben war, tuitäste 

'*Ucli die wechselnde Vr>rtrngsweise des Monologs bezeichnet 

Wenlen nnd dies geschah eben durch dits Ansetzen einer 

'»eueii .Sc«ue mit beigefügtem D V. Vergleichen wir «lauiit 

•"^fr handschriftliche l'eberlieferung: 

Amph. l, 2 srhliej«t «ich an den Dialog de;* Mt»rciirius 
'*0<l Stkiia, der aus lyrischen Versarten und trochilifichen 
^ptenaren hesteht« noch ein retlektirender Monrdog des zu- 
'■'Wklileiljenden Mercurius in ianibischen Senaren, danini be- 
Knnil bier mit Hecht eine nene Scene. K leck eisen n. a. 
**»Wn den Sccnentittd getilgt. 



1) Bcfiondere Aiioiiiihnurd.llc' o. imtcn. 
Il«8a. PhiloH.philoi. hint.Cl. 'J.j 



16 



Vaditr. zur Sitswi^ 



wom 2. 



Aul. IV, 5. Guclio und Strobilus sprechen IV, 4 in 
troch, Septenaren. Nanhdem Kuclio ins Haus gfgangen, und 
Strohilus iLÜciri zu rückj^f blieben, gnht das Vtindniis.*' in iiunb. 
Senare (iber. Es t^tnd nur tiechs Verse, die Strobilus allein 
spricht und doch geben die Handschriflea eine neue .Scene, 
wovgn Bothe und Wagner mit Unrecht abgegangen sind. 

Bftccb. III, 4, 1 \ilHibt voD den drei Pen«>neu Lyduttf 
Philoxenus und Mnetalochuä, deren Unterredung in troch. 
Septemireu gegeben ist, Letzterer allein zurück und spricht 
in iiiuib. 4Senaren. Beide ItecenHionen, die Palatini und der 
Ambrosinnus, Wginnen daher richtig eine neue Scene, während 
Ritschi und Kleckeisen die .10 Verse des Monolugs 
noch der voraugelienden Scene anreihen.') 

Cas. 11, 7, 1 bleibt von den Sprechenden der vorher- 
gehenden Sceue der Sklave auf der Bühne zurück und spricht 
deu Monolog in üunb. Senarcn, während trochaische Septe- 
nare vorhergehen. Oeppert »etzt, keine neue Scene an 
und auf den ersten Blick könnte es »cheinen, als ob B da- 
mit (Ujereinstinime , weil keine neue Scenennber-*chrirt ent- 
halten ist. Ditch sind dit* S]iuri'n lie--* richtigrn darin un- 
verkennbar. Ui.T Anfaugabutdistabe des ersten Wortes wt 
als grössere Letter gt-wchricben (Sinunc) wie .-^ftnst bei öeg^ii" 
einer neuen Scene und anch die Ueberschritt der ueueu Sceoe 
SEKVVS ist mit gnw*:itn Lettern und rotlier Farl>e gezeichiift^ 
nur statt in besonderer Zeile an deu Schluss der vorber- 
gehenden Scene angefügt. 

Cirit. I, 2, 1 bt^innt nach der äcene der troch. OktonaR 



1) Vergl. RitBOhl's BPinorkunff (>|msc. II S. ;W" f.: .Warna 
liitT eine neue äceoL* fPr den zurru:kltlt'ilM'iidi'a Mnewiuchuit'i' Ktfra 
weil e« hier U Vorne mehr riiid aJ« in II, ä'i* Also nicht die Z«U 
der VeniG <«)ndnrD der rmschliig di's Metnnns irt der Grund. H. ^ 
115—133 da^eKPn « w" der zurückbleibende CliryMalu» in Scnorrt 
tqiriclit , wird dip Ven-art Je» vorhergehenden CHiiiog» ohne Unir 
bnvhunjr tortgptsctzt. darum keim? neae Scene. 



Spengri: Se*nentit^ und SMnennhtheüung in der lat. KomOdif. 275 

Tor deu iambiäclien Seiiaren der allein zurflckbteibendeu Leua 
wider neue Scene und B giebt mit grossen , rothgefärbten 
Utem die IJebersthrift: I.KNA KESTITIT. 

Epid. II, 3, 1 — 14 spricht Kpiilii!us iillein ziirückiileibend 
in iarabischen Senaren, nachdem oine Scene in troch. Sep- 
teturen Torhei^egangen. Daher die handschriftlich bezeugte 
Alncheidung einer neuen Scen«^ gerechtfertigt, die hier auch 
Qoetz angenomiueu hat. 

Hil. IV, 3, 1. Milphidippa ist abgugangeu, ^ bleiben 
Pyrgopolinices nn«! I'iiliiwttriü. Zugleich mit deren Abgang 
"^wliselt das Metrum, die iauib. Septeiiare gehen in Senare 
filier. Ritsch 1 bemerkt: *Nouaui scenam praeter rationem 
oMiunter libri' und verbindet die Scenen mit Bothe; ebenso 
Fleckeisen undUibbeck. während Lore »z deu Hand- 
schriften folgt. Dass hier die neue Scenenüberschrift er- 
nulteD ist, bat um sn niehr Bedeutung, weil der erste Vera 
der npuen Scene luid der letzte der vorhergolieuden von der- 
wlbwi l'eraon Pyrgojtolinicea gesprochen wird, nenilich: 

•'yrK- lube mätiirare ülam exire huc. iani istf rei prae- 

uortenmr. 
Pyrgopolinices. Kala es tri o. 
*^jrg. Quid nunc mi's auctor dt facinni, Palat'strio? 

Ganx ebenso Baeih. IV, T», I. Der letzte troch. Septe- 
"w buitei: " Mnes, Eiige eamus. ChrtfS. V<>s eurate m'iT-trum, 
*IP> officium nieuni." Darauf gehen Mnesiloehiis und Pi^to- 
^W» ab and Chrysahis, der die vorhergehende Scene .schIntiH, 
^cht nocii einen neun Senare nnifiissenden Monolog, der 
'*> B durch die Seeuendbersehrift Chrisalits Sn-uus von den 
''^h. Heptennren ge^^chieden ist. UitAchl tilgt den Scc- 
'i^utitid. 

Mtwt. II, 1 *U folgt iiucli Abgang der übrigen Pcr- 
'■•Hen auf die troch. Septenare ein phihisophirender Miwiohtg 
***^ mirflck bleibenden Sklaven Tranio in ianib. SenarLMi. Die 



276 Nnchtr. £nr Sitzunrf der philta.-jiliUol. Ctasse vom 1. Juli JdS^ 

lietrettende Stelle ifit verderbt und infcerpoHrt, aber so ri 
hiilte ich für sicht^r, daäs im Gegensatz zu den niüderiien 
Hurum^eberii bicr mit deu Hiinds<dirilttin eine neue fKina 
KU begiiineu hat. 

Pers. IV, 5, 1 ist eine neue »Scene ftberliefert, weil roa. 
den vier anwesende» Persemen eine, der Lenn, ins Hai» ge- 
}^tngen und zugleich das Vernniiiss von den troch. Septe- 
nuren sich zu den ianili. Senaren wendet. Uitr^chl folgt 
hier den Hundathritlen und bemerkt: "Novuni scentim cutn 
reliijiu' liltri tum A onliuntur. nuod efc^i nnlln nr<-eÄ*itotr et 
])rjii?ti!r nuu-i'ni Ht , biinen Anibnisiiini uuetüntateni desenw 
nolui." 

Poen. 1,3, I bleiben A^onistocle-s und Milphio auf iler 
Buhne, nachdem die beiden Mädchen nhsyenran^en. Du» Ge- 
«präch, dik-i bisher in InK-li. Septenivreii ^ctührl wurde, winl 
jetzt in iamb. Senaren furi^'esetat, darum i^t die neue St'fne 
der llandsr;hriftt'n j^tTiM-ht fertigt. 

Pseud. 1 , 4, 1. Aiieh hier bieten die Hnndschrifl'^ 
(auch A) neue Scene, wo nach dem Ab^uu^ dos Leno nn'i 
des Adules^en» noch Pseudolus zurückbleibt und auf ^i 
troch. Öeptcnare die iamb. Senare folj^eu. Kitschi, Klec^ 
eisen, Lorenz tilgen den Scenentiteh B hat ausdrilck* 
lieh PSEVDOLVS SGRVVS DV d. h. die musikalische Bf 
f^leittuig hört jetzt auf. 

Und. IM, 4, 7'^ iflt Trachalio abgegangen, die Hbrigeo 
bicil>en. Vorher fcroüli. Sept**nare, jetzt iamb. Senare. Di' 
I Irtudschrirteu, iitich A, geben die neue Scene. Flecteis*" 
verbimlet sie mit der vorhergehenden. 

Trin. II, 3, 1 bleibt Philto allein zurilrk, vorher trock. 
liseptenare, jetzt Senare. ACD geben die neue Scene, uur** 
nicht. Ihisw die-sf Aliweichiing des li nicht alisichtlich i»' 
wie HitMchl Opusc. HI S. 13 Aum. lt> annimmt. Äeii?" 
die hier geNanimelten analogen Fälle. Die Perx<meub«ieicli" 
nung Philto gerieth vielmehr von Her MiUe der Zeile in ^'^ 



I 



Sfienffel: Scenentitd und ScfuemtfUheiluntf in der lat, Komödie. 277 

Anfang der n3chBt«n, infolge desseu die Scenen verbunden 
wnnien. 

Trin, TV, 2, 15R— lfi5 ein Monolog des zurtlckHleibenden 
l'Uniiides in ijimli. Snaareii. vorhiT troch. i^f![iten»re. TiCD 
gcWn uene 8tene u. zw. BC: .SENEX DV. 

Truc. ]l, 1. 1 bleibt Astaplütim , uiicUdeiu DiniarcbilH 
ibgegangen, nllein. \)fr Dialog hatti; aus lyrischen Metra 
niiil einem lungeren System iunibiscbiT Septenfire liestaiiden, 
bei ß^^nn des Monologs treten zuerst dj-ei bKLxhisthe Verse 
«in. dann iumb. Oktonare und Septenare nebst einigen Se- 
nareii. Auch A hat die Spuren der See nenschei düng erhalten. 

Truc. U, H, I bleiiien Phronesium und Strittophunes 
»tif der Bühne, uachfiem ('yf»nin.s abgegiingeu. Zugleich iauib. 
Semre nach den troch. Tetntnieteru und lyrischeti Ver«urten. 
Darum neue Scene. C netxk der Hcenennberschrift DV bei. 

Terent. Ileaut. TV, 2, I, Kachdeni die übrigen !Vr- 
»»lU'ti al>g<.'gaugen, bleibt Syni« allein zurück. Vorher troch. 
^[rtenare, jetzt iamb. Oktonare. Alle Handschriften, auch 
•iTBerab. setzen neue Scene an. Kleckeisen und Wag- 
"«r verbinden sie. 

Pliorm. V, 7, \ bleibt Phomiio zurück, nachdem Gettt 
•wrf Antipho abgegangen. Vtirher tmch. Septenare, jetzt 
"muH. Seiiare. Nur der Ucnib. hat hier die richtige Scencn- 
•flwidiing, die Dziatzko und l'ni ji fen baeh annehmen, 
*äWnd die übrigt-u Herausgeber, auch Fleckeisen und 
"agner, sie mit der vorhergehenden Scene vereinigen. 

Ilec. IT, 3, 1. Sohtrala bleibt allein; tnich. Septenare 
■^Mili den iaiub. Septeuareu. Alle Handschriften, auch der 
W"Uil). neue Scene; von Fleck eisen und Wagner uicht 
*"g».'nomn3e«. 

He*', in, H, 1. Oanz gleich dem vnrhergehentlen Bei- 
"W. Der zurilckldeibeude l'aniphilus Hpricht in troch. Sep- 
'*ii»reD, wälireud die vurhcrgehemle Sceue aus iamb. Öep- 



278 Nachtr. zur Sitzung der phtlos.'phUol. CZoMe com 1. Jtäi . 



teiiiirtfii beütand. Auch der Berab. bestätig die Sceiientreo- 
ininjjj; toii Kl eck. und Waj^ner nicht angenommen. 

Hec. V, 3, 18 — 42. Monolog Her allein znrficklileiben- 
dt*u BacL'his in ijimb. S«|jtouaren, die vorherpt'h(*nde lliajo?- 
sceuc bestand aiw troch. .Septenaren. Hier hat uur der Bemlt. 
die neue 8ceue erhalten. 

Wenn bei dem Abgehen einer Person da» Vera- 
nlass dasselbe bleibt, so wird, wie oben lieraerkl, kniie 
neue Scene angesetzt. Doch werden von dieser R^el aacli 
Aiisnahnien gemu<:hk. Capt. V, 1 sind Hegio^ Philocnit«, 
PiuIoiJüleimis und der Sklave Stulagmu.-« anwesend, letxterer 
gefesselt und als stumme Pei-&ou aur Seite oder im Hinto- 
grunde. Naebdem Philüpulemus und Philocrates V, 1. 32 
ubgegangeu, bleiben noch Hegio imd Stulagmu^. Hegio mft 
uemlicb deu StiLlagmutj jetzt zu t^iich (Age tu illttc procak, 
hone uir) und so entwickelt sich der Dialog dieser beiden, 
der einen r^elliständigen Abschnitt bildet und in den Hand- 
scbriftf'n als neue Se.ene behandelt ist. Zwar bleibt daä Verr- 
mass^ troub. SepteuEire, dasselbe, doch i.st nicht ausgeschlwpöit 
das« die musikaliscbe Vortragsweise dieser Scene eine ander* 
war als die der vorhergebenden. Jene bestand aus eiDon 
lyri.schen Anfang, nemlich bacch. Rhythmus und troch. Otto- 
nare, die dann in Septenare tihergehen, diese nur aus troch. 
Sept**nHren. Das^ dieser Scenentitel nicht auf einen Fehior 
ziirflckzuFühren , darum nicht mit Fleckeisen und Bril 
7U tilgen ist, zeigen andere ähnliche Stellen. Von Wichtig- 
keit ist vor allem Pseud. 11, 3, 1. Der Auibros. verbindet 
diese Scene mit der vor liergeh enden , BCV trennen »*■ 
Vr)rber geht ein Dialog zwischen Pseudohis und Harpax ii 
troch. Septenaren. Nach Abgang des Harpax spricht P*<'** 
dolus einen Monolog gleichfalls in troch. Sej)tenftren. dtf 
in B die tTeberschrift SERVOS . C trägt. Nicht nnr dö 
Bucbfitabo C bewei.st uus den Werth dieses SceDenbw 
sondern auch der Uni(*tanil, dasH dersellxn in die Rede a** 



/: Scenentitel unrt SceiietiabtheiluH/f in der tat. KfirnnHie. 279 



Pseudoliw selbst Iniu'iiiJTillt , also die P*;rs(inmiUrzi*i<!hnuTig 
PsH'miolui* zweiiniil btnkT «iimii'ler zu stehen kommt, zel^t 
deutlich, dn»^ diese Eintheilunfr eine absichtliche ist. Ritschi 
iinii Lorenz fidy^en A, wir werden aber die beiden Keceiisi- 
onen wieiier derart zu heurtheiten haben, diws A die jünjfere 
vertritt, in welcher solche Unterscheidunnen bereit« verwischt 
sind, BCI> die ältere und 8ürgfattif<ere , der wir uns anzu- 
niachlie!s?n'n haben. Wir dürfen mit Bestimmtheit annehmen, 
dass die Iwtreffenden beiden Scenen, wenn sie iiuch beide in 
troch. iSeptenaren verfa-sst sind (die erstere hat Obri^enä ituch 
rein lyri^-hen Anfang), doch verschiedene niu^ikaliMche Be- 
f^eitung hatten, du der ('harükter der dramatisch lebhaften 
Diahig8c«ne von dem ruhii^eren, üum Tlieil philuw»phireiiden 
Munubfg sehr verschieden ist. — Diej*eU>e Verwchiedenheit 
der beiden Recensionen treffen wir Pseud. IV, H, 1. Die 
vorhergehende Scene IV, 7 bestand nacli Ivrischem Anfang 
troch. Septenaren. Nach dem Abgang des Balliu imd 
Tlarf>ax folgt ein Monolog des zurtickfdeibenden Himo in 
»cht troch. ijeptenaren , der in A ohne Zwischenraum der 
Torhergelienden Scene angehängt, in BCD als bes(nidere 
Scene davcMi getrennt i^t. Auch hier hat eine der Palatinischen 
Hand-schrifien, nemlich i\ al^ Tit<'l SIMll SEXEX • C • somit 
wieder alte Ueberlieferuug. Vergl. auch die uuteu besprocheue 
Tersclüedene Keceiision Pseud. I, 3, 1 (230), — Aul. HI, 4, 1 
bleibt Enciio allein , nachdem der Koch abgegangen , und 
spricht nrxh einen Monolog von 15 troch. iSeptenaren , der 
in BJ uU tjesondere Sceue von den Septenaren des vurher- 
gehenden Dialogs getrennt ist, während D die 8cenen ver- 
bindet, was Bothe und (toetz befolgen. \) 



■ vor 



1) Capt. IV. .3, 1 giebt B zwar die acht troch. Reptenare den Mo- 
oloR« vom vorlK'^rgeliondeu durch diL' äceaenOberscbrift FaraKitus 
Dt, über Am orntc Wort dur Zeile ist nicht wie iioiwt mit 
Lettern ge«chrieben «ondem illie klein und zwni Buchstaben 




*rr*w- 



\fäimg 



l#<W.-l 



Als Resultat liicser Untersucliiinj; erj^cbt mch folgend«. 
Wo Hie Haiwlschrifteii bei fj^IcicItHrti^LMii Versniass eineu Miini>- 
log Vüii finem vorher^eheudeii WecUselgesprfwUe scheiden, 
werden wir dies aozu nehmen haben, ohne das« wir de>^ha)b 
horf^rhtigt ^ind solche ScfiR'ustiheiduiij? K''K<^" <!**' Ileherliefer- , 
«iig herz\i!*t*llen. Wcdil laiij^ iiu luuiicheii SUflleu der Si-eucn- 
titel verloren ge^^angeu sein, aber ob in deo eiu/^luen KüJIea 
die imiaikftlisclie Begleitung des Wech^^elgesprächs im Monnlog i 
fortgt!set'/.t oder geändert wurde, dafür fehlen uns die fetea 
Aahulttupuiikte. Küiineii wir doch nicht einiuiil mit Bestimiut- 
heit behuupten, diws die blo^Me Uecitution vou den truchüi-sche 
iSeptenarL-n der Monologe ganz ausgesehlosscn war. 

Weiter frügt es sich tun (ins Auftreten neae: 
Porsonen. Dans im uUgemetnen das Hinzukommen einer 
neuen Persun miabhängig vom Versmass auch den Anfang 
einer neuen Öcene mit sich bringt, liegt in der Natur der 
Sache. I>t>ch veniieideu heutzutage- die Bühnendichter nwnent^ 
lieh beim Anfang eines neuen Ahwhnittes der Handbmi; die 
allznhfiuflge Stenentrenuung dadurcli , duss sie eine etwas 
später auftretende Person gleich iu den früheren Sceuentitel 
mit entsprechender Bemerkung niifnehmen x. B. «Der Graf 
Bald darauf die Gräfin'"- Ein solcher Zusat/., der die:«*i'i 
.Uiild darauf* oder , Später" entspräche, ist iji den alu'' 
Scenentlberschrifben nicht erhalten, woraus jedoch nicht fol^i- 
daKs die Dichter von der Sache keinen Gebrauch niaclif«'' 
Die Thätigkeit dee Kegiäseur» konnte dergleichen leicht cr- 
seteen. 

Wenn mit dem Hinzukommen einer neuen Person wi- 
gleich auch dius Versmaiw weclwelt, so sind die beiden Sceneo 
immer geschieden. So z. B. Men. Hl, 1 zuerst ein Monolog 
des Peuiculus rin 17 troch. Septenaren; mit dem AuftreUa 
des Menaechmus geht das VersmadS in iamb. Seuare ßl*er, 
danmi neue Seene. Elienso Poen. IV 2, Triu. IV 2 und oft- 

Piese Sceuenlreiiuung findet aicli auch einmal , wo ^W 



jjrel: Setmenhtei und Scene'tnt>tMirUnHif m der IM. Komwlir. 281 



Hiuukonmieudeii stumme PorsotiPTi sind un<] diis Vprsniit-ss 
cbaelt. Die Haiidöchriften scheiden iicmlich dit* iScene 
t HI, 5 von HI, 4 und Ji giebt als Sr«neiit)tel zu ITI 5: 
fleijio. Drrtirii, Tpudarus. Aristophonies, weil mitiieni Hiii/.u- 
iiimmi*Ti der L(»runi die troeh. Heptt?nure in innib. Seimre 
flbergt-hen.*) Mit Unrecht ißt der Sceneiitittd von Fleuk- 
titcn imd ßrix getilgt worden. 

Von einer Verbindung zweier See neu ku einer 

I kkOD aliw nur die Kwle Hein, wenn hei dem liinznkomnien 

der neuen Person das Veramas« du.<«8etbe bleibt. Gar oft liegt 

«nt (fliehe Ziijittnmienziehnng sehr nahe und linden wir doch, 

"Im* davon kein Gehrauih gcnuvcht ist; /.. H. Pers. lll, 2 

"öd lll, 8, wo die erntere t>cene nur fiinf Senate enthält. 

Zuewt spricht der Leno fUr sich einige Verse, dann: Sed 

I iW «ittcrepttit foris . qitistiam eyreiiUur foras? Mit dem Aiif- 

^treteu dittfer /.weiten Person heginnen Miwohl die l'ulHtiiii 

^B l| In der Secne der iunib. Senare «elhnt sprechen die Lorarii 
^Bieht, aber am Ende iler vor hergehenden äcene ffiebt auf den Kuf 
, tofof/i«!, CorJalio, Cwax, ite istinr. atqHe ecferle lora einer ilertielben 
[ l*B £ diirL^li <'t> buzeiclinet) die Antwort Num Ugatum (die Hiind- 
\ •'"Krift lütmituM) miitirmtr? Bntwt<l«r nind »lie letztonm Worte von 
'winUfnirius f?pMproi'hen. wilhrcnd er nm-h iunprlialt» d<_'M Ifaufc int, 
'"•M ist dos Kehlen de« Ijorar. im Scenonlitel mi III, 4 regelrneht 
U- obeal and beginnt die neue Scene, wie »le Aberliefcrt i«t, vor dem 
"«tm Senar (Hl, .'>. 1|; oder einer der LorurÜ «prirlit Num litjatum 
"»lUutur:' mi>.'bilt>in rlieKell>en liereit« ilie Hiltmu be(r«'ten hüben, dtinii 
"Mfr 8u'npntiUd um einen butbt'n Ver« so venietwn, nemlich: 
^^ Ite iBtinc utque etferte lora. 

^H Hegio. Lorarii. Tyndarii«. Aristophonteii. 

^V Lor. Num ligatuni mitfimar? 

PP^ Heg. Inieite manicaa e. q. h. 

' ^^Wiftnii lAwt »ich die Le-ttart Itc Ufiuc aO/ue halU'U. wt'nn rann 
'^'^ Ven ab iamb. Okt-onux miüst und dtn!<eUien ul« von den tr»- 
'■nliichfB Hi'ptenarfn zu den iamb. Senaren hinüberleitend betruchteU 

k^"^ UinÜrheN eini^mnl bpi Plautn« , öfler noch bei Terentiiw rn 



282 Nnditr. zur Sitsuiiff der philos.-jihitol. Clasne vom 1. Juli 1661 1 



bIm der Anihrnsianiifi pine nenc Sc*nn. Pers. IV, I spricht 
Torilus ID Vors**, ruft diinu tien Sagaristio heraus, wrtnmf 
mit dessen Erscheinen eine neue Scwie b^nnt. Dttaptbe 
ScciK^nschpiHiinj; Und. l, 2, 1 nnch sochs Senuren; cU-iin von 
dieser überlieforten Eintheilung alizugehen ist umso wtoii^^r 
ünind vorhanden, aU nach 1, I, 6 eine kleine PttD*e ein- 
treten kann , die Scepamio mit dem Ausbessern dt« Hauittt 
aii§füllt. Kbenso Hiid. V, 1, 1 — 7 Monolog de« Labrax in 
sieben iiinib. Septenuren. Nach dessen Beendigung neue 
Scene (in Ji durch die Schreibung VNCquwm fOr Nunquam 
l>ei Ueginn deß ersten Verses ungezeigt). Wir haben im 
nlso zu denken , diu^ die neu ankommende Person Gripos 
erst erscheint, nachdem Labrax seinen M<inolog vollständig 
beendet hat. Die Scenenacheidnng bot jedenfalls dem Schmr- 
spieler weit grossere Deutlichkeit der Anffiissung dar ftl* 
wenn wir, wozu jede Berechtigung fehlt, mit den neoeren 
Heransgebern die Scenen verbinden wollten. FemerTrin. 1,2,1 
nach 10 Senaren. F*oen. V, 2, 1 nach II Senaren u. a. 

Wir mtlssen nher auch bedenken , dass die /usaonnen- 
ziehuiig zweier Scenen oft nur scheinbar j«t. Nicht sehen 
werden zwei Personen zusammen in einer Scenen 5 berscKrift 
genannt, von denen die zweite zwar erst nach einem Mubo- 
log der ersteren zu sprechen beginnt, aber doch schon frülwf 
dem Publikum sichtbar sein kann. Die grosse Breite ^^^^ 
antiken Bflhne kann mancher Situation die l'nwahnichein- 
lichkeit nehmen , die sie nach unserer Autfasstung ha^ 
könnt«. Dat« stdbet wo da? Ankommen einer Person «"•' 
drilcklich erwähnt wird, diese nicht immer in deuisel^ 
Augenblick antaten miis«, zeigt unter anderem Trin. 11,4, -^K 
wo Le^nicos sagt: Estne hie P/iiUo qui nänmit? o**^ 
doch war Philto schon von Anfang der Scene aaf der Bßh*^* 
und machte für sich Bemerkungen zu dem Dialog de> l^^ 
bimicu« und Stasimtus; er tritt nur in diesem Augeulilick **_ 
LesboDico» vor. Zuweilen werden jedoch in der That Ä*'**' 



j 



SpenffH: Seenrntitrt und Sctnenahtheäuny in iler Jttt. Komödie. 283 




Xi 

Ml 
sei 



Personen, die in einem /wischen ran m hinter einAnder auf- 
treten, im Scencntit^*! /.i]HHninHmgetii.*fst. So Miirv. III, 4, 1. 
CtiarinuB beklag t^ich in einem Mi>n(ilü^, diu» Butychu^ so 
i(fe «a-ldfibt; nach 10 Verneri erblickt er Ihn und sagt: 
iatust quem currcuUm uidc&i' Hier eriurdert die Öituttbiou, 
EuiychuH nicht früiier sichtbar ist. 
Verschiedene Auffa.'isung der beiden Recensionen Hegt 
rr Bacch. UI, 5, 1 bis III, i3, 1. Pistoclenis tritt ans dem 
Hao.-^ Her Bacchis nnd spricht eii derselben nnch 4 troch. 
Septenare. Kr srhlie.-«<t mit Ibo tU uisatn hac ad eam si 
te,st (iomi. In diesem Augenblick tritt Mnesilm-hiis ans 
in Hanse und mit seinem Erscheinen beginnen die l'alatini 
eine neue Scene, während A die Sceuen verbindet und den 
Xamen des MuesiJochus schon in diT Ueberschrift zu HI, Ti 
habt haben nmss. Die Recension der PaUtini war wieder 
r den Schauspieler die bequemere, nie sagte ihm, dass 
MnesihM'hiw erwt dann auf zu treten habe, nachdem Pistixilerns 
seinen kur/^n Monolog volLstUndi^ bet^ndet hatte; ich trage 
^daher kein Uedeuken ihr den Vorzug ym geben. Aehnlich 
es Pseud. IV, 6, 1. Am Scfaluas eines Monologs von 
ll Versen «igt Hallio. er wünsche, dass ihm jetzt Kimo be- 
gegne. Dieser erscheint im nächsten Vers imd hier heginnen 
BD eine neue Scene, während A (C) sie mit dem Monolog 
zuummen nehmen. Der t^enentitel in B trägt zu sehr den 
^lupel der Riditheit und I^rsprlinglichkeit, als das« wir ihn 
« leichthin entierueu dürtt+^n . nemlich S. Sinio Senex. 
K. Ei dem. D\. Unter Kidem (== idem) ist Ballio ver- 
stinden.') 

Uebrigens sind die Fälle, wo bei fMautus zwei Scenen 
[Ju «ne zu8uniinenge7X)gen werden, selten nnd beschranken 

I) Ohne Beziehung dazu acheiat der liiMtund zu ateheo. Umna B 
rV, 5, 1 die CeWnti'hrift ««■* Versehen aualiUsl. liier wird nur 
f*eMuaenlje7.eiclinunK ilta* tialliu tdo der Mittn der Zeile an den 
nfnitg j^ nfichflt^n Vemes gerathen nein. 



284 Narhtr. zur Siisitng der fihilm.-}ihiM. Vlai^r vom t. Juli 1«5. 

Hich incisUriiä auf <icn Abstand einer geringen An»ihl von 
Vefsen, wUlirend die neueren Herausgt^lier diesem (irundsiU. 
eine iiuljerecbtij^te AuRdelinnii^ Julien und .s<i niani'ben Sceneu- 
titel eigen miichtig tiltften. VV'4>nii wir hedenken, *ln!*« die 
l^iicnnberschrirten in dfii Hand.st:hritleu meistons von an- 
derer Hand sind als der Texk^ daBs beim Schreiben zuod 
nur der Platx für d!e?*eU>en frei ^elasien wurde und in v\ 
»einen Komödien (^setlltet in li) unausgefllilt bliel), ja jniwnilea 
wie z. B. an vielen Stellen des Rudens auch keine Zeil^ 
leer gelassen ist, jjo werden wir begreiflich tiuden, dass wei' 
leichter ein und der andere ursprünglich vorhandene Scenen 
titel au:<falleu als ein neuer vom AbschreilHT eingeschwüi 
werden konnte. Der Ausfall war am leicht«steu möglich, wei 
entweder nur eine Pers^^n in der neuen Soene sprach 
denn wenn dieser Persouenuame aus der Mitte der Zeile 
den Anfang der uächR<ten Zeile gerieth, war damit auch d 
Scenenahthcilung gefallen - oder wenn der neue Seen 
anfimg in die Mitte einer Zeile fiel. Wir brauchen a 
nicht zu scheuen auch gegen die Handschriften eint« neu« 
Sccne anzusetzen , wo der Verlauf der Handlung nnd der 
sonstige (iehruui^h es rilthlich erscheinen lil^, zumal W' 
äu^äere Spuren diiniit übcreinstiuimen. 

So erachte icih die Schluasscene riet* Miles fflr eine iHl* 
Verbindung zweier getrennter Be«t!iiidth('ile. In allen Aiws- 
gaben ist drr SkUive Hcelednw ins lVrs<menver7,eiclinis v<M 
V, 1 mit'genonnnen. wiewohl die lebhafte Handlung zwiwli*^ 
Senex Miles Cocuh Lorarii (V, 1 — H4) einen ganz ftlr äch 
l>estehendcu Tlu-il bildet mid Scfledru« erst nach 'M 
Septenaren auftritt, wuniit dann die zweite Hältle des Schlu.^ 
nenilich die zweite Deniflthiguug des Mile« beginnt. Ich 
güfiKe daher : 
Pyrg. Causam hau dico. Pe. Eannis intro, Cario. Piffg. ^^^ 



Sic 



(1427} Eccot* uideo. 



Sfß^Mftl: Setneatiiet um/ Sefiteiiithtin'iluii// in tlrr Int. Komftdif. 285 

[Scelednis. ICidem.] 

Pyrff Pfailoctimosiam iam profecitiuifc? die mihi. 
Sc^. Iahi (ludnin. 

Die hainiw'bnftlk'lie BpHtUtij^uujj dieser Sceiieneinthi'llnn^ 
li^l^ d»riu. da>*s in dem tSoenentit*'! zu V, 1 (vor Vers IIIOI) 
der Nullte des Scoloiirus nicht stellt, .-H^udern erst aus ^ nnd 
der Editiu princei») in die Ausjjftbt^n luTfihür j^rnommen 

Aehulichi* Wrhjütnisst» kubreii wi^itr l'ers. IV, tl. liier 

flpictt sieh di«? Huiidluiig zwischen den Hersimen Dordiihis 

j^u.f»:iristi() T4>xiiiL< und der Virjf*) iil» inid erst iiueli 42 Verwu 

*"iril Satiirio von Toxilii:^ mit di;n VVork-n (72'») Hcns, Sti- 

tHftOt «»et«, an» dem Haus gerufen nnd ersi-heint sogleich: 

Efrcf. wf. nuvtqu'ul moror? Unniöglicli können diese zwei 

Sci^ren^ wie bei Kitseht u.a. geschieht, mit einander ver- 

hiiiiilen inid der Name des Saturio gleich der ersten SeHm^u- 

ßbvrMihrift (<i8:,l) Iwigesetzt sein, sondern mit dem Auftreten 

4ea Saturin mnart «ioc neue Scene beginnen, ul-^i : 

(72iS) Ininiicum ulcisci. 

(Suturio. Kideui.j 

Sat. bicce uie. numquid Dtoror? 

Auch hior haben sich die Spnren der riehtiRen Kin- 
theiltirij; in di*n fitindw-hriften Kelljst i-rhalteii, in B dadurch, 
dajss der Nume des Saturio im Hcenentitel UHIt fehlt, iu ji, 
'lulem vor 726 (also vor Jtiimicwn tdc) eine Zeile leer ge- 
iW^en iat, wa« den Anfang einer neuen Scene bedeutet, der 
•«f hier mir um einen halben Vers ven^choben ist. Daas 
***« zweite Sceue nur fünf \'erse enthält, ist ohne Belang 
^f die Suche. Üenn nur wenn zwei Personen in kurzem 
^'"istlicnnium hinter einander auftreten, also die erstere 
*'*'■ heidi'U Ötenen wenige ^'e^se enthalten würde, können 
***K beiden Scenen zusammengezogen werden , al»er nicht, 
*win ttuf eine umfangreiche Scene eine kurze fulgt. 



286 yaehtr. lur SiUnng der j/hüos.-jihütti. Clause vom 1. Juli 1882. 



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Epid. TU, 4 spreclien xuerxt diT Miles und Periphanes 
von 433 — 472. Daun erst sagt Periphanes: Heus foras educite 
. . . ßdicinant Hier tritt die Fidicina aus dem Hans iiimI 
doch soll ihr Name nchon 40 Verse vorher im 8ceneutitot 
stehen. Ich hatte die»i umso weniger für denkbar, als die 
Fidioina im folgeiidea am Gespräcih wei^eiitliehen Anibeit hat 
und sie durch ihr Erticheineu deui Miles wie durch ihre 
Ueden dem Senes den Irrthuni aufklärt. Daher ergänze ich: 
Ei quae avcessere tibi donu adiluni grutiig. 
[Fidicina. Kidem.] 

(47.'>) Per Age accipe haue sis. NU. Quae te inten» — 

periae teneiif^^ 

Die HaniUchrifben selbst bestätigen uuh diese Vermuth — 
ung. Denn in .<! ist vor 475 eine Zeile teer geluAsen, wi 
der Anfang einer neuen Srene bwleutet, und von dem Seen? 
titel, weh'hen li vor A'-i-i git*bt, nemlich: Miles Senex Pi 
pfuiues Fidicina 3Iulier, ist t^icher niclits weiter echt t^'' 
Miles Senex. Das Wort Mulier i«t ohnehin von zweit^sfl" 
Hand l)ei^i'ftigt niid s<hon dämm unrichtig, weil TV, 2 ilaF«- 
mit ilic l'hidippa bir/^ichnet ist, aber auch Periphmcs Fitf 
eiua werden durch die Stellung des Worte« Pcriph<in€S. d 
vor Senex stehen mtisKte, aU späterer Zusatz verdik;htigt. 

Ebensowenig kann ich mich mi^ dem Sceneniitel ei "Kl' 
verstanden erklären, welchen Kitschi u. a. zu Most. 11, 1 
hergeat«jllt haben. Zu den in der Ueberschrifl vor 348 **.»/• 
gefiiJirten Personen Rlgen sie noch Puer^ obwohl dieser e»^ 
420, also 72 Verse später auftritt nnd untenle.<^sen dai« VtM:^- 
niaKs von den briH'h. Septenaren in ianib. S{>nare nbergiisff- 
Die Trochäen 8chlie*4en mit 407 ab, wo alle in» Hatb* ffe- 
gangün sind nnd nur Tranin ziirnckblptbt. Entweder liitT 
wler beim Heraustreten d<'s Vwfx nmt« eine neue S*^eiie '>i** 
ginnrai. Die Bandst- hrilt«n gelmn sie hier heim Wech-W 
des Versmaesetj und lassun vor 348 mit Itecht die UezeicImniW 



4Ue1 und Scetiennhthtiluntf in der tat, Komödie. 287 



■w^.*) Vergl. auch oben S. 275 f. Eine andere Stelle, 



Ki 



;hl und anderen 



1 Aufgaben von Botl 

iön corrigirt ist. erwähne ich nur, wfil sich hier die Ent- 

Vn}( der Verderbnis nuehweiaeii lässt. Trin. V, 2, 1 — 51 

r, 2, 52 — 65 Ut nemlich in den Handi^chritlen zu einer 

Terbxmden und iler Name des Ijesbonicn» von ßC in 

enenßl)erselirift vor V, 2, 1 aufgenomraen , wiewohl 

ilbe erst nach äO Versen heraiij^genifen wird. [D lätat 

tarnen weg.) Wie der Fehler entstanden, davon haben 

[die Spuren erhalten. /* setzt nemlicli an den Sohlufw 

KTorbergehonden Scene: Charniides Callidis Lysitelis Lea- 

üctw SENES - II . ADVLIKCENH • II • U. Sowohl hier aU 

der die Apjiellutiva nicht giebt, heifwt es Adulescens 

t>Ton nur die Zahl als an unrechter Stelle wieder- 

1 zu tilgen iüt. Man kann übrigens aus dieser Stelle 

weiteren Beweis dafür entuehuien, dsas die A]>]>eUativa 

i*|>äter heigegeben wurden. 

Ein<* neue Si-ene schlage ich auch vor Truc. V, 1, 22 
der Mitte des Verses: 
Phroii. Accipe hoc atijue anftrto intm. 
[Strabax. Eidem.] 

Strah. Ubi mea amicnnt gentium? 
[Mit tleni Erscheinen drs Strabnx nimmt nemlich die 
einen ganz andereu Charakter au inid der Au^tuU der 
Scenenangnhe ist umso leichter müglich , weil BC 
Hun in den letzten Scenen des StOekes statt ^hT Pcrsimen- 
giMchriften nur eine leere Zueile gieht (nur />* setzt Nanu'U 
D), und weil eine leere Zeile gerade ia der Mitte dos 
untl gegen Ende des .StfUkes leicht Übersehen werden 



Aach dar Marne der Pkilcmatium ist im Sctmentitel vor M% 
' Öbfrlitjerl. Sie ist eine Atuiurac Pen«*)ii, diiniiu ihr Nume in 
iMütchriftcn nicht vorzeichnet. l>ie zastimmeiide Antwort Cura- 
|4Ö1 ijebfirt dem PliüoIiu'lieK. 



288 ÜacMr. tur Sitzung der phüon.-phüol. Claxitf vom 1. Jtäi ]8 

knnnte.') An manchen anderen Stellen ist kein Zwang vi 
banden von der Überlieferten Biniheilu^^' der Kandsehril 
ahy.nj^plien , ju bietet dieselbe ^frös^«re L)eutU(dikeit und 
C|iieuiiti.'likeii als dii- vorgpiioinnieiie Neiieruny. So ist Bii 
tV, 2, 1 der neue Seeiieiiuufung aritten im Vers erhall 
lind ei-sLlit'int es weit ]>}issender, wenn mit Erscheinen 
l*iMtiH.'lerus , der erst naeh längerem, .Htürniiselieni KJo|; 
aus dem Hmus konuiit, eine neue S^ceno anlangt, aU di 
Äftin Nimie i^rhon in Seonentitel vor IV, 1 (ö7;i) gi^ebeo b 
J?/)*, welehc* hier AtJolesceiis iveiftl^^en. tliun dies im VViii 
äpnieh mit iliver eijfeuen Scenenstheidnng. — Ci«t. III, 1 t 
binden (irut^^r-Taubmann und Mpätere Heransgeber mit Fll, 
Znorst s|tri<lilr Mflacnis s^'chs troeh. Septenare, dann heisat 
in zwei Ver-snii die Ilaliric^i uuklopfen, Üa tritt Alcfsiinarch 
nun dem HuuHe. mit desäeti ßrscbeiueu die Stiinnnjup; uiiufclilSj 
and pausend die neue Scene b^innt. Parens ist mit lUsci 
JS gefolgt. — ('urc. II, 2 set7^n die alten Ansrrabpo rl- 
Namen des Phaedrumiu« zu der Seenenfibcrsebriit , weil 
gej^en Knde der Seen« einige Worte (Spricht. Aber Pletlt 
eisfii hat rielitig entdeckt, dass hinter 2:1 eine Lücke w 
und in diej»e füllt iler neue 8eenentitel, was Goetz in seiui 
Ausgabe bereits aufnahm. — Von Bedeutung ist die Vi 
(*ehie<lenhejt der lieber lie IV; n mg zwisehen den Polatiai 
A in Miwt. V, 1, 1(3 n'^*54). Tranio spricht xuorst eiwü 
Motmlug von 15 l^nüch A 22) Versüii. liegen Schluss dp* 
sidh4>n ist das Erscheinen des Benex angekündigt: S^ ^ 



1) Am pinfacliHten wfiro e«, wenn anch Tnic. lU, 1. 19. woA«* 
phium K])noht. eine neue Scene be^finnen vrtlrdo. wie ich en in mtif^*^ 
Auag&be berfteltt**. Doch libiHt «ich die (llM-rliefert*- Eintlicilniiff »'** 
leicht damit erklären, dajw AsUphium in den 4 Versen III, 1. 1!*^^ 
noch unter der Tlitire Btehe_nd jfediiclit werden Iciinn, so dow »18 "^ 
nach 22 die St'ene betritt. Sclio(>n ififht lilt» .Si-eneoÜtel ror IH- 1- 
nur Straljax ohne mit 19 eine neue Seene anzuitetzHii . ^in \{i<^'^ 
«pruclt, der jedenfalls auf ein Verxebcn xuiQckzufÜlin'n iiiL. 



rl; SctH^atitel uml Svcnrtutbthriluriy iu der Int. Koiuöilie. 289 



quf)d foris concrepuit proxuma uiciiiia? Erus »wus 

^^ülffHitt ffc. Die nun fuljfemie Sceue ist iu BCÜ mit 

Monolog iu eiu Giuixes xusaiiiuieiigezogeu und der Nume 

Sf'ik'x uiiH tlif Tjonirii in jenen 8ceni'ntit-el uiifgenmum*'!). 

A sind lue Scoiicn riclitig giwliiwlitii. (Vt;rj<l. IVrs. SO 

lil (ier folgenden Seene.) — Ein Fall, wo die Handschriften 

'D Aenderungen der üprunsgehi^r gt*genlil>pr cieufclich Hecht 

baltci) , i«t eist. II, 1, 1. Di«' Hanclfifhriften gehen iil« 

nentitel nur Alit!s*ini!ir(diUM und zwar li: Alcheaimarclius 

•itiolfsreus • C • Da nun luit V. 16 auch Meluenis zu Hpreeheu 

Ix^innt, itet/ten Atp ITpransgphi'r mxli Mida(*nis dies*'»! Tihd 

^i mit der HeiUnitung: Später Mehieuis.') Alier dji-ss wir 

ei (puiz getrennte» Scenen vor uns hüben und zwisi^lien 

. 1, lö und U, I, 1(», wo Melaenis zu sprechen beginnt, 

•?'!»•' grosse Lncke nnd in diese der neue JSfenentitel fiiJIt, 

Iwt Benoint in «einer Ausgabe erkannt nnd int dnreh 

>}turtemund nus dem Ambro^iantts nuebgewteseu worden. 

^riiit ist die Ilbi^rlieferte SoenentSberschrift, die »ich auch 

PtluTth den /iLsatz C als alt erweist, glän/end gerechtfertigt. 
' Weh:h' grosse Bedeutung der Wechsel des Vortrags 
Und der ninsikalisebeii Begleitung für die Soeuen- 
wuthpjlung hat. zeigt uns eine Kigenthüoiliehkeit der Uel>er- 
''fHVriing, ilie bisher völlig verkannt worden ist. Ä« einer 
Aiiuil)] von Stellen finden wir nemüch, ohne da.ss eine neue 
»'eiwn hiuznkonimt oder eine der vorinuideneu abgeht, schein- 
''Wganz uninotivirt einen neuen, nn nicb rirhtigen Seenentitel. 
*^lhrend niau dies der (ledankt-nlosigkcit der AI)Sidireiber zur 
"Wt li^' und einen Hauptbr-wels IVir 4ien geringen Werth 
''"^ hundHchriftlichen Sconent/iutbeiluug darin linden wollte, 
"*^n unx hier vielmehr (lie wii'htigsten Ueslp der ältesten, ge- 
*i» auf das Biilmenexempbir selbst, zurlickgidiendvn Scenen- 

^1 1) So noch Kit.-trhl (i|ms<', IJI S. U Anm. 1*2. 
HUR^. PbilcM.-pliilnl. hiMt. iX 2.) U 



Naättr. znr Sitruvif Her phitas.-phiM. f^agsg mm 1. Jirfi* ÄSJl 

scbeiduDg vor. Eine nähere Betrucbtuii^ der einschlägigei». 
SteUen wird diüs erweisen. 

Der Aufuti^ von IJupt. II, II lautet in B mit Jena letatfir^^ 
Vers der vor h erflehenden Scene : fl 

Qiiae Ad patrem uit? nnntiari. uin uocem huc ad t^? Tvn. Voci^h^ _ 
HegioSenex. Philocrate« Adolcscens). Tyndarn 

S e r 11 u s. 

Heß. Qiiae r^ beue uortat mfhi ineoque fiUo 

Vobfaqiie etc. 

Die neueren Heransgpber haben ^len .Seenentitel gestriclic 
und schon Letwinjj; saKfc: "Ich weisa in der That nicht, wuni 
hier ein neuer Aultritt angehen soll. TyuduruB war ja nicB-^»-** 
abgegangen, sondern Hegio hatte ihn mir bei Seite geftlh 
inid er war bloss einige Zeit ohne Hundbing geblieben 
In der That sind die PersontMi dieselbeu, aber mit der B^i"^ 
Ziehung des bisher seitwärts gestandenen Pseudo-Tyndarus l»^'^ 
ginnt ein selbständiger, von dem Torhergehenden sich dei»*^" 
lieh ah.sondernder Theil der Scene um) dit^e Al>sondemc^^b 
ist aiicli iiusserlich durch den Uebergang der troebjiisch»^*^ 
Septenare in die iambischen Senare zum Ansdnick gebnicti*-- 
Während die vorhergehende Äcene mit C (^= Cuittirttw) h 
zeichnet sein musste , trug dieser Theil der Sceue das jel 
nicht mehr erhaltene Zeichen BV (= Diverbium). ^ 

lianz iihnliidi ist Most, ni, 2, 9« in B: 

Magni .sunt oneri», quicquid iriiionas uehunt 

Tranio Seruu-. Theuropides Simo Senes II- 

Nunc hünc haiiscio an conluqiiär. congredfbor. 

Tranio bat soeben den Monr>lng 111, 2, 88—95 in Senn-r*?" 
gesprochen und geht nun nach der anderen Seit« ffli <J^*^H 

I; Andern Cupt. U. ^t, 2ri. wo im Geüpräfhe mit denKelben Pei^" j 
aonen und gleich bleibender Situation das Versnia«« von Settare^o " 
troch. äeptenare Qbergeht. 



Sttroijft: Sceneutitet und ScenenahthiiluHg in der tat. Komridie. 291 

wart4»n(Ieii Senex, womit nicht nur der Monulr^ in den Dia- 
^'*J$ äfjudern aucli das iambische Versmass in ein umfuiiß- 
reich^re« hacohisches Sy.'^tem mit nachfolgenden irochäischen 
Sept^naren Oberveht. Das Vorhergehende war ein Diverbiiim, 
jetzt hei^ont das Canticnm. Interessant ist. es, das* alle drei 
PaJatinitH.-hen Hnndscliritt«n BCD gemeinschaftlich die«« 
^eneneintheilung erbtiU^u haben . dajje^en A die Scenen 
verbindet, wieder ein lieweis von der geringeren Bedeutung 
dieser Receusion. 

Corc. V, 2, 3ü haben nur B und £ die ursprüngliche 
^t-'enenächeidung bewahrt und zwar E: 

^iHü est *niod ille dfcit. l'hacd. Vuc m© certiorem, te öbeecro. 

KIOEM ■ 
^Ko dfcam, snrge. hanc rem agite atqne auinium adnortifce. 

Statt Eidet» giebt B: MlLEri, wozu no<^h EIDEM zu setzen 
**t-*) Hier geht also das Cauiicnm iu ein Diverbium, die 
^'^Hili. Septenare in ianib. Seuare über. Die Personen bleiben 
**>eselben, aber die t^cene nimmt einen anderen Charakter an. 
(vQgenllber der bisherigen aufgeregten Situation tritt jetzt 
■*'ihe «in und durch einfache Kr/ählung des Saehverhaltee 
**»"tl Hie Verwickhuig gelöst, was durch den Unisehlag des 
"hytlimu-'i s«;hr jHt-ssend zum Ausdnie.k gebracht ist. 

Aul. IV, 9 bis IV, 10 finden wir in den Ausgaben von 
*^*>the, G5t& u. a. folgende Sceueneintbeilung: 

Uuclio. 

■ **rii fnteriii oceidi. 4|uö cnrram'i' quo nöu curram? tene tene, 

quera? quis? 
' * ^ 1 meo mälo et damnn, pati nequeo. 



Ii KlifUHi) |pel>t B KU V, 3, l uur C'APADOX, während auch die 
****rigen iinf «l«*r Bübnf Meibcn. Auch hier ist Eid«m btiizufligen; 
'•^^l. du) Uetiemchrift in E. 



292 AVirftfr. eHf Siteuttg der ithilim.-iihHoi. Ctasae com I. Juli tStiS- 



Lyroni<les. ßuclio. 
Lyc, Quiuaiu liomo hie autpC aedi^ nostnu eiulans conqueritar 

. muertms? 
'Atqiic fcic quideni Kuoliwst iit opinor . t>ppid<> ego interii . 

palonist Vi». 
Seit peiwri^se iam dt egn opinor filiam suam . nunc mi in- 

certum-st 
'Aheani nn niatif^jim iin ädoain iia t'ugiuni . qufd egu ugom^J 

LHji'pol nescio. (20) 
Eucl. Qm's honio hie loquiturV Lyc. Ego suni miser, 
Euel. Inimo ego stini et miser et perditus. 

Giuiz anders tiie Hands['hrifl.en. Sic gL'l>en gleifh aiifiiu^r> 
die üeberjichrift Euclio Senex. Licofiides Äclolescens , *;U&j 
vor den ersten VerHCii den Lyconides keine neue Scene, da 
gegen nach ethpol nescio nochmals als neuen Scenentitel ; 
Ettclio (Senex) Licoindes (A<iolesctns). So seltsam di« 
scheinen mag, ist es doch vollkommen richtig. Lyconid« 
befindet sich schon unter der Thüre, während Enelio nocH 
einen Thei! aeinea Monologes spricht, dämm steht sein Naiue 
gleich ant'iings neben dem des KiicUo. Diese Scene wiilirt 
sohongL' al?* beide getrennt in rein lyrischen Metra sprechen* 
Kuclio in Auapäaten , Lyconides in trochiüi^chen Oktouarcn, 
die durch einen Septenar abgeschlossen werden. Wo die 
zwei Monologe in einen Dialog und die lyriäclien Metra i» 
die gleichmäösigen troch. Septeuare übergehen, beginnt niH 
[{«cht die neue Scene, die darum den nemlichen Titel bähen 
miiss wie die vorhergehende. Vcrgl. die untereinander gleich" 
hiuttutden Scenenlitel von Aul. TU, 5 und UI, 6. So wird tf 
auch nicht ohne Bedeutung sein, dass Stich. 7(>2 in D und 
nach den vorhandenen Spuren auch in C, sowie in beiden 
Handschriften nach 7t>8 neue Scene eintritt. Die mvprüi^f 
liebe Bezeichnung wird nenilich gewesen sein: 

Ubi per|)ruriscamus usque ex iinguiculis . inde huc «]«»o'* 



Sfm^fi: SeettCHtitel Htul ScetienübtheiluMff in Her tat. Kuinödie. 293 



KIDKM-ÜV. 

Ten« tu h<5c . educe, <lüdum himd pUcnit pötio. 
Nunc mfnus gniuute ium üccipit. tene tu . Interim, 
Mt^us ik-.tilu.s (tu milii siniiuni dum iltiV \nh\t. 
Steph. Proatihiilist auteni ^tiiiiti stanttiui ^^Hiiium 
Oare lunfcum amitae. Sti, Euge enge, sie tun rlatiir. 
Satf. Age iam fnflii bucctw . m'mciäni ul)C[uid suäniter. 
0«do cänticnem ueteri pro iiinri noiiain. 

KTDEM . [C -] 
Saf/. l^ui Uinictist cinaediouä qul hoc fcaie facere poHsit? 

t>i» truch. Septenare whliessen mit dem ersten Vorse üb. 
W^ährend der folj^enden sieben Senare hört die Mtisikbej^K'it- 
^^R uui*. wir haben gewisser in aäseii ein Intermezzu mit der 
Anrede des Tibicen vnr uns, dessen von dem vorliergehendfU 
*er«chieilene Vortrtip*w«st? in 7) dnrcb RTDEM II • bpzeiohnttt 
^'^- Es aiud aber nicht zwei Perxcmen sondern drei nml nnt 
dem Tibicen vier; darum ist die Zahl II ohne Zweifel aus 
•JVO nnd dieses wie cüler aus DV d. h. Diverbinm ent- 
"tandeo. Nwh Srhlus« der Seuan: folgt der Tanz mit iamb. 
^«-•pt^uaren, das Wiedereintreteri der iMusik mii-sate also durch 
^UEM'C- d. li. Canticum angezeigt sein. Ich Imlie daher 
*'i deni in D OlmrlJefHrten Eidem noch C gesetzt. 

Die Verwhiedenhüit der beidfii Ret-ensiunen, des A und 
**er Palatini, tritt wieder zum Vorscbein Pseud. I, 3, l (230). 
"*e Sccue I, 2 enthält eine Ansprache des Ballio an seine 
**rBirice8 und Servi, während welcher die von ihm nicht 
***Wierkten, im Hinttjrgrnnde anwesenden Personen CalidttriL-* 
•^wd Pdeudoluä unter liich einige wenige AVorte wecli«elu. 
''ci^hiedeDe ürftnde treffen zusammen, weslmlb die Pabitini, 
^•e*ühl die Personen dieselben bleiben, mit I, H, I eine 
**®tte 8ceue beginnen. HrNtens ist die Hede de.-i BaUio ftlr 
*ch ein sellMtändiger Desbuidtheil, zweitens geht das Ver»- 
^^ivis mit I, 3, 1 TOD den grösstentheils trochüiechen Metra 



der vuri^en Scene iu ein »ndere^^ , /iiuächst anapiistischel 
System tlbor. ferner siud jetxt die Meretrice« und Senri. mü 
dtMieii Hallio bisher gespnM.-hen, ins Htius f^ogun^eii, zugleici 
iiber ist zu ilenkeii, diiSb Culidnrtis uud Psetidoltis jetzt vor- 
treten, wenu sie gleich an f imglich noch unUir ^ick ttpreihel 
tiud erst V. ]h Hallio angeredet wird. Jedenfalls giel>i dieai 
ScenenriTitlunhmgHer Patatiiii, welche die neueren Hentiisgelie^ 
süiiiintlicl] ftilleu li4Äsen, wieder die ältere Reeeusioii, A, d^g 
die Scenen verbindet, die jQagere.') 

Auch sonst ist der Kinfluss des wtM^hwlnden Versnia-^^M 
Huf die Scenenscheidnng ersichtlich. Rnd. IV. 5» 1-1 
spricht Diienione» einen Monolog ii; lauib. Senureu. Daiu 
nähert er .^ich dem Haiisf, erblickt hier seine Gutb'u, dife 
jedenfalls unter der Thfire sichtbar ist, und wo er «ie «a- 
Bpricht, geht das Vt?rsmass von deu .laniben iii troch. Sepl*?- 
nare Qber. Hier sind in B die Zeichen eiue« neuen äceue»- 
anfangs gegeben, nÜndich : 

L'xor conplexa colJo retiuet Hliam. 
Ninii» |menc iueptn at^pie odir^MH ein.s arnntiasi. 
UQVAXDO osculaudo meüust uxor pautfam fieri. (I5| 
Atijue adoruu ut rem dininant fiiciam ctim rntro aduennt). 

Wie an vielen anderen Stellen di-s KndcnN zeigt B «'•' 
neue Sifue, ohne eine Zt-ile frei zu litssen, nur (hircli (fW« 
Lettern de» ersten Wortes und doä Fehlen des Anfanpl'i'J'' 
fitabrn (hier Ati(ftmndo\ an. Dieser sidlte erst durch <h^ 
Htibric-atiir l»ügt!stttzt werdrn. Gkniliwie das Abgehen fin«^ 
stummen Person bei wechselndviu Vursmass eine neue S«stf 
b<jdiiigt, el>en8ü hier daei Ansprechen einer stummen P«""'" 
innerhalb des Hauses. Nach fünf troch. Septonareu ^ 
Trachiilio an^ dem Hause und hier, wo das Versnw» ^ 



1) Vorx'iniU'lnUr Fililer und niiht (mit Ritschl Opusc, ID S. "* 
Anm. Ißl auf principiHIen rfCKpn-'atr vpr^chiedeocr Scent*nab*Iii!"'^ 
lurikckzulilhreii irt der äeenentilel iji CU ror Trin. Ü, % iß (*'l'- 



:iptmff«l: SfenrrUitrl Uftd SLenfHat>theiiung in der int. Komödi*. 295 

'«Ibe bleibt (trr>oli. Soptoiiare), ini kern iieui*r Soencnaufunf?, 
Mindern iu dem Oripuul des li uiii>w der Hceneiititel vur V. 15 
gekiitet haben : Daemonrs. Tmchulin m\i der iU'iWninuf^: Dä- 
luoiiö. t>ald diiniiit' TrHcbäliu. (S. obeii.l Üit; ueiicren Hi»riiii.s- 
}(eiiKr hal^eu diese Jjcerifliieiiitheilun^ eij^eiimächti'j; durch fiut* 
andere eistet. Man verjjkiche damit Mil. III. 2, 1. Der 
Dialog «wischen Plensiclw nnd Palnestrio in t.riK!h. Srptoiiiiren 
öwietft III, 1.217 mit dem Abgehen des elfteren. Ptilaestrio 
l'leibt allein xurück, äpricht fünf Seiiare, daun eracli^ini (stiilt 
'iw gcmfenen Sceledms) der Sklave Lufrio und der Uiiilof^ 
winl gleichtulls in Seniiren weiter ff(d"iibrt. Sollte nmn hier 
UHrlit «bensij^ut orwurtcn, diiÄS mit dem Auftrete« de-s Lut-riu 
•lie neue ficene bej?inne? Der (Irund, warum sie nicht hier 
iHl. 2, Gl, »mdeni bei dem Miundoj? div ['ulaentriu (MI. 2. I) 
wginut, ist kein anderer, als dass iiiif. dem Anfuiig iles Monu- 
lofp diut Versmass wechselt, mit dem Auftreten de« Luerio 
»Wr tiitht. 

Ander* verhält es sich, wenn in einer Sceue von anderem 
»eRinifcftieiu in Senaten abjret'u.sater Uriei* verlesen winl. liier 
'f'rij niitOrlicb kßine neue Öccne angesetzt. So Pers. IV, 8, 
■*^— 4:^ der Brief in Scmiren. vorlier Anapäste, nachher Tro- 
"^nrien. Chanikter der Öcene und Stellung der Personen bleilieu 
^iwelben. Rud. V, 2, 51—74 frdgt naoh iamb. Heptejiaren 
*ifr Sijliwur, den Labrax dem Uripus naohsujft. in Scnaren. 
^"cli dit» wenigen Verse nach dem Srhwnr bij* zum Schlnss 
'"*f ScenM hiud in Seuaren j^ej^eberi . iudetu die be);onnene 
VrTMut Iteibehalten wird. Ganz ühnlicli Paeiid. IV, 2. 41 
*>i* '>7 nnrh innAi. SepteniLren der Brief in Senaren. Auch 
•^ *euij{en Siitiet welche 8uiiia und UulHo zwischen dem 
^"rlosen dw Briefes mit einander wechseln, haben niitdrlicih 
''"■sellif Veranlass der iamb. Senare und ebeiwj die xwei 
'Wif Uimb <lem Brief. Wo da^e^en der ^ellÄüUindij^e Mitnu- 
"*V, iltH Pt»endülu8 beginnt IV, ;l. 1, >feben die Haiidscbriften 
iut Kn'ht eine oeae Seeue, wiewohl die-ser gleichfalls aus 



296 NnrJitr. cur Sttsun^ der i)hil(M.-(^tnl. Clux»« i<om 1. Juli tfüO- 



Senaren besteht. Da der Brief nU Ginlage betrachte wiri 
(die beideu angehängten Verse können kannt in Rri'hnunji; 
kommen)« so musH jetzt angegeben »ein, ob die Hnndlitii^ in 
demseU>en Versniass wie vor der Kintage fnrt^cfnhrt vm\ 
oder in einem anderen. Zudem tritt P.mnulolu«, der sicli io 
der gany^n vorlieix^lieiidou Sceue im Hintergrniid venrtedrt 
hielt (s. IV, 2. 4) jetzt vor, nein Mduolin^ ii-t also gjir keinr 
Fortsetzung doa Oialng^, d. h. es siirechen nicht wie «m« 
im Diatug die Pentonen A und ß, imd im Monolog entwedif 
A oder B, sondern im Dialog A xnul B, im Monolog (^ 
Daher fehlt jpde B<^rechtiguug mit Hitseh I. Plockuist!«, 
LoriMiz den Sc^rnentitei vor IV. 3, l zu tilgen; H ^/M 
sogar Hiwdrncklich SERVOS DV. - Bacch. IV, 9, 74 geht 
das VerNMiass mit dem Vorleben de« Briefe.-* von den Troi-hkn 
in iambische Senare Über. Hiezu bemerkt Hitäcfa l: "Noittni 
hinc scenam CD ordiimiur, uacuu spatto pruemitiso CDa^ COBi 
har. inaeriptione Nicoboliis Chrisalus Üb." Doeh »^Ii«it 
es, da-« C und J)a keine neue 8ci*ne IwiiUsichtigten, souileni 
nur eine Zeile leer liesseu , in weluhe die nemliehf richtig 
UelH>r»rhrift konunen sollte wie fiie in B ttteht , nemlich 
Epiütoh. Ans MiHKverständnis setzte die zweite Hand in D 
dii» Personennamen als HeenenUberHchrift. 

Endlieh fragt es mch noch um dos Wi ederauftretefl 
derjenigen Person eu, die nur für k u rze Zeit di«" 
Bnhne verlausen und in ein (auf der 8<-ene täclitlNirft'l 
Hans gehen, xvm dort einen Auftrag zn ertheilen, Held «i 
holen lind dergl. und diuin wenige Vt>rse Hpäter wifder er- 
scheinen. Der Grundsatz, welchen lt.it.<«chl a. 0. aufstellt' 
das« b^i dem WiedererHcheinen stdeher Personen keine new 
Scene zu beginnen hat, iHt auf tinind der hand^chrifUidui 
Ueberlieferung rialiin einzuHebränken , tbk^s nur dann keine 
neue iScene beginnt, wenn bei der Wiederkehr einer solcho» 
Perwm die Handlung in demsen>en Versmass weiter gpfthrt 
wird und auch in der Zahl der anwesenden Personen kein« 



M 



'.- Sveni'ntilrl und Scent'nahtheäiituf in der lat. Komödie. 29« 

? AendprHH)^ nintritt. : Snrtert. sich aber das Versmass 
tt iinU'nle.<-L'ii mich ».'ine iiudere l^erwm «hgt^gjingen oder 
u iieup bioKU, m wird uiich eine tmue Sc^ne nnj^asotzt. 
Jt'ispiolf ilf-r ef^t**!! Art sind: Kpid. V. 1, 28 jfelit Stra- 
tlta ins Haue, hidt dus (ield und kommt 10 Verse später 
heraus. Dit.'* Versiim'^i, tnirh. Septennre. btiMlit Ha»' 
die Situation der FVreonen i^loiehfalls . durum fteine 
Bceiic. V, 2, 49 gi'ht (*enphane*« ins Hans, erscheint 
spät^?r wiiülcr, ohne diL*s das Metrum sivh ändert, 
neue Scene. Ebenso Merc. IV, I, 11 — 15, MiLII,:i. 
2: U, :., :»3— .V; 11. li. 42—48; 5(i--ö9: Most. 1, :t. 
Bacch. IV. !^ 12<» IHii; IV. 4, (14—74, Hud. V, 2, 71 
3, X u. a. 

teispielu der zweiten Art: Mii. Tl, :t, 74 t^eht Palac^trio 
\\» und kommt acht Verse spiil^^r U, 4, 1 wieder zurttck. 
in^ die IMiitncomuHium mit. zugleiL-h geht das Ver«- 
iron den tnaduiiscben Septt^naren in iainblsnhe .Senare 
Tdiiruui neue Soeue. — RiuK 11, 4, 2(t geht ScojMimio 
%Mn und kommt 10 Verse später wieder znrüük. Unter- 
ist ab«r Ampellsca, die mit ihm »nf der Bflhne war, 
Ingen und «ind ftatt der troch. Heptenare ianib. Denare 
reteii, darum neue S<:euH. 

aceh. IV. 7, 1 ist Nicobuhis ins Uai» gegangen imd 
einen LorariuR mit. Zwar ist dietwr eine Ktumme 
1 und diiH Versniuäs bleibt thi^^ellx-', über doch Ui äeiii 
linen alH der («rund an^UHehen, >ve;jhall> die HandseUrifleu 
ine neue Sceue beginnen. 

ITenn das Abgehen einer bald wieder zurCIckkommenden 
I eine neue Sceue ziu' Folge hatte , so mtiMi «ndi Ix'i 
Wiederauf treten ein*' solche beginnen und nmgekehrt. 
V, 5, 1 hat das Al>gehen de-s Durdalus mit der Aendening 
BnmaaseH eine neue Scene gebracht (h. oben) , daher 
»ine Wiederkehr IV, f>, 1. An innerem Widerspruidi 
Aul. L 2, 1. Nach dem Dialog zwischen Euclio nnd 



ii98 Ifuehtr. zur SiUyntf rf«r philo».- tihüol. Clatae vom 1. Juli M 

Staphyla üfht Kiiclin in'> Hau« I, 1 27 uud bei dum t 
folgciiden Moniiluu; der Staphyla l. I. 28—30 beginnt kd 
neue Scene. wohl ai>er bei Her Wiedorkehr dt»s Eurlin I, 2^ 
ICntweder rauss mich vor I, t, 28 eine ^f^Icln' iiumweizt wert 
mit der üebe^^•chrift Stapktila oder. *vas nuch obij;er Ita 
/.untichst erwartet wini , der Sceuentitel vor 1. 2, 1 ist! 
til^eu. Kfir Itizt^ri's kann auch dit? ri'hcrliefeninst dtü 
sprechen, welcher 1, I. :i!' (»bne Zwischenrumii und «I 
Sceneutitel mit I, 2, I verbindet. ' 

Mit Unrecht wurde der Sceneiititel getil^^t Aul. 111, 3 
Zwar geht Euclio III, 2. 30 ins UiW)^ und kommt fünf V< 
i^puter wieder hernw?s aber .seine Wiederkehr ist nicht dtt 
die AufibrderuHK ein weni^; zu warten, er werde gleich vied 
kommen und derijl. angekündigt.. scnidt»rn der Koch soll nid 
davon ahnen, dass Kiulio Jetzt den Topf aus dem Hause 1« 
Ks kommt dii/.u. diu» mit Ausnahme der zwei lets&ten VeA 
welche wie die folgende Si:en<i tnjch. SepU'iiare wind, die ;iiü| 
Scene Hl, 2, 1 — :12 ein anderes V'ersmass hatte, neinlich i 
VE!rsu.s Relzianns. 

Ebensowenig geiiört in diese Kategorie Aul. IV, 8i 
wo Hnthe und Goetz »dme Omud den Sfcnentitel tilri 
Enciio ist IV, 2,8 abgegangen; umic iauaho iit rem rfiiiM 
faciam sa^ er, kann also nicht sofort wiederzukommen I 
absichtigen. Weil er aber von schlinmien Vorzeich« |j 
UngHtigt wird, kehrt er acht Verse später unerwartet zurB 
womit eine neue Scene beginnen rauss. So anch die Bmi 
achriften fausser J). 

Wir «eben also, dus.-; die bund^i hriftlicbe Soen«naMi| 
ung. wenn sie anch von einzelnen VnrderbniK>>en nicht R 
geblieben, doch durcham den Geist der Ordnung und CcM 
legung zeigt, daws sie nach versohiedenen Spuren anf ^ 
älteste Y^ii selbst zurUckgclit und danim die CleringscMtiiJ 
nicht verdient, die iiir in »len neueren Auspvben 
^worden ist. 



Sitzungsberichte 

der 

hilosophisch-philologischen und 
historischen Classe 

der 

k. b. Akademie der Wissenschaften 

zu !lV£ünchen. 



1883. Heft III. 



München. 

Akademische Buchdmckerei von F. Straub. 
1883. 

In ConmbBion b«l G. F r a n i. 



Sitzinmsberielite 



der 



Ümgir bayer. Akademie der Wissouschaftt^n. 



Philosophisch-jvhilolo^iscliG Claeee. 



SiUnng vom 2. Juni 1883. 

Herr v. Hrnnn hielt einen Vortrag: 

„Heber tektonischen Styl in griechischer 
Plastik und Malerei." 

Die kleinen Thoiirullüfs, welche wir nach ihrem hüufi^stiftii. 

keineswegs aufischlic&älielieii FiiinlorU? als ^melische" zu 
lichnen nns gewöhnt haheu, trefcon uiiUt den vei-schiedeneii 
ifgattiingen als eine in sich geschlossene (inippe von 

bestimmter Kigenthünilichkeit liervur. Allenlings hat 
Si;hone in Heu Erörterungen, mit denen er die Aufzäh- 

(les ihm bekannten Materials und die Piiblieatifm einiger 
sr mibekannteii Stücke begleitt;t (griech. Reliefs S. Tt9 ff.), 
Hecht ilaraTif hingewiesen, das» trotz der Kinheitlichkeit 
(Jrundchurakters duch in Styl und Durchführung nicht 
!((« Uelwreiastimmnng herrsche. das8 sich vielmehr deut- 
drei Gruppen seht'i<lHii lassen , in denen ein Fortwchritt 
iütertlinmlicher Strenge vm gi*üsserer Freiheit nicht 7M 
;cniien sei. Doch bewegen .''ich die üuterachiede immer 
i innerhalb ziemlich enger Grenzen, und auch die relativ 
Esten Daratellungen la-ssen hinlängliche Spnren einer ge- 
B«3, Chilow.-plirlol. bist. Cl. :J.] *J0 



300 



Sitntng der phHos.-phOoi. Classe vom 3. Juni 28S3. 



wixsea Gebunrienheifc der Äuffassuug erkennen. Eine WH: 
Hijfiinfi ilifser R<»Iiets wird also nicht diese feineren l'ni 
Mcheiilungen , sondern das Gemeinsame und Einheitliche 
Grundchurakters zuiu Äiu^fiuigspunkte uehiuen uiiissen. 

Hier drilügt sich una zuerst die allgemeine Frage ai 
welche SttUlung wir der ganzen Gathinf? . sei es in 8ji 
mntischer , sei es in knnst historisch er Beziehung anzavfei: 
hiil)eu. Um diirüher Auskunft zu erhiilLen. unterwerfen 
die beiden zuerst bekannt gewordenen, aber aach jetzt 
lehrreichst*-)! Stücke einer aufmerksitmeren IJetrachtnnjf. 
sind dies die von Miilingen (anc. uucd. mon. !I, 2^;J) pab 
cirten Darstellungen des Perseos, der mit der Har|)e 
dem Medusenhiiupte über die knieende Medit-ta liinwegreit 
BUS deren Ualse Chrysjjor emporsteigt, und des Belleroph 
der ebenf'allfi zn Pferde mit gezficktem Schwerte tilwr *\ 
Chimaera hinwegeilt, lieber die.se beiden Keliefs oder vi 
mehr ril>er die ganze ^alterthünilichste" der 'drei flmjtpi 
lnMuerkt Schiine (S. tJ2): ^Die-^e IteliefN zeigen eine bis 
einer gewissen Feinheit ausgebildete Alterthnmlichkeit, 
eich weniger dureh Steifheit, als durch flberiiiä^tge Sclii 
der Formen und dundi rfehr ntarke Bewegungen fflblli 
macht.* ALleniings gemahnt manche:' in der Behan<llniiS 
der Gewandfalten, wie in der Bildung des Gesicht« an archw 
Milien Kunstchurakfcer, und die Schlankheit und Saul«rkeil 
der Formen kann etwa an die Knustweise de« Kahuius. fviüi 
XenTOTt^S und z"?';; eririnerti. Doch darf uicht (il^erwhttfi 
wenleu, dass in den Beispielen entwickelteren Styls, in ilfu«" 
die archaischen Anklänge in der Ausführung des Kina'lu'''* 
mehr und mehr vensch winden , gerade in den Linien «^ 
Cuni])usi6on, wie in den Bewegungen der einzelnen Fig^r^'* 
sich jene Schärfe und Eekigkeit in uuffiilliger Weise cr}^' 
Ea fragt "ich dalier, ob wir die Erklärung dieser Eigen tlitt«'*; 
lichkeiteu überhaupt im ArchaiMums und nicht vietnifhr iQ 
einer andern principielleii Urswhe zu »neben haben. 



•, Snttin: Üeber tekUmisdt^n Styl m ffrUch. Plaätik u. Malerei. 301 



Kur die Beantwortung dieser Frage ist ilie Art der 
Hersielluufi; und die Bestimmung dieser lietief» von ent- 
scheidender Berleutnrg. Wie schon das Vorkommen genauer 
Repliken beweist, sind die einzelnen Kxemplare nidit frei 
moddÜrt, «mdem ans Formen genommen, und eine gennuere 
Betrachtung der Technik , namentlich an dem Relief der 
feinen Gewandfalten und des Haares, deutet darauf hin, dass 
diese Formen nicht seifist durch Alidnick oder Abgiisa von 
einem Originalrelief hergfwb'llt, sondern vertieft, als Intaglio 
gearbeitet, vielleiclit wie unsere Butterformen aus Holzstftcken 
»UKgestocIien waren: ein Verfahren, welches .^^ich für ein 
sehr fla4:li behandeltes Ilelief als l>esonden* geeignet erweist. 
fcjriG weitere KigenthiiniHchkeit besteht darin, dass liesnndera 
hei dpr älteren («attnng die Ornndttüche an den ritirissen 
der Fijruren vor ileni Brennen ganz iwlcr Kiini grävfteji Theile 
";(fp«chnitten ist und anf diese Weise die Figuren selLjät 
«in« Art von durchbrtKrhenen» (iitter bilden. Bei den jüngeren 
•jnijipeii beschränkt sich dieses Wegschneiden nu'ist auf den 
niLMTeii rmriss, die Silhouett4' der ganzen ComiMtsitirm, oder 
* bleibt auch der ganze Onmd stehen. Aber auch hier 
^t-iwu sorgfältig hergeatellte Liicher darauf hin, dass diese 
't*la,'f9. wie Schöne Hiiy,i, ./.um Auflegen oder zur Vcrklci- 
•■'•tiK bestiuinit waren.'' Nor.li gi-nauer und principiell rich- 
*')?pr iM)IIte e» vielleicht heissen: zur Felderftlllnug, d. h. zur 
f Gllußg von Feldern, die zwischen couBtructiveni ttiegelwerk 
'►hiit; pjjrentlich conatructivc Bedeutung, also der Idee nH<di 
"**l»rtlnglich leer nnd oflen zu denken sind, und daher anch 
'*'fht fiirnilich ver*u-.hlrp>sen, s<indfrn mir wi« durch ein CJittpr 
"'<'nr ixier weniger abgeschlossjcn uml decorativ gegliedert 
*'^en K*dlcn. 

Sie dienen alao einem tektonisch decorativen Zwecke, 
•""l iliftwr Zweck ist es. der fflr die ganze kflnstlcrischc Bo- 
"•"»lliing moa^sgebend wird. Sogar die gci.'flige Auffassung 
'*''Coinpo«itiim mtisK.sieh demselli<'U uuteronluen. Bellcrophou 



302 



SÜzuru} iler philoM.-phihi. ViagM vom 2. Juni 1883. 



zückt das Schwert K^^" ^i*-' ChimAora: sie niüsste ihm al 
g(>gcnaber8t«heu; Peraeuü bat da^ Haupt der Medusa berd 
Ah^sclniitten und blickt rückwürts: wir müi^ttben isie all 
liiiitfT ihm vorauHsetzen ; und diK-h bpfindet sich der eü 
wie der anch're Held gerade übt*r st'iner tiejjfnerin. Wttn 
eine Kolche Auf^'arisun^ bei einer ?oUkommeu fireien Kuni 
wrlirififuii^ li^creditt'ertij^t sein? Anders verliält es »ich« % 
dem KUiLstler die Aufgabe zufällt, eiucn cxlcr mehrere ßai 
oder Felder mit bildlichem Schmucke ansziHtillen und 
gliedern. Hier i-ind in entter Linie die Fordernnj^eii 
Ranincs zu hffricdijjcn, und je Tuehr der Künstler sich ih 
unterordnet, um so nielir tritt die l'hantftsie des Besf^hai 
ert^änzend ein . um stich die einy^lnen Momente der Hai 
lun^, welche der Künstler nach dem Zwanjfe des flau 
vertheilt . uaeli ihren ^cistij»eu lieziehtiu^en zureclity.idi 
so dass in der Darstellung diift, was der Wahrheit geradi 
widei-sprieht , doch küustlerisch wahr oder wahrscheiiibäj 
ei-scheint. Wie der Künstler, was im Kaurae utifeinaodflj 
folgen sollte, iihercinnndcr ordnet, so vergessen wir aucli «Üj 
zeitliche Aufeinanderfolge und fassen da» Oauxe iti eina^ 
einheitlichen (iedaiiken , den des Sieges der beiden HeUci 
öfjer schreckliche Ungeheuer, Kusamioen. 

In nicht minder hohem Grade als den Inhalt, dcfl Qß 
danken, beherrs<ht das fekUmi(M?he Priiicip auch die kfln^ 
h^rische Form. In den beiden als SeitenntÜcke gearbeiti'td 
Keliefs tritt es uns zuerst und am deutlich^eu entgegen 1 
der gesammten DisjKwition der Massen. Wie dw (iüedwnfl 
des römischen Teniplnm in strengster Weise auf der Kreuzufl! 
des Carda und Uecum;mus beruht, .so haben wir auch M 
in der Tom Scheitel der lleiter ausgehenden verticalen AI 
einen Cardo. in der horizontalen der gestreckten I*fpnlekÖr|»^ 
einen DecumanuH ; und leicht em|tfinden wir jetzt , «i* *^ 
von Schöne henorgehobene Schärfe der Formen luid Slirl 
der Bewegungen durch ihre Beziehung auf die raakheiuftli*'* 



fBruM«; lieber tektoniachen Styl ingriech, Plu^lik li. Mai frei. MOH 

Qrundlag« dea (iiiuzeii ihre einiaohst« ErklÜriin^ findet. JJia 

in das Einzebie liiueüi , in den Formen der Chiinaera , im 

ihr»?r Mahne, an den Flügeln der Medusa, in den Formen 

l^er l'fcrde, be!*onders an üireu Köpfen, macht sich dieser 

^^ktunisch TtcheniHtisirende Churuktcr geltend; Jii selbst die 

Schlankheit und Mafi^erkeit der menschlichen GcMtnlten , die 

io einigen anderen Comptwitionen , ■/.. B. dem Uin><kiiinpte 

dtt F'eleui* nnd der ThcHs (Öcliune T. 34) sich bis zum 

em steigert, scheint darauf berechnet, im Gei§ren>>fttze 

[tlastimdier Uiindtiii^ und mulHrischfr Rhythmik recht 

|luj(p"(aliig die liedeutun^ der Linien hervurtrctcn zu lassen: 

nauclii* Figur, manche Compositton möchte mau last nur 

Ella ein belebtes, mit den Formen oi^aiiischer Wesen nm- 

Weidetes Linieugewebe bezeichnen. 

Ä) tritt Ijti näherer Betrachtung in diesen Arbeiten die 
[Bedeniau^ des Archaischen immer mehr in den Hintei^rund 
ttllber dfm die ürimdauffussiing und Diirchffihnmg be- 
lebenden tektoniscli decorativen Principe. Da<s msm dieses 
||»Mhiiltui*i nicht äclion läng.-^t erkaiuit und scharf hervor- 
!ehoften hat, beruht auf den engen Bezichmigeu, welche 
|lirypr fing Hell Hrchaisehc und tcktttnischc KmistÜbung lange /t?!t 
loiiitiu^h mit einander verbanden. Dils tekionisclie PriiiL-ip i-st 
0« der wichtigsten . ja in der ältesten Zeit vielleicht das 
^"■•liHjfütt! (irundprincip der hellenischfii KuiLst. Rs herrscht 
dt'u iiltftsten Kunsterw^ngnisüen, dem ge<^ metrischen Deco- 
^tiuDAstyl der Vjwenuuilerei, im homerischen und hefiii>dischen 
lildtf n. a. ; uud wenn üljerhaupt die älteste decorative 
bei den Hellenen iveniger Tngeschick, Laxheit und 
Bwitheres Tasten verrätli, als bei anderen Völkern, so liegt 
tinnid darin , daüs sie sich von Anfang an auf dieses 
^i>ci[i ytütxt, an dieser Stfttze sicli erzieht und äu immer 
f^wfterer Freiheit fctrtMchrtdtet. Auch di« monumentale statu- 
'iwhe Kumft nahm einen Theil dieser UruniUagou in sich 
^^ und verarbeitete ihn für ihre Zwecke; aber je mehr sie 



fütsnnff der jAütMi.-fMol. CTosM vom 2. Juni 






sich der vollen Freiheit näherte, um so mehr musste sie be— 1 
strebt sein, diu; sthenmtiwih Meühauidche des Arcluiisiiius iliircli| 
iltus Drganisrh Rhythmische immer mehr zu (iberwiixleti; uuc^l 
wenn dahei dau tektoui^^che Prineip auch seinen regelndexi 
Eiiifliiss als frflheres Rr/.iehiingjsniittel nicht einhftAst, so trit-t 
CS dcx'h äiLsserhcli immer mehr in den Hintergrund uai 
wirkt Dur noch ^ewiissenuassen unl>ewusst und im Verborgenei 
— In den beiden melischeu Reliefs ist ee wieder zum herr*- 
scbeiideu j^eworden , welches den gesammten Kun^Jtcharakfce^r 
durchdringt. Nach der liingcren .Schwächung, die es erfuhrcMl» 
nimmt es auf dem Gebiete der decorativcn Kunst von Neuem 
eine seU)stäiidige Geltung in Aiispnicli, alier auf der rininH- 
lage der fortgeschritteneren Kntmckeluug, welche diese äelt>Ht j 
durch ihre Verbindung mit der monumentalen erfahren hatte-fl 
Denn hier wie in allen diesen Arl>eiten begegnen wir einem 
fortgeschritteneren Kuipfinden , weniger einem freieren Ar- 
eliiti:<mus, aLs einer ardiaisirendeii Freiheit: nicht um ein 
Festhalten , ein Wiederbeleben nn vollkommener, überlebt«*^ 
Formen handelt es sich, .sondern um eine Verwerthimg fiel"" 
im Arehaismurf entlialteueu , ursjirlhigüch dem tektonisttheu J 
l'rinuip entlehnten, und ffir die neuen Zwecke noch braucH-Ä 
baren archais<,hHn Kl»*niente. Die mehr scheinbar, als wirk- 
lich archaischen Formen sind nur ein Hilfsmittel, am *l^n 
tektonbi<'hen Charakter auch iiiLsserlich mit möglichster Det>t- 
lichkeit und Heätimmtheit zum Ausdrucke gelangen zu la»^eD- 
Kine irgendwie genauere Zeitbestinmunig ist diurh Aiv 
bisherigen tlrürtennigen nicht gegel>en. Nur daran iat fest* 
zuhalten, dat« die archaische Kunst schon zu einem fe(*teo 
Abschluss gekommen, sich in ihrer Selbständigkeit atw^I'^^* 
haben musste, ehe von einem bewusstcn WiederaufnehnjeJi 
archaischer Elemente in einem vorgerückteren Sladiiiin der 
Kunst die Rede sein konnte. Allerdings wUrde nur ein" 
geringe Zwischenpause auzunehnieu sein, widern die l^*""" 
Positionen gerade des Perseua- und dee BeUerophoüTc''«'^ 




I Epidauriw eutlelint sein sollten, 
dessen KunsUar Thrasyiuedes, freilich auch nur vcnimthungs- 
mit der Sippsirhaft des Phiditis in Verbindung gebracht 
Duss die- Möglichkeit eines solchen y^iKsaninienhunges 
zuzugehen ist. habe icli selbst in einer früln^ren Besprechung 
betont (Sitzuugsber. 1872, S. 535). Ob es indessen dadurch 
(Us aiugeschlosäen zu betruchten ist, dass dtene Compositionen 
etwi erst bei ihrer spütereii Verwerilinng für neue Zwecke eine 
theilweiHe »ftylistiiJche Umbildung im Sinne des tektonischen 
f rinri|w erfuhren hnbrn dürft^-n, muss vorläufig als eine offene 
^'mge betrachtet werden. 

Wie dem auch sei. so werden wir doch die ganze Gat- 
tung nicht aaf eine kurze Zeit beschriinkeu oder etwa gar 
""r aU einen Nachklang archaischer Kuut^t betrachten dürfen. 
l'i der DurHtellung einer Scene am Grabe Agamcmnons (Mon. 
'^- Inst, VI, ^»7, 1) gehört die Verbindung de^ KierstabeM 
■ölt der Palniettenbekrönung der firalwtel« keineswegs der 
L^eit der höclwten Hl(\the. wiuileni einer von der lli'die herah- 
^9ci|<eudeu Entwicklung an, .Stellung und Haltung der trau- 
[ *niden Elektra weisen (so wenig wie bei der vaticanischen 
•^uelnpe) diirchaas nicht auf archaische Kuustweisc hin, der 
'*Uch die Bildung dtss Gesicht« in DrelvierM-VordeniUHicht 
Widerspricht. Diis Motiv des auf eine Krhrdiung ge-setJÄttn 
*'*a*«t« an der Figur des Or&^tes^ ündet sieh /.war vereinzelt 
I *** Iteliefs auch schon vor Nynipjt , kiuumt aber erst durch 
^'<^n Künstler zu allgemeinerer Geltung. Ihid trotz der 
] Bciöllhuiigen Robcrt's (Bild und Lied 8. 167 ff.) als poetische 
' ^Qelle der ganzen Darstellung Stesichtmis uai^-li/.utveiMe», wird 
'****» (lag befleuteude Hervortreten der Elektra, so wit* die 
^•genwart der Äuinie ininicr auf eine Aushildnng der Hage 
'^^nfßlired, wie wir sie nach den vielfältignten Aiialngieon 
'i'ir dem Rinflusse der Tragödie zuzus)*hrciben vennfigen. 
"*lUt die Gesumnitauffassung des (.iegenstaiides , die luiü 
*«niger eiije bewegte Handlang als eine Sitaation vor Augen 



56 BitxuHff der phitoe.-phihl. ClAsst tfom 3. Juni tS85. 

fnbrt, st^'ht iu einem gewwsen Gegeiü^tze zu dein erzählende 
Cbiinikter arclinischer Kniiist. Vielmehr untt^rseheidrt «eil 
da# Relief im Gedtuikeninh^lt, in HaltiiriK und Stiiuiuurn 
nicht weseitilieh von der Diirstellnug dei^elben Sceoo ax\ 
einem miWr italischen Vhf*enl)ilde bei Overljeck: (Jnll. he*i 
Bildw. 28, 5. Als Arbeit der 80. Olympiade würde liä 
Ganze eine nicht zu erkliirende Anonnüie, ein Anat-hmtüiitnf] 
Hein. Allen weist vielmehr auf die Zeit bald nacb dem Todi 
Alexanders d. Gr. hin. 

Wenn nun damals; auch mif andern Gebieten der KuiiM 
eine bewnwte Reaction gegen ein Cebermiu» von Freiheit 
sich geltend zu nnichen begann , so werden wir uns nicht 
wimdeiTi, do!^ auch das tektonische Princip da und dort eine 
Veriichüri'ung erfuhr, indem man die archaischen Elemente 
bis zur Uebertreibimg het*jnte, wie es oftenbar In dem ücIiod 
erwähnten Riugkanii)!*» dej* Peleus imd der Thetis dt^r Fall 
war. Andern Theils wird in Mitten einer völlig freien K^D^t 
das tektomscbe Princip nicht Krafl genug beeesaen haben, 
um sich seine volle Strenge zu l>ewahren, und so gelan^rt*' 
mau zu der freieren Behandlung, wie sie iu der dritten 'te*' 
von Scheue aufgestellten Gruppen, z. B. in dem OrcHtesrelief: 
Mon. d. Inst. VI, 57, 2 vorliegt. 

Auf gleicher Linie mit diesen meli.^}ien TerracotteD 
stehen einige Holy,reliefs aus der Krim, die sieb als FeldfiT" 
füllung hölzerner Sarkophage erhalten haben: Stepbani C 
K ISiii), H. 177 ff. Dargestellt simi reissende Thienj, iß*' 
besüuden,' Greife im Kampfe gegen Hirsche, Pferde u, ».. ^ 
streng architektonischer Stylisirung und symmetrischer An- 
ordnung. Wir erkeniMMi an ihnen recht deutlich den tekto" 
nischen Zweck, für welchen diese gimze Keliefgattuug unfprfinS' 
lieh erfunden war; denn auch die Terracottareliefe , die "• 
Formen leicht zu rervicl faltigen waren , sollten (ifFenbur '"'' 
den Grabgebmuch einen billigen £i'sntz ftlr die iu ^vi^e^' 




Brwin: Vehtr IcktonuchtH Sttft in fftierh. Hojrfii- m. Malerei. 307 

il kostspieliger herz\ist«Ueii(len Tlnlzreliefs l»iet«n. St^pliuni 
;t (liest' ArbcittMi in das Werte Jahrhundert. — ^ Au sie 
twr ftchlicKsen »ich wiederum ak nahe vei'wandten Clmnilc- 
iwei Terrat-'ottai-cliet'-i aas Unt*rita!ien an , das fine in 
i'ii , zwei Greife darstellend , die ein Pfenl Z(>rri'issen, 
liiwgniiere in Berlin: zwei Löwen, die einen Stier Kerfleischen, 
welche eine weitere Hedeiitung dadurch gewinnen, dass die 
I beiden OinipoKitiouen auf den Nebenseiten eines etniskischen 
>rko|iha^tv uua Vulci (Mon. d. Inst. VIII, 18) ^enau cojJirt 
«nd. Nach der Arbeit der Vorder- nnd Küekseite gehört 
dieser Sarkophnf? einer sehr junjifen Stute der etrus- 
chen Kunst an, und er xeigt uii» daher, diu^s der ,tek.to- 
le' Styl der den nielisohen verwandten Reliefgrtttinigen 
wh bis zum Knde der im engeren Sinne griechist'hen Kunst, 
*t»a bis in das /.weite Jahrhuuilert v. Chr. in Uebung er- 
lialtcn hat. 

Von hier ans dtlrfen vrir uns einer anderen Kategorie 
^on Terracottareliefs /.uwenden, die un« vielfach das gleiche 
**ktonische Prineip, aber in miuinigfach veränderter Durch- 
Wdnng zur Anschauung bringt. Ka sind dies die Reliefs, 
flie nch in reichater, freilich U(H;h nicht kritiscli gesichteter 
Zu^amiueTudeUung in C^inipanaV untiche opere iu plastii^a 
bereinigt finden. Ueber ihre Bestimmung zu architektonischen 
Verkleidungen kann kein Zweift-I sein , ao sehr aiiuh ihre 
'Crwendung im Einzehien noch geniiuerer rnter.-^uchnng be- 
wf. Kbenao fehlen noch genauere Zeitliestimmungen. D<»ch 
•^eirt an« die loeale Verhreitniig auf italiHch-römiscliem BfMien 
"od lier Knnstcharakter auf eine Zeit, in welcher die Kun^t 
"> Huni durchaus von griechischem Einflu»* beherrscht war, 
'"^' im Altgemeinen auf dtiä Jahrhundert hin , in dem ntch 
^^ L'ebergang von der Hepublik zur fesden Begründung der 
^^'Bcrhwrechafl vollzielit. Das Verbältuiss der älteren Gat- 
«ur jtlngeren tritt uns am augenfälligfiten entgegen, 




308 



Hitxutuf der jihiloa.-phitoi. (Ituge root 3. Juni tS83. 



wenn wir den oben erwähnt4>n etruseiHchen Sarkophag und 
die bei<leu Pttitttin bei Canipuna T. 82 mit eiuauder vergleicboi. 
Die GruDiioiotive der Conipuäitiou sind, abgeseheu davun, 
data all die Stelle des zerfleischten Uossea ein Löwe tritt, 
liier lind dort die gleichen. Aber während in der alterai 
Gattung da» tektouische Princip nicht nur die streng abge- 
wogenen Haujitlinien der den Kaum riillenden Gruppen, 
sondern auch die DurchbÜdinig aller einzelnen KftriierÜieile 
architektonisch ^cheiuatisirend durchdringt , sind in dieeen 
Terracotten die Thicrc iti freier Kunst mehr oder minder im 
Auschliuw an die Natur gebildet, und das strenge Sjstem 
der Linien bildet uur die feste Unterlage filr diese freist« 
Behandlung. 

Wie in den melischea Keliefs, m Hnden sich aber iiül'Ii 
hier sehr verschiedene Grade der Freiheit. Kaum merklich 
ist sie beschrankt bei fricsartigen, aus melireren Platten ge* 
bildeten Compoaitionen (z. B. T. 33 ff.), in denen wir höch- 
stens ein allgemein sy in metrische« Entsprechen der Musen 
erwarten. Aber auch auf einzelnen Platten entwickeln «c*" 
zuweilen die Coinpositionen frei, wohl im Anschluss oder ia 
Berficksichtigimg der gegebenen Bildflüche, aber ohne I*" 
Htimnitv Beziehung auf die architektonische Bedeutung «l^f* 
selben (z. B. T. 5; 57). Dagegen sind achon andere Com- 
Positionen, wie z. B. die Darstellungen einzelner Thaten «Je* 
Herakles oder des ThftseiiÄ (T. 18; (14) in so weit durch ileo 
Kaum bedingt, dass wir empfinden, ^vie die Figare.u nel*" 
ihrer eigenen Bedeutung noch die Beätiumiuug haben, ^ 
Baum klar und tibersiehtlich architektonisch zu gliedeni. 
lasdfcrn aber die Figuren für sich noch ihre freie Selbsti"' 
digkeit so gut wie ganz bewaliren , läast sich hier kaw" 
.%hon v<ui eigentlich tektonischem Style sprechen. — SclKrti 
ftthlbarer machen sieh zuweilen die Principien desselben In 
der Gt^enüberstellung zweier aufeinander hezUglicher Figor^o, 
wenn auch die Lebendigkeit bewegter Handlung für jede il'f 



»h: Ueber itktoniiehen Stift »« ffriech. Pttutik u. Malerei. 30Ö 

Jten ein grösseres Miiss von Freiheit in lien einzelneu 
nngcn zu bedingen scheint, so bei dem Satyr und der 
kkcbantiu , welche in fröhlichem Tanz«* das DionysoHkind 
Q einem Korbe herumsehwingeu : T. .^0. Vgl. dits tanzende 
■tar auf T. :17 ; die kelternden Satyrn T. 40 ; auch den Tanz 

IT. 109. 
Wohl aber dürfen wir eine andere Reihe von Composi- 
m dem Bejjrilfe tektoiiischer StylLHirimg vülüg nnter- 
rben: 80 T. 39 die kauernden !:5atyrn, welche in ihrem 
lehunt Trauben tianuueln. Die einzelnen Formen de« Körpers, 
lerTypu-i der Köpfe zeigen tiberall den Charakter der freie.sten 
^Btrickelnng der Knnst. Auch in der Haltung ist nichts, 
n» nicht eben so in der Natur beobachtet werden könnte, 
Ifenn aber schon in der einzelnen Gestalt eine gewisse 
üeingiceit der Bewegung auffallen muws, *» lehrt die genaue 
Wiederkehr derselben Linien, nur von der Gegenseite, in der 
Btsprechenden , gegen Hber knicenden Figur, dass hier der 
Ihythmus der Linien ein absiithtücli gebundener, d. h. durch 
üt rtreng tektoui»che Kntäprecbung gebundener ist. Ja das 
fehema dieser Gestalten wiederholt nicli sogar fast unver- 
'ö'lert in den f?ilenen, die zu beiden freiten einer Büste des 

oysoskindcs knieen, bei denen der lineare Charakter der 
_ mtion durch die streng .senkrecht gehaltenen Thyrsen 
tor noch veratärkt wird (T. 51). Nahe yerwaudt mit dieser 
'Wnpfwition ist die der 8atym aui" T. 52, bei denen ausser- 
wn die Ualiuug der Hände und Finger nicht Übersehen zn 
■den rerdicnt, indem »ich das gesucht Zierliche jetzt ein- 
ten als fiii Aufiklingen des tektoni-schen Piincijis bis in die 
''nger?!iHtzen hinein erklärt. Gleiclie Strenge zeigen die 
^riiQuspen und Greife T. 79, die kuieenden Frauen T. 110, 
^ rtieropfemdea Niken T. 84— 8<i, die Satyrn T. 27 ; wäh- 
in den sitzenden Frauen T. VA tektfiiiischea Prineip 
kttnstlerist^he Freiheit sieh in das vollkommenst«} (ileich- 

Iriijit gesetzt haben. 



310 Sittvng der jthiloti.-jihaoi. CIom« vom 2. Juni 1883. 



egtl- - 



Es kann scheinen , ab ob die Riihe des Knieens und] 
Sitzens da» Scht^natimrende der Linionführung besondern be 
günstige. Andere Beispiele belehren uns jedijch, dass gcy 
Arten von Bewej^uiij( so^ar zu einer noch gritta*eren Ötrenge^ 
der Linearen Aufiusaung führen. Anf T. 42 recken «vb 
zwei Sntyrn auf den H'nsaspitzen empor, am Ton dem Nat»! 
eines geftllUen Kraters zn nippen : lie^sen sich die beid^'n 
(_Test»iU<?n nicht geradezu t'-ekV)nisch als llcnkol eines Trink- 
bechers Terwerthen? Mit welcher .Strenge die Korybant^n 
auf T. 1 den Tanz auf ihren Pussspitxen ausführen, winl 
erst re^jht khir, wenn wir ihre immer noch in sehr regei- 
tnä8sigem Tacte, aber in weit freierer Haltung sich bewe-j 
genden Genossen anf T. 2 vergleichen. Es mag ja seiUi 
der inimschhche Korper im Shmde ist, jene Stellung anf 
Spitzen der FüHse auch in der Wirklichkeit genau zu wieder- 
holen ; aber es wird nnr möglich sein durch eine Schulung, 
welche die Entwickelnng des im Körper rnhenden mathe- 
matischen Gleichgewichtsprincips bis auf die Spitze treibt 
nnd den Körjwr eigentlich nnr als Träger dioses Principe 
verwertbefc. < ianz diiaseihe gilt von den tanzenden wge- 
nannten Hierodulea auf T. 4. 

In den zuletzt angetiihrt^n Beispielen deckt sich ge- 
wissermassen das Tektonische der Auffassung mit dem MotiTBJ 
tftctniÜÄsiger Tanzbeweginigen . die ja strhou an sich einem] 
mathematischen Princip untergeordnet sind. Vielleicht da-| 
durch venmlasst suchte man von letzterem auch da Nntzenl 
zn ziehen, wo durch die Handlung sell>st dazu eigeoÜicb ' 
kein Anlaäs gegeben war. T. 118 stehen sich Thesen» iinii 
Periphetes, T. 2l> Herakle.^ und Aptdio nin den Drtifu*.! 
streitend, einander gegenül>er, zwar nicht wirklich tanzend^ 
aber auf den Fu-s^pitzen tüitzelnd und dadurch ihre Krirj*"*" 
gewi^enuiutsen baiancinuid. (ieriide dadurch aber Griii*hein.t 
ihre ganze Haltung nur um so gebundener, «i da«s wir, be^ 
aondere bei dem Dreifusakampfe, obwohl die DarötelluDg im 



r. Brunn: U^r tektonigrJum Stift in ffriech. PlastU- u. Malerei. 311 

EinKelnen keine archaischen Elemente enthält, (Lc»ch lebhaft 
an archaische Compoaitionen erinnert werden. Von hier bis 
Jtur Aiifnaliuie wirklich urchaisirender Gestalten und ihre 
Verwerthun^ für U'ktunisohe Zwecke ist nur ein Schritt. 
Vuii dein i>iiäite)ieicheu Mangel an Rhythmik in dem Jüng- 
ling auf T. 14 gelftnjifen wir zu dem ältesten statuarischen 
^{4-hellUl mit j(eschh>s.senen Beineu und enganliegenden Armen 
in di*r JünjjflingH^rtwialt auf T. 112, während der Arimaap 
mit zwei Greifen auf T. 81 trotz freier Mtidellirung der ein- 
zelnen Formen auf ein altasiatisches Schema zuröckwi»ist. 
An den Sirenen T. 111 arehaisirt. nur die BeinsteKun^, an 
der Klrijfell'rau T. S7 die ^anze (M*_stalt nelwt der (lewundung. 
Bei den Tänien hallenden Kranen auf T. 107 verbindet öich 
no«:li einmal mit dem Anhaisiren der Gestalt das Täny-elnde 
des Schrittes, willirend an den Kanephoren auf T. lOli die 
idterthünielnde Starrheit sich lii» auf die eng^eächlflssenen 
H<:ine erstreckt. Zwirichen den tanzenden Hifrodulen auf T. 4 

kwdlich ist ein arcliaisirendes llild der .\thene aufge><tellt. 
S(> fnhren uns dir^e lct/,t/*n Dariitclliingen wieder auf 
^n Pimkt zurück , von dem wir bei der Betrachtung der 
tiiflUchen Relief« ausgeganjjjen wuren: wir erkeniieu, dfiss es 
It'i allen diesen Arbeiten keiiuwwi-j^ beabsiübtigt war, den 
Kinilruck der Altcrthflmlichkcit hervorzurnfen, sondern dass 
•iit Aufnahme arrhui.sirender Elemente diirclmus tektonischen 
/wt-cki-n untergeordnet ist. Ea tritt dies um t»* btsjtinuuter 
lienriH-, al» in vielen Compositioneu die tektoniscbe Strenge 
ow Liiiienfiilirung ina Ganzen die gleiche bleibt, mag nun 
0«' AiiMJnhnnig im Kirzi-lncn (irehaisiren oder sii-h in den 
»■'•rmeQ dar durchau.^ freien Kunst bewegen. 



Die Terracottareliefs als eine abgeschlossene, tektoniachen 
^'wVen dienende Kategorie bieten ilen Vortheü , «lass sich 
•■ ihnen die Anunidung de> Princijis^ diirL-b verachiedeuo 
A'Mtufunnen hindurch bis zu einer gewi.s»t!!n aystemati.sehen 



312 SUsung der }ihHon.-j>hilo1. Ctasse vom 3. Juni 1883. 



VollMtiindigki'it vt'rlolgcn lässt. Doch ist die Geltung d» 
Priucipes seUwt keiueswegs auf diese Deukmälorkliuae 1*- 
schmnkt. Man wird sieb /.. B. leicht nn den Msimiorthrin 
de** Dionv'f'ü.spriest^rs iui Theuter zu Athen eriuDi^ru : die in 
ihren Motiven a-siatisirenden luid urcliaisircudeu Greife imil 
Arinia.<{pen unterhalb üen Sitzes, die in strenger Haltaiog 
telamoiienartig stützenden, aber im Einzelnen frei gezeich nettn 
Satyrn an der Kücklehne, die in den Uauiu der Seit4'DkhiK'ii 
mit aller Strenge und doch niib höclister Eleganz hiuein- 
coniponirten knieenden Eroten orfhicn sich bei aller Ver- 
äw.hiedenheit, ja (icgensätzliehkeit der styli-stischen AufFassuDg 
jetzt leicht dem allen gemein-sanion l*riucip tektoniütcher B<?- 
handlimg imter. DaäselliC gilt von dem Relief einer attischi-ii 
Marmarplatte . wiederum mit Greifen und einem Ariniü'^ 
und der (Trnjjpc eines von einem Löwen niedergeworfenen 
Hirsches in „asiatisirendem* Styl (Bull, de oorresp. bellen. 
V^ y\. 1), in dem wir freilich jetzt nicht mehr eine »n'Hai* 
sirende Stylvennischung hudrianischer Zeit zu erkennen ver- 
mögen. Strengfite Linienführung verbindet sich mit vüllstcr 
Freiheit der Durchbildung in dem scliöneii vaticjini^lifi'' 
Trapezophor (M. Vi'\. V, 10). Vom tektuni«chen Prii»fi|' 
beherrscht sind auch die zu leichtem, eleganl*n Tan»- yttäi- 
weise geordneten Korybanten ein«*« vaticanischen Miiriu'""- 
(ib. IV, 9). 

Ei^ fragt mch aber hiernAch , ob eine gauxe Reihe vor 
Dt^nkniälcm, die wir jetzt allgemein ah* archai-*irend «'"' 
«war als hieratisch archaü^irend zu bezeichueu pÜegeii, »«cii 
in der Folge noch unter dem gleiclien Oesichtspnnkie bf 
trachtet werden darf. Nehmen wir das hekanntHste Bel-pi«'» 
gewia«enua.ssen aLs Repräsentanten der ganzen Gattung, ^ 
dre8dcner Cand«laberbiLsis: 4lass den ncheinbar archaiachefl 
Gestalten eine durchau?* frei behandelte, die des , Tempel* 
fegers" halb misverständlidi , beigefügt wäre, wHrde Am 
hiei-atischen Charakter m>ch nicht geradezu widersprecbe«- 



Brunn: Ueber tektonisthfn StyJ in griech. Plastik u. Maleret. 313 

ag^n vertrug sich eine Besonderheit, die wir schon an 
lehreren Terracottareliefe hervorgehoben haben, die Stellung 
sr Kignren auf den Fiwsspitzen, durchaus nicht mit dem 
Gesell archaischer Kunst, an der sich der Manjfel rhyth- 
uächer Freiheit gentde in iten gleichii lässig phitt iiuf den 
öden anfgesetzten Sohlen der Klisse offenbart. Hier wird 
mgek»hrt dieser Tanzschritt, die ßaoic^ welche nach Pindar 
Pyth. I, 4) dem Tone der Phorniini Inuscht, zum Ausganga- 
nnkte gennmmen , um die archaische Oebtindenheib, sn /,u 
agen iu tekUmische Uliytlnuik umzuäeizeu und tnit ilir die 
itstalteii von nnt^n bis in die Sjiitzen der Kiiiger zu durch- 
Iriigen, fw dass selbst diese in rhythmischem Takte sich zu 
>evegen scheinen (vgl. d. SohoUen : {ictoiv e'vioi %6v ljvi>^6v 
pOTi. /rpög yaa tov ^vS^toy »J OQ^ovia tiöv fAiktJV StaiV' 
voCfm . , . . ^' ßäatg 6 ^i-i^/iO;,- , jca^ä t6 ßuivetv et^ lov 
jc^/iür ToJg x^vovatv lijy yijv zotg iioaiv). Diese.s bcsi>ri<]ere 
ifotiv der Stellung ubiT erweist sitli für uu.sere ßctntchtung 
ron B(i weitgreifender Bedeutung, diisK sich iin ihm uUeiu 
we ttjütematische Entwickhnig tanzartig bewegter Gestalten 
fw» iirchaiäirender Herbigkeit bis zu hikhster Anmuih ver- 
'■^iKeri laiwt, wobei filr den ersten Anlauf .schon ein Diireh- 
'IJUl^'nt von Zoegu's ttiw*sirilievi und Olurue"» Munee de scul- 
M^. IJ genügen niug. Gehen wir dabei von der dresdener 
^tuix aufl, 80 sciiUcHsen sieh an diese an als: 

*«ido(irchaisch in .strengerer oder gelockerterer Durchbildung: 

Irier Gfitter in Pnai^Äsion, Z. HlO: 
•tie bekannte grössere Göbterproce.srtion der aibaiiischeii 
Baai«, Z. 101: 
DionysoH und Hören, Ol. 132; 
die bckanntt^n Kitharödenrebefs, Z. Htl; Cl. 120j 122; 

Jü tektonisch ohne Archai.snuH: 
\ HienMlulen, Z. 20; 21; llü; l'l. lüg; 
Ntken, Z. 111; 



k 



ni4 Sitzung ihr phiJag.-fMol. Clasat roni 3. Juni 1883. 

von freieatem Styl: 

Täuzerimien, Uoreii, Bakchantinuen and Satyrn verwhitf- ] 
dener Art, Z. 5; 0; 9; 19; 83; 84; 8Ö; 94; ü. ^ 
138; 1(>3. 

Wundersam ist diu* Gemiwb verscliie<lener Stylaitrti ml 
der MnmiorvrtHe des Swsihios: C!. I2tj. Vud dfH^h winl diinni 
niemand eine Ungeschicklichkeit des Künstle» Kchen wolloirl 
Houderu ea int auch hier das tektoniäche Princip , deja "ü* ' 
Fijfiiren durch das einheitliche M(»tiv der Stellony; uutiT- 
gcurduct sind, welches ims die slylistischen (iegensätze wenig- 
stens Äum Theil wieder vergtswen lÜHst (vgl. auch Müll^ 
Wie«eler D. a. K. II, 44, 54yj. 

Hieran mag sieh noch die ßetmchtnng einiger Einttln- 1 
fignren anschliessen. In dem ktir/Jich publicirten Relief »iw| 
dem Diony«Ofitheater in Athen (Ann. d. In.st. 1882. t V) 
geliört die Üesttilt eines tan/.enden HnminphnKliten kflnstli-nsci , 
einer L'-ompositions weise an, in der eine Htarke kreisekrtij?ö | 
Dn^lmrig des auf den Fu»«pit:£en Imliuu'ireuden Ki'frpen« oa^i 
be8titrimeiide Gnindtnotiv bildet, am strengsten in der Statu*! 
des Uorghese 'sehen Satyrs (Mon. d. Inst. III, 59), bew^gtff^ 
in dem fein Scliwäiuschen haschenden Satyr (Ann. d. lo* , 
lÖtil, t. 9) und sons-t in verschiedenen AVwtnfungeii. l^**] 
erste Erfindung wird kaum Über da** .). -Mn) Äurnckrei^bf' 
Wenn nun in dem Relief dem Hermaphroditen ein in J'*' 
steifsten und b^^hernsten Manier styliHirtee leichtes slift"'* 
artiges Gcwnnd.'itnck übergeworfen ist, si> mims sich he*' 
Oeftlhl stränlxm, hier irgend eine archaisirende (nler p' 
hienili.'H:l]e Tendenz an/iierkennen ; vielnichr kiinnte die Ä^* 
sieht mir sein, durch das künstlerisch wie ein raechauü«^'^ | 
Band wirkende Gewandstlick die fast eub*chweheade (iesu'* i 
tektoiiiNcli im Kaiinie fe:47:ahalten und an den lianiu *i] 
bimlen. — Nicht geringere CJontra-die zeigen »ich an '•*'■ 
Gestillt eines Poseidon in einem vaticanischen Relief (M. l^'*', 



. Brnt^n: ü^er teUonischen S(tfl in griech. PUiatik «. Maleret. 315 

R32; Braun, Vorschule z. KM. T. 20). Die in freien 
'all«n wallendeu Massen dee« langen Chiton, iler noch *\a:m 
™ gesuchter Eleganz von der rechtt?n Schulter herabfällt, 
B wie der Hhythmus in den gekreuzten üew^uu^en der 
■De und Beine Hessen sich wohl mit der Ansieht vereinigen, 
Üb der Künstler durch daa Schreiten iiuf dsn Fussspitzen 
in Hingleiten über die Woj^eu des Meere-s hübe dar.•^teHen 
folleü. Lhid doch wird unser Auge gerade von der leicht 
ud elastiscb aufgesetzten Spit/e de« rechten Fusrcm durch 

■ stref^fe Linie dfi« Schenkels nnf einen Kopf hingeffihrt, 

■ durch seinen archaisirenden Typus sich in einen be- 
vten Gegensatz ku der gauxen Getttult setzt, während die 
Wden Enden oder Flttgel der über den Chiton geschlungenen 
icliar{ie die Figur nach vorwärt'^ und rückwärts wieder in 
ihnlicher WeL*«, wie bei dem tanzenden Hermaphroditen, 
elrtonisch an den Kaum binden oder, man möchte sagen, 

»tue Fläche heften. 
Durch solche Ueiiliuchtungen wird es immer klarer, wie 
«^ktiMiiacher imd archaisirender t^tyl keineswegj^ untrennbar 
"it einander rerbunden sind o<ler gar sich vlUlig deck«n. 
S'v kttnnten .sngar auf eine Gruppe besonders von tjin/.onden 
P>4alten hinweisen, in der jede Spur von .\rchaisnm!^ völlig 
fistilRt ist und die sireng metrische Abgemessenheit der 
IttCiren Anlage nur die Orunillage filr die Kntwickclnng de»» 
^t dm Fi'insti' abgewogenen Hliythmns der Bewegung in 

■ vrbindung mit freiester Durchbildung dus Einzeluen tdigiclit. 
^I>er wenn auch in den strengsten der mclischen Reliefe 
^okt/)ni»ches und Archaisches auf rlas Engste bis zu gegen- 
eitigpr Durchdringung mit einander verwachsen erschien, ro 
dirt doch da-s Anseinauderfulleti freier und archaistischer 
■onufin in den zuletzt lietrachteteii Beispielen, das« diese 

hier nur die fifmiale lk<leiitung haben , der tekto- 
iebundenheit der (if-stalteu einen verstärktmi Aus- 



Ku verleihen. 
*:j. rhiloa.-philol. hwt. Ct. .1. 



21 



•ilO Sitzung iUr j^Uoa.-phiiol. ClfWie vom 2. Jutti 1883. 

Dem tcktuniseheu Gebiete gehört uucli ein grosser Tiieil 
(lei* luiukcnartigen Bildun^eu ftii. So bemerkt« ich über die 
Mediuta Itoiidaiiiiii in <ler Berfchreihung der GlyptoHiek (N. 1281 
dii*« ihre Kornieii nur in Verbindung mit der Architektur ilire 
vulle RcrechU^iiig finden. Der Sinn dieser Worte kann nicht 
bi-s-ior veranschiiu licht werJfm , iiLs durch eine unniittelUfp 
Ver^Ieichung von Unnd- und Maskenbildungen, wie sie /■■ B. 
durch tlie Znsiunnienrtelliing einer Mnt^ke mit mehriTpn 
Köpfen des Ammon anf Ti»f. 3 des Ovcrhcck'schcn Atla-* wit 
Kiinjstmytholojöe ennüKlieht wird. In der Maske wie in den 
Kü])fen it-t der Chanikter des (inttes vorfcrefl'lich /.um Aih- 
druck gebraclit. Wie aber in den zu Anfanj; l>e«procbt«*'Ji 
nielif^t'hcn Terracutt«n die Mnnicnte der [laiidlnii^ ohn»? KCifc- 
si(^ht auf die richtige /A'ittbige nach den I5cd(irfnis««'ii dw 
Raumes geordnet warei^ so tritt bei der Mattke die plastische 
Rundung; des KupfeK in den liinter^rund: die natrirürhirn 
Flächen mfiatten sich auseinanderlegen und von Neuem nelien- 
einander ordnen nach den Beiiingnngen der ebenen Gnjnd- 
HtU^hct welche das Uan7.e lichcrrscht, so da«* also die HfVwr» 
die hei den Köpfen von der 8tirn aus »ich fast im rerhleii 
Winkel nach rückwärts biegen, au der Mjtike .-lieli luich 
beiden Seiten in der»;elben E)>eue ausbreiten. 

In der Rundpliistik hegejrnen wir einer iihntitrlit'H \tff" 
quickuug von tektouischen und archaintischen Kleiuenten, iw 
in den verschiedenen Reliefs, besonders iln, wo kleinere F'" 
gunm filr decorative Zwecke naineutliih an allerlei Browif 
geriitii. als GriÜe von Spiegehi und Plannen, als Henkel' 
figuren u. a. m. zur Verwendung kommen. Wenn hier nft 
genug die üehumlenheit de-- Ganzen mit der saubcreu ifl"" 
freien Ausführung des ICinzelnen in einem inneren WiHaf 
Spruche zu stehen scheint , .so liegt auch hier die Lötf«"? 
wieder darin, da-<s diese (Gebundenheit nicht iu eluer rnft** 
heit des WnUi-ns cMlcr Könnens ihren Grund hat, soud^ni 



W: Ü^ter teklonisclten Styl in griech. PUtstik u. Malerri. 317 

bro ßcrechti^im^ iu eiiiem mit volleni Bewiusstäein erkauutun 
aid tiutjgesp rochen eu Zwecke findet. 

Auch in der eigentlich »tittim ritsch eii Knust felilt es 
licht ganx au Uelegen ft'ir einen tcktonischcn Styl. Mögon 
fir auch die Karyatiden des Ereehtlieioii nicht als wddie 
^Itrii Inasen , ludciu sie trotz ihre» tektonischeu Zweckes 
loch als iu riich vullkomnieu freie ScUö}i|'iii]^'eii daHt«hen, «io 
irird ee doch jetzt keines weit<iren Beweises hediirten , dasH 
(. B. in den Korbträjferinncn der Villa Albani (Clarac 438 F, 
S*I7A; 442,807) die aiehaischen Kleoientf wieder diirchiuw 
der architektonischen Ue^iiniiDinig dieser Kit^uren iiiiter^e- 
onlnet oind. Wie weit aiiHserdem in der freien Kunst tek- 
tAitiache Principien auf doH Einzelne der LinienfOhnuiK in 
wuiidärer Weise einen Eintliis» ausgeübt haben niiV^eii — 
ich dcuke z. li. an daä (leriidliuige und Kcki^e In der Dis- 
position der Gewand Partien an der schlafenden Ariiidne des 
Vttioin oder an Statuen wie der eines Zeus (Asktepios) in 
^'•«pcI bei Clarac 39ti F, G78 D — , wird sieh erst heur- 
«*il(?n loKsen , wenn wir cinnial in die historische Sttdluufi^ 
^^ t«ktoiiLschen Styl« einen klareren Kiublick gewonnen 

ten Herden. 
So TJel -/.unilchat von der Plastik! Hs darl' nl)er fast 
ielitHtverntäuilÜch betrachtet werden^ dii^s äbiiliebe Er- 
inuugen wie hier auch auf dem (Gebiete der Malerei 
*i'-'derk ehren nifbisen, wo diese niclit unabhängig und selb- 
*^dig, sundern, wie auf den jHUiipeiauischen WaiHltliu-hent 
"" tHen»te der Architektur decorativ verwendet uinl. Wir 
'jf^utlieu lüerbei nur an die nicht seltenen pseudotLrchaischen 
^if^n oder die »chlank auf den Fns&4]dt7^n balaucirenden 
■Ntaltcn ^/^^ erinnern, ileren tektonische Function als sjlulen- 
wigcr Träger ohne Weitere-s klar wird, während die mit 
"felwler Leichtigkeit und Eleganz schwebenden Einzeln- 
1t welche bei<tiniint Kind, die Mitt« grösserer Wand- 

21« 



318 StUung der philos.-fihüol. Cl<tA»e wm 2. Juni 1883. 



flachen zu zieren, an Oireni I?«ize nichts verlieren, wenn wir 
jetzt erkennen, dass zuletzt auch sie nur Verk«irpenm{rpn 
eines t«ktoni^clii>u Gei^ankens sind. Es lenchtet anch m. 
dass in der Maler*»! neben Uinion und Formen auch dir 
Farbe eine hervor ri^ten de Geltuitg böanaprucht, die wir um 
so hoher veranHcKlageu niHssen , wenn wir darauf achten. 
daK-< auf dif-soni (Jebief^ schon weit längerer Zeit der Unter- 
schied von dee<initiver und uialerist;her Farbe nioht nur be- 
tont, rudern auch, theoretiseh b^ründet worden ittt (vgl. 
\V. V. Bozold Farbenlehre, Kap. V"). Im Hinblick hicnrnf 
würde et* gewiss doppelt lehrreich sein, zn nnternuchen. oh 
die ftir den Unterschied der Karben festj^estellten ResnlUte 
nicht auch nach 'len Gesetzen der Analogie eine Uebertm^m^ 
auf das Gebiet von Zeichnung und Form gestatten, »l«rrh 
welche auch da.s theoretische Verständni»*!* de« tektonisflien 
Styls in der Malerei wie in der Pta'^tik weisentlich geföniert 
und vertieft werden krninte. Doch liegen derartige Aiöffili- 
ningen meinen gegen wäiiägen Alwiohten fem. 

Wohl aber drängt sich mir die Frage anf, ob nnd in 
wie weit da, wt) die Ausschmfickung von Gerathen und fl*" 
fassen mit Mitteln, wetchr mehr der Zeichnung als d«f 
Malerei angehören, durchgeführt wird, die st^'lLstiBche B<?- 
handtuug durch tektonische Rücksichteu bedingt wird. W* 
iiuileni Wiirti'u: wie vprhillt es sich mit der Vasenninkiei* 
Gt^hen wir niitteii in die Sache und lenken inisere Aufmerk- 
samkeit auf ein Prachtstück des streng rothKgurigen Shfl*- 
die »grigentiner Vase der mOuchener Sanmilung, auf welch*'" 
der Streit de?- Idas mit dem Apollo um den Besitz der Ma*^ 
pcsMu dtifgestellt ist (N. 745; Mfin. d. Inst. 1. 20). Di« 
kunstvoll in Falten gelegten Gewänder rufen nns nnwillkür- 
lich die Athene des äginetisi-hen We*itgieb(»!K imt Gedaclitai*'' 
Wird man aber wagen, die Vn^v der Zeit ihrer Entstelmi'Ä 
uacb auch nur in die Nähe der äginetischen Sculpturen <" 
rücken V Schon die Gewandung selbtfc wideiN|>richt «0"^ 



l^rnJHi; Üth9r tektermchen iStyl irt tfrUch. Plastik «. Maferci. -UP 

cb«u Annahme. Man »cLte nur uut' die uLif^t^hobeneii 
SchlepfWD tier Artemis timl der Marpcssa im Verpleiclie uiifc 
den AkroterivnßgiirHn von Aeginu: raun achte anch auf lÜe 
Z«it.hnunjf der Chlamys des Hernie« ; besoudera aber ven-äth 
^cli in der Art, wie Apidio, wie Idaw die Chlamy« um die 
Schtilter geworfen , durchaus nicht« mehr von nrchai.schem 
Kiu|itiiiden. Gehen wir weiter, so ist in der Stellung der 
F(kso. im Schreiten dit^ für den achten Archuisinas so 
churakteristWhe Gebundenheit völlij^ flljerwunden. Die Pro- 
portionen der Körper sind schlanker, die Köpfe kleiner ge- 
*f»nK'n. Alle liewefj^mgen aht^r ilurehdriiigt ein freier, ja 
^nuy^rti^er Khjthnin.s, diir hei alle« Figuren mit Ausnahme 
"ItT scharf zielenden B<ij{en«chnt/.eu iu einer weichen ßeugimg 
'tfe' \ackeas und Neij(inif5 des UnnyiteH ausklinkt, welche in 
ikrviu sentimentalen Anhauch :^eU>st über da^ KntpKnden etwa 
•w Parthenoniiio hinausgeht und mindestens an die Kirenc 
*!•*' KVphiiMwiot, wohl noch richtiger aber an tlen Hogcnannteu 
riftUtkopf in Neajiel txler den Dionysos der Henkelgruppe 
WH-T präiie-stinischen Clste (Mon. d. In^t. VI. (U) erinnert. 

f Allerdings glaube ich ?)chon Jetzt den trivialen Hinwurf 
Ternchnien , duss ja dit-^ Kun.sthandwerk coib^crvativ sei, 
*w also die Ausläufer dea ArcUaiainus in tier Vasenmalerei 
Wk a'cht wohl bis iu die Zeit de^ Phidius haben erhalten 
^üea. ,D(w griwsartig4? Bild zeigt eine uuffallende Syiu- 
•■rtrie in der (imppining, wie in der Hewegnng der einzehien 
»^ipiren; man beachte nur die gleichmiissjge Haltung der 
Kf^fe. welche bei allen, die Kümpfeuden ausgenommen, etwas 
If'nfipt ist, ganz entf*[)rechend hei den Münneni, wie bei den 
fniut-n, t«ri wie die U«iwegiuigen der lllinde und, bei den 
*ct>n'itenden Figuren, der Ftlsse. Ehen so wenig läsHt sich 
"ißf gewisse feierliche Wünle verkeuneu, welche nirh in den 
^pgungeii und Geberden kund thut, und dem lebendigen 
■'"il kräftigen Au.-^drKck diT Handlung, wie er sich in dem 
"liicIitigeD Schreiten tier Kämpfenden fa.st gewaltsam äussert, 



320 



Sitrunff der philon.-jAüttt. Ctasae vom 3. Juni 18SS. 



ctwuH i*eniesRune.s, Patliehisches beiinisclit. Daiiiit; vertduigt 
sich ein Streben nach Zierlichkeit, dua «ich in der sorgsamen 
Anor*iiiiin(5 den Huiirs, tlem fpichen Srhmnck ..... d«i 
priirlili^cii . in viele sjuiniftriKch (gelegte Fiilleu ^eordnctei 
Gewändern ausspricht. Alles das sind Züge oin«*r Kiinütflbiing, 
welche noch durch eine j(ewisse Strenge ihre Freiheit tot 
der Willkfir zn bewahren strebte." So mochte »Merdint^ 
Jahn n()ch vor vierag Jahrtni (in den Arch. Aufeützen S. 4'J) 
zu schreihi*!! geKtiittet sein. Alu>r leidet nicht seine Schil- 
deruug an einer Reihe von inneren Widernprllclien? AIW- 
dings ist diis Handwerk znweilen eonservativ: dnfi Archaische 
wird dann vertiv>cknen, erstaiTen; «Hier es erfolgt tdne lang- 
same Auflösung und Verrtauung, eine Decadenz des ArcUai?- ■ 
mus. Dass sich iler äussere Kornialisniut« de« Arehaisehcn 
einerseits in den .präclitigen* symmetrischen Falten venier- 
lichen, andererseits niit Giussartigkeit. feierlicher Würde er-l 
füllen, dusf* .sich Hem An.sdriicke der Huiidhjng etwa-^ Ge- 
nieasenes, ja Patheti.srhes beinii.'ichen will, das widerspricht 
allen (iesetzen einer nnturgemässen Kntwickelung. Auch io 
archaischen Formen mag eiu neuer Geist keimen , wie esfl 
etwa in der Kunst des Kalauiis der Fall gewesen zu sein 
scheint. KrMturkt aber diui*er Geist, so sprengt er uuwider- 
ruf lif^h die alten Formen : der neue Wein lässt sich nicht] 
auf alte Schlauche fTillen. 

So hat dit' lineare Strenge der miinchener Vase miti 
Archaiätiius nichts zu thun : sie bietet vielmehr ein hervor 
ragendes Beispiel tektonifMjher Zeichming, und an ihr 
nun auch die BeuiiTkungen. die ich iu meinen ,Problenieu ii 
der Geschichte der Va.sennialerei" S. 42 iilwr die t«ciuiis*'li.*a 
Ausf&hnmg die^r ganzen Vasengattung machte, in '^^^t 
durchaus neues Liclit. Ich wies darauf hin, das« die mit 
einer wahrschf;inlich metallenen Feder gezogenen Linien ttnd^ 
TJraririse nicht au.s freier Hand ausgeführt seien , sondei 
unter BeihtUfe eines mechanischen Instrumentes, einer Ai 




firaun: Oeber tektoHtschen Stt/l in ffrUch. Phtstik a. Maierti. ■'{21 



CiiiTPiilineJiIs, wie es woh! noch lieiite bei architektonischen 
/tnrliniiii^eu anpewendeb wirtl. Ich beiin'irkt*! weiter, ii:i*i 
iiireh dieses Verfahren eine grosse Sauherkeit, Reinheit und 
hiirfp tier einzahlen Linien erreicht werde, dits» in <ieiu 
[juatlieiriuti^chcn Elemente de." Verfiilinni.s etwas Cnnf^ervatives 
was vor Aiu^urtung , NaehliUsigkeit und niisic}ierem 
RchwaiikiMi l>ew!ihre, wilJirend aiiileren*eits jjjerude in F(i]^e 
»ies Scheiuutischeu , Typischen der Vortrafifs weise der Aus- 
drack eines individuellen Gefühle« und Kmjjfindens nicht ztir 
G(4tiU)g zu gelangen vermöge. Aensserlich Ifetntchtet wird 
«ch aiirh hente noch diesi-n Kenierkiingen ihre Hirhtigkcit 
nidit tihsji rechen lassen; jiher je^le eiir/etne der Iteobtichteteii 
Ers'lieinungen erhält einen anderen Werth , sobald .sie als 
Tlifil eines bewutwten t^ysteni« betrachtet wird, aU Mittel ztir 
^"n^hfnhrung eines streng tcktoni>^chen 8t)'ls, der nur inner- 
nwlb der Bedingungen gegebener riiimihcher V'erhältni**e 
Jli und von dem niatlieiuati.sclien l'nncip niclit niU' iiu 
i?ren der Darstellimg l>edingt, >(oiidern seinem inneren 
v^'n nach be?-tiniuit uml beherrscht wird. 
Allenlings strebt* diese Kunsfcttbung »noch dnrch eine 
Strenge ihre Freiheit vor der Willkiir zu bewahren*: 
Tor welcher „Willktlr" V Etwa vi)r der der Zeit des 
''liiiHits und Kumes Gleichen V Hier gilt es, die historische 
'^***lluii)» dieser .Stvlgattung wenigstens innerhalb nicht /.u 
"^K gezogener Circnzen zw bestimmen. 

Kfir di<i?en Zweck erhalten wir einen nierkwilrdigen 
'' >rmrr/eig durch die in den Mon. d. Inst. VI, 70 piiblicirto 

tkkchische Aniphom des Miueuin» von Perugia, auf rieren 
"intfigi- von mir «hon in meinen , Problemen" S. VSi hin- 
>wiesen wurde. A)hnc daher hier zu wiederholen, was dort 
•^W die hohe Vort.refllichki'it und Vollendung der Zeich- 
^'Ung genagt wurde . will iih hier nur nochmals betonen, 
*W» ,die Epheukränxe mit feiner i'harakteriwtik tle.M Bhittcs 
^M »einer Stellung belnuidelt" sind, und aiiAserdera hinzu- 




322 SitMHtiif der jAUos.-jihtiot. ClaaM vom 2. Juni l^H3. 

fUgeii , duss »lieh die beiden Bäume nicht Hchiibtoneuliift 
Htylisiit, »iHidvni iu engerem Auschliist>e uu die Natur «1^ 
sonst bt'i N'tweubiliJerii "^ezficliUHt sind. Nrin alatr sVltt 
mitten iuit<?r tit'ii Figuren und zwisclmii dieaiMi bi-idcn Büunen 
ein dritter , der von ullem Nutumlisnius vnllif^ aijsieht iini 
uns nur die uUstracte urchit<^ktouit*cht.* Furmel eiuen Gewädu» 
diirbietet. Sullte man nicht glutiben, dass ein my uugenfäUiger, 
greller Cmitrib»t iiUHrträgüch wirken müsse? Und d^N-h bin 
ieh überzeugt, dwsa die Wenig^teu Überhaupt ihn bis jebt 
bi^merkt, (geschweige denn an ihm Aus^torfs genommeu hubcii. 
Wir werden uns über den Grund dieser Erscheinung kltir 
werden, wenn wir eiimial 4len Versuch machen, im Geiluoken 
das jiit'hitektonisfhe Gebilde in einen wirklichen Baum zurftck- 
zuüberiwtzeu. Das ganze Bild wird zu lualeriwch , zu hind- 
wliaftlich er>;cheiüeu, wird sich gewissenuasseu bislösen von 
der Fläche des Gefät»eä, mit dem es doch seiner Bet^timmimg 
uacli auf da-^ Innigste verwach>*eu sein stdl. 

In der Zeit der aut'st^'igendeii Kiinsteniwickelung w« 
ein unbefnngeiuts tekUuuRdie!^ EmpHnclen, wie es der helteni 
seilen Kunst von Anfang eigeu war. g^nügeud gewesen, um 
den Bilderschmuek der Vasen den Formen dersellien »tj'I-r 
geuiäns anzu|)ii.s?«on, 0er plaiii metrische Charakter der Ztnrb* 
uung kam dies»;m UeilÜrfniss entgegen , wenn man nicht 
viebnehr sagen will, dass das Bedfirfniss ihn hervnrgernfeii, 
AU umi aber iu der Malerei das s])eci&sL'b malerische Priiicip 
sieb immer mehr Geltung verschafite, al» eben t^o die Pliutik 
malerische Klemmte in sich aufnahm , da konnte es nicbl 
ausbleiben , da.ss auch die lineare Zeichnung einen uehl 
malerischen Charakter uuätrebte. Die |ieni},^ner Amphoi 
hat bereitet einen bedeuttmden Schritt Tt^rwürtä auf dio(i! 
Buhii gethan; abisr der Künstler besinnt sich nfn-h finni; 
und veniueiit es, i\u.< tivi gewnrdeue Bild durch Kintligiin 
eines tektoniächen Elementes an die Fläche des GefaA^ 
selbut zu binden, gerade wie wir oben augemimnien haben 



L/fOff ten 



be«! 



m ffrt9G 



v%k N. 



ueret. 



da*, dem j]8eu<lourclmisL'heii Gewände fies tuuzeiiden Herino- 

fLn)(lit4>n eine ähnlichi' vennittflinde Bedeutung? /uknnime. 

Fun tli«***!!! Punkte aus giel>t et- flberliaupt nur zwei Wege : 

tr eine führt <lirevt zum »malerischen* Styl, wie er in den 

Fuseu UuteritHlienf* uiid noch feiner in ileneii uius SüdniSH- 

nd iiiw vorliej^.. Der butlere wendet sich nach riiukwäi-ta: 

dem ein strengeres oder feineres Knnsfceraptiuden sieh dem 

Biiidnieke nicht entziehen kann , ditss der niulerisiihe Styl 

|ewiäf*e in der Nutnr der (Tefässninlerei liej^onde styli^tische 

ithranken tiherschreitet, gelang^t e.s zu einem hewussfceu Kr- 

|l[»meu der Bedingnn^eu eiueä iiu engeren Hiune tektonischen 

Ityk»«, fttr dessen Diirf-hfiihrung e.s (his äussere ]lllHt/.eug 

liieren Kunstwcdson entlehnen muss. Allerdings sucht hier 

die Kirnst «durch eine gewi-sse Strenge ihre Freiheit vor der 

W^illkOr zu bewttliren*. AIht e« handelt sich hier nicht 

um Pill sturres Festhalten um Alten, um eine Reaetion, eine 

''köibflliche Kdckkelir, die dem Geiste Zwiing oder Fesseln 

aii^lt. wndem nm eine freiwillige Selbstbesoliränkung, die 

^^ freien (iednnken nieht gislnttet, sieh von den Forde- 

fwigwi des Haumea loszulösen , dafür aber die '•treiigeren 

^onnea einer früheren Kunst ala Träger den tektonischen 

nDcips einer freieren geistigen Aiiftassnng dienstbar nuiebt, 

*ra(le »> wie es auf <leni liebiete der l^hustik in Jen boHten 

[wf tiielitfclien Keliefä geschehen ist. Von diesem Standpunkte 

muaä die agrigentiner Vacie der nnlncheuer ISammlung 

fiii Mu.-terbtück der ganzen Gattimg betraeht^et werden, 

ciue Arbeit aus der Zeit der «Krtindung* des tcklxmischen 

TI>, d. h. auK der Zeit eines alh>rdingä nicht melir naiven 

*>« iinbewussten, sondern mit vollem BuwussUein entwickelten 

•^ylgt'fühls, welches scheinbar entgegengesetzte Ktemente 

nem eiulieitlicbeu I'rincipe unterÄUordaeu unil mit einer 

'^"heiÜichen Empfindung zu durchdringen vermochte. 

f'tlr die hier diirgelegU^ Anffussung des tektonlsehen 
•^yl» auch uucb .der histurisclien Suite bietet mis eine vor- 



324 Sitsunff Her philm.-pMol. Clttsttf. rom 2. Juni IfisS. 

trelFliuhe Bostätigung die Durstelluug «lor Ecia uml ie» 
Kepbalo» uuf einem Spiegel (Gerbard 180), die« obwohl in 
Flachrelief aii8gcfifihrt, düch ohne lk*denkoii xur Vergleiohnn^ 
mit einer VtiwnKcichnung herangezogen werden ilarf. AVwm 
hier die schlanken Körpertbnneii des Kephalos in imgcnfil- 
liger Weise an meliache Thoureliefe erinneni , so entfernt 
aich die Zeichnung der nanber in Falten gelegten Gewandung 
in keiner Weise von derjenigen der müuchener Vase, b* 
mm etwa die Arbeit wirklich archaisch oder weiiigslöns eia 
Priwliu-t jj'iii's „r<iiisi»rvjiiiveti" Kunsthtuidwerkes in der Zeit 
des Phidiü-sy Hier liefert der Strahlenkranz ^ welcher du» 
Haupt der Eos lungiebt, den sicheren Beweis, dass die Ai»' 
führung nicht vor die Zeit Alexanders d. Gr. gehört, AaaS 
atao hier in keiner Weise von einem conservativen Festhallea 
des Archaismus im Handwerk die Rede sein kann , sondern 
nur von einer Verwertlmng arehaisireuder tllemente für tek- 
tonische Zwecke. 

Die Kategorie, welcher die münchener Vase angehört, 
ist in allen griisseren Samminngen dnrch zahlreiche Beispielcj 
besonders etniscischer Herknuft vertreten; und es tst dabct 
nur natürlich, dti^ inuerluilb der Einheit des Princips der 
AuffiisKung sieh in der Ausfiihnmg mancherlei Abrttnfiing*' 
ergeben. Doch soll nur auf einige derselben hier kurz hin- 
gewiesen werden. Auf der peniginer Amphora »tiind eil 
tektonis<jltes P flu uzen ^e bilde noch unvennittelt zwischen dei 
Figuren : auf dem figurenreichen Bilde eines Ringkampf? 
de.s Peleus und der Thetis (Mon. d. Inst. I, 37) trag«! 
mehrere der Ziehenden Nereiden als Attrihute Blumen in dtf 
llniiden, aber nicht mehr wirkliche Blimien, isondem gu>] 
streng stylisirte Ranken- und Blatte >ruamüute. Trotwleii 
pa.<wen sie unbedenklich sehr wohl in die Hände ihrei 
Trügerinnen und beweisen was vielmehr, dass auch di 
selbst tnjtz ihrer lebendigen Bewegungen aieht frei uatOrlicht 



firKNn: Uebcr tektnninchen Styl in griech. Plastik u. Maltrei. 325 

'icmdera als streng tcktonisch stvlisirte fiestulteii K<^ze'cliJ»*fc 
tfiad. Wenn liier Uberhunpt die ^anze Cüuipositioii in röclit 
augfüi fälliger Weise durch den gegebeneu l{aum bedingt, aus 
iliiD eig^eiitlich he rfin.sn;e wachsen ist, w bietet uns iiiipserdem 
düs Bild eine wahre Mast^rkarte vcin Stylisiriiii|^spmben ver- 
schiedener Gewamldtoffe, wie yie nie an einem und demselbea 
FeAe au» einem einheitlichen ktostlerischen Empßnden, 
nar ans einer be*vTi.-*8ten Untemrdnung unter einen 
nten tektonisclien Stylbegrifi' hervor wachse n können. 
Der tekt4>nische Styl ist hier zu vuUstcr Routine ausgebildet, 
wobei er freilich schon einen Theil jener Sauberkeit und 
Zartheit eingebQs»t hat, die uns an der agrigentiuer Vase in 
Mönchen fesselte. — tJeberhaupt liefet in dem Mechanischen 
fc' Verfahren» bei länjferer Uebnng eine starke (»efahr der 
?eiinaser!ichung, und in der That fehlt es niclit an Proben 
«nerderlien, steifen und stumpfen Manierirtheit , die jeder 
lodiriduellen Ernpfindnri|r entbphrt. Es genü^ hier, nameufc- 
wh mif einige Vawn mit rothen Kiguren auf der einen und 
»nwarzeu auf der andern Seite zu verweisen , Über die ich 
^feit» in meinen Problemen S. 138 gehiuulelt habe. — 
S»ch der entgegengesetzten rfeite weist uns eine fraginentii-t« 
^a.w aux Südnissland: CK lH<if>. T. 4. 14. Weht uns nicht 
_*"» den Bewegungen und Motiven der tanzendi^tt Gestalten, 
der Charakterisiruug der Gewandatoffe , der Anordnung 
'Gewandmassen derselbe Geist entgegen, wie in der Peleus- 
e? Nur mit dem einen l'nt^rschiede , ihiss die Strenge 
^*r Styliairinig bei der ÄiisfQhniug in jeder einzelnen Linie 
Sl'ickert, gemildert und in den Charaktt-r freierer Elegauz 
'tragen ist. In einer Boreasvaöe bei Gerhard A. V. Hl, 
'^2, 1 Knden wir wieder die Ätylisirieu BImueu in flcn 
"•»den der Oreithyia ; auch da« iSystem tektoniacher Kalten- 
^hunj? ist noch deutlieli erkennbar; aber auch hier ist die 
Luftihriing, kaum kann man sagen, freier, sondern nur 
lind hixer, — Stylisirt^-n Pflanzen begegnen wir noch- 



326 



SüsHfUf der phUm.-tJtUni. Ctaaae nun :i. Juni JfiS,X 



I 



I 



mtil* Uli einer Vase aus der Krim: CR Ißtil, T. 2. Die 
Durstotluu^ kiiiiipfunder Tlüure darf una wulil ao dii- iibeu 
besprochen eil Holzreliefs eines Sarkophag» erinneni, nur ditw 
auch hier die Strenge der »Stjlisijuiig einer laxeren Bebaud- 
lung gewichen ist. In den Malereien des Deckels ist dage^ea 
das tektunische Priueip durch die maleri-^ehe Freiheit wenijf- 
stens äni^erlieh schon so weit surfickgedrängt ^ dafis es nur 
noch in den üewandungcn zweier Bakchantinnen, und auch 
hier mir noch mehr in der Dispcäition als in der Ausführung 
der FiiltiMi nachklingt. M 

lude»äcD beschränkt sich <3er tektouisehe Styl nicht auf" 
diese eine Kategorie p^- udoarchaischer Vaseuzeichnuug. Schon 
bei den meliscben Reliefe muäste anf die Ter»c;hiedenen Ab- 
f-tufimgen grösserer Strenge oder Freiheit hingewiesen werden; 
und noch mehr zeigte sich an den griechisoh-römiachen Ter- 
rucotteii, s<»wie un einem Theile der Mannorsculpttireii, da« 
sich der Begrifi' de^i Tektonischen mit dem des Pseudoarchai- 
scheii in k(*iner Weiue deckt, äoudeni dass das Tektonische^ 
nicht selten auch in der hi>clwteu bw auf die Spitze gelrie-J 
benen Kleguuz seinen vollen Ausdruck tindefc. Aehntichea 
lässt sich luif.h in der Vas«!ninaleroi beobachten, wo wir lUi* 
de» Tektonischen hüuiig nur deshalb nicht bewusst werdeu,, 
weil wir die bildlichen Darstellungen 8o vielfach nur in A 
bildungen und losgelöst von den l''ormeu der Ocfassc, welche 
zn schmücken sie in er^ter Linie l>estinunt sind, zu betrachteJi 
pflegen. Sn Quden wir z. B. auf einer uiQueheuer Vi 
(N. 345; Moa.d. Inst. I, 10—11) die Uauptbilder der beiden 
Seiten in duichau.s freiem Styl ausgeführt, . aber gewis^r- 
inassen oingcrafinit je von zwei auf den Itankeu des Henkel- 
Ornaments .itehenden Eroten von strenger Haltung, aber «lein 
Formen. Besonders lehrreich sind in dieser Beziehung Ȇe 
iKhlanken Amphoren, meist mit gewundenen Uenkehi. deren 
Vor- mid Ufickseiteu nur je mit einer Figur geahmilrkt xu 
sein pflegen. Da hiilieu wir z. B. auf N. 9 der mflnchtjner 




r. Bniim: üther («JttONÜeAm Siyl in rfriecH. PUulik u. Maierei. 327 

•"^mmiung einen Discobol , der zum Wurf Stellung nimmt. 

Alle« Rcheint hier darauf berechnet, die Haltung der Figur 

in allen ihren Theilcn für diesen Zweck fein abzuwägen 

UB'I in das richtige (ileichgewieht zu setzen, bis wir uhh im 

Aiigt^ichl der Vaee seli>^t überaeugeii , dasa die Axe der 

*»tt*talt genau zasamnien fällt mit der Axe des Gefäsües und 

»l'T eMe Zwe<;k des IJildes afso ist, den Kflrper des Gefässes 

t*'ktoniseh tw gliedern. Aehulich bei den beiden Athleten 

^t Springgewichten und mit dem Dislnw anf N. 1. Dos 

Tekltiiiische liegt alwi hier im Innersten der (iestalt, und es 

KOüimt nur in zweiter Linie in Betracht, ob und wie weit 

*^ der Künstler auoh Üuasprlieh im Stj'l der Zeichnimg hervor- 

***ten taä8i;n will, ^viis rlurch Küitksichteii vcnjchiedeiier Art 

■»dingt «jin kann. Wenn z. B. auf N. 8 in Miinolien die 

"«Wandung des lang bekleideten CithariVlen in p^eudojirchiü- 

**-*lier streng linearer Zeichnung durchgeführt, der Mantel des 

•'Öngliiigs auf der Rcickwit*,' dagegen ganz tVpi behandelt ist, 

** leuchtet (.'in, dass der verst*hie<lene Styl der Zi^it-hnung 

'»ctt Zweck fQr :*ich, sondern nur Mittel ist, dass nnmtiL'.h 

nie Strenge und Sorgfalt der Zeichnung auf der einen Seite 

•ii^p als die Hauptseifcc der iiudi:;rn gegcndber hervurheben 

^*\\, ubwohl auch diese in ihrer grösseren Kinfachheit und, 

omn m5chte sagen, üubefaugeuheit ihre Bestimnnmg, der 

^Vtoniwrhen Ifaumgliedeining zu dienen , in keiner Weise 

verleugnet. Achnliche Stylverschiedenheiten sind auch aiider- 

*Srt* l)emerkt worden. Wir wenlen jetzt den (inmd nicht 

Tufrlir in einer Verschiedenheit des kUnstleris<:hen Empfindens 

•iHrhen. pjondern uns tragen, ob ein Bild an der Vonler- «nler 

Rßrktteite , an der Aussen- oder Innenseite, an dem Körper 

'•"Ipt dem Halse, (tberhaupt nnter welchen tektoni^^chen Be- 

liißjfimgeii au einem IJerrisse jingebracht ist. Wie sogur die 

LinieiifUlirung im Hin/,elni-n durrb solche UGcksichten ho- 

Htinimt werden kann, lä^st sich ?.. B. an der Darstelhmg 

eine- Knuiengelages auf einer nittnchener Va.se (N. i>) erkennen. 



328 



Sitzuuff der phiI(ui.-i>kiJot. Hamc vom 2. Juni tttS.H. 



Sie findet wich auf der SebulWrfläuiie einer Hydria, und die 
leise Biegim^ der pseudoartibuischen Gewaudfiilten ist hier 
nicht sowohl durch die Uimduug der Körperfoniien, als da- 
durch be<]iiigt, diiHä die üriindliiiie des Bildes uicht eiiie 
gerade ist, sondern einen Kreisnnsst'hnitt bildet. 



Schwieriger erscheint es, sich darüber klar zu werden, 
ob auch der stliwiirzfignrige Styl nach längerer Unterbrechung 
in ajtiitercr Zeit mit bewusHfcer Absicht Rlr t<»kt(mische Zwpcktf 
wioder aiitgcnonniMiii worden ist. Denn es winl sich in düOi 
einzebuMi FüHl' laicht die Frage aufwerfen hissen , ob niciit 
der tekt(Hiische Charakter dieser herben und strengen Strlart 
90 7.\t sugen iingebnron sim und sich deshalb auch schon in 
alter Zeit überall geltend machen müsse. Nehmen wir eiu 
hervorragendes Bei.si)iel, die Va^e des Kxekius mit dem Wrirfel- 
8piel des Adiilleiis und AiiLs und der Ktk-kkebr der Ditukiimi 
(Mon. d. liwt. II, 22). Hier steht die tektonische Stn'ögc 
in der ConipoNitimi der beiden VV^ürlelspiider principioU « 
7Jem]ich auf gleicher Linie mit der (Jumpo:«itiou rler knteewiec 
Satyrn und Siieue der Campana'sidien Keliefs 39 und •'►l' 
8. oben S. 30'.\ llior könnte also vielleicht jemand einwenden* 
da>4S die Strenge des Vasenbiides nur ein Ausäu88 des Principe 
strenger Symmetrie sei, wehrhes ja gerade in der archni'^h»^^ 
Kunst eine .so weitgreifende Oeltinig erlangt habe. Indes«« 
wird die Eolitheit de.-« Archaismus wiwlcr verdächtigt durcl» 
die laconsuqucnz in der Stylisiriujg der Gewänder, der in 
Falten geworfenen de^Tyndareus und Kastor und der bunl- 
gewebten oder gestickten der Leda und des Aia**; und aiicb 
aiisserdera Hessen sich leicht in der stylistifichen Behaii<llaPf^ 
der Vonler- nn<l der Kückseite bestimmte WidersprOche nacli- 
weisen , die sidi nur aus bewussten Absichten, uicht »Q» 
einem naiven Kun«tgef(ibl erklären lassen. Auf den Mu^t 
echtanlmis<rhen Empfindens habe ich bereit« früher (Problenw 
fcl. 12!>) hingewiesen. Schliesslich aber verrälh sich der 



r. Brunn: Ueber tektanuchen Styl in ffriech. PiaMik u. Malerei. 320 

Künstler an einer kleinen , jedoch chumkteristi'<eben Eijren- 

Uißniikbkeit, die biifiber vüJli^ iUj^räeben wurden ist: die 

timf/Ti Fliu-hen ilcr OlN-rscbtmkrl d^-. Ai:us und AeliilleiLS 

sind nicht durcli Angulw der Miiskidti j^ugliedert, sundem e« 

fiml in dieselt>uti (tinrl wiv c^ scheint, auch iti den Oberarm 

AcbiUeus) reine Spirallinien seh ein ji tisch einj^ravirt, in 

"ifiioii sicii der dt*C4>rativ tcktfuiir^clie Charakter iinleujjbar 

auHS|)nclit. LTnd diese lOigeiithilinticIikeit sttdit nicht etwa 

fiii/elt du: sit* kehrt wieder (nra mich vorliUifii^ auf die 

mmifht-ner Sunimlim^^ zti IicschränktMi) auf eini'r zweitt'n ViLse 

«Iw Exekius, der Trinksehale mit dun» Kaiupi'e um die Leichen 

dl« AchiUens und des Putroklou: N. 339; femer an drei 

WittlfThtiUingen der Würieisnieler: N. 3; 'MU\ 717; »«wie 

»n gerüHt^m Kriejjnr-n versciiiedener anderer ICnniiifst-enen : 

N. 7: WÄ\ 380; MM: 40!»: 12**5. 

üieran kuQptt sich die weitere Beubotditung, ditss dieses 
^pintlitrnanient in der Mehr/Jihl der Fülle in VfrUindiing 
"iil filier heräwreii rtiid eeki^^ereii Siyf^attuu}^ auftritt, von 
^^T ich schon früher (Probleme S. 130) bemerkt hatti;, ,d«ÄS 
*'ies<*r Styl zwar keineüwog» nuwfchliesslieh , al>er dtndi be- 
"'Odcrs hüuH}^ auf Amphoren v<»rkoainit, welche in dem den 
Kaazeii Körper U'« leckenden schwaraen Grunde ein vierecki||^es 
'eH fiir das BiM uusspiiren, während uingckchrt fiir dic- 
J'*nij:en Amfibon-n, widrhe den jjtdbcn (Irund nur dureh ein 
^):'teiu von Ornanienteu KÜederu (^ 22), eine freiere Styl- 
^-iltuag, etwa in der Art der athenischea Prothesiavaäeii vor- 
^i'tfend in Anwendung kommt". Die Scheidun;;; einer her- 
Wen und einer laxeren Stylgattiing nach den Formen iler 
OrfiinHi verhindert an eine witliehe Aufeinandi'riol^e zu 
<ieiiken und verbSigi nich anch schwerlich mit dem naiven 
Kuipfinileii einer wirklich alt«u Zeit. Sie weist vielmehr auf 
i'jH bewusrdeM tijfrt;eniati«ehea Denken hin und liisat uns daher 
die bildliche Ans.'^elunücknng al« eine Ijewusut tektouirtche 
erkeuneu, welche den (liarnkti^T der Zeichnung nicht ah 



330 



Sitxuttg dfr jihiloit.-phUnl. ClaAX« rom 2. Jhmi ISfiS. 



frei gf^wnhlt, sondern als dem leichteren oder schwer 
Churaktcr fies liefÜsHef« aellutt uuter^eurdnet erscheinen IS 

Die einzelnen Krächeiuungon iu der Vasennoalerei , 
die es sich hier handelte, sind zum Theil dieselben , auf die 
ich !*r;hmi in niiMren Probltmum hingewiesen hutte. Sie stellen 
sieli uns aber iu einem veränderten Lichte dar, weil sii* ein» 
Tlieihi einem neuen Gesichtspunkte untergeordnet , andern j 
Theils iu Verbindung gesetzt sind mit analof^ien Ernch«- 
uiingen auf andern fiebietett der Kunst, namentlich dem dvr , 
Plaätik. Sie dürfen fortuu nicht mehr aU Beät^nderlitite» 1 
oder gar Anomalien betrachtet werden, die etwa auf einaj 
einzelne Kunstgattung busk-hninkt bleiben , sondern als Aus- 
flugs einer (Jeistesrichtimg, welche die gcsaninite griechiscliej 
Kunst in gewissen Zeiten und in weitem Umfange beherrsch ( 
Eh gilt ilaber auch vüu ihnen, dass nie nicht mit einem Aiii 
leben oder AbsterliLMi des AroKaiHmns in Verbindung ge*et 
werden dürfen, sondern dass ^•ie nur in einer nach länger 
Unterbrechung erfolgten Wiederautnahme arrhaiaireinl« 
Klemenfce für tektonisehe Zwecke ihre Erklärung fimle«* 
können. 



Hiermit breche ich ah. Ich glanlw? nicht zn im>r»' 
wenn ich annehme, daas die meisten der Einzelnlieobachtirngpr'« 
von denen ich ausgegangen, durchaus nicht neu. vieltneHr_ 
nur zu flelbstverständlich, weun nicht gjir trivial erschein« 
werden; und doch bin icdi nber/,eugt, du.«« sit^ in ihrer VeJ 
einiguug zu einer geschlo.ssenen Kette nach nuuichen St'it* 
fremdartig berühren und Köpfscliiitteln erregen werden. 
schien mir daher angenies-sen , zunächst den principidlt^rtj 
Standpunkt einer von der bisherigeu sehr ahweichenden B^j 
tracbtniigsweist^ in ninhr andeutender und aplio ristischer, u^ 
aiiftgefiihrter Behandlung darzulegen , und diulurch Gelrgrti- 
bnit zu bieten, dieses Princip ohne jede Neben rQcJcüicht t^"^ 



V. Snttm: Ueber tekU»iischfn St^l in griech. Plastik h. Malerei. 331 

lÄch inneren Grfinden des künstlerischen {/haraktcrs zu 
VTüfen. Erst dann, wenn bei längerer (Jewöhniin^ der Ein- 
druck des Fn-indarti^eii (feschwunden und durch eine uuhe- 
hngene Wfirdiffun^ die kfinstleriKche (irnndanschaming als 
rtn« bereehKgte anerkannt, sein wirt] , dfirtle oh ii» der Zeit 
wn, die weitereu Connequenzen zu entwickeln» die verfrüht 
wugcspnwheu, wahr>wheinlich nur <ieii Aii1a.-vs bieten wfirdeii, 
lie Uichtigkeit de» l'riucipes »oUjnt in Abrede zu stellen. 



3. MiilM.-philnl. hist. Cl. X] 



SS 



392 



Siteung der kitilor. ClaMtf roiu 3. Juni S8d3. 



lÜRtoriflche ClaRse. 



SiUung vom 2. .limi 18I«J. 



Herr üeigel hielt eiueii Vortrug: 

„Knrffirst .losef Klcmi*n'* von Köln iiinl 'las 
Prtijtfkt fiiiLT Abtretung Bayerns au 0«ater- 
reich, 1712—1715.** 

Durch Keiintnii^tmahme von Soiirift.stfieken, welche ^^ 
in Priv;itbt'.-sit'/. bcHmlen'), bin ich in Stuiul gesetzt, fi'"'' 
«ine l)i.slier nuch niiliekannt« Kpis4»d«. di« sich wähnuil u'"^ 
Krieden-sverhanrllnngen zn Utrecht. al»»pielte, «leren Xw'l'' 
Wirkung alter ein hall)ej< .(abrhundert später weit b«!<leuluii}P" 
Vftllcr hervortrat, nnthnntischi» Anfklüning zu hinten. Kiiiien * 
kt»tint<* Urieli'n jüiigcri'n Uafuriis nur Anilcutnngen eutueiiui«'« 
Der anonyme Verfatwer eines 178r> im .L>eutt>cben Miwcwfi* 
«rachieueneii Aufsatze-s „Histt»risclie Grinnernugrn über Jf^' 
Entwurf, die Niederlandt* gegeu Bayern zu vertausolifii* I 
irft auf fiilHcher Führte, indeui er die damuf bfzüghchni V<jr* 
sehläge vun der frauTTtMisohen Uegientng ausgehen lässU 

II Die Papiere, aus dem NAfhlass de« AppellKericht5r«Üi* t*™ 
Hofi«tott«n in ÜfniVi ih'n Hltiti Unnm Owiini flbergej^ngfn . woiJ«» 
vun iJie»ii'in in liIn'ralfit.iT Wp!«** xiir VerfH(ir»ug gestellt. 

*2) Knatu, «ler Bpaniitebe Erl)folgekrie^ und der CbarfQnt Joki*'' 
CkmeiM vüt) Cilln, 15^ IT. 

3) DeaUchea Museum, II. 4'H4. 



i: Das Projrbt nue^^^rStm^Sa^Sartu an Ofiterreieh. 333 ' 

liüch der Schlucht bei Hüchsfcätit sulion sich Max Eiiia- 

Ttiü Baytru and sein ßnuler Jctsei* Klemeiiä^ Kr/.bisH-'hof* 

Cnrftirst von Köln, genöthigt, ihre Lünder zu verhiiisen, 

|£iiianiiel begnb Hieb in die Niederlande, um den Knnipt' 

so die Vprbündi'fcen fitrfaiisi'tzi'n , der KirchenfHrst c^rbat. 

ig Ludwigs Ga-stfrt'iiiid.^clmit und hielt, sich abwecbseliul 

HBchie^lenen kleinen Städten Franlcreichs, am häufigsten 

uleneiennes auf. Beide Hrfider gaben ihre Sache keine.s- 

p viTJoren. Aus den /.wischen ihnen gewecliselten, jeUt 

k. geheimen Hbiatsarchiv verwahrten üriei'en erhellt, wie 

Kindlich sie an den eurupäisehen Höfen, insbesondere in 

für die Politik FraiikriMchs niiwsgebenden KivnseTi. ihr« 

D s])Hnneii , um diis Interesse au ihrer Suche wach Mi 

n und vor Allem zu verhüten, dass sie bei einem 

ensischlusN gwpti'ri wünleii. Da jedoeh das Kriegsgllb'k 

ic FeldzOge iu Spanien ausgenommen — den Vcrbtln- 

I treu blieb, war den Fürsten wenig Aussieht eröflnefc, 

Verlust«! ersetzt /.n si'hen. 

Da wechselt nnerwart4't wir auf l* inen Schlag die Scene. 
IT .h»ef I., aus piditisirlR-n und jirrsöniichen (Iründcn 
rbittertiT Gegner ile« Hannes Bourbon und der Satelliten 
fr Macht, stirbt, erst 'A'A .liilin* tilt, dt-r fCrbf seiniT weiten 
ihe L<t oIm?!! der Erzlier/og Karl, um <le.*ieu Krhel)iing 
Konig Sjianieus willen sieh der auf allen Betheiligteii 
fr lastende Krieg entsponnen liatb-. 
&ni 27. April 1711 rrhieH .Tasi:f Klenicns, wahrpniJ i-r 
e nach Beeiidigting des Ili>rhaniU uun der Katheiinile 
leims heranÄsehritt, die wichtige Kunde und beeilte sieh» 
dein Brillier .die ohnerwnrtet grflsste Zeitung, rfo immer 
an' zu übennittidn.*) 

Biijr. geh. Stuttlaarehiv. Kawt^'ii üchwarz ^^. Konetipondeiix 
^arfOntcn Miixiniiliun Eniiiniicl in Bayern mit Heineiu Herrn 
dem CharfQrMten Juiiei»li deiuen-i za KOln 1711. Brief de» 
Dens, d. d. Kheimä, ''i'i. Apri) 1711. 

22* 



334 



Sitguntf tier hütor. Cloäiie rüin 2. Juni ifi83. 



Die BrUdor lobten bifiher im All^ciueiiieu ia gutem Ein- 
vernehmen und suchten sich ji^egeimeitig in ihren Planen zu 
imkTstütÄeu, nur hit^ und da kam es zu etwas gereizt klin- 
j(e>:dr'n Atis+.>irmnderseUungen Über Verpflichtungen gegen 
d<L» Kurhaus und lüitlihuhkeit eiiizehier Mtissiiahmen. In den 
Briefen spiegelt sich getreu das sanguinische Teni]>erament 
der Brüder. Nnmentlii^h wech.^elt in der Seele des ,]{iiigereii 
rasch und unvermittelt leidenstliüftHcli*' Beweglichkeit mit 
ebenso ausschweifender Letltargie des Willens, heute vertiert 
er sich mit phaut-astischer Zuversicht in IloÖ'nunghirüunie. 
morgen giebt er Alles verloren uud tröstet sich re^ngnirt mit 
Sprüchen des Kohelet. 

Auf eine solche Individuulitüt mussfcc die Nachricht von 
des Kiiii-er^ Tod, der unbedingt einen Systemwechsel der 
eufopäischeii Politik zur Folge haben wllrde , berttu^chend 
wirken. 

,Nuu wollte ich", frohlockt er, «dass meine stimm neun- 
fach verdnppebi kundte, und) dadurch Euer Liei)deu zugleicl» 
die Kay.-^erlichr Crciu aufzusetzen, dann niemand würdigei" 
dorzu gchäfczen thuete*. Der Tod des Kaisers wiege für" 
üayorn zehn gewonnene >5chlnchten auf, die Seennuiht-e 
würden jetzt rasch zur Besinnung kommen , auch im dcut 
sehen Keich sei Alles auf den Kopf gejjtetlt, AUcs V 
lorene wcnle sich wie<ler gewinnen und auch das Höchst« 
sich erreichen lasjien. Nur jetzt keine Unterhuudluugen. 
keine Worte, sondern frischen Muths unlemommeoe Tbateuf 
.Man ist im lieich jezo in dem Glauben", schreibt jer un 
20. April ^), ,Pmnkreieh habe we<ler Miu:ht , noch tiel^ 
raut'jNS ahn die.sses in effectu eu contraire erwiet^en werd«i. 
sonderbahr auch nachdeme ganz Kuropa gesehen, wie schleclit 
nmn uns lieyde traotirt und mich insonderheit Hunger hat 



1 



5) ElH-nda. Brief de« Josef Kleuieus. d. d. Valencienoe«, 39. Apil 



1711. 



M 



ffwjfJ: DftK Pmjeii einer Abtretung Bayern» an (trslr-rmr.h. '■^^^ 



leyden machen, viu> nnvh dp fticto geschieht, nnd disses bis 
«tif die Ict/t« oxtrftuiituM . — da»i Kriinkreicli uns nun 
»"it^nire uud »eige. (dii88l, was geschehen, uuö nniversel 
nia]i^pl nnd nicht iiu^ einer niu:h]iis.>sty;keit gcschfld-'n, d»lienJ 
ilinc iioshind Kuer Liebden und meine troupiifu /.u curnple- 
'D spynd , tind dms niikii von hier ein gntes rletachenient 
ich hinauff schicke, welch&s im stund ist. alles über liuuHV'n 
Vferffen, sn Kuer Liehden wider^^treben könnte. Acl) was 
ri wart^'t anf ICncr Iiich<ien nun, so man nur nicht durch 
iel negotiiroii «ich einrieb laffern hisst!' Da« Him)sko|) des 
iders vprheisse fTir den Munal Mai reicht: Kilüc vnii iii'it*^rn 
lö'i I-Ihren, der bayri-srhe Degen werde di<f Sichel .sein, imi 
horbeej, Scejiter und Kronen einzuernt^ju. Er kann das 
H^andern de^ ßrtniers nicht bof^rciten, jetzt .wo vom MurKcliall 
^HUUts bis zum [ctzteu TaniUmr" .Itedt^niiann darauf warte, 
^^V'der Kurfürst an ilen Itlicin anfbri-chen und für «eia 
)füteB Recht den ent^icheidenden Schlafe' fiOiren wenle. Um 
^^ Blutt^ rhristi willen, im Nauieu der Prinxei], im Niimen 
I dfrheilij^en Rcdigion ! nur jetzt kein Zögern, nur jetat keine 
^^unupligo Bet^liichtigkeit!*^) 

Der Bruder fasste die Lagt- ni)cht*?rner auf. Kine Armee 

*ni Rhein zu koiunuuidiren, sei auch sein sehulichHter Wunnch, 

'filiert er, »l>er scheu auf «ein erMtt's Begelireu habe ihm 

Torrj, der Vertrt't«r des Königs, /.ii verstehen gegeben ; Nicht 

^Uin Bataillon! und weil der Herr Bruder gerade auf Villar.M 

^Vtt sprechen kam, ^^ könne er mit Be^tinnutlieit veraiicheru, 

^ptas jnst dieser htichmöthige Marschall zu fiunsteu des bayri- 

"flieu HauäciB nicht einen Finger rühren werde.'') 

Noch hält aber Josef Klemeiw seiue Auffassung nicht 
r widerlegt, er spiegelt a'mh. alle erdenklichen günstigen 



ti) Ebenda. Brief de« Jonef Klemem, d. d. Valuncienne^, 4. Mai 




7) Elienda. Brief Mux Kmiuiucln, il. d. C'oupiegne, ^. Mai 1711. 



33(1 



SUiuny der hiiAor, Clojist toM 3. Juni 1883. 



Wenduujjen vur . setzt ahwerhselnd auf Kurpfalz. 
tomliL^rj?, Uraiultiubiirg, Uulbiid, den Paiwl; j^etne H< 
Auf ilin kaliliMi Maximen fies rran?;nsisclu*n Hiifos, nimiit er, 
soll initii gar keim* UUrksiclit mtdir iiehinon ; Fniiikreieh 
l^ieiche einer ulfceii Cotjuette, dit^ vor zwunzig Jahren eiuituü 
hülwL'b ^ewesen^ heute iiber de?* Freieuh nicht mehr werth a« 

VVif nichtig aber diu Frei-uidschuftBversicheruugeü, ai 
welnh« .Insef sein Vertnuien gesetzt liutte, l»ewies die Au 
nähme des Pmtiwttw der Wittolsbuchischen Brüder gegen da 
Au.sschhiss iler KurMtinitnen Ki'diis und Biiyt'fns Iwi Ha 
Kaiserwahl. Ihre KJagen inid Be>chwenien verhulU«ii ii« 
beachtet, fhrp Memoranda wurden einfa^'h ad attii gelegt,' 

Allo LniWliiö.sser sieht Joscl* znstiniiueiibrephen. E( 
rächt sich durch bittere Barkasnien iilH5r de« kurflirstliclivfl 
Kollegiums imerträgltL'hen nieprih, i'iber di« Falschheit Bmü' 
denhurgs, über die Hintor[iat, de--* Pfalzers, — der Ton de* 
Briefe wird aber immer kleinmfithiger und verTagt^T. 

Dagegen tety.te Max Kniunnel , iUwr den Frascliwung 
der öfientlielieii Meinung iu Kngland und UoUaud trefflidl 
mitorrichtet., alle Hebel ein, nni< für die Eventualität eines 
Friedens zwischen Frankreich und den Seemächten geäclieri 
zu sein. Kr begab sieb de.'v'shalb im Mai 1711 nach MarlT^ 
lim uoehmals an die (IroMsniuth König Ludwigs zu a|lpeUi^■l'» 
und äusserte sieh auch sehr vergnügt ob der Expressions, iw 
unin ihm d<irt bexengte; der König versprach auf 's Beslimi«' 
te-ste, keinen Frieden zu sehliensen, ohne WiedereinseUunj 
seiner Freunde in alle Würden und Iteeht*' erwirkt zu halieifc 

Ein ghicklicher urul mit Kücksieht auf die Lage ftud 
wohl ent'schuldburL'r Sohaclizng war e^, dass nieh Max EiuanuJ 
eine Frau, die an StjuiLskliigheit den gewiegtesten Diplomulefl 
ihrer Zeit ebenhdi-tig war, ztir BundcsgeDü^ssin warb nii 
deren luteretuHe mit seinem eigenen zu vertleehten wu.><st< 

8) Ennen. 148, 



fStigd: Dm Projekt einer Abtrrluutj B»if«rns an OeHerreicli. '^'^7 



Die Prinzessin Mariu Anna Ontini hiitt«* hicIi, uliwuhl 8tf> nur 
<üe St(.'i]iujg üiner caraerera major der Uemalilin Philippn V. 
einnahni. zur eigontücheu Hi'j?«ittiri S|timit'ns uiit'i^iwliwnntfftti. 
DirtT Aj^itutioii wur da>* l]oj;Iuul>Uclif j^i.'luii>^»!ti , tl'w Sufhe 
ii«w jimgeu Königs Philipp in Sptmieu populär zu umcheu, 
das Volk, im festen Glaubeü, i'ilir lit-ligioii uiul Vater- 
m krLni|)fi'ii , seino ganze Kraft für Vcrth^idigirng Am 
iiizÖsischeu l'riuzen eiiiwtztu. Mit tliesLT hcrrsflistu*htim;n 
Danif, die gleicbsiiiii die f>pHui«;he Hej^ierung repriiseulirfce, 
tnit Max Knmniiel in riih.'rhtiiirllun|j*Mi , um, für sich eine 
definitive Cfssiim der spnnisclien Nieclerlunde zu erwirken, 
nnd Iifl68 sieb f^erne gefallen « du»H auf die Hilfe ein Preis 
j^izt war. Am 21. Nuveuil>er ]7I I wurde durch den 
Minister de»* Kurfürsten, (trafen Motuwfcerol , und den Ver- 
treter der Prinzessin. Miinpiis d'Auhigny, ein Vertrag ab- 
gMehlo8s«n , wodurch sich die Prinzessin zu eifriger Ver- 
öHnng der hayrbflhen Interpsseii am spanischen Hofe ver- 
lichtete; dagegen versprach Max l'jniannel für den Fall, 
er in Besitz der Niederlande käme, (hm PUrstentlium 
'iirbtiy wler eine andere s(»uvf»riiiie Herrsidiaft. mit einem 
'■'iiikiinmien von :J0,(»OO Thalern au die Orsiui abzutret^-n.*) 
.losef, dessen entzündliclie Kiribilihmg.skraft noch immer 
^Jilwfirfe auf Enfcwdrfe häufte, war mit dem Verhalten fwines 
^■Bruderfi gar uidit einverstiiiidrii. Kr ^ah mit l 'nlu>t , dajw 
^Hener .mit tausend fabcheii uegntiationeu amusiret werde". 
^Hfnmkreieh benehme »ich ebenKo rHrksieJitHlos wie feig. 
} 'Miui exponirt unr; zwey ('hiirfili"sten immer mit protcst«- 
I (ionen etc. zu schreyen , und rlarueliMn liwst nmn den Feind 
lilueu, was immer er will.*'") .\iu'h den VerHitdmrungen de» 

9) B. St. A. Kanten Hcliwtirz ^^. Im priiKyMiic det, llnJnB. sa 
prf^-nilue re«»iion de la «nuTi'minPtt» H |nx>|iri^ti' de la vill«, chateaa 
conite iJurbuy Kilutie entrc le« Taüj-biw cU- 1705 — 1714. 



^^ich 




lOl B. St. Ä. K. Khw. 



46 
W 



Brief de« Joeef Elemeiu) an Max 



lael* d. d. Valencienne«, 6, Sept«ni1i«r 1711. 



338 



* 8k£UHg fter kütor. Ctaaae eom S. ./ttni 1883. 



BniderK, (la<>s ihm die f^t«n Luxem biirger no uufrichtig ^t 
wogen seien und auch die Borger von Namur bereits ein- 
NÜhen, wie thiiricht sie sich gej?en ihn ht-nomiuen hätten"), 
seheiikfc er weni^ Vcrtnuien, die seit einiger Zeil anfgetaucK- 
ken Frieden»gertichte hält er für Enfcen.**) 

In dieser Beziehung wenigstens konnte ihn Max Kiim- 
nuel Imld eines Besseren Iwlehren. Am 23. Oktotwr 1711 
Vwric'htet lt <liis wichtige Kn^ignitw : England hat mit deii 
Königen von Frankreich und Spanien l'nterhaudluugen aa- 
gekiifipft. der Friedu steht bevor I '■) l'eber seine eigeDpn 
AiiK<iohten ghtubi der Kurfürst völlig beruhigt sein zu dürfen, 
und in der Thut Hess es Köuig Ludwig, wie die von Laiii- 
herty mitgeihfilteii Krieden-i vorschlage beweisen, an energi- 
scher Verwendung ftlr ^ine Hundesgemwwen nicht fehlen. 
Den Wittelsbiiehischen Hrlldern . verlangte er, .sollten ihr«» 
Länder zurfickerstattet werden und Überdies dem KurRJnkn 
vou Bayern die von Spanien iiligetretenen Kiederlandt- ver- 
bleiben; dagegen würe den Holländern durch einen eigi'iien 
Barriere vertrag die Befugniss niuKumunien , in be$:tiainit«D 
Städten Besatzungen zu halten. Kin gi1n»tiger Hand eist raktat 
mit den Niederlanden und Frankreich sMjUte als Lookspeirf 



di 



lenen. 



14 



) 



Auch am spanischen Hofe erzielten die berührten Ein- 
flüsse glrickliehen Krfolg. Am 2. Januar 1712 trat König 
Fhilipp urkundlich t^lr ewige Zeiten den Anspruch Spsnieii* 
auf dit' Nii'derlande an Max P]maniiel ab und (iberwiefi Mi^ 



U) Ebenda. Brief Max Kmanuets, d. d. Namur, 12. Spptcmt« 

nu. 

12] Klienda. Brief de« .loHef Klemeiw. d.d. ValencienncB, 2LSif 
tembcr 1711. 

IB) Ebenda. Brief Max Emanut-K d. d. Namur. 23. Oktober 1711. 

14) Lamberijr, Memoire» pour üervir & l'hiKtoire da 18. äetk, 
VI, 698. 




Jleiffel: Dtu Pmjekt einer AhtretuHff Bat/ern» an OeHerreieh. M30 



AU 



Je Rechte uud KeguLien Spunien» dem neuen Souverän.'^) 
AU bald diiraui' der CongresH zu Utrecht eröffnet wurde, fnhr 
frankroich fort, auf der Reatitation srttkt Bnndeappnnssen 
beharren; die Uebt'rlii.ssung der Nicdi^rlande sei nur ein 
durch die BiUi^keit gebotener Enwitz, Aa Bayern durch die 
feindliche Okkupation s» gut wie vernichtet sei.*^) Jediicli 
alle Reninhiin<^en Ludwi^rs scheitfrf^n am Wiilprstund Flol- 
liindn, das einen von Krankreich ^iinrlich alihünjfigcii fftrsten 
nicht zum Nachbar haben wollte: auch Kn^land, das sich 
beim KriedHiwsrhhiss vor Allem die Herrschaft über die 
Kordsi-e und den Karinl sichern wollte- , war nicht genei^. 
Hie gOuKtigen ir^tapelplät?^ der Nioilerlande finem nur aU 
Statthalter Fruiikreichüi n*jperenden Kttrsten «u nherlassen. 

In ein neue*; 8tadiiitii traten lü»' rntcrhamllunf^en , als 
ch, vorerwt nur insgelieim, eine fruundschaftliche Annäherung 
geächteten Kurfürsten an den kaiserlichen Hof vollzog. 
Man hatte sich in Wien ilaran gewöhnt, das okkupirte 
Bayern als öfiterreicliisclie Provinz /.u 1^'irju'hten ; nmu 
wünschte, sie xii behaltyn , kciiinte aber iiichlt hoffeu ,, dies 
durchzusetzen , solange der Kurftlrst , von Frankreich uuter- 
Htntzt, auf Zurflcfcgabe drang. Oa lag e- nahe, einnm! einen 

I Versuch zu machen , ob nicht der Kurfflrst sclK-sfc dnrch 
pckende Aussicht auf glünzenderen (Jewinn zum Verzicht zu 
bewegen wäre. Ein von WUrdiuger ans der sfjgeu. Töpfer- 
Rehen Sannntung mitgethoittes SchrifUtHck belehrt uns, auf 
welche Weise die Initiative zu diesem Handt-l ergriflen 
wurde; die Korrespondenz der beiden Brüder unterrichtet 
ober weiteren Verlauf imd Abschlnss. 

Jenes merkwürdige Aktcn^ück enthält eigenhändige 
Aufzeichnungen dw Kurfürsten Über eine Unterredung, die 



|b' 



Ifi) A. M. duc de NneiUcs, Mdmolrce iioUtiqnes et militairofl, 
3,7«. 

16) Enneii. 151. 




340 



SiUnnff der hiittor. Claivte mm 2. Juni tüfi-'i. 



er mit «inoni Bevollmächtigten des Wiener Uofe« , 
LuweuRteiii, der bisher im Namen des Kniaer» die bayti-ioben 
Lundf" admirListrirfc hatit?, /.w Nuniiir luii 2'X Mai 1712 hatte.' 
Der Khishi' sdlnüt. bejjf «leii jniirifliügHti Wunsch, — tut 
klärte der Gesandte, — den Frieden 7.wi,8chcn den d 
lilttire--^se mid Tnidition auf oinamltT oiij^ewiesonen Häii-^ 
Hiihshiirp' und Wittclshiicb wieder bergesttellt zu Hchen. Di 
j^eeiguetöit^ We>^ zur Versiihiiunj; aei eine Heirat des Ku. 
prinzcu mit der ältesten Tochter Kaiser Juaefs. Dii 
Prinzen, der ja ohneliiii in Oesterreich uufgewarhsen n 
erzupen sei, sollU* in Allfm die St-utlunfjr i-ine» ErzhtT// _ 
eingeräumt werden; ihm soltt«; auch der Vater den Aarsitrucll 
auf Ober- und Niederbavern abtreten, dagegen werde sicöj 
der Kaiser dafilr vi:;rwenden, das.s der Kurfürst im Ue>iit?. de! 
Niederlande hleÜje. Zugleich liesa (jruf LöwensU*in en pa-^äanl 
die Bemerkung fallen, der Kaiser sei zur Zeit ni>cb kinderl 
und nach den liabslmrgi^^-hpn Ilausgesetzen st«he Nichts ii 
We^e, ihws der let/.t^' l''tirst niiiiinlichen Stammes zu GuusI 
der Prinzexsiuen seine« Huases die Krbibige iestseface u. ». 

Max Ktnaniiel knüpft au die Anfzeichnimg (i>>er die? 
Anerbieten seine eigenen Kertexiunen an. Zur Al)tretunj 
Bayerns an seinen Sohn wäre er bereit, falls der Haiti 
sehon jetzt die Verlobung mit iler Erzherzogin in'» Wei 
setze unti zugleich die Braut zur Krbiu aller seiner Keic 
ernenne; für sicJi ^cllist beansprucht er nicht nur die Nie<ler^ 
lande, Rondern auch das KnnigreJch Sizilien, überdies nocj 
ZxiHirherung anderer Vortbeile itir seine jüngeren 8t>hne. 

Aus der Kornwpondenz tier beiden HrfWier erhellt, d 
Max Kmanuel die«e Offerten und Praktiken vor .ledeTinanfl 
geheim halten wiillte. Dessenungeachtet brachte Josef haB 



17) WflrdrnKer, Ueber die TöpffTV-hen Mar4*nHlien «nr liarcn 
ichen Kricff^getfchicbt« des iH.JubrhiindertH, in den Sttzunf^berichtd 
der k. b. kkad. d. W., .lalirg. 187^, 12ä. Idöä aur le liiscoiin qi 
w'a U>nn le comt» de LeueiiBt«in h Kamur le 2S. de M«jf 171$, 



|: Dtu Projekt einer AbfretUMf Bayerns an OeMe.rrekh. 341 




ii\ Krfttliruu}<, diu» eine Art TaiLschj^eschäft ^eplaut werde, 
oud von cliust^ni Atigenblick an war er nntiniLÜdiich thiitdg, 
»Ichon Handel zu liiiitertrinlien. Mögen um;h anderi! KfU^k- 
bteu nelienher gnliuit, vur Allem lebt iu ihm iiufrichtiger 
l*atriotiaiDus. Die EhrÜL-hkeit, womit er sich — im Gegen- 
zur damnlft herrschenden Anschauung — auch der vom 
'firsten ;jtegen (Ins Vi^lk libornuimueueu Pfiichk'ii erinnert, 
gewinnt nnsre Achtung, und die l'neigennnt/igk^ii, womit 
«r, seiner eigeneu IteKfcitution kaum noch gedenkend, mir 
ftlr Bayerns SelljätäudigkHJt mul Integrität finhrilt, venÜent 
ansren Dank. 

Kr könne «irh, heilst es in einem Briefe vom 2ß. «Funi 

1712. dem ersten der mir vf»rliegpnden v. Ilotfitettenschen 

Satiiuilung'*). der bangen Besorgnis-« nicht entsehlagi*n , es 

wenle mit dem armen Bavorland ein Tuusufi heuhsiclitigt. 

Der Bnider habt? zwar ollmah mündlich und »ebrittlich ver- 

"pntrhen , niemals in 7i(dchen HiiiiiIi'I einzuwilligen; di'.-wpn- 

"Mgtachlet driinge es iliii , iic>chmuls im Namen de.^ Hau^ies 

^»»d dee Vaterhindes warnend zu rufen: Iu«» dich durch 

'^^«iidenilen Schein nicht verbuken I „Dann oby,warn die 

Niederlande und Sieilien _zwey \\\a dreiniahl ci>nsider»bler als 

■»nverlttud seyiul iu ijuantibite, so ist ihieh jederzeit Bnyer- 

^nd iu fiualititt« iHssHer wegen seiner avantageasen Hituatiun, 

%J run nllem Krieg entfernt gelegen , fiber rhw ist diesses 

liiwer Vatterlaihl und Kuer Liebd^i u)ul dero Descondenten 

■UitUrhcheH Patrinioniuni.* l'dtnr stark ant'getriigeue 8ehuu>i- 

chelei flicht er den Ausdruck der BefCirchtung ein, gerade 

»ein Bruder werde iiui wenig>it4'u dem Glunz einer Krone 

ttider>iteheu können : rhiitÄ er (selb4 in die*ier für die Zukunft 

kyenu* und de« Hauses Witteisbach entscheidenden Sache 

W Wurt ergreife, .sei gewiss verzeihlich, dn ja leider am 

f>fe de-* Bruders kein anderer Anwalt für diuj arme Vater- 

xu tinden «ei. 




342 



SUtuiig der hülttr. Cliuttr rv»m ü. .ftim 1SH3. 



Die Antwort vom 28. .hini") soU den Hcilnj^fcif^en Iw— 
seh wichtigen. Von einem Austausch Bavenis könne kei: 
Hede .-ieiu, mir darum huiirlle es sich» für die verlorene Kor- 
würde und die ()bi^r|iljil7, ftwn. in Siciüen Er^»ty, zu »Tlndten- 
„Der ecltit der Crou gefallt mir auff diese weisn und aicbt^fl 
iinderwt. und wass inicli tVeyte, wlir, Knni^ und zu Münrlieii 
in unariT ror^identz xu sein und in unsrer lielten KniUfa _ 
Khircheii alisteigen . imsres Ohnrhaiises patronin unih dLvTt.f 
gnM«en avnnbige zu diinckeii niitt einem Te Deiim, welübes 
Euer Liebden intoiiireii würden." Allerdings hHl>e einii)*! 
der krtiserliclii' llf>t' ein Anerbieten geinaetit, tlie Niederland«» 
gegen Bayern ausznltefem, aber er liabe den Phtn auf hun-fl 
dert Meilen WegH verwftrfen um] zwur s<^i. das« mau widil 
kaum darauf ;£arüekkut]iuien werde. ,L)ie uegütiationen 
khi'iniien seyn, wie sie wollen: iJulcis amor patriae.* Nur 
in einem Fall konnte von Abtretnng Bayerns die Rede 
sein: wenn man ihm Sicilien und die Niederlande ab> Tausch- 
objekt anböte. ,l)a frage icb Euer Liehden um)t Rath, ob 
ich bey der posfeentaet verantworten khiinte , solche «»ey 
mächtige Königreich, wan sie beynander «indt, zn refnsiren 
wegen der eint/igeji praedileütiou »or mein Vatterlaudt, das. 
kheine andre ursach kh<mte ich nicht einwenden, die das 
Interesse oder politiqiie ilberwindete , Baym zn preferirfn.' 

Noch in der Nacht nach Eintreffen dii^s Firiefe^ in 
Kheiru8 entwarf .hwef ein drei Bogen lutilWtäendeä Schreilwii 
(es liegt nur eine Uebertragung in's Französiwche vor)"l 
worin er auf alle vom Bruder erorterb^n Punkte annfTihrlicH 
eingellt und mit bewegten Wort^'n wine Warnung wied«^ i 
holt. Auch fflr ihn gelte e^ keinen anmuthigeren Gedanken, ■ 
als an der Reite dvn Bruders in Mdnchen festlichen Eiuziig 
zu halten und in der Frauenkirche das Te Deum anzustimmea. 



19) Atihtam Nr. 2. 

20) Anhang Nr. '.\. 




Hfi^ti: Dns Projekt einer Ahtrelung Bayern» an Oenterreieb. 343 

iu dankbartfr Hnhrun^ ob der Festij^keit. die di?r ange- 

»Uunnite Fflrat von Bwyerii Rir die Erhultitiig seines LuiiHes 

^wwifsfn habe. Wenn er dabei rfas llmijit de.'i hoch verehrten 

Hruilers von einer Köuig?*krütie gexchiiiiirkfc siilie, so wHrde 

ihm (lies zwiet'uehe Freude sein , aber diese An-jzeii-linun^ 

•lürfe nicht erkauft werden mn einen Preis, der nicht mit 

Klimi zu howihlen wäre. Ww- Pflit;ht<'n j^e^^en <i{>tt und 

Niw'liwelt erheischten unJ>edin^, je<leM i.it^ianken auch nur 

M die Möglichkeit einer Aiitretnu);? Bayerns aus dem Herzen 

wi ri'is.trn. Sthtin die Kikksicht aat' die heili|^e Keli^ion 

nlwlw die« ziiiu Gi^!)ot; 4T wenli" ihm llher diiwcn I'uukt 

«n Qntuehten gelehrter Uechlskeiirier (Ibt-rniittfln. Der 

Hnidnr niß^e sich dotdi ntir die Letzte Stunde deines Leheiu 

^'TjJftJenw'ürtigen: wir wiird«- er, inÜ .solchvr ScliuM l>e];t-^tet, 

\'»r ilt»u ItirlibTstiihl (i<dies treten kijiiiien? \h HrinliT, wie 

«I» Kircheni'Drst sei t?r /.n ^ndcheii Vorstellungen verpflichtet, 

Diir ein Verrütl»**r könnte in tliesem Augenblick sduveigen. 

tifh werfe mich atn*» zu den Klissen Kurer Kurfürstlichen 

Hoheit, und he.^cliwöre Sie ])td dem kijstbaren Blut Je-su Cfiriati, 

'***i Ml zuerst gefus^teu heroischen Ueftchliisaeu äu verharren 

"id ohne AiiHiiHhnie Alle», wa.s [nun etwa tauschweise gegen 

oav^ni jinbieten wird, aiiszujichlugen.'' Er erinnert iin den 

■Ahnherrn Maxiniiliun, der die Kaiserkrone, wie lÜe Künigs- 

kf^itw Bohinend zurückwies und dalx'i jene hoelilier/igeii 

Worte Kpraeh, liie im Kaiser^-aal ilrv Uurg zu München ver- 

*^vi^ fielen : <iluriae l'nmuin spernit Tuiignanimita.s , anihitio 

■liuierit. Auch ihr Vater habe auf gleiche Wei.se gehandelt, 

und in wie bliiheudeui Zustand hübe er bei seinem Tode die 

biiyrischen Lande hinterhi^sen ! .Ich kanu mir nicht denken, 

duH Kure Hoheit so grausam sein konnte, den in vollt^ter 

ßtflthe stehenden Stamm des Hauses Hayeni, der dun-h Karl 

den <irussen seit dejii .lalir äUO auf deuLsthem Itodeu fe>(t4! 

Wurzel faJMte, zu Kall zu bringen, um ihn in ein fremdes 

Land zn verpflanzen, in ein Land, de^iseii Kimig »eine Krone 



'M4 Silsung der hinior. Cttvtäe rnm 3. Jum JfiSS. 



besiitnilig wanken sieht, da ron einem T^ zum andern 
Stürme von hinon untl Aussen »io beilroheu, wo sieilianisi^fati 
Viwpem den trimrigsten Vorlimt der Herrschatl nach sich 
ziehon Ifönnen , wo um ein paar Aejifel . womit die Kiudtr 
spielen, ein elender Kidcher Masuniello ein gauzeü Königreich 
in Aufruhr brin>^en konnte, und wo, um von den alten Ge- 
schichten 7.II schweifen, Knre Hoheit s*»lhst erldjeken nnwste, 
daws Philipp V., unser Neffe, zuerst einen Einzug feierte, 
wie ein zweiter Me^siiLs, ein jiaar .lahre später aher ohne 
Schwertstreich sich gezwnnjyen saU , vom Thron herulwu- 
steigen." Wenn Bayern j^ar so wcnijr wtrtli »ei, wessholb 
greifi' dann Oesterreicli liwUTn darnach? .Ich kann nicbt 
bef^reifen, wie man Eurer Hu)ieit xn einem derartigen Handrl 
rathen kann, ohne als Verrather zu ei-»cbeinen, der als solcber 
verdient, nin einen Knpf ktirzer j^eniachl zu werden.* ÄbVhte 
diH'h der Herr Hrnder, der tiiHi ihx-.h selum dem ffinfzigütrD 
Lebensjahr sieli nüheiy, lieber daran denken, in der aimm- 
ihi^en Unitjehunfj von Nyuiphenbnrg, von Scbleissheiin, vcm 
Uiichau seine LehenstaRe in ungcst^irter Uuhe y.n genip!«rti 
„Hier werden Eure Hoiieit nicht iM-ninliten mlLssen, dt^ 
der Vesnv oder iler Aetna durch ihre Keuerströme alle Ba"- 
werke '/epstr)ron oder <ia.ss hn,ulij(e Erdheben sie unter ihre« 
eigeneii HiiiniMi («'^iraben.' .Die jungen Prinzen, Ihre Kinder. 
werden Sie dort lunrin^en : filii tui, aicut novelloe olivarmn 
in ciniiitu mensuc tuae, ja. diese j^rilnen Ojivenzweijje siillf" 
Siniihiidrr de.s Friedens iinii der Ruhe «ein, die Eurer Hoheit 
besthiedeu sein werden! Sie werden sprechen kSnnen: Vo» 
gaudiuni nieum^ Vos corona iiwnl und di*»»e Ihre jungf" 
Srdinc werden von Dankliurkeit durrbglnht sein fllr ihffi 
erhabenen Vater, und auL-li die Na4:hwelt wird di«^se Dtuik" 
liurkeit bewahren : ent nonien eju^ in beucdictioue. dex Naruf 
des Mannen . der vor (IMl und der Welt giuss sein wini * 
,Um 8 Uhr Morgens', sagt ein IVst^kriptum, .Ijegsu» 
ich den Brief, du ich die ganze Nacht nicht ftcblaien küüv\f^ 



Heigtl: Dn» Pri^ekt eincv AUtrHun^ Bnyeriut an (Jent erreich. -^tS 

gequält vou üumhe über das O(?s{'hiok Kiirer KurfOrstlichen 
Hoheit. Jetzt ist t\s (i L'hr. ich will jt-tzt meine KseläiniKtli 
trinken und luich duun zu Bett be^ebcu." 

,Diu* grässto IVhl'', spottet Miix Kiiiaimt^I in seiner am 
■J. Juli uu ilfii rmiiriillich j^eliebte-st«» Hithi Bnuinr j^mrli- 
teten Antwort*'), .welches rf^r bewiist-e tausch mit denen 
'AWeyn Küni^reichen veruraiichet Katt initl veniivm-hen wird!. 
i^, (hi«s Kw. Ivicbilpn hiss iirab (i Vhr nicht habf^n sclilatten 
khönnen und dardiirch fVw (!iir ihriT Rst'bnilcli init iihii- 
riiebi^eu gediuickcu ultfi-iret liahtMi , dan ilie Satdi ittt iiiübt 
en (jUPKtion und wirdt anch nicht ilnhin khfiniinen ; ich al^er 
httU' nur Kw. Liebdpn disse Krag ninnireii wnlleii, inub zu 
»dien, wie hoch E. L. imsrser alUw |iatrini<iniuni stlnitzen, 
iioib ilesto melirer ihre approbation zu vernennnen, (las» ich 
alle« verworffen linb. was mir von einem tausch hat khöniieii 
proponiret wnrdiMi." MÜ «iicscr i>i>nihigendeii VerHiclicrnnpf 
flieht »b«r in «rellera Wiilersprnch . was auf die einzelnen 
Gnwend(mj?f*n nnd Vor-ittdlun^t^n des Rruders erwidert winl. 
Vou einem gelehrten Untachten üUr die Znlilssigkeit eine.n 
Tnnsclie-s rai^i; doch jji Uiiigiinjf p-nnnimeii werden, tlean 
kein Theologe der W(dt werde licslreiten ki'nuien, dass ein 
I'-Urst Heine Länder ^ejjen reichifre und Hiäcbti^cre nnitiinschen 
«larf, wenn e>t ohne Naehtheil l'flr die Helii^iun ^csidji-hetj 
luuin. , Unser Ahnherr hat die UÖfimische Cron, wie K. L. 
l&eldeii, n'fnsieret, er wure ein ^ar zii erleiH hter rej^ent. eine 
Chrnn von der rehellen Handt ari/uueinruen , um) i>r hat 
wohl vi>rsehen miesnen, d«»* er ein Winterkhönij^ ivähr 
Wurden, (jjli'ichwie ♦« iler Ptaltzi^raft" jjowesen, zu schweigen, 
dot« er ersHjfte Chnni nicht mit flieg liätti* besitzen khönnon. 
Zudeme wahre e^i ein relit^ions Kne>(, welchen allein die 
Union zwischen Oeslerreich und Bayni lihr die Cathotische 
erhalten." Welcher Ixihti sei ihm dann zu Theil gewonlen, 



21^ Anhang Nr. 4. 



34fi 



Sitzutiff der fütttor. Claxnc vom 2. Juni 18S3. 



znm Dank diiffir, ilass er dreissig Jahre lang ffir Hab«buT)i; 
Krifig gntührt und drotssi}^ Millionen geopfert hatt«: Di« 
OUcrpfulz. tVm ultihi mehr ula löo.OOO GuMen iibwerle. ,Üie 
Niederlandtoii iKler Sicilit'ii Meiiidi von eiuer weit aiideru 
iiuportanz iind wan sie auch ontk-^eii, so itat doch eines nae 
indep^niteribt* SnuveraiiiiL'U't und ilas andi^re ein uliralta« ab- 
solutes tmd eititrä^lifhes Königreich.' Dass die Kajserknme 
dorn Aliiihfrrn augehnten wnirde, sei ihm nicht bekannt, 
.üIht wol tuisi^rni Herr Vatt'Oni, welchen es »eiti Lelwn bu^ 
gcreyet, -sulche nicht iuci'|d,iret xu hahen, sd Ew. Liebden 
vielleictit nicht wisaeu werden , ich aber habe jteiue eigen* 
händige manimeripta gclcisen, welche ich nach itcinem abUiben 
in :4einem cabinet gtd'iindeii , der Canzler Schmidt*") onJ 
Briehnuyr**) waren iliitb^v. als ich solche .suhrifiWn uulTge* 
äue<:ht, und wetlleti ich (himali^t nucli in der adiuiuixtmtiiiii 
wahre, so hai»on inihr dine heyde eingerutt^n, uu.s !H>rg, dfl&j 
iliestdbr* der Hertzo^ Max**) zu lesen bekhomote . zn Ter- 
t>reiirien, welches ich uuch in ihrer gegeuwaii gethau. Man 
gäbe groäüie schuldt dem Graffen Khurtzeu, wie auch uusrer 
uhnfrauet), die das intereese ihres Üftn-<e^ ihren aigneu Kin- 
dern vorgezogen. Die trftctatt'ii. die unser Herr Vatter niil 
Frankreich zu Zeiten des Gravpls gemacht, gaben dise an4 
noch v(thl andere sachen zu erkhennen, dise habe ich alte 
gelesen und der Chautzler .Scliiuidt hatt mihrs wol explicirei 
(Gott gebe, dass uUe diäe ächritt'ten, so in dem Archiv ^indt. 



221 Kiupar Schiuid wiir IfiTtt Kanzler des geheimen Rotlm- 
Niüiei-c« ilher ihn ». Heigt-I, da.t I'rojfkt .'ini»r WitteUbacldach«! 
Uiiummiun auii*« tti:!twi*diHchein Pmtt^ktonit, in den Sitzungsbericht«]) 
der k. b. Äk. d. W., Jahrg. mS2. Wl. 

^)) Rorliinian Prielnia,vt wiir K^V-i h'eheiitit'r Hutlutchreiber (K. A. 
Manchen). 

24) MaximiLiau Philipii, Herzog von Bavem, üeo KnrfQntn 
Ferdioand Maria Brudi>r. führte voui 20. Mai IßT» bir< 11. JuLi I CJW 
nla VonaunU Max Kinana>elB die Ref;>*nt«ichaft. 



r 



ml- Dan ProjtH tinn Ahtretun^ Sayerun nn OtMerreifh. 347 



I* Kayserlichen nicht zn München j?e]&«en odor wei^kge- 
MBimea). Diser Oantaler Schmidt hat iiiihr fiiu^h iiusers 
Bemi Vattem Sistema, unseres Huus8es walires intere-sse be- 
irvffi>tit, wnhl bej^iffen machen. Dise inipressioii ist mir 
ülxrit ^chlihm , niid ist es iihiiHisptitiprlich . diiss in vühhni 
imüis khein solrlier MiiiisU-r, al.s wie er gewesmi , wflc'her 
ichriii zn Zt^ileii imsres ahnherreri» in dt^r ^ehetinlieu Ouutzley 
winMi antati^ ^emai-lit und alle Atchiih sid^r seiher Zeit j^e- 
*'isl. lu meinen jungen jähren seindt niihr disse .suchen 
inr (ilienhin durch den Khf)pt' jfiiu^^en. Nunmehr rnetle ieh 
Bfine ^HiüchtnUK xuruek und «riunere nueh Ttm alleni. auch 

Eehe unietzu. was itli damats lÜLdit hej^riffen." ,Auä' diu* 
iiwcrttige /ii khonunen, ist mm alle.^ in mom, aher wie 
tl) schon geniehlet , iKysitivc klum itth Kw. LietMlen noch 
iii'hts versifduTU." 

S(dehe Wurte uius-iten erst retdit ilie em«te:^ten Ueitirch- 
'■OjECOi wmdirufen. Da sieh Max Kmtmuet, de»jen Autorität 
w jQngeR» Bnider, obwohl seihst Kurfürst und Souverän, 
«Wrieit rwjx'ktirte. ziemlich unverhliinit weitttrr Auseinnnder- 
«tinn((en verlieteii hatk' , nalini dusef xu einem gewagten 
MiHel Hpiiie ZuHncht: er setzte die f'ran/öt{is4-he Uegiening 
^•«1 «len geheimen ITnUM-hatidlnngen sein('>* Uruder- mit iJeJii 
[Elterlichen Kabinet in Keiintniss. In vertraulicher Weise 
'Midi« er sich an den Minister Torcy , der während der 
'«lerhaniUiingen in Utrecht den anf Krarikreiclis Beistand 
"»p'wiesenen KHi-sten gegenüber ilie Hulle eines Scliutzpatron« 
inelte. und erhat sii;h Frankreichh Mitwirkung, utn da?* ge- 
»Unte TaUiMdigeachäft zu liintertreibeii. 

Der erste Krief des KurHlrsteii von Köln an Tnrcy 
'■r mir nicht erreichbar, wohl aber die Antwttrt de« }A\' 
>>rt«n. Er halt« zur Zeit den Phm eines Austausche-s Baycrrit« 
E^n Neapel und Sicilien für au.-vsichtHloä; er für seine 
^rwu hei der Ansicht, d:ifi.s die Erhaltung der altererbten 
Wndunde fflr daw Kurhaus weit wichtiger, als jede ander- 
lllfb:}. Pbilw.-philol. lü«i. CI. »d '^^ 



348 



Süsung der hiMor. Ort«w vom 3. Juw IftSS. 



weilige Erhöhung, um so wichtiger, ilu djis Kr^haii^ 
Erlöschen nahe und (Ut Knrfißrst von Bayern Her eins 
cleutflohe Ffirst, der nncli der Kaiwerkrime j^reifen könne 
Darauf erwiderte Josef, er fühle •<ich för die Erklär 
Torcy's /,n wami-steni Danke verpfliclitet, könm» aher 
Loge nicht alfl gefahrlos ansehen. *') Sein Bruder ver-ü 
sie,h liestiindif^ hinter zwfideiitijfon Behauptunj^en mul V 
Sicherungen. ,leh kenne aber nur 7M gut SL'ino lu'U)fli)i4 
mn nicht zu hefiircht(*n , dnj« er iinf die eine *>der am 
Weise unterliege, da ihm von jeher sein (»ehurt-sland gk« 
gültig war, die Niederlande aber oder andere Staaten, 
ihm eine Königskroti*' briU htnii , von biV-hsU-r VVichHj^h 
— eine Knuigäknme kann in seinem Her/en jede andre 
wägntig verdning»>n.'' Um diese seine Worte zu reehtferttBJ 
brauche man nur ein getreure Bild von dem H<de seil 
Bruders zu geben : Sage mir, mit wem du umgch-st, nnil ; 
sage dir, wer du bist! In der iminittelbareu ÜwgfliK 
seines Bruders seien fast ohne Ansnahnie Leute, diu kd( 
andren Wunnch he^Um. aU dass der Hof immer in Brft* 
bleibe. Sogar geborene Bayern seien von solcher tiesiiina 
augesteckt, hauptÄÜehlich wegen der grossen |iekuniüri'ii V* 
tbeilc, die ihnen der Aufenthalt in den Niederlanden brin 
Die Kammerdiener, die in Bayern nur eii) Einkommen f 
800 Gulden haben, nehmen in jenem Lande IHOO Tbl 
ein. , Findet sich je einmal Einer, der sein Vut(?rland üll 
und dahin /urückzi] kehren wünscht, ist er der Gegenstt 
allgemeiner Verachtung nnd Verfolgung, man hört nicht 
ihn oder pchielit ihn bei t^oite, auch der Ix^st*? Itath, d«'« 
gehen mag, bleibt unl>eachtet/ «Das grosse Wort fflbi 
heutzutage gleichsam als die ersten Käthe des Fünstcn 
Kaumierdietier , nnd imnientUch mischt sich in Alle« I 



2-'») V. Hot-ftettcn'wlie .Sujnmlnrp. Si-hrnilien Torcv'« w I 
Kbimonit d. d. Marter, 4. Juli 1712. 
26) Anhang Nr. .\ 



Heüfd: Dtis Frqjekt «»«■ Ahiretung Bnytrm an Oegterreidt, 349 

JeJes ein italienisch*!!' Tliilrbiiter, Namens Josef ''^j, jifejpjn 
d«D itmu tiich niciil iLiitlfliUfii kann , vvftil er t>ich auf eine 
jffwtHfie Perwöiiliclikeit» die ich nicht nennen will-^), stützen 
imn. Allt' di««? kleinen Leute M"litneiihelii f^ein^n Lielj- 
luiluTi'ini, wenn siu ilabt'i ilir#?:M Vijrthcil Hilden, nncj sind 
KiffiT oinireweiht in wichtige OesehüfU* und geheime Ver- 
lutniltingen. Ich weii^, da^s zur Zeit einer seiner Kaiumer- 
liinnr, der Neffe eines gewissen Du Lac**), mit einem ge- 
bnuipii Hjindrl hetruut ist, ohne lUisu man bentinniit weis«, 
wohin er jyereiÄt wäre; einijye .sagen, er wäre an den .savnyi- 
^;hwi Hnf ^ejfaujfen , alwr Zuverlassijjes kann nmu darüber 
pielit ertiiliren." 

Wtt8 nnn die Mini«t*'r des Knrffirsten betreffe, so 

UDti dem Baron Zindt nur dun hßchsti- Lob zuerkannt 

**Wn, iiber dieser hocdiverdiente , für die Interessen seines 

^lirsu-n, wie seine- \'atorliindet^ begeLMUrte Maun linde j^ar 

fein (rehör und sei ohne jeglichen Einfluss. *") Baron 

37) In den HorxttUliimf:**T>>(htimigt'n aua ilem Jahr 3712 (Krein- 
■nliir MnnL'lien) kuiuuil ein KaminrnlieniT ioAvf Diati vor, in den 
't'' liiiiitifren von Ifl'.M) — ITCi:i oin .loHpf Manicri. der au vcrschiodrnftn 
l'"Ttit.'n TiTwcntlct wiirilf. n.]» [jiUift?r , Kniiiiiierknecht, Portier ebc. 
^>l< niier von >\cn Wu\vtx mit dem oben erwKhntan huiMier ituKen 

Kusch, iitt nicht fcBtxiM teilen. 
28) Vemntthlich ixt auf die Gratin Arko, dAmalflCiuniit^biniedei 
[lnit4<n. anffiMjjifH,. 

25)} y.'w riaiiili Duliw*. iifenannt Pilßt, war lf>\r2 Kaiiiiuerdiener, 
\'Ui V(irHt-mil (liT Kiinu'rtvldepiititiiuii, I7I•^ lliitli , 17'J4 >'i-hi-iini>r 
2iittlmi-iKt.i.T, l'i'il t>i-hat);iijt;i»tLT. tl74l. Kin J'hiüpiJ Jakob Mauritius 
ItnUc, Tonuntbch der Nette de» Vorffeniutnten, war 1715 Kammer* 

Kr. t 1760. 
(10) Ka8|Hir Marquanl 'A^mlt {!*|Htter Herr von Menxiug) wurde 
ktirninitlirlipr Tniirhsefl? , UiTl K.'lniiiicrer und Ilofmth. Ui78 
ldU*-r um kiirxiii-liMiMi-lH'u Uot'e, 17U1 ]ievr)timiU:hti)(ter baycma 
auf 'Irnt KetchNtuK Eu UehfUMburg, auf dem Direktorial Uvf( des frän* 
IriiK-hcn KreiKfi" tu Hfillironii. ilaun wieder zu lieirenobur«, \m er am 
2ä. Autfiut 17(H dnrcti fiw! kaihcrlii-lif OrdoitiuLiiK auMgewie»ir>u wurde. 

23« 




350 Sitzung der hUtor. Ctasse «»m 2. Ju»i 1S83. 

Malknecht 'M riapreReii ist ein ScIiiQeichler. der ;*ich i^ recl 
nach Hofwhrjiir/fiiart jillen Xeipfiui>;eii sfiiu*« Oebieleiv M 
be<|uemt. Sein Privntint^jressc erheiscbt. *Iiws mau solanj 
als nii>j(lich in iIpii Niedorlan'lcii l>I<:*ibe, wo er Hber All« 
Vfrllij^eii kaim, ans Allein Vorthcil xii^lit und u\n Scbluukop 
und grijKstT Stjuib^innn nngiwt'heti ist^ was in Haveni nicfa 
mr)|jr]i(-b wäre, ria ^einc Geburt nichts weniger aU glänzfu« 
um) seinp Geistesj^ahoti nur liödist niittt'lniässij^ wind ; er ;n<^l4 
Hieb auch at-Ibst darüber kpinem Zweifel hin , dift* beweis 
ein Aiuwpnieh, der ihm eatöchlUpfU' , er ziehe vor, jetit so* 
gleich 7.\i sterben, uIk lilnger zu Ieb4*u, a1>pr den Hest aöaa 
Tilge iu Biivoni zubringen zu nifiHscn." 

Graf Monii-sterol'*) sei zwar ein Mann von ti«i4 iinil 
Vordieiist, der sieh auch aui Hofe hohe Achtnnjf zu HJcliem 
im Staude wäre, Kei aber immer anderwärts bestdiäftigt onJ 



17Ü2 wirklicher goiiiniiirrRath (Ptireonulakicn etc. in den KiviKurckirOB 
Kit MQiichpn und NQnilwr>f. 

Sl) Aln.v« Johann Malkneilit von Mülilcff^ wnrde lliS-J kiiiflnt- 
Uclier Tnichsww, W-iG Hofratli, ■jtilieimor KeferentUr und inln^tloc''''' 
de*; anihaMMaUeur»*, 1702 MioiMter d^r nnxwJlrtiffen liefwhriftf* nofl ti*" 
numlti^r niij l'ninM'iKiHi-liiMi liitli'. I7l-! Hi*i-ii)lmii(')tti<;ter des KiirfTind 
lie'un FrH!dim)ikangre>iH xii Ulroc-lti, 1714 vn Bilden, dann läi-^taiidt" 
KU l'itris, 171.') zu Wien, erhielt 1715 „wegen Keiner frropwen Wrdi««*' 
in au^wilrli^fen Vcrrichlunjfen" als wirklieber gfsheiiuir Ruth ein* 
HUKserurilentlichen .hihresjfeliiilt Ton 50OO ilulden, t I7;W. ivai«. 
, unter Hriltlem uiif 3'>,0OU H. ^'»'HchätÄtP* i!einill<]eiiianimlan{i wnrl* 
17ä:l vnii Ki)rli)r»t Karl At1<ert um 12,000 fl. iiugttkmifL (PerMaftK 
nkten im K. A. Jltlnchen.) 

32| Fenlinand Sohir Graf von Monosterol, Boither GencraJiu^jtr 
tant Je» Karnirsten, wurde lfi9:J zum Oberatcn, lÖOH zum (lenenH 
wuehtniei^ter ernannt, 1701 tilMTualiin er eine diplniu)(ti»che8eo<ltii4 
an den «punixi'hen. 171:5 an Jeu franißsischen Hof laU iimtiii 
licutcnanti, 1717 iiac^h Stockholm. 1724 t<rat er uuh bayeriicbfl| 
Dienxten und scheint aicfa nach Turin ziu^<.'k>^>su^n zu haben t 
hier üuh f»rhtth ein Sohn des Oenannton 1752 eine Nachfbrdonnig 
den Kaveri He liei) Hut IK. A. MiUielien}. 



Utigd: Dag Prqiekl einer Abtrftuiig liatfermt an ()e9terreich, 351 



riberdie« den Bayern uicbt syuipathbith, die nun eiiULial nur 

ihiv eigenen [innd.sIiMit'C lielren und alli*n Fremden von vorn 

berein nhgeiieigt i<iud. 

Allmüchtijj; um Hofe des Bruders sei Baron F«rdi- 

tuud Simeoni. "*) .Dieser Muun beherracJit meinen Krnder 
gunz imd gar, er tlint, was er m^, und hat so fest Anker 
gefasst. da-^s er in gleicher Weisse (liier den (ieist, wie über 
deü Geldbeutel seines Fürsten ^fbielet." (Serade Himeoni 
aliw nei ein gescbworener Feind des bayritichen Volkes, da 
ihn ii«r bayri.-'fhe Adel, ülier den Hochmutli und das unnius- 
sHide Betnigen de;^ Manne.-^ entrüstet , .seine niedrige Geburt 
wf ili*innthig¥nde Weise empfinden lies«. Kines Tages habe 
*if^Ji Simeoni nieht entblödet, aU gerade die Rede auf den 
Fneden kam, t-pt)ttit*ch zu äussern, der Kurfürst wertle, ftitls 
PT wieder nach Bayern znrtlokkehrte. dort ja docli uiehts als 
«•»dein finden , während ihm in Brü.s>cl feines Backwerk 
Mfhlifh zu GelM>te stehe. 

,AUe diese Umstünde, mein Herr, j^ewühren mir. wie 
iJMigt. eine traurige Berechtigung, der Furcht Eluum zu 
8Bl>en, das? mein Bruder, der ähnliche Gesinnung hegt mid 
w Allft?, voii er thut. Beifall tinden will, am Ende duch 
whlimmen Kinflilsteningen (udiür girbt." Nur er selbst sage 
d*"«! Bruiler die Wahrheit, dl^<shHlb sei er aber von dea«n 

VUiur IJuigebiuig gehasfit und verlästert. Für Bayern nitiase 

33) KerHinund ßaron Simeoai, der Sohn de« 1667 pead<>lten 
licihnrzte«! di>r KnriHrritin A[)t.'lni4lt>, St^>])linn Simeoni, wurde 1(!6!> ttU 
Tn]fhM*>.(>i auf)j"^noiiinu'n, löS7 f-uni llofnith, l'iy«) zum Kämnier*»r und 
HorkOchennifi^ltT crtiiinnl. IfiilO giny t^r aU fleaandter an dfii aiiani- 
«fh*n Hof, 1H '"J nach HrilssoL lOltH wurde er äuiii Tnitwntonhaupt- 
aiimn cmnoDt onil al» amweronlontlicher BoUcbafter an den eu^Ü- 
«dirn Hof geii«ndt<l. tTOÜ j^iiij;: t:r nacli Mailrld, 1704 wit-dcr niu'ih 
London; 1712 omcbcint er in den Hrc-hniin^on nU llorkannui'riirll'ii- 
dent nnti wirkÜrhrr gt*hpiiucr Rath, 171.'i wird [lim wogen dür Ad- 
ministration der Finiinzen in den Nicderliindeo Decbargc ertheilt. 
OC A. Uflncbcn.) 



352 



Siliung der histor. Cl<u»e vom 3. Jtini 1SS3. 



man tirii so mehr das ScliUmiUHt« belurcltbeu , du ßeradi 
Bnron Himeoni idt* Bevollmächtigter des KurfnrsUm uach 
Utrecht gefieu werde. Dieser (resirndfo st'i dtrr liitinnih dp» 
kaiserlichen Ministers Uraien von Sintüendorft' und tlii^w 
habe noch dazu ein persöuli<'hes Interesse daran, dass B:iycra 
dem Erzhuuse verbleibe, du er mir in diesi^m Fülle die ihui 
geschenkte Pflege iScIiTirdiny behalten ki^nnte. 

Bei -solphcm Sachverhalt bleibe nur die Uoffuujig filirijf, 
dar« die Kiicksicht auf den alterchriätlichäten Kon^ Ata 
Bnider Hbhalten werde, sich aul' fier^hüfte, die j^ewiss nirlil 
den königlichen Intentionen entsprechen würden, eiiizuluftM?«!. 
Möf^e Torey seinen gnn/^Mi Klnlluiss aufbieten, damit di* 
Hchlüchten Freunde und Diener ili^ KurfTirst^'n nicht dir Zifl 
erreicliteii ; auch er wei-de wachsam und tliätig hleüien uiiil J 
die Ehre und den Vortheil des Bruders , sowie der nur auf ■ 
seine Hilfe angewiesenen jungen Neffen unveiTfickt im Aupr ^ 
behalten. Schliesslich bittet er noch, über seine KntliillJim* 
unverbrüchliches .Stillschweigen zu betd)HchU*n , denn vrpiiu 
der Bruder davon Kenntnis» bekäme, wdrde ihm dieei onver- 
söhnlicheu Ilass einilössen. 

Auch auf diese vertraulichen Mittheilungen begniSgto 
sich Torcy, in Kürze zu erwideni, der Kurfürst viw Biit«o 
habe su viele Feinde, dass er gar nicht in die Lage ktioiRidB 
werde, hich für oder wider einen Austau^h Bayern« zu «rt* 
scheiden.**) 

In der That liessen die in Vtrecht verkam melh<n Vrt- 
treter der verbündeten Machte wenig Geneigtheit erkeoiiw- 
dem Hund(>5genos8en Fmnkreichs ausreichende Kntschädigw^ 
flir seine Verluste /.uznwenden. Als Künig Ludwig fTir ifc" 
Zurückgabe Bayerns und als Hn^atz für die Oberpfal» wH'' 
die ebenfalls an Kurpfalz übergegangene erste Stelle im Vur- 
fürstlichen Direktorium wenigstens einen Theil der NieJer- 



34) r. Uofet. S. Schreiben Tony'u an Joief t. 10. Angwi 171S 





; JXm Pnüekt einer Abtretuntf Bat/ernn au OrMerreidi. 



l'lieaiitiprucbt«, TOrhiuIteu sich die Geueralstjuilfu iib- 
id**). und als statt der Niederlande Sküien und der 
itpl j^foHt'rt wurden , widprstrehte im Intercssw* de« 
von 8iiv<iyeii En^lmid.*'^) Kndlich einigten sich 
kreich und England dabin, dass der Kurfürtft gegen Ab- 
ng n\\vr Ansprikdie iinf dif Nieilerliuide das Kiinigrelfh 
iTiien (Thalien sollt*? , und diese Fiestimmnng wurde in 
ftiu 11. Aprit 171;t nnterzeiehneton, die spanische Erb- 
) nn<] alle daiuit znsuiiiuienliüugeuden Punkte regelnden 
lenütraktat aufgenouiiuen.'^^ 

lAlIein Karl VI. konnte sieh nicht enis<-hliesäeu , diese 
ppr t'r»nxrwisfli-engHscben Diplomatie mit souveräner 
tMnäcbtigkeit beliebten VerAlgiingeii au/iierkennen . und 
*jgte ein kurzes Nufbs|)iel deö KriegeK. Erst als Prinz 
■ selbst deTii Kaiser offen erklärte, dass er uumöglich 
n den flbemiächtigen (Jegner die IlheinÜnie zu behaupten 
;e, an<lrersi;it-t in Paris der Fiiian/minister und Krau 
inteuon den Künig l>eMtüriiit(>n, endtiob dem «rholungs- 
igen Lande den Frieden 'au geben, wurden im No- 
4.713 zu Ita-^tAtt Äwisclieu Prinz Eugeu und Marscball 
lue Unterhandhingt'n angeknüpft. 
Eine der rtchwierigsUni Aufgaben war die Läsung der 
»cb-bayeriHcben Frage. Dienach Paris geischickteuMinijiter 
npcht imd MoniiMtend, wie der von Jo-^ef Ktemens ab- 
urte Kanzler Uaron Karg von liebenburg waren eitrig 
ht, die Intero.v'^en der kuHUrstlichen Brüder nach dem 
dpr ehrdeni v(uii Künig gegebenen Verheissungeu an- 
jCehleu, ab<'r nur Torey unterstützte ihre Vonitelluiigen. 
übrigen Minister mit Frau von Maintenon waren der 
ht, der Kurftirst von Ha vorn könne wolil damit /.ufrietleu 
Überhaupt »ein Land wieder /.urückzuljekonimen , und 

iS) £Bneo, 15.1. 

t6) (Calbort marquiM de) Tovcy, MdnioireR, II, V-i2. 

r,) TbeAlruni Kiiropneam, XIX 40B, 



SiUung der hiMor. Cituat com 2. Juni 1B93. 

uuch der Knluer köime skL wohl um «wichen PreU eüiigej 
uubequome Be^tiiiimniigeii btv,n^liipb «Inr Festungen gefulleu 
lassen."^) Um nicht üisu doch der durch den Utrwhter | 
Friöien cingei-äuuiten Erhöhung verhwtijy y,u gehen , *ilte ; 
Max Kiriainu'I selbst niu-h Vcrsiiütfls und «rklürt« dem Kniiig, 
er wolle , wenn man ihm fflr seine schweren Opfer nicht» 
weiter ai» Uestitution in Land, Knng und DignitUteu, wie er 
sie »chon früher innegehabt, vergönnen werde, gegen so!cb«ii 
Frieden rel**rlii-h proti'-'stiren, zu Gunr^ten des Kurprinzen al.'- 
daiiken uml sich ^lin/.lieh nun dem Öllentlichen Leiten zur(kk> 
ziehen. Künig Ludwig sah sich durcli solche Mahnung loi 
früher «Uernommene Ver|>fli<rhtungen in f>einliche Verlegen- 
lieit gesetzt. Zuerst dachte er au eiue (-ieldeutAchädiguRg, 
fitiess aber dabei auf entschiedensten Widerspruch seines 
Knhinettü. Nun lies-H er, du ihm hekamit war, dass Josef 
wenig Werth auf Erwerbung der Niederlande und des «r- 
dinisclien Königstitels lege, durch Torcy den Kirchenfürsttr 
einladen, nach l'aris zu kommen und den Bruder von winem 
Lieblingsjilftn einer Erwerbung ausser bayrischer Besitzun^ii 
aby.ubringeu. Josef bt-surgte jedoch, dass hinter wuleher Ein- 
ladung noch uudre Pläne versteckt sein möchten , und »HJ 
vor, von ValencienneH aus unablä.ssig Iwi König Ludwig im«! 
Villurs nuf vollstän<iigi' Ri*stitutiüii als Friede nslH'diu}(i:iH.' 
sine (|ua non 7.u dringen. '") Kndlich gab auch der K<'>tii}f 
insofern nneh, al« er den Marschall anwies, Znrückgiibe ttcr 
Staaten und DigniLiiteu «ler geächteten KurtVirsten zu w- 
hingen, mit dem Vorbehalt, da--*s weitere Prüteusionen, ^*' 
faktioneu und Schadloshaltiuig spSter auf dem W^ der ün 
KeieU üblichen Hechte bereinigt wilrden. Zugleich wollte a»b 
der König zur Erklärung verstehen, er wenle sicli, full> dcf 
Kurfürst von Urt^eru für gut l>efünde, eine Vertu iwchuiul 



:J8) Knnen, 107. 

39) Knnen, Anhaug. Ol. CIV. 



^A 




Bber 

lies 



Heikel : Dax Pn^fikt ^tuf Abtretung Bauern» an Oeslerrtich. 

einiger nairniT Staaten gegnu 
Geschäft nicht widersetzen.**') 

Oiei>ei' Zusatz, rief min sofort iu .Ifjsof Kiemens die alten 
Bcfnrchtnngen, uhM>r auch die »\te Energie whcIi. Ks wjtr ihm 
bereit» durch seinen Vertrauten, den Grafen St. Maurice, der 
mit Graf Per! in Krjrresponden/. stund, hiiiterhriK'-ht , diu« 
euerdings zwiwheu Max Eniuniiel und dem Wiener Huf 
er Abtretung eines Theile.« von Bayern gegen die Nieder- 
lande oder Sardinien iuiigeheim verhandelt wenie. Di«^ Heirat 
des Kurprinzen mit der üthe^ten Erzherzogin .si»]ltc die neue 
KreundK<:haft bo-siegeln.*') 

ünverzugU<h wie» Josef seinen KanzU'r un, gegen diese 
line in Parii« eine Contremine zu friVffneu und Alle« aufzu- 
wenden, um das allzu nachgiebig*' franziisischc Kahinet Aber 
Frankreichs und Bayerns wahre Int<!ressuü aufzuklären. Das 
Heiratfiprojekt sei nur ein Kchlau ersonnener Köder, um zu- 
erst einen Theil Bayerns iwul dann da-: Ganze an sich zu 
reiHseu. Sei ja doch ut>ch keitie:swegs erwiesen, diws iler 
Kaiser kinderlos bleilwn werde; allein auch weun diea der 
Fall wiire, so kiiunten deuuncli auH den luiKshurgischen Haun- 
gesftzeu gegen die Nnchfolgi! des bayrischen Prinzen tau.^eiid 
Eindernisse erwachi*eti. Warum also um einer blossen Moff- 
^bung auf kündigen Vurtlieil willen den gegenwärtigen aas 
^^er Uand lansen? .Und wann das Oluirhaus Bayern zer- 
gliedert und geschwäclit, wie wird es im Stand seyn, da» 
ihme zugewachseue [(echt gegen die sich vielleicht hervor- 
thuende mächtige Widersager zu verfechten':"**) ,Mein 

M — ~ 

^H 40) Theatruni Europiienni, XX, 4. 

^H 41 1 V. HoM. S. Ilrief den Jutift' KleiijuDh an »einen Kansler Karg 

^^p. d. ValmicirnDc^, H. JrtoiK'r 1714. 

^K 42) Fnncn. AnliaoK. ('Vlll. .Weilen aber der Ueirath Kwiachen 

^^dem ChurprinK und der Kr/.herzugin it<ycU «*} uat^üvriws, ald wenif; man 

I dwanf bauen kaun, dasa der jetzige Kayscr, tweiucht alles deaaoo, 

^Bvo« Duui )feiner venuoyiit«n Un vermögen heit halber ausgtrvat, keine 



356 



SiUuHff der Mstor. Cla«ff wat 4?. Juni ItifiS, 



Bruder", whmbt er ein iinrleruial, .hat alizu groKst^ iiversiao, 
wkler in Biiyrn xu wnliiieu , dahero iiiub fine ticheiiie aus 
Niderliiudt er eine r?t»tt iu Biiyru cecliren würde, umb nur 
aiis-^er tiiiidt.s vprlileihen /,u können.' (limmt'l und Krrlf w\t i 
Karg iu Bewegiiug setzen , um die geplante Sehwüohung ■ 
Bayerns zu hintertreiben, Frimkreicli niiUse die ebeiiwi lein- 
diäolien, wie pfmieiofion IVojekte diireblvreiizen. Wenn .Vlies* 
uicht fruchtet, will er selbst nach Paris peben, denn Schlaf 
ist ihm ohnehin nicht mehr vergönnt und er darf, 
nicht Aufsehen zu erregen, uiuht eiuniul seine T?nnibe offe; 
zeigen.**) 

Fftpt jede» Ta^^ sehrieb er in diejier Angelegenheit a.u. 
ilen Kunider. Vis A-.t^ UnrOeht von den geheimen Maehiim- 
tioneii de.s Wiener Hofe:» in einer htdlündtseben Zeitung auf- 
tiiuclite und im Haag gnwses Aufwehen erregte, verwahrte 
sich Josef gegen den Venhuht, al.s sfi die Naehricht durch 
seine Indiskretkm iu die Oeffentliehkeit ginlrnngen, aber die 
Thntetaehe war ihm nicht unlieb, denn die Holländer, liie ibm 
aelbat daa ungeschmülerte Kegiment in seineu Hochsfift*m 
nicht gönnen walltt^'n, waren in dieser Frage seine Uundei*- 
gcnoetRen. 

Karg erlaubte sich einzuwenden, ihm könne nicht Tnn 
voriieheivio jede Art von Tausch verwerflich ersehein'-n. 
,E.s se^nd freylich uiebr gedachte Niederhindeu dem Krzhiius 
Oesterreich anstündiger al^^ dem ChurhaiLs Bavern: wano 



I 



lilrben bekommm werde, und >iueh itie tru^ entat4>hca nijirhte, ol> nni 
nicht der Kiiyiierinu und deren Zuliulien nii:ht ebeji diLsjeni^iv MiU<I 
vorscbluHP" dilrin«', Wfk'lios vormalilen von duine Iwkiinnton llflni-lKH 
(KapU7.iii'Tpiiler <_iidiriel an* Klaiwcn in Timh <ler verwittihltfii Kfni- 
(ipnn in SpHrien (M«i-ia Amin, TiM-htor liex F'liilaifnUiMi l'Iiilifip Wil- 
lielin, li>-iU mit Kar! il. von Sp>Lnieti Tvnitilhltl bei Irt'bzMWo ibw 
Kfinige Hngetrageii worden, flo »cheint nicht rath«auib xn a«in, dM 
man woKen einer bln^sen Uoffiiiin^ des kttnfltigen den gü^^w&ftigCB 
Vortlieil aiui Hunden Imtw}.* 

4a) Rnneo. AnhuDg, CJUV. 



J 



Btifd: Das Projekt ntur Äblfutung Rnyerits an Oegttrrnt^. 357 



■ 8tä 



iber das er^ sich mit Bruurmn nnd den oben angfüoj^enen 
weDi'i^en Luuden (jeuseits des Innstrums) büfriedigen nml so 
fifl herrliche |>roviiiKeii dargcj^oii alitrctteri wnllh*, wäro zn 
(lIit'TleKen . ">b das Churhaiisai Ba^vni .-Mjlcfif iiiclif (lurj^e;^«'n 
uiitichmon sollt*'."'*^) Don t^ei ein «^.m« vfinuinftiges Wort, 
•Twirti-rt der ICnii'llrst, aber darauf müsse «t dtx-h beliarren, 
daw jede Zerj^liederuiiyr Rnverii« für das KuHtaiiä „oicht an- 
ständig." Ijanz uuwahr-j-clifinUeh sei es, diiss* Oesterreich 
■eh mit m geringfiijriger Abtretung begnügen werde. Und 
wnii PS wirkiirli der Pull, so lies-sp .sie!) daffir keine andre 
Krkliiriuig finden, aU da<s Oest^r reich selbst nieht dits Ver- 
truuwi hege, die Ninderlande bebau|iteu zu können. Wie 
*flr(lc aber erst ein minder niüchtitrer FOrst eine jedem 
^tnnu und Wetttr preiagegeljtnif^ INwitii>n verthcidigeu 
Wneu ! *^) 

Der Ton der Briefe, der von Ti^ kh Tilg heftiger mni 
"itt^.Ter wird, libwt erkennen, wie peiulit-h lien gut bayrischen 
''atrioten die Haltung de^ Familien« il^erhaiipteä i>er(ihrle. Er 
»»*»t jede Ilüekäidit sehwinden, in Kngtand, wie in Krank- 
f*5i«h agitirfc er gegen den Bruder. Nicht bl(>».-i das Kurhaud, 
"Hzt er in einem Briefe an Karg ausführlich auseinamler, 
*erd« dnrch eine /'iergliederujig Bayerns LeMdümj)!! inul ge- 
^^hadigl; durch die babsburgiitchen Pläne sei aucli die Ueiehs- 
^'t'rfiwsung , wie nicht minder das Interesse Frankreichs 
gefährdet. Die Niederlande könnteu nicht einen eigenen 
^iveräu in Pracht und tilanz erhalten. An Sardinien zu 
denken, sei noch lücherlielier, da v» niü Bayern nur gerade 
wWel Zujtammeuhang habe, als der liimmel mit der Holte. 
Und >n viel Jichwierigkelten unil liefahren Mollten mir nm 
<ler einzigen puren per*)nellen Aflektion seines Bruders willen 

U) V. Hobt. S. äuhreiUio Kar^'N an iym'S d. d. PaHm. 17. .län- 
1714. 
46) T< Hofit. H. Bchmben Josef« an Kurg d, d. Volencicnnoi, 
^9lton«r 1714. 



358 



Sitzung der histar. Clmxe rom 2. Jvni tS8S. 



heruut'buschwnren. Milliotieu Seelen desohalb in Ketzerei und 
ewige Verrliiniinni.«» gestfir/.t werden? Du sei der Plnch 
nahf gelegt.: ,Vne homini , melius illi erat, si iiatus iidii 
fidi^set.* *•'•) Auch als Karg berichtete , Tcircy habe m^a 
Btindif^te versichert, der König werde zu keinem Taiiwfa 
8eini> Kimvilligimg geben^'), war J<Ksef noch nicht berahigt, 
sondern verlangte, (v nitige ein eigener, die Uutrennharkt'it 
der Imyrischen Lande fordernder Artikel in den Priedeni- 
vertrag aufgenommen werden ; ifonst sei immer noch xu Iw 
ftlrchten, da«s der Bnuler nach erfolgtem Fried euääohluse eist 
recht dem Kr7.h»a<4 zu liefalleii uiMirire.**) 

Dazu wollte sich über König Ludwig nicht vun<tel)«u. 
Intimere Verbindung den KurfQrsteu mit dem Huiu"« Hat»- 
burg könne ja auch er »veder wünschen, noch billigen, er- 
widerte er auf die Vorätelluugen de^ kölaischeu Kaiizl«TS, 
aber er werde ein fflr uHeinal nicht gegen Bayern aitftret««. 
um so weniger, da er nirht im Standf sei. die weitgebfmlcn 
und bis zu einem gewissen Onul bereclitigten ForderuDgfn 
des Kurltirsten zu befriedigen und — fligte er hinzu — ««I 
er ohnehin nicht glaube, do^ sich die ßeneralstaaten der- 
artige Abmachungen gefallen lassen worden.*') 

Diese ablehnende Haltung des Königs glaubte Josef H»"" 
auf egoistische Motive zurückiTihren zu dürfen. Es sei klar. 
schreibt er an Karg, man hege nun einmal in Versaill« 
keinen andren Wimsch, »U das gegenwärtig Erreichte in 
Sicherheit zu bringen und rjusch Frieden au schliesseu, ohne 



46) V. Hoftt. S. Schreiben JoseTB an Kai^ d. d, ValcnPienftM. 
22. .ranner 1714. 

47) V. HofMt. H. tjchrcibcn Karg's an Josef d. d. Pari», 24.Jift- 
ner 1714. 

4SI V. Hofst. S. Schreiben JovefH an Karg d. d. ValencieitBe«. 
27. JÄnner 1714. 

4U) V. Uo&t. a. tfdirotben Kiu-g's an Jo«ef d. d. Paria, 30. Ji|- 
ner 1714. 



Heigel: Dan Projekt ehier Abtretuiuj Rntf^mn an OeMerrrieh. 359 

äeh um die Zukunft zu kiiimiipm. TJni diu^ Wohl dor Bnndes- 
genofieen Uiihf aivh Jh Knuikrelch nieinuls j^ekCininiert, wenn 
«s die eigen« VerKrösyeninHf erreichen konnte und (3elej(fn- 
heit behielt, sirh in dentsi-hc Angelegenheiten einzumischen 
und nene Btirgerkriege uuf deutschem Hoden anzufttchen.^") 
Uekanntlich th'ohten sich die in Itu^Utt zwi.si:hen Prinz. 
Eugen und Mnrschull Villars j^pfiUiHi-n Friedensuuterhund- 
tungeii mehr denn einnial 7.u Mrsc;hlitj{cn. Kifrij; waren 
Agenten des Iler/^igs vtm Marn)i>ri)U)j;h iintl der Whigs be- 
müht, den Prinzen von Siivoyen durch Hlnwein auf den nahe 
IwTofHtehenden Tod der Köiiigia vou Knglaml /.»in Abbruch 
d« llnterhandlungen und zur K)rt.set.ziing des Kriege?; zu be- 
wej^en, währt'itd aueli in Versuilles eine eiiifliissreirhe Kriegs- 
partoi achon um der OpiMwititm gegen Krau von Muinteiion 
willeu allzu grosse Nuehgiebigkcit als Äufnuintvrung des 
feiiides und dcssbalb höchste Oet'iihr ftlr Fraukreiub dar- 
^UtCi Doch die Drohung einzelner Rei«-hsstände , hei lan- 
K^reui Ziiuderu nhne den Kaiser Frieden zu :«;hHessen, uiuehtc 
*»f iVinz Kugeu tieferen Eindruck »Is jene EinHlläteniugeu, 
ttnd elieasu siegte imi frauzösischen Uofe der entschiedene 
^Viderstund des Finan/.niinist«rs aber das KriegsgeUbfte der 
vliaiivini^iten : um 7. Miirz wunln /u Rjistjtll. der Fnedeus- 
traktut uut*'rzeüLneL'") hu Wesentlielieii waren üie Tt- 
fwhter Bestinunungeu zu Grunde gelegt. Trotz energischen 
l'rotes.tes de« bayerischen Ue,sandten, Baron Maikueeht, wKren 
die Widen Brüder nur aU »Herr Josef Kleniens, Erzbischof 
Ton Krdn* und ^Herr Max Emauuel vou Bayern *" luifge- 
lUhrt; nur .aus BeweguiM8en des allgemeinen Ruhe-stands' 
habt? der KaL-er eingewilligt, daxs ihnen ihre Lander und 

fQrtltiiL, die sie vor dem Kriege innegehabt hatten, zurück- 
50) r. Hofvt-. H. Sclireiben JintnfH an Kat*); d. d. VftlencienneH, 
I. Pelirunr 1714. 

Ml 'jlieatruiu Kuropueum, XX, 394. 




3tiO 



SiUupg der hiittw. Claaw vom 5. Juni 2883. 



erstattet würdeu. Da^ej^eii gab Frankreich seine ZaütiiB- 
miiiig, tlass der Kaiser vuii Jen apftnischen Niederlanden Hvr 
ait« nehme und die schon rjkknpirten , eliedmi Hpanirt'IiHi 
AehiMU' in Ttjilien htOialU«. Dif im Ulrnrliter Kriflai Hti|iii- 
iirbe KnUfhjiiÜK'itii^ fflr Max Kiuannel war deinnat'h tiilfc'fi 
geliisscn, walirend der Artikel, der die Xustininiun^ Fninl:- 
rt'iilis XII i'iiMMn v<iiii llansi' Hayeru hoHrhU-n Aiistauscli Ke- 
wUhrleiHl.et4^'. autdi im nenoii Vrrtraj; Antnalime fand. 

Obwohl demnacli die Haltung des Kaisers bä d«P 
Frii'dpiissi-hhifw diirebun« nicht aiinVeimdliehes Einverücliiwn 
uiit Max Knianiird f*jlfj;nrn He?«, whr»pftf Josef ans der Be* 
Ktnti^ini^ d(v aiistltsbi^un Artikcfls aufs Neue Venliicht.'*) 
Kr liefiM nnn doch von einem seiner ^relehrteu Kütlw m 
MeiiKirandtnn HiisailieiU*n imd theüte das.'wlbe j«>wulil seiueiu 
Rnirler, aU niu'h Meinem Vertraiu-nsnmnn Tnre^ nnt/'') an- 
gehend wird darin MiichziiweiM'n g^^ncht, weh-hc XocbthRÜe 
aus dem neplauten fie«<-häft für diw Huuh l^ayeni, da" \iär\i, 
die katliiilische llehgiun und ciidtteh anuh für Fraiikrficli 
erwuchsen niU.'^steTi. Im We-sentlicheu sind Hie rfchou l«shw 
vom Kai*tnrsteji erhid»enen Einwendungen winderliolt. (iewk 
weil die l)**st4' Aussicht, gehoben wi. d:l^- dfiu Hause Huy^ni 
früher mlpr sjiäfpr die Kaiserkrone zrifalle, di'irte es sitli w" 
aUerwenig-sten eine Verminderung »eines rein dentächen Gf- 
biets gidaljon lassen; dii- gan/>iM) Niederlande könnten nicht 
den Werth des kU'ineii Landstrii-hs jenseits der Donau «i« 
des hm» aufwiegen. Die Niederhmde seien aber fihprhailj't 
nur ein J)anaerg*^(^lipnk , denn um die Ton allen Naehl>»rB 
mit hegchrlii'hen Blicken virfidgten See]>Iätze zii behaiiph'n, 
bcdfirfe üs ganz andrer (iehlnüttel nnd Streitkrüil*', jiI- sf 
einem KnrfiiTHten von Bayern znr Vcrfflgnug stÄudeu. Kiw 
Schwächung Bayerns gefährde ferner zugleich den Bcsbin^ 

^2\ V. Hrtfet. S. Schreiben Joaefn an Torey d- d. VaHidauiO- 
17. April 1714. 

5S) AnbanK Nr. H. 




II Kirchii; «lenu 

wenn Oostcrreichs Herrj^trhiTlitius crlösclMni sollt*' und «las 

^kyri>tche dureti tichü-tsuhtretiiii^ kihuo ßt^dcutiiii^ itri K**ii:h 

^Bii^(*l>ris.st> liilUf , wciclii* kallmlisflic Dviiiuslic köunlf (liiini 

^Ben .Siey der |lrutL'}^t^ulti^M-llell Müi-Iil« vcrliiudiiTuV Ik-r wcst- 

^Htburhp Friiiln hübe ja ohiifhin den deutschten Pnitextjiiiten 

.«oleben /iiwiiclis :in ritOiiet und Eiiitlnss ^ohriL^dit, diiKs die 

klemeren kutUnlJscIieu St-iuitfii und zumal die geistlichen 

J-'iirstenthnnier kaum uoth ilire I nahhäiiurigkeih y.n wahnM» 

eniirKdih'ri. Ä'hon sei dos Erz-stitt Köln diu*«?)! iJic lleber- 

Biu'lit Hninden1iiir^< enistlii-h lipilroht, elifusn Miiiru. WCirz- 

(iirj5^ und Buniher}^ durch Sach-ien , Trier diircli Heswen, 

litUesbeim, Oiimbrfick iiud ?iiderbt)m durch Hanunver, Lfit- 

eb lind Mfinster durch die (»enerulstnaton. Wenn erst die?*e 

itler ein Hauh der Naehbuni j^eworden. sidlten dann elw» 

die pnar sfiddeutäLhen Biscbül'o die KrliebtiuK eines l'rnte- 

^^a^ten ziini Kaiser» die Ausbreitung der Lehre Liither's und 

(alviu's üImt pir\7. Dentsclilund iiuf hiilteii V - Unii auidi 
Ir rrankreicb betlentji ein ri-lierjjrwirht des I'r(iiest.Hntisniiis 
U deiitäcbeii Iteieh eriD^te Get'uhr: rast^h werde im eigenen 
ande die kaum nnt^-rdrCickte Sekte CuKnn's ihr Unn|it er- 
^^Umi ; wo M«)llte dann noch ein Uett^ir erstehen Itlr die 
^^eili^e Sache? — Soj^ar diireh die Heirat d'.'s Kurprinzen 
mit einer Er/<hor/,ogin sei nicht allem Unheil viirj^idienj^t, 
^^nn alle mnglicben Zvriscbcnfiille könnten den daraus cr- 
^Anf}>en Aufschwung Hnyeni.- zu iiiclite machen. Abgw*ehen 
jnlot'li von allen Orlindeii ffir und wiiN-r sei m keinem 
Zweifel unterworit-n, daÄ»* uine Abt.retuug bayrischen (lebiets 
^^r Ziistinimmig nicht bhiss aller Sijhne d&< KiirtVlrKten viui 
^Biijtini , S4mtlern aller Agnaten, als*» d(^ Kurftlrsteu von 
^Kdln, des Hanric.i \Vart4'nberg und der ganzen KudoIHnisrJieu 
^Xioie von der kurpCülzischen Familie bis herab zn den (Iraleu 
VOM LrtwensU'in bwliirfe. Obuc einen (ieflauirnthe-iebbiss des 
[iKen lianses wäre ein derartige^ Abkommen jederzeit für 



362 



Sitsung der hiMor. Claate wm S. Juni il^SS. 



null und nichtig zu erklaren. Statt, also einen Schritt za 
Willen, ilen er vi»r Viit^rland und Nachkommen nicht ver- 
antwort*'!! könnt*', nii'ij^e diT Kurfliwt lieber auf undre Mittel 
und Wi'tfe sinnen, um Macht und (Ühmz di^ Hiiu-iew zu (Tir- 
dern, und dline Zweifel werde die VeniiiUihin^ deä Kur- 
prinzen hiezu jfOnstige OeJegenheiten bieten. 

Die Vorwürfe, erwiderte Max ßumniiel ani 2«). A|iril, 
die dtis kidnisehe Memorandum wi>nip3tenH mittelbar ^g?« 
sein»' INditik erhebe, seien durch da^ einzig«' Wort zu ent* 
kräfteu : it liabe nie um eines AuRbiu.sche?4 willen erttstlieii 
unterhiind'dt uiul wisse j^ar niidil. wesshalh der Kaiser auf 
Kinflechtung iles IH, Artikels in den Friedenstraktat p- 
drungeu habe. Im I lehrigen kdnne er den Behauptungen 
des Bruder« durchaus nicht beistimmen; er halie de^mlb in 
einem (^'ontremenKtire seine eigenen GiMinnken niedergelejft^'M 

Di<«e« ScliriftMück ist mui uieht erhalten . wohl aber 
die Antwort Josefs. Daraas wird er-sichtlich, dass sich Mw 
Emnnuel hanpt-iäehlich gegen die Ver|iflichtung verwiilirf 
hatte, von «Vertrilgen und Anordnungen** je«1erzeit sein? 
Agnaten in KenntnisK xu setzen. Stdche Auffu.ssimg, laeipt 
Josef, werde stibwerlich ein Jurist vertreten wollen. ,E* 
besteht zu Hecht und ist eine ausgemaehte Saehe. du**«" 
altes Ltdien sogar mit Einwilligung des Leheni^herru nifli* 
verüussert werden darf ohne Wissen nnd Zustiinnning *l" 
Agnaten, denen es t-iiie.-* Tage-s zufallen könnb^.*'*') 

Torcy kuüpl'te uu den Dank für Mittheibing des Miin*^ 



f)4) V. Hofot. S. TradactioD de In lettn? de rolecteoi de Bftv"»« 
k S. A. E. i\e C'oloffTie. d. d. 8t. Oloud, 2(1 »vr. 1714. (Ihw l'oiilif 
memoire ütt nicht vorharnJen.) 

■VJl V. Ilofst. S. Keponne de S. A. E. de L'olngne ti IVlacWir 
de ÜAviiire, d. d. Valeucicniies, 2H. arr. 1714. Er litirt dazu Fwdof- 
Üb. 2, titul. 39, De ulienation« patemi feudi: Alietuitio pnteni^* 
noD Tatet otiiiui damnii voliintHU.', n'm a^iatU cAnwDtientibns. w 
q}xm beoeliciuiii iiiiiiiHliK|ue i<it revertturuui.'* 



Hfiyrt: Dtu Projekt rintr AhtrttHnt/ Bnifert\» au Oeaterreieh, 3(53 

randumfl die bekannten benihiKenden Versichenmgeu. Kür 
ihn sei er; auch eine ausgemachte Sache , tlofii* ein Projekt, 
wie i]un besproflieue . nicht uline Wissen un<l Willen der 
iiileh^t(>n Blut'iverwundirf'n in'nLf*ht>n ^emfen wenlen kimiitp.''^) 
Allein Jtiw'f Hess .sich di'n einmal erwai-hten Arg'wnliii 
nicht aiiNretieu. Er sei »choii ^t oft vom Bruder getäuscht 
worden, st-lirieli er an Tnrcy. da.** er ihm ilbtrhuiipt kein 
Vurtraueu mehr Hclienkeu kijuue/'') VVurt miii Tbut, ruft 
iMT erbittert aux» sind bei ,diespm b^Ursten" zweierlei! Keier- 
lidi hiit er mir versprtK'hen , er werde nieiniLl.H di-n Versuch 
marhen, mir einen CnadjitUir aut'/.udri'm^en , - und ilorh 
hat zu gleicher Zeit iVIalknecbt im Auftrug weine« li(irru für 
wichen Handel agifirt ! Wer steht nun gut daf^r, dam 
itirlit Max Rmunm^l mii-h jetzt ablenj^net, wits er insi^ehHiu 
aii-ttrebt? Hat er ja doch versichert, er habe noch iiiL'inuU 
mit dem kaiserlichen Hof unterhandelt, und doch habe ich 
dafür ilie Beweise in Händen ! Wur ^ich damals iler IVtrn- 
gciie, 80 iKt'f« veraeihlicli, wenn ich jetzt mein Mi-wtrauen nicht 
''Wej^ff, denn: ,Wenn -■^cbdri i'innial AfV Tinih dundi trü^fude 
*Wgol rerwLindet, Sieht er in Jei^licher SpeiH' nur das töfltr- 
w^b^'Krz!" Der IS. Artikel ist. Hnmal da. somit mein Arg- 
wohn Kerechtlertijft. Ich kenne meinen Mann und kenne 
'^Jne Listen. Er liebt es, sich auf (j;ut tilflck auf Pläne cin- 
*n|(i>iaeu; haben sie Erfolg', gut! neht er. das-« sie fehl- 
**-hlÄgen, so stellt er Alles in .\brede; die Händel, in welche 
'■'f mit Euren Marscliaileu von Knuikreich, mit Villeroy, iin't 
^ illam^ Verwickelt war und int, sind hinlänglich ilLKT/.engen(ie 
**^WriHe. Wenn ich >o hart von einem Bruder rede, so he- 
•"'ibrt e* am peinlichsten mich sell»st, aber nicht um ihn zu 
**iT]tthen , decke ich seine Blö^^se auf; um ihn zu heilen, 
*'*il»t man dem Ar/,t da.s geführlichr Uehel , einen Khrgeiz, 

•Vi) T. nofMt. S. SchrLMlien Torcy'« an JoNef d. d. Marlv. 3H. Aiiril 

t%7) .Anhang Nr. 7. 
Un»H, PhiloH.-philnl tiw!. a. ^1. 24 



364 



Sitzung der hitiior. Clnme wm S. Jmmi 1883. 



der ^egen jetle Itncksicht iiud Gefahr blind macht, aufdecken 
In Bayern hat das Bekanntwerdeu jenes Artikels die grftsst» 
Bestflr/.imj; horvnrjjenifen ; nun hat /.war fn^ilioh der Kiir^ 
fUrst seiner Tiurhter j^est-hrielu^n, er werde unvirr/.üjflich -seinwi 
Architekten zur Ferligstelhinj^ seiner SchUisser uaeh BaytTö 
fienden ; es soll dies dem Volke den Beweis liefern . das w 
an Nicht« wcni^jiT denke, als Bayern aufzugeben. Al>er traitc 
Jeniuud s(duln'n Vi*rsiclie runden I Tileichzoitig wird in Naniiir. 
damit nur ja da^i Volk nicht in Zweifel ziehe, dasH der Ku^ 
ffii-st in jenen Landen Iileihen werde, eine gro?*w Snmrof 
lieldes mit rleiii Wappen des Fürsten al.s Herrn der Niwler- 
Unde geprä^^t , nad mun vertlieilt bereits die Statthalt^ar- 
Schäften, Luxembnrg an Uraf Arko, Mons an liraf Spdelil, 
Naninr an Manjuirf Maflei, BrCiy-sel an den Fürsten vun Bt-rg! 
Mun will aUi Wwr uml dort da^* Volk glauben machen, diw 
ihin der Landesherr erhalten Ideibel* 

Auch auf diese Mittheilungen, deren auffällige Vertran- 
lichkeit -sich nur au» hoch gesteigertem Uinuuth (Tklärm 
lilsst, erwiderte Tnrcy nur in Kiir/e, der Artikel 18 schein*' 
ihm durchaus keim' itefahr fflr das bayrische Hhiw w 
bedeuten ; gerade jetzt zeige rler Kaiser gar wenig NeiÄ" 
img, lien eigenen Änspnich auf die Niederlande falW« *" 
lassen.**) 

Der dargelegte Streit über Berechtigimg und Onpor- 
iunität des Tausch proji-kts hatt*? eine dauernde Entfreiudunif 
der Brüder zur Folge. An« den nächnten Jahren liege« d'"^ 
Briefe Tor, worin kam und lorDilich unwichtige Ängeltg«"' 
neiten erürtHrt sind, politische Fmgi'n kommen nicht iup"' 
zur Sprache. Das.-* Josef auch nach dem endgiltigen Fried*»-** 
schhiaa »eine Btworgniss nicht ablegte, erhellt ans einem Br«"! 
an den Poststallmeister Franz von Hieber vom 23. AnpH* 



58) V. Hofot, S. Sdireiben Torcy'« aa Joief d. d. Marlj. 11.3**' 



1714. 



ri; Da» Pivjebt eitter Abtntumj Bayerns an OtMerrfich. 'i'>''^ 

(.*•) Kr beKchwert sieh darin, rinss alle Briefe, die ihm 
%\\x Zeit in Wien weileiult* Kurprinz van Bayern ge- 
eben halje, entweder gar verloren >;iagen oder ihm auf- 
ooben zuy;e:*chii.l:t wurden. ,Tcli k^n zwnlir wol] mir 
liMen, woher da.<: Mis-straiieii »ifinseittfti ('liiirliuyni widt*r 
\\ komet, ich uierckhe den lie^leu f^chon hing ligen, man 
:htefc, ich werde dem Ohiirprinzen j^olehe sentiment ein- 
ibf'ti , das solcher nimennehr wirdt cunsontiren in einen 
Kclj mit Baym gegen 2 Königreich, uls Neapfl ini») Sici- 
1, allein HiesttfuhU ist mir nicht ]»ing. dan von seiner 
(Wen eignen Vernunfft gewertig Iiin , das sye ein sicJieres 
?tU^ lundt, ^o das ein/.ige pure Chatcdii^che it^t in gauK 
itNchlandt, gleich Bayrhtniit, nnih .solche Königretidi nicht 
•tttrtschen wollen, welche in '24 »iunden (wie man'« izu 
t mit Sicilien) wekäehna|>i^>en man kan und heruaüli mit 
u Hindern anff dem Im »den sie-Aet xwi.HL-hen 2 stHellen. 
I Wichtigkeit di^er saeh wUrdt Euch von Kueh selbst 
p Pree4iutiün ahndietirn, da-s es nitht. auskörne, diL-^ ich 
wh iit-*t; Materi geMchril>eii. Ich mischte mich sicher nicht 
L'h darein, so nicht de? nhralten Churbayrischen »tamnieu 
►ri mitinteressirt were , welche kh stdimahlern zn sehi'n 
ber den Todt. al« solches uiissstelien wolte." 
^ Wenn nmi aber auch i\lax Kumnuel, wie die oben er- 
Jiiiten Anfzeichnnngen beweisen, das Projekt einer Al>- 
*iiDg Bayemi^ nicht vitn vorneluTein verwerflich fand und 
eine Zeit lang in rnterhundlungen etnlie^s, so Kcheint 
h nach Abschliisd des Ujwtatter Friedens, der ihm die 
ikgabe Bayerns siclieite. weitere Abmachungen mit 
ich nicht getroffen und dem Bruder wohl nur. um 



>')ll) Anhuiif; Nr. 8. Das Sciu-eibon ist «ntnuimueu dem im k. )^h. 

ati'hiv V'TWjihrti'n Akt: DitTifn'nz zwirtcli»*» t'liur-L'iilln iin<l ilt'nt»n 
■"ml iSUuiU'n w)?yt'n lt>i'*'r>t/uu>( ilirwr titüdt iiiil frinmli*ii Vfilcküni 
*• <l«rrti Evocuinui«, I7I& et 1716 (K. «chwiirü JJ>. 



b. 



24* 



H66 



Sitiwiy der hintvr. ClaxHe wm 3. Jnnt ltf83. 



Recht zu liehttltou, wirlersprocheu zu haben. Weaigsteri« ift 
in der Korrespondenz ties KuH'HrHteii mit tieiii Miuiäter Bamn 
Miilkiiecht, ileiä docli .losef uU den «^eiahrlichsten Zvrischfii- 
häiullcr bftnirhtt'tt*, von ähiiliihnn Plänen nicht die ileilp."') 

Wir eriithren aus diesen Briefen. Anas der Kaiser lUi 
deni nfK^h lange über den KrieileiiHschJnss HiiH>;edehnt4?n A'rf-» 
ejithalt Max Knuinuprs am fninzösischen Hofe An>t(ws inibtu 
Srh(in im Sinnmi-r 171+ wurde in Wien dein Wimwhe A«*- 
dnu'k verliehen, der Kiirllirst, \n\\ Hiiyoni niiVj^e doiih enillicli 
du er sein Land «urriekerhulten hiihe , auch dahin »nrltali-' 
kelireti , wnliin er als Fürst rles deubsihen Heichs i»dii'ire. 
Max Kiniimiel tnij; iml<*ssen Bedenken, den friinzosiM^beiM 
Hof zu verlik^e», ehe er Aus/.ahlnn}{ der Sniumen. die ihm 
Frankreich vert^l^J;r<nt»jwi;< sehiddete, und Atislnsunp dfr iti 
Holliiml ver|dändeteu Juwelen und Kleimvhcn erwirkt liÜUe 
Kiiier intimen Allianz mit dem Crzhanse auf (irundloge pi»*?! 
Verniähluiij; des Knrpriiizen sei er nieht al^eneixt, »her (hm 
Wit-ner Huf inTif^e auch einmül wirkliche Zup[estänHiiP<*< 
machen, nicht, wie hisher, bloss Hofi'nunjjen tider eigeiitlirl 
nur den Schimmer von Hurtnungeu gewähren."') 

üni für die»« Wünsche in Wien den Buden ehnpii rii 
las.'ien. entäundte er dahin den Kanzler l'nertl. Dieser koiinfc 
aucli hahl htrichten. duss cintlussn'icdie Perhönlichkeiteii A^ 
HofcM, inshesfmdere l^hihremberg und Seillem, die VermÄb 
liuLjj; des Kur|irinyj*n mit einer Tm-hter Jiwefs I. hejfün^tijft«?** 
lluch j^uIj es auch andre Freier, deren Jnlcr «ich der Fil 
spräche anjjesehener (irmner erfreute. Prinz Kngeu siichM 
di« v^nte Purthie" wiiuem nächsten Verwantlten, dem Prinzrfl 
von Pieniont, znzuwi^nden . der l*apst hetrich die Wahl d 



60) B. St. A. K. 8chw. '^. Lettre« do liaron .Ic Malkn^^l, »*'^ 
—1720. 

Ol) Kbendn. SchrPiUen Max Kiminiifl'H iiii Miilkiii^'M d. »L *•■ 
noiid, It). Juni 1714. 



B'iflW: Das Prrijekt einer Abtrctuuff Ba^enig an Oesterrnch. 367 

ftirprinz-eii vtm Surhsen . der pFiil/,i*^rhe Hof suchtp dpn 

Prin7A'ii Kar! als |i:tsst*nrl.steii Hewerl)Hr zu i_'iiiiifelilen. l'^Ür 

Iren flch der Kiiiwr entsi'huidt'n wt^rde, liess sich vnrnrst 

picht erkenm;ri; iiiaii koiirik' uIht iinC Imyrischrr Sciti; al» 

Biistifj«» Zeichen Hutl"jis.si'n, du?« KarJ den VVim.-^ch üu-sHert**, 

i»» tlif bHyriiichvn IViu/^u, die bisher iu Gmz als Cfef»n^eue 

fii^4c*'b:Lltpn waren, vor der Hciink^^'hr 7.iini Btv-^uch d«*s kuiser- 

Pirlieu Hdii's nach Wien komiiicn sollten, tileit^bzeitiju; wurde 

er die Miihnun^j wimleHndt. der K.nrturst iiiö^e oiidUch 

FmnkreicU verU-^sen und nach Bnyern zurückkehren. "'') 

Uiozu erklUi*tH.' -^ich Mux Kiimnuel endlich t)ercit. uher er 
Kbudite verlangen zu dürfen, dass ane.h ge^en t)ni der Kai.ser 
mehr Courtoiaie und Billigkeit walten liUHeu möchte. Denn 
!>%'eii Znrflckjfiibe der tVftberen Ileielistadt Donuuw^Vrth an 
Biiyern wnrden von den kaiserlichen Koraiuissilrcn Bedenken 

Iwhoben , A miwrg war noch immer vun österreichiwchen 
Inippea hesetzt, die Ansliefernng der (initschuft Ohaiii wnrde 
fftffälHg verzögert.**") 
Miasmiithig I>e«chwert sich der KnrfUrrtt in den Briefen 
*" Midknwht Über diese Plackereien. Er wolle einmat reinen 
"ein eingeNchenkt beknnmH:»n und sicher wi-ssen , welche 
^'•»ötinmuig der Kaiser hege. Der >i|»reehe immer .so . als oh 
^P^ ntir einer gnädigen Stiinnnmg l'olgeuit Bayern zurilckge- 
^ltt*n halje , wrihrend er Ja doch nur den klar un.'^ges(iro- 
"-"hsn«! Kriedensbedingungen sich unwillig fügt^». Man täusche 
J**^h in Wien, wenn man glaube, ihn durch das ein/Jge Wort 
^eimt* gefügig zu machen ; er verlange zunächst dasjenige, 
ihm sein gute» Recht zu verlangen gestatte. Mnlkur^ht 
SM uilVge deshalb nach Wien gehen und vur Allem V(dle 
*^titutiun U'geliren ; ehe nicht alle gerechten An-^iirrtche 

(t'Ji Eb(*n<lii. Hchroitiei) Mtix Kiiianiier»« an Malkiie<-ht 0. d. Si. 
d. fl. DeiwuiUer 1714. 

61)) Ebeuil». tjcbretimn Mitx Kiiiannel '.■< iin Mnlknecht k\, d. üt, 
oad. 16, Jänner 17l-'>. 



368 



SUeuHg der hiilor. dtiste vom 3. Juni ISAi. 



befriedigt, könii»- von Versiihnimp und Frfiund.-ichaft keine 
Bede sein.**) 

Im Ft'Iiriiar 1715 begith iticli dumnaeh Mulkneefat iiikIi 
Wien. Kr tarid di« ebrenvollHte und t'i"euntUich>te AufRHiime 
und koiitiU* buld dt'ni Kiii'tTn'stou niid tlvr KuHTinttÄii <lif 
benibi^endsten Yersichcnmgen geben. Der Kiiiser lasse arli 
zwar iKirb hii' iinti du ein bitlj'r«s Wort (ÜH-r die Politilt 
KurbiiyeniH t'ntsclUilfdL-n. aber Harraeh, Sintzeudortt', ja aUe 
MiiiL«ter seien als Freinido und Biiudcö^enossen des Iwjri- 
schen Hauses anziiK^hen, di« Vät*r der Ge8ell«.'hart Je^u be- 
trachtet.en die AiissiVbininji der tieiden ersten katholisihpn 
Familien Ileutsrhlands als ilirc wichtigfit-e Aufgabe, nnd vor 
Allen am Eifrigsten wirke jetzt Prinz Kugen für eine innige 1 
Verbindung der beiden Häuser.^*) 

Von AbtrMunj; bayrischen (iebiet^ cwler Tausohiirojektfö j 
iet in diesen InHtniktimien und Berichten nicht die Hede- 1 

Trotzdem lässt sich gegen Josef Klemens nicht de^ 
Vorwurf erheben» dass er in übertriebener ßesorgnistt in d« 
Aufnalime jenes Artikel IS in den Litistatter Traktat ein- 
Gefahr tiir Dynastie imd Land erblickt habe. 

Als frich secbxig Jahre später Kurfürst Karl Theixlo 
geneigt zeigt«r , da« ihm durrh Krläschcn der Lndoviei*>ch<fi 
Linie zugefallene bayrische Erlte gegen die österreichi-^chert 
Niederlande an da» Hau» lialwburg abzutreten , erlau^'t^s 
plötzlich jene un.sehefnbare Hestinmiung des Utrechter Ver~ 
trags winhtige Rcdeiitnng. Ohne Zweifel verlangte da» In" 
tere.sse Krankreicbs, diws ilie von Kiiiser .loscf II. angcstri^bte 
Vergrössenmg OeHterreichn verhindert werde» und der Krr»n- 
rath war denn auch gesonnen, in dieHem Simie /ii hau<t4n- 



$4) Ebcndft. Schreitwn Max Emanuel's an Malknecfal d. tL St 
Cloud. 2fi. J;ltiner 171.'.. 

Ö5) Kbendu. Schreiben MaUcnechte an den KurfQrstea A- ^• 
Wien, 19. Februar 171B. 



HfUjti : Da» Prt^ekt titXM Abtretung Bnyenm an Oesterreirh, 369 

Tin konnte Köni^'ii Manu AntoiiiHte^'^) an da« durch ilen 
t(a.'«tatt«r Tniktat saiiktiomrU? Vijrspreclicii Lmlwig's XIV. 

rinneni und damit vi)n ihreui UHtten eine Neutralität*- 
"kläruntr erwirken. iVu^ fleu Kuisirr crniuthij^te , um den 

Kamiifpreis Bayern mit Preusseu in die Schranken zu treten. 



Anhang. 



Nr. 1, 

RairaeB deo 26. Janü 1712. 

DurehlcHchtifjxtcr Churfürat, freunilich 
herziiehster Herr Bruder! 

Wa'i iit diisV dii&s Kiior Ijiehdf'n und ich in der harangiie 
^^ Köuipti in Eiij^elliimi giiu:£liLU verge-^sen wonlen , ja 
*»Xttr von Kiter Liohdun htnden und Chitrwth*de darin in t'avnr 
■'cw f'hnrfilrstens zu Pfalz disjionirt wird, ohnedass ich nehe, 
*'*t^ anderwertijj;. ja «fif^ar mit denen spani.schen Niederlanden 
'-^•?i' Lii'hdpu indvfiini.sirt .-teyjid, welch?» man dpm Er/haifm 
t)esterrf>icli ziiU'^^ct, und dit' Harriurc denen iii)!]ündern. Wann 
"»(^hi nun wäre, dass der article von Sicilieii nicht jffeniig- 
L^sanib explicirt ist. (welcher mir einen trost gibt, dass viel- 
^B^tcht dnnhirch Kucr Liehden iudeninistrt wenlen künneii,) 
^B "II hikentie ich. m möchte ich verzweifleu. Von der Ver- 
■ St»ieiiheit meiner rede ich niclit;«, dawn meine gewisse Ver- 
wung nsc'h ho hiirtem und luiijLrHnhaltcmten tihlem trarta- 
iMriti» Ton Frankreich nicht audera erwarten kau. ei-gihe 
mich alao j^nKÜch in den willen Gotte« und erwarte sicher 

B8| Muric Antoinftti>. ('orri'((pon<laa\,'H w!«ri't*'entie Marift-Thci-iwe 
^ I« coiiite dt^ M«n;v-Ar^'ntetui. putiüiv* piut A. d'Ameth et ficffroy, 
^"- l'I. Hifitorinclic Erinni^ningen etc., 500, 



370 



SiteuHt} Her higtttr. Cffvute »om 3. Juni tSfi3. 



kein //'iilk'lics Glüt-k mehr für uiieh /.ti sehen, nber Einr 
Liebden Itegen mir iiu Herzen sunibi den» Prinz-eii, für welcii« 
immer betMttye, es koniiiie y;ej!;eii einem frembdeii laiid m 
t4ius<',li mit dem Rnneii Rayerbiinl hervor, welches ja nimiiiehr, 
iiauh Kuer Lielxleti mir mi vielf aliigeu mündlich uIüs sehrift- 
lieben versicherunf^en diesäelbe oin^eheu werden , daim ob- 
xwani die XiderUnde und Sieih'en 2 bis 3 mahl cr)n>ifli»- 
nibler aLss Bttjürlnnd seynd in (juantitate, so ii*t doch jedei^ 
zeit ßaverhiiLd in i|MHlitiitc besNer wegen äein«r avaiitu^euitpn 
äitimtion , so von allem Krie^ entfernet geU'gen , über <U« 
ist dieases Unser Vattedand und Kuer I.iebden und den) 
Deseendentcn natürliches l'iitrinKniiuni. Nun obzwur mir 
nimmermebr einfallen könnte, dikts ßuer Liebdeu einen titascfa 
in dieweni zur ewi^un reproche dero Kindern und dturD 
uachfolger eingehen werden , m» wenlen dfMh Riu-r LieWen 
mir verzeihen, riaus ich mit allem erdenklichen respeci flod 
submisNton ihnen disfEtlls eine gehorsamste erinnenmg iiu 
nahmen dero Prinzen uud Vatterluud erweis«, welche 
warhaftlig ausser Euer Liehden aelbsten nnnniehr an dew 
Hof wenig Protcctore« und Advocaten haben, die fÖr solche 
reden, ja leyder! viehuehren* feind dnrt ßndeu , die tnttr 
Liebden und mir von selbst wühl bekannt seynd, daheni 
niemand nicht durch diesse redUohe erkläning zu schaJen 
gedencke, sondern die-sses nUein dnrumb mehle. damit wl* 
bucht der i*clat einer CVou und die persiiasion diesser hniHts- 
feiiideu Euer Liebden grossmüthigkeit nkht verblenden mÖgefli 
dann obzwarn solche tlber alles menschliches eiii]K)P*chpirte4» 
so werden dooh Euer Liebden ihnen selbst gerechti^kwl 
hierinnen erweissen, dass Sie so gnt alss ich und alle amlfria) 
Menttchen denen anfechtimgen s<dcher zeitlichen »cheinfbr*'!' 
underworffeii. dahero wi>hl mit eyffer Gott inständigst anm* 
Üehen nun ist, damit Kr in diesser allerwiuhtigsteu («cl». 
(welche für ewig nun zum vf>r- oder nachtheil de*« Chur 
hauäse» uiu^äsch lugen kuu^j Euer Liebden also erleuchte 



ti^: Da» Prujekt ettirr Ablretunif Bat/ernjt an Österreich. 371 

\i stiin^kt', (Iiuiiit dieselbe eine sü prloriase^ hIk Teniüittlige 
urtliitirin liii^rin uehmeii niuifeu, wie ieb giinzlicli siilche 
D (ierr) t»Uer)?erechte8teui herzen erwarte: werde zu dteäs^jm 
ei »Infi Knd ?«> wnhl sellwt. uts durch die Meinige (intt 
stÄtidi^t in iltnu heylij;en MessoptVr uud gebett deswesen 
ifleheu, duDiit Er uLles diessea •/.» unäterblicbein rühm Kuer 
ebdeu möjye niil{Ii(;rst verleihen. Im übrijyen so diesse meine 
l^r^ehorsaiUÄle res|iectuo»c erinnening vielleicht von meinen 
Euer LieUieii hol' huheiitlen t'eindeii sollte ohii^leich zu 
Binem nachtheil uuäi'^edeuket' werden , will ich gar gern 
»e veri'olgiiug uud zwur lieber uu«>sU*heu , uls mir xn 
prwhireii hüben, meine tremueynendi' zum (IhurhiiUÄS t>T- 
msliche Vorstellungen verschwiegen zu haben , welchem 
eine gegen Kuer Liebden jederzeit erwiessene redlichkeit. 
moiennehr Kiilius.sen würde: gctrv')ste mich aber von der» 
iten bröderlichen Herzen jener gerechtigkeit . die jederzeit 
au bias io tnd filr Euer (jiebdeu tnigendt' hrilderliche 
sbe Tenlienet und in welcher ich zu ersterben ebenfultä 
Rteucke alss 

(Euer Lieixien 
tretigehoniinistor Diener und Bruder 
Joseph Clement, Churtiinit. 
n 
t 
t 



Nr. i. 

Numnr 28. Juni 1712. 

Durciä^uchiujisier Cßmrfursi, FreHutlich 
gehefitester Herr bmder! 

tch bin von Hertzen fro, doss ich Kuer Liobden schreiben 
erwHrt4^l , .sie ans» inf|nietnde zu setzen, damitt sie er- 
"ttinen , dti8M ich v«ui niÜir selbst die schuldige attention 
"f «* habe nnd nicht« :infihw8e . wasH deroselljcn meiner 

t 



372 



SUtitnff der hiMor. Cla»$t mm 2. Jum 1S83. 



wahren hrflderlichen Lieb und Vertrnneas klian ZeigHchalH 

geben. Dero werteste Xcilen zu bcuntworten khan ich oifbt 

besKcr, alss mich aiiff mein ror^hended schreiben beziebra. 

Allein will ich uiir Iwyfiefjeji , dass E. L. Hatisfactiou u«fl 

restitution iiinb di^tu sicherer ist, weilen die Köni^n in ilirer 

hnrangue von ihnen nichts gemeldet, sie batt nur ihrer ali- 

irten uvanbigir mij^ezo^en und wo sie niobts wider ihre freunit 

gHgeu kiiaun , hatt sie still gescbwigen. Dessen pmli isi, 

da&s sie nicht ausi^eluAsen, ku erklären, dass icb meine Cbar 

und die tibtsrr F^fjilt/. vcrliiTcn werdi' , anrh uhneraclit ifcr 

ciPSKinn der Niderhindc, w> nu)ir Spanien gethau . sein wlk 

Oeeterreiuh deMtiniret. E. L. haben auch aits meinem schrahen 

en*eheii , das* ea khein qiiestion ist von einem TatuKh nut 

Hayn», und wau Siciliun vor mich .solle aiift' den tapis khomcB, 

dams tat ein coniponsation it^t vor meinen ran^ luid Jijnii'*^ 

aU Churftlrst, und das Köuigreiuh vor die Plaihs. W'an»flf 

w)lches aiiff allzeit ein tauscit währe, meine ich. wirHe e 

dem Uau8s glorios und nnzlich sein, nm^b mehr aber ohii 

neben Sirilinn die Chnr und die Pfaltz nach de«« ChiirfQrrtrti 

von l'iultz Todt sollen zurükkhümen. Per eclat der Crw 

gofalt mir aiiH' dise weis.-* und nii-ht änderst, und waw fflici 

iVeyte, währ, Künig und y.u München in unsrer rewidenU »i 

sein and uiifet E. L. auff diesem fuss den einzug halteia uwi 

in unser Lieben Fmuen kbirchen absteij<en , luisre^ ('hm- 

liauses patronin unib diseu grostfen avantage danrkcii roitt 

einem Te Deum , welches E. L. intonireu würden. Damitt 

ich E. L. nichts verhaltte, so vernachriolite ich ihnen, »^^ 

in aller InVhst^-n vertrau**» , dass schon wirklich von den** 

Kuyjserlitdien mihr der Tausch mitt deui-» Niderlandi' i»i** 

Bayni proponiret worden, welches ich anff hundert ineil vr^ j 

worfton und aaff solche weiss, dnss man mmerniehr wßj 

solcher .s;u,'h reden wirdt. Die negotiatioue« khönneo söB» 

wie sie wollen: Diilcis amor Patriae. Diss empfinde icb iP 

mihr und sevn leit, wie sie wollen, werden wiche n\c\i^ 



'l: Dag Prqjekt einer Abtretung Hayernn nn Oeaierreieh. 373 

riniien. wan es mein i]liriili4^ piitriinoniiini /n vorlieren 

ehet, de^isen leben K. L. dhne snrfj;. Vjü kliuiiU* noch 

D, obwohlen ich (» nicht ylaube. noch (irsacli, solelit«* au 

uriren habe, diis-s man Ton stittcn Ot-steiTfich den 

uisvh mitfc Neapolw gegen Bayni proponirt*^, wan sio sehen 

irmlpn , diuss sie Sicilien nicht erhalten klüwuHtn , chi fmge 

KE. L. nmb Kuth. oh ich bt-y der |nj«teritaet verantworten 
imte. sok'he zwey mäclitige Königreich, wan sie beyuiinder 
ändt. zu refiLsirnn wegen Her einfc/.igen priWfiitection vor 
Hpin Vatterlniidt, dann khrine andn; untach kh<mte ich nicht 
«inft-iMid^'n. die ihis Interesse iider |Mjh"iiqne üIierwindeU\ Baym 
7.11 pret'eriren. Gewiss ist es, da>« allerbandt [>rü|>asitioDts 
iibonien wenlen, aber Baym ku vertanscheu , höre ich nicht 
■III Htid tviderholc niejiie versidliemng gegen E. L., diLss ich 
elller liei** ('hurlmuf^ej^ w» wichtigen sach ntt:ht deridiren 
Inl, ohne derii lUlh und meiriuiig, Sie erkhenneii aUo, 
^icb mieh mitt. gnwst^r warheit nenne 
K. L. 

dienstwillfgistt^n und gekr»*uefit<'n 
bruder bisa In Todt 
Max Eiuunuel, CburfUinjt, m. p. 

(Eigenhändig vom KurfHnitcn geschni'fxtnoH r^rii^tii»].] 



Sr. 3. 

on d'uue iBtire allAiiiaiide »^orit« dß maiu propre par S. A. 

E. de Cologne fi S. A. K. li*? Kniriere.) 

Monsieur mon tris eher frercl 

8*11 etoit possible de jouir ici bas d'iine juye parfaite, 

Uc in'auroit et^ canst»e par la lettre, qne V. A. E. ra'a foit 

oinieur de m'ecrire en date du 28. de ce nioiä , puimjue 

|>y upprtA (lar lä ä nia gruude connulation (juKlh' eomtiniie 

^ rpfuser EYec »me fermete heroique l'ecliange, qiii Ini a 



374 



SitMung der histor. Chuge vom 3. Jum 1883. 



ete pn»p*»sö de fairo de Sou i'lw:t<irut tie Buviere eim 
pHis hiis HKiiii^riidls, i*t celn d'mie iiumi^re h\ fort«, qu'il t 
eu lie« cle croire, qn'on ne lui en parU-ni jamniH pliw. 

Mit j^jyi* p-**t au^mpntw par I'idee Hattcuse, que V. A- B 
▼eilt bii'ii Ulf ri'])rfstf]iU'r . qin* je ponrray avoir le pluiä 
d*iu«l-iter ii Feiitree, (pi^KUe espere de fiiire l)ifnW>l a Mumi) 
potir _v chauter k* Tp Deum dans Tegü-se dediee ä lu iHitroni 
de liaviere. J'iuwenre V. A. K., que je le ebantoruy de ba 
coeur et qiril surpajs*eru de beiiucoiip tous ceux, que j'« 
deja entuutjz pour ta»t de victoires, qu'EUe a n'raiwrtii 
puisque ce seni ^x^ur reiuorcier le fieij^ueur de la lemiet 
qiie V. Ä. E. nura tciuoigiM*e pour la conscrvalioii de ä« 
ancieu pakrinuiiim, ei sur tant, si j'y puis voir lu tet« 4 
V. A. E., ijiii est dejjx ctmronnee de tant de lauriers. orni 
de la couroime de Hicile , et c'est h ces cunditions, qtw j 
lui tonsflillerois d'aspirer k la niyn-ute, et je soray wnten 
qiiand je verray son throne eleve. su ä Miinique ou ä Bruxeiiö» 
iniiis cnnimc je vien^ de dire au fonnneiicemeiit de cette lettrai 
(jue s'il t'toit possible de jouir (l'uiie joyn partait« djui*« et 
inonde , qiie je la resmentirois par la consorvation de lo dar 
vieru, aitisy je ihm aiissi avotier presenteraent. que cette im- 
[HJasibilitt* n'est que trop verifcable ä uum egard. En efff* 
la fin de la ^iisdite lettre de V. A. E. rae l'a fait eprouwr, 
nia joye ayant ete beaiiconp diininuiV jtar la qucstion, (|u'Ellft 
m'y fait avet: la rlerniere eoiih'anee, scavoir: »i je suis d'opi" 
nion, que V. A. E. .sc pcmmiit justifier enverr; la pusterite, 
quand pour la Baviere, le haut Palatinat et les poTs 1^ 
E»|)a^tiols, qiii lui iint ete eedez. Elle aecepteroit le« mysuinis 
de Naples et dt- Sicile, en vas <[n"iU lui fiissent »fferts K 
la mai^n d'Autricbe, qu'il lui sembloit, que ees deox pui«»"* 
royaiinies nr seri>leiit piu* ii refusyr par la ^eule raison d'm»'*^ 
predilectioii . que TdU a ordiiiaireiuent pour sa patrie, l""** 
qu'il n'y en uvoit poinfc d'autre, soit d'interet, soit dVtatv 
que telie-lii, pour ftiire preferer la Banere k (Xs royaim»*' 



fWv Dag Frt\jekt einer AhtreUinti Jlut/erm ttn Otftterrrich. 375 



H est vray, qae ce n'eat qu'uue qaestion, que V. A. E. 
fait» iiiaia eile iih laiivsp paa de m'aUnriiier extretiiemeut, 
.rcw|iif je ui'aftpeivois i\»o tr^.p pur lä , que V. A. E. A 
'« de Kdele» coii sei Herr! ü Tenttiur li'Klle, qui nyeufc soin de 
■II rentable interet; aas^i n'oat-ce piis bhuh fondemeiit, qiiaud 
j'lj one avaricer, ((n'il y avoit fort peii d'ttvocata ä la cour 
V. A. E.. tjni plaidassent la raiise de la Baviere. II fist 
iintMjihle, que V. A. E., (jiii est aiissi bim geiier.il, i.|irKlle 
liitbile iKilitique, iie truuvent jatuuiM de raeilleur conwiller, 
lememe: nini.s Elle iie pourr» pas di.-^convenir en meine 
♦ ijue de touH les mriiiar<(ue.s ou princes, il u'y a eu a 
im, qui refiisera alxtolument le conHeil d'iui auire« car 
'üst pour cela, i|ii'ilK mikretieniieiit tmt de miiiistres et c(in* 
Vitien: pluH enini videiit ncidi , i^imni uenhis^ Kuivunt Taii- 
i'iwiwe inaxinte d'etat. Je doi d<iiK'. apprclieiiJer avc;t: rai.Mm, 
4«e les eunemia de lu Baviere, par im subtil poiijou, ne se 
•»itnit i^Ji.vsez dans le Ikih coeur de V. A. E. , pm*prils ne 
^ tnuiTent plus des raiHins tii d'iiitereb, ni d'ebit, par les- 
fl'iellft* il8 piUHsent. faire vi»ir ä V. A. E., tpril coiivient 
'"■aiic"(up niieux preferer bi Kaviere h cea deiix f^randti roy- 
•"iiui?«: ninis il me HTa fucile de prouver le coutraire et de 
**>'it?nir, qu'il n'y eu a jias de .•♦id'HHttuti's ii persiuuler V. Ä. E. 
•1* coüsentir ä im semblahie echunge ii inoins que je ue 
'^Püillr m'attirer le blanie d'etre trailre ii iikhi propre frere. 
•le Ten emivaiucruy par la question inenif, qu'Elle ni'a 
I ^1 (((ueötion bMjiielle i'ait encore voir bi bont»^ de son 
■H^iiri Klb.' me denmnde dfuie . ei Ell«' poiirrtiit ne justitier 
^^Vcr>. la jHistonte eti aireptant cet ecliaa^e, et je Uli pnai- 
^«niy pur lä i-ieme, qu'Elle est obligi^e envei-s üieu et la 
ite et en conscience de rejetter al^olunient cet €H.hange 
piMH hereditain^, eti qiuii je ne me werviray que de^* 
que le JSei^neur m'u bleu vuulu a'xrtrdor, saiis 
i^'iluir ni'eriKer en theuloj^ien ou poiitique. uie renervant de 
* fidre voir clairemenfc, comme le j<iiir , par uii lueinoire, 




k 



376 



Sätung der hittor. Cltune vom S. Juni 18S3. 



que je feray dresser au premier jo»r par des bomrae:^ doctn { 
et TPTfiex danä \m droits. Apres i|ucii je detierar tel «s- 
f(^9weur, quo co puit^e etre, qiii jMiurrriit suiis sa [irupre dam- 
natitii) :tbHi>udre V. A. E. . »i juniaLs Elle duiinoit Leu maim i 
ü ün üeiiibliiijle fcbaiige, piibHiu'oii prouvem evidemtuout |itr i 
ce memoire, qu'EIle feroit par lä nn tort irrepitnible i U 
religion, k l'empire, h ses alüez (parliculierement a la Knui«. I 
qui ertt pr^'sont^'iiieiit de ce n(»inhre,) et ä la pasterite. V. A. K. 
:4^aifc, (|ue le» pecbez, qni se fönt cum damno proumi, «tot 
ap[iHlt*y, ptir Ics iheologiens pHcciita euuilata, ilHSiticLs on iif 
peilt pii.-« iflre ahi^tis san» uue repunitiun preuluble du tort, , 
qui a pte fait: que V. A. E, ae represente douc ce ilenäa \ 
moment de aa Tie, apräis leqne) Elle paroitra devant le Stt|B' 
umir, p<»irr rendre i-onipte ile t-oiites ses actions. (je »mlmitei 
que ce nmiuent .wit encore reeule nu de \k de ciui|Uante unsli 
je dis. (|iu' V. A. E. ae repremetite ce terrible momeiit ei 
les aujroiw'es, qu'Elle anra k suuffrir alor? , <iu leü iiioiudn* 
pecbez uoiih parnitront iv^mme lie graiides niontngnesd. -iVii 
ponrroLs din^ (l'avaut4igc sur ce cbapitre: mal*» je law^ny 
parier le memoire, daua teqnet j'esjiere. que V. Ä. E. tiw»- ] 

ra nne entierc satisfitction et tninquillite de coiwci«iW. 

ai^ique j'ose utteudre de U buute du c-iel, que le St. e^|>Ht 
ruspirera ceux, qui le feront, auxqueU j'ay bien recoramanA' 
le secret et \n diÜgence, poiir le poiivoir bient*>t envoiwii 
V. A. E. Qu'Elle tuiprinie eependüiit dans son coeur rrft^ i 
Hentence Evaugelique : iinid prodest horaini , si universuiu 
munduni lucretur, aiiimae vero tletrimeutum patiatur. Ü * 
taut pn.s iei sc Hatter, b> tenis de la uiort ne manqiiem pv 
de veuir, et le roi e^alcment comme le puifiun nera atotn 
oblige de rendre compte de ses acfciutu devant le ifarouf^ ^ 
'Diou, de Sorte qu'il est preseutenieut tems de dimiuuer [ilut*^. 
que dHUgmeiiter le fardeuii de notre ccmscieuce, piiisqn'oii 
y fera uu decompte bieii exact et rigüureux. Que V. A. B- 
me pard(»me, ai j'ofle bii parier si sincerement, je m'y titw^ 



ll; Dag Pn^fftl einer AhtrefHng ßny^nu an OeMerreieh, f?77 



Dt oblige par l'ünmur trati.'rnf) , cjue par 1e devoir de 
nt ecclosiastique, I'iin et l'autre me contrai^iiiiiit, lueme 
refftunon de mou saii^t de hü fairf ce-s reuioutrajices, 
lofauit plus, qu'Elle a bien voulti nie faire \a ^iice de 
Bumder mnn conseil ttunti tiiie atfaire de uette inipurkfLiice, 
M quoi je me seroJR encore tenti. Je me jett^ donc mix 
m de V. A. K. ef la ^iipplit- par le precietix »ang de JesUH 
irist, de perseverer dans ses pri>niiers .soutiiuens heroitjues, et 
netter i^ans aucuiie exception tout echange, que Ton potirni 
opDwT L-uutre In IJaviere. V. A. K. n'a JiiwqH'ici emle en 
ai k ses illiKstres ancetres, soit par !a gloire , soifc par le 
enge, niaia Elle les a plutöt 81X1*1)08.^»* J'e,-äpere donc, 
t'Elle n'aiira pot^ mnins de raagimnimite, ijue uotre glürieux 
Maximilien , qin a scn rofiiser la coiinmiie imperiale 
royale de Hoheme, laissHiit ä la jKwterite cfs belle« 
i iiiarqiieeä daiis la H&ie appeltee de Tempereiir ä Miniique : 
fniuiiri) speriiit »iiignaiiimitaH, aniliih'o quaerit. Notre 
lii?«ime pere u'a pas fait moins, piüsqu'il a ret'use la 
Hiruiine imperiale, et cela ira [mu empeclie, qu^ä »a ntort 
commenwiiient do Ui regi^nce de V. A. E. il n'uit 
a& eUU dann Petat le pUis tiorisüant du monde, jiiä- 
qne V. A. K. en a ete aj:p"eablement unq^rise Elle- 
Cc9 deux grunds eletitetirs cepeiidant ne se sont fait 
aiie idee de qiielqiie Warne, qii'ils pourroient meriter 
ttfn la posterite, pour avoir refase ces deux couroimes, 
Iburpaseent inHniment les deux autres; main bien au cim- 
Aire tut MOnt attirez par lä nne e.ftinie generale, la Kaviere 
ajant pa** laisse, sans titre imperial im roval, d'etre toujours 
{ale Ji ceri rnyaunie-^, soifc en puis.-un('e , noit cu honneiir et 
kdeur. Je ne pui» pas m'imagiiier, que V. A. G. sera 
wn cruelle, c|iie de vtmloir deruiner tu tige fleurisHaute de 
Aiaou de Haviere eiiracinee rlanw le fcerroir d'Aliemagiie 
^Charluroagne dw. l'unnee 800, puur U traa-qilant«r dans 
1 terre etrangere, doni le roi ne doit n'attendre qu'ii porter 




378 



Siisung der hüitor. Clasne vom 3. Juni 1883. 



une couronne chaucellaute par les emotioos continuellcs, qui 
y arrivent de jour a aulre , tant nii rk^Jaiis cjn'au deb 
oü de» vepres Sicilit»niies ppiivcitfr rtre snivi«« <Irs trish 
uoni]tli«*x d«' la perte du ruyniinie, oii p<mr quelques ponin» 
nvec li>s<|Uf.>llti.-' des eofan^ jonoient, nn misembli' prachei 
Masaiiiello a pu faire revoltfr tont nn royauine. et oä, hu 
fouiliur d'avantage dans les histoirc-^ aiicienues. V. A. fc). 
du voir dans ses propres joiirs. ijne Philippe V., notre nerei 
apri-M y uvuir fait sou entree conune un autre HcKtie, «n 
t't*' d('|Hjssti'f]^ init'lijues annees ensuit*, p<^iiv ainsy dire. «ii 
coitj) ferir: niai« Ja plus ioi-te raison, ee im» »ürnthlc, »pii t\'A 
persuader V. A. E-, qne la Bavier« est plus estininble, q 
CCS aiitres royauiürt«, f'rtst Pexeinplc t]en Autncliit*iw iminR'^ 
qui par In coiivciitist*^ qu'ils mit |Mjur la Bavieri.-. fmit 
aven public fle la bonti* du [laTu, |>oiir leqtiel ils ofTrpnt drrul 
ruyaunieij. Je ne Hcaiiruis donc com]>rendnf, comuieiit «i 
peilt coifieiller a V. A. K.. de s'enteudre ä cet pchaiijfy, fnutk 
passer pour traitrc, et suns uieriter, eouime tel, d'aroir /* 
tete coupde. On en trouvera sana doute, qui gagnez [«r 
ar^ent aiiroiit nuiiim ii cimmit le vmtublr intenH de ^ 
inattre, quo le leur propre, luais il n'est pas croiable, ^ 
ce sera eu ceux-ey, que V. Ä. E. aura sa confiaoce, car r« 
ennerais i\e» Bavarois sont autaut conuua h V. A. E., qn'^ 
moi et ä tout4= sa coiir. Si Elle p*»ut avoir la Sicilc mi I** 
iVi's \>iis Rspa^iiols couinie n)i de Kaviere, qu'EUe les acc-y*' 
Uli iioni de Dien . et apres avoir fait de teius eu tem« *1« 
vniugps tle plaisir et (|U(>]({up spjour dana »es nonveaiix Ä***' 
qii'Elle revieuue avet: des miliioiiü d'ai^ent dans äa doM 
Kaviere, pour y [xiuvoir entretenir 40 n r»0 mille homwi* 
ä liu de ciHiöerver im eqtiilibre en Atlerna)j;tie (•i)ntre la trtf 
>{rande pnissaneif de la niaisnn d'Autriche. qn'Elle fasse jpinuf 
de plus se-s frontiercH pur dv bonne^ l'orteresaeM, poury[)W*f 
le reste de ees jours, qui upproebent deja la 50. anniV. diu» 
UD dunx repos, faisant batir Ibh afi^eables eudnut^de Niiufb^" 



Heiffet: Dax PrqjeH einer Ählretung Rayervn an Oeaterreich. ^70 



boiirg, de Schlew-sh^imlt , de Dachau, de Sturreniberg et 

Poewenhoven, c'est lü, «ü V. A. E. ii'uurii ptis .sujft d'appiv- 

linndre, que !e Vesuve ou le mont Aetua consiimeiit tcms les 

IniUinens par leurw feux, ni qne los froqm^ns treuibli-nifii« de 

trrre les enseveüisseiit sons Icur propre niine. Lcs jeunes 

|)rin»^, st»s Hnfaiis, .seront \k ä l'entour d'KIlt*: filii tili, sicut 

noTelliif olivunuu in circnit« raensae tiiae, oni, ceei jeunei; 

^}mnch*w d'oüvier seront des signe.s evidtm-* de paix et de 

rcpis poiir V. A. K., Iiufiielb [xxirrii «iire: Va-* gaudiiim 

ineuiu, Voa coronu mea, ce qui excitera ces jeunes princeä 

fl mv veritiible recoiiiunäwinue euvers leur sereniwsinie pere, 

lamielle ii« conserveront eternclK^nient avec. la posterite. aiipre» 

^ laquelle son noni aera en benedk'ti(jn : erit memoria ejiis 

in lienedictione , qui sera tonjours ^raiid devaut Dien et le 

moiiile. Que V. A. K. nie pardonne de ce, que je liii ecria 

,, tä unplement sur cette niatiere ; comrae i[ n'j ii persoiiiie, 

Stri parle sincereiiient pour ses interets, moii ainour fnitej-iiel 

m'fngi^e a le faire: aussi veiix-je esfierer. qu'EIle ne le 

tn>iirera (ms mauvais, mais qu'Klh» reconnoitra enc4ire dans 

wÜt (iccjtöiun mou coeur desinteressc et entierement devoiic 

» V. A. E. et ä la Nerenisöime maisrm elect<mile de liaviere. 

i_Je le coiiserveray tel jiisttu'au toiul>eau, etatit 

de V. A. 

irtk huitible et tres fidel frere 

et servitt'ur 

.loset' Clemens. 

le 30, jiiin 1712, u 3 hfiirea tlu uiiitin, n*»xiint pti 
' tiint« la nuit ii i-aiin».* Jo l'inquit'tudo. oii j'i'toi« pour V. A. K. 
I Mt pn>v>nteiiiL'rit lijieure« du inatin, que je preiu le Inil d'aiiHSHc 
rt nie retuet« »u lU. 




118SS. Philoi.-philol. bist. Cl. :J.1 



86 



380 



Süsung der histor. Classe row 3. Juni 3883. 



Ifr, 4, 



Nitiuiir, 3, Ju 



Durchleüchiitjisier Ohurfüitit, freuntlich 
geliebiestcr Herr bntder! 

Ans Ew. Liobdcn wertesten Zeilen vom 30. Janii I 
ich mit siniderliurer freidt erwehen , diif« mein lezl 
.^■hreibon E. L. einige Ver^iief^unj^ verursachet, nnd ist 
nuhr Iei<lt, flass ich widerumb neye Ubnruelie durch m 
gethane frjig gegeben. Das grösste Übl, welche« der 
wiiste tausch mit d«mHii zweyii Königreichen verwraa 
hatt und verursachen winit, ist, da.ss E. L. biss mub ü 
nicht haben schlaffen khönnen und dardurch die Cur i 
Useiniilch mit unniehigen gedancken alteriret haben, dan 
siich ist nicht en ({iie^stion und wirdt auch niclit dahin I 
inen ; icli a^MT habe nur E. L. disse Frag nionirtni wo 
iimb 7.n sehen, wie hoch E. L. ausser altes patrimm 
Schätzer, nmh dento mehrer ihre a])prnbation zu veniemi 
djtss ich alles vcrwfjrtfcn hab, was mihr von einem U 
hatt khönnen proponirt worden. E. L. haben aus mei 
sehreiljen wol ubiiemeii khönnen. dass ich eipresse geuie 
düss der tausch mit Neapoli und Sicilien nicht wirdt 
pimiret werden. Ich wolte E. L. noch mehrere urs* 
vorstellen, als »ie luihr gesagt, kheinen Tausch einziige 
aber es ist uhimötig , davon zu re<lcn , bitte derentwi 
E. h. aus disor saoh nichts zu machen nnd also de«wi 
kheine schrifft nifch contiulta verraft.sen zu laweu , weil« 
uhnnii'iglich wünle verscliwfgen bleiben , und zudeme is 
g;int7. un<l gar iihnnütig, verlnitTe abu, E. L. wenten 
Verfiuisung discr .schriHI vöWt^ einstellen. iJewissen lun 
glaube ich nicht, dasa ein Teolugus in der weit bebaal 
khan ^ da^s ein FQr.st .seine läuder nicht innb ^rGsMi« 
milchtigere vert4inschen kliluine, wan ea ju^to titiilo 
und die Keligion nicht interesüiret ist, absonderlich 



9fM einer Abtretwnff Bayfms an Oenterreu 

Pfißkher tausch zwit^cheu zweyen Oatholtöchen Uäuderu sich 

jignete, bin iiit-htti desto wenijjpr höchsten^: conwiliret. diLss 

L. sich m fiffri^ und affeütioiiiiirt't \m> l'atria iind meine 

den er/eigen. E. L. ruthen mir ein, Sicili<>[i oder die 

Nillerlanden zu Bnyni anzLineniea : disser Hatli i.sl leichter 

folgeu , uU tilneu so fi^rosäfit uvatituge /.u erliuttcn ; ich 

irbeiti- 24 Jahr, di« Nidcrluntleii zu hekhoinnien, ul«o wi^rde 

ich mich nicht lun^ besinnen, witn es zu dem emniib^chten 

^effect khniuiuen »olte <>der iHi statt derselben das Königreich 

Sicilieu, eine sollit'he lujuiriitiou hatt kheiiier von unserni 

h, «der dass Ott^i von Wittkpnch Bayrn erhalten , be- 

nen , ohwolen vun etUclien (grosse Vict<jrien selndt er- 

und ^flickJicIie Krieg gefiert worden. Wan ich dises 

finrun(( eines nhni^UckUthen khriegs Uberkhomme, was 

*urde diinn j^esi^helien sein, wan meine erstp ^lickhclie pro- 

i^gTfSden cnntinuirt und (lott Krankreich und uns nit mit 

' vtihlen widerwertij^en streichen lieiiubgesueclit liatte. AIho 

meine ptist^ritaet mich niemalds bertchnldigeti, eitle tlhle 

*partie genommen zu baWn. Unser Ahnherr hatt die BiJhni- 

^wlie Chron, wie E. L. melden, ref'usieret , er wäre ein gar 

erleichter regent, eine Chron von der rcbellen handt on- 

Denimen, luid er hutt widil Vdrsehen niiessen, da^- er ein 

•»iiittirkhonig währ worden, gleichwie es der I^l'altzgratV ge- 

'««n, zu -schweigen , das-s er erwigt«* Chron nicht mit fueg 

IiiiÜ^' bfr-^itzen khönnen. Zu deme walire e» ein religion« 

^Krifj^, welchen altein die nnioti zwischen Oe^terreich und 

«jru tihr die Cathidiselie erhalten. Entlich nmli HOjiihrigeiu, 

Ihrem Krieg und dar8chie<«sung 30 Millionen Imhren 

Mtft hatt er die Olwre l'fiilU (widrhe nicht mer als l-'HI.OoO 

«uL-iuhe fl. eintraget) an sich gebracht. Die Niderlnndeu 

•T Sirilien seindt von einer weit andern im|H)rtaiiz, und 

sie auch entlegen, so ist doch eines eine inclependente 

^iveminetaet und darf andere ein uhraltes al)hi)lute» und 

Bulpigliijlie;, Königreich. Die Kay.-erliche Clirun ist iiu^erm 

26* 



ft82 



fHttuttff der kistor. Cla$$e tow 3, Juai 1883. 



Allherrn niehmals anjfotrn^rfn worden, aber wol uui^rin Herrn 
Vatlcni, welflieu ra sein Leben Iiim^ gereyet, solciie niclit 
Acceptiret zu haben, »o E. L. villeicht nicht wissea wenleo. 
ich ab(>r hnht- souif eixonhündigct Mnnui%ri|tta gelenäf'ii. welche 
ich iiJich rit'itiem ubk'ibeii in seinen) Cabint?t gefiindeu, der 
Cauzler Soiimidt und Brielinayr waren darbey, als ich «Iche 
sichriftlen atiff|j;i^necht und weilleu icli daiual» nwh in def 
adminLsirution wahre, so haben mihr diso i>eyde einj^eraten, 
aiH Borp;, da8» dieselbe der Uertztjg Max zu Itiät>n b«-khon]i>ti>, 
zu verbrennen, welches ich auch in ihrer gegeuwart jfethan. 
Man gäbe grosse schnldt dem Gräften KhurUen . wie auch 
unserer anfrauen, die das int^re^se ihres Hauses ihren ai({rien 
Kindern vurgezogen. Die tiiictaten, die unser Herr Vattor 
mit Kninckreich zu Zeiten des Travels gemacht , gaben dif«e 
und nuch vHhl andere sachen zu erkhennen, diine habe icb 
alle gelegen und der Chautzler Schmidt hatt mihr» wol fX- 
pliciret (Gott gebe, dass alle dise schrifFteii, sc» in drm Archiv 
sindt, die Kayserlichen nicht zu München gelesen oder n-eck- 
gcnmiimen). Dlser Cantzler St:hmidt hatt mihr auch niisrrs 
Herrn Vatteni Siwtenm, unsere« Hauisses wahrem interesMe be- 
treffent, wohl begreitFen machen. Dise )mpre»«iuu i^t mir 
allzeit gebliben , und ist f-s uhndisputierlich , da=« in vfthlen 
seculis kheiu solcher Minister, aU wie er gewesen, welcher 
schon zu Zeitt^ii unters anherrens in der gelieiml>en Tantalcy 
»ehii'U atifang genuicht und iille An-^iim äider selber Zeit 
gewu.-^t. In meinen jungen jähren .seindt ini}ir dise sucIko 
nur obenbin durch den Khopf gaugen. Nunmehr rucfi« ich 
meine gedächtnus zurück und entmere mich von allem, «icb 
verstehe anietzo, was ich danial^i nicht l>egrifteu. Anff "i"* 
gegeiiwerttige zu khommen, ist nun alles in Moru, aber vw 
ich schon gemeldet, jMisitive khan ich E. L. noch iiitit* 
versicheni. Wan die sachen in .standt sein werden, wenl* 
ich nicht ermangeln, K. L. darvon parte zu geben. BetUol'^ 
mich wegen der einladung zu dem Krey--^biessen, weiten >''^ 



( 



Da» Prtnjckt eiwr Anm^^^Sy^gtm OeMterreich. 383 



Hhst dik* (ilieok nicht liühpii khuti, darbey zu erKcheinen, 

»U achickt* ii'h meinon CHpiUine des guurdes, den Uiiroii 

Tnn Miig^nthal. meine stelle zu vertretten. Ich hiiln' ge- 

»Wu aus deuie, was E. L. ihm« po-whikt, wie -illos oingR- 

ricM. ixt mir hertzlicli Icidi, Aitss ich vim iliser m-fiisinii nirlit 

VmÜtin'M khiin, K. L. in Person zu vprs-icheni, dsuv-^ ich von 

gantzem Uertzeii hin 

^H Ener Liebden 

^K dienstwilli^istH:T und gfirowester 

^^^^^^^. bruHrr lii.s in Tintt 

^^^^^^F Max KmanueU Churfitivt, m. p. 

^^L^^ (Kigenhändig vom Kurt^raten gü«chriebentiB Orii^nal.) 

^H^ lur. Iti ma 
^B do Torcj 

^ VotrP I 



Nr. &. 

VulcncienDui« lu II. juillct 1712. 



• lur. Iti marquiu 
de Torcy. 



Mottsieiir, 

Votre lettre de 4 dp vf m»is m'a tin* fort agreahleraent 
^^ l'lus atfreu-* in<|uietnde. od j'aye ete de nia vie, et m'a 
"Mjiine k la pkce une joye, qwe je ne s^aurois vonß bien re- 
pPöientcr, Toyant que rous ctes de raon sentinient t.()uchanl 
'* Bariere et len c-onveniances de ma maison. dont l'intoret, 
tonuiie vrjus dites. !Virt bieu est, de deiueiirer t.<>uji>urs meiuhre 
«e Tcmpire, queique avantage, qn'o« hii puisse projmse 
■'»illpiirs. U est vray. monsieiir, qne nir. TiMectenr. mou tr^s 
«■lier frere, dit par une lettre, qu'il m'a (Perlte le 2. de ce mois 
et dont je tous oommunique ici un extrait^ qa'il u'est pas 
V'Kion d'echanger lei* etaU hereditaires de notre nuiison, 
■^i« an (Htntniire de hii lUMpierir hs PaYs-hjLs oii In Sjcüi», 
''■ur tl eai täse de voir, qu'il t>aluiice t'urievi^uient, puisqn'il 




MK4 



SiUwnff der hittor. Gast« rom 2. Juni 1883. 



avoue, ipron a Inj dt^u fait faire des propositionH. ipi'il 
rcjefcU^e», i't qii'il iijnut*.', 4ue, si on lui ufFniit Iw royauiu« 
dv Naples et de Sicile ä la place de la ßaviere. ceU nioi- 
teroit bien, iju'oii y fit serieuse reOeiion. Ponr iiioi. je cninv 
t^uiJDiirs de rhumtitir, thmt jr le conriois, qut? de niaiimre on 
il'iiutro il ue succotnbe h la tentation. par riridiffereiice oi- 
iurelte. i[uÜ a ttiujours eue pour son pa'is natal« et pv 
raffection particuliere. qu'il conserve pour les PaTs-bas on 
pour d'aiitres etats, qui pourroient lui apporter la couronne 
royale, <|ue daus «on coeur il prefereroit a tout autre con- 
siderntinn. fV tfc-st pas saus stijpt, (jiift j'ay eett* appn?- 
hent^ion, et puiscpw? vmis vouIpz bien, (pie je vou» imrle ei 
toute L'onfiauoe, vons me perniettre/» de rouci faire ici an l)o^ 
trait fidele de tonte sa cour et des partialit-ez. qui y reguent, 
par-(»n V(nis juj^erez ce (jue Ton doit att^^ndrt? de geas, qui 
jiimr la plüpart ue wou^ent, quVi leiir propre interet fi » 
Hatter ai'euglenient les passions de leur maitre. 

Je vous dinty dniu:, monsitMtr, iine presque toiis ceui. 
qui out siiivi uir. mvu tn>.s eher frere. et meiiie |llusipll^ 
Bnvaroid souLuitent, qu'il deiueiire toujours daus les Pals-Wn 
|iar le^ grcvs avantages, qu'ilö y tronvent, puist^ue leurs »]*■ 
IKlintemen» sont aiipmente?: ä tel poiiit, que cela u'est [»* 
cducevable. On peut fucitemeut juger du re^t par le «öl 
exeinpte de «es ralets de chainbre, qui n'ont en Baviere «l« 
800 tl, des gages puur tont^'-s rhnseJt et qui dans ees paiuKi 
ont jns([u'ji mitles ecu^ tous les ans. S'il se trouve dafi' 
sa cour des geuft, qni aiment leur patrie et (|ui «luhaitoDt 
d'y retoiinier, ils sunt hui's et uieprisez, on ne veut pas#e«l^ 
luent les eiitendre ou le^ ecarte, et leurs conseiU, queiqo* 
l>ons (pril suient, ue »ont juniais RuiviK. Ceux qui parlent 1^ 
pluH haut presentenient et qui sont comme ^es premieis coo- 
seiller-t. ce Mtnt les vatetä de ebaiubre, et il ü'y a p** jusq»» 
un liiiissier italieii notniue Joseph, qui ne veuille s'ingerff *^ 
tout, saus qii'on y trouve ü redire, parccquNl est »|ipnTe « 




Heigel: Dat Projekt einer Abtretunff Bayerns an Ocstetreich. 

profcejje par certtuiie ]ter»oiu)e, «jue je iie nomme piis. Toutcrt 

c*s jMiiiteH gerw sec^iuient admirablenient bieu ws incliijutiuiis, 

qnand ik y trouvent leur protit, et 9ont meme employez eu 

Äe« afiiurc-f im|>ortnnte» et dans des ncpociations ^^ecretes; 

(^tant informe, qu'un de i*es vatet« de clmmbre, uoveu d'u» 

nomme Du Lac, est actuellement en comiuiäMkm queKjiif jiari, 

j auu qn'on scache directement. oh tl est alle. Quelques uns 

^H^'*^^ M"« c'fflt ii la cour de Savrtyf, nmis on ne peut I'as- 

^Kleurer positivenient. 

^H (^uant a ses minü^tres, le baroii de Zind est u» humnte 
l^^fle nierite, d'experience et de prohitö, fort xele pour htm 
I^rince, pour les iuteret'* de notre iiiaLsoii et (wur le Inen de 
!»ii putrie, niais bien loin d'etre ecoute, on ue Timploye ä rien 
d'eüMnciel, et ou ne lui donne aucune occasiou, de eigualer 
»n Icle et ses tuleus. 

Le Barou de Mulknecbt et)b uu flatteur, qui ä'eät toujour:« 

tiDfomie eu adroit courfcisan aux inclinatioiis de soii maitre. 

on interet partinilier «t de demeurer Unit, «iu'il {wiirra, 

f*DX IVis-bas, oii il fait tont, prulite de tout *it traiidie de 

'habil homme et du ^and ministre, au Heu qu'on ne le re- 

{puderoit \*aa en Kaviere ta]it par >a naissance, qui est fort 

.««e, que par sa capacite. t|ui e.'*t fort mediocre, et iJ re- 

otinoit ai bien lui meme cc. que j'avoue ici, qu'U n^a pü 

eher de dire, qu'il ainieruit luieux Diourir de« n present, 

de vivre longtenijw et d'etre oblige de passer le re«te de 

»« jours en Haviere. 

Pour le comte de Mouiuiterol, il a de la politesäe. du 

et de l'eHprit, et Je ne dniifce pas, qu'il u'eut un fort 

od credit ä la cour de inr. Telecteur. mun tres eher frere, 

I etoit toujours avec lui, mais il en e^t eloigiie, et d'ailleurs 

•• &i]t avouer, que le*» Bavarois naturellement n'ainient que 

*^ gen« de leur nation et oiit une violetite antipathie pour 

'^^tranger«; ahm toue les conseiK que pourruit donner le 

"«Ute de MonaäteroL, ne iteroient paji ecoute?.. 



,S8(i 



Sitzung der histor. Classe wm 2. Juni 1883. 



Le scul, qui eat tont puissant pres de tnr. mon tres eber 
frere, c'est le biimii Fenliiiand de Sinieoni. Celui-ci I»» gou- 
verne abHulumeiit, i1 fait tout ce, i^u']! veut, et s'est si bkai 
ancre aiipre« de Uli, qn'il est ejfalement nmitre de son «|mt 
et de ses fiiianc«»;. Oep**iidm)t, ä vous jiurler cuiitideuunent, 
cet hoiuQie est ennemi jure de Ja uation Bavaroise, dcHit il 
a rebute I'ancienne noblease par sa fierte et par ses manieres 
haiitaiaes, jusques la, qiie des personnes de distinction, qui nt* 
pouvuient Hupj>orter son or^eil et sa preuouiption, loi oot 
reproehe hantement la bassesse de son origine, dimt il eL 
si pique eiicore anjourd'hui, qu'il fait. (piand W en trouv« 
Tocca^on, ttmt lo mal, qu'il peiit, U la Buviere et uux B«- 
vurois. II s'est meme emancij}« de dire diäcoarant on jonr 
a Bruxelles avec moi an sujet de la |m»x, que, si mr. IVIectm 
mon tres eher frere retonrnoit dans ses etat» , il nV tn>u- 
verf)it plus que des iioudels, espece de patisserie, que IVm r 
manjü^ en ^raiide quantit«. 

Tout cela, monsieur, me donne nn triste sujet, comBif 
j'ay deja dit. de craindre, que mr. mo« tres eher frere, q«i 
donne a^sez dnns dett pareil» nentimeiis et qui reot, qu'oD 
Tupphtudisse en titut ce qu'il fait, iie i*e tait»e ä la Hn «* 
trainer aux mauvais conseils de»^ Hattenrs, qui renvironD«ui< 
n'y ayant personne uupr^ do lui, pour leur contredire et k» 
ecurter. II n'v a que moi. qui m'opjiose quelquefois ii h^^ 
desüeins, lorsque j'eu äuiä averti, mais j'ay le maUiuur. d'etw 
eloign«, ansäi bien que le comte de Nf^naäteroK outre qw 
je ii^ay pas graud jiouvoir et que tnns ce» courtisaus flatteUT^ 
ou Interesüez nie haissent mortuetlenieut, s^'aefauntä qu« j^ 
parle toujours pour la gloire de mr. mon trei» cber trere <* 
pour le bieu de notre patrie, a laqnelle j'apprehende d'iiutaJil 
plus, (pi'on ne fasse un tort. cnnsiderable, (jue le baron ^^ 
Sinietini twt nonnm* pour alU*r au congrew dTtrechl en ipi&J't^ 
de plenipntentiaire. On si;ait, qu ii est aiusi iutime du OJnJl* 
de Sinzeudorft' et que celui-ci a interet, qwe la Baviere A" 



1: DoJt Prftjeki einer Abtretutuj Jßayerns an Oestfrreich. 387 



Mure ä la niai.son d'AnfrricIiG. atin da |n)UV(n"r t.»üjfnirs fjanler 
Üluilage ile Schünliii^. i)u'oii Iiii a iloniie. II ne tiiHiK|ueru 
psRns deute. d'oftVir a l'aufcre dp l'argent. et de quoi ne 
ent |»i« eujmblt^ les |»?rsfmn(>s, qm: l'interfH g(>iiv*fme ! J'espere 
icartant. que riir. nion tms eher frera tiwidra hon, siii)p<wc 
|u'<»u Jui propose cet eelmuge, et qu*U n'aura garde. d'v 
l«imer les tnain^, taut que S. M. T. C. et vous. rnoiwieur, 
erez d'un sentiment contraire anssl bien que mtn. piiisqn'il 
inooitra u lu fin, que uous ue purlom que puur soii avan- 
Bl et pour celiii des princes mes neveux. 

Enfin je met.* tonte mn confiance en vovis aussi bien 
IM ces jeuiiejt princefl, <\m reconnciitront par la siiite lea 
ibügatioiut, dunt il» vous semtit redevable.^, si jumai-s la for- 
■De, ou pour mieiix dire, )a divirie pnjvideiu'e voiiloit reparer 
||mulbetin< et les dis^races. qu'iL< ont essiive^i: Jns(.|U*ici. 
L -Je joiiia ici la trjiductäon de la hmgue lettre, que j'ay 
■e a ce sujet ä mr. l'clecteiir, mon tr^ clier fröre, et 
[Wttqu'il mc marqne, qu'il n'est pas neccssairc de consiilter 
u tbiolu^'ien», m jurispcrites lä dessiis, puistpril iie ä'ujiirit 
'ncore de rien, je ne iaisÄeray \ms de faire travailler d'habües 
[W» ßur cette matiere pour eu cas de iiecessite avoir leur 

rtont pret ä oppowr ä oehii des ses maiivais conseillors. 
Je vi>iw prie tre» instamntent de vonloir bien j^arder uii 
'Otier Beeret sur bout ceci: car si jainaü la chose venait ä 
IfConnaissance de mr. nion tres eher l'rere, cela xutllroit, 
lai irspirer une haine irreconciliable eoiitre moi. On 
oit en Franee ses interets heaucoup mieux, que lui 
n^Rte, quand on tui eonseilla en 1708, de percer daiis !a 
wriere a la tete de (|uaire viiigt niille houiuies, au lieu que 
iaris contraire de »es flatteurs on des f^ens petit-etre 
11 s'arousa du cote dn la Mu'ielle, ce qui attira le 
nct! Eugene eu ces quartier» et est eause en itartie de 
Bt« lea perti«, «pi'on y a faites du depui-«. 

Je vou» reciiiuiuaiide encore k« prüices, lues neveux, 




388 Sitzung der hiitor. Ctasie vom 3. Juni i883, 

qiti n'ont jtoint tl'ftutre iip|«ii <\\}t* inoi daxis imn conjonclare 
auf*i dt^liciiU.* poiir t'ux, ijiie feile-*'.!, et je vuii>i recoininMnde 
en meine t«iii|)s la gloire de leur pere et J'avantage de min 
TUfli.s'fn, et ne doutjint. \tns, qne toiis ne ine seconflim »le 
ttmt vntre |KHivoir ii eniperher le prejiidice, (pie de^ nifrB> 
ebloin^santes i\ l'abord. iiiaih \tß\x reelles daiis l'effet jioumiirtit 
leur faire par la siiite, je rlemeiire avec tous les seiitinHia 
d'estime ei de reconnnissauce, qiie je dols, raonsieiir, ete, fk 

iKoncopt.) 



Nr. 6. 
Memoire. 

S. A. K. de Cologne uvant vn par le 18. article du 
fcraite de paix «yinelu a Rastatt, iju'cm y a insere ces propivs 
mots: Si la maifion de Bariere apres son retnblU- 
sement total trimve, qn'il liti eniivieniie de fHire 
quelques ülian{jfemeut,s de ses etutw cuutre d'aiilr«. 
fia majest^ tren chretieune ne »'y opposerB p*>- 
Klle ne dmite pivint, que inonseigneur l'electfnr son trea chi^ 
irere n'ait en de puissantes raison» pour cimr*eiitir, que «' 
article iÜt dreKse de cette maulere , scachant le zele et !«*■ 
taclieiuent, qu'il a tonjours eu pour tout ce. qoi regarde 1» 
veritaliles int-erets et. ra^^randissenient de sa st-reniiaiw* 
maisou. qui a ete rle Unit teiujw i*ün tiiiique objet et a q""' 
il truvaille depuis plus de 22 ans avec toute l'applicatioti 
iruiiy^nable, Klle est entiHrement persuadee. qu*il continnc« 
toiijours dans de si limable» sentinious. Mais cuiume tf^ 
pareiile renwmtre on ne syauroit etre trop attentif ä ce. qö 
I>eut le plus coiitribuer & cette fin, Ö. A. S. E. prend I* 
liUn'te de reiniHitrer ä inoiLseigueur Telecteur de Baviere, »" 
trt'S chfT irere, les trois [loiiitä sniratits, afin qu'U se «">' 
tirrae d'aiitant plus daiis la ferine resulutidu de ne coiMtfff 



Emitt: Das PnjeJU einer Abtretung Bayerns an Oeiterreieh. •^89 

& nen, (\m piiis^e ap|K>rter le moindre prejudice tunt ä lui, 
<|Ua aes succeHrieiira. 

Premierement, on doit considerer le domraage irrt'- 
■|Bk, ((iii rei^iulterüit ä la inui>ton 4tliM;ti)rale Ha Bavicre, 81 
^«OTiembniii lu moindre partie des terrtw de sa dept-uduiice. 
SftOQdeiuent le desnvantiige , qiie rempire et lu religiou 
catholiqnf^ en recevroient. Et troisiemcment cehii, qiij 
Ol revlendroit meme h la France, laquelle n Jusiju'h pivseiit 
ai>puye si fnrt«ment les lihertez et la con-serviitiim lie Tun et 
»le l'Hutre. 

Quaat & ce premitr iirticle , il est couataiit et e'etJt 
nn« chose, doiit lout le uionde convieiidra, que le veritable 
ioleret de cette muison est, fnie la Baviere demeure daiw sou 
«Dtier et qii'elle Ronge pliitöb u s*ag^randir eii Alleniagne, 
40"» s'y artbihlir en aucune maniere, que ee puüsse etre, suit 
i|it.' U niaison d'Autrirhc vieiiiif ä iimnquer, <hi n«n, pai>:e- 
1«'il e?fc ttpparent et presque indubitable, qne cette maison 
p'wtorule de Baviere parvieiidra ti^t »u lard k la i;oiironne 
""iHTialc: car « la inaisoti d'Äutricbe vient ü s'eteintlre, 
lautt d'heretiei^ male«, cette meme conronne ne pent tomber 
«QT d'autre tete , que »ur celle d'uii electeur de Baviere, n'y 
*vant dans tout Peuipire ancime autre üiaison catholi(|ue, tjui 
*>it iwsez piiissaiit«*. pour |Hmvoir suntenir, coniine il taut, le 
t*>Hls d^tine »i huiit^ di^uitt'. Si aii ronlraire la inaisun d'Au- 
Intlie se aoutient niKore long temps par la naissaiict* de 
<|ii(>lques priiiees, il snmble, qiie pour le bieii coiutunn il 
'Wi>it de l'intenH de txmt reiiipire. de cbercher Ips moyeiis 
fl'iotcrronipre do teiiia en tenia le loiig coura de la courrmne 
'öii'triiile duDb tett4? inaison , de craiiite^ qu'a la (iu nii ne 
Vtniiit il l'y rt^ndre hereditaire, et de pri'ndrt' de jiwtes ine- 
•Ottd, |K)ur que la diguite imperiale soit toiiJourK eleetive, 
ttmune eile le doit etre. 

Arrivant donc le cas , que pour l'interet de tu\m le.- 
■^ftteura. priuces et etat« de l'emiiire 011 trouvät ä |)ro}ioä, 



390 



SiUwtff der hintor. Viasse ^H)m 2. Juni 18S3. 



comiiH' nn vipnt de dirc, He trtiro pius-^cr Ic soeptre inipr-i 
de la niiiison d'Aiitriche en celle He Kaviere, comment relle-i\ 
se trouvant oifoibH« par qup|({ue demeuibreinent de s«» etatt,; 
jiourroit-elle se sout^nir contro TautTp , lK4iiielle ne niamjne- 
roit pj*s rie 1h jiii dispntt^r tie t<iiit«s sest l'orces? II est vnu, 
tjue li* moiiidre tlememhrenient Je la Kaviere feroit Tin lort 
irrepnrnble aux princes d« oette maison^ que quand inenc 
eile pdutTiiifc avnir toiw les Pnis-hiw Rspafi^ols en e<'haDße 
du peil de terruiu, i|u"i;Ue occupe de Pautre cot** du Dann!* 
et de rinn, il liii »eroit plus avantageiix de con.server ce pn 
de terraiii, que d'accepter a cette conditi<in lep PaTs-bas dws 
l'etjit, oü ils sont a present. Ciimme le roi de Fran«, 1« 
roi de Prtisse et les etats jjeneraux en ]K)ssedent udc bonae 
partie, et que uieme TAngleterre en denmnde quelque jKir- 
tinn, ('.(innue (>st«nde on quelqne aiitre place niariiime. k 
Teste ue fleroit pa« siiffisant poiir faire subsi>iter le princc, 
qni rniiroit en soiiverainete avec tont*» la splendeur et twi* 
I'eclat, qui conviendroit ti .h(hi rang, et ü ne |>onrn)it D'iB 
plus poiirvoir tout«a ses forteresaes den muuitionä de guen* 
et de bouche necessaire. ni entretenir les troiipes. qu'il fni- 
droit. prmr les deffendre en cas d'attaqne. «ans nn sKovin 
etranger, de sortc que ce prinee, s'il vouloit tirer t<>ut eela 
de lu Buviere, la ruineroit entierement. 

Pimr veuir k la deuxieme raison, s^avoir. que leile- 
menibrement de la fiaviere seroit egalement jirejudiciable h 
I'empire et a la religion catholique, personne n'ignnn». \\^* 
\v^ protestans se reudent tous les jniir» plus pnissiuiä et pl°^ 
redimtabh^s en Allemai^ie et que les catbuHques au contnu> 
s'v affoiblifsent de plus en plus. II n'.v n pre«ent<?ment ii»? 
deiix lUHisons catlioiiques, (jui y seroient ennsideral»!^ «i- 
puiHsance et en forc;e8, celle d'Autriche et e«lle de Bunei*- 
Oll ne [»arle pjn'nt iei de la uiuison electorale Palatine H ^* 
Celle de Bade, doüt la premiere est >;ur m. tletiideiiw, f' 
l'autre n'est rien en comparainon des deux nmisonü , doot i' 



d 



Hrüfti: 1)0* Projekt «Wr Ahtretuntf Bof/erm an Oenterreich. Jt91 



» 



e*4 question. Or si la niaL^oii d'AutricIie v«noit & mau(iiier 

•^ ijiie c«Ile de Havicre ^e trr>iivHt trop iiifoiblie cn Alle- 

mii^ne ^wr de« demenibremeiits, qui «eroit en etat d'y soii- 

U-nir li» religidn? Seroit-ce las electeurs et prim-es eiclesi- 

UHtiqneH? Bieti loiii qu'iU piiU.seut le faire, les prntestans 

W Hccableroient et s'empareroient facileinent de lous leurs 

\a\H, (Miiir s'y en^niisser et Inire t.(Hnl)er In cniinmiiH imperiiile 

'inr la tet« de qiielqu'iin di* leur ooimiiuiiiim. Coinineiit les 

jirincoji j>roteHtaiiH se st>nt-ils si fort ugj^r.mdis? Cest ett' par 

1r ImÜx de Westplmlie, im ctri u ett? ulilige de leiir eetlcr 

tant (rarthevi^cbez , J'eveeliez et d'autres beuetice» ecLlefi- 

iL-t»|tiC!;, qii'ils onb acqiiis et secuIariscÄ et qui les rendent 

Bujuurd'hui si puitbianü et si farmidables. L'anthev^che de 

Cttlopie courroit grand ris<.|iie. cela etant d'etre eii^louti par 

U niuisoii de Drandeboiirg, ä qui les dtichez de JuUers et de 

Beiy (loirent un juur appiirteiiir. 

L'archeveche de Maienee avec les echevez de Bamberg 
«t de Wirtzlwurg pourroit tumber au pouvoir de celle de 
''»Uf. Üeliii ile Treves sernit aiseinetit eiivalii par la muison 
w Hesse. Les evechez de Hildeshetci , d'Osnabruc et de 
raderborii par celle d'Hiiniinver , et le.s etats «^eiiermix des 
proriiices iiiiies profiteroient de l'üccaalou, pour a'einparer 
()« eröchez de Liege et de Muaster, qui äout ai fort ä leur 
tfletueance. 

Ä.pre8 ceU , qiic pourroieiit fain? l'urcbeveque dv. Öaltz- 
'wiirg, tes eveiiues de Friniiigue, de Kjitiöboaiie, de PafMau 
rt Itt aiitres? Us ne pourroieut jamais emi)echer , qu'im 
priiice proteHttukt ne «c fit t-iupereur et ue tachät d'atfoiblir 
'**• l>riiicej* catliuliques par rasüistame de ceux» qui proCe-^seut 
1^ (li^ines ile Ualviu et de Luther, le^quelH ne aiaiiqtienjieni 
P«* de Ini founiir iioiir l'execiitinii de ar>ii deMsein, des hnm- 
■w» et de r argen t , atiri de hunnir entierement nntre wainte 
'^ugioa d'AUeiuague, ainsi ipi'ulb; Test aujuurd'bui de tuute 
•• (Cntnde Uretagne. 



392 



Sitevng äer hixtar. Classe com 2. Juni 1883. 



C'e*t, sur (juoi pour venir « la troisicinc raison, 
on \i piirlt^ ci-iles»U!<, 1» France <)nit pareillKnient soiiger d^ 
ä pre«ent a ee, qui pourroit arriver en cas« que les prerniere 
piii«4anrea (rAI)»*nia(rne j^onvenws j>ap on i'hef Protestant «* 
(leclaratwent iiii ynir ountre k* |«;fcit rest« des prinee« eccltäi* 
astiqiies et autres oatboliqu&s. Cuniment 8a Majestr Träi 
Uhretieniie jwurroit eile les tirer du dernier daii^^r : eile i|fii 
doit aji prellender, ijn'alnrs lea premieres ne -^uscitasseiit daii-^ 
son rovaume les reli^junaires catliez ou convertüt en appa- 
retice, qui couvent toujours quelque iiiauvais dessein et entrr- 
tioiiuent im t'eii, d'aiitant plu» dangereiix, <iq'Ü »eiobleetfltit 
sous )a cendre V 

SuppoH^ donc, qu^uii jour \cä protestaii.s eu.<«ent U 
8ii])erinrite en Alleniagne et que fiHijointenieiit avec le« aiitm 
puiKsances de leiir cuinmiiiiion i\s vouliisseiit par les rAvp- 
onniiires siisoiter des troublea en France: quelle piiisünt» 
dan» touie TEurope seroit alors eu etat de soutenir In reli- 
gion catholi(|ueV II n'y auroit que Tltalie et rii*pa^e. ([Oi 
le devroiniit l'aire : niai.s it'est uiu' rhose claire et un« vcntf 
conuue, (jue ce Qe ijourroit etre avec as*ez de forceB,' ptmr y 
renssir avec tont le succes necessaire. ün laiase ii S. A. E- 
de Üaviere ä faire «es reflexions lä-dossas, et Ton -se pt'Kowiei 
que par rtes grande« luinieres et par le zele, qo'il a toiüo»'^ 
eu pour sa gloire particuliere et pour l'uvantage de U rtli' 
gion, de Ih liberte de IVmpire et de sa luiäson , il preadi» 
de lui meme le parti le plus convenabte ä l'un et u raotre: 
d'autant plus que ae» remontraitce:« ne partent que d'<i> 
u<»cur desinteretwe et iuviulablement .ittacbe par devoir et ptf 
incliiintiirt) it toa-» aes iut-eret-. On ajoute ä tout oe, ^^ 
deDNiiA, qii'un de plun forts argimiens, dont les etub^ gentfnus 
se servoient pour s'oppiwer ä ce , qiie Mnnseigneur IVleciwr 
de Baviere ne derueurä pas sotiveraiti de tou« les Paii-l** 
KspagnoU, e«t, qu'il y t'alb>it un prince, qui füt aexes; pnissBO* 
pour le» deiendre et les preserver coiitre les eutreprisea« 1" 



Beigtl: Das Projekt einer Äblretat^g Bayerm aa Oesterreich. 393 

iwurroient faire contre eux les piiiri8niu*(.>s voisines, et c'ftst 
ysis cett»* miiiiue raiwm . qu'ils nut in.sisU' , i|ue i'.e& mömoä 
l'iiTs-biis re8tAs(s<-iit tuujoiirH ä la iiii{b«un d'Autriche, qui est 
plus en t^tnt. dii(?iit-ils, de Ifs niiiiutenir, pour servir ph t4>ut 
»tcDis de barriere ü ]f'iir>j jirovince«. 

On i»eut repyiidre ii t*t'!a, ijui,' \v niuriu^c du prince 

ItWtoral de Kaviere avec rarcliiduches*? raiictmiodennl Uitittöt 

et mettroit su raaison daiis iin plns grand Iu.stre qm* 

ftis. (In pn deineure d'aecortl : niais cettp priiK-eÄse pdur- 

rfiit iiicmrir. ri'injjHrpur pourniit avoir de.s enfans, (4 las 

I arrhidiicheHseH poiinoient se niarier h des princes asaez ani- 

liitieux p»jur s'(jp|K»H4^r li muh aj^j^randissoniPiit et ronipre toiites 

It« iiieöures, iju"oii aiiroit prisi\s. 

D'ailleiirs qu'oii reji^anle lu .Situation de la Baviere et 

will' des PaVs-l)««. ha fiaviere n'a poiut h craindre \os cala- 

I DiiUfÄ de la gn^rre et est presqun a>?seuree de jtiuir en tont 

Itemps de« agrcubles dom^eiirs de la paix. Les IVis-bjis au 

|OODtraire »ut toujour« ete la thcutrt* de la giierre et mtut 

lenvirronez de t»iiiie» parts des plus forniidables puissancea de 

lKtm>pe. tpii venant ä sVntrpf-li(if|iii'r pdiirroierit les ocraser 

atJ niilieii. 

Ontre pliw s'il a'agi'woit de faire eet echange et de ceder 

^ Bavicre, qiii fiit le part(^ce et Tappanf^^e de Louis de 

Bavi«!rf , e lief de !a brauche tinillelmine, il faudroit, pfuir 

™ro valwir cettt eesaiou , t\\iv ti?ii8 ueux de la brauche Uo- 

"'"llihiue, (|in est Ttiinee, y iutervinssent et y duniiassent leur 

'■'•nsHntement , de snrte que iioii seiilement apres i:ehii de 

M<tii>(eijfii(Mir l'elecUMir de Baviore il faudroit avüir le eim- 

[*nteriieiit de toua los priiiees ses tijs, de S. A. S. E. de 

■Mtlüjfne et de la iniiisr»n de \V artein berg, parvii tinik cetto 

■•nititW Gnillelminp, iiiais encort ceUii de la brauche Rit- 

[''"IpliirK', c'estt ü dire de tonte la maisoii ralatiae, jiwqutiS 

f^i conites de Lewenstein , qni mii sDiit les demiers , man 



394 



SUenng der histnr. CIosm com 3. Juni 18S3. 



qtioi il y anroit tonjoura des retoiirs. qui empecberoient l'effflt 
de cet echange et qui le reudroient peut-etrc uiü. 

On De doute piia, i^iie S. A. E. de Baviere n'ait dcjk 
fait !fts inemes reflexions, et l'on est oiititireuieiit peiMiadi*, 
que n'envisagpant qiie sa propre gloire, le bien de ta reli- 
gion et Tavantage He toiibc sa postcrite il pi-cferera ü rat» 
des »mKeqiiences sa putrit* et ce qn'il tient de ses aiicetres i 
toiit ce, qu'on lui iwurroit iifl'rir ailleiirä, quelqiie uviuiUKrax 
quMI put r-tre. Cela n'empechera pas, qiie |>ar sa pmclcii« 
et sa peuetratiuii il ne trouve de^iuiiYeris bten plti>^ efficaca. 
qne cet eebange, d'a<{gruudir et d'ilhiätrer encorc jiliiä ^ 
maitjou, ^aim rien qiiittcr de sou aucien putrimoiiie. puüi|u'il 
est hora de deute, qne ni le tnartt^e en questiou s'occomplH. 
on nvt ilouncra p:L< PiircbiibiL-hesse au priiiee eleetoral süii lils. 
saus y joiixlre pniir dot quelques paTs coiisiderables eu s^u- 
verainete, qui lui df>nnen»nt les moyens, de parvenir nvec Iü 
teiiips et \iv ^raee de Dien au faite des gmndeurs. 

«Abacfarift.) 



Vir, 7, 



Je siii« bien iachä, qne rogtre lettre du 28. de cet iii'<i^ 
n'est pay arrivee ä temps devaiit que j*ay cuvoyc ma ilemii'ff 
reponse ii moiisr. Telecteur luon fcres eher frer, car je l'nnn* 
t'ail tont »ur uii uutre pied sur ra««uraiice, que Tutu m« 
doime» , moit-iieur. que cette Convention ne pourra aW'* 
aucune preimüce ä la maiwirt rie Baviere. Je nie tie enti«f 
uient, tnoiisieur, uuiiuit a voiu* (puist]iie je Huppoise, que TW* 
saves ta deft»u plwi que nioy), que je me deffie entiereDieit 
de incm frer et de touttes se« praniesae? et parulles. «utwt 
que de sew ustentatinns ne nriinpowe plus jjuerre, apjnntf 
avoir passe par tenqMi de fait eoutraire ä bi Ikhiuc foy. J« 
voua ennuyray, nttinsieur, de voua citter tonta les exem|il<** 



itl: Diiit Projekt einer Afitretung Sat/ems nn Oest erreich. 1^05. 



fjni la dfssii» nie nont arrivee. ayiiMi prmr nc jias almser de 
viistre putjciiutf, je ne citteray, 4»e les denx derniers ile ('om- 
piejfu(» de ranriec 1711 et celliii de Vnlenciennes 1712, ou 
voiw voyrai« ustM*?. cliiinTncnt, tin'entre le dire et le faire cet 
princ^ inefcte une gnitide ditfemnce, ü Compiej^ne ne ni'&t ü 
|KLs nssiiri' (mesint? iiVfc le pliij* terrible scriueiit). ijuejaniais 
il m'octn>yerait nn cfmdjntcur dan« le temp niesnie, qne liiy 
tnrtimc me üset hurs dn tniiti's iillnrs k fuirc ci-ttc iirtirle 
dvjft cacht' juvüb ü sijfiuT ert escrit de La üiain prupre du 
liwfou Miilkiiecrht, oes (|uh je pfux faire voyre ä toutte hoiire, 
ft^t t'iiriKinal enfennee dans mon bourreaux. Kn, second 
li«ix vijns n'anrab* pas oliliw, nionsinur, ^nrii^i' plus u la 
posterite, ny ä la veiinir. .]f nw fait u-y advi>eiit des •'» princes 
innwvntes, qui ne save peut-ostiv pn» li^un* iijalhenr. Je les 
»Wßdrtnne h V(wtre pr<ifet;ction , apiiruis celle df? Dien et du 
"•y. i«t <niand ä niny, je ne pantistrai plus sur la scaine, me 
r^'idant justice -^ur inoii iinjftiissanee^ luesnie je regrette iii- 
fiiiimfiit d'ttvoir deja dit autant, et c:cla lufruclueusement. 
L« mnllieiir a voullii, (jue iiia lettre \ny eätaiit rendii daiis 
"1 t4^mps, Oll 11 ejftet de niaiivais houmeiir. Je ertpye, ijue 
'» (fcrniere n'aurat pas im nieiillieur sorte, raais sojrt, comp 
'I »yte, les 1 nilsmiH allej^iie dans nion inennMr ni'nnt ohligeH 
•"i ponstienee, de parier de la -stjrte, iit cella estet ueuessaire, 
^' pürier preraatureinent , fwur ne parier troj» tarde. J'en 
*y c^msultee la de«.-n de geiis kres eclairee. et ils »ronfc 
'ti'^e press»', de ne pa.-* tarder de jiarler, j'en ay rcseii des 
'*ttrw de Kaviere sur cei iiiesiiie sniijette, [lar on an ne 
*'uiroit a>wai8 depaindre la constemation , cjne cet articie at 
^tts^; on nie niande de St. Cloiid la iiiesme chose et en 
**nie tem]w, ijue moib^r. releuteur uiou tres eher frer at 
**lar^, qu'il escrivet ä la princesse sa fille, tju'il envoyerat 
'' ■^■'fment aon arcliitect« en Üaviere, poiir achever sea ba- 
■'-iiw.'atd devaiil snn urrivett, et par la proiiver au penple, 
H^'A ne Riougo k rieu moins, que d'abanduiuier la Bavieru. 
itö>». PbiloH.-philol. hiBt. Cl. 3.| 26 



396 



SitzHnij tier hutor. Oasne ro»» 2. Juni J883. 



Tout ce\& ne me rassurerat cejM?ndant pas sans voa nssurancHs 
monsieur , car iiioii frere ut fuit en bien des lieux jn^^w 
nie»nic h St. Cloud des ce (jue je vtms ay dit runuee paM 
!i vfnis niesiiie k l'aris. lorsqut' vous tivies eii rhoiieste, d»* 
Ulf vennir voyre [Ktur nie »Üre ndic« devant nion depart, M 
siijettc de la negotiatiün cntiiint- et ea miitt« desavoi»^ arec- 
tpu' Ift iiiauMni d'Autriche, dimt je Uenne lea pte^Ms jiL<4titi- 
catives eiitre mea niains poiir pouvoir prouvcr, et I'un li 
Pautre par la projirc main de in<inftr. mon tVfr. ce *|ue cf 
{leiidant' je ne voudmi jamai» faire, ne votilnnt en JW justi- 
liaiit Tacciiser. Kt si je n'iwe nne aiiütie siuts rfwTVf ffr» 
von», nionsieur, je ne diruis i*as autAiit: c'est dotic dans cW 
niesine amitie, qiie je von.s parle a coeur onvert«, es|wraiit< 
cpie vons ifabimerais pa.s de ma plain confiance. Voiw ip 
troiivenii« Jone entränge, que j'ay (W'rit d<s U'ttrw* im ["ii 
fortes a nuui dit eher frer , lyquell j'ayiue (nialjcre loul * 
nmuvaise foyx) , comnie on doyt ayrner nn firer, et je »u* 
haitorai , (|u'il a^irait uvecqiie nitty avt'pqn«» antant (K' an* 
cerite, que j'avay ttmjtjur eii jiour liiy. Mai» e'tvtet bifD 
mal nie recoTnpanser et peraoD n^entet plus sa dopiie qw 
nioy, ce pour qm>y je. suis pardonablc, lorsque je ne ctny* 
pliid rieii, lioniiis ce qiir Je voye par les etl'etä, et je |»" 
bien nrappliquyr le dictum d'un poete : „Quo txawl tfl 
laeHiiA fallad piscis ab amo, nuinibiifl unca cibis aera sid«^ 
piitat.*) li'iirtiilf 18 de Kastiitt parle la d^ssiis jHiur inwy, 
les jiarolle.s ,(diangements de ses i';iiiLts contre d'aiitrwi' eto 
ftont rlairenient, il couehee, je me suis tonuu au aeiis littrt*« 
uynsi nies jiist*?s altaniies n't^tet pas jnal fondee. IJ est ms, 
qn'an eroire de la lettre de lumiär. IVli-cteur j'auray ile" ^ 
trancpnlliser siir la promesäe, qu'il me donne, de ne f'"'* 
rien sana mes conseillea. niais, uioiLsieur, lor»[ue |)eiit «^ 
it deirandera nioii cimseille, je ne iMiiirrai pIns iloun** ** 

•> Ovid, Met. 



Heiijf.l: DoJt Projekt ein^ 



>ftt^enu< All (kntfrreich. 



011 memoire respniisive au mienne de<K!onvre trop clairement, 
'"(ju'il crxtvt !e droit du plus fort le pliiK Ii*j^t.inie, aviisi mes 
couseilleA u, donner coiitre ceä tnm idiefs des nimsoiiä stintll 
uue treä foible ri>8<)urce. Je coiuiui nioii houie et je acay »ea 
nwes. TI hosarde nn pntjet, s'il reiissit. ii In luinheiir, mais 
3'il voye, t|iril iie )K»ut rcussire, t] le desjiV(Hie, les bmu^leries, 
Hu'U nt ea« et qu'il at luesine encore avectpie niessieurs voa 
nmrchaux de France, <ie- V'illeroy et VilUrv, en sont. des 
Uroiive« assais cmvainipinnbi-N. Ne vons voun S4:nnilaliseü jia**, 
moii-sieiir, qiie je parle aynsi d'uri hoiiinie de mori sang, jVu 
tty iiynrd im veritabl eonlusion, mai» ce n'edt nuUemeut le 
trahir, que de dire ses foyhlesses, pni-sqiie on ne le fait tl'uii 
antxe vene, (pie de le jfiierrir, trt wniuiie en moy je iie 
tntuve paA les remedes pmjH>rti»nneM, je iii'uttnHsse a voua, 
ninusieur, coinnie uu veritubl iiiedicaiii, i-ur vimi.s seiil pur Jii 
liiii]k^e experience, que vous aves dnu.s tes aH"aire.s, et par la 
i;^Hiido e.(mfianee , (jue le roy at en vi«tre nieritte par va« 
betleK niuunieT«» insinnuntes, Tons le sanraiK pn'äprver du 
pr(*cipiee, ]t:ir U quelle pur im aveu^le aiiihition tl 8^ ]do)i- 
y;eri>it iudubiialiU'iiieiit, wi ou ii"y preml biea ^^arde, le titre 
du roy et du soiirerain le chatulle baut dans \fH uureilles, 
qu^il ne biustiiiietits , tni certiüneiiieiit. il ne niMiptj' |hls d'y 
denieiirer. Je cniin^ plus ce-^ üsteutatiims exterleurs , ipie 
tont le reste, car ordinairement, quand nu fait ce« »orte* de 

toees, il y at de ta meche lache ä Ja minne, et ma lon^e 
perience inVn at doiine a-tsais de i)reuve. Au reste je 
vouH reiiiHfcie, inojiKieiir, des iHudi^es, (pn* voiim aves eu pour 

^oy ftti Houjette de mes affaires de W/une, oella m'nbli^^e 
utant plii>; ü plus pnrfnit reennmiissunee, avecque la tpielle 
r||^ sais wuw cella vhuh eutierement devoue, efltunt avecque 

rainitie et uu e^nie ]mrtait, nioiiMieur etc. 
Je VOUH demaiide pardoune de um uiaiivaiHC esfriture et 
mnti «Hlle allemande, umi.-*» ninnsieiir^ je suis depuis hier 
icy ii la efluipuguü, et nion ^«H^retuir ]re>4t pas, de peur doiic^ 



3Ö8 



SiUung der hUtor. Classe iwm 3. Juni 1883. 



Sr. 8, 

Iji*'!)*^ Hieber, <lii.s V«'rt,niMon, so ich in Euch hal>f- 
madit mich Eueli (liest* Zeilen schrei bt^ri, (U-r Hoiriiimg lelifiil- 
ihr wenlet es in der schuldigen Vernchwiei^enheit hiiltaii 
luid weilen ich in Kiich ein wahr*^ lintic niid treue ork<?n»''i 
so ihr vor Kuhmi ^uedi^ten Hfrru «t^iner LieUlttii den l-I»"^ 
i'riiuen htihct, lUa glaube ich, ihr werdet uiü^dcn niit j?"^'^ 



de manqner la poste , je suis oblijjn , d'escrir nioy mesme- 
.)« partiray appraiit demaia pour Lylle, ou cet bou villi? 
soiihait, de me voyre encore devaut de qnttter cet pays 
et mesme il me demande, qiie j'y eatabllBw» nristre oonfrerie 
de Kt. Michel pour leurs luisscr nn sonvonir de inoy. J'y 
compte, d'y re.st«fr lO ou 12 jours. J'esper aiwsi, manf^ieiir. 
que TODS chtircherais d'appuiser mon frer alors, qu'il «öt 
fiUich^ oinfcrc mtn% ft que v^ins f^urdfrais un inviolublc sw'rel I 
sur cc que Je vouw luaude. Eu vouluut feriner nia lettre, il* 
mea geus ui'arrive icy de Namur et me dise, i^ue i>our per- 
»uader ä ces peaples, que nionsr. Teiectenr doyt reHter «n 
cet pays, on fait snr la direction de inarquis de ßoyi^n 
l'rapper un gmsMi» siuimm d'iirt^eiit au coiiig des uruH'>{ tle 
iwtiveruin des Pays hasse, et on fait faire uu fiüssttille avfc 
leti niewnip-'i armeK ponr nionsr. I'f'lectpur niesine. On diHfNep 
deja des jfouvemementfi , cclluy de Luxcnbourg au marcliBl 
d*Arco, celluy de Mons au comte Seefeld, cellny de \annir 
au nianjuis de MüHuy et celluy de Bnixellett au prince (I^ 
IV-rgens, Vous viiye« donc pur la, ninnsienr, qn'on s'efforrp 
egallenient, a faire croyre au l'ay^ Basse et ä la HaTict*. 
qu'on veut eetre ä eux, un de deux cependant iwrai lu ilupp, 
vous dLsceruüiä mieux, nion-sieur, que inoy, qu'il Herat de ilt'uic. 

Kaiinux le :^0. d'Avrilie ITU. 
An tiianiuiM de Torcjr. 

(Riftenhilndifr f^Jidmcbenes Koacept.) 



^eij^l: Dax Pntjebt tiner Abtretititff Baf/rrnf tw Oesterreidi. 399 



triegeiiheit ihiue beybringeii, da» icli ^Kitr zu woll merirke, 
Ims nmn iu Baym vor mir jaloiix imt, iIilh ich mit gcni(*lfc 
.-«•iiier hiclHlen den ITemi (Ihiir-IViiix(Mi nk jjiiU. IVcitiill liiti 
und so TuU?riich sdjreib*!, dun aj vtUl briul" in dius MiinrliTicr 

Baquet TotL t^einer Liebden den Herrn Cluir-lVin/.en ahn 
mich koiiiL'ii , fio vüll wi-rden eiiitwedcrj* j^nr vei'lt»hrt*n <ii!er 
*i*ftK*^brochcner mir ziiej^eschickhct under dt-ni \'urwiiiidL: 
seye in der Iberschrifft j;:ef"iillet wonh'ii. Ich habe g«- 
it'lt Nfiner Licbdeo und dem HiT/xig Furdiuimt gcschribH» 
und beiden gmlulirt zw deren GeburtsUg, vom Herzog Fer- 
dni:uit habe ieli under datt» Wien den Vi. August ciu eigen- 
hendigra antwortrtchreiben bekomen» aber offener, vom Cbur- 
IMnzen gar uicliLs, dise« nimdit miib allsii gbuibi'ii , der 
phur-lViriz habe mir idierhandt isaeheii geschriben, die nmn 
ir nirbt will wissen lassen, dan das ich in des Chnr-1'rinzen 
Ohngnadt lelwn wdlte, fallet mir nicht ein, indeme ich ihne 
allzu gen'cht könne, unib das sidcher mich rtfdlti' itlno ohn- 
»erdienter beMtraÖeu. Indessen dixdi lein; ich nwpiiet, indenie 

b woll hier iu dert) ahuweKeiiheit, al» auch nochmahUt durch 
iiff^ers .schreiben seine Liebden iusHindipit ersuchet habe, 
mich diK-h in Heijier Kayäcrtichen MayestjiL'i Gnaden /u sezen, 
da« der Kuyser d<K^h uiögu ollciitlieh wcia-n , diia er mich 
suut«niere, dau sioiixi meine Feinde hier iu disen lauden mir 
meine rf-^ernng iillzu äcbwebr machen Urnen, das vusi dar- 
vtm laufTeii solle, und auft' ein so wichtige sach so habp ich 
keinen buchstalw» von seiner Liebden dem Chur-Prinzen be- 
komen, weicht?» mich glauben machet, Kr habe midi ganz 
vergessen, da doch dis&s vor mich dus t'atali.stc von der weit 
ist, MQ es deme allso werc. Krsuche ulls*) ICuch, ziehet mich 
aus der Inquietude, in der ich lebe, ob dan der Cliur-Priiiz 
ciutweders meiner gnntz vergessen o<ler, 30 Gott verhietten 
wolle , mich nicht mehr leiden kann. Ich indessen werde 
nicht mehr schreiben, ee de.'^sen cclairirt bin. Ich ksn zwahr 
woll mir einbilden , woher das Misstrauen abnseittcn Chur 



m 



■\m 



SiUung da- hüitor. dnast «hti 2. Jum 1883. 



Bayni wid«r uiieli kouiet, ich merckhe den lieclen »chon lauj; 
ÜKiMi , uiiiu lorchtet, ich werde dem Chiir-Prinzt*ii solelii' 
sentiment eitisiiciben, das ■roldier iiluierniehr wirdt coiiseutieni 
in einen taii-st;!] mit Hayni gegen 2 Königreich als Neapel 
xmA Sioilien , allein ciii^rahl» isb mir nicht pang, dan rou 
seiner Liebden eignt-n Veniiinffl gewertig bin, ilas Ayti eiu 
Kichere.»* giittes landt. so flu« Kin/ige pure ChutoH^Jche ist in 
gHUz ToitsLthlandt, gleich Rayrhuidt, umb solche Künij^'ioh 
nicht vertitiiaclien wollen , WL^Iche in 21 standen (wie mtui» 
izu :>iht mit SicilifM) wekliHttlinappen mun kan und heniach 
niit dem Himlein indl' dL'ui iMnkni siezet zwischen 2 ittnelleu. 
Die Wichtigkeit di>ier sach \rflnit Kuch von Euch »'llirtt alle 
Prt'Oiintion Mhrnlictini , das es nicht auskörne, diw ich Euch 
dise Mideri giwehriben. Ich mlsi-ht«; mich sicher nicht auch 
darein, so nicht des nhralten Chnr Bayrischen staminem glori 
mit interesdrt were, welche /.u sehniahleni zu wehen lieber 
den Todt, als. solches nussstehen wnlte. Welches alles Euch 
in griisst+Hi g(dieinib gesagt seye. und iberlasse ich sololies 
Kurer dexteritet , wie ihr wcdj Eur Tempo nemeu niögct. 
seine Liebden den Herrn Cliur-l*riu/,en davon allein zu rwleii, 
welches ihr aber gur nicht thucn nne*iM.'t. -^o ihr nicht von 
rler verschwigenheit seiner LieiMlen versichert leben kÜnnet 
Wan alLso der Chur-Pnuz mir .sicher sehreiben wüll, kiui 
solcher seine briefl' meinem residenten, so sich Zininu>nn;uin 
nennet, in Wien geben, ohne das .'*olche.s Über München geh**, 
dan iber Mfinchen alle brieff geett'net werden , womit ich 
Euch aller gnaden venichere 

Joseph Clement, Churfiirst. 

K(inn, 2;|. Auguet I71Ö, 
An (Ion PoststtiUmciater 
Kranz von Hieber. 

fKiffenhändiK vom Kurttb^ten j^e^thrieben-l 




Terr Maurer legte vor: 

, Der Kl if<nl>eth von Scliftna ii Vi»ion«n 
Dttcii einer islän d t.sch eii t^ueUe." 

Die Viaioneu der Eü»ubuth von 8c)iöimu sind bekuuiil 
Kfiiug; Hoi« aber von denselben schon ziemlich frflhzeitig 
bis imfh I-Iand die Kunde drang, dflrfle ivenif^er Ijekannt, 
Und daniin nieht ohne Intere^ie sein, hievon Mitttieilnng zu 
Miurhen. Das hier in Frage «tehende Srlinnu« , in Niussaii 
tiieht weit von Oberwesel gelegen, und früher der Gnifschaft 
Kat/^nellenbogen itiid der DiÖcese von Trier angehörig, be- 
,.s&«5 im 12. Jahrhundert zwei Klöster de8 IJenedictinerordens, 
BIfDn denen da^ zweite, ein Frauen kl oster, in der ersten Hälfte 
die^e** .lalirhunderts vtm H i 1 d e t i n gestiftet Vi'onlen war, 
welcher dem dortigen MamiskJtwter cle.s gleichen Ordens als 
Abt vorstand, l'm das Jahr 1129 — HO geboren, war Kli- 
Kb b e t h in jungen Jahren in dieses Kloster eingetreten ; 
il Jahre nach ihrem Eintritte in dasselbe, Im Jahre 1152 
nüTulieh, begannen ihre Visionen , welche nach der Art wie 
fiie beitchrieben werden, mit ekstatischen Zuständen zusammen- 
gehangen 7\\ haben scheinen, und eine Heihe von Jahren 




i 



Sitxunff der plüla^.-iihilol. Clitsnf rom 7. Jült t89S. 

sich fortwtKien. Am HckaiinU^ten iV-t unter diesen WeTttbc 
tiiMien (ItTJciiij^r Thcil deivflbcn, wt-lclier sich ttiif die Lejfende 
dt^r II,(HMI .Jtiii^lraueii i)e/,ielit; ;M)w<>hl Kettberj^, Kinrlirli- 
gescliichte Oi'utäclilandö, I. S. 116—18, uIh Oskar Schade, 
Die Sjigt' vuu der heil. t'rMtdil und den 11.000 Jun^^frauen, 
S. 42 — 40, liabt'O isich fin^ehcnd iiüt dein.st'llteu hesoliäftigl 
Hier dagepen soU ein ganz anderer Theil jener Vision«! in 
Bctraoht gezogen werden, welcher allein in eine l-^lSndische 
tintjlle üliergegangiMi ist. 

In den .IjilirHii I20;J — 37 nain den Bim'hf>t»:ituhl zu HuUf 
im NordWerte! Islands Gudmnndr Arason ein, der ak 
ein eifnger Vorkümpfer der streng kirchlichen RichtiintJ in 
der Kirchengcschichte der Insel eine lier vor ragend« Kolk 
spielte. Wir beüitüien drei Beschreibungen seinem Lebens, 
von denen jedoch nur die dritte nud jüngste unt* hier*ai 
bewehäftigen hat. Heninsgegeben wunle diese jüngste Lebera- 
geschichte des Hisdiofs von Dr. Gutibrandur Vigfüssou, iiD 
zweiten Baude der Biükupa t^iir (1878), S. 1 — 184, uih] 
zwar Wissentlich auf Grund de:* Oixl. Holm. 5. fol., einer H«, 
welche nach dem Herausgeber (Biskupas. I, Ö- XXIX — XXX) 
ungefähr lun das Jahr IHtiO gescjhriehen ist; über einige 
weitere, zur Ver^Ieichung herangeisogene Hss. giebt diuser 
dagegen aogut wie keine .Auskunft (vgl. ßiskupa s. 11, S. 3, 
Anni., mit I, S. LVll), was wenigstens b^^zügÜch der Papiertlf- 
AM. 398 in 4*, wie sich noch zeigen wird, zu bedanem lA. 
Kiti paar Fragmente aus der Sage, welche Dr. Jon |>orke!«i"ii 
auf Grund eines in Reykjavik liegenden MembranblattA' 
herausgegeben hat (Xokkur blf'xl ür Hanksb('»k ^ og brnt ttr 
Gmtmnndar sögu , 18(io, <S. 43—47: vgl. S. XXIll— IVJ 
kommen hier nicht in Betracht. Guitbrandur Vigfiwsün Iwl 
der (.Quelle auf eiueui eigenen Blatte den Titel vorgescfat: 
.Saga Gndniundar Ara.sonar, Höla-hiskups, eptir Amgrt'ai 
ulwta"', und aucli in seiner Vorre*le zum ei-sten Bande «ItT 
Biskupa sögur, S. LVII und LXV, bezeichnet er den A^ 



JUnnrcr: Ifer Elivtihelh <(>» Sehunan Vmonen. 



403 



I als den Veii'aÄter der Sape , olint' ir};eii<l welcheu 
Zweifel an diest^r Thiitsiichc zu äiustn-rn, aber auch ohne 
irppiid welch«' Ht'srtliirhmjf derst'Ihcn vorziiffihreii. Nicht 
Wsiaii verführt uurh Jiiii Si}^untHS4>n, im l>i[)liiin. ishiiiil., I, 
i. 3**6 und 50'J ; bleibt hIso" zu prüfen, ob die Au|^!ilx% 
rdche bisher von mir «eiber sowohl'), als von Dr. Oskar 
Ureiiucr*) uU richtig; angeiioDimeii wurde, jiufh wirklich 
iditi(5 '**^'* ^*^" H'*-'- -"^t^Ihst t-cheint /uiiäch.^t der iiu^etubrte 
ritel nicht unüiigehören. In der Aut^gabe tieEbst lautet die 
Jftbcrschrift der Sage nur; ,Oudiiuimhir bif^kuiw sjij;a. Hör 
lyrjast [trolo^us fyrir süffu Guitiuuiidar H(>iiiinsku|w vi Islandi* ; 
ködere Angaben al)er nennen ebenfalls keinen VerliLs-sernaTueu, 
rie denn z. B. Job. Ij. Lilietfren in seinen .äkandinuviuka 
•"iffTiÄ klaren-^ Hjeltesa^^r", Bd. I, S. XLII die Quelle als 
iBiükup Gudmund Ariwons hinn (iodas Saga. Membr. Fol.r»: 1" 
tcoeitihuet, — Jon ttigurdssou in der Antiquarisk Tids- 
krift, I84ti — 48, S. 101 als .Guitrnundar siajfa ens ^öila', 
md in den Annaler f'or nordisk Oldkvmlijrbed og Historie, 
1852* 8. 7 als «Gudinundar siij^a jjtida Hölabisknjw', — 
li.J. Arvrid.s»(>n in seiner ,Kürt-erkninj^ r)fver K(?l. Bililiuihekete 
Stockholm wlärnUka Hanitikrit'ler", S. als ^(.iuitnnnLdar 
>igil eiij* göda. HölabiskupH", cdine diLss irgend einer vcm 
Ineo den Verfasser der Sage nennen wtlnle, was dod; wtdil 
WeifelloÄ geschehen wäre, wenn derselbe in den H>s. stdb.st 
llBunnt worden wäre. Dage^ren sagt allerdings Halldau 
SuuinwMn iu seiner ^Hl-^toria literaria Uhuidia^", tS. 127 von 
l«r äuge, «e .sei gef^chrieben „per Anigrimnni (|Vendani 
tfonachuiii (ut ipsa prae ne fert historia)', und nennt s«)mit 
^1» deren Verfasser einen Münch, wenn auch nicht Abt, des 
'«inena Amgn'm: mag sein, daes gerade damit der Weg 
*Wi«en int für rÜe Erklärung der Annahme, dass der Abt 



1) AhhaiHlliinKi^» iler pliilos.-pbilul. Cliuiae, H<l. XI, ^5. 4äti, 
IS) AJtnordüchcH Handbuch, 3. 10 und 16. 



404 SUsHttff der pkUon.-ijhiioI. Cla*ae com 7. Juli tS83. 

Aru|ufnui die Sa^e vurtiusst habe. Auf zweierlei Anlia!ts-j 
piiukt« hin kann uätulich die An^ibi* Hälfduns gemacht M>rn 
EiniiiHl niinilich nvJihlt die Sa^e von der wnnderharen \\n-\ 
htna ciue- bliuden Weibeis, Namens [Mirgürdr Kniku, wek 
in ilircr Jugend lun ß. i-iiutmiind gewet<«n war, als er sei 
7.U Oddi hei äiemundr .lönsson zu Oddi aufgehatien ha 
(1220 — 2!)*): aU fiie 5'Klftlire alt geworden war, erhlintifh 
ßie und blich 30 Jahre blind , bis mc durch flel«^igt'n tfe- 
braiich des Wassere des B, Gudmnnd am «GudninndanUgr*! 
(lli. März) ihre Sehkraft wider erhliigfce. Da bpinirkt nu 
der Vert'a-*ser , daw er selber in seiner Jugend ihr oft tU 
VVH.sNer geholt habe, da sie, die mit 8-) Jahren stitrb, ib 
15 letzten Jahre bei seinem Vater gelebt habe, und hei din 
Gelej^eiiheit nennt er nicli:, ^ek, brt>dir Arugrimr." *) 0«nl 
Zusumnienhaiige nach kann die Bezeichuniig «Bruder*^ nii^ 
fiir einen Ordennbrnder gebraucht stehen, und als «Arngniniil 
MiHiHchus" ist demnm'h der Verfasser hier wirklieh ht'xeirlinpls 
elwndahi« weist aber auch m)cb ein anderer Uui>44uid. An 
Schhisse der Sage steht in dem aug. Cod. Ilolni. 5. fol. eiin| 
qlindniundnr driipa Höla biskuiw, seni bnWir Amgrünr «r1 
l;Ur»', und berechnet .^ic^h die Jahreszahl in drr Thut aebq 
einfach aus Str. 17, welche 108 Jahre rechnet von 
ÜischoEä Tod aa"), aofeme unt«r dem ^Ituudrat ära' eine 
geistlichen Dichters docli woli! nur da-s christliche, nicht 
altnordische Hundert = 120. verstanden werdei\, kann. Ntoil 
wird in der Sage gell>ät widerholt mit den Worten: .hskJ 
ttcfcor vättar"*), ^aegir actor'*), ,her yfir segir nctor'"), i&i 



1) Vgl. Gudmundar bps «. 1, "2/514: 111,55/114; AnaiU'. 
A. V22(i; Starlünga, VII. 4212^. 

2) r.udmundar bpg n. III. 81/169. 

3) KIm'ihI.i. S. im. 

4) Ktiendii. 77/1Ö5. 

5) Kbetida, 7*VIö6. 
ß) Kbenda. 86/178, 



Jüttunr: Der Elisabeth com ScfMuan Ki»w««;i. 



405 



|e oder awler«? Stroplie iHoät^ Ehrenlietk's in Br/uj; gc- 
nmeu , uod am SchluHäe der Sa^e wird uat^^b einer vor- 
DlpjEten Vergleich Uli g der Wirksamkeit B. ( rudmuud::» mit 
P Ceder des Litmncius jj;enui<'/.ii iifnifrkt ') : ,Up]iä fiRimii 
[lniu>i;, rettli^u ^UWradim ti! herriii <iatliiimulHr g('»(Iu, setr 
torKvd fatliiiu verkii", worauf dann uuter den AiiführunKK- 
Irten ,dc cedro', .de quatuor naturis eedri", ,de virtutc 
|iutreacilnlis cedri, quae compiiratur aetcrnitati iSimcti', ,de 
pw cetJri et fania cnjuslibct Sancti*, ,de «dore prediciiiidi 
rmctHjue perimeiidi" , .de presencia 8aiieti et fuga de- 
hium*, endlich ,de lande sanete trinitAtis", eine Reihe von 
!t>phen (ieais<?lben Liwk'a angeführt werden, fcis kann keinem 
t«ifel untorlit^en, dosn «actor" zu accentuiren und somit ak 
or, d. h. iuu-kir xu lesen ist'), mid diuw winiit silk* jene Citate 
Oselben Bruder Arugrüii, welcher im Jahre 1315 die 
idmimdardräpa dichtete, zugleich auch ata den VerfasNcr 
aercr tiudu»indiirsaga besieiehnen. Freilieh sind damit 
j^nicht alle Bedenken beseitigt. Zunächst fällt auf, diiw 
^Kunitliehen Stellen, wekhe, direet oder indirect. imi 
^Hr Amgrim als auf de» Verfasser der äage hinweisen, 
liBH-hIii>9< angehören: die erste vtm ihnen allen, eine iiiif 
k ,Bctür" hinweisende, steht in cup. 77, und geriidi; tliese« 
püel ist, noeh vor dem hotrelFeiideu Oitate abhrecheud, 
» Schlu&icapitel in der erwähnten Papierlts, AM. :^lf8. Die 
orte de» Ilerjmsgehfrs der Snge^ mit wehhen er die** be- 
jft, ifind allerdings nicht vn[lig klar*), sofcnie sie uneut- 
bicden hutseu, oh diese Ua. mit dem genannten Capitel ab- 
Rcht. ohne von dem Folgenden, also ciip. 77 — 00, noch 
zu hriugeu, oder ob nickt vielleicht nur cup. 77 iu 



Ehpiida, 90/1^—4. 

Doch [Dachen mich die Herren CoilcKen ». l'riinU iiml 
'VirfliD diiniuf AurmerkHaiu. dam Vinceaz von Beauvai« iictor für 
iKhreibU 
BUkupu »tigtir, 11, ä. !(>•'>, Anm. 2. 



406 



Sitsuftif der f^tua.-plülai. Clnsge vom 7. JhU lfiH3. 



ihr Uli iloii SvIiIli.« der Huge ventcUl i-st, und iwmiit 
—90 uur vor cap. 77 zu sU'ht'ii gekummen siud : du im 
zu cap. 87 n<K;h üliie V'iiriaiite uus AM. 398 uiij^efi 
uutl zu »ip. 'Ji> vuni HoraiiägL'liLT bemerkt wird, diis? 
Cupitvt in (liT^tflliuu Hh. tflilc'-^ muss doch wolil die 1< 
Aniiiiliniu die ricliti|re sttin, und lässt tdvh somit am 
an^egel»eu*!n SuchvcrlmlU' niclit drr Scliluss ziehen, das 
in »'iiuT von mehreri'u IU'dacti*iiien der i^uelle Bruder 
gr(nir nls Verla,<scr den Textes bezeichnet wenic. 
anderer Seit*^ hin wird bedenkHch , dnss sieh in dpr 
widerholt Citate tiudeu wie: .her um kvad herra Arn 
vf«n"*)i .her nni »egir herra Anigrfmr sva fallit**)i 
kviid herra Arnj^rmir*' "), her yHr segir herra Anigrin 
weh'ht! ebenfiills mif jene (.ludmundiLr dnipu des Br 
Anijfri'ni j^ehm ; du di?r Titel , herra" unter den geiitfi 
l*er!4onen uur den Bit<c)iöten luid ..Ijbten ertheüt wiim 
fateruaeh kUr. diiss derselW Mann, wek'her Monst »Is B 
Arngrinir bezeiehnet wird, an diesen Stellen nU Abt U 
delt wird. Ihm wäre nun an und fQr »ich nieJit hceo 
HiitTiilliß. da ja aus dem hhisen Mönche hinterher cdll 
geworden .sein konnte; aber doch i-^t wunderlich, daas del 
Mann , der sich in der iSh^i' seM^'t als .brüdir Amgl 
bezciehnefc, nnd den auch die Ueben^chrift der Ton ihn 
'li('ht«*tcM dräpH niclit anders nennt, an einer UeihH 
Stellen deiiselben Sage al^ Abt citirt wenlen ttoH. 
kommt , diiss an nicht wenigen anderen Stellen drtl 
«herra Arngn'mr' als Dichter von .Stntphen unjft'Qlift ' 
welche iti unwrer dnipu fehlen.') Mim, ja ^ei^, Jii^ 

II Eljcndn, S. 179. Anm. l. 

2) Ebenda, 8. 183, Armi. 1. 

H) (^ti(tiiiunilur hpn n. lU. 79/168. 

41 Khenda, 81/170. 

■•)) Rbenaa, 8S/177. 

Ö) Kbenda, 87/180; 88/180; 89/182. 

7) Ebenda, 21/43! 2af4^>— 50; 80/169; 83/172-3. 



Mnurer: Der Elixnfpfth ron Schönau Vinionm. 



m 



Jicser SU-Ilen panz andere «iwÜchte fies Abte:- als 
|t nnsrige gemeint situ] ; einige der Cifcitte nher weisen f^anz 
DTerkenubar auf ifiiie Giiitniuii<lanlru|ia hin, und wt?im an 
iner der eina-hlägigf-n Stellpn') die zweite der anf^effihrten 
krupheii l>is auf" eine K<>ihe von Varianten mit Str. 14 
(nerer Uucliunndanlni^ui stimmt, während die erste in die^ser 
feWt. während an einer undereu Stelle der .attur't alw) 
lnwlir Amgrimr, als Diclit-er zweier Strophen eitirt winl*), 
nm denen dindi nur die zweite, witlernin etwas verändert', 
■ 8tr. 2 un-^erer dr»prt zu tindon i.st^ während die erwt« in 
hr fehlt, — wenn femer in einer auf den Namen des .aetor" 
Arten Strophe in der Sai^e ■«Ah9.i die zweite llälite j^anz 
Men lantfit als in der dnipa*). wird man 'Vielmehr geneigt 
Kin, au eine Kpütere Krweitenini< und rniarlieitun^f des (le- 
iichte« diu*ch de>«en Verfasser -^eiUst zu lieiikeu. Die von 
Itngrim aU Mtmch gedichtete dnipa nif>cht« dieser als Abt 
nu^eurbeiti't haben, und mochte der Schreiher der Sage ans 
Fnterstand bald narli der en*tt?n . bald iiarli der zweiten 
Efloentfion diLs iiedicht angeffihrl hiil>en. oder aiudi, während 
^BjOHselbe uaeh der xweiien aiilTiJirte. die erste statt der 
Wmien von dem Schreiber der Sage angehäugt worden sein, 
«11» nicht etwa, wa« ja auch inögiieh wäre, jene Cit^ite an» 
l«m Gediclite durch den Verfaäser sellwt end bei einer Ueber- 
tfhi-itung der Sage in diese gekummen sein sollten. — lieber 
lie Zeit ihrer Abfa.<«ung giebt dii- Sage selbst einigen Aitf- 
»diliMs. Sie nimmt einmal ant' ein Zeugniss Bezug, welelH»s 
,vin!uligr madr Laiirentiiis^. ellifti llolabisknp", abgegeben 
lubc*!, und «ass Laurentiuj* Kiilfsson in den .laliren l:i2S — 30 
»nl" deii Stuhle zu Hölar, Ein andermal erziililt sie die 
*iiiiderbare Heilung eines Weibes, welche.«* im Jahre IS-lS 

1) Rbenda, 24/J3-1. 

2) Ebenda. Ö<i/t78. 

3) Vgl. ebenda. 77/IiVi tnii Str. 40. .^. 19(1. Aniii. 2. 
*4) Kbendm. 61/125. 



408 SUtUHff der jtkilofi.-philf^. Clngxe com T. Juli 



nach HrJlar gekommen war.') In einer der Strophe 
wi-'Ic:b4? iiuC den NiinuMi rles .herni Arngn'inr* nngej 
wi.'rden, wdcht' sich alter in nnserer litiitinundardripB | 
linden^ wird Ü. Onur {VM'2 — 'iii) genannt« imd zw« 
Ziifiannnenhanye mit irgend einer Vorkehrung, welche i 
iliidrminds Mlinni traf); wmin wir nun in dr-n iKläniHii 
Aniiiili'U zLitii Jahn' IHH den Kiiitnig Hiiilen : .l^kin 
hoiii {iiidniiLiirltir hmkujis ut tlitliini, nk [nvgin af Oniii 
kupi iyrjr jarteinir", w.u. w., so ist doch wohl klar, 
gi'Hid)* dieser Vnrgaiij^ \^i^ ist, welclu-r von dr-n V'erefl 
BL'/,ng genouinieu werden will. Vor dein Jahre 1344,: 
iiiif^i'iahr dereelben Zeit, in welcher BrnHer ArngKinrJ 
(Inilniinidnr driipa dichtFcto, Icaiin hiernach nach dir! 
Liiiiht vertaa^t sL'iu : andererM'its verhictet aber auch, wasi 
Über das Altor ilirer HaupthandHchrilt gesagt wurde. 
Hut^ti^hniigH/eit viel später unziisetxeu. Um diese 2eii 
gili CS, ilcn Mi'indi und Abt Anign'ni ausfindig zn niaC 
welcher Sage und (iedi^dit verfasst hat. Uischuf Kinnr Jon 
hat bereit» im vierten ßnnde seiner Hitdoria eock»M 
Ntniidiie, S. -M dius Wesentlichste Qlier einen Abt Aroj 
des Bcniedictinerklosters zu |n'ngeyrar mitgetbeilt. und An 
haUui »eine Angaben theils widerholt, theils auch orjj^ni 
icli will sie hier, »n tlrr lluinl der Quellen geprüft» viirfllll 
siiweit sie i"(lr nieini'n Zweck liiteretcfe haben. Die istffl 
Neben Aunalen beriebten , iiacliilem sie vmvot des Tod»* 
Abtes Stephan von |>i'ngt7rar geflacht hatten , tbäi* I 
•lahrc llt'iO, tbeilf< /um Jahre IlSr»!, dass Abt Anigrinir 
dasselbe Kloster gewi*ibt worden sei; da einige Texte 1 
fngtMif es »ei diess am Laur^ntiustage (10. Augasi) ; 



J) Ebenda. HlijlTX 

2) Kbenda, 80/l(iy. 

3) Z. n. .IiJn KHpoIin. [«Iimd-s Arlm-kr. hÜiUiil u. 
Ü7/t<7 u. 73,^0: -lön Si^fiirtlNHon. int Dipluni. iHlunil. I. S. ^' 
U. •'i09; MunLli, trniimKiieriodfii. f. S. 931 u. A3r>. 






nfauref: Der hÜRniirth r>ow Schiiuau Viiloueu, »Of^ 

nnd sei dieser im Ketreftemlen Jahre anf einen Mittw<»ch i^e- 

fallen, $o ist klar, da.% dus Jahr 1351 dos richtige ist. Im 

Jiihrf IM54 luitseu ferner <lie Annstlen den B. Orm A.shikssim 

von Holar seine letzte Ileise mich Norwtyeu :uitreteu , vtm 

welcher er niüht mehr nach Island zurih-kkehrte; Ihm dieser 

OeIe;;enheit nnhm derselbe wohl den Abt Arll^rIIn ah; seinen 

MßuriuliK bij^tellt haben, du di<> Annuli'n /.um Jahre IM.jT 

lierii-htcn , dax-s die Prit.steraclmll di's Uisthuinfs Ihllar Ihm 

den Gehorsain aiiikündi^^te. weil sich die sehinähliihütim Aii- 

üchuldigun^en *{e^en ihn i'rtioben (.[iviat liaiin var Ixirinn 

hiinini Ijütustimi niäluui'K mid d;i.H> rr ^tid'nrt Nowuhl von 

wiiH'in OHicialate als von seiner Abtwrirde abgesetzt wnnle. 

Dabei wird beigefil*ct, dann Arnfj^nnir stelbtt erklärte, den 

[lehrrtritt in den !*rfdi>;<*r()rdfn ^(elobt zn habtMi ; da i'in«' 

n. anMiri'u-.klii'h bemerkt, Anif^rnnr habe auli'iiicr Zu^;innnen- 

aft im Skagafjor'lr sein OflaJalat nieilerj^eluj^-, nnd |ic>rNti'inn 

1ulU<aon danwelbe übfrnoninu'n, num dip IJcml'nnijj auf j<'mi*s 

(i'-IÜlNle, wie Kinnr J<jn.sson nnd .)<>u fSiKnrdsstm aiigi-noMunun 

iiaWn, nur ein Mitt**! «ewc^scn w'in, nin den Ver/iulit auf 

l^ie Wünle zu coloriren, und damit der AbseUung /uviir/.u- 

Itoiiinifn. Zum Jalwe l:l.'iH Iwaierkcn ferner ilie Annalon. 

Hiiss Arnj^rinir wirkliitli in das Dominikant'rkUjster in IWjfen 

•■intnit, nn<l seinen PrfdVvsseid abschwor'), diiss ul)er der Umn- 

|fc*Tr Eyj'dfr BrundHSiin von Nidarös und der Mönch FiVi^tMinn 

|A>KriiiiÄ*i,n. welche der Krzbi.>ehof ^eriwle damals als \'i»ita- 

[ (uMi naeh Ijsland j^eschickt hatte ^ ihn wider in die W'nrde 

tinw AbteM von |M'ri(^eyrar finsetzten , ohne dabei anf das 

'fielnbdt' zu actiten, das er abj^ele^t, »kKt anf die Vnrwfirfe. 

'k" fcr »ich zugezogen hatte.") Von da ab r«.-heint Arn^riiur 



1.1 In f. 23. S. Äl der Siijp' Mrin) dir Stinunj: il>'- I'ii'iliu'fr- uml 
HartBM.Hronli'ni* ver»eichnet. 

2l Mii rniiM-lit bfxii'ht I.ntifro. T».- nornkc KIomIivm lliHl<tri(> i 
"'"ItliliiltL-rrn, S. lHUi d«!]. 2) iVw ti>l/.h'ifii WorN« uul' dtw K lottttT xii 
IWi^n «tatt ftiif di«' Viiiitaturi-Ei \u Ij-hitul. 



410 SiUttng der jthünx.'philol. (lasM vom 7. Juli 1883. 



seine Abtei behauptet zu haben bis an seinen Tod. welchen 
die meisten Annalentexte ,iu fe^to lieliqviarum" des» Jahres 
l^fil eintreten lassen, ein von'in'/cltcr, aber sonst verläasiger 
Text da^H^en erst dem Jahre \'M\2 zuweist'); versteht man 
unter der angegebenen Tagc»bczeictmuug die »Ueliquia* 
Kr^vardi regia", no iitt damit der VA. ()cto))er geroeint. Man 
■iieht, dii's*' Angal>en stimmen vOlh*^ wohl y,u der Thatsache, 
duKS die (ludninudardriipa, die mi^ vorUe^t, ebei)*<«iwuhl wie 
die uns vorliegende Gudmnndarsaga nm das Jahr I34&, be-' 
ziehnngsweise nicht vnr dem Jahre \'M\ \'*m einem «Bruder* 
Anign'ra veriasst wurrleii; der damalige Munch konnte recht 
wohl im Jahre 1351 Abt geworden f*ein imd als Abt seine' 
ältere dräpa nmgestaltt^t halwn, und mochten dann von ihm 
«ellwt (xicr einem anderen Uelierarheit^'r iler Sage ans dem 
nmge.st.rtlteti?n <iedichte einzehie Strophen in diese einge- 
schaltet worden sein. Fragt sit-h nur, ob über den Mann 
V(»r seiner IJefl^rdernng xnm Ahh* nicht rii«li Weiteres zu 
erfahren sv\. An den Hrmler Arngrim, weither nach Ur- 
kunden, welche Lange anfuhrt*), im Jtt}ire VAAl als fievoll- 
nntehtigter des Klosters Helgisetr in einem UeehtwstriHtc auf- 
tritt, ist wohl nidit zn denken, obwohl die Zeit stimmen 
würde; es ist nicht wahrsiheinHch, dass ein Angnstinerconvent, 
nnd ein solcher war lielgii«etr, einem Henedictinermönche fl 
solche Vollmacht ertheilt lialien solU#. und ebenwtwenig i 
wahi-sclieirihcii , dass der Verfasser unserer .Sage , welcher 
na<:h seiner eigenen Angabe ein geiwrener Isländer gewesen 
zu sein acheint'), und welcher im Jahre 1345 seine dnipa, 



1) Jon SifrardflBon nennt, ang. 0., S. 366 dfui Jahr 1368, 
aber S. hm i\»a Jahr 1.%1. 

2) Auk. <>•. H. 224, 

3) audmundar bps r. UI. Sl/lb*«; vgl- "^n> 8.404, Anni.2. 
Mnn wird dipjjer Argnh« {jogendbcr kiniiii ftnmiif Wcrth lej'*'» «lOrfen, 
dacf* der Vcrftmui^r in seinem c. li. H.ö— (> bei der Beflchri'ibnnii l^luiid«, 
in c Ül ä. 65 — ß6 bei Be«i>]*echuiig der Vr*r[iLMung der Infwl, in c. 89, 




Maurer: Der Elisabeth ton Schönau Visionen. 411 

offenbar auf Grund der im Jahre zuvor erfolgten Erliebuiigr 
der (jlebeine Guitmumis dicbtet-e, bereits im Jahre l:i47 eiue 
solche V ertrau eutistellung in Norwegen eingenommen haben 
soIIt<!. während ein brödir Arngninr, der mit imserem Sagen- 
sthreiber Wiihrscbeiniicb identisch ist, noch im Jahre 134(> 
auf Island eine Urkunde B. Orms ah Zeuge imterschrieb.') 
Ebensowenig wird an einen anderen, Mönch Amgrim äu 
denken sein, welcher nach den Annalen im Jahre 1H4M von 
B. Jun Öigtirditrsoti vtm Skiilholt mit zwei anderen Ordens- 
brüdern unter der Anschuldigung gefangen gesetzt wurde. 
diiÄS sie ihren Abt geprügelt und nberdiess durch Unkcusch- 
lieit isich schw^er vergtingen hätten; alle 3 Brflder gobürten 
Dämlich dem Kloster zu [»-kkvibaer ( Veri au, und dieses war 
ein Augustiner-, nicht Henedictinerkliwter , und diest; scheint 
mir genügend , die Identität Jene:« Bruders Asgrim mit dem 
uuäerigen zurückzuweisen, (jbwuhl die gt^en Beide efhfiljeuen 
Uescbuldigungen recht wohl auf eine und dieselbe Person 
passen könnttMi. W'w dit-ser, ho nm.ss ich auc;b der anderen 
Vermuthuiig Gudbnmd Vigfüsson's entgegentreten*), dass 
Abt Arngrimr von {ti'ngejrar auch noch mit jenem Priester 
Amgrinir Brandsson identisch sein möge, von welchem ander- 
weitig die Rede ist. Von iliesem erfahren wir nämlich, dass 
er im Verlaufe eineä Streites, welchen B. Laurentius Kdlfsson 
von Hcilar (1323—30) und B. Jon Haldürsou von Skalholt 
(1322 — 29) hinsichtlich des Klosters zu Mödruvellir hatten, 
ab Bevollmächtigter de» letzteren nach Norwegen geschickt 



S. 7(J Iwi KrwÄhnniig «ler Biatliiimugrfftze, in c. 87 S. 179 bei der 
KrwiLbaaiig der Fischerei u. dgl. ui. faut wie ein Fremder spricht. 
Behundelt er doch uuch. c. 16, ti. 30—31. c. 23, S. 45—46 u. c. SS, 
S> 77, (hui KloHter t>ingvynir äUnÜiii, dem er doch nachweitibar an- 
gehörte. 

1) Finnr Jdnssoii, lUig. 0., U, S. 197^ Jdn Espolin, 1. 
6^80. 

2) Bturlduga «Aga, 1, Prnlegomena, S. CXXVU. 

[tSSa. PbiloB.-philol. hiflt. Cl. 3.] 8T 



412 SittuHg der philos.-^üol. CIomc tvini 7. Juli 1883. 

wurde; a,ls Pfari'er von Oddi wii-d er diibei bew-jclinet, 
wird vou ihm gesagt, dat« B. Jon ihu für den iierv<^>rragend- 
sten Prieeter in seinem ganzen Bisthuine hielt'). Wir er-H 
fiihreti ferner, dass während Ki^ill Eyjnir-s-snn, der spätere 
Bischui'vou Uölar, nh damaliger Bevollniüclitigter dys B. Lau- 
rentius sicli eifrigst bemiUite beim Erzbischofe sich belieht j 
ZD mitcheii, und ihn durch Benützung seiner tttchtigen jnri-j 
stischen Kenntnisse Tor der Gerech tij^keit der Sache seinem 
Vulhiiachtgebers zu liberzeiigen siicl)to , sira Arngnmr sich 
um den Process wenig bekümmerte, vielmehr seine Zeit zn- | 
nieipt bei einem ^organsnieistari* in der Stadt zobrachte, 
rnn vnn ihm den Orgelbau zu erlernen*); die Folge war 
natürlich die, dass Egill mit seiner Sache durchdrang, Äsgrimr 
aber das Nachsehen hatte.') Ich kann nicht linden, dus 
das harmlose, nur der Kunst zugewandte Wesen diese» letz- 
t<;ren irgendn-ie auf seine Identität mit dem übel berüchtigten 
Abte sehlieaseu Hesse, und ebenKOwenig glauben, duss eiufl 
Kleriker, der schon im dritten Jahrzehnte des 14. Jahrhumlert^ 
die Pfarrei zu Oddi, eine der besten der Insel, inne hatte 
und damals als angesehenster Priester seiner Diöcese galt, 
um zwei Jahrzehnte später noi-h «Bruder" int Kloster J^i'ng- 1 
eyrar. un<t wider ein Jahrzcdiut spater der M^hniäh liebsten I 
VergeliL'u ver<]iichtig und iil>erl*[lhrt. gewesen «ein sollte; die 
blose Gleichheit der Namen genügt mir nicht, um derartige^ 
Bedenken zu Überwinden, und ich bescheide mich somit dabei, 
über die Jugendge^cbicbte den Abtes, Dichter» und Sagen-, 
cichreibers Nichts zu wissen. 

Was weiys mm aber Abt Arngrfmr in .-Joiner Gndmundarl 
biskups saj»a über unsere Klisaln-th vt)i] i^-hönnu zu t)erichten? 
Kr erzählt zunüeh.-it*), wie B. Gndnmndr, nachdem Er/Jiischtif 



1) Liiorentiufl bp« h.. .'iH/8ti5. 

2) Rbenda, 68/S65— GB; vgl. S. 908. 

3) Khenda. (iI/868— ÜÖ; vgl. S. filO— 11. 
41 Gudminiilar bps a.. IIl, Ü4j'130-31; in II.420/'590. iit Ton 



Maurer: Der Elisabeth vnn Schönau VigwHen. 



413 



5rir ge^itorben und Si^nritr au seine >itelle getreten wsir, im 
EiuvtTiiehnien iiiit diesem Ijeschlossen habe, zu seiner Kirche 
in Hölar heimzukehreu, nachdem er vier Jahre in Norwegen 
sich aufjjehalten hatte. Dabei begeht er freilich einen argen 
Venrtoss gcflen die Chrctnrfiogie . indem Erzbischof Jnjrir am 
üsfcertage, d. h. 7. Apnl. 12130 staib, und sein Niichlolger, 
Öigurdr, zvrar noch in demselben Jahre gewählt wnrde, aber 
erst im folgenden Jahre von Rom mit dem Pallium heim- 
kam^), wogegen GutTniunds Aufenthalt in Norwegen den 
Jahren 1222 — 20 augehörte*); indessen hängt diewer Verstoss 
mit einer Unklarheit des Verfassers bezüglich der Reihenfolge 
und Chronologie der dronthciiner KrÄbistdiöfr zasamnien, auf 
welche ich schon früher an anderem Oi'te aufmiTksam ge- 
muclit habe'), und fflr irnj^eren Zweck hat derselbe fiberdiesM 
Nichbi 7M bedeuten. Es reiste aber B. *iuitmimdr mudi 
uu>*erer 8iige von Drontheim aiw /unüchst nach Bergen, um 
dort den Abgang eines Schiffes nach Hand zu erwarten, 
indem rliese Stwit schon damuLs Aw häufigsten Verbindungen 
mit der Insel hatte; den Tag vor der beulwiclitigton .Mircise 
«her besuchte er die Marienkircho in Bergen, um der Maria 
jlich und seine Zukunft im Gebete zu empfehlen.*) .In der 



der Emcbcinunff der Murin xwur auch schon tUe K«de, aber ohne alle 
Bezagnahtiip mif ()i>n Hrief. 

II Hakonar*.. gamla, lO-VilS u. 160/423; Flbk. 111,137/101 
u. 13^/103. Nach di'n Annalen und der Godmundar bpg «., 1, 
'J6,'548 u. 97/rMl wäre Sijnirdr HOj,'ar erst im Jahre 1232 auch Nor- 
wvfSf'ti heiiDf^koiunkfn . nai-hdoui er iiu .fuhr« 1230 (gewühlt, iimi im 
Jire 1*231 ffpwoiht. wunlva war. 

21 (iudtnnnaar bp« h.. I. 86/534. 'MjbV^ u. OVMti; »tiirl- 
dnffH. r>0/25T: AnnTilftr. h. Iä22~2<i. 

31 [jilaiiil van <ieia<>r prsU>n Kntdprkting his zum ITntfirgungo den 
freiatants, S. lU. Aam. 4 and S. llö, Aam. 1. 

4) Ich flheroetx« Im KolR«nden mOKlichifi j^ennu . ohne der Ge* 
keit de« Au»iIru(-kt'.H xii iicIiU-n , diu obuehin iL Th. dem 
\ tnr Last Aillt, nicht dem üehenelti&r. 

27* 



414 Sitzung der philM.-phüi>i. CloMe tvmi 7. Juli 1883. 

nächstoii Nacht aber erschieu ihm lüe Blume aller Heiligen, 
die gehenedeite Jiiiijj[fruu Suiicta Marin, mit grosser Freund- , 
lichkeit und houigisÜJiser Rede, welche keiuem Meiischeu ge- { 
gehen if^t zu he.schreiben ; sie gab ihm (Iher viele Dio^e ' 
Aiifsc:hluss, 8i)U'i)hl zuküiii1i>^f als iriiigeit vci^iLn^eiic, und iils i 
iler Herr Üiscbüf Gudmuudr die:« Er^clieiimn^ aeinen näch^en I 
Vertrauten erzählte, fügte er Ijei, dass die Koiugifin dtrs 
Himmels und der Erde .lieiin Alweliietie ihm ihren Segen er- 
theilte. Wir wollen lücht mit Bestimmtheit versiehern, weil 
sich JSicht*^ darüber geschrieben findet, üb die gebenedeite' 
Mutter (iottes ihm bei die.ser ihrer Erscheinung duB ver- 
kündete, was sie kurx zuvor ge«>Ht'nbart hatte, Ober die Aiif- 
epitehuug ihres Leibe;?; gewiüs über i.-^t das, dtiäs Gmtmundr 
flfimals einem Kli^riker, seinem theiiernten Freunde, auftrug, 
wenn diese Neuigkeit schriftlich nach Norwegen gelangen , 
wOrde, soll er ihm diese Schrift nach Irland »chickeu, äo 
genau er sie nur aufzutreiben wisse. Es qnterliegt keinem 
Zweifel, daas diess hei seiner letzten Ausfuhrt gi-schah. und] 
der Brief kam wirklich nach Island , wie hIcIi spater nuch ' 
zeigen wird: überlassen wir die Frage der EntM'Ketdungj 
Gottes, ob Herr Gudmundr es /.«erst aui- dem Mundi' unserer 
Frau oder eines sterbliehen Menschen gehört hat." So derJ 
Verfasser; acuter aber kommt er nochnntls auf die Sachej 
zurück, um auf den Brief treibst einzugehen, welchen der] 
Bischof sich hatte versprechen lassen. Nachdem er zuvor 
von den Zerwürfnissen zwischen Sighvatiir Stnrluson und « 
Kolbeinn üugi, und von einem Vergleiche gesprochfn hatte,M 
welchen die Bauern aus dem E^-juljördr zwischen beiden 
vermittelten, ul.so von dem Vergleiche, welcher im Jahre 1234 ^ 
zu Flaiatunga gesehWsen wurde'), fahrt er weiter mit denfl 
Wurten'): »Es wurde geHagt, dass viele anges^theue Männer 

11 Vgl. Sturliinffa. VII, lOü/aaS— 26; Gadmuniiar bpi t^ 
I, 105/557—8; ÄDoälar, a. lÄM. 

2) Oadmnndar bp« s., TU. 70/150. 



Mttvrert Der Ftüiabeih von Sdtönau Visionen. 



aus Norwegen in diet<en Zeiten an Herrn GiiJinunrl ihm xur 
Freude schrieben, unter welchen anderen Briefen ihm auch 
Hie Sache zukam , üher welche er seintfti Gein»sseti , den 
Kleriker, ihm aOH Norwegen r.u .Mch reiben bat, sowie er 
gewisse Nachricht erhalte ttber <iie Offenbarung der Aufer- 
stehung nnserer Fran. Damit nendet der Kleriker dem Herrn 
Bibchofe einen eigenen Brief, mit folgenden Worten.* J6n 
ÖiguriJssnn , welcher den Brief, jedoch mit Ausschluss des 
Berichten filier die Viaion, in sein Diplomatarium iislandinuni 
anfgenommen hat, weist denselben wegen des Zii.sainmen- 
hange»f in welchem Amgrfrar ihn mittheilt, dem Jahre 1234 
zn, unterlä>*.-!t jetloch nicht, in tseineu einleitenden Warten 
die Bedenken hervorzuheben*) , welche gegen eine h* spute 
Datirung desselben bestehen; för uns kann jedenfalls gleich- 
gültig sein, in welchen der Jahre 122t> — 34 das Schreiben 
fallen mflge. PaÄsellje lautet aber wie folgt. 

.Dem würdigen Herrn Oudnumd , von Gottes Gnaden 
Bischof zu Holar auf Island, i^endet der so genannte Kleriker 
einen wahrhaften fmis-s in dem Urheber alles Heiles (oder: 
aller Gesundheit)*), Der Herr Gott, welcher Jedem das Gute 
vergilt, das ein Jeder seinem Nächsten aus Liebe thut, sei 
Kuer unaufhörliger Lohn für alles das Gute, das Ihr mir 
erwieset als ich Kurer Väterlichkeit nahe war. Ich weia^-, 
guter Herr, dass Euch ein langer .Aufschuh de« Erbtheile» 
am Himmelreiche schwer fällt in der harten Verbaunung, 
zuuial darum, weil Ihr unter einem unsanften Volke wohnt, 
welches noch ziendich störrisch ist, die Wege iiottes mit 
wahrem Uehorsam zu waudeln. Aber wa.-* auch Euere Unt«r- 
thanen Euch zuwider handeln mögen , so Iwwahre doch der 
hinuulische Vater Euch Leib und Seele vor allem Straucheln 



1) Diplom, iirland.. I. S. 509—10. 

2) ,8v4 heitandi klerkr* BU'ht natürlich filr den im Oriffinale 
dM Briefes genannten Niimen de^ äulirtfilier«. Warum Amgrimr 
dienen beseitigt hat, ist nicht enfichtlicli. 



416 SiUutu/ der lihäoit.-phäoi. Clm»€ rom T. Juli 1883. 

des weltlichen Weges! Erinnert Euch, heiliper Vnter, daran 
was wir von der leibUeheu Anfcrstcliuuy der jjebeiiedeiten 
Mutter Gottes gesprochen htiben , woran ich mich erinnere 
in difseni meinem Briefe, indem ich Eiieh die JH'hrift uV»- 
schreibe, welche bezeu}^. wie ft* mit der Vi.sion von ihrer 
Auferatehiing ziii^ieng." Bis hieher reicht die Einleitnug de» J 
Briefes'); sofort folgt über die niitgetheilte Schnft selbst.') 
»Da seit der Geburt unseres Herrn Jesu Christi vergangen 
waren 1152 Jahre, in den Tagen des apostolischen Herrn 
Pap-it Engeniisecnndi*) war eine Nonne Elisabeth mit Namen 
in dem Kloster, welches Skanogia heisst, imd unter Trereriy- 
borg in Sachsen liegt.*) Leber diesem Kloster stand eine 
iiChttHsin, welche HildiUii hiesii'^), nnd welche wohl hQtete^ 
was sie von Gotteswegen zu regieren Überkommen hatte. Die 
vorgenannte Schwester Elisabeth war eilfjährig in das Kloster 
getreten , unrl lebte so ein kostliches Leben , wie der all- 
mächtige (iott und seine gebeuedeite Mutter beide hiefür 
Zeugniss zu gehen sie würdigten, denn zu der Zeit du diese 
Nonne weitere eilf Jahre im Kloster zugebrucht hatte, »oduss . 
sie 22 Jahre zählte, bcguadigte Gott sie mit einem so un-j 
endlichen Tröste, da8s die heilige Mutter Gottes Maria ihr' 
oftniaLt erschicu , mit ihr verschiedene Sätv-e und Bcstim- j 
muugeu der heiligen Schriften besprechend. Zudem erschien J 



1) Gndiinindiip bp^ n., III, 70/l.W— l. 
•2) Ebenda. il/151— r.4. 

3) Lie«: tertü (tUS — !f3). wie der Herauaffcber richtig gc- 
beuert hat. 

4) Als (Saxland* b«x()ichnen die altiflländischen Quellen gm» 
Df>Dt«cbta&d : .Trevcriwlxfrg* ixt ihnen Trier; , Skanogia* int wohl 
lUiH einer lateinitwbeu Form ^Sconiingia* entstanden. 

■M Hildelin tiietiH nelmebr dir enU> Abt des Mannsklosten 
Schdnau; die VerwecbKbtiiK erklärt aicb ubec leicht, du viele iel&n- 
dJMuIie KrauiiDniinum auf alin* endigen (vf^I. SveiabjOrn tlgilaton.! 
h. V.), und and^rerHeitfl die Verbindung von FranenklOHtem mit Maniu'j 
kk*fftU-m im N'onlen im IM. Jahrhundert noch nicht üblich* war. 



Maurer: Der E}i»nheth coh ScUöimu Kwi««?«. 



417 



ihr auch öfters ein Enj^el Gottes, weU-liifr sie mit IjeMiuderer 
Keniitni.s» zii bclehneu pflegte; es war immer (lenselbe Kii;;el, 
der zu ihr kam, und sie kannte ilrn als ihren treueu Freund 
und liehen Geimssen. Vm] während sie mit solchen Onhcn 
erblnht, bemüht sie i*ich nur um so mehr Gott in allen 
Stücken zu giifallen, ihre Demuth neben Ruteu Werken be- 
wahrend. Und ea ^escühah, nHchdem nie erkannt hatte, dann 
unsere Frau, die Mutter Gottes Maria, -sie öfter ihrer Kr- 
scheinung würiJige, da^s sie e« heimlich einem ihrer geistr 
liehen Väter da im Kloster äugte, und der gab ihr den Kalh, 
dat» rde die Uerriiin um Etwas fra;j[en aolle, wenn sie ihr 
das nächste Mal sich offenbare. Die SchweHter erklärt, tuu 
dati fragen zu wollen , was ihr der alte Mann rathen wolle. 
Er uagt, das bitte ich, meiste Tochter, dass du sie fragest, 
ob sie vom Tode auferstanden sei, und nun in Gott lebe 
sowohl mit der Seele aU mit dem Leibe. Das näeliste Mal 
nun, da die Blume aller Jungfrauen, die verehrungswttrdige 
Maria, der Elisabeth erschien, sprechen sie sehr freundschuft- 
liuh mit einander. Dad war in octiiva assumptionis .sancta: 
Marion, während der Gottesdienst in der Kirche ahgehalt<m 
wurde (ako am 22. August); da kam ein leichter Schlnnuner 
ül>er sie, die Nonne, iu welchem ihr die hetlige Jungfrau 
Maria wie gewöhnlich erschien. Eliäaheth fragte da keck- 
lich, 80 sprechend : meine süsseste Herriun , wenn es deiner 
Oöte gefiele , rauchten wir gerne wis.-en , ob du im Geiste 
aufen^tandeu seiest und da» Ileich mit deinem Sohne ge- 
nommen habest, oder ob du vom Tode auferstandest, empor- 
genunmien Über alh* Schaaren der H)ngel sowohl mit der 
•Seele aU mit dem Leihe; ich fn^^e aber deine Milde aus 
dem Grunde um diese Sache , weil mir getfagt wurde . dass 
Ober deine Himmelfalurt') in den Werken der heiligen Väter 
zweifelnd geschrieben werde. Die Herrinn antwortet so auf 



1) uppDumiiing. 



418 SUsuHff dtr philos.-iAÜot. Clause vom 7, Juli i8S3. 

ihre Rede: das, um was dn fragst, kannst du fllr dieesmat 
Dicht erfuhren : über d(«;h ist es so bestimmt , da^s diese 
Sache dir uHenbart und klar f^emacht werden i>o\\. Wie nun 
diese Vißiun verschwindet , gieht die Schwester jeDem alteu 
MiiTine bekiiimt, wie e« mit H'rage und Antwort der Herrinn 
gegenüber gegangen sei; liieser gute Bruder') rath nun aber 
dazu, dass die Nonne besondere Gebete zu Ehren der Mutter 
Gottes Yornelime, zum Öedächtnij^ie dieses Versprechens, und 
damit täglich fortfahre, bi» die Vision eintrete. So geht 
nun ein ganzes Jaiir hin, daas die Nonne am diese Siiche 
weder die Mutter (Lottes zu fragen wagt, noch auch ihren 
vertrauten Engel, obwohl Beide ihr wie gewöhnlich erschienen, 
bis As8umptio sanctai' Muna> hcraukomnit im nächuteu Jahre; 
da erkrankt Klitsabeth derart, dass sie am Feste seibat sehr 
schwach im Bette Hegt, zu der Zeit al)er, da an die-sem ge- 
»egneten Tage das Houhauit gehalten wurde, kommt eine 
Schwere oder eine Ohnmacht über sie, und darauf rieht sie 
ziemlich ertferrt einen Stein>iarg. In derii Sarge sieht sie 
einen weiblichen Lieichuiini liegen ; riugs herum aber standen 
die Bewohner des Himmelreiches , die lichten Kngel Gottes 
mit scheinendem Lichte von klarster Helle. Und nach kurzer 
Zeit »land die auf, welche zuvor im Grabe gelegen war, mit 
grosser Herrlichkeit; da neigen i^ich die heiligen Kngel, ood 
kommen herzu, alle zusammen sie hin auf befördernd hoch is 
die Ijuft mit reichlicher Erhebung süsser Gesänge, bis von 
dem }iinuiilisi.-lien H<ife , schöner und köstlicher Über alle 
Meuächenkiuder , der Leben gebende Sohn Gotteä entgegen- 
kommt mit vielen Tausenden seiner Heerschaaren ; derselbige 
Herr trägt in seiner Hand das heilige Kreuz mit einer 
köstlichen Fuhue.') Da wird eine besondere Ulmiulische 
;md hochwUrdige processio angestellt, weit Ober AUes was 

1} SdIUc in dfT Urschrift der leibliche Hnider der KUsabeth. 
Ekbert, geniMut aein? 

2) D. h. dach wobl die Kreuzeefubne. 



Maurer: Der Klinabeth ron Schönau Vinonen. 



410 



ein meuschliches Hera mit stMnen Gedanken zu fasseu ver- 
mag; die gebenedeite Herrinn, welche vor Kurzem erst aus 
dem Grabe aufgestanden war, tritt in diese wllrdige Herr- 
lichkeit ein, so dnas der HimmelwkJinig selbst ihr ent^ 
gegenetlend sie au -seiner Hiind fiihrt., ringj* herum Alle-« Hft 
ordnend, wie as ihr die grtJs^te Kbre bringen mochte, und 
hierauf entzieht sich die hochwiirdigste processio den Augen 
der Elisabeth. Da vergeht eine kleine Weile, bis die ge- 
beaedeite Maria ihr in demäclbeu Lichte erschien, wie sie 
früher pflegte, so dass sie es mit ihren Geij^teskrÄften wohl 
aushalten konnte; da zeigt die Herrinn ihr ihr Anger^icht, 
freundlich und lii'bÜch, spritdit aber nicht mit ihr, und so 
wie sie säeh entfernt, kommt zu derselben Stunde zu ihr ihr 
vertrauter Engel Gottes, nnd sofort redet sie ihn an, so 
sprechend: mein Herr, wa-* bedeutet die V^ision, die sich mir 
vor Kurzem geseigt hat? Der Eugel antwortet: in dieser 
Viidon, welche Oott dir gewährt hat, wurde das kiärlich ge- 
oflenbart, wie unsere Herrinn, die Fmu Saucta Maria, zum 
Himmel aufgenommen wurde, Beides mit Leib und mit Sec'le. 
Nach diesem Gesichte erliält die Schwester Elisabeth nuch 
wieder ihre Gesundheit; so verstreicht die Zeit bis octavam 
ansumptionis, und an der octfl^va sell>st erwrhien ihr derselbe 
Engel mit grosser Freundlichkeit, wesshalh sie ihn unter 
Andern fragt: mein Herr, ich bitte dich, dass du mir eagest, 
wie lange Zeit in Mitte lag zwischen der Himmelfahrt') meiner 
Kran, bis ihre leibliche Aufer^hnng") erfüllt wurde? Der 
Engel antwortet ihr sehr ehrfurchtsvoll : au demsell^eu Tage, 
an welchem jetzt ihre assumptio in der Kirche gefeiert wird, 
ging sie ah aus diesem Leb»m, uln-r jin dfui vierten Tage 
von d*. ab, das ist am vierzehnten Kuleudit-^ Septem bris*), er- 



1) uppnnranfng. 

2) IfkaDiÜK upprisa. 

3) So tutt der Hcmusgelwr eing(f«i4*txt, wilhrond' die Hb. den 
ci]ft«ii Tag und Jen Achten Kiil. Sept bietet. 



420 Sil*un0 der pKüoa.-phiUA. Classe vom 7. Jdi lÜSS. 



I 
I 



stand sie anf von dem Tode ; die heüijjjen Väter aber, w«lc)i« 
ihrcu HiniuK^llWirtHtii^ in der Chri-steiihi^it heili||; liulU-n liiessMai, 
hatteu keine (Jewisübeit üher ihre leibliche Aut'endehung. 
Damm aber nannten sie ihren Todestag as^iiuiptiunem, weil 
sie unzweifelhaft glaubten , dass sie niit Leib und Seele zu- 
gleich aufgeutinimen worden sei. Als die Schwester Elisuheth 
sulche Dinge gesehen und gehurt hat, i.•^t sie zweifelhaft, ob 
sie die Offenbarung bekannt machen siill, denn sie fürchtet, 
daeN sie alt^ i^rfindennn und Urheberinn tmerhörter Neuer- 
ungen gelten würde; und so verstricheu von da ab ungefähr 
zwei Jahre, bis an demselben Fi.'«t*> die Mufct^^r Gottes .<4elM 
der mehr erwähnten Nonne erseheint. Elisabeth fragt du lUe 
üerriun Über die Sache, welche sie sich vorher oft Überlegt 
batte, und spricht so : meine Krau» sollen wir das Wort be- 
kannt geben oder nicht, welches mir geoH'enbart wurde Über 
deine Aufer»telmug? Unsere Krau, Saucta Mal'ia. antwortet 
ihr: es soll das nicht unter den Leuten offenbart und be- 
sprochen werden, denn die Welt ist weniger giit^^e.*innt als 
sie sein sollte, und darum werden die, welche davon hören, 
Gefahr ihrer Seelen davon haben, wenn äie wahren Dingen 
nicht glauben, und göttliche (Inissthateu zum üespotte halten. 
Da fragt die Schwester wiederum: nun denn, meine Herrinn, 
wilUt du, dass wir albw das völlig abtichaben, was von dieser 
Offenbarung geacbrieben wurde? Die Mutter Gottes ant- 
wortet: diese Dinge .sind nicht dazu geoffenbart worden, da» 
sie Äerstört und sodann vergessen werden , fwmdern vielmehr 
dazu, das» mein Lob vervieltaltigt werde unter denen, welche 
mich bewyuders Heben, daruni sollen diese Wurte nvu" meiuen 
Kreundeu bekannt werden durch deine Verkündigung, und 
es werden diese Dinge denjenigen lieb werden , die mir ihr . 
Herz erüÖhen, so da.ss sie mir biefür beä<inderes Lob fl 
spenden. ■ und von mir besonderen Lolui dafür empfangen; 
et* sind ihrer Viele, welche ans Liebe zu mir dii'?*e W^irte 
mit grosser Freude und Khrerbietung aufnehmen^ und iu der 



I 



Maurer: Der Elisabeth ran SchÖnau Visionen. 



421 



beachten werden. Nach dieser Vision begann das Kluster 
XU Schöniiii') der Mutter Gottes feierlich Lob zu singen utu 
vierzehnten Kiil.Septerabris^), indem dasselbe ihre Aufcrsteh- 
nngszeit würdig begieug, jedocii am Anfang, wie es geboten 
war, mehr in einer stillen Kapelle als in der öfFentlii'hen 
Pfarrkirche." Damit sclieint die k?chrift über die Vision zu 
Ende zu sein, und folgt äufort dieser Scbhitw des Üriefeä. 
.Diejenigen» welche die-^es festnm abhalten, sagt der Kleriker, 
welcher an den Herrn Bischof (iudmund schreibt, gebraueben 
diesen Aufeatz als lectiones hei der Matutin*), welcher hier 
lilter»etzt steht*), dagegen das ganze Übrige officium wie bei 
der früheren Marienmesse (d. b. 15. Anglist). Nun bitte ich 
Knre selige Biwhollithkeit, dass Ihr meiner und meiner Rrüdcr 
in £ueren heiligen Gebeten gedenket, uns Alle unter die 
Gewalt nnd das Verdienst der IJerrinn Maria empfohlend, 
damit Ihr und wir aui' ewig theihaftig wei-den mögen des 
himmlischen Lebens mit der mächtigen Freude der Beachanung 
Gottes. In Christo Valete!" 

Oiess der Briet". Der Verfasser der Sage fügt, deni^lben 
noch die Beuicrkiiug bei, ditss B. Gudmundr wegen seiner 
l)e«onderen Liebe zur Jungfrau Maria sich über deuäelljen 
höchlich gefreut habe, dowie eine Erörterung über die Chro- 
Qulogie der KrziUilung. Er bemerkt in letzterer Beziehung, 
duffi ein allgemein anerkanntes Buch, das ,Speculum hiäto- 
riale' {des Vincenz von Beauvais) die Vision deutlich in das 
Jahr ll')(i setze, was sich auch mit den Worten des Briefes 
ganz wohl vereinigen lasse, aoferne die von ihm angegebene 
Juhr/.ahl 1152 nur die Zeit bezeichne, luit welcher die Er- 
zähluug heginut, nicht aber die Zeit, in welcher die mass- 



1) Ditinklfb .Skano^iunt^nfie. 

2) Die Hh. lieMl: »in ninfitehnten; dodi iüt nacb .lön Sigardanon 
tUe Lesart nivlt zweifellot. 

a) i (SttuMöng. 

4) aem hbr er aorrsenat. 



422 Sitsung der phüos.-phiitil. Clnsse vom 7. Juli 1883. 

gebende Vision selbst ?icb ereignete; eine Stelle des Sp<?cnli!m 
wird dabei iiu lai«iutschen <lri|<iniib' niitgetheilt, midererseiu* 
darauf hingewiesen . da-ss aneh sehon der heil. AnjriiatiTias 
die Himmeltahrt Maria» mit Leib und Seele anzunehmen 
scheine, endlich aber die Anfnnhme der Erzählung (iber die 
Vision in die Lebensgeachichte B. Uudiimnds mit der beson- 
deren Verehrung entschuldigt, welche dieser stets der Maria 
erwiesen habe. Tn der That geben sclion die älteren Lebens- 
beschreibungen des Bischofs von dieser Verebnim< vielfach 
eigenthümliches Zeugniss. Ganz abgesehen davon, dasa er bei 
jeder Gelegenheit ihren Namen im Munde führt, in ihrem 
Naraeu Aimusen giebt, auf iiireu Lohu diejenigen verweist, 
die ihm einen Gefallen thuu, u. dgl.^ bezeichnet ihn Mariu 
selbst, einer Kranken im Traume erscheinend, als ihren Kreund, 
indem sie die^^cUw zugleich au ihn Behufs ihrer Heilung ver- 
weist'); einer Eiusiedleriuu erscheint sie, um ihr zu eröffnen, 
doss sie wolle, dasä Oudmundr Bischof werde'), und sorgt ein 
andermal dafür, dass an ihrem Feste kein Anderer als Gud- 
mimdr das Magiiißcat singe*) ; — Gudmundr selber ber^iohnet 
aber in gaaz ähnlicher Weise einmal eiue Kuh als ihm und 
der Maria (okkr Mann) geschenkt*), und schickt ein andermal 
durch eine Sterbende der Mutter Gottes, dem Erzengel Michael, 
Johannes dem Tüufer. Peter und Paul, dem heil. Olaf, imd 
besonders seinem Freunde, dem Bischof Ambrostos, endlich 
allen Heiligen seinen Gniss!*) Da begreift sich denn aller- 
dings «lie Einstellung jenes Berichtes in ^eine Lebens)}e- 
schreibung; für uns dient aber der Brief des norwegif*chen 
Klerikers als ein willkommenes Zeugniss für die weite Ver- 
breitung, welche die Vision der SchÖuauer Nonue schon frQb- 



1) tiiidinundar bps *., [. VM438. 

2) Ebenda, 45/470. 

8} Gadmundar bps a.. U, 29/^98. 

4) Rbendit, 2I/.VJ1. 

5) (iudmundar s^ 1, 86/470. 



Hftiurer: Der Elitabeth von Sdt/htott Vishtun, 



423 



zeitig fand, und von diesem Standpunkte auü oiöcht* ich hier 
auf denselben »ufmerksam j^emueht haben. Ein Kiugeheu auf 
die OriginaliiufzeichuuDgeu der Visionen, sowie auf die ver- 
schiedenen anderweitigen Berichte üher dienelhen liegt dn- 
(^e^en nicht in meiner Absii-ht. und verweist* ich dieserhalh 
nnf die Ansätze von Fink in der Allf^emeinen Encyklopewlie 
Her \Vis«enschnften und Künste, Sect. I, Bd. 33, S. 347— 48, 
und von Kraus in der Allx^nieinen deutschen Rio^raphie, 
lid. VI, H, 4^) — 47, wo mau, wie auch bei Potihast, Weg- 
weiser, S. 5Ü5 und G83, auch die einschli^ij^en Quellen und 
Ült«*ren Literatur werke verzeichnet findet, vor Allem aber auf 
W. P reger, Geschichte der deutschen Mystik im Mittel- 
alter, Bd. 1, S. 27—29, und S. 37—43; vgl. S. 13, Anm. 



424 



Sitiutifj der fJtäoB.-phiht. Claaae rnm 7. JuJi 1883. 



Herr \V. Meyer hielt einen Vortrag: 

,Ueber A&a Gebekbtu'h Karl des Kahlen 
in der köai^Ucbeu Schatzkammer inj 
München". 

Nach einem Ver/eichnisa von 1333 l>efanH sieh im örosp-i 
mriuifter in ZUrieb 'LilwUii» onitionuiii bfüiti (Jaroli , seriptns 
cum tiureis literis'; ein Ver/^ichni^ä von lö25 kennt dort 
'Caroli des Kftisera Bettbuidi mit Gold gefasst'. Bei der Be- fl 
»clilugnaltnie des Kircfienfichatze.s j^ing es sehr nnori]entlic}i 
zu und in Zünth fand siuh spater kein ähulicbes Buch. Nun 
kam vor 1580 dn Buch zum Vorschein, das mit goldenen ■ 
Btichatalwn gescbriebeu ist und schon nach seinen Titeln 
'Encliiridlou precutionum Caruli Calvi regln' und *Liher ora- 
tionum, i£ucni Karolus piissimiLs rex Hlinhuniici Oitesaris filiaü 
omonimoä eolligere att^ue sibi mannalem scribere iussit\ «owiefl 
nach 2 Stellen der Litanei 'me . . cum coninge nosbra Yrmln- 
dmdi ac liberia nostris* nnd 'Ymiindrudim coniugem nostrani ^ 
cum liberiK notttriä' dem verachoUenen dem Inhalte nach «ekrfl 
eiiteüprach. Horolanus oder Hiirlinninn. ein katholitfcber ~ 
Geistlicher von Luy-eru, der diesej; Gebetbuch sieber vor dem 
Jahre 1582 abschrieb, bezeugt auulrücklicb : 'Es ist aber] 
solch Bettbilcblein unter dem Raub der Hauptkireheu ta\ 
Zörcb zu unser Zeit fanden und erst neulich dem ehrwirdigen 
Herren dohanni Theohald Apt zu Rbeynau ^-ukomiuen. Di» 
BUehlein war buig verborgen und unter den Hcylthumb- 



W. Meyer: Üeber dna GehHhuch Knrl licrt Knhiev. 425 

stficken vorg^nipltor Kirchen gpleiift*. Der pübstliche Lejrftt 
flir Obenleut-sc bland. F e 1 i c i a n u s (S 1 i n j^ u a r d a), schreibt 
ebenfalls in der Ausgabe ran 1583, daas bei der Kortfichaffung 
des Ki rohen sc hiitzt?s a. 1528 diese« S^Klck geraiilit worden 
sei.M Abt Theobald selbst schreibt*) 15811 nn den Herzog 
Wilhelm nur, da*« ihm 'dat> Büchlein in khfini und hohem 
Vertrauen tiberantwnrdt worden*. Nach diet^en That^achen 
kann kein Zwoitel bestehen , dass die-sos in den Besitz des 
Abttt Theobald in Hheinau gelangte Gebetbuch diLs eiuHt im 
Grossnißnster in Zürich vorhandene gewesen ist. 

Theobald schätzt« da.'weihe hoch. So schreibt Horolan 
in der vom Jahr 107-') ilatirteu , aber erst 1584 verötFent- 
lichten Vorrede an den Kfinig von Frankreich : *Al8 ich dia» 
•Tuhr mit andern ehrlichen ßurgeni aiiHS der Stailt L.nceni 
7u ernennten Herrn . . k{)mni('n und mir soUdi Bettbuch 
herfür bracht worden . da ist ein itngewolmte gr')sse Freud 
meinem GemQthe zugefallen*. Theolmid schreibt 1583 an 
den bairischen Herzog 'znvor ich darunib vil angerefc worden. 
aber jemandfc nie w<dlen geben*. Ile-soiidem Werth Hcbeitit 
dem BüL-hlein iler Gedanke gegeben zu haben , nntn kiMine 
i!M im Kampfe gegen die Protestanten gebrauchen imd damit 
tM'wrisen , da»^ hart bekämpfte (»ebräuehe der kathtdischen 
Kirche »chon sehr alt seien. Dieser Üedanke seheint auch 
dem Legat für Oberdeutächland Felicianua gefallen r.\i 



1) Der Cabiloft der n. 1-^28 geraubten Schätze, welcheu Keli- 
oBiitt« um Ende ifirintT .-Vu^'galte aus vär^hie<:]<-n<-n Qnelli'^a xiiMiininion- 
j(ie«teUl hat, wird von Ruhn und Krühcrcii als vüdfiu'h uurichtig be- 
jcekhnet. 

2) nie dentäi'.he HantlsL-iirift no. 'J251 in München enthlltt die 
Copien dir Bri i' Fe, wt'h;lie in lletn-ll' licr Hantistrhrift. Kiirl de^ Kuhlen 
7wi«<'h*'n di'in l.fjjjilen f-VIiriamw, dem Abt Thcohtthl uiul doni Herzofj 
WUhtfhn von Baiern j^ewchfielt worden. Aun fpauz iLhuUchra (jnetliMi 
RtAHaen die Nar-hrit.-)it«n stammen, welche .Schinz lim Schweilzerai'ben 

L^J^Huii 1700 p. 7*22) vr>n dpni Khelna^ier M'inch Van der Mm« 



426 Sitzung der phtloii.-phi!ol Hasse vom 7. Juli JS8S. 

babeu. Ucnu iiuter dem 10. Oct. 1582 bestätigt« 
Rheiuuu 'accepisse tjueudam libeJlum piaruu precationum, 
quem Carolus rex Ludovici Ca«8ari8 tiliiui colligere atqns^ 
sibi manuuleni uureis littoris stribi iusesit, cum tideliter re- 
niifwiinf iibi |>ublicae uttlitutis tstudi« tffpts evulgari curaverv' 
nms, iinoii mnture effic«re coimbimur'. Du FelicianiUf n)it| 
dem bairisflien Fürstenlrnnse wohl l)ekannt war, bescliloss er,] 
duHselbe dem Huhne de» Herzoj^s, dum elfjilhri^eu Mtixiniiliuu. 
wi dedicireii. Am li. Mäit, 1583 meldet Felician dem Abte, 
der Heraog winisfche dan Gebetbuch 'in sua bibliotbeca re-j 
pontTii' unti de« gleichen Wunsch drtickt der Herzog selb^j 
dem Äbt-e ivaa iu einem Schreiben vom 1(>. März 1583. Der' 
Abt antwortet, er sei zwar geeimneu geweseu, 'soUichi: 
Bricblein in seinem (iDtehunis Ketnau zu einem Si'hatz tct- 
bahleu zu wellen', ulletu wegen der Verdienst« des Herzog» 
um die katboliäche Keligioa wolle er dasselbe ihm überlattseo. 
Am 20. Jnli 1583 iiaiikt der Herzog dem Abte, meldet du^afl 
50 Kxeiiiplare den gednickten Gebetbüfhleins an ihn a^p-™ 
guugeu £<eieu und daas 2 K loäterbrüder aus Uheinau auf dee 
UenugR Kosten iu Ingolstadt 2 Jahre laug »ollteu erbaltvnfl 
werden. Am gleichen Tage meldet Feliciunus dasselbe (docli 
ist in der Copie des Brietes nur von \juindecim eiemplaria 
impressa* die Rede) und bittet um Rückgabe äeinen EnUeih- 
scheiueä. Mt 

Die Ausgabe de« Pelicianus von 1583') ist von dem™ 
Verleger Sartoriu» in Ingolstadt für jene Zeit gauz ordent- . 
lieh ausgestattet. Jede Seite hat eine Randleiste; auf S. äfl 
und :> sind Bl. »j"* und 7' der Handschrül (eine Seite mit T 
Um-ialäL'hritt und eine Initinlo), auf S. 120 und 121 sind 
Bl. 38^ und 39' der Uaudachria (da;^ Büd des betendea 



1) Liber precatiomim quaa Carolua CalvuH imperator HludooM) 
Pii Ciic-soriä ÜHum aibi udolescenti pro quotidiano iiru ante anno« "i'i^ 
in unnm colÜ^ et literis acribi aurcis nianiluuit etc. FelicUniu nuiuit 
aich onifc vor der Vorrede. 



W. Mt;fer: Ueher rfas OflnhiU^ Kart flex KuMru. 427 

nnd Christna am Kreuze) ziemlich gut nachgebildet, 
und der Vorrede .nind mit Na(>habiuniig deti letzten Bilder- 
paares dif Bilder des hetzenden Maximilian uuil eines mit 
einem CnieiHx geschmtlcrkten Altares Iwigejreben. 

Dati Bdehlein fand Beifall. Dfisshalb lioss derselbe Ver- 
loj^r Sartorim 1584') eine deutscht» Uebersetzuu^ erscheinen 
(üettlmch Keyrierw Caroli Caivi . durch M. Lareutz Kiszeiif), 
in welcher die Widmung dt^s Felicianuit an Maximilian ernetzt 
ist durch eine von Eiszepf an Maximiliane Schwester, Marin 
Anna, fiferichtcte AVidmuufif. Diis Fnnnat ist schmaler als 
das der lnteinij*chen Ausgabe; desshulb sind auch die frühereu 
Bilder durch neue, von den Oriffinalen sehr stark abweichende 
und sidilechtere Xaehbilduu^/ien verdrängt. Scluiu |."i8.'> iiess 
Sartnriu-v eine zweite Aufhige (1e> lateinischen Texti'.s in dem 
schmaleren Konnat. also auch uiit den schlechten Bildern 
enicheinen; dieser Au!«gabe sind einige andere Gebete an- 
gehängt. 

ir»8ri er«'hien zn Prag eine nach der ereton kieiuiAchen 
Ansgabe von }TtS'\ gefertigte böhmische Ueberäetxnng, welche 
ar>gar den lM")limisrlit>u Bibliogrupheu unbekannt ist. 

Ivnij^ka Mu | dlitebnj wetmi iiaboina | gij^ slavme paui^ti 
Karel Cal- [ uns C^snf Ludwjka Pia nekdy Cysare | S}'n r*obe 
])okud& gesste Mlädenceni | byl k knidndennjmu vÄjwänij pfed | 
letij 725, riehrati a zlatymi literaini .sc- | p^ati rri/ka/al A ta 
uyui z Lati- [ uij w Ciesstiuu gest pfeloieua*"- | Spow<deuijm 
wysoce dfi- | stngneho w Bohu Otce, a oswijcenö- | ho Knjiete 
Paiia, Pana Martina | ArcvBiskupa Praiskeho. ( Wytiwtena: 
W Impressy ^tifijka | Daiickehu. | Löta Päne. MDLXXXV. 
2 u. 217 und 7 Seiten in 8*». Auf der Röckseite des Titels 
sind die beiden Bilder Karl des Kahlen nnd de.*« Cnicilixes 
in eines xumunmengeschoben. Mit ä. 1 l)egimit die nach 

1) Ilutler Bibliutbek d. schweizer Geschichte III p. 3.SM "ugl. die 
L'ebcniftzunjf des Ki*/.i'pf «ei iriHr> enchienen. Ich kann kein Kxem- 
plar mit dieser JalireNXAhl linden. 

[is&j. Phiioi.-pbiioi. hi-t. ci. a]. 28 



428 Sitzung der j]hüo8.-phaol Classe iwn 7. Jtäi X883. 



FeticianuB gearbeitete Vorrede, iu welche die Vorrede der 
Huudschrift .selbst (S. 1 bei Fclicianus) verarbeitet ist. S. 11 
ist eine schlechte Naehbildiiiif? der Arabeske (S. 3 bei Feli- ^ 
cianus). Im (ihrigen ist der böhmische Text eine getren« H 
Uebersetznn j? der Feliciaiiiseben Aungabe von 1 583 ; (nur 
ilflH (lebet Alonins i^t nnijj^ft'lit-hh't und zu l> Strophen von 
je 4 j^ereimten Zeilen erweiU-rl). D(x;h ist das Verzeichni«^ 
des Züricher Kirchen so batze>». (Felician S. 171 — 175) weg- 
gelofi&eu und an seine Stolle der Index gesetzt, der l^i 
Felician in der Einleitung steht. Nach gütiger Mittheiliin^ 
von HnilHn der (IniversitiiUbibliotbek sinvie des böhmischen 
MiisenniB in Prag wurde Hort trotz eifrigen Snchens keioe 
Spnr diese« Biichi.».s gi-funden. 

Schwierigkeiten hereitet die UelwrsetKtiag des Horotanus. 
In Concurreuz mit Sartorius Hess der Ingolatädter Verlt^r 
Woifg. Eder 1584 eine tJeberset/nng des Gebetburhes nehcA 
einer Leljensbaschreibuiig Karl des Orosjien erscheinen. (Bett- 
buch Oaroli Magni . . durch Joan. Uorolauuiu). lu der 
unter dem 2t). Juli 1584 an de» Herzog Wilhelm^ gerich- 
teten Vt)rredf gibt der Buchdrucker Kder aii, 'neulicber Zeil 
sei ihm solches verdtdnietscbt Exemplar, wie es Horolannit 
verteiitscht und abiüchreilieu Ia.s.sen , uiii» einer fUratmien Bi- 
blioteck /.uknnuiieti. Dann l'ulgt eine lauge Vorrede dis 
Horolanus von L^JT?. gerichtet au Herzog Albrecht von 
Bayern. Nachdem Uorolana'' von dem Werth und den Schick- 
salen des Buches gesprochen, fährt er fort ^Hierauf hab ich fl 
das Liiteihisch Bettbiu-h . . auss Anreguug vü fnunnier Her- i 
sonen intcriiretirt uncl das reclit Kxeuiplur, mt mit göideueii 
Buchstaben geschriben . . mir zu kommen ist, vor allen dem 
Herrn Balthiwar Weihbisühofl' zu Constantz .... zu .sehen 
und leseu geheu, die alle . . iur Mehr nützlich geachtet, da» 
man solchen Schatz . . Latein und Teutsch auägeheu und 
mittheylen lassen soll. So . . hab ich solche« Betthöchlein 
int«.'r|iretiert und verdolmetscht'. 



I 




\V. Meytr: Vebtt das Oeheth»ch Karl tU»^ Kniden, 429 



\ 



Hierauf folgt eine zweite Dedication vom letzten Aujfust 
1575, gerichtet uu den König von Fritnkreieli *Die Epistel. 
Ro in dem Lfiteini»4chen Exemplar au den König in Frank- 
reioli (^e^ftellt und von ilem Antor selbst verteil tschet'. Nacli- 
dem hierin Horolanns erzählt, wie er in diesem .Inhr die 
Handschrift in Kheinau j^esehen habe, hebt er den Werfcli 
der Gehete hervtir: dann achlietist er 'üu gewaltigster König 
wollest die»eä AlleicliristenlifhHten Monarchen (Karl des 
Orossen) Uebett empfahen , welche wir mit grosser Freud 
der gewünschten unnd glückseligen Widerfart ans» Polonia . . 
Dir zu senden und dediziren! 

Es kann hiernach kein Zweifel sein , dass Horolanus 
Kownhl eine InU'iniKche Ausgabe als eine deutsche Ueber- 
■etznng des GebetbUchlein-- fertig gestellt hatte. Oa.-<s Hon»- 
\a.uWB zu «einer Ueljer:ietzang die HuiiHw.'hritt sellwt und nit-lit 
etwa dir Ausgabe dtw Feiiriiiini.s iH-iiUt/t hatte, winl ilminn-h 
bewiesen, dasi» die Fehler und willktlrlichen Aendeningen 
doei felicianiMcheii Texten sich in der liebcrs(*tzung drs Hon>- 
Uiiut4 nicht linden. AUeiu e« ist absolut keine sichere Spur 
einett Druck<s' vor 1584 zu öuden.') Da der Ingolstädter 
Verleger 1584 ansdrflcklich bemerkt, die ['ebersetziing des 
I^orohinn» sei ihm in einer Abschrift ans einer 'fürnäinen 
Bibliothek' zugekommen. i*o scheint en*t der HeifatI, welL-ben 
die erste lateinische Ausgabe deß Felicianus fand, die Anf- 
merkaainkeit einiger »chweixer Thetdogen wieder auf die «chon 
halb verschollene Arbeit des Hurulanus gtdeukt zu haben.*) 



n 0. E. Hiiller. Bibliothek d. Sohwcixer-Uüscliichte III. .S. 3M» 
lafft 'Alcuini ArWit. so er ftir Kurin dt-m Orossen ii. 77« Kcnuioht 
hatte, ist u. 1'>7'J von Job. Üürliinann von Uapperacliweil. Leutpri<wt4*r 
ta Lnx*<rn, hnnMucKei^uHnn wonli^n. Duch vm int niolit« tUinirtige« 2U 
finden. 

2) Da die Aii'^iifuhen ilt^ (M^liotimclien iiehr iu-lU->n olnJ , so »ei 
bemerkt, diiu diu müuchner StiiutobibÜothek zur Xeit busitat: a} von 
der enteo AuMgnW dea Pelicianus 5, b] von der tweitt*n Aua^he 



430 Sitsung der phUos.-pJtiM. Clame vom 7. /m7i 18A1 

Die Handschrift wurde zwar aniUnf^lich. wie dem Abt 
Tbeobald versprochen worden, anter den Schätzen der herxog- 
Hchen Bibliothek aufbewahrt. So schreibt im Jahre l<)lli 
der Augäburger Phil. Uainhofer, (vgl. Haeutle in decl 
Zeitwh. d. bist. Vereine för Schwaben nnd Keubni^ 8, ISBlJ 
S. 82), dessen Bericht mit Kdrzangen in Zeiller's Itineraritun 
Germaniae (I S. 282, a. Itj32) Übergegangen ist, wie er iiebeal 
den Ptialmeu des Orlando di Lasso und andern SchätiseQ in ' 
der Bibliothek gesehen habe 'Camli Caivi imperatori.i Rurei<; 
literia mann acriptna libelhis precatiouum*. Dann wird in 
dem circa 1026 zusammengestellten Inventarinm der Kammer- 
gallerie MaximitiiLii des I. erwähnt ein 'Piranientcnes Bocli 
OaruU Calvi Enclüridion Precationura. Die Dekhe von schwar- 
zem »cbmekheuden spanischen Leder, mit gro»«*n bayerii^cheii 
l'erlen und Gült geätikht, auch Z g<jMeue Geiiperle' (Sehn 
S. 135). 

Während alwr die andern genannten literarischen Schätzel 
jetzt noch in der Hoi- und Staat'ibibliuthek «ich hetincleii,,] 
ist das Gebetbuch nicht darin verbtieben. Der IlegeuÄburger^ 
Äbt Frohen bonUtzte zur Ausgabe AIcuina nur den 1. Druck 
des Felieianu^; vgl. Alcuini i>j>era 11 p. 4 u. s. w. Dann 
haben weder Schinz, der 170U im Schweizer 'sehen Museum , 
S. 721—727, noch Lütolf, der im Gesehichtsfrennd, Bd. 22 
1867, K. 88— 91 u. 112 — IIH nber diose^^ Gehethnch schriebj 
anzugeben gewusst, wo das Original sich befinde. 

Da C a h i r (Melangos I, 1847—1849, p. 49) eine Stella 
des Gebetbuches erwähnte mit dem Zusätze ^conserv^ dam 
le tresnr du roi dn Raviere*, so wandte sich R. Bahn uaJ 
Herrn MUnzdirektor Dr. Emil von Schaiiiw und erhielt tliöl 
Mittlieilung, dass die Handschrift sich wrklich in der könig-j 
liehen Schatzkammer hetinde, (vgl. E. v. 8chauss, Catalo 



2 llxeiuplaro ; von der Uebersotziuiff o) des GisxepE^ d) dn Uoroloau 
lUid e) der böhmischea je 1 Exemplar. 



W. Meyer: Ueber das Gebetbuch Karl iU$ Kahlen. 431 

der k. b. Schat-zkammpr 7U MOnrhen, S- 134. Rahn hat 
7.ucnit im An/A'igvr für schwfi/.ürscihc! Altorthuinskunde III, 
1878, S. 807 nach MittlieiUm|?en von Dr. Franz R«ber, 
dnnn in seinen 'Kiin.st- und Wamlerstiidion' 1883 S. 18 — 40 
nach eigener Untersuchung der Handst;hrift. über die Ge- 
schichte and die kOnstlerisehe Ausstattung derselben, sowie 
ober die verschiedenen Ansgalien eingehend gehandelt 

Der küuatlerisL'he Werkh der Handschrift ist kein be- 
sonders hoher; denn die beiden Miniaturen des Kaisers und 
des Cnicitixes. sowie die Arabeske sind ziemlich derb gemalt 
und noch lui bedeutend er sind die KandleiÄten, welche jedes 
Blatt einrahmen. Werthvuller mag der Einliaiid gewe^w>n 
sein; noch Felicianns bemerkt darUber V^dex babens in 
exteriori cortice seu tegumento a sinit^tri» dominicae annuncia- 
tionis ac visitutionis Muriae et a dextris nativitatis Christi 
imugine.'^ in candido ebore incisas ac circumquaque aurei-s 
huuinis cuntectuä et margaritiä ac preciosifi gemmis varie 
distinctnsV Das» dieser Einband »rsprfingUeh war, beweint 
die Vergleichung def> ähnlichen Gebetbuches Karl des Kulilen 
(ursprünglich nach Metz geschenkt; jetzt in Paris Nr. 1152), 
dessen Einband ebenfalls mit 2 Elfenbeinreliefe verziert ist.*) 
nnd des Evangeliencodex in München Nr. I40Ü0, dp--; Codex 
aureus aus St. Eiuuierun. Doch if^t der Einband unseres 
Gebetbuches längst spurlos ver«chw^mden ; der jet/.ige Ein- 
band, Seide mit Perlen, wird schon a. Ifi2ö erwähnt. 

Wichtiger al.s die kdnstlerinche Ausführung d«*r Schrift 
ist der Inhalt dieses Buche». Schon Horolonus hat auf 
dem Titel und in der Einleitung zu seiner üel>ersetzung da- 



l: Vgl. Cahier. Mt<lan»;uii T pl. 27 und pl. X u. XI. Lfibiirle, 
Hüitoin' de» ad« imlu8ir. pl. :t8 u. 39 (30 u. Hl der 'J. Ausgiiho). Die 
3 Miniaturen iind am beatmen abgi?ljildvt. dei Louiuxlrc, le« art^i mompt. 
I pl. '20.21.22; Ti'xt 11 p. i'). Die 34 cm hohu. 1« em breit« Hand- 
«chrifl iJtt ffenuu boochrieben bei Luop. Delisle, Le Cabinet dfJt manu- 
•iU de lu Bibl. Nat. lU. 1S81, p. :i'20. 



432 SiUung der pfUtoH.-jihiM. CIoam vom 7. Juli JSS3. 

ruuf lun};ewieseD , dass dieu Gebetbuch Karl Aea Kahleu inj 
engeiu ZtLsaiumenhang stehe iiüt den liturgischen 8chnft«ii,l 
die Alcuin für Karl den (irosseu verfiusst hat. Frohen hält 
diese ßehethücher Karl ile» Kuhlen nur ftlr eine L^inar1>eitung h 
jener von Alcuin zu3ammenge-*itf?llten. Das OHicht des Al-W 
ciiia (fol. 44a), manche Gebete, weJehe den Kamen hernhmter 
Kirchenvätor trugen, und einige anonyme Stiieke scheinen^ 
nur in unserer Handschrift (Üierliefert zu Bein. V 

Da mir dnrch die Güte des Herrn MOnzdirektor Dr. EmÜ 
V. Sehnass die Renfit/nnj^ der Hanibichrift ermöglicht wnrdo,S 
so gebe ich hier zum Nutzen tlerjetiigen , welchen för die™ 
Geschieht« der Liturgie oder zum Studium von Alcuin« Werken 
eine nähere Kenntnis^ des in uaserer Kandschrifl Enthalteneaij 
nOthig ist, eine Vergh-itlamg der Handschrift mit dem Druck«] 
des Keliciuuuä vuiu Julixe 1Ö83. 



Die duTchau» mit (jiold geschriebene Haudschrifl ist voU-' 
»tändig. Sie bestand und besteht aus Quateruionen: 
Bll. 1-8, i)~H>, I7~24, 25-32, 33-40, 41-4Ö. Di« 
Blatter sind IS'/s nm Iu»ch, llf breit. Die Schrift 14 xiemücli i 
klein, ilui'h t'n»i uhne Abkürzungen. Die Titel sind fust iJla| 
in Uncial und auf Pnrpnrgrund geächrieben. ürthngrapfaiscbej 
Kleinigkeiten, wie caehim, .saeculura, paradyiins, adicio, uiduni, 
aduimtio, otium. Caritas, prumptns, num((uam. inlusio, inuiup- ^ 
dos, welche sich theilij immer, theils oft finden, notire ic^iH 
nicht weiter. ■ 

Auf Fol. r steht nur der Titel mit Uncialbuchstaber 
geschrieben: Knchiridion precütionum CaiVili Caivi regis. — 
f. I** bis 3" steht der von erster Hand geychriebene Index, 
den F^'Iitiiinus so stnrk geändert hat'), dass ein .\l>druck der 
Haudschrifl da» einfachste ist: 



1) Horolaoua Übersetzt getroa den Text der HundK-hrifl. 



VT. JUfifer: Veber ftn>t GebetUth Karl tlrs Kahlni. 433 



Incipiunt ou[)iiiila huiiiü litwUi.') — [ Qiiomodo ii(>l qimliter 
hi'atn» l>anid et cnoteri siineti patres [rtfr dinnmeraUw horiw institii- 
erimt deo iantle« agere. — II Quid omndnii] «it qiiiindo priu« de lecto 
TiWHtnj Kurrcxeriti».^) — II! Oratio beati Hierooimi jiropter iiljHL'i- 
deitdo. iittia . et uirLuten anixno inaerendaH. — IUI Urutio bcali re- 
ff orTi pro petitioiiP lacrinmnim . dicenda ante confctisionom. — V Con- 
fe««io quam beatuft AK'huinuH cniiipuiliiit «loiiina Karulo itiip4>nit4>ri. 

— VI P^falini «eptoiii jKienitt'nlinles et alii discreti . et «nnotati i>ro 
unriiM aiiiiiii utilitatibiut/'^t — VIJ Or&tiones ante laetaaiaui. dt-tndc 
sequitarlactaniacum capitulis buib.*) — VTII Oratio beati Augnstini 
de tiancta trimtate et pro uana et multimoda co^bntioß?. — Villi 
Oratio pro iiiiii» aiqiie defuncti» . iiel i)ri:i hi« qui in nobi« |>eiiTa- 
aerunt uel in quibus p>(?{:caaiiiti.s. — X Oratio contra inimionnim uii^i- 
bilium et inuiflibiliuin ioBidia«. — XI Oratio quando oöftrtis ad iiu«:iani 
pro proprtitt p«amti>t «t pro .ininiabuH propinqanrtiin Uül amiconim. 

— XII Confit(;niift »uiit pi'a;ata breiiiter ante altare H^cr^te cflnini 
deo, antequam ueatram offeratid oblationem uel comoiunic&tia. — 
Xin Qnid orandutn uit ad mitüiatn pro aacerdotc, quando petit pro itv 
orare. — XIIll Oratio ante commuDioiiain et pont L'uiumunJoncui.M 

— XV Oratio Aujfnutini pro «ffnitinne dei et ini^nl^cntia dclicto- 
rom et ercptione diuersaniw tribulationum. — XVI Oratio (diui eras.) 
Tsidori contra in^idia« diaboli.') — XVK Oratione« in para«ceue 
cnm cniciBxo picto . ot iuiaifinc uestru. et ant^'phonis decantandiü. 

— XVIII rJratione** •«anctnriim palrum . per onines iliei boraw et nouti«. 

— XVIIll Oitlo oomplütorii. — XX Oratio beati *lr«iforii . pro 
^^DUiibus bcncliciis aibi a deo conlatia et ut ipae sc accu-iat neffleetis.*i 

^V Fol. 4' ist leer. Fol. 4*" (paj?. I) Incipit praefutio h. 1. 

r Bei Alcuin ed. Froben 11 p. 52 besser und volLitÄndigcr. 
deuin coWidiH. — dicehut deo, om. domitio, wie Früh. — 
Danihel — lieprecubatiir dcttm (Fr.) pro — Ltrubel — Fol. (3" 
ist leer, da H" niit Purpur grundirt ist. — Fol. Ü* (pag. 2) 
Titel in rncial : - HLUDOUinCI. - Fol. 7" Anfang ge- 



lt V^un FelicianuB gpllndert. 
2l liier hat Keliciann!« wpitfrc Titel zu^setzt. 
S) Von hier an hat Felicianti^ rtiark geändert and zageaelzt. 
4J Von den Numuiei-n finden flieh noch am lUnde der Hund* 
hrift: tu S.e 111. S. !t IUI. S. U t. S.94 VII, Ö. 10« VIII. S. UÜ 
Vini. S. 111 X, b. Mir XI, S. 117 unten XVI. S. 12i XVII, ö, 128 XX. 



434 Sifgung der phitoa.-p/täot. CtasM^ rfom T. Jvli 1883. 

malt, bei Felic. p. 3 nachgebildet. — Pol. 7^ (p. 4) 
festina. f. (etc. Fei.) — F. S'' (p. ö) ad invocand. scam. — 
F. 9" (p. 6) Vgl. Ale. II p. 39 imvolI.Htändig; in dor Appen-| 
dix (]Uartu ah Alcnin (pa^. I-^HO ed. Migne) vollständig. — ] 
Uieronimi propter uUsciWenda — atiiuio om. — diligam» 
ühaciäe — p. 7 spiritalera — ad concupiBcenrfwm eam — I 
uerbum i/ct — p. H oraiioiif tJei — coinrnibetur — a^que 
ad — F. 12" (p. 9) lachrimarum, üunst laonm. — feteo und 
fet«ntem; sepulcro — p. 10 presta, wie fast immer. 
Fol. 14* (p. 11) Vgl. Ale. II p. 63 and Append. IV (p. U 
Migne). — - Karolo — p. 12 praeparan/i »uadeuti — nialaro' 
fort mit lAickc", tinmi gi^uuu. ForÜa, geuua Ale; (furtiora^ 
fiiere. Genua i^cKc.) — g^jtriiiJihus — p. IM pitUntnm; so — I 
p. 14 te deum — p. I'> ineuiu ad te — (intel/i^o« so) — j 
p. 16 imniortalia reijnans suecula; retfti. hat auch Ale. 

Seite ItJ— 94 nehmen bei Felicianus Psahueu ein, in der 
Hanfl.schrift aber nur ein Blatt (f. 20). Denn hier stehen.j 
wie fitchon llorolanus bemerkte, unter jeder Rubrik, S. IG.I 
32. 4(>. 57. 07. l-^ (pro irWmUnüibmi die Hsohr. riehtig) 86,j 
nicht die ganzen Phulmen, »jndem ateta nur die ersten 3 — Ol 
Wörter. Der vnlUtüiidige Text wurde zum Iniehteren Ge- 
brauch des Gelx*tl>tteJileiris von dt'ui Uurauagel>er und L^elier- 
setsber eingeschoben, darf also natürlich nicht zu irgend wel- 
chen Schlüssen auf den Zustand des Psalmentextes im 9. Jahr- 
hundert IwMiützt werden. — lleuierkeiiswerth ist, wie die hier 
zu.^ainn]eiigei4tellten 7 Uruppen v<iu i'äalmen genau den 7 
ersten usuä {>äulmüruui enUprecheu, welche Aleuin zn^auimen- , 
gestellt hat (Ale. 11 p. 21 de {Miahuorum usu, pruefatinj, 

Fol. 21' (j). U4j Oratio ante luetaniam uad Laetania;] 
Tgl. Älc. n p. 111 und Append. IV (p. 1390 Migne). — ^ 
p. 95 praescuti et fut. — Cberubyn Serar)byn — p. 9ß TgL 
noch Ale. II p. 02 — Zuerst Kyrieel. Christeel Kcrieel. 
Christe a. Im Fulgenden steht nur bei Maria und bei Omoex 
S. apostoli (p. 97) der Zu.sutx or., .sonst fehlt «tcta ora wler 



W. Meyer: Ueher das Gfbeihuch Karl rf« KtüUen. 435 

orate pro nobis. — p. 9(> Michahel . . Gabrihel . . Raphahel 

— Baptista fehlt. — Nach Andrea fohlt Sande Johamw.s. 

— Nach Phylippf? fehlt diw (zweite) Sande Jacobe — Symou 
. , Taddee — p. 07 Dyonisi — ypolite — p. 99 Eusthachi 

— Christofore — p. 101 Öulpici — p. 102 Öculastica . . 
Eufi'iiiia. — Von p. lOS 'oranea satirtae uirgiues' an ent- 
spricht der Druck genau der Uandschrift; nur steht bluss 
das erste Mal p. 104 in der Handschrift 'te rogamns andi 
DOS*, sonst steht nur 'te rog.' — p, 104 absciderc — p. 105 
Fili dei . te rc^amtLs . te n)g. Agne — p. 107 Nach pro- 
U^e xwv winl zwar in neuer Zeile, aber ohne sonstigen Ujiter- 
schied weitergefahren mit 'Pro Hdelihiw defiincti«'. Horo- 
lanus hat den Text von hier au bis p. 113 'fruantur aeter- 
nitate' umgestellt vor die Antiphonen de »ancta cnice (p. 123) 

— p. 108 Chriüte Jesu — p. 108 et pro vana e. tu. cogi' 
/a^iVni« fehlt — p. 109 pUceret tibi — delectantur — p. 110 
vel in quilfus peccaiis ist wieder von Fei. aus dem Index zu- 
gesetzt. — p. 111 caelorum ri'seraÄti — nie (uicht mihi) 
Docere — p. 112 et {pro feh\t) ouimabns — p. llScottidie 

— Vom Titel fehlen 'secrete' und *vel communicefcis' in der 
Hantlschrill. Dits«« Gebet findet sich bei Ale. 11 p. 84 aU 
Anfang tmd SchliihH eines grusäen Üt;betes — p. 115 holo- 
chuustnm; vorher tui über der Zeile ergänzt (in (ioldschrift). 

— p- ll(i 'Sancti' und 'delictorum et e. d. tribulatiimum* 
fehlt. Bei Ale. l[ p. 77 i^t nur ein Stück diei^es Gebetes 
erbalten. — p. 117 divi fehlt, — p. HS has Gebet steht 
ähnlich auch bei Ale. 11 p. 121. — ad illam content platio- 
ueui. - F. 38- ist leer; F. 38'' (p, 120) Bild des Kaisers 
mit den beiden Hexametern 'In cmc© qui luundi soluisti 
cnmina, Christe, (*rando mihimct . tu nulnera cuncta resolve', 
aber natürlich ohne die Unterschrift, welche Fei. ihm hat 
geben lassen. — F. 39' (ji. 121) Christus am Ki*euz — p. 122 
ad dexterani — p. 1*23 AN.\E d. h. Antiptidnae, nicht .\nnue 

— F. 40* die Gebete in der 1.— 12. Stunde (p. 123—126) 



430 Sitzung der ithüm.phitol datiM vtm 7. Jvii 1683. 



finden «ich ebenfalls bei Ale. II p. 50. 51 — h\ 43' (p. 127) 
nicht *simul auteiii'. stHidern 'sin uuieiu' — F. 44" (p. 128) 
Or. Älchuini in nocte {diui fehlt). Diese Verse AIcuins sind 
nur in unserer llHnd^chrift fiherliefert; vgl, Ale. U p- I2ti. 
Üueuimter, Puetiie lutiui ai'vi Curulini I ji. 350. — natürlich 
*in puppi* — F. 44* die nach conlatis von Felic. Kiigosetzteii fl 
Worte 'et ut i. s. acc. ne^lectis* .fehlen im Codex. — p. IHO 
Z. 1 'nalua nie per dominum' Knde des Textes ; der von Felic 
ergänzte Schluss fehlt in der Handschrift, welche in der 
3. Zeile von Fol. 45" abbricht; Fol. 46. 47. 48 sind unbe-| 
schrieben. Als die Handschrift mit den Klfenbcindetkelu | 
nach München kam , waren noch mit schwarzer Tintt* jfe- 1 
»chriel»ene Evangelien vorn und liiuten eingefügt. Diese j 
Blatter sind mit den Elfenheindeckeln verschwunden. Feli- 
eiunus hat die Evangelien S. l'iO — 170 zusammengedruckt, 
aber nach Horolanus, der Übrigens einige derselben aui^- 
lassen hat, standen die bei Feliciauus S. 130 — 146 gedruckten i 
vor und die übrigen nach dem mit Gold geschriebenen eigent-j 
liehen (iebetbuch. Ob auch sie schon im 9. .lahrhuudertj 
geschrieben waren, und ob der volle Text oder nur der An-| 
fang jedes Evangeliuui.s da stand, lässt sich naeh den An-j 
gaben des Felicianus und üorolanus nicht mehr cntöcheideii. i 



F. Stieve: üther das Strnlendorfische (hitachten. 



4^57 



Historische Classe. 



SiUunjj; vuni 7. Juli 188y. 



H«T Stieve hielt einen Vortrag: 

iDas Stralendorfische Gutachten, eine 
Fälschung/ 

Di« Echt}ieit (Kn berdchtigten Gulnchten« füwr den 
jülicher Erb.streit , welches dem lieiclisvicekunxler Lenpold 
von Straleniiorf zugeschrieben wird, ist von Joh, liiist. Droysen 
in einer eigenen, eingehenden Alihandlnn^^) verteidiget worden. 
Kanke*) und jüngst noch Treitschke*) haben sie als unanfecht- 
bar betrachtet und t*t)gar Moriz Kitter. welcher den jülicher 
Hiindeln so gründliche und scharfsinnige Untersmdimif^en 
widmete, hat sie anerkannt, obgleich er nicht überäiili, dass 
der Inhalt de« SehrifLstückes mit den zuverlä-saigen Nach- 
richten, welche wir Über die Ansichten und das Verhalten 



11 Diu StniU'ndorfiHchr 4'lutiichten von Joli. (inst. Droyiten, 
AhhandJungeo der k. ä&cbsiscliea Gei^ellacbalt der WlitseDflchaftcn 
Vin, S61 — i4f*. Im Anhange ist Jiw GuUchtun mbjfeilruckt. welches 
ich Dach der dort angewandten Kintuilung in Paragraphen anlilhre. 

'2) Neun Üücher iV-UMaisclio tiBi4cbicJite, erste AafUge (1K471 I, Hl). 

3) Dentsche Oeachichte im Meunsohnten Jahrhundert I, 27, 




438 



Sitsttnft der hisior, Clasat -oom 7. Jnii 1883. 



des kmäerlichen Hofes besitzen, nicht in Kinklaug zu bringen 
sei.*) Ucbcrhttupfc ist die Echtheit vi>n keinem neueren 
Geschichtsforscher in Zweifel gczogt^n worden. 

riegen die Atuffihruiigen Droyseiis, daas diis Gutachten 
im Juhre U'tOd eittst^iiiden sein müsse, läset »ich nun auch 
allerdings kein Kinwand crhcl)cn. Ka bleibt jedoch die i 
Krage tibrig, tth denn nicht eben (Jnnials eine der Fälsch- 
ungen rertibt wurden »ei , welche in jener Zeit so häufig 
erfolgten. 

Auf diese Frage ist Droysen nicht eingegangen, vielmehr 
behandelt er e^ uh selhstverKtüntllich , duss das Gutucht<*n, 
wenn eine spätere Abfassong auÄgeüchlosseD, von einem An- 
hänger des Kaisers herrühren müsse. Hier klafft also in 
seiner Beweisf[ihnnig eine Lttcke, welche zu erneuter Prüfung 
herausfordert. 

Droysen eaf^t (S. 385): «Der Di^ursus ist geschrieben J 
ehe die Wahl [dew Erzherzogs] Leopiild [zum kaiserlichen 
Conimiwirtr in den jülicher Landen] entschieden, nachdem' 
der dortmuuder Vertrag abgo^hluasen ist, im Laufe d« ^ 
Mimats Juni 1609". 

Die Angabe des Zeitpunktes, vor welchem das Gutacht^Ji 
verfasst sein rnUäse^ rechtfertigt Droysen durch den J; tU 
desselben, worin dem Kaiser geraten wird, den Erzherzog] 
Maximilian orler einen der grazer Kr/.her/oge als Commissar 
nach Jülich zu senden. Dem Verfasser war mithin die am 
14. Juli 1GU9 erfolgende Abordnung Le)iiM>ld8 uocli im- 
bekannt. 

Den zweiten Teil seiner Behauptmig stützt Droyseo 
daruufT dass in dem Gutachten von dem dortmundcr Ver- 
brage, welcher am 9, Juni lt)09 zwischen dem Pfalzgrafeü 
Wolfgang Wilhelm von Neuburg und dem Markgrafen Emüt 



IJ M. Ritter Sadwen und der JQIicher ErbfotgMtreit, AbhUMJ- 
lungen der k. Uyer. Akad. d. W. Ill Cl. Xu. 90 Anmerkaiig. 



F. Stieve: lieber tiag StntJfndorfig^e (httachttn. 



439 



Fon Braudenbur}4 j^esclilosöuii wurde*), die Rede sei. L/iu^een 

wir dierf gelten, so kommt es duraal' an, featzuatelleu, wann 

n in Prag von dem dortmoiider Verti*age Keuntniä erhielt. 

Droysen ^»emcrkt S. 883; ^Was vt>n da [vom Tode 

erzoj? .Johann WiUielms von Jülich, der am 2o. März UHtO 

erfolgte,] an [in l*r:iff] ge^hah, kann ich au» den mir vor- 

liej^endi'n Beriditen des venetianischen Ge-sandtoii in Pra^, 

Marin df Ciivulli . an die Signoria recht genau verfolgen." 

I Anf der nHchsten Seite bemerkt er dann: „Dass Vorhand- 

^Bjuigen zwitM^heu den beiden Haupfc))nitendeiiteii ßnindenhurg 

^Tmd Neuburg eingeleitet seien , dikss Brandenl*urg :-ic:h be- 

niQhe di restar d'a<;cordo col Palatino di Neuburg, wusste 

miHi in I*rag bereit» am 7. Juni; vier Wochen spater sendet 

Caviilli Aljschrilt des dortmnnder Vertr^es ... an die Si- 

oria.* 

Die im ersten Satze angezogene Stelle »us einera Be- 
bte Cavalhs vom 8. [nicht?.] Juni lautet indes V4dlstiiiidig: 
tantt» HI tengonn avisi , che IVlettor di Brandenlmrg si 
con doi mille fanti et mille envaJli incamiuato verwt 
ella parte [nach den jnlichar Landen] et che di giä d<JV(!«se 
es8er entrato in ijnel stato, difve per Piiitelligeutie che vi 
ineva ri^pett^» allu religinne et pnxjurando di restar d'jiccoi-do 
lU il Palatino di Neoburg et con aicuni delti altri si>eraHse 
di far i|uali'hc progresso.^") Cavalli .spricht also auf Uerftcbte 
hin, welclie bekaimtlich durchaus unbegründet waren, ledig- 
lich von einer dem Churfürsten von Brandenbui^ zugeschrie- 

IJ Obgleich dieser bekannte Vertrug oft und «tteto mit dem 

richiifien Datum j»e»lruckt int uml f>l»(flei«'.h T>roy«<»a BelbRt erwähnt, 

CT V'-netiuninclie LiiwttnUe hiibc vitic Abschrift tlv» niii 'M. Mai [a. St-I 

richti^ton Veitrapes nach Venodi« (fpaeiidet, setat Üroyeen doch 

Alwtfhluju S. :{83 und H'S-i luif dvn 20. Jnni, an wek-hou] Tn^t* 

Fnntten bereit« in DQaseliiori' waren. Dort trftlen sin damalH nur 

püic Abn-de von antergeonlnotvr Bedeutung; 8. Monier Knrbrand^u- 

burgM KLoaUvertr&ge ä. 45. 

2) StoalMiircliir Wien. Dispaecl Veneti 42, 103 Or. 



440 



SitzuHff ihr hietor. Cltwte vom 7. Juli 1683. 



heneji Alwicht, sich mit Neuburg zu verständigen. Von den 
Verhondlimjfen, welche zwischen dem Markgrafen Ernst und 
Wolf^aiij? Wilhelm erat Endß Mai zu Homburjr begannen'). 
liat der Gesimdte noch keine Ahnini»;. Erst am 15. Juni ^ 
lierichtet er, dafw ein Markgraf von Braudeubiirg — den f 
Numen desselben kennt er noch nicht — zvi Siegen einge- 
troffen sei und dort eine Fürstenversamnilung stattfinden sollt*, 
.per detemiinar, coiiie havesse ä governarsi.**) Dass Ernst, 
der am 27. Mai in Siegen eintraf, am 29. nach Homburg 
reiste'), hat Cuvalli auch danml»« noch nicht erfahren, km 
22. meldet er dann: ,L'eletfcor di lirandenhuqj; tratliene 
tiittavia ie genti che giu scrisse [am 8.] ii V. Ser** per I 
entrar, (piando stimera bene nel ducat^i di Cleve», et in tanto 
trattava d'aocordar.';i con il ))nlutinn di Naiburg che parimente 
pretend« quella .suticessinue, aceiothe nniti insieme piii fjwil- 
mente poKäino conäeguir l'inteutu loro.**) Unter dem 2D. Juni 
berichUit er: ,Nid iiegotio dii^ CIcves non s'h« altra novitü 
se mm che in diverse riduttioni s'iwda.SiH> praticando tra ^ 
Telettor di Brandenburg et il Palatino di Naiburg.**) Ewk^ 
am Ö. Juli kann er melden: «Con lettere del »' di Sciani- 
berg [Hans Reichard von Schönherg] commiü^ario di S. C. 
M** md ducato di Cleves, «'ha che l'elettor di Brandenburg 
et Palatiuu di Naiburg en fossero con l'interpositione del 
laugravio di Hassia per tjuella succesyione insieme accordati' 
u. 8. w.*^) Am 13. Juli (ibersendet er endlich eine Alwchrift 
des dortmuuder Vertrages.') 



1) S. Briefe und Acten snr Oeii-hicfate de« diriMiKiühri^ 
KrieKex 11, 8. li^ Anm. I, .Mörnir S. 43. 

2) StJwtflarr.hiT Wien. IWflp. Ven. 42, 203 Or. 

3) ä. Briefe u. Acten 11 nr. 133. 

4) Sta. Wien. D. V. 42, 2-J3 Or. 

5) Dm. 2:J7 Or. 
ti) Don. 267 Or. 
7) Da«. 267 Or. 



F. Stifte: lieber d<M StralendorfiKhe GutachtcH. 



441 



Man sieht, die Berichte CavatUs geetatten allerdings, 
recht genau zu verfolgen, wa^ in Prag geschah, oder viel- 
mehr, was der Gesandte von Woche zu Wuche erfuhr. Merk- 
würdiger NVeidc hat indes Droysen von den hier iiiitgeteilten 
jtechs StttHeii nnr die erste und die letzte beachtet, obgleich er 
aii8 den Briefen vom 29. .Inni und 6. JnH') Mitteilungen 
anzieht, welche sich unmittelbar an die nben abgedruckten 
an-sch Hessen. So ist es ihm denn entgangen, da?« nach Ca- 
vulliä Berichten , die Kunde vnn dem dortniunder Vertrage 
ertit zwischen ileiu 29. Juni und 0. -Tuli nach F'rag kaiu. 

Die kftii*urlicheu Acten sind, wie e-^ scheint, zu Grunde 
gegangen und wir können daher Oavallis Angaben nicht ans 
ihnen bestätigen. Inde:« liegt kein Grund V(tr, sie, in Zweifel 
zu ziehen. Auch der in der Regel sehr gut unterrichtete 
Agent Wilhelm Hodenius wei.s8 in einem Briefe vom 29. .Itnii 
an den Markgrafen von Burgau noch nichts von einer Ver- 
Händigung Hrundenburgw und Neiiburgs.*) Mithin könnte 
da» <lutiu:ht«n nicht, wie Uroy^eji wnll. im Laufe des Monat«* 
Juni , sr)nderu frfihe.'^temt Anfang Juli verfasst worden sein. 

Wenn Droysen sich flir den Jimi entschied, so leitete* 
ihn dabei wrdil die Absieht, eine Schwierigkeit zu umgehen, 
auf welche er freilich nicht ausdrücklich tiinweist. Ich meine 
nicht den rmst;mdf das» das Gutachten keinerlei Anregung 
zu den Mandaten, welche der Kaiser aiu 7. Juli erh&is'), 
enthalt. Da» wäre allerdiugij schwer zu begreit'eti, falls man 
an die Urheberschaft Stralendorf« oder eines anderen kaiser- 
lichen liniva gJaubon will, denn man musste sich in l'mg 
dtn'h s<>f<irt darüber klar sein, dit-is gegen den durtmunder 
Vertrag, welcher nffen Wider.'^tan«! gegen de?i Kaisers rich- 
terliche Kntecheidung verabredete, Kiasprnche z» erheben »ei, 



ß.Juli^ 
ani 



1) DroyBen datiert tlicse Lcicicn Briefe irriger Weiwe vom ^-r 

21 Sto. Wien. .lUlicIi. C'leve. H«rg fasc. 138 Copie. 

ä| 8. diettelbuii bui Martin Meyer Loniiorpiiu Huppletu») I,4H5fg. 



U2 



Sitzung Her histor. CtoMt twm 7. Jtdi 188S. 



und da die Ausfertigung jener Mandate nash dem gewöhn- 
liehen GeMchäfUtg^nge^ den kaiserlichen Hofe« minderet] 
drei Tilge erfordert* , 80 iniisste das GntaL-hten vor den 
4. Juli nnd ttL^^o nicht ohne Ueberstönsuug gefertigt wonlea 
sein. Ich will jedoch hienmf nicht weiter Gewicht legeii| 
nnd hiibe rielniehr du» im Auge, üass das Gutachten in JJ *i3 
sagt: ^Darauf mÜMüten edictales citntiones ergehen und beidfl 
Parteien vorlieschieiimi werden." 

Diese Citjitioueii waren bereits am 24. Mai ausgefer 
wordeil.*) Ortiyseii bemerkt nun allerdings S. 3ft4. dasa sie,' 
wie Cavalh melde, am 8. Juni noch nicht abgesendet ge- — 
wescn seien, weit der Kaiser nicht zur Unterzeichnung habal 
bewogen wnnleii können. Er hat aber wieder die nachst'- 
fulgendeu Nachrichten den Getsandten nicht beaiditet. Am < 
15. Juni meldet nämlich derselbe : »K «tato di giä cspeditoj 
Tordiue per le cose di Cleves .... con che si bünia, chA 
sarä per honi preveduto allr novitii ch'orano segnite et chÄJ 
nella diversitä gniude de preteni*ori et interes^i ehe ri con- 
corrono, liabbi ä fennarsi ogu'altro raovimeubo.* Am 22.) 
fährt er düiin njwh der oben aiw diesem Berichte angeführten 
IStelle fort: ,tutt»> übe di giii f(j**ü pubticato Tordine di S. il'*.' 
Hiernach gingen also die Uitationen sebnu vor dem 15. Juni 
ab und wurden vor dem 22. verölf entlicht, also zu eine-r Zeit. 
wo mau in Prag von dem dortnnnider Vertrage noch nichts 
wus-ste und iiieht!i wissen konnte. Ueberdies ist die er>1e 
Angabe Cavalh's irrig. Schon bei Meteren') ist «ine gegen 



1) DioHem 7ufoI^i? mun^t-«!)! (Itf MiinHiite xiiersf. im i^cheimen 
Rate hesoliloiwen , dann im liwiclwliotViile entworfen und «i-liliesslicli 
in crsterbm ^i.-n(!hnii(ft werden. T>)itiert wurdon iliti Schriftstücke Ton 
Tage der Aasfertlgung, welche uocb der Ueuehmignnff des gehiiatt 
Rateil erfotifte. 

3) 8. Meyer Londorp I. 47!» fff. 

;{| Meteranutfi uovu8, Ana^. IMi), IH, 216. LNu NoUrül^ 
iiutnmieat, welches die Verwahruiiff enthalt, ist nur durch uintB 



F. 8lW€ : ülAer das Stralendnrftadie Outaehten. 



WS 



den dortmnniter Vertrag gerichtete Verwahnm« de« kaiser- 
lichen (le-siindten Hiins Reit'hard von Schonberg getlruckt, 
wnmit dieser die Citatinn dem Markf^rafeii von Braudenhurg" 
und dem Vfalz(?nifen v»«n Nenhnrg zibibdlt. Di««* Verwah- 
rung datiert vom 11.. Juni. Hütte über Schönberg die Cita- 
tion, welehe ihui naeh Düsseldorf nachgeschickt wollen war'), 
am II. XU Dnrtmund iu Hätideti, -^j tim^» die^ielbc, falls -sie 

I auch durch Ciirier llberbracht worden wilrc, späte^ntcns An- 

I fiuig Juni ahgeHaiull worden sein. 

^^L Da nun natürlich nicht anzunehmen int, daf>s ätivilen- 

^^orf .-tich der von ihm selbst am 24. Mai unte zeichneten 
Citaii<»n Anfang Juli nicht mehr erinnert haix> oder dass 
dieselbe einem ktiiserltchen Kate unbekanut geblieben aei, 
>Mi wrtnle inil>e.streitbar der TniHtand, dass day Gutachten den 
KrltLS-s srdrhcr (,'iiutioiu-n i'iiijiKehlt, Drovs^'U-*» ganz«* Hr^wcis- 
ttihntug mit einem Hchhige Ober den Haufen werfen und /.n 
der Folgerung, dass das» Liutaehten gefälscht .•«!. aw^ingen, 
fall.« wirklich, wie- Droysen nunimuit. in jeUfni vom dort- 
munder Vertrage die Kede wäre. 

Dil« ist jeiioth nicht der Fall. An den von Droy»en 
Ö. -iHli Ije/eiehiieteii tStellen lieisst es § 13 , Neuburg sei 
,ciintentirt", mid § 43 Nenbnrg „acquie^iere^- Unbefangene 
Auffassung kann diese Ausdrücke nur dahin vergtehen, dass 
Neuburg dem Churföi-sten von Brandenburg gewichen tiei 
und gegen irgend eine Zusage auf die Besitzergreifung ver- 
nichtet habe, und diiss dies wirklich ihr Sinn 'ist, erhellt aus 
der in § 43 folgenden Bemerkung: .Weil letzUcii Branden- 
burg pnssesnioneni li'gitiniis niediis iLpiuvIiendiii, wird e.-j billig 
dabfi .Ml lang muniiti'uirt. und gMHL-hützet , bis- /.u reicht ein 
ander in jietitoriu sein jas ausget'dbrt hat." Üeberdicri wird 

Druckffhler von Freitag dem 22. Jani datiert. Dieser war iiicbi ein 
PrviUig. wohl aher Jer 12. 

1 1 Mail wii<fKbe ja tn i^rng nicht ruraiw , dnM er Anfunff Juni 
noch Dortmund fffkeii werde. 
J lKd;l. Philw.-phUoI. bixt. Cl. 3.) 29 



444 



SittuHff der hittor. CUtaat vom T. Jtiii 1883. 



in S 15 gesagt: .Da nun ... die jülchisclien Lande hiebe! ^ 
[bei Brandenburgs ülirigeni Besitz] verbleiben sollten*;] 
in den ^§ 23 — 25 femer wird immer nur davon j^proclienJ 
welchen Machtzuwachs Brandenburg durch dif Erwerbung 
der ge>:nmmten jlUicher J^aude erhalten werde , und in den 
§g ü9 — 71 ejidlieh wird die Zukunft in einer Weise erörtert,) 
alri sei nur noch zwif^eUen Brandenburg und Sachsen Aber 
das Krbc zu entcicheideii. Von dem Mitbesitz Neuburgs da- 
gegen ist weder dort noch anderswo die Hede. Laast siclil 
nun denken, das» irgend Jemand in der angefahrten Weüej 
von dem dortmunder Vertrage sprechen konnte, in wcb-hera 
die beiden Kürsttm unter Vorbehalt der beiderseitigen Än- 
sprflche und der etwaigen Rechte ZweibrUckens und Bnrgaiu 
gemein^samen Besitz und gemeinsame Uej^ierun^ venibredoten? 
Ganz gewiss nicht. Der Verfasser dtis (jutiichtfu^s imtte ubne 
Zweifel keine Keuutuis vum doiimuuder Vertrage. 

Damit winl die Annahme iii&glich , das» dm Gutachten 
vor der Ausfertigung der Citatiouen vom 24. Mai in Prag 
gewehrieben worden sei. Wie aber will man dann die elwii 
angett^hrten Bemerkungen Über Neuburg deuten? Er bleibt,, 
meine ich. nur die Vennutung übrig, daas im Mai ein Oe- ' 
rficht von einem Verzichte Neuburgs an den kaiserlicben 
Hof gelangt sei. Diese Annahme ist alierding» äusserst un- 
wahrM<;heinlicb , denn es Hndet sich von einem scdchen Ge- 
rüchte nirgends eine Spur, vor Ende Mai wurden keinerlei J 
Verhandlungen zwischen Neuburg und Brandenburg geptlogeii | 
und noch am 4. Mai mehlete Cavalli : ,11 Palatino di Neoburg 
che pretende la succetwione nel ducato di Cleves, ha con mia 
.scrittura pubUcate le sue rag^iuni, Hggii>ngendi>, che »e ben y 
le era pervenuto, che per parte del marchese di Brandenbuii^ ■ 
fosae fattü qualche atto di |K).-«(esiSü , mm ätimava , che ciö 
fosise di Hua vuhmtä, poicbe ^aria coutrariu aUi accordi ch'ha- 
vevano insieme.*'') Da jedoch die angedeutete Verumtiing 

1) Sto. Wien, D. V. 42. 113 Ür. 



F.StUve: Ueber das Stralendorfische Gutachten. 



445 



tniiiierhiu, um die Kchttieit d<?s Gutnchtens zu retten, auf- 
gestellt werden könute, nifUsen wir xins mit diesem näher 
befassen. 

Prüfen wir zunächst Droysens Gründe für die Urheber- 
öchaft J^tr»lendorfs. 

AU ersten brin^ er S. 387 vor: »Der Discurstis ist in 
Prag geschrieheu , ea heisNt § ()3 : der KulHcr iiiü.s»e heide 
Parteien a n h c r o z« Jwkomraen nnd Friede zu machen 
Fleiss anwenden. Ebenso § t>9: all hier." Konnte und 
niusste aber iiicbt auch ein Fälscher so schreiben, um den 
Aiifichein zu erwecken, da&i ein kuiuerlieher Kat sjji-echeV 

Weiter wendet sich dünn Üroysen ti. 389 ein: «Wenn 
Strulendorf sich vemnlufiät sah, in der jUlichschen Hache jene 
Deuk-sehrift niederzuschreiben, so konnte es nur sein, um 
dem Geheirneiirat rwler dem Kainer selbst seine .\iisicht vor- 
zutnigen. Aber ffir diesen Kaiser Kudolf II. wäre am wenig- 
sten eine so weitläufige und complicirte Darlegung geeignet 
geweseu und der Geheime Hat war, .mi> sollt»' uiun meinen, 
ÄU genau mit der Frnge und ihren einzelnen Be/.ieliiutgen 
vertraut, zu sehr in dem luteresne der augenblicklichen .Sach- 
lage und ihrer Seh\vierigkeiten, als dass der Vicekanzler sieh 
auf 8o weit abführende Eriirterungen hätte eiuzulajweu, die 
so oft von allen Seiten erwogene Sache gleichsam ab ovo ȟ 
erörtern brauchen. " 

Diese Bedenken sucht Droysen .durch eine andere Keihe 
von Betrachtungen" zu entbrüften. Seine ßetrturhtungeu 
hüben je<loch die Annahme zur Voraussetzung, dasa die 
kai--erlichen Citationen vnni 24. Mai .so lange unvoll/.ngen 
blieben, bis die Priitendirenden Besitz ergriÖen und sich ver- 
ständigt hatten*, vias Dropsen hier S. 390, seine S. 384 
gemachten Aufstellungen ohne jede Begründung erweiternd, 
aU feäUtehentk* Thatsache behauptet. Dies«; Annahme ist 
nun bereite oben uh irrig nachgewiesen worden und wir 
brauchen mithin auf Droysea'^ Betrachtungen , welche auch 

29» 



446 



Sitntng der hi«U>r. Clamt rom 7. Juli 18S8. 



Muat anfechtbar erscheinen , nicht weiter einzugehen. Da- 
gegen muss ich .seine Btidenken versttirken. 

Straleudorf war, was Droysen nicht wusste. selbst Mit- 
glied de« geheimen Riitejf.M Wie hätte er aho dazu kommen 
suHpii, dieser Knr])i-r?i(hufl dn Uiitjichten einzureichen, wäh- 
rend er seine Ansichten weit bequemer und wirksiinier mfind-| 
h'cli eiitwiükeln koiinteV Ditss t"iir Rudolf 11. .eine »i weit- 
läufige und complicirte Darlegung am wenigsten geeignet 
gewesen" wäre, wird man noch entschiedener als Dr(»3^*cn 
hetonen m(is.sen, wenn man in Betnicht zieht, da.ss der Kaiser 
seit Ende April unausgesetzt durch die bekannt-en bösen 
Handel mit den bühiiiisL-heu Protestanten in Anspruch ge- 
nommen war lind in Folge davon an heftigen Anfällen deiner 
(leisteskrankheit*) litt, welche ihn abgeneigt, machten, sieh 
mit fif'S4-hnfh>n zu befassen. Jene biihniischi'u Wirren, wtdche 
bia zum 24. Mai, wo der Kaiser den Landtag berief, fort 
und fort einen Aufruhr in Aussicht stellten, Hessen andere M 
seit« wohl auch den Ministem nicht MiiKse und Lust, sich 
nber soiustigc Kragen in weitläiifigeii Discurs4'n zu ergehen. 
Straleiidorf insbesondere über hatte sich schon 1(»06 gegen 
die Uelternahuie des Heich?<vicekanzleranites wegen seines 
hohen Alters und seiner Kurzsichtigkeit ge-striitibt und diewlbe 
davon abhängig gemacht, da.'^s ihm der Reichshof rat»secretär 
Andreas Hanuewald und der üeheimsecretär Johann Burvi- 
tius al« Beistand«' zugeordnet wtirden.*) Bald hatte sich deon 
auch die rnzulanKÜebkeit seiner Kräfte, welche eine nmäcr- 
onlentliehe Verschleppung der Geschäfte nach sich Kog, gc- 



1) S. Briefe und Acten V. 8I8 Anm. 2. 

2) VkI. Oindely Kudolf II, 1, 3W fg- Ueber RudoVs Krank- 
heit im Allgemeinen vgl. Siieve Die Verhrtmllungen filier diu Nach" 
folgie Kait^er Kudolfs H. in den Abhdl. der k. Iiayer. Ahul, d. Wi*i- 
111 Cl. XV unit Briefp und Acten IV und V, Hegister b. v. 

3) Briefe und Acten V, 818 Aum. 2. 



F. Stieve: UeVer dns StraUndorfutche OuUtchten. 



447 



ssei(rt.*) Der alte Herr er!*parbe sich also gewiss «ine Arbeil, 
welche nicht uuumgHU glich notwendig war. Und wnllte ninn 
auch all diese UnastÜnde übersehen, wie wärt; die Art, in 
welcher das Gutachten die jdlicher Frage behandelt, mit der 
Urhebei'jichaft Struleudorft zu vereinbaren? Droyse» ver- 
snobt nicht« dies von ihm selbst unjjcregte Bedenken zu be- 
seitigen, und in der That ist es, glaube ich. nicht zu [fiseii. 
, Seit Iteinahe zwanzig .luhren , »eit Herztig Johann Wilhelm 
I am I.Januar l.^OO wahnsinnig geworden*!, besciüffcigte man 
sich in Prag mit der jOücher Krage eingehender nnd eifriger 
uls mit irgend einer anderen K«ichsHngeIegenb<Mt und suchte 
zu verhindern, diu« diia Erbe in protcstantwche Häuik- fiele. 
Und da sollte der Gcheimrat nnd Heiehsvicckauzler Straleu- 
dorf die Sache wie eine völlig neue behandelt und sich im 
§ 1 als Zweck gepelzt hüben, zu zeigen: „wie hoch und 
gmus nicht dem hochstgeehrten haUKS Oester reich allein, 
sondern auch dem ganzen religionswerk an rechter Verfass- 
ung des j(ilchi.schen rcgiment« gelegen V* Dan ist doch nicht 
annehnilMir und man wini also Drciysens ßeilenkt;n durch- 
I schlagende-s Gewicht beimessen niiUsen. 
^B Doch hören wir seine weiteren CJriindo! 
mm- «Man wird*, sagt Drovseu S. lifH , »nicht in Abrede- 
r'WBen« das« der in dem Discurs entwickelte Vorschlag, die 
Parteien zugleich mit tiebiet^anstauäcb und Hntächäiignugeu 
von der Rechtsbasis hin wegzulocken und zugleich mit der 



1) Bericht CaTBlIis vom 10. September 1607: ,In questo nientre 

il k' viceftinrelliwr« Strn|fn<ir>rf. nncorcM? non hivhbi lon;?ainente »er- 
taiU> iu quellu turic^ et \n^T t'etii K^^ve rtnn piiMi ref^er Uinto peso, 
ra p«>r^ fuplenilo a\ nte-glio c.hh m \t\\h iielli affnri ehe corrono. sino 
che dii fattd ultra decliiiiratione , da che ne .-te^iie oltrc li ultn im- 
pedimeuti rit4in]aini.>nto K-ranilitiximo in tutti li negotii iinixfrtanti/ 
4. WiBii. D. V. HU, 10 Or. 

i!) Vgl. Btievo Zur (i<;fichielite dor Herzo)^ Jakobe von JOlicli 
in der Zoib<«cbriEt des BergiMchen GeNchichtcvereins Xfll, 20. 



448 



Sittung der hi^or. Clasne wm 7, Juli 18BS. 



Einleiiuiig reichsrechtliehen Verfahrens zii bedrohen , eiueu 
^ewamUen und kühnen Ktnatatuuna erkennen läasfc.' Man 
könnte das, meine ich , doch wohl in Abrede stellen. Aber 
Ihssrh wir es aiir-h geit-en^ so bleibt dfK^h die Frage, ob denn 
Straleudorf ein kühner Staatsmann war? Obwohl rnir ein 
unendlich reicheres Material '/u Gebote steht aU Droysen. 
vermag ich die Kräfte nicht zu bearitworhen, denn die /eMig- 
nisue über Heine Per»ÖuIichkeit und Thätigkeit reichen daixtt 
nicht aus. Und vor allem , gab es denn oicht auch an 
anderen Höfen kühne und gewandte Staatsniänner. welche 
beim Knitter die Absiebt, den angedeutetea Weg einzuschlagen, 
voraussetzen konnten? Stets hatte der Kaiser die Entschei- 
dung Ober die Bestellung des Regiments in den jfllicher 
Landen und Über die Erbfrage für sich in Anspruch ge- 
uianmeii und stets hatten die Prutestauten geargwöhnt. er 
wolle die Lande »einem Haiise oder Spanien zuwenden. Was 
lag also näher als jene Vermutungen? 

Ebensowenig stichhaltig erscheint mir der letzte *-lrund. 
welchen Droysen für die Urheberschaft Straleudorfe geltend 
macht. ,Wenn cb", bemerkt er ü. 391. .in dem Dic^urs 
55 ")»'( heiüst: durch das Haus Brandenburg sei Prenssen dem 
Reich aligerisseu worden und der Churfünst habe jetzt den 
Gewinn davon, .wie aber ksl. M' damit content ist, weiss er 
sehr wohl*: — wenn es ebenda weiter heisat: ,danim hat 
er und seine Vorfahren in ksl. Ausdchreibeu niemals deQ 
Titel von Freussen erlangen können, wird ihn auch nie er- 
halten; man hat Preussen also nicht verschmerzt, wicBranden- 
bnrg vermeint; der Ohiirftlrst hat seine Chnrliclehnung noch 
nicht , er hat sich vorzusehen , da«« er nicht nach anderen 
Gütern strebe nnd die seinigen darüber verliere" ; — ja wenn 
es § 58 heisst: ,wir haben von den sächsischen Abgesandten 
verst^^nden , wie der ChurfUrst zu diesen Landen auch gern 
einigen Anspruch nehmen wollte" — so dünkt mich sind 
das .Aeussemngen , wie sie nur .lemand machen konnte, der 



F.Stirve: Ueber das Stralen<lorßMc}te Gataehttn^ 



449 



in hoher amtlicher Stelhnij? stand utid mit Ziivenricht aus- 
sprechen durfte, wohin die kaiserliche Wiltensineinung golie.' 
Die Bemerkungen Üher frensnen enthalten Jedoch nichts, 
was nicht jeder im Reich wnsste oder erfinden könnt.', und 
die Qber Sachsen beweisen vielmehr schlagend , dass der 
DiscurH nicht von Stmlendorf herrTihren kann. 

Der Disrurs redet in ^^ .^H von einem Ansprnt;h Sachsens 
auf die genaunnben jülii-her Lande, während man in Dresden 
damals nnr auf Jülich, Berg und Kavensberj^ Äns^pruch zu 
besitzen glanbte mid erhob.') Als Gnmdlage Her sächsischen 
Kordenmg bezeichnet ferner der Discnrs „die anwartung*. 
welche Kaiser Friedrich , ungefähr vor liO jaren und ilarQber" 
dem Herzog Albrecht von äachseu verliehen habe. Das frag- 
liche Privileg aber war nicht vor MtiH sondern erst 1483 
erteilt wurden. Sodann meint der Uiscurs: , Entweder ist 
die ksl. Begnadigung so zu verstehen, wenn GfUoh zugleich 
in mennlichen und weiblichen Geöchlecht und Stammen nlj- 
gehen werde .... oder* n. t-. w. Er weiss alj^o nichts von 
dem 148t) durch Kiinig Maximilian I. dem ChiirfUrsten Enrnt 
and dem Herzog Albrecht von Sachsen verliehenen Privileg, 
welches beiden sächsischen Linien den .Anfall' der jülicher 
Lanrle nach <iem .Abgänge rechter männlicher Leibes- und 
Leheuöerben zusicherte. Kbenso wenig kennt er die Bestä- 
tigung der beiden Privilegien, welche 1495 durch Maximilian 1. 
erfolgte. Alle diese Urkunden aber waren dem kniHerlichen 
Hofe schon 1<>04 mitgeteilt Wf)rdt;n und Stralend<irf. welcher 
im Juni 1 603 in kaiserliche Dienitte getreten war , weil 
Rudolf ihn zum Reichs vicekuiizler machen wollte'), musste 
von denselbeu sofort Kenntnis erhalten haben oder er hätte 
doch auf sie anfnierk»am werden mfl&sen, wenn er die .säch.si- 



1) Die Belege flr diene und die folfirßnden Angaben UberSatihsens 
Stellonff ia der Krbfolgefrage bietet die oben S. 438 Aom. I erwähnte 
Schrüt von Rittor. 

2) Briefe und Acten V. 818 Anm. 2. 



450 



Sitzung der hürtor. Glasitf vom 7. Juli 1883. 



I 



seilen Ansprüche einer so einziehenden Erörterung untenoff, 
wie »ie nnser (jintiiohtvn enthält. Vor iLllein endlich miifttt« 
Stralendorf wissen . dut« der OhurfUrst vnn Sathi^on in deii 
Jahren 1004—5 und nm-h UUt7, al.-- Straleiidorf t^cJioti Ueiehä- 
vinekanzler war, dem Kaiser die Ahtrelung seiner Ausprüche 
angplioteii htitte, und er rauwsle dtk« erwähnen, w(>nn er in § til> fl 
Vorschlüge« 7A\v Alifiudung .Suclwens machte. Das Öutiiehteu 
dapfegen f^edenkt jene» Anerbietens mit keinem Wurte und 
während Sachsen 1607 auf ein schlesischesFrir-stentnm [Jagem- 
dorf?] hingewiesen hatte, wofür es sein Anrecht dem Kaij^er 
ül>erliuueu wolle, hjtricht der Discura von der OhcrlHUäitz udei 
den sogenannten .Sech«stiidten derselben. 

Mau sieht also, die GrOnde, welche nri>ysea fOr Stnileu- 
dorfs Urheberschaft aufstellt, las-scn teiU dieselbe höch-stcm 
aU möglieh erscheinen, teils beruhe» sie auf irriger Vurau.— 
äebeung« teils sprechen sie wie die rou Droysen i^'lbst äugt- 
regten Bedenken entschieden gegen seine Annahme. 

Zum Leberfluss sind aber auch Aeiisseningeu ritralen- 
dorfe überliefert, welche mit dem Discnre nicht vereinhar 
sind. Dieser bezeichnet in § -41 fg. das Recht Churhrauden- 
bur^ä aul' die jülicher Lande in den stärksten Ausdrücken 
al» luiaufeC'hthar und sucht eü abi fidehe-s dar/.ulegeu. Da- 
gegen meldet der neu burger Agent in Prag, Jeremiaü Pistu- 
rius. in einem schnn 17S5 gedruckten Berichte an I'fiil74fr:»f 
Philipp Ludwig vom 11. .luli IHOfl, Stralendorf habe ihm 
nach Ueberreichuug eine« Schreibens, worin i'fat/.graf' Wolf- 
gang Wilhelm und Murkgraf Erufst dem Kaiser den AWhlu» 
des dcirtninnder Verträge^ anzeigten, gesagt: ,Zudeme habe 
Brandenburg allda gaiix und gar kein Jus; nehme ihn wunder, 
was E. tt. Od. geliebter herr whn gedacht, da^ er soriel 

nachgeben Wunu der verstorbene herzog zu Qfllich 

etc. id est dux .IcMinneM Wilhelnius, ein tochter gehabt, so 
hätte solche nicht erben kdnnen, zu geschweigen der Schwester 
tochter; er hab nft mit E. fl. Ghi. 'geliebtem herm söhn 



1 
I 




T^Stieee: Ueher das SirtümdorflftcHe Gutaekien. 



451 



clesswej<cn cnnfericii; T. fl. *in. halwn ^ar iiurtrht ^ethun, 
diis8 dieselbe Bmndi'nhiir^ /u;^eIiis.seii."M Stralendorf selbst 
ferner schrieb am 5. September lÜOO deui Churl'ürstwn vdii 
Mainz : ,Der Churfflr^it 7nn Sat^hsen , so ungleich U^sser 
\A. h. (ia vorher vim keinem atuieren Au^precber die üede ijit, 
da'* 1)0*^1 recht zu den gfiligschen landen zu haben vermeint 
wird, bat sich neben andern der k«l. LMiniminHon und erkunnt- 
nnsa alhier subniittirt, Brandenburg und Pfalz aber beharren 
noch in ihrem fürnemnien" und haben Gesandte hieher ge- 
!>chickt, .ist aber noch keiner bei mir gewesen noch mir 
etwas von ihnen zugestellt worden. Wa« bei und dnrch 
andere praktisierct wini, da« bixs ich an seinem orte beruehen 
und einem jeden das »leine verantworten^ bei mir wird man 
gewiäsHch wider die religion und Justiz nichts mit meinem 
wiesen und willen erhalten.**) 

Oat« Strabüulorf W«dfgan)^ Wilhelm gegendber, als 
derselbe i. J. IßOri der Jülicher Krage halber zu Prag weilte*), 
wirklicih du»; Erbi-echt der TtJchter und iii-il)esondere da« einer 
8chwestert*>tbter, also den .Anspruch Hraiulenburg.s entcJchieden 
liestritteu hatte. läf«t sich nicht in Zweifel ziehen, denn die 
t^nwahrheit seiner dem PistoriuH gemachten Angal>e hätte 
auf dessen Bericht hin ja sofort festgestellt werden können. 
Wollte man nun auch — was doch sehr gezwungen und 
unwabrHclieinliüh wäre — annehmen, dass er mit seinen dem 
Agenten am 0. Juli IflOO geäuH.Merteu Bemerkungen ledig- 
üch bezweckt habe, Nenburg gegen Urandenburg zu ver- 



1) Christopli Üithraar Solida Ü^feriKio »ucoincta« deduclionis 
jnriani suci-etisknii» Her. dumui ac »tirpi Piilatinoe Ncoburgifo-Solin- 

bacenu in daeatu» Juliac compf teniiam , u. «. w. 17tj5, Bei- 

la«e 6. 

2) Cfaamiainzcr Archiv zu Wien. JnliaceiifliA l, 214 Or. 

!il K. Stieve Actfciatfirkt^ und It<'gi\Hton «ur OcBchichtc der 
jQlichcir Lande, in der iitiitiichr. ded fJer^fischcn UcachicbtdvcromH 
XVI. H8. 



452 



SUtung der higtw. Cituee vom 7. Juti 1883. 



hetzen , so ist doch die gleiche Absicht bei jeneu frühereD 
AeuÄStTuugen nicht voranszuK«tzen, dn Ni'ubnrp Il>05 tthne- j 
hin Brauileiibiir}^ zu vcnlrängen trHcliteti« tind in gespiuinieni i 
Verhältnisse zu demselben stand. Eben.so ist kein Grund ' 
abzusehen . weshalb der Heichsvicekanzler den Churfflretenj 
von Mainz Ober seine wahre Meinung getiiuscht haben .sollte;] 
die Bemerkungen aber, welrhe «r in dem an diej^en j^erich- 
teten .Schreiben über Braailenbur^f und Nenburg macht, zeigen ^ 
wieder unzweifelhaft an, dass er die Ansprüche jener f^r H 
unberechtigt hält. Ist es nun denkbar, daas er im Mai 1609 
Brandenburgs Ilecht fHr unanfechtbar erklärt haben sollte? « 
Zu beachten ist tlberdies, doA^^ wenn 8tralendorf ä^^: esV 
wird vermeint, Sachsen habe das beste Recht, die Vermutung 
nahe liegt, er habe bezüglich der sächsischen Ansprüche eine 
eigene und selbstgebildete Ueberzeugung , wie sie der V^er-J 
fasser unseres Gutachtens kimdgibt, noch nicht beseese 

Die älteateu Handschriften, welche bekannt sind*), geben 
einen Verfasser des Gutachtens nicht an. Wenn später Stralen- « 
dorf» Name mit demselben verknüjtft wurde, so hat das »einen | 
Grnnd vermutlich nur darin, dass man» um die Bedeutmig 
des SRhriftsttlckes /u steigern, für dassellw einen bestimmten 
Vater unter den hervor ragenden kaiserlichen Raten suchte. 
Da war «e ganz natürlich, dads man an den Reichsvicekanzler ^ 
dachte, welcher am kaiserlichen Hofe in der Hegel die das 
Reich betreffenden (je^ühäfte leitete. Zuerst wurde in einer 
Handschrift, welche Droy.sen vor das Jahr 1620 setzt, aof 
Hans Ludwig von Ubn, den Nachfolger Stralendorfis hinge- 
wiesen, wobei wohl nicht daran gedacht wurde, daas dieser 



1) Auf die Vermntunff. die Droysen S. 391 fg. hinwirft, da» 
in einem Schreiben des Chf. von Uran den Iiuri; vom 6. November 1609 
auf unHer Gutachten hingewiesen w«rdf . g]anl>r ich nicht eiogiben 
zu mtisaen . da Droysen selbst ^die Andeutungeu nicht beHtitnmt 
genog' findet, «um miseren DiBCunus darin wieder vi erkennen.* 

2) S. darüber Droysen S. 371 fg. 



F. Slitvt: Ueher dns HtraUndorßache Gutachten. 



453 



1609 bereitti «eit .Tahrfn Reichshofrat war*) und als solcher 
(lea Discurs v«rt'uH.st hulieii krniiie, sondern einfach Uben^h^n 
wurde, dass damalM das Vicekanzleramt durch Straleudorf 
verwaltet wurde. Geschichtlich besser Uiiten-ichtete nannten 
dann später Stralendorf. Mit dt-ti Verhältnissen am kaiser- 
liehen Hofe vertraute ZeittfenoHseii würden da^e^n eher auf 
Andreas HanEiewald geraten haben, welcher in den Reichs- 
aii^elegpnheitt'ii weit thiitiger nnd einäussreiehcr war als 
Stralendor!*) und wie früher*) st> auch wohl noch 1609 die 
jtilicher Sache bearbeitete. Da aber auch er im geheimen 
Rate »asfi und in den böhmischen Wirren lebhafte Thätig- 
keit entwickelte, erheben sich geg«n diese Vertuutung sofort 
die oben gegen Straleudorfs Urheber^ichaft geäusäerten Be- 
denken. 

Für den Versuch , eine beBtimmte Persönlichkeit aU 
V'erfäÄser unsereä (rutacbten» nachzuweisen , fehlt jeder An- 
haltspunkt. Pröfen wir also de-ssen Inhalt lediglich auf die 
Frage hin, ob es von irgend einem kaiserlichen Rat*? oder 
überhaupt vun einem kaiserlich gesinnten Katholiken ^ der 
«ich in Prag aufhielt, herrühren könne. 

Wenn ich gegen die Urheberschaft Stnihmilftrfs oben 
geltend machte , da.s8 das Ontachtcn die jülichcr Krage wie 
eine ihrer Bedentiing nach noch gar nicht erörterte be- 
handelt und da88 es vollständige Unkenntnis der Ansprüche 
Sachitens und des von die-^em wiederholt gemachten Tautich- 
anerbietens verrat«, so sprechen diese Gründe selbstverständ- 
lich ebenso gegen die Annahme, daas da^ liutachten von 
einem anderen in die kaiserliche Politik eingeweihten Manne 



1) S. Briefe und Acten V. Rc{f ister it. v. 

2) VgL ». a. 0. TV und V Regiater ». v. und Stieve Ursprung 
du* dreu«Bi(f[)älinffen Krii^);**« T. 

3) 3. Ritter in der üben S. ^iS Aniu. 1 angefahrten Sc-hriit 
8. 16. Vgl. Droysen S. 388. 



454 



SiUunff der hiator. Claane vom 7. Jtäi 1883. 



herrülire.M Dazu kommt, das** vüu den vor .Johiiuii Wil- 
helms Tode in der julieher Angelegenheit getrolFenen Maß- 
nahmen des KaiaerM, von den damals erfolgten, wiederholt«u 
Abweisungen der Interessenten und ihrer Freunde, von der 
nach de:^ Herzogs Ableben gedchehenen Beauftragung dreier 
Cummissare und von den diesen ert«ilton Befehlen mit keinerafl 
Worte die Rede ist, d.uss die Ansprüche des Herzogs von 
Nevers und diejenigen , welche Erzherzog Albrechi. auf be- 
dentende , von Burgund zu Lehen gehende Teile erheben 
konnte, nicht erwähnt werden, obgleich der Heichshofrat im 
August ItjOH bezüglich der Ansprüche Nevers" und Albrechbt 
erklärt hatte, sie neien , nicht die schlechtesten"*), und dat« 
in keiner Weise in Betracht gezogen wird, wie weit man 
auf ditf Iviga rechnen dürfe und welche Hülfe Spanien von 
Bitrguud aus dem Kaiser leisten könne, während doch der 
eben geschlossene nieder tändisi^he Stillstand jenem freie Hand 
zu anderen Unternehniungeu zu gehen schien. Auch 
nicht darauf hingewiesen , wie nachteilig der Verlost einer 
katholischen Stimme auf den lieichs- und Depututioiistagei 
dem Kaiser sein müsse. Van »11 dem hätte ein kaiserlicher 
Rat unl>edingt reden müssen und auch ein anderer Katholik 
hätte wenigstens einige dieser Pmikte nicht unlwrUhrt i 
können. 

Gehen wir sodann zu dem, was in deni l^utachten ge- 
sagt wird, über, so Hnden wir in den g§ 2—8 zunacb.«^ 
einen Bericht über die Entwicklung der Heichsverhältniäw 
seit der Kirchenspaltung, dessen Gedankengang folgender ist: 
Luthers Ketzerei hat unter den Reichsständeo so viele .^n- 



lerH 




1) Iiosa Sacbnona TnuRehantrag auch dem R^ichHhofrute bebutfl 
war, wigt das QutuohtcD dctwelben vom AQgu>it KiOS bei Bitt«r 
a. a. 0. 20 Aiuh. I. 

2) In «lein o^Hjn crwÄhntcn (liitachten \m KitttT. Von NftMi 
war inj Mni nach Berichten Cariillifl ein Cie«andter in Pr.ig; Rio « 
weniger konnte also ein kaiserlicher Rat auf ihn Tergesften. 



F. Stieoe: Veher äa$ Straien4orfis(Jte Gutachten. 



455 






hänger »gefunden, dasä uian ihnen allerliaud Priijudicierlichei) 
pinniunien miL-isle und es wÜrfi ^(>wi.ss ntK-h iirjf(»r geworden, 
wenn Gott nicht dem Hause Oeslerreich eine Muchb verliehen 
hätte. W(?Iche auch lüe etürksten Feinde scheuten mnssten. 
Viele vaii den ketzeriächeu FUraten sind sehr luisehnlich ge- 
worden , keiner aber K^lanf^te 7.11 solcher Macht , das» die 
kathoRsrheit Müchle Anlu.-^ Ruhaht Itütteii , sich duvor zu 
entsetzeu oder .etwas bft^or)?ticlLS zu befuhren.* Dtm haben 
die Ketzer wohl erkannt nnd de^thalb stets gewünscht , dass 
einer von ihnen in den Stund ^elHu^e, den Katholiken Kin- 
hftlt thnn und ileni Hause Oesterreii^h den Kopf bieten zu 
können. Je mehr sie aber nach djesera Ziele trachteten. 
desto mehr entfernten sie sieh davon. Des Ohurfürsfcen Auguid: 
Villi Raclisen Macht war freiüfh ^ross, aber er y.off »w vor. 
«ich die üunst Oesterreiulis nnd der Katholiken zu bewahren, 
und so hatten diese nicht nöti)^, ,ihn einzuhalten.' Hein 
Sohn Chri-stian hat sicli mehr ,in seinem Sinne hoch er- 
hoben*, als da.ss er U rosse» hätte unternehmen können; doch 
hätten allerdiiij^^ die KathoHken wohl gej^en ibn eiu.sciireiten 
mOssen, wenn er nicht rasch gestorben wäre. In der Folge 
Hess den AdniiniKtratijrs V4»n Sachsen Friedensliebe und die 
nichtbure Abnahme der sächsischen Macht erkennen, dasä 
dort die .\bsicht der Ketzer nicht zu verwirklichen sei. Da 
hat sich ,bei dem andern Uburhau^e Brandenburg eine 
sothane unvermutliche veründerutig schleunig begeben, das 
nunmehr es sich fast ansehen lasst, als sollten die lutheri- 
schen dadurch fast mehr können behaupten, als sie vor dem 
verhotfru mögen." 

Entspricht uuu diese Durslellutig den Anschauungen der 
Katholiken jener ZeitV Keincswe^. Weit entfernt, sich 
den Protestanten tlberlegeii zu ftihlen . waren «ie von be~ 
ütändig wachsender Sorge vor deren , wie sie meinten , auf 
die Beraubung und Vernichtung ihrer Kirche nnd die Zer- 
IrOmmemng des Koiches gerichteten Praktiken erfüllt. Miui 



456 



Siteun^ der hütfor. CloMe vom 7, Jyii 188S. 



le»e nur ciiiiiiat die bei den KeicIiKtagen angebrachteu Be-J 
schwerdeu oder blicke iu echte Acten*) hinein! Wie di« 
Protoätanten die Katholiken, gfia^ so tiircfaieten dit^e jene.] 
Bin Katholik, der Hie Verganj^enhcit schilderu wollte, wUnlel 
an den seh iiuilkali) Lachen Krie^ und die FAnttenverschMrüntnf^j 
erinnert und dann RufgeKühlt hnben, wie die HniU-^ttanten 
trotz dem Reli^ions frieden diis Kirchengut in ihren (.J^bieteal 
eingeztjgen, wie sie sechzehn ßistuiuer und mehrere Reich»-J 
abteien an sich gebracht und sogar nach Köln und Strsäa 
biirg ihre Hand an>jgestreckt , wie sie in den Heicb^itädten' 
die Kathidiken bedrückt oder ihre GlaubeusUbiiug einzu-_ 
ftlhren gesucht , wie tfie die protestantiiichen Unterthiuieitl 
katholiKcher Obrigkeiten ini Widerstunde gegen d ieso he^ 
stärkt, wie sie das Keich so oft mit rnnihe erföUt und niit 
dem Ausliinde iiiiicticiert, wir sie sich gegen de» licichs*- 
hnfrat und da^ Kamniergericlit aufgelehnt, wie sie deui Kai«»« 
die Keichstttge ..schwer geumclit* und wie sie die OepuUi- 
tiouittiige und vor Jahresfrist auch den Keichstag zer-chlagea _ 
hätten, n. a. w. Diiä hütte auch dem vurgeblichen Zwecksfl 
unseres (lutaichtens weil besser entrtpi-ochen ak der dort ge- 
gtd)ene Bericht. Dieser ist uuläugbur protestantisch gedacht 
Kh erhebt sich gegen ihn aber noch ein anderes uichbj 
minder gewichtiges Bedenken. Wen betrachteten denn diej 
Katholiken als die Anstifter aller Unruhen im Reiche, wen 
hussten und fürchteten sie vor Allen? Waren e■^ nicbt ilie 
OalvinistcQ und insbewindere l^huri)fiil/, ? War nicht Chnr- 
pfalz seit den Tagen Friedrichs III. stets der Führer der i 
prnf^'HtaiMtist-lieii Iteweguiig^partei gewesen und stand m nicbt 
an der 8pitj«? der jfiiigwt errichteten Union, welche «It^iu 
Kaiser und den Katholiken so groitse Sorge bereitete? WeiltT 
von den Calvinisten noch von Ohiirpfalz noch von der Union 
ist jedoch in dem Discurs die Rede- 

1) Vgl. E. B. Briefe ond Acten IV und V. Uegüter a. r. Ka- 
tholiken, deutsche, Besorgnisse vor den Protefttanten. 



F. Sliete: Ueber das Straietulorfische Gutachten. 



457 



Droysen selbst scheint nicht verkannt 2U haben, dsjsa 
diesem Schweigen schwere Zweifel an der Echtheit des Dis- 
eurseä erwecken könne. Er bemerkt S. 375: ,ln dem, was 
der Verfasser sagt, und fast inuhr noch in dem, wa-* er nicht 
sagt , erkennt man mit Bestimmtheit einen (gleichzeitigen 
aud im vor/ÜKlicheii Masse imterricbt^ten Staatsmann. Nur 
ein solcher kuuute wissen, djiss der Churiurst von der Pfalz 
und die Union der Kvangelifchen filr die Krage, um die es 
sich hamlelte, so bedeutend sclieinbar ihre Stellung war, 
nicht von Gewicht seien.' 

Diese verblCiö'ende Behauptung zu begrEindeu, hat Droyaen 
unterliLssen und ich siuue vergeblich hin und her, was sich 
etwa zu ihrer Ilechtfertigimg auführeu lasse. Chm-ptalz 
erhob selbst auf Teile der jillicher Lande, welche von ihm 
zu Lehen gingen, Ansprucl) und hutte sich, um tle-ssen Ver- 
wirklichung zu sichern und die jülicher Erbschaft nicht in 
die Hände HpanieiLs ü<ler Oesterreichs fallen /.u lassen , im 
Februar 1005 mit Churbramleiibiirg und balil darauf gleich 
diesem mit den Üollilndem zur Durchsetzung der branden- 
burgischen Ansprüche verbündet.') Pfalz- Neiiburg hatte, 
aU es der Union Ijeitrat. ohne Zweifel die Hiitthung gtdiegt, 
duas dieselbe ihm zur Erwerbung der jUlicber Laude Hülfe 
leisten werde, und es hatte sich gleich nach dem Tode 
Johann Wilhelms an ('hurpfal/ mit der Bittt^ gewendet, seine 
Besitzergreifung zu unterstützen und uütigenfalU zwischen 
ihm und Brandenburg zu vermitteln.') Öhurbrandeubuj^ 
zeigte sich sehr beunruhigt, aU Uhurjtfalz zu Neulntr^; zu 
neigen und ihm kalt zn begegnen sehien.') Hottatid und 
Krankreicli sL-hickt<*u ulNbuld au Churjdulz Gesjiuilte, um sieh 



1) M^trner Kurbruiiclt.-ubiirgN StuatHTertnlgc 8. 32 und -^Si 
Briefe u. A. I n. 'SS~ and ^150. 

2) Vgl. Stieve Urrtprung (leH JreixHiKJtLbrigun Kriege« I, 24fi 
Anm. 1 und Uriefe und Acten U, n. 111. 114, UH Aiuu. 3. 

S) A. a. 0. n. läÖ. 140 und S. 289 Anm. 1. 




458 



Süsunff der histor. Clasae tom 7. JiUi 1883. 



mit ihm zii verständigen und sich seine rutcnätntznnK 
ihre Absichten zn sichern.*) Ltiiidj^af Moriz von Hi 
erklärte bei den dortiniinder Verhundlunjieu wiet!erhoU. d 
die Union ,diis Kuinlament der jßlicher Sache sei.*) Soll 
man nun am kaiserlichen Hofe nicht ebeufallri gemeint haben, 
dass Ohiirpfalz nnd die Union ffir die jnlicher Sache «w 
Oewicht seien und in derselben wie in jeder anderen Keichs- 
angelej^enheit gegen den Kaiser Piirtei ergreifen wflrdenV 
Eben im Mai fand eine Tagfahrt der Union zu Schwäbisch' 
Hall statt, nieselbe lehnte allenlin^s eine bewaffnete Unter 
stdt/Jing Nenbui^ ah; dies wusste mau aber doch in Prag 
noch nicht. Dass dann noch dem Erscheinen dtw Erzhenwiti» 
Leopold in Jülich (Jhuri>fulz und die Union sich entächieden« 
für Hie Possidierenden die Waffen zn ergreifen, dass sie ihnei 
den Beist-md der aiiswÜTtigeii Mächte Terniittelfccn nnd dai 
sie aelM ein Heer ins Feld .stellt^ni, welches Atta Kr/.hcn»*^ 
vertreiben lialf. ist allbekannt. Wie sollte also irgend ein 
gleichzeitigiM', in vorzilglichem Masse unterrichteter Stoato- 
maun haben wis-sen oder auch nur meinen kimneu. dtu» 
Churpfalz und die Union für die jülii-her Knigp nicht von 
fiewicht .seien V 

Obendrein handelt es ^ich aber auch in der Einleitung 
unseres (-iutuebten.'i gar nicht um die jüUcher Frage, sondern 
um die allgemeine Entwickelung der Reichäverhältnisse »»ir M 
iÖOi) und da hätte ein Katholik statt von Chursachsen unbe- " 
dingt von den Calvinisten, von Churpfalz und von der Utüoti 

reden müssen. i 

ii 

Z\vingt nun hier da.«! Schweigen des Disciir<eä «eiw 
Echtheit zu lUngiuMi , so «rwecken in den ji§ — 2"i «iui* 
Mitteilungen Verdacht. Ich erwähne nur nebenbei. Ha*, 
auch ein Gegner des Hause» Brandenburg, welcher in feimJ- 



1) A. ft. 0. n. 134, 137. 139. 

2) A. a. 0. n. 137. 



F.Stiere: Üeher dtu StraleuJorfinche (hiUtehteti. 



459 



seliger Absicht eine übertriebene Vorstellung vou seiner 
Mo^^ht hätte erwecken wollen, die» sühweriich in einer mo 
masslosen, mitunter ans Lächerliche streifenden Weise gethan 
haben wilnle, wie es hift ge^rhieht; tlnsä dereelbe sehwerlii^h 
von den ,s(>niltTbari;n grusseu Diensten Ke}^»m diw Reicli und 

I das Haits Oesterreicli", wetehe Uhurfür>it Joiichim II. urn) 
Markgraf Hans von Ktistrin zu erweisen boniübt gewesen 
^eien, gesprochen haben würde und das8 er des; strassbnrger 
BiätuiiihthaniielH schwerlich mo luiliie gedat^ht hätte wie der 
Diwiin* in g 20. Weit liedenklicher ist die ausserordent- 
lich genaue Kenntni« der brandenburgischen Geschichte nnd 

, Iiandt' , welche tier Verfasser entwickelt und zwar unnötiger 

■ll^eiae, da fQr seinen Zweck allgemeine Umrisse v(dlstän<lig 

"*^nögt hätten. 

Die tliMitwt^hfU ^tttutHiuänner dc^ sechzeluit^^-ii und sii'h- 
zehnten Jahrhunderts zeigen wie auHser einzelnen Oelcdirtcn 
allf ihre Landsleute luigemeiue Cnwisäenhett in Bezug auf 

I Alles, was über den Bezirk ihrer uniuittelbaren Anschauung 
und Thiitigkeit binausliegt.^) Die Unzulünglichkfit der V^'r- 

I lci*hrs- und Lernmittel macht das begreif Heb, wenngleicli die 
Prfd>en jener Unwis.-:euheit uns bisweilen über das Mass des 
Möglichen hinauszugehen scheinen. Unser Verfasser aber 
weiss nun im ^ 9 alle die Landteile anfzuKählen. welche seit 
dem Beginn des 15. Jahrhunderts zur Mark gekommen waren, 
and er weiss, dasa im 15. Jahrhundert, die Aemter der Neu- 
mark fast »ämmtlich dem dcuUchen Orden verpfändet und 
die branden burgischen Lande .fast öde und wüste' waren. 
Im j5 11 lierichtet er, dasK Churfüriit Joachim 11. und Mark- 
graf Hans durch ihre dem Keich und dein Mause Otfcerreicb 
erwiesenen Dienste -die nutzbare bier- imd niahlateucm* bo- 



I) S. Stiere Churftlrst Maximilian I. von Baytfro, Akad. Fest- 
rede V. "20. Juli I>*.S2, S. -0 fy. und vgl. a»iw»er «K-n dorl Anni. ;(7 
uij^nihrten BeihpipJfln dip iu ,Üri«f« u. AcU'n V, H«giiiter, Deut*cb- 
laoU, Poliliscbe Unwisfienhett.*, erwäbatt-'n. 
11883. PhUcw.phüoI. bist. Cl. 3.1 3n 



460 



Sitzung der higtor. Ciaast vom 7. Juli 1883» 



kommen hätten. In § 13 [und nochmals in § 23] erwähnt i 
er, dass dem Churttirsten Juhann Siegmund ^A&i Herrn ■ 
Meisters zu Sonnenburg liinile" zugefallen seien , während ~ 
dieser erst am ä. Mui 1(309 gestijrben war.*) In § 21 end- 
lieh erzählt er, dass Ohurftirst Johnnn Georg ,die vewtung f 
Drie»en fast ehe erbauet, proviautiret und atit» stattlichäte 
vergehen, als man darvon zeituug überkommen'', Kinzeln- 
beiten, die, wie Droysen S. 377 bemerkt, richtig sin«!, 
aber äognr dem gleichzeitigen brandenburgischen Oesclüeht»- 
schreiber NicoJaus Leuthinger unbekannt waren; ja er sagt, 
da.s8 ,maB sich, die Elbe, Oder, Spree und Havel als vor- 
treffliche, schiffreiche wa&ser mit sothanen expensen in ein- 
ander zti briugeu, unterstanden, das e>i fust mit wurten nicht 
zu erreichen, ja tlesseu schwerlich ein exempel zu finden ist, 
dardurcb beide die Ost- und Westsee aU eine Kette an ein- 
ander gehänget w<inlen und also Preussen und Mark wie 
auch Gillch auf allen Kall eines dem andern die band reichen 
könnte. " 
.^ Dies« letzte Bemerkung hat Drojsen Kell>st Bedenken 

erregt. Er Ijeriehtet Ö. 377 fg., dass weder Leiithing*^r, der 
bis 1<JI2 lebte, noch die gleichzeitigen Landesbeschreibungeo 
und Karten der Mark einen Canal zwischen Spree und Oder 
kennen: duM der im Discurs gemeinte „neue oder Kai^r- 
gmben*' vuu König Ferdinand 1048 augeregt und der Bau 
deeselben von diesem durch Vertrag vom 1. Juli 155H nber- 
nommen wiirde; dass später Kaiser Maximilian II. auf dessen 
Volleudung drang; dass 1585 eine churbrandenburgiacbe 



I 
I 



II Üroynnn S. .^82 mich Winlnffpld (jtwdiiclite de« Johnii* 
niterordens p. 72G. Tel» veriiia»f nicht festzustellen, ob diu OKtum 
nach altem uder neuem Kalender an^^e^abeD ist. Wenn Krstcrea Afi 
Fall, 80 hfttteD wir hier einen neuen Gnmd gogt^n tlie Kchilicitt de* 
Dtacumes, denn von dnni axu. Vi. Ua'i n. 8t. erfolgten Tode dßrft« 
mau in Piu^ vor dein Kctwurt' dc?r CitaLionen vom *J4. Mü sdiwer 
lieh Kenntnis gehabt habea. 



F. Stiere: Uehtr da» Stritlemhrfische Gutm^en. 



4(>1 



Commission den .Tor etlichen Jahren gcnnichten* Pirahen 
unvdllendet Innd ; ihum keine , beätimniie' Nachricht von 
einem unmittelbaren SchiflVerkehr aua der Spree in die Oler 
vorh'e^; dass die Acten über den Canal eine Lßcke vom 
Jahrt> l*i85 bin ll>l8, wo der g^rosse ChurfÜrst den Plan 
wieder aufnahm, zeigen und duas jener in einem Schreiben 
an den Kaiser ausdrücklich s;^, dass eine schiffbare V^er- 
bindnug nicht hergestellt worden sei. Droysen stellt darauf 
die Frage: ,SoU man schliessen, das«, da der C anal ja nicht 
ferti)? geworden, der Di-scursus unücht sein mOst*e, oder muas 
man die Tbatüache, die das Schreiben des groa-sea Chnr- 
förstcn angibt, tür unrichtig halten, weil der Discursus das 
Gegenteil angibt?" l^nd er antwortet: ,In dieser pein- 
lichen Alternative boten die Memoiren des Cardinal Ri<*hplieu 
Aushülfe.' Dort heissfc es niimlich , der Dänenkönig habe 
sich 102li hinten Klbe und Oder zu rückgezogen , ,oü i| ite 
l>ouvi>)t facitenieut fortifier et en enipächer le passage tant 
|xiar rawiiftte de ces lieiix-Iä marecageux tjui rendent Tacc^ 
des rivieres presqiie inipossihle. <|UP ponr la conjonction ipii 
a ete faite il-y-a lungbemps de cea rivieres par un tr^a 
large canal." Daraus folgert nun Droysen : »Die Angabe 
des Cardinnis beweist nicht ohne Weiteres, dass der Canal 
fertig ond schüfbar war, aber nie beweist, dasB ein Schrift- 
stück . das sich ho darüber äusiwrt wie der Discursus . um 
solcher Aeuwerung willen nicht unächt sei.* 

Ich versU'lu! diospu Schhiss nicht, denn, wenn der Üis- 
cni^, wie Droysen S. 380 sagt, eine Hcliiffbare Verbindung 
.mit beHtimniten Worten behjiuptet', das St-hreiben des gronseu 
Chnrfiirsteii aber ehenso bestimmt liericbtet. dass der (irabf-n 
nicht vollendet worden sei, so ist doch zwischen diesen beiden 
Ängal>en eben einmal keine Vereinigung mogtich. Beweist 
ferner die Stelle der Memoiren „nicht ohne Weiteres" die 
Schitf barkeit <les Graljens , so kann sie doch , bis die^iis 
, Weitere' beigebracht wird , auch die «bestimmte Hehuup- 

30* 



462 



Sittung der histor. Clattge vom 7. Juli 2833. 



tuDK* des Gutachtens nicht K'^gonüber doni cliuriXlrstlicbea 
Scbifnben, welches durch den ComniiäsioiLsbericbt von 158Sfl 
gestatzt wird, reciitt'ertigen. Ich meine ub«r, dass sie Kber-fl 
haupt gar nichts , beweist". Sie s|)richt von einer VerbiD'" 
düng zwirichen Oder und Elbe. Das ist migenaii , da der 
Graben die Spree und ein NebeutiüAschen der Oder verbinden 
solltp. Kann sin nun nii^Jit chen-so ungenau in ihrer Angabe 
3ein, daaa die Verbindung vurhsuiden gewesen V l''(ir lücheliea 
handelte 68 sich ja gur niclit um den Graben an und fOr 
sich, sondern nur um das einem Heere »ich ent^e-gcn.st4^^)lpndefl 
Hindernis, welches natiirUeh ein den Flüiisen nahe geführter," 
im Laufe von etwa sechzig Jahren durch Kegen und Gmnd- 
wasäer gefüllter nnd verschiuninit^r Tirnben ebenHognt botj 
wie ein gau/. vultendeter. Wozu (tollte aUo der Cardinal,! 
der nicht auf eigenen Augenschein hin schrieb, uicb einerJ 
[>einlich6n Genauigkeit beÜeiäsigen ? 

Wir werden daher daran festhalten mdssen . duss der! 
Graben nicht fertig und schiffbar war. Una Gegenteil be»J 
hauptet denn auch un.^er Gutachten nicht. Oas «8ich unter"! 
standen" desselben kann, wie Droyscn selbst bemerkt hat, 
nach dem Sprachgebrauche jfner /eil auch lediglich bedeuteu ■ 
„verüucht" oder «begonnen*« und ilnan e»» wirkHcb si> genietat V 
ist, l)ewei:4t eine von Druysen nicht beachtete Stelle in § 22, 
Dort hcisst es nätuUch: , weiter zu genchweigen, das « as 
der au^fart der ^chitfe diesen landen allein nicht uiangelti 
sondern die herrlichen F'Ulsse darzu treft'Iich dienen, j» s« 
das vorige werk hierzu knmnit, um soviel mehr d*6 
Iwftirdern können." Die hervorgehobenen Wort« köoD«!) 
sicli nur auf den im vDrausgelienden Paragraphen erwihntBD 
Graben beziehen. Das Gutachten widerspricht also nicht, 
wie Droyücn meint, dem Schreiben des grossen ChurfOwt»», 
ftonderu es stimmt mit demselben überein. 

Lag nun der Graben dem OomniisHionsbericht von 15H5 
gemÜsit seit mehr uls fünfundzwanzig Jahren unvoUentlet tintl 



F. Stieve: üther tim StraUn'Vfrfiwhe GtUachten. 



*(>3 




aie schiffbar geworden, so erhebt sich die Frage, wie 
sollte ein Nichtraärker von ihn gewusst haben , während 
nicht einmal Leuthinger , die Lnnin>«schreibiin^'en und die 
Karten ihn kennen V Ent«pr*3cheude Fruj<eu dräuj^en sieli 
bezüglich der anderen, oben hervorgeUobeuen Einzelheiten 
auf. Um sie zu lösen, müsste man annehmen, dass der Yer- 
f&«Her des Gutai:htens jene Ei nzelli eitern Näniniilich durch Zu- 
fall kennen 'gelernt oder das.-: er eigens eindringende nnd 
zwar zum Teil archivalisehe Studien über Brandenburg ge- 
macht hätte. Dana jedoch die eine Vermutung so wenig 
ir'ahrscheinlichkeit für sich hat wie die andere, liegt auf 
r Hand, l'rid würde denn ein Anhänger Oesterreichs den 
Mitgliedern dieses HauNen angeregten^ begonnenen und 
triebrnen Kaisergraben als ein W^erk der Brandenburger, 
welche gar nicht dabei mitgewirkt hatten, preisen ? Diesem 
Bedenken kt^nnte man nur abhelfen , wenn man annähme, 
der sonst so ungemein gut unterrichtete Verfasser habe die 
tetehnngsgeschichte des Graben?; niclit gekannt. 

H(iehät befremdlich int iu dem Brandenburg betreffenden 
Abschnitte auch die Bemerkung des § 25: «daa der jetzige 
churfdrst »meiner religion wegen n4M'h wenig erel«rung gethan 
tiUo beide die Lutherischcii und Zwingliauer «ich <ddigiit 
ht.* Eh ist schwer zu glauben, da»* man es in katho- 
Krcisen beachtet hatte, dass Johann Siegrannd sich 
seine Stellung /.um Luthertum imd Calnni^mii^ noch 
[cht erklärt hatte, und noch weniger wahrächeinlich i^t e», 
ein Katholik dieae Thatsnche, so, wie es hier geschieht, 
fcrwertet haben würde, denn Ikm der Schroffheit der Glaubent»- 
gegenHÜtze lag die Folgerung näher, dass der Churftir'-t sich 
durch seine Haltung beide Parteien oder mindestens die 
■^kitberancr verfeinden werde. 

^H Weitere Bedenken gegen die Echtheit uiifieres Gutachtens 
^^Tegt sodann die in den %^ 27 bin 40 gegebene Auseinander- 
^ 7etziing nber die Lage des Hau-jcs Oesterreioh. 



^nt 





4ß4 



SÜMunff der ttiglor. Claiue vow 7. Juli 18S3. 



Eiu Rat oder An b Säger de^ Kaiserä würde sich doch 
gescheut; haben, in § 27 zu sagen: .Uml ist kein icweifel,fl 
das dipwcs Hans Jeichtlich bei diesem zustand fallen und hiii- 
fUro die zn fürchten und dnner zu dienen könnU» gezwungen 
werden, so ihm bishero zu dienen eine ehre geachtet undj 
aolehes höcLlichen ftlrchten müssen.* Er würde auch echwe 
lieh in S 2S bemerkt luiben, drt.>vs die Häuser Leuelit^^nherg^ 
und Haieru .gleiehsüni an einem seiden1a<ien hjfngen und in 
der ketzer hende leichtJich kommen mochten/ Auf Baiem 
beaamen allerdings, fall.«« das dort regierende Haus ausstarb, 
protesfcaiifcisclie Fürsten ErbRns]>rtlche, bei Leuchtenberg aber 
war dies nicht der Füll und vor allem stand das Ausäterber 
dieser Hüiiser doch nicht in so naher Aussiebt, das» eiafl 
Katholik hier daran hätt*^ denken können, denn, wenn audl i 
Herzog Mrtxinüliau von Baiern keine Kinder beüass, «j war 
er doch noch jung imd gesund und hatte zwei Brüder,fl 
welche den Stamm fortpHanzen konnten'), und der regle- ' 
rende Landgraf von Leuchtenbei^ hatte einen 8ohn und zwei 
Enkel"), denen bei der Jugend der Eltern noch mehrere 
folgen konnten. Der Verfasser zeigt also hier fibertriebcne 
Besorgnis. ^ 

Hingegen spricht er von den böhmischen Unruhen weüV 
gleichgültiger, als es ein Augenzeuge derselben th»in könute. 
In g 29 Iwuierkt er nämlich nur, durch die Ketzer seieO| 
Böhmen und Schlesien «in äusserste uuordnung kommen',] 

1) Droysen S. 376 spricht von drei Brüdern, von welchen Kweil 
im ffetfltliclien Stande gewesen. Kr ftberaifiht, daj«a C'anlinal Philipp] 
schon 1598 «tarb. Coadjutor Ff^nliiiatid hatte die Priesterweihe aioktj 
empfangen, konnte im Notfall also aiii^h hciniten. 

2) Ltroysen sagt freilich S. 376: ,%» lebte in der That daniati 
nor noch Ein Landgraf von Leurhtenberg. Muiiioilian Adam, der 
lüOü Pr&sident des kaiaerlichen iJcheinirutCft war.' Kr verwechnell 
hier jedoch den Landgrolen Georg Ludwig , welcher doA be7J>ichDBl* 
Amt innehatte, mit meinem dama])« xweyährigen Kiikel, mit wclcheni 
dio Familie lB4ti wirklich ausstarb. 



F. Stifte: üdtf.r das StraJrndnr fische Guinchtfn. 



465 



lind in § 34, wo er clavon spricht, diiss in Ungarn nnd 

. (JeHtt'rreicIi leicht ein Aufstund erregt werden könne, erwähnt 

^■^ Böhmen nicht einmal. DafOr hebt er abt^r wieder in § 29 

^Tiervor: ,[)er pjrosser t^il des Niederland.-^ hat sich ihrer 

j(el)iirenden herrschaft entzogen, der ander ttril Imt nicht 

allein änsserstes verderben durch sie erlitten, Hondern ea reisset 

ach bei ihnen je leuger je mehr die j-euche [der Ketzerei] 

Letztere, nnbegrttndete Anpibe würde ein Katholik 

Bwiaa nicht erfnnden haben. 

Zu den Feinden des Hause« Oestcrreich ferner, wie es 

31 i^ettchieht, uueh Jftkob I. von Entbind und den diMii 

JKaiser dnrrh VerwandtHrhaft nud (glauben verbunderit-n Kiini^j 

an Pulen zu zählen und V(vn Absichten des Letzteren auf 

chlesien 7U ^pre^'hen, hätte einem Katholiken ebent'nllni wuh! 

nicht eiafalten können. Und solltt! wohl ein solcher in jj 154 

und 35 f^erühmt haben, dass Polen dem Hause Brandenburg 

egen der preussischen LehenscHafl 8o sehr gewogen sei 

'Tind das« die dortigen l'rote.*<tftnten demselben .gleichsam iilä 

E leibeigen rerkanft nnd verbllndlich gemacht* ^^eicn. wenn er 
B § 47 wiufiite, doss die Polen die in Preus.«en im Schwang 
gehende Meuterei schürten nnd .*o das Land in ihre eigne 
Hand zu bringen hofften? 
I Ebenso int nicht anzunehmen , daas ein Katholik sich 
durch die ftir Brandenburg so ungünstig verlaufene »traas- 
I bnrger Bistiinisfehde sollt« veranlasst gefühlt haben, in g 10 
L lu behaupten: »Die Schweizer stehen ihm gteichsam zum 
^Htbott, wie der strassbiirger krieg es gegeben", zumal die 
^protestantischen Kantone als solche jede Hfllfe verweigert 
[latten und ihre Insa-ssen nicht dem Markgrafen .lohnnn 
l^ Bondem der Stadt Strassburg gedient hatten.') 
Endlich ist nicht alizuseheu . wie ein Anhänger des 
darauf verfallen sein HoUt^, zn bemerken: ,L)ie 



1) Briefe nnd Acten IV. tiO. 



46« 



fiitxuHff der hinlar. Ctame rmw 7. Jiäi 1^3. 



I 



AnseeMtädte versehen sich sonderbarer gewogenheit zu Branden- 
burg, können auch seiner nicht entraten*, denn itSr eine 
solche Behauptung fehlte duch die that'^ächJiuhe Griuidlage 
und es bestand vielmehr ein gespannt^?* Verbältni* zwischen 
den Hnu^estadteu und den ihnen benueli harten KUrsteo. 

Noch ungleich gewichtiger als diese Einwände sind 
8f)duun diejenigen, widche die in ^ 41 — 48 gegebene Er- 
örteruüg der bruudeii burgischen Erbtiu^prüehe heniuäfonlert. 
«Die Befugnis der gtUchischeu succession", beginnt jene, ,Mfc 
auf der tieiten so gross, dass kein recht sein noch erdncht 
werden , kein schein ersehen noch erfunden werden , ja fast 
kehl mittel kun vorgeHclilugeu werden, dardurch zu wege zu 
bringen, da« Brandenburg dabei nicht s^oULe gelassen werden.' M 
Zunächst wl (w wohl nicht glaublich, dass ein Gegner Bran- , 
deiiburg!-, fall« er wirklich dessen Recht für uufiufeehtl>ar 
hielt, dieäe ihm höchst unwillkommene TliaUache in so Ober- ■ 
schwängiichen Worten anerkannt haben würde. Sodann al>er 
ist zu Iwachten , daas der Verfasser in den §^ 51 — öü duch 
selbst Grtlnde anführt, welche seiner Meinung nach das An- 
recht Brundenbtirgs hintiillig machen. Wie ist dieser Wider- 
.■tf)ruch 7U erklUrtiuV tüdiiiu das Gutachten zunächst Branden- 
burgs Hecht unbedingt anerkennt und erst gelegeutlich der 
Krörtenjug, wie man es beiseitesetzen könne, jene Einwend- 
ungen vorbringt, wird Hberdies die Auflassung nahegelegt 
dass der Verfasser dieselben lediglich als Scheingründe be- 
trachte. Was sollte jedoch eiueu Gegner Brandenburgs l>e- 
stimmt buhen, seinen VVatfon selbst ihre Schärft" zu nehmen V 
Für ihn wäre es doch weit beiiueraer imd zweckmässiger, ja 
geradezu unerlässlich gewesen . kurzweg zu sagen : »Ich 
untersuche die Berechtigimg der braudenburgischcH AnsprOcbe 
nicht. Wie es auch um dieselben stehen mag, sie irind er- 
loschen." 

Und Hess sich denn wirklich so gar kein Einwand gegen 
diis brandenburgische Kccht uii und für sich erheljenV lo 



i 



F.Stieee: Utbfr tia» Stralrndorfinchf OutncMtn. 



ii\7 



dem Reichshdfrutsj^iitachten vüni Augui^t 1008 wurde auf- 
geführt, da** ,üljer die weibliclve Krbtblge in Jülich j;rot*ser 
Streit sei*), weil nmn nicht wiswse, ob die kaiserliche Ex- 
f)ectaiix die Zu.stimnuing der LundstÜnde und der Churfilitcten 
und FOrsteu habe", und am tj. Juli ltJ09 konnte OsTttlli 
}>enchten: ,Di giä si scopriva, che Tlniperator iiitendesse, 
che cjufl feuHo fixsse lievidtit«, non huvcndo mai Il8^^i!ntito 
iklla cwnfirmatione del privilejfio dell' Imperatore Carlo cun 
U qusi coDcedeTa, cb'ü feudo potease passar nelle femioe 
dalle quali nascono H sopradetti principi , et se ben ftjsse 
.ftat«) riuovat<> da Ferdiuundo et Ma>isitniIiano Imperatori, 
nundiiueno per non esser riconosciuti) nellu dieta delli stati 
deir Imperio si pretendeva , che nou haveese il suo intiero 
conipiniento." Von diesen (iet^erjcründen schweijft unwer Gut- 
achten. Kin Katholik und voUeudä ein kaiserlicher Hat aber 
würde dieselben gewiss triftig gefunden haben oder er hatte 
^-^eie doch mindestens ^ um seine Behauptung von der Unan- 
p fechtharkeit des brandenburgischen Rechtes gegenüber dem 
I eutgegenge«etzten rrt^jÜe des Kaisers und seiner itäte auf- 
recht zu halten , eingehend widerlegen mUi^eu , und hierzu 
hätte er \un so mehr Änla-ss gehabt, als er seihst in § 59 
gegen äacitöens Ansprüche geltend macht, da8s dessen ,aD- 
wartuug ahsque consensu electorum et principum Imperii 
ganz nulliter geschehen* sei, und als Rudolf 11. wiederholt 
und noch i. J. li)02 Getiuchf: Aer Intercflsenten um Bestä- 
tigung de» von Karl V. erteilten PriTÜegH abschlägig lic- 
achiedeu hatt«.*) 

Gewinnen wir nun hier den tlindnick, dass wir in dem 
Verfasser nicht einen Gegner, sondern einen eifrigen Sai:h- 
walter Brundeubiirgs vor uns haben, ho verstärkt sich derselbe 



1) Hier sollte cn in dem Aufzuge bei Kitter Sachsen q. h. w. 
20 AniD. I, flon ich benOtte. wohl richtijKer heiesen: die weiblich« 
ICrbrolge Würde «ehr bestnttcn. 

2) Muyer Londorp I, 471. 



468 



Siteung der hitttor. Ctafine vtm 7. Juli 1883. 



durch seine Erörterung der Gründe . auf welche hin Ne 
bui^ und Zweibrficken ein beaaeres Erbrecht abi Brande 
liurg zu besitzen behaupteten.') Nur einen derselWn, welchem 
geringeres Gewicht eignete, teilt der Diaeurs AUKdrflckHch 
mit, fertigt ihn aber mit einer tieftigkeit, welche bei einem 
Gegner Brandenburgs nnerklärlich wäre, sofort als .zu ktn- 
di.S('h und nlhem* jib. Den wichtijjston dtigfgen, dii-ss niim-^ 
lieh zufolge Hern Privileg Karls V. nur die Söhne der Schwestern" 
Johann Wilhelms erbberechtigt waren, deutet er lediglich 
an, versichert, riass jenem Privileg »comuinda int^^rpretatione^ 
wol ein solcher verstand werden kann, so dem herkomraen^ 
und andern vertragen gemüss Ist", und uieiut, Kaiser Fer- 
dinand I. habe alle Schwierigkeiten aufgehoben and «das 
obacunun iirivilegium interpretirt', während derselbe eiDfa».^h 
dai* Privileg Karl^^ bestätigt Tind dal)ei ansdrücklich wie jener 
das Erbrecht den männlichen Nachkommen der Töchter vor-l 
behalten hatte. 

Dabei begegnet eä dem Verfasser in seinem Eifer. diU» 
er in § 42 behauptet, »die andern Geschwister* Johann 
Wilhelms hatten [zu Gunsten Eleonoren^ von PrenssenJ auf 
die jülicher Lande ,renTinrirt". Nun war jedoch aUbekannt 
dasM die Markgrärtn von litu-gau ilen ihr Hngewinnenen Ver* 
Eiclit mit GenehiTiignng Kudolß; II. verweigert hatte, und 
hierauf konnte doch ein kaiserlicher Rat oder ein anderer 
Katholik nicht vergessen. 

Indes das Gutachten enthält gleich im folgenden ParB- 
graphen einen noch stürkeren Verstoss. Da behauptet es 
nämlich nicht rar von Neuhurg, sondern auch von ,den 
anderen Geschwistern", sie hätten ^acqnieÄcirt'. Der Mark- 
graf von Bui'guu aber bot wie schon seit längerer Zeit so 
insbesondere damals Alles auf, um den Kaiser zu bewies. 



I 



1) Vgl. die AuHoinanderactzuitgen bei Ritter Goscbicht« tltr 
Union I. 50 0(. 



F, Stitve: Veber das fitrnletuiorfiichc Gutachten. 



4fi9 



dae» er ihm helfe, die Ansprüche seiner Oenmhiin ^reitend zu 
machen. *) LW musste ein Icnispr lieber Kat wissen und kpin 
Kutliolik konnte es für mOglich halten , dasü der Murkgrnf, 
ein eifrip;*.'r Kutholik , ein Vetter de« Kaisers der bninden- 
burgischen lieHitzergi-eifung ««cquieHcirt" habe. Hier können 
wir also nicht einmal durch die Voranssetznng falscher Ge- 
rflrlite den schroffen Widt^rsprucli zwischen dein Öutjudileu 
und den Thatsachen zu begleichen suchen und wollte man 
sich etwa durch die Ausrede helfen , der Verfasser habe 
Burgans Ansprüche ganz unberücksichtigt, lassen wollen, — 
wofür freihch wohl keine Erklärung zu Hndeii wäre — so 
würde derselben nicht uur der Ausdruck ^die anderen Ge- 
schwister", sondern auch der Umstand entgegentreten, das» 
in § 07 ausdrücklich vuu einer Abfindung Burgaus die 
Rede ist. 

Diese eine Stolle allein müsste mithin schon einen un- 
besiegbaren Verdacht gegen die Echtheit des Gutachtens 
erwecken. Rechnen wir all die anderen Bedenken , welche 
sich uns Hufdrungteii, Iitn/.n und erinnern wir nus, dass wir 
deren Ziisaniineustelluu^ mir mehr auf eine im höchsten 
Grade imwulirschoiuliclie und in keiner Weise zu stützende 
Vermutung: hin iintcrnahuieii, so wird wohl kein Zweifel 
obwalten können, dass iu dem angeblichen Gutachten Stralen- 
dorfe eine Fälschung vorliegt. 

Fragen wir nun nach deren Urheber, so wird sich unsere 
Vennutung auf einen Churbraudenburger lenken müssen. 
Nur ein Rolcher konnte jene ungemein genaue Kenntnis 
hrandeuburgUcher Dinge besitzen und nur ein solcher hatte 
ein Interesse daran, braudenburgs Macht ati ungeheuerlich 
2U übertreiben und für dessen Ansprüche mit Zurfickdrnngung 
aller widersprechenden Erwägungen so leidenschaftlich Partei 



1) IHe B«Iege hterfttr werde ich im Band VI der Briefe und 
Aclezi beibriugen. 




470 



Sitzung der hi»tor. Clangr vom 7. Juli tfiHS. 



ZU nehmen. Einem der Begleiter Uets ia den jQlicher Limden < 
weilenden MarkgrHfen Krust konnte es iudea nicht wohl ein-'i 
fallen, zu behaupten , diiss Nenburg „confcentirt" aei and 
.acquiescire*'. Dies war dagegen , wie ich zu zeigen hoffe, 
bei einem der Rät«, welche iu Berlin die llegierungdgescbäile j 
▼eraaJien oder welche den t^ich in Königsberg atif haltenden | 
Chnrfih*Mtcn Johiinn Siegmnnd umgaben, möglich. Wir werden 
mithin auf einen von diesen schliessen müi£üeJi. 

Einen Unind , welcher uns das verwehrte , vermag ich ] 
nicht zu entdecken. Wenn die Aufzählung der branden- 
burgischen Erwerbungen in § 3 insofern Unrichtiges enthält, 
als von Gebietsteilen , welche schon im füufzehnten Jahr- 
hundert an das Haus kamen, erzählt wird, sie seien erst seHj 
Joachim I. gewunueu wonleii , so kann ein solcher VeratoaB ' 
in damaliger Zeit nirlit ))efreinden und ich ghiube auch auf 
einen Churbraudenburger die Bemerkung anwenden zu dörfen, 
mit welcher Droyjieu S. 382 Stralendorf wegen jener Ver- 1 
st(')8se entschuldigt, indem er sagt: ,Eö kiun bei dieser Auf- 
zählung nicht so auf chntuologiflche Correctheit aU darauf 
an, eine stattliche Iteihe von meist böhmiKchen Lehen in der 
Lausitz aufzuziliileu . welche dieses bedenklich wachsende 
Hau-s BrundiMiburg erst in neuerer Zeit au sieh gebracht j 
habe. Der Eindruck war die Hauptsache. ' Dass sonst in 
dem Gutachten nichts eutholten ist. was nicht jeder GegneT 
des Kaisers behaupten konnte, und da*« in^bpÄondere auch 
die in den j5§ öl — 71 für das weitere Vorgehen des Kaisers 
gegebenen Ratschläge von einem solchen erfunden werden 
konntfin. ist .schon oben hervorgehoben worden. 

Die einzige Schwii^ngkeit, welche ii:h sehe, liegt darin, 
das» ich nicht actenmässig nachzuweisen vermag, daa$ mao 
zu der Zeit , in welcher der Discurs geschrieben *ein rau», 
in Berlin oder Königsberg bereits von der in § 58 erwähnteü 
chursächsLschen Gesandtsehafi und deren Zweck Kenntnis 
besass. Die Thatsuche der Abordnung war indes ja oifeu- 



F. Stieve: U^er das Streue uthr fische GutactUen. 



471 



kuudi^ uDil sollte selbst der dresdner Hof seine Absichten 
^heim gehaU^u liuben, — whxu doch schwerlich ein Anhis» 
vorhanden war — m konnte der in Prag hernicheride Maugel 
an Verschwiegenheit oder, du man a(]gümein wii-sste, da-a 
Sachsen Anspruch auf daj* jülicher Erbe erhebe'), eine nahe- 
liegende SchluÄnfolgerimg die Mügliciikeit schaffeu , von der 
Gciwindtschaft in der nnbestimmteu Weise, wie es an der 
erwähnten Stelle gej^thieht, zu sprechen. 

Ich glaube daher an der Annahme ^ dujss der Discnrs 
in Bertin oder Kf^nigsberg entstunden sei , festhalten zu 
dürfen. 

Die Grenzu der Entstehiiugs/eit wird dann nach der 
einen Richtung hin durch die üben erwiet^ene That^ache be- 
stimmt, das« der Verfasser weder von den am 24. filai er- 
lassiMien kaistTÜche» Liulnngeri noch vi>m dortniiinder Ver- 
trage Kenntnis be^iws. Ueber beide machte erst ein Schreiben 
des Markgrafen Ernst vom 20. .run?') Mitteilung. Daeuelbe 
traf am 2. Juli \u Berlin*) und vcrmutlirh um den 20. in 
Königsberg"*) ein. Bis zu (Jeni einen fider dem anilern Tage 
dQrfen wir abo die Abfassung des Gutachtens hinaut«cliiebeu. 
Anderseits kennen wir dieselbe wohl nicht über den Zpit- 
jmnkt vorrücken . wo mau von den Vepiuehen des Land- 
grafen Moriz von l^essen und des (Trafen Johann von Nassau, 
zwischen dem Markgrafen Ernst und dem Pfalzgrafen Wolf- 
gang'Wilheliii zu verniittelu, Kunde erhielt, was durch einen 



1) S. Briefe und Acten I. S. 14A. n. i;i2, 127, 130 a. «. w. Audi 
(^^aviklli »cbreibt Mchon am 20. April : ,Si scaopre luico, cli'H duca di 
SuftHOuia in virtu d'alcuni compattiti ch'hiivevii ccm quelli di Cleves, 
totuudi it'hiivervi niiifioii«-' .St«ulsnri;hiv Wien Diap. Ven. 42, 95 Or. 

2) Briefe und .^cten 1 n. l:)0. 

3) A. a. O. n. l^. 

4) Bin Uefebl des Chf. Johann Siegmund vom 14. Juni traf am 
B. Juli m Berlin ein ; a. o. 0. 



472 



Sitsufiff der hisiar. Vlasit n>m 7. Juli 1883. 



Brief des Markgrafen vom 20. Mai gcärbah^), deun vorher 
hätte schwerlich die Beuierkuii;^, dws» Neuburg .content' sei, 
gemacht werden können. 

Was nun die»e üenierkutig nnlan>^, ^o hiesse es in der 
Liift hauen , wenn man rliesoihe auf falsche Nachrichten, 
welche nach Berlin (Hier Küni^sl)crg gelangt wären, gründen 
wulltf. Mau nuiiw nie einfuch für einii hi!wu**te Krtinduug 
nehnieii. Churfiiivt Johann Siej^muiid wtillte nach Johann 
Wilhelms Tode unbedingt allein von den jüHcher Landen 
Besitz ergreifen; die Uhri^en Ansprecher Kolltcn «ich mit 
einem Keverüe und einer Cuution, welche ihnen ihre etwaigen 
Rechte vorbehielten, begnügen. Auf die Nachricht von den 
dnrch Ernst begonnenen Verhandlungen erklärte der Chur- 
först sofort, diws er .si<-li durtdi ditwelhen nicht gebunden 
enichten werde, falls nicht Nbuhurg bewogen werde, aus den 
jnlicher Landen 7.u weichen. Die Kunde von dem dortninmler 
Veiirag rief in Herlin und eliiniso ohne Zweifel in KÖnigslRTg 
die gröarite Enttäiuschung hervor, <lenn man hatte dort be- 
stimmt erwartet, daas Ernwt die ihm mitgegebenen Weisungen 
zur Aut«llihniug bringen werde, nnd der letzte Bericht, 
welchen Ernst V(»r dem 20. Jimi am 2. desselben MuUJited 
er><titttetc , hatte nichts entlialteu, waH ein Zuwiderhandelu 
gegen jene Befehle von seiner Seite heftirchten lies».') Inj 
die.ser Krwartmig nun erfand, wie ich meine, der Verfasser 
des Discurseri, daäs Neuburg , content* i«ei , weil er dadorcb 
den Zweck, den er verfolgte, desto bcRser zu erreichen hoffte, 
und da keiner der anderen Ansprecher den Versuch machte. 
thatsäcldicb von dem streitigen Erbe Be.sit2 zu ergreifen, «i 
fügte er um desselben Zweckes willen hinzu, diwa jene der 
branden burgif*chen Besitznahme .acquieacirten". 

Welche war nun aber die Almicht, zu deren Fftrdemug 
der Diacura geschrieben wurde V 

IJ A. ». 0. ä. 245 Amn. 1. 

2) A a. 0. n. 116. 118. 121, 124. 125, 128, 130. 133. 135. 188 .Um- 1 



¥, Stieoe: lieber dw Straletaiorfigche Gutachten. 



473 



OfTcnbar war derselbe fftr Chiirsachnen bestimmt, denn 
nur dadurch lääst en sieb erklären, dass in der einleitendiMi 
SchiiderunfT der Relchsentwickeluii^ Sachsen als die Vur- 
mnclit und Hoffmiivg der Protedtauten mit völlij-fer Umgebung 
der Churpfalz iinrl der Union hingestellt vr\n\ ; dass dann 
den sächsischen Ansprüuben allein neljen ilen brandenburgi- 
schtMi eingehende Erürtening gewidmet wird und ditss nchliess- 
lit'h ilie Lage so dargestellt wird , als könne nur mehr 
zwischen Brandenburg und SacliHen Über die Krbtichatl Streit 
entstehen. 

Dei^halb glaube kh die angeregte Frage in folgender 
Weise beantworten zu können: Die Xachricht von der süch- 
»ischen Öesandtscliaft naeh Prag erweckte den Cbnrlirandeu- 
burgern die Sorge, diu« Clmrsacheieu seine jtUicher AuäprUche 
mit Hülfe »le»* Kai^^eriJ geltend miu-heii wolle iinH tlass Kiidolf 
dicjä henntzen werde, um entweder die angeblichen Absichten 
der HaK'4hurger zu verwirklichen oder wenigstens Branden- 
burg zu verdrängeil. |)a wollte nnn der Verfas.ser unseres 
Oiwuntes Wichsen vom Kaiser abwendig machen und mit 
Mistniuen gegen flensellien orfCillen. Za dem Kmle eritniei-te 
er, die Maske eiue^ kaiserlichen liates annelimuud, /unächät 
an die tienicinsamkeit der prote-^tautischen Intercasen und 
sprach dabei von Sachsen in einer für dieses beleidigenden 
und aufreizenden Art. Daiui schilderte er in übertriebenster 
Weise Brandenburgs Macht und des Kaisers Schwilche, um 
Sachsen abzumahnen, den Kampf gegen jenes aufzunehmen 
und sich auf die-sen zu verlassen. Daran reihtL> er eine vor- 
behaltlose Anerkennung der brandentiurgischen An.'iprüche 
und weiterhin eine entschiedene Verurteilung der sächsischen, 
uro Kachwn die Hottnung zu nehmen, dass e^ durch kaiser- 
licheH Urteil die Erbschnfl erlangen koiiUL*. Kudlich gab 
tfr Ratschläge, wie Mich der Kaiser über Brandenburgs gutes 
K«cbt hinwegsetzen und die Lande durch Vergleich an sich 
bringen oder doch durch Secjuester einstweilen in Bcjüitz 



Silxunif der kigtnr. Clas»e vom 7. Jati Ii*83. 



nehmen und durch Hinr.iehiing des PnKeane» oder dnrch «nj 
urteil an sich brlnf^en kOnne. DubiM sprach er die Abäichti 
aiia, Branduiiburj^ tmd Sachsen K^K^u einander zu hetzen J 
n«i die Wirkung seines Torgeblichen Gutachtens zu rer-l 
stärken , nnd um jene auch filr den Fall, dusa der Raii^T 
bereits Sachsen Zusicherungen gemacht habe, zu sichern, j 
bemerkte er in g 71 , man niflsse Sachsen zu Zeiten ina-l 
geheim etwas Vorschub leisten. 

Legt man äich die Din^e in dieser Weise zurecht, sa| 
werden die Aust"il;hnni^en des ÜiHCurses im (.THiizen uud iu 
ihren Kiiixelheiten erklärlich und verständlich. Kr erscheint 
allerdings immerhin nicht uls ein Meist^cwerk diplomatischer 
Knnst, denn, wie n-ir sahen, .spricht er zu wenig vom Stand* i 
punkte einen Kathcdiken und kaiserlich Gesinnten aus; anch] 
nliertreibt er zu mii.sslüs um! der unkundigen lirörtcruug d^rj 
säch^^isclien Ansprüche gegeiillber konnte zu Dresden die Er-J 
inueruug au die früher iu Prag gepflogenen Verhandlungen] 
Verdacht erzeugen. Abtr jene Zeit arlieitete oft mit der- 
artig gruben Werkzeugen, man war leichtgläubig und urteillo<i 
und jede Partei war zu sehr in ihren eigenen AnAchanungca 
befangen, um nich in die einer anderen voll hinein<lenkea 
zu kt^niien. Die Erwartung de.s VerraRser« durch win« 
Päl^hung in r>re.<tden zu wirken, kann daher weder befrerail* 
lieh noch unberechtigt epHclieinen. 

Allerdings vermag ich nun auä den bisher bekannt ge- 
wordenen Acten ftlr meine Annahme keine Sttllze beizu- 
bringen, ja nicht einmal eine Spur von Verhaudltlngen. 
welche im Juni oder Juli KUli) zwischen Bnimlrnbiirg noil 
Sachnen angekritlpft worden wären, uachzuweiwn; du jwlocli, 
wie ich glant>e, dargethan wurde« dass dus Gutachten 
unbedingt eine Fälschung ist, und da so deutliche Finj(er- 
zeige vorhanden sind, dasa es von einem Churbrandenbunj^r 
fllr Chursachsen geschrieben wurde, so dürfte wohl auch dii 
weitere Folgerung berechtigt erscheinen. 



i 



OefteiiHifhe SiUung am V,>. Juli /«S.V. 



475 




Oeffeiitlii'he Sitzung 

(ur Vorfeier des Geburts- ii nd Nuiin'iist'i'Ktp.s 

Seiner Muje^tät des Koni;?.'' Ludwig 11, 

am 25. Jnli 1883. 

Wühlen. 

Die m der allgemeinen Sitzuii}^ vom 23. Juni voi^e- 
noninioin* Wnhl neuer Mitj^Iiedor liath- ilie ;illi'rlu'iclj?>te iJe- 
Uätij^ung erhiilten, imd zwar : 

^L A. Als ordeutliche Mit>;lie(Ii*r: 

Oer pbilnsnphiMich-pbilolo^^iscbeu L'lrtsse: 
Herr l>r. Kmst Kuhn, IVoft'.-wor nn der biesif;eii L nivei"ait:it. 

^L Der hiß ttirischfMi Ülaä»e: 

Herr Dr. Aloys von B r i u /, . Professor an der hiit^igen 

IlTnivi'rsiUit. 
B. Als ausserordentliche Mitglieder: 
er pbilosophiwcli-phi lol »fischen Ciasse: 
Dr. Friedrich <) bliMisi-hliij^er. IVift-ssor am liii- 
üigt'n k. Maxituih'uris-tiyiunujiiiiui. 
Herr Dr. Adolpb Römer, Profes-sor am liifsiKfi k. Lud- 
wigs-üy muasi u m . 

I Meiser, Professor ani biesigeu k. VVillielnis- 



GynnuLhiuni. 

W. PliiIo«.-plnlol.hütCI. 



*V 



476 Oeffentliche Sitzung vom 35. Juli 1883. 

C. Als auswärtiges Mitglied: 
Der philosophisch-philologischen ClatJse: 

Herr Dr. Ludwig Friedländer, Geh. Ilath und Professor 
an der Univereität Königsberg i. Pr. 

D. Als correspondirendes Mitglied: 

Der philosophisch- jjhilologischen Classe: 
Herr Dr. Martin Schanz, Professor an der Univorstität 
WlirzhuiT^. 



Or^fjnrttviua: Die GrütulHug äer rüid. Colonw Adia Capitotina. 477 



Historische Classe. 



Niu-hirü^ltcb xur Sitxim^ rnin i:t. .Ittnunr 18SS. 



Vnrtrajj (les Herrn Ferd. CJ n» j(o ro viua liber: 

«Die GrOmliing der r^minchen Colnnie 

A e t i a Cn ii i (.<» 1 i iiii*. 

Dip denkwürdigst* aller CoIonialgrüiKlungen des Kaisers 
Ifiulrinii ist die Aelia ('a]>iw)liiia auf den Trlimniem .lenwa- 
\^m^ goWfNon. Sie hat das fur'clil.fmr)' Werk i\vs Titus vol- 
l*»iidet, diu» Endt' der Geschichte dt« Judravolkes in seinem 
imtionaltMi (Viitriiiii besiegelt, und dieses se!i>ät fiir immer 
aufj^ehohcu - eine That-saclie von groAser Wirkung, weil 
durch sie die völlige Trennung des Christentums vom mo- 
xnistdien Juilentum und seine kor^nin politische ForteutwiukUuig 
entwliinlen worden ist. Sie hat die Stadt Davids erst in 
eine antik heidnische f Kolonie von tlünieni , Hellenen und 
l'hönjziern verwandelt, woraus sie dann »eit ConHtantin xu 
••iner rhristliidien Metrc)|nde von katholischer Heiligkeit ge- 
Honttrn ist, ohne doch als eine kleine , ubgelegeui- IVovin- 
xialHtnrlt den Ansiinich erheben zu können, der Mittelpunkt 
<ler christlichen Kirche zn sein. Kndlich hat diewe Colonie 
'3i#* nachjfidifiche topognij>hi^'elu' (iest-ilt JeruKaleinH festge- 
»telll, denn trotz, aller Vcründernngeri duri;h Körner und 
liyzftnt-incr. dun-h die Lateiner, AralH-r und Türken liegt 

31» 




47ß NatJttr. jur SUtHng iler histm. Ciattie vom 13. Januar 18S3. 

Jerusalem noch heute wesentlich in denselben Umfotaituig:^ 
linien der Aeliu Hiuirians.'} 

Ihre (jiriinduD;^ liünj^rt auf (la& en^te mit der letzten 
Krt'ilH'itf^erliebunjj der Juden TallUtinas unter HadriHii xu- 
siuiiiueii , und gerude die Krcigni.ssc dieses Krit-gc«, der tui 
Heftigkeit und Dauer jenem unter Veici>a.-*ian und Tilu» 
Icmim nachgcstanileii hiiL, sind uns nur in der dürtllgsteu 
Weise überliefert worden. Daher liul>eii die Untersuclningeii 
illjer den TrspHing der Aelia seit Witzius und Deyling. die 
im IS. Jahrhundert Kuerat die btitrL'llenden Daten gei^imnicll 
habnu, bis auf die jüugsteu Oestdiichttif hreiber des V(dk<* 
l.si-aid und tue TiijHij^nipheu JeruMaleius keine sicheren Kr- 
gchnisse gebracht.-) 

Sell)st das FortIel)en der Aelia Citpitidina unter den 
Naehfulfjierii Hadrian« ist bis auf Kusidiius dunkel gebliebL'ii. 
Du*> «pürliciie historische Material ist in nuHprer Zeit nicht 
durch neue Urkunden erweitert worden. Wir besitzen zwv 
Milnzrn der Aelia bt.s auf Hastiliaii, uhcr ki-ine Ausgrahunn 
in .leriL'^aleni hat InKL-hrifttüi an den Tag gelnrderi. die vtm 
der liesciiichte der hadriani^chen (lolrmie Zeugniss geben.') 

Was ieh hier behandeln will , kommt auf die Beani- 
antwoiiung dieser zwei Fragen hinaus: in welchem Zui^id« 



4 



1) HobiDHon BiW. Reaeivrches in Pttle«tme I, J6S : From Wie Üuw ] 
of Atlrian nnwani , fvi'ii t« our diL.v . thi.' liniits of the Holy (^Ij 
itpjM?ar t^> liavc uuilui'tfoiiu no iuiiinriunt rliiuigc. — 8e|>|». Ji-rawilfm 
und <lati lieil. Uind *J. Aiill. 1, 104. 

2} Henii. WiUii Miw;«!!. .Sacror. 11. Liigduni 1730! Kx<>n'JUtJn II. 
[Ii.<itoria lliuriwolyniiu; c. XI — XVI. (.Thri^t Kdm. t>e,vlitigij Ad««.' , 
(.'apitolinu*.' ÜriKinei* et Hiaturia, Lip». 174'J. 

;i) Nur i'ine. von Kraut entdetrkte Insclirift, ycrkehrt («iiigiwW 
in diR SntliiiaiuT de^ llamin tiiitiT il«>r Mosi-licc Aktia, scebCrt äst 
Aelia an: T. Aeli« lliulriiiiK» Aiitnuiiio Aii^- Tio P. W Tontif. An- 
gor. l?) n. t). VogÜL' li- Tiinplo IM. V.. und dtirau« in fV*n». In** 
Lat 111. n. llfJ. — Toblor Tapogr. v. Jenu. I. 60. 



Greffororius: Dir Crruntlitn/i drr mwi. Citlunir A^ia Cttpitoüua. -WW 



hat IlH^riiiii .lenisiilcm vnrficfiiiuk'n ? In wrlchcr Zeit und 
iinkT welchen riiiätiiiulfn hiit rT die Aeli« ^feplindet? 

Kaum ein Lichtstnil iler GesoIncliU» tUlIt smf den TrAm- 
inerhütifen .lerusulem nuch dem Abgänge de« Titu^. Nur 
i«t die Vrirstellmijf , dji.-s die gunze grt>sse Stitdt der Hnn- 
luoimer mal Herodiur dem Bmh'ii gleieli geiintrht worden 
ttei, und als ein wüstes TriiniiaerMd wühicud der Zeit de« 
Vt»pasiiui, Titiis, notiiitiaii. Nervst und Tnijan vi»l|kfniiinen 
Terhusen dagelegen habe, .srhun hU tjeseitigt jinzuschen. 
De Siiuley, welcher in den Kecherch&f mir la Nnniisiniiti<|Ue 
.ludaV(|ne (>>. 15(j) seine Verlegenlieit hekeiint, wenn er ans 
alten Ant^tren sicliere Notizon flber den Zustand .leniaalenis 
von Titns his Hadrian l^i^hringen soll, und andere Ki>ri*eher 
Haben zunächst aus Jnsephus bewiesen. dm*s die ZerstHrimg 
.liTiisuleins im Jahre 7<) keine voINtiindige gewesen ist.M 

Titus hat die TTirmkohwse l'hiusuelis, lli]i]dcus und Mari- 
iimne und die alt© Westmauer stehen gelap.«en , diene al^* 
Ligcr l'fir eine ii"Mni.-<(-he Besitzung, jene als Trophäe zuui 
Zeiigni&s vini <ler tStiirke der Stiutt , welche röiuisehe Krall 
Iwxwungeii hatt«».-) .\l>er auch r>hnö dies wUrtien die mas- 
inTttti Tünnif des Herode-s gänzlieher Zerstiirnng gespottet 
hiilx-n, uuii niM;h heute überzeugt ein <Iiiug tun die Maueni 
<ii.'» Ilaräiu vom Diweiit gewaltiger L'eherreste ans bulonit}- 
tiittclier und herodisoher ^it. AIh ich iiu März 1S82 die 
weltherilhniten tlrahmäler iru Tnle Jr)SH]d«ifc. namentlich das 
auch AIhuUou genannte, bctrat^htete , nmsste i<'b die Römer 
des Tittis preisini, weil sie diese altjildischen Maustdeen un- 
TfiRtehrt der NiK-hwelt üherhiatJen haben, ohwol sie auf dem 
1^'hanplatz, ihrer erhitlerteu nelugeruugskäujpie lagen, unter 
.dem Oeiherge und dem Ort Siloah. Sellwt die Porüile mit 



f 



1) De ftftulry. Leu [temiera Jouni de .lern», hiri« 1S66. S. 42.'> ff. 
■S«pp, 1, 100 ff, I>ie rieNiÄf^a yuudermauera am KhiK^platx der Joden 
Kelten norli ul» die iiriprOn(fli<'lH'n. 

2| Jow'plaiK iiell. Vll. 1. 1. 




480 Nachtr, jur SUzunr/ der hUiur. Classe cww 13. Januar StlH3. 

ihren Säulen und Onuiineiiten haben sir nicht an^fetusM.^ 
Noch bis auf Htidrian dmierk' nognr das Urubnial Suloiiius 
fort, denn Dio erzählt, dass ditiä von den Juden aui htfiligaten] 
verehrte Mmuuntmi kurz vor «leTii Beginne des hudrianisohettl 
Krieges von ^elbät zutianuuen^e^türzt ^ei; also hntt« e-s Tit(u| 
verschont, und nicht in ßethlehein , sondern luif Zion mu 
diese Königs^i^l't gelegen hüben.') 

Schon Mtlntt'r hat bemerkt, dass kein Kdict de* Tittal 
oder Veapasiau Ijekaunt iat, wekhes den Juden den H«*iirhj 
der zerstörten aber nicht exaugurirten !:jtadt verboten bal»e.*|^ 
Und selbst, wenn dies geschelien war, wurde da^ Verbot- 
seit Nerva wulirscheiulich nicht mehr in Auweudinig ge- 
bracht. *J Im Laufe der Zeit konnten flOchtige Einwohner 
sich in den Trümmern wieder eingerichtet haben. Auch die 
jtidi(«;he Christengemeinde wird nach ilirer Rückkehr aus! 
dem tnui-sjurdaiiiM'lien Liiiide, die Stätten ilirer Andwhtl 
wieder aufgesucht haben. Nach alten, freilich nicht sicherciij 
Traditionen war sogar ihre Kin-he aul Zinn verscllont 
blieben. *J 

Im 4. Jahrhundert hat man an die völlige VernichUinff { 
der Stadt so wenig gt^giaubt, dass Eusehius sogar die köhne 
Behauptung gi'wagt hat, Titus habe nur die Hältle .leriBa- 
lemü zerütört, dit; andere »ei er:>t durch Hadrian zehitürt ^ 
worden.*) 



1) Dio «y, U. 

ä) Der .Mt.liHfhi' Krie« Ü. 42. 

3) Kwftkl Gest;hichk' de^ Volke« I^r^el VII» H5'J. 

A) Nebst sieWn jüdiiii'hcn Syna;vovifen aaf Zum, Kpi|iliiiaiii> ^< 
_.yond. et mens. e. 14. Knch nu.timp; HiRt. ch-x Jiiif». XI, 2oA (tari i 
^tegur Rcst>.7 der ^tüluime JuOii und Benjoutin iiiu-li der ZervtMtufr i 
darch Titun in J<?riiwUt'm giitlielM'n. WiW rrnilich sehr iweifcUwfl i*l 

•t) ICiiitei), Dem. Kv. VI. I?*: lä Xitnof rtje noXiiue firptts ^/iist - 
Hieroxi. ad DardaJi. Oii|]. LI, BlÜ: riritatü PHqoe tul Hadn'&ottm pnn- 
cipem pfir quiiiqiiagintA jinno.i maimere retti)uiae. Si-alij^r Anita»'- 
in Kuseb. p. 194. Piigj Crit. in Uiiron. p. 121. 



Gretfofücius: Die GründitHH tlcr rom. Colonte Aetia L'apitniina. -iSI 



Nim Hiiricht liir die Btw(t)iiil>urkeit «ine» Restes der 
SUiHt luit'h d(?in Jahro 70 dir wirhtigsU* uUer Thatsaehf», 
nünilich der Benchk des .J<jMephiis, dass von Titiis seihtet der 
IV/.irk der Weritinaut'r ztini Kii^or f